Freitag, 25. Februar 2022
Fackel ins Dunkel
Mittwoch, 16. Februar 2022
Nachts um drei
Donnerstag, 10. Februar 2022
What's your season?
Gestern war ich bei meiner Schwester zum Kaffeetrinken. Sie ist nur knapp zwei Jahre älter als ich und doch schon in einer ganz anderen Lebensphase. Vor kurzem sind ihre beiden Kinder ausgezogen. Mein Schwager hat kurzerhand eine Wand eingerissen und zwei ehemalige Jugendzimmer in einen großen gemütlichen Aufenthaltsraum verwandelt - viel Platz, um ihre neue Zweisamkeit zu genießen! Aber nicht nur an der Raumaufteilung ist erkennbar, dass ein anderes Kapitel in ihrem Leben aufgeschlagen wurde. Meine Schwester hat eine Leitungsaufgabe in einer neugegründeten Gemeinde übernommen und gerade ihre erste kleine Predigt seit ganz langer Zeit gehalten. "Mir kommt es vor als hätte ich nach vielen Jahren meine Stimme wiedergefunden!", sagt sie, selbst noch ganz erstaunt. Ich staune auch. Und freue mich mit ihr. Es ist als hätte Gott ein paar längst vergessene Dinge und verloren geglaubte Projekte für sie aus der Ecke gezogen, den Staub abgeklopft und fröhlich gesagt: "Wie sieht's aus, sollen wir hier vielleicht mal weitermachen?"
Noch ein paar Tage zurück: Ich sitze mit einer Freundin aus Berlin im Cafe. Sie ist gerade mittendrin in der Kleinkindphase. Erzählt von ihrer quirligen Dreijährigen und einem nachtaktiven Einjährigen. Ich sehe wie tapfer sie sich durchkämpft ("spätestens nach zwei schlaflosen Nächten fange ich an genervt zu werden!") und das Mama-Strahlen in ihren Augen. Denke zurück wie das bei uns war und bin ganz dankbar für das, was jetzt ist (nie hätte ich gedacht, dass unser Kind mal länger als bis 6 Uhr morgens schläft - aber das Wunder geschah und geschieht weiter!). Wir reden auch ein wenig von unseren Träumen. Von dem was gerade liegenbleibt, was alles nicht möglich ist, weil einfach wenig Raum und Kraft dafür ist. Und nach einem kurzen, innigen Gebet füreinander sprintet die Freundin zurück zu ihrem kleinen Jungen, der gestillt werden will. Atemlos und wundervoll ist sie, diese Lebensphase.
Know your season!, dieser Satz fiel mir in letzter Zeit immer mal wieder ins Herz. Ich glaube es ist so wichtig für ein gutes Leben die Lebensphasen zu erkennen, in denen wir uns befinden. Manche Zeiten sind nicht so klar und offensichtlich wie bei meiner Schwester oder der Freundin. Ich stecke irgendwo zwischendrin. Vieles ist nicht mehr und anderes ist noch nicht. Gerade habe ich ein längeres Schreibprojekt abgeschlossen und da steigt die leichte Panik auf: Was soll ich denn jetzt TUN? Da ist etwas, was mich innerlich antreibt und mich mehrmals am Tag meine mails checken lässt - nur für den Fall, dass ich die Welt retten müsste... Nach einer vollen Zeit zur Ruhe zu kommen fällt mir wirklich schwer. Heute habe ich diese Worte neu entdeckt, in einer Erklärung zu der Jesusgeschichte, als er seinen Jüngern, nach einem aufregenden Einsatz für den Herrn, ins Boot verfrachtete und sie an einen einsamen Ort brachte:
Das Herz der Jünger Jesu war voll von dem, was sie für ihren Herrn getan und gesagt hatten. Nun sollte es wieder voll werden von dem was er ihnen sein wollte.
(aus: Hanspeter Wolfsberger & Evelyn Hause: Stille suchen - im Schweigen hören)
Mittwoch, 2. Februar 2022
Hard to say I'm sorry
Gestern kam ein bedrücktes Kind nach Hause. Nach einem recht schweigsamen Mittagessen und sehr zähen Versuchen Englisch zu lernen, bricht es aus ihm heraus: "Ich habe keinen Freund mehr!" Nach einigem vorsichtigen Nachfragen kommt die Geschichte ans Licht. Er hat seinen besten Freund verletzt und ihm wehgetan. Stumm sind sie danach nebeneinander im Bus gesessen und ohne ein Abschiedswort auseinandergegangen. Nun leidet der Übeltäter. Zusammen überlegen wir, was er tun könnte, um sich wieder zu versöhnen. Aber egal was ich vorschlage - er traut sich nicht. Unglücklich verzieht er sich an seinen Schreibtisch. Nach einiger Zeit taucht er wieder auf, ein Papierherz in der Hand. Darin eine Süßigkeit und ein hangeschriebenes: Es tut mir leid! Das wollte ich nicht. In Begleitung seines Vaters, macht er sich mit schweren Schritten auf den Weg zum Haus des Freundes. Minutenlang stehen sie vor der Haustür bevor er klingelt. Der Freund, der nun vielleicht für immer keiner mehr ist, macht auf. Bekommt das Herz überreicht. Mit einem zaghaften: "Es tut mir leid!" Die Antwort kommt prompt: "Ist schon ok. War doch nicht so schlimm." Die Mutter ruft "Komm doch noch rein!" und die Welt ist wieder in Ordnung.
Abends spielen wir mit dem erleichterten Kind noch eine Runde Karten. Heio ist wie immer nicht nur Mitspieler sondern auch Schiedsrichter und als solcher legt er die Regeln mehr als korrekt aus. Eine Eigenschaft, die mich auf die Palme bringen kann! (oder wie die Psychologen so schön sagen: Es triggert mich!) An diesem Abend eskaliert das Ganze. Ich sage Dinge, die ich besser nicht gesagt hätte, schmeiße die Karten wütend auf den Tisch und verlasse das Zimmer, ein bekümmertes Kind und einen verblüfften Spielleiter zurücklassend (hat er sich aus seiner Sicht doch nur völlig korrekt verhalten!). Es dauert länger bis wir wieder zusammen finden. Auch heute morgen spüre ich, dass unsere kleine Welt noch nicht ganz in Ordnung ist. Und wie schwer mir das "Entschuldige bitte!" fällt. Weil da ein Teil in mir sich gar nicht entschuldigen will! Weil ich immer noch davon überzeugt ist, dass ICH doch Recht habe! Und es irgendwie auch um mehr geht als um dieses blöde Spiel. Und überhaupt: Ich entschuldige mich doch immer! Und Heio enschuldigt sich nie! (Merke: Immer und Nie sind zwei unversöhnliche Freunde, die nie die Wahrheit sagen!) Ich ringe mit mir. Bringe ein halbherziges Enschuldigung hin, das ich bei meinem Kind nur augenrollend akzeptieren würde, und verkrieche mich vor den Computer. Schreiben ist manchmal eine hervorragende Tätigkeit, um sich vor wichtigen Dingen zu drücken (auch gut: bei Google-Earth alle Häuser, in denen man jemals gewohnt hat über Streetview betrachten). Aber ich drücke mich nur so halb. Ich schreibe ja schließlich darüber! Und ich frage mich ob es als Kind leichter war, sich zu entschuldigen? Nicht einfacher. Einfach ist es nie. Aber es gehörte einfach dazu! Man streitet und dann versöhnt man sich wieder. Immer mal wieder beobachte ich staunend wie ein kindlich zerknirschtes und halb verschlucktes "Tschuldi...!" ein strahlendes "Angenommen!" auslöst und Zwei, die sich eben noch geschworen haben NIE WIEDER miteinander zu spielen, Arm in Arm abziehen, als wäre niemals was gewesen.
Nun bin ich weit davon entfernt, kindliches Verhalten zu idealisieren - weiß ich doch von mir selbst, wie grausam und gemein Kinder auch sein können. Aber das mit dem versöhnen und vergessen - das können sie wirklich gut. Mensch, was wäre das, wenn wir Erwachsene das wieder lernen könnten?! Wenn ein Staatsoberhaupt sagen wurde: "Tschuldigung, war blöd, was wir da gemacht haben!" Und der andere ihm mit einem erleichterten "Angenommen!" ins Wort fällt. Und dann fängt man wieder zusammen von vorne an. Ja, ich weiß, so einfach ist es nicht. Das sagt mir mein Schiedsrichter von gestern abend. Über den eigene Schatten springen ist echt schwer! Und seine eigenen Wunden anschauen (lassen) ist auch nicht einfach. Und die Welt ist komplex und die Schuldgeschichten oft sehr verstrickt. Das ist alles wahr. Und doch. Ich glaube es ist das, was es so dringend braucht: Dass da einer Mal sagt: "Entschuldigung, vielleicht habe ich dich einfach falsch verstanden! Erklärst du mir's nochmal?" Dass da einer die Waffen sinken lässt und den ersten Schritt macht, auch wenn er das Gefühl hat, der andere hat auch ganz schön viel kaputt gemacht. Dass jemand mal einen Kniefall macht wo andere in Verteidigungsstellung gehen. Dass sich einer mit einem roten Papierherz zaghaft auf den Weg macht. Und dass da jemand die Tür aufmacht anstatt sich zu verbarrikadieren und "Angenommen!" sagt. Dass da einer den Groll und die stillen Vorhaltungen in dieTonne klopft und Seelenschmerz zu Kompost verwandeln lässt. Dass jemand noch eine zweite und dritte Chance verteilt mit einer Großzügigkeit, als hätte er noch eine ganze Kiste davon im Keller. Und dass einer die Regeln und wer jetzt eigentlich dran wäre mal unter den Tisch fallen lässt - ach, all das braucht unsere Welt so sehr!
Und jetzt drücke ich mich nicht länger. Manchmal bringt mich das Schreiben nämlich auch dazu, etwas anzugehen. Ich werde einen Kaffee kochen und mich entschuldigen. Und eine Sache kann Heio Gott sei Dank richtig gut: "Angenommen!" sagen. Und dann fangen wir mal wieder von vorne an.
Dienstag, 25. Januar 2022
Heimatboden
Unser wahres Sesshaftwerden besteht darin,immer tiefer in dem Herzen Jesu zu ruhen.
Donnerstag, 20. Januar 2022
5000 Gründe
Du hast ein reiches Leben!Reich an Menschen, Farben und Begegnungen.Und auch in schweren Zeiten gibt es Lebensreichtum!Es muß nicht immer Frühling sein und nicht jeder Traum wird wahr.Du bist aber immer umgeben von Liebe.Gott hat immer Lebensreichtum für dich.
5001. Morgenhimmel
5002. die Männer von der Müllabfuhr
5003. Präsenzunterricht. Zeit zum Schreiben.
5004. Ein Stück Himmel in der Post!
5005. Einladung zum Freundinnenfrühstück. Dass ich Freundin sein darf.
5006. Sonnenstrahlen auf dem Mittagstisch
5007. Winterbäume. Knorrig und wunderschön. (so altert man in Würde)
5008. erste Weidenkätzchen
5009. Ein Naturfilm über die Nordsee, der uns zum Staunen bringt, mit launigem Kommentator (über einen Hummer: "Diesen Kollegen kennt man sonst nur auf Eis, am Galabüffet!")
5010. Tolle Kinderbücher zum Vorlesen, die einen lebendigen, fragenden Glauben vermitteln
5011. Der Herrnhuter Stern, der uns abends leuchtet
5012. EIn "Ich hab dich lieb" am Ende des Tages.
Mittwoch, 12. Januar 2022
Mach langsam.
Ein neues Jahr hat begonnen und es klingt ganz beschwingt: 2022! Ich muß zugeben, dass ich mich nicht ganz so beschwingt fühle. Geht es euch auch so? Der Neustart fällt mir in diesen Tagen so richtig schwer. Nicht nur die ersten Sätze beim Schreiben. Auch das Aufstehen am Morgen nach den Ferien. Oh, wie haben wir an das schöne Ausschlafen und die langsamen Tage gewöhnt! Und nun soll alles schon vorbei sein? Auch mein digitales Fasten geht nun ganz plötzlich zu Ende. Die 4-wöchige Pause hat gut getan. Die Erkenntnis, dass es so gut ohne mich geht. Dass viele Informationen, Kontakte und Gruppenmitgliedschaften nicht nur belebend und gut sind, sondern manches auch zu viel für die Kapazität meiner Seele geworden ist. Jetzt bin ich vorsichtig wieder eingestiegen und es fühlt sich an wie mit dem ganzen Rest meines derzeitigen Lebens: Am liebsten würde ich mich noch eine ganze Weile unbemerkt in die letzte Reihe setzen und langsam zu mir kommen.
Gestern, auf dem Weg zur Post, ist mir eine Freundin begegnet, die gerade ihr Sabbatjahr macht. Wir haben uns kurz unterhalten und ich habe etwas von ihrer frischen Freude eingeatmet, dass noch einige weitere Monaten vor ihr liegen, in denen sie sich ausgiebig Zeit gönnen kann. Auch Heio ist dabei eine längere Sabbatzeit für die zweite Hälfte dieses Jahres zu planen und ich kann spüren, wie ihm das jetzt schon eine leichtere Gangart gibt. Ach, wir brauchen Pausen! Nicht nur die kurzen sondern gerade auch die ausgiebigen Ruhezeiten, die uns nicht nur ein paar Tage Unterbrechung vom Alltag sondern "Rekreation" schenkt - dieses alte Wort für Ruhe. Tomas Sjödin schreibt so gut darüber:
Rekreation bedeutet wörtlich "neu schaffen", "noch einmal schaffen"...und genau wie die Erschaffung der Erde nicht nach einer Woche abgeschlossen war, so müssen auch unser inneres Leben und unsere Gedanken umgestaltet und erneuert werden, immer und immer wieder. Genau das ist Re-kreation. Wir entscheiden uns für das Nichtstun und lassen das, was dann geschieht, mit uns geschehen. Wir ruhen vom Fortschritt, von allen Verbesserungen und Veränderungen und lasssen alles für eine Weile so wie es ist. Und verrückterweise kann daraus etwas wachsen, ganz unverkrampft. Wir lassen uns selbst, unsere Wege und Entscheidungen in gewissem Maße neu schaffen.
(T.Sjödin in: Warum Ruhe unsere Rettung ist)
Während ich das hier aufschreibe spüre ich diese Sehnsucht in mir nach Rekreation. Nicht nur ein paar Ferientage zu haben, in denen wir mal wieder ein bisschen aufatmen können, um dann genauso weiterzumachen wie vor der Pause, sondern noch ein wenig länger still zu halten, damit etwas in mir umgestaltet werden kann und vielleicht etwas ganz neues aufwächst. Nun kann ich natürlich nicht einfach die Ferien für mich und das Kind noch ein paar Wochen verlängern. Leider. Aber ich könnte in einem ruhigen Tempo beginnen und auf meinen Körper hören, der seit einigen Tagen ganz laut "Mach langsam! Bitte!" ruft. Zu oft in meinem Leben habe ich alles
in mir ignoriert und bin losgespurtet, nur um dann hinter der ersten Kurve wieder erschöpft zusammenzubrechen.
Über der Schöpfung liegt in diesen Tagen eine Ruhe, die auch noch einige Wochen anhalten wird. Es ist eine Einladung, an alle Geschöpfe dieser Erde, noch ein bisschen dabei zu sein. Kerzen anzünden. Wintertee trinken. Gedanken aufschreiben. Hinhören. Unserer Sehnsucht nachspüren. Kleine Spaziergänge am Abend machen. Die Stille und das Warten das noch über der Natur liegt, aufnehmen. Nicht zu früh mit dem Frühjahrsputz starten oder die Dinge schnell aufholen wollen, die liegengeblieben sind. Vielleicht können wir einfach alles noch für eine Weile so lassen wie es ist. Die Sterne am Fenster und das Laub auf den Blumenbeeten, wo sich unter der Stille schon neues Leben formt.
Re-kreation.
Ganz still fängt Gott neu mit uns an.
Mittwoch, 22. Dezember 2021
Fürchtet euch nicht!
Wir sind mitten im weihnachtlichen Endspurt. Samuels Adventskalender zufolge müsste es seit gestern schon Weihnachten sein, aber wir haben zum Glück noch zwei Tage. Heute Nacht lag ich um drei Uhr wach, um mir über das Weihnachtsessen klar zu werden und eine Einkaufsliste aufzustellen. Da Heio glücklicherweise auch nicht schlafen konnte, haben wir gleich den Gottesdienst für Heiligabend besprochen (warum habe ich nur die Verantwortung dafür übernommen?). Und in der noch verbleibenden Zeit bis zum Morgen bin ich immer wieder aus Albträumen hochgeschreckt in denen ich in einer großen Halle, vor vielen Menschen - die zu dicht beieinander saßen und keinen Mundschutz trugen! - etwas vorführen sollte und ich hatte keine Ahnung, was es war. Bevor ich nun müde die letzten Erledigungen mache und versuchen werde unser Chaos in der Wohnung wenigstens oberflächlich zu beseitigen, will ich euch noch einen Weihnachtsgruß schicken; mit ganz viel Dankbarkeit im Herzen, für euer treues Mitlesen, auch in diesem Jahr! Dass ihr euch immer wieder die Zeit dafür nehmt hier vorbeizuschauen, das ist ein großes Geschenk für mich! Als kleines Dankeschön schicke ich euch einen Weihnachtstext, den ich im letzten Jahr für den lebendigen Adventskalender hier am Ort geschrieben habe. Ich musste ihn kaum umändern, damit er in diesem Jahr nun auch wieder passt. Leider. Vielleicht könnt ihr ihn in einem ruhigen Moment lesen - falls es sowas bei euch in diesen Tagen gibt ;-)
Fürchtet euch nicht.
Stand der Dinge, kurz vor Weihnachten:
- Besinnliche Abende bei Kerzenlicht.Gelang auch in diesem Jahr leider oft nicht.
- gerissener Geduldsfaden mit Mann, Kind undsoweiter:Unzählige Male. Leider.
- Müde Tage: Zu viele davon.Geschenke: leider doch wieder welche von Amazon.
- Weltlage und Situation im Land:weiterhin sehr angespannt.
- so viel: Bange machenund: trotzdem weitermachen!
So viel: Fahren auf Sicht.
So wenig: Fürchte dich nicht.
Jetzt aber! Kurz vor Weihnachten! Eine andere Geschichte: Dunkles Feld. Hirten bei der Arbeit. Systemrelevant. Zumindest für ihre Schafe. Nachtwache. Zusammen mit allen, die nicht schlafen können. Schwierige politische Lage. Grübeln in Dunkel. Glut die langsam verlöscht. Kälte die unter die Haut kriecht. Brennende Augen. Pflichterfüllung. Weitermachen.
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Hinter den Kulissen: Ein Engelsheer nimmt Aufstellung. Räuspern. Kichern. Vorfreude. Gottes Lächeln: JETZT! Vorhang auf. Warmes Licht. Ganz warm. Unter die Haut, bis ins Herz. Glucksendes Lachen: Wir verkünden euch große Freude!UNS?
Ehrlich?
Ihr werdet finden.
Ein Kind. In der Krippe.
Ach und, vergessen am Anfang: Fürchtet euch nicht!
SIEHE!
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Und die Hirten: Plötzlich hellwach. Machen sich auf. Stolpern im Dunkel mit dreckverkrusteten Schuhen. Schafe blöckend hinterher. Wissen nicht wirklich wohin. An die erste Tür geklopft. „Aber das ist doch ein Stall!“ Fragen können wir. Und dann: Dampfender Tieratem. Petroleumduft. Windelgeruch. Und mittendrin:
Ein schlafendes Baby.
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Manchmal, wenn die Angst mich packt, mitten in der Nacht, lege ich mich neben mein schlafendes Kind. Ich höre auf seinen ruhigen Atem. Sehe sein entspanntes Gesicht. Es gibt wenige Dinge, die mich so zur Ruhe bringen und meine Angst besänftigen können wie dieser Anblick.
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Uns wird ein Kind geboren.
Uns, die wir stolpernd am Ende dieses Jahres landen. Die wir zu viele Nächte unruhig waren. Die wir an vielen Tagen müde waren, und änglich und ungeduldig. Wir, mit unseren gerissenen Geduldsfäden und schlecht eingefädelten Gesprächen und zu vielen losen Enden und dem Wunsch manches nochmal aufzutrennen und neu anzufangen.
Shhh, fasse neuen Mut.
schau auf das Kind.
Wendung der Geschichte.
Wendung in unseren Geschichten.
Neues Leben.
Neuanfang. Immer wieder.
Auch für mich.
Auch für dich.
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So wird es Weihnachten.
Mit einem Aufatmen.
Einem Alles-wird-gut in unseren Händen.
So unerwartet in unsere Nächte,
so tröstlich und sanft in unsere Tage gelegt.
So zum Niederknien nah.
Jesus ist da.
Damals wie heute.
Kein Dunkel vertreibt dieses Licht.
Deshalb: Fürchtet euch nicht!
Von Herzen wünsche ich euch frohe und gesegnete Weihnachstage und ein zuversichtliches Zugehen aufs neue
Jahr! Wie gut, dass Jesus in die Nachbarschaft gezogen ist.....
Donnerstag, 16. Dezember 2021
Was ich dir wünsche
"Ich hoffe, du hast eine gute Zeit auf deinem Adventsboot!", schrieb mir gestern eine Freundin, die meinen letzten Blogeintrag gelesen hat. Sagen wir mal so: Auch wenn ich immer noch sehr dankbar für diese ruhige Adventszeit bin - es ist nicht ganz dieses entspannte Dahingleiten geworden, das ich mir vorgestellt hatte. Die Realität ähnelt eher ein bisschen dem was Charlie Mackenzie in seinem wunderbaren Buch so treffend darstellt:
| (aus: der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd) |
Hab keine Angst und fürchte dich nicht,
denn die Herrschaft des Bösen zerbricht.An der Liebe, die selbst noch den Tod überlebt.
Ich bin da, darum fürchte dich nicht.
Und wenn du morgen wieder zweifelst,
ob es wahr ist, dass Jesus Christus hier unter uns lebt,
gibt es Menschen, durch die er dir nah ist...
Menschen, durch die er dir nah ist - das brauche ich so sehr! Menschen, die unter die Oberfläche meines Lebens sehen, mit denen ich die guten Momente, aber auch das verzweifelte Paddeln unter der Oberfläche, teilen kann und mit denen ich gemeinsam ansingen kann, gegen alle Zweifel und alles, was mir Angst macht. Solche Menschen zu haben, ist einer der größten Segen meines Lebens! Und wenn ich dir was zu Weihnachten wünschen darf, dann ist es genau das: Menschen, durch die er dir nah ist! Vielleicht hast du sie schon gefunden. Oder du suchst noch nach ihnen. Dann gib nicht auf! Man findet sie nicht immer auf Anhieb. Aber es lohnt sich, weiter nach ihnen Ausschau zu halten. Vielleicht findest du sie im neuen Jahr. Kann sein sie verstecken sich ganz in deiner Nähe. Und alles könnte mit der schlichten Frage beginnen: "Sollen wir uns einmal die Woche zusammen zum Abendbrot treffen?" Und die einfach gedeckte Tafel könnte zu dem werden, worüber Frank und Peter Hübner im letzten Vers singen:
Durch einen Türspalt dringt Licht aus dem Festsaal,in unsre Zimmer der Diesseitigkeit.... *
Diesen Lichtstrahl in dein Zuhause, das wünsche ich dir.
Mittwoch, 8. Dezember 2021
Paddelnd durch die Adventszeit
Heute morgen fiel mir wieder eine bestimmte Formulierung in den Schoß, die ich in diesem Jahr gelesen und nach der ich seit einiger Zeit vergeblich gesucht habe (das passiert wenn man zu viele Bücher liest!). Nun habe ich es wiedergefunden - direkt neben diesen einleitenden Worten im Johannesevangelium:
Das Wort wurde Fleisch und Blut und zog in unsere Nachbarschaft. (Johannes1,14, the message).
Donnerstag, 2. Dezember 2021
Zuversicht!
Heute morgen krabbelt im Dunkel jemand neben mich unter die Bettdecke. Ein leises Schluchzen: "Ich hab Angst, Mama!". "Wovor denn?", murmle ich müde. Ach, der kleine Sohn hat vor so vielem Angst in diesen Tagen: Dass der Schulbus nicht kommt. Dass der Schulbus ohne ihn abfährt. Dass sein Freund nicht im Bus sitzt. Dass ich nicht rangehe, falls er von der Schule aus anrufen müsste. Dass ich nicht da bin, wenn er wieder kommt. Zum Beispiel. "Die Angst ist eine blöde Kuh!", flüstere ich ihm ins Ohr. "Die schicken wir jetzt mal weg. Und dann nehmen wir uns stattdessen....hmmm, lass mal schauen, wer noch so alles in der Reihe steht: Die dahinten, die uns so anstrahlt! Wie heisst du denn? Zuversicht?! Prima. Dich nehmen wir." Das Kind muss jetzt doch ein bisschen lachen und wir werfen die warme Bettdecke ab und machen uns Frühstück. Und wie er kurz darauf im Dunkel Richtung Bushaltestelle läuft, kann ich sie fast neben ihm herhüpfen sehen, die Zuversicht. Und damit habe ich euch auch schon mein Wort für 2022 verraten. Ihr ahnt es:
Ich weiß, es sind noch ein paar Wochen bis zum neuen Jahr, aber ich durfte ganz spontan diese Woche noch an einem meiner Lieblingsorte vorbeischauen. Und dort, bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Weinberge, ist mit das Wort über den Weg gelaufen, hat mich an der Hand genommen und nicht mehr losgelassen.
Zuversicht. Laut Wortherkunft weit mehr als nur Optimismus. Vielmehr: Ehrfurchtsvolles Aufschauen. Begründete Hoffnung! Sie begegnete mir wieder beim Abendgebet, in der alten Kirche. In die Stille hinein wurden Worte von Jesus gelesen. Seine Beschreibung von den schweren Tagen, die in den letzten Zeiten der Erde kommen werden. Von großer Angst, bedrohlichen Wellen, von Kriegen und einer Natur die aus dem Gleichgewicht gerät. Ehrlich, ich mag es nicht so sehr wenn Christen mit bedrohlicher Stimme von den "letzten Tagen der Welt" reden. Das hat mir in meiner Kindheit große Angst gemacht. Wenn ich nach Hause kam und meine Eltern nicht da waren dachte ich, dass nun die erste Auferstehung geschehen war und ich, wie befürchtet, zurückgelassen wurde (alle Pietistenkinder wissen wovon ich rede). Sagen wir so: Ich habe genug Endzeitptredigten gehört, dass es bis zur Wiederkunft Jesus reicht! Aber als ich nun in dieser Kirche saß, die nur von flackernden Kerzen erhellt war, und der Wind an der alten Holztür rüttelte, da fühlten sich die Worte nicht wie eine Drohung an, sondern wie eine nüchterne Zustandsbeschreibung unserer Welt. Das hat mich kurz etwas erschreckt. Aber dann - wie eine feste Umarmung - fügt Jesus diese Worte hinzu:
Wenn ihr die ersten Anzeichen davon mitbekommt, dann richtet euch auf und erhebt eure Köpfe. Denn eure Erlösung naht! (Lukas21, 28).
Zuversicht! Das ruft Jesus seinen erschreckten Jüngern entgegen. Zuversicht! Es erinnert mich an etwas, was die Soziologin und Autorin Brene Brown einmal ungefähr so beschrieben hat: Wenn man Schreie aus den Kreissaal hört, dann ist das etwas ganz anderes, wie die Schmerzensschreie von anderen Stationen. Da weiß man: Jetzt ist das neue Leben auf dem Weg! Mir scheint unsere Welt liegt in den Wehen. Vielleicht nicht so, dass man alles zusammenpacken und ins Krankenhaus rasen müßte. Aber doch so, dass man einmal die Hand auf den Bauch legen - ein paar mal in den Schmerz atmen - und mit einem Lächeln spüren könnte, dass das neue Leben auf dem Weg ist.
Zuversicht, ihr Lieben!
Zuversicht.