Dienstag, 26. Oktober 2021

Vergleichen wir uns!

Vor einigen Tagen habe ich eine Freundin mit ihrer Familie besucht. Wir haben uns nach draußen geschlichen, als die Kinder friedlich gespielt haben (never change a winning team!) und saßen auf den warmen Holzstufen ihrer Terrasse in der Herbstsonne.  Sie erzählte mir von Online-Vorträgen einer Konferenz für Frauen, die sie sich angehört hat. Leider war es für die Freundin nicht wirklich ermutigt. Obwohl die Rednerinnen ganz ehrlich auch von ihren Fehlern und ihren Begrenzungen erzählt haben. Trotz allem haben sie alle ziemlich stark und anpackend gewirkt und das, obwohl einige von ihnen noch in der stressigen Kleinkind-Familienphase sind (in der ich niemals einen Vortrag hätten halten können  - allein schon deshalb weil ich kein sauberes Oberteil  im Schrank gefunden hätte!)  "Wir dürfen uns halt nicht vergleichen!", sage ich müde, mit meinem schmerzenden Kopf. Der Satz verdampft wie ein kleiner Teetropfen auf der warmen Holztreppe. Dann wurden die Kinder unruhig und wir redeten über andere Dinge - aber das kurze Gespräch blieb wie ein Bodensatz in meinem Herz. Es hat mich nicht losgelassen. Und heute dachte ich dann plötzlich: Was wenn es genau anders ist? Wenn wir uns vergleichen sollten? Weil unsere Unterschiedlichkeiten unser verschiedenes Fassungsvermögen so offensichtlich ist, wie die Bechergrößen bei McDonalds! 
Da gibt es die wunderbaren X-Large Frauen! Ihr habt ein riesiges Fassungsvermögen und leistet Großartiges! Auf die Bühne mit euch! Leuchtet und zeigt alles was in euch ist! Wir stoßen mit euch an!!! Aus tiefstem Herzen: Danke, dass ihr euer Leben  mit uns teilt! Dass ihr uns anfeuert! Und dass ihr so verletzlich seid und auch über eure Schwachheit redet. Aber euer "halb voll" ist für manchen von uns leider immer noch "viel zu viel". Einfach weil wir Medium oder sogar Small-size sind. Nicht in der Klamottengröße (da sollten wir uns wirklich nicht vergleichen!) aber in der Kraft und der Kapazität die wir schon von unserer Grundform haben, in der wir geschaffen sind. Und wenn dann bei manchen noch chronische Schmerzen oder schwierige Lebensumstände dazu kommen, wird aus der Small-size nochmal ein bisschen weniger.  Und da können wir nur müde lächeln, wenn andere davon reden, dass sie sich nun entschieden haben eine Fertigbackmischung zu verwenden und die aufwendige Motto-Kindergeburtstagsparty zu streichen (die Beispiele sind frei erfunden!). An manchen Tagen sind wir nur froh, wenn wir morgens aus dem Bett kommen und abends wieder dort reinfallen können, ohne uns selbst und andere ernstlich verletzt zu haben. Wirklich, ich will hier niemand runterreden! Ich wünschte nur wir hätten ALLE verschiedenen Größen auf den frommen Bühnen! Damit will ich nicht sagen dass ICH dorthin will. Wirklich nicht. Ich fühle mich die meiste Zeit tatsächlich viel zu müde - und langsam auch definitiv zu alt dafür! Aber ich denke zum Beispiel an eine wunderbare Freundin, die hochsensibel und introvertiert ist und ganz schnell an ihre Grenzen kommt. Aber das was sie weitergibt  ist einfach so wunderbar sanft und gleichzeitig so ermutigend und stark, wie ein Doppelter-Espresso!(der geht bekanntlich in ein sehr kleines Gefäß!) Nach so einem Vortrag müsste sie sich mindestens eine Woche erholen, aber was wären wir gesegnet!!!! (und vielleicht ist hier genau das was diejenigen mit kleinen Gefäßen am besten lernen - und auf der Bühne mit anderen teilen könnten: Die Notwendigkeit, dass wir in Gottes Nähe bleiben müssen, um erfüllt leben zu können!). Ach, es ist doch oft gerade unsere Unterschiedlichkeit mit der wir einander segnen können! Und das Problem, wenn wir uns vergleichen ist, dass wir dabei meistens denken wir müssten gleich sein! Und je nach dem schneide ich oder mein Gegenüber schlecht ab. Aber wenn wir uns vergleichen würden, um dann unsere Verschiedenheit bewusst wahrzunehmen und zu feiern - könnte das doch sehr ermutigend sein, oder?
Unser Schöpfer hat uns so viefältig gemacht! Er sieht auch unsere Umstände und nimmt genau wahr was uns schwerfällt. Was bin ich froh, dass er deshalb keinen Einheitsmaßstab bei uns verwendet! Er erwartet eben nicht von jedem dasselbe! Er weiß ganz genau was uns möglich ist, und was uns schwer fällt und wie groß unsere Kapazität ist. Aber ich glaube was er von uns allen erwartet ist, dass wir ihm das hinstrecken was wir haben. Egal ob es ein X-Large Becher oder eine kleine Tasse ist. Und dann füllt er uns auf mit seiner Liebe und sagt lächelnd: I love my love in different sizes!!!! Oder so ähnlich :-) Und dann stoßen wir an, mit  unseren großen und kleinen Bechern, und lassen mit unseren Leben, so verschieden wir sind, unseren Gott hochleben! Denn darum geht es doch am Ende, oder nicht? 
 


Dienstag, 19. Oktober 2021

Der Specht an der Wand (Eine Kampfschrift)

Heute bin ich nicht ganz bei der Sache. Ich liege nämlich auf der Lauer. Seit Tagen schon. Egal was ich tue - ich höre immer auch Richtung Esszimmerwand. Seit einiger Zeit versucht nämlich ein Specht sein Nest zu bauen. In unserer Hauswand! Als die vorherigen Bewohner uns genau davor warnten, fand ich das eine romantische Vorstellung von unserem zukünftigen Landleben. Wie nett! Ein echter kleiner Specht, der ab und zu ein Haus mit einem Baum verwechselt?! Haha. Ich konnte das ehrlich gesagt nicht so richtig glauben. Und deshalb habe mir weiter keine Gedanken gemacht. Auch nicht als ein kleines rundes Loch neben unserem Fenster im dritten Stock entstanden ist. Ich habe es überhaupt nicht bemerkt! Und Heio dachte das sei irgendein Rohr, das uns vorher halt nicht aufgefallen ist. Wir sind erst aufgewacht, als wir im Rasen über das Dämmmaterial unserer Hauswand gestolpert sind!
Und jetzt haben wir dem Specht den Kampf angesagt!!!! Unter Lebensgefahr hing Heio am Wochenende aus dem Fenster und versuchte mit Hilfe eines langen Steckens Spachtelmasse in das "Rohr" zu stopfen (nein, wir hatten keine so lange Leiter und außerdem sind wir beide nicht schwindelfrei!). Gott sei Dank hat es irgendwie funktioniert und der Mann lebt noch. Dummerweise hält der leidlich zugemauerte Eingang den Specht nicht davon ab, sein Zuhause aufzugeben. Er hat sich inzwischen sogar eine Elster zur Hilfe geholt! Das ist eine Kampfansage! Und so geht das nun, seit ein paar Vormittagen: Sie hämmern gegen die Wand und ich reiße wütend rufend das Fenster auf, um sie zu verscheuchen. So viel zum romantischen Landleben. Bald übernimmt die blinkende Plastik-Eule (die Heio im Internet bestellt hat und hoffentlich, hoffentlich zur Abschreckung helfen wird!). Bis dahin halte ich die Wache.  Von wegen: Spatz in der Hand! Der Specht an der Hauswand! Aber ihr habt euch mit den Falschen angelegt, gefiederte Rattten!!! Ihr merkt, ich bin leicht emotinal drin im Thema. Entschuldigt, liebe Tierschützer- ich finde Spechte wirklich toll! Nur nicht wenn sie aus der renitenten Hausbesetzer-Szene kommen. So. Deshalb sitze ich hier in Lauerstellung. Und denke nach. Über die Vögel. Und das Leben. Und wie manche kleinen Dinge, wenn man nicht achtgibt, ziemlich großen Schaden anrichten können.  Und natürlich kommt mir dabei der bekannte Satz, der Martin Luther zugeschrieben wird, den mir eine strenge Lehrerin in meinen Poesiealbum hinterlassen hat:  
Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel um dein Haupt fliegen, 
aber du kannst verhindern dass sie sich darin einnisten.

Damals, in der sorglosen Zeit als Grundschulkind, als die Spechte noch friedlich im Wald gegen Tannenbäume pochten, hab ich den Satz nicht wirklich verstanden. Heute weiß ich genau was Herr Luther damit meint. Man kann nicht wirklich verhindern, dass uns unwahre und schlechte Gedanken anfliegen und dass an manchen Tagen auch mal verstärkt die Sorgen, um unseren Kopf kreisen.  Aber dass sie sich dort einnisten - das sollte man besser vermeiden! Das kann ich nun aus leidvoller Erfahrung sagen: Ganz vieles was nicht konsequent weggescheucht wird, fühlt sich eingeladen zu bleiben! Und dann braucht es einiges an gesteigerter Wachsamkeit und Mühe, diese schädlichen Dinge wieder in die Flucht zu schlagen (Gott segne alle hilfreichen Seelsorger mit ausreichend Spachtelmasse!). 
Ich könnte noch einiges dazu schreiben, über ein paar ungute Gedanken die sich gerade bei mir einnisten wollen, aber mir scheint ich höre ein sanftes Klopfen an der Außenwand. Entschuldigt mich! Ich muß mein Hausrecht verteidigen!!!

Hier sitzt er so unschuldig, der Punk! (Foto: Canva design)

Dienstag, 12. Oktober 2021

Puzzeln mit einer Ungeduldigen

Heute übt das Herbstwetter schon mal für den November mit Nebel und Nieselregen. Was soll man an so einem Tag nur machen? Wie soll ich an diesem langen Nachmittag das Kind beschäftigen? Eigentlich ist es das perfekte Wetter, um eins unserer Puzzle rauszukramen. Das letzte Puzzle das wir, ebenfall bei Dauerregen, im Urlaub fertiggestellt haben war die Welt. Ja, wir haben tatsächlich die Welt zusammengesetzt! (Kleiner Tipp falls ihr das Puzzle macht: lasst euch nicht mit dem Ozean und den Inseln im Pazifik beauftragen - ich habe dabei mehrere Male so richtig die Nerven verloren!) Heio ist ein leidenschaftlicher und sehr geduldiger Puzzler. Und Samuel kommt in dieser Hinsicht ganz nach seinem Vater. Zum Glück!  Für mich gilt: Puzzle die mehr als 50 Teile haben sind eine große Herausforderung für mein ungeduldiges Wesen! Und wenn schon abzusehen ist, dass es mehrere Regentage benötigen wird, um ans Ziel zu kommen, habe ich schon gar keine Lust damit anzufangen. Aber weil ich es grundsätzlich schön finde wenn wir alle etwas gemeinsames machen und puzzeln anregend für mein alterndes Gehirn ist, mache ich mit. Auf geht`s! Lass uns die Welt zusammensetzen! Ich bilde hektisch kleinen Stapel (mit ganz viel blauem Ozean) , reiße immer wieder den Karton mit der Vorlage an mich und murmle dabei ständig: "Wo ist denn das verdammte Teil...."  Ab und zu wird  konzentrierte Stille von einem befreiten: „Jaaa, das passt!“ unterbrochen. Und wenn es plötzlich unerwartet gut läuft, werde ich ganz verbissen. Ich bin dann im Lass-uns-das-Dinge-jetzt-endlich-fertig-machen!- Modus. Das ist oft genau der Moment in dem Heio sagt: „Komm, lass uns Schluss machen!“ Zu meinem großen Unmut nimmt er mir freundlich aber bestimmt die Puzzleteile aus der Hand, legt sie alle vorsichtig sortiert auf den Schrank und freut sich insgeheim schon auf den nächsten Regentag. 
Am heutigen November-Regentag habe ich eine wunderbar passende Stelle in der Bibel  gelesen, die Paulus in einem Brief an die Kolosser geschrieben hat:

Wir schauen auf seinen Sohn (Jesus) und sehen den Gott den wir nicht sehen können. In ihm sehen wir Gottes ursprünglichen Plan mit allem was er erschaffen hat. ... ER ist so „geräumig“ und reicht so weit, dass alles seinen passenden Platz in ihm findet. Und nicht nur das – auch alle zerbrochenen und verschobenen Teile im Universum – Menschen und Dinge, Tiere und kleinste Atome – werden passend wiederhergestellt und zu einer lebendigen Harmonie zusammengefügt. Das alles geschieht durch seinen Tod am Kreuz und das Blut das er dort vergossen hat.  (Kol.1, 15ff,  the message, frei übersetzt).

WOW! Dieses Puzzle ist wirklich riesig: Das ganze Universum (ganz viel All und blauer Himmel- sehr schwierig zusammenzufügen!!!!) , das Sichtbare und Unsichtbare (letzteres noch schwieriger!) wird durch Jesus zu einem wunderbaren großen Ganzen zusammengefügt. Und vielleicht ist das die perfekte Beschäftigung für trübe Tage: Die Bibel auf dem Schoß. Und ein paar Teilchen Leben in unserer Hand. Das große Bild betrachten und ab und zu ein paar Stücke, mit Gottes Hilfe, an der richtigen Stelle einfügen. Aber ich will mich nicht der Versuchung hingeben, dieser Ungeduld und Verbissenheit die uns an den kurzen Tagen, die wir hier verbringen ergreifen kann, alles passend zu machen! Und auch nicht der Verzweiflung nachgeben, dass die entscheidende Stücke irgendwo in einer anderen Packung gelandet sein müssen oder ganz verschwunden sind. Nicht selten sitze ich mit meinem kleinen Haufen an Einzelstückchen ratlos da und denke: das passt doch nirgends!   Und dann ist es als würde Jesus mir zuflüstern: Hab doch ein bisschen Geduld! MIt dir. Und mit der Welt! Am Ende findet alles seinen Platz in mirWie das passiert - das ist sein großes Geheimnis. Beim Betrachten unserer großen und wunden Welt kommt mir das unvorstellbar vor!  Und auch bei den kleinen Einzelteilen meines Lebens denke ich, dass da so einiges fehlt (und dass das meiste irgendwie gleich aussieht!).  Bei vielen meiner Tage kann ich mir kaum vorstellen, dass sie einen sinnvollen Platz im großen Ganzen haben werden. Oh doch!, sagt Jesus. Und: Du wirst staunen!  (und die richtig schwierige Teile finden wohl erst ganz zum Schluß die passende Stelle!).  
 
Draußen wird es gerade ein bisschen heller. Vielleicht lass ich das für heute, mit dem puzzeln. Wir haben schließlich noch ausreichend Regentage vor uns...

 



One day...am Ende aller trüben Tage.💓

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Blätter sammeln

Mit kindlichem Vergnügen stürze ich mich jeden Herbst darauf: Ich sammle Blätter! Gestern habe ich mehrfach einen kleinen Auffahrunfall mit dem Fahrrad riskiert, weil ich auf dem Radweg ständig abrupt bremsen musste. So viele schöne bunte Herbstblätter am Wegrand! Keine Ahnung was ich damit machen will, aber ich stopfe mir meine Jackentaschen damit voll und bring sie mit nach Hause. Ich finde sie müssen einfach bestaunt und gesammel werden! Die Schönheit des Vergänglichen. Keine Jahreszeit ist besser dafür geeignet diese Schönheit zu betrachten als der Herbst. Die letzten Abende, an denen es nun schon so früh gemütlich wird, habe ich mich ,gemeinsam mit Samuel, durch alte Fotospeicherkarten geklickt (manche Leute ärgern sich weil sie keine Fotoalben sondern nur digitale Ordner haben - ich schaffe es nicht mal alle meine Fotos auf den Computer zu ziehen!). Wir betrachten also die Bilder. Darauf vor allem das Kind in seinen ersten Jahren: Samuel beim Babyschwimmen, Samuel beim ersten Breiessen, Samuel am Strand in Holland, Samuel an der Hand von Oma im Schwarzwald, Samuel beim Geschenken auspacken unterm Weihnachtsbaum.... Ab und zu sieht man das müde grinsende Gesicht eines Elternteils daneben. "Weißt du noch?" Rufe ich immer wieder, ähnlich glücklich grinsend  - nur mit viel mehr Lachfalten im Gesicht! Das Kind ruft bei jedem Bild begeistert "JA!", aber ich habe doch meine Zweifel ob er sich an den Besuch von seinem Opa auf der Geburtsstation erinnern kann. Ich werde ein bisschen wehmütig. Wie schnell doch diese besondere Zeit vergangen ist! Und gleichzeitig bin ich auch dankbar, dass das Kind heute länger als eine Stunde am Stück schlafen kann, alleine duschen geht und ich nicht mehr nach einem Satz den Faden verliere, weil ich vergessen habe was ich sagen wollte (oder weil das Kind mir in den Ausschnitt spuckt). Manchmal macht der Rückblick nicht nur dankbar für das was war, sondern auch für das was geworden ist! Und auch das will ich in diesem Herbst betrachten, wenn möglich mit einer Tasse Tee in der Hand:

Den warmen Ofen an den wir uns setzen können

Den roten Schulbus der sich langsam um die enge Kurve windet und das große Schulkind an Bord hat

Den hochgewachsenen Kastanienbaum an der Straße (samtige Kastanien sind neben bunten Blättern auch ein Grund zum in die Knie gehen!)

Bücher, die in diesem Jahr erschienen sind und wunderbare Geschichten erzählen

"Wer weiß denn sowas?" am frühen Abend im Fernseher anschauen, eingekuschelt auf dem Sofa, mit meinen zwei Lieblingsmenschen

warmes Kerzenlicht  und bunte Herbststräuße

die letzte Gartenernte und Kürbissuppe und Apfelmus daraus machen

Und in ein paar Jahren betrachten wir unser Heute auf der Fotokarte und ich sage lächelnd (und vielleicht auch nur zu mir selbst und mit noch viel mehr Runzeln im Gesicht!): "Weißt du noch?". Und ich will dankbar sein für alles was war und für das was geworden ist.  Die Schönheit des Vergänglichen; Jahr für Jahr will ich sie weiter sammeln und am Ende der Reise voller Freude mit nach Hause bringen, wie bunte Herbstblätter und Kastanien in der Jackentasche.

 



Ich liebe den hohen Herbsthimmel !

frisch "geerntet": zwei wunderbare Bücher von zwei tollen Frauen!


Sonjas Buch weckt in mir Sehnsucht mehr hinzuhören- auf unvergängliches!

Mittwoch, 29. September 2021

Zum Mitnehmen!

Am Sonntag waren wir mit Freunden auf einem Buchmarkt. Überall in der Innenstadt waren Stände aufgebaut mit Kisten voller Bücher! Mit glänzenden Augen stürzen wir uns auf die ersten großen Bücherstapel und verloren uns auch schnell aus den Augen. Als ich ein paar Kisten später den Mann meiner Freundin wiederfand und ihn fragte ob er schon einiges gefunden hat, meine er: "Es ist mir zu viel! Da kann ich wahrscheinlich nichts mitnehmen." Mir war sofort klar was er meinte. Mir ging es ähnlich. Wären wir an einem kleinen Bücherregal vorbeigekommen hätte ich sicher schon meine Tasche voll mit Lesestoff. Hier aber, bei diesem riesigen Angebot, tat auch ich mich schwer. Also saßen wir früher als erwartet im Biergarten. Meine schwere Tasche lag neben mir (Samuel tat sich leichter mit dem Mitnehmen: Er hatte eine Kiste mit Drei ??? Kids-Bücher entdeckt!), ich freute mich auf den Flammkuchen und mein Blick ging nach oben zu weiten Ästen des Kastanienbaums unter dem wir saßen. Die Sonnenstrahlen fielen durch die bereits bunt befärbten Blätter. "Ach wie schön, es ist ja fast schon Herbst!" kam es mir über die Lippen. Meine Lieblingsjahreszeit! Fast hätte ich den Anfang verpasst! Vielleicht weil sich gerade gefühlt mein Leben  kistenweise stapelt: Geschichten denen ich zuhören will, Geschichten die ich aufschreiben will (und muß - in wenigen Wochen winkt die Manuskriptabgabe!), neue Bücher auf meinem Nachttisch über die ich berichten will, Lesungen die ich vorbereiten möchte und dazwischen noch ein paar Kapitel Elternabend, Arztbesuche und noch einiges mehr. Es geht mir ähnlich wie dem Freund auf dem Büchermarkt: "Es ist zuviel! Da kann ich wahrscheinlich nichts mitnehmen!"  Aber ich will diese Zeit des Jahres nicht verpassen! Am Ende hat man eben nur so und so viele leuchtend bunte, wilde Herbsttage, die man in diesem Leben genießen kann! Also habe ich gestern alles mal gut sein lassen und ein bisschen Herbst ins Haus geholt. Heute morgen freue ich mich über leuchtend rote Hagenbutten, die kleinen Blüten der Herbstastern und die passende Girlande am Fenster. In den zwei Bücher - die ich gerade parallel lese ;-) -  finde ich passenderweise Gedanken über das Betrachten. Ich lese: Wir leben in einer Gesellschaft die das Betrachten verlernt hat! Wahrscheinlich weil wir die Zeit, in der früher Menschen einfach Dinge betrachtet haben, damit verbringen, auf unser Handy zu schauen. Wenn man heutzutage in der Bahn sitzt und einfach die vorbeifliegende Landschaft betrachtet, gilt man ja schon fast als Freak! Ach, ich bin gerne ein Freak! Ich will das Betrachten wieder neu lernen:

Bunte Herbstblättern

Samtig glänzende Kastanien

Wolkenformationen und  windgeschüttelte Äste

Spatzen, die über den Balkon hüpfen

Bibelworte, durch die das Licht fällt 

Das schlafende Kind

Bilder, die etwas in mir berühren

Für eine der kommenden Lesungen planen die Veranstalter ein Giveaway für die Besucher. Ich finde das so eine schöne Idee: An einem Abend, in dem man oft schon mit vollem Herzen ankommt, etwas in die Hand gedrückt zu bekommen das man in Ruhe betrachten kann. Etwas zum Mitnehmen. Sich erinnern. Und das Herz füllen lassen. Ich glaube wir bekommen von dem Gott, der gerne gibt (diese 5 Worte aus dem Jakobusbrief habe ich gestern ein bisschen länger betrachtet)  jeden Tag so ein Giveaway! Mindestens eins! Manchmal liegt es etwas versteckt zwischen den Stapeln der Dinge, die uns beschäftigen und die wir zu erledigen haben. Ich hoffe wir entdecken es heute. Und nehmen uns ein wenig Zeit es zu betrachten.

 Für dich!, steht drauf.

Zum Mitnehmen.

In Liebe, dein Schöpfer.



 


(Karte von HimmelimHerzen.de, absolut unbeauftragte Werbung:-)).

Donnerstag, 23. September 2021

>

Seit Tagen hämmert es in meinem Kopf. Immer mal wieder scheint der Handwerker da oben eine kleine Pause einzulegen und ich denke schon erleichtert er ist weg - da fängt er aufs Neue an. Unermüdlich hat er heute mal wieder die ganze Nacht gegen die Schläfen geklopft. Unendlich müde bin ich aufgewacht. Ich ziehe den Rolladen nach oben und habe freien Blick auf den Morgenhimmel.  "Samu, wach auch!", rufe ich! "Ein Größer-als-Zeichen ist am Himmel!" Der kleine Mathematiker stolpert in unser Schlafzimmer und für einen Moment stehen wir staunend am Fenster.

 

Nun kann man das Ganze natürlich nur als zwei schlichte (und ziemlich umweltschädliche!) Kondenstreifen abtun. Manche Verschwörungstheoretiker versetzt so ein Anblick sogar in Panik, weil sie glauben, dass es Chemikalien sind, die Flugzeuge im Auftrag der Regierung versprühen, um uns zu schaden - oder das Wetter zu beeinflussen. Für mich ist dieses Vergleichzeichen heute Morgen einfach eine kleine Ermutigung vom Himmel, eine Erinnerung: 

Gott ist > !

Ich muß an ein Kinderlied auf einer CD von Samuel denken. Da fragt einer: "Du sag mal, wie groß ist eigentlich Gott?" Und die Antwort ist: 

Gott ist immer ein bisschen größer, 
als das Problem das du gerade hast 
Gott ist immer ein bisschen schlauer 
und hat sich schon `ne Lösung ausgedacht
Er ist unvorstellbar groß, 
größer als der Mond
und doch passt meine Hand, genau in seine Hand.
Er überblickt die ganze Welt und auch alles andere
doch schaut er zu mir, ist immer für mich da.

(Aus Größer als der Mond, JesusBurger Junior) 

Daran hat mich der Morgenhimmel erinnert. An dieses kindliche Vertrauen: Gott ist größer als wir denken können. Und Er ist uns näher als wir ahnen.  Gerade auch an den Tagen die wir müde und mit Schmerzen beginnen. Gerade auch wenn sich die Sorgen wie Wolkenberge auftürmen. Gerade auch wenn wir denken wir haben nicht was wir für heute brauchen. 

Gott ist >. 

Und er geht mit uns. 

Unsere Hand passt genau in seine!  

Mittwoch, 15. September 2021

Neue Ufer

Ihr Lieben, von Herzen danke ich euch für eure wunderbaren Kommentare zum Tante-Emma-Laden! Es kam mir vor als hätten wir eine kleine Steh-Party auf engstem Raum gefeiert!  Ach, ich bin ja so dankbar für jeden von euch, der vorbeischaut und sich die Zeit zum Lesen nimmt. Das ist so wertvoll für mich! Und ich hoffe einfach, dass ihr hier immer wieder etwas Wert-volles findet und einpacken und mitnehmen könnt: Altes, Secondhand und Neues.

Neu! Mit diesem Gefühl beginnt dieser Tag. Samuel erlebt seinen ersten Schultag an der weiterführenden Schule in der Stadt. Gestern saß ich etwas beklommen in der Menge der Eltern bei der Einschulungsfeier. Der Sohn scharrte aufgeregt neben mir mit den Füßen während der freundliche Schulrektor davon redete, dass sie sich vor allem eine Sache wünschen: Neugier! Und noch mehr Neugier! Und viele Fragen! Er redet über die verschiedenen Sprachen, die in den kommenden Jahren gelernt werden können. "Französisch!", flüstert mein Kind ehrfürchtig und beglückt! Aus irgendeinem Grund hat er Frankreich zu seinem Lieblingsland erwählt (wir waren noch nie da und mein Schulfranzösisch reicht gerade mal für eine kurze unfreundliche Essensbestellung - mir fällt immer nur noch die einfache Befehlsform ein). Dann wurde jedes Kind einzeln mit Namen aufgerufen und unter den Blicken aller Anwesenden gingen sie mutig zum Ausgang, wo die Lehrerin wartet. Ich war mindestens so aufgeregt wie Samuel als sein Name aufgerufen wurde. Am liebsten hätte ich ihn begleitet (mit meinem Hubschrauber, haha) aber ich weiß auch: Er macht das jetzt ohne mich. Ich verdrücke mir ein paar Tränen und bete innerlich: "Jesus mit dir, mein Kind!" während er mutig auf das Neue zugeht. 
Ach, manchmal wünschte ich mir alles könnte beim Alten bleiben! Ich hätte mein Kind gerne noch ein paar Jahre auf die kleine Dorfschule hier bei uns geschickt.  Aber - wie man so schön sagt: Das Leben ist im fluss. Auch wenn ich an manchen Stellen gerne länger bleiben würde - die nächste Welle nimmt uns mit. Manchmal wehren wir uns dagegen. Manchmal packt uns die Neugier und wir rudern voller Begeisterung. Auf zu neuen Ufern!
Bevor Samuel heute morgen loszog hat er sich allerdings nochmal umgedreht und eindringlich gefragt: "Du bist aber da, wenn ich wiederkomme?!" Ich sage: "Ja, natürlich mein Kind! Ich bin da!" 
 

 
Die Sehnsucht nach dem Konstanten und Vertrauten. Nach Halt und beständiger Liebe. Ich merke wie sich meine Sehnsucht mit den Jahren immer mehr in diese Richtung verlagert. Vielleicht vermisse ich deshalb zur Zeit meine Mutter wieder so sehr. Wie gut würde es mir tun, ihr vertrautes Gesicht am Ufer zu sehen und ihr aufmunterndes Winken, bevor es um die nächste Ecke geht. Stattdessen sind wir dabei die restlichen DInge zu regeln, um die Schlüssel zu meinem Elternhaus endgültig abzugeben. Damit werde ich bald meinen Heimatort hinter mir lassen. Es wächst das Bewusstsein, dass die wahre Heimat nun vor mir liegt. Am Ende der Reise, nach dem Überqueren aller großen Meere, liegt der  Heimathafen. Mit vielen vertrauten Gesichtern die vielleicht schon freudig nach uns  Ausschau halten. Bis dahin will ich Neugierig bleiben. Neue Sprachen lernen und über jede neue Landschaft staunen. Will die Fragen einsammeln wie hüpfende Fische, die sich im Netz verfangen. Und ich will immer wieder Halt suchen und mich dieser Liebe versichern, zu der ich ein Leben lang zurückkehren kann.  
"Ja, natürlich mein Kind! Ich bin da."
 




Und hier noch etwas Neues: 
Seit kurzem gibt es auch die Möglichkeit Christina im Doppelpack zu buchen:
Auf Wunsch begleitet mich die wunderbare Sängerin Christina Stöhr. Am 11. oder 18. Dez. hätten wir am noch zwei Termine frei, für eine adventliche Musiklesung  (Großraum Stuttgart, HN, Nordschwarzwald). Bei Interesse gerne melden! (chris.f@freenet.de)
 
auf unserer letzten gemeinsamen Gartenlesung

Mittwoch, 8. September 2021

Mein Tante-Emma-Laden

Nun ist es schon einen ganzen Sommer lang her, dass ich hier zum letzten Mal geschrieben habe. Manche behaupten ja das war bei uns in diesem Jahr gar kein Sommer, sondern eher ein milder Winter - aber egal: Ich habe jedenfalls das Gefühl in meiner kleinen Ecke hier muß ich erstmal alles Fenster aufreißen, den Staub von den Regalen und vom altmodischen Tresen wischen und ein bisschen frische Luft reinlassen. Man kann sich dabei ja fragen: lohnt es sich hier nochmal zu öffnen? In Zeiten von Instagram, TikTok, Podcasts und was es alles noch so gibt, ist das Blogschreiben ein bisschen wie ein Tante-Emma-Laden geworden. Man hofft, dass noch ein paar treue Kunden bleiben werden, wenn auch die meisten eilig Richtung großes Einkaufszentrum vorbeidüsen. 
 

Aber ehrlich: Ich liebe Tante-Emma-Läden! Dort, wo man herzlich mit Namen begrüßt wird und wo man in den kleinen überfüllten Regalen alles mögliche finden kann - vom Nähgarn und Nudeln über Kravattennadeln und Kürbissamen bis zu Gurkengläsern und Gummischlangen. Nun wissen wir alle, dass solche Geschäfte längst nicht mehr zeitgemäß ist und überhaupt nicht mehr rentabel. Und trotzdem fehlen sie hinten und vorne! Ich sehe es an all denen, die müde ihre viel zu schwere und volle Taschen aus den riesigen Läden schleppen und ungeduldig ihre Kinder mit sich ziehen. Ich sehe es an der alten Frau, die an der Kasse einer fremden Verkäuferin hilflos ihren Geldbeutel hinhält, damit sie doch bitte die richtigen Münzen in die Kasse legt. Ich sehe es an der zunehmenden Geschwindigkeit, mit denen die Waren übers Band gezogen werden und ich höre es im hektischen Piepen, das jeden persönlichen Satz überdeckt. Und deshalb bin ich bin jedes Mal total glücklich wenn ich ein kleines Geschäft in einer Seitenstraße entdecke, das noch öffnet, auch wenn es sich scheinbar nicht mehr  rentiert. Weil genau so etwas nämlich wirklich hinten und vorne fehlt!  Ebenso glücklich bin ich, wenn ich in den kleinen Ecken des Internets wieder einen neuen Blogeintrag finde und mir hinterm Tresen so wunderbar vertraute Gesichter entgegenstrahlen. Danke  Anne, Tine, Doro, Sandra, Sonja, Vroni und so vielen anderen!!! DANKE dass ihr eure Tür aufsperrt - egal ob viele oder wenige vorbei schauen -  und euer buntes Alltagssortiment so großzügig anbietet und das wahr macht, was am Eingang steht: We are open 
Das macht mir Mut auch meine etwas alterschwache und verrostete Tür hier wieder aufzusperren, meine Regale aufzufüllen und eine Girlande ins Schaufenster zu hängen. Seid aufs Neue herzlichst willkommen! Jeder Einzelne der hier reinschaut. Wie schön, dass DU hier bist! Es kann gut sein du findest nicht immer was du brauchst. Das Sortiment ist ziemlich begrenzt (und der große Marktplatz liegt ja gleich um die Ecke). Aber es ist mir eine Riesenfreude wenn ich eine kleine Rarität aus dem Regal ziehen kann, wonach du, vielleicht ganz unbewusst, schon länger gesucht hast. 

 

Und wenn ich hier schon die Girlande aufhänge, dann komme ich auch gleich in Feierlaune: Heute will ich alle diejenigen feiern, die irgendwo eine kleine Ecke auf dieser weiten Welt hegen und pflegen:

Die für eine kleine Nachbarschaft nahbar sind. 
 
Die Zuhause sind und Päckchen für andere annehmen, die eine Tasse-Kaffee-Länge Zeit haben um zuzuhören.  
 
Die an guten Sätzen für eine Postkarte feilen, die an Allerweltstagen das beste Porzellan rausholen und sich über ein gutes Tischgespräch Gedanken machen. 
 
Die ihre Schritte für die Alten und Hinkenden verlangsamen und den neuen Bewohner begrüßen.  
 
Die ihre kleinen Gärten mit großer Hingabe bunt und schön machen und dann andere einladen am wackligen Gartentisch Platz zu nehmen. 
 
Die selbstvergessen mit Kindern spielen und ihnen mit großer Geduld Geschichten erzählen. 
 
Die voller Hingabe tut was sie tun und sich nicht darum scheren, wenn sie nur vor kleinem Publikum spielen. 
 
Ach, diese Welt braucht so dringend die Menschen die in den kleinen Ecken ihre Türen aufsperren und fröhlich das anbieten, was sie haben!  Denn - das lernt jedes kleine Kind schon beim Putzen - die Großen kommen so schlecht in die kleinen Ecken! Deshalb:  Auch wenn es nicht viel erscheint - es ist viel! Für den einen Menschen, der freundlich willkommen geheissen wird ist es sogar sehr viel!

Lasst euch nicht einreden eure Geschichten, eure ruhigen Worte, eure kleinen Gesten, eure geduldigen Wiederholungen, eure liebevolle Hingabe  wäre nicht nötig oder es würde sich im Großen und Ganzen gesehen doch überhaupt nicht rentieren. Lasst es mich einfach so sagen:  Gäbe es euch nicht - ihr würdet hinten und vorne fehlen!!! 

DANKE fürs Öffnen. 

Mit kunterbunten Grüße von Tante Emma.

 

Mit besonderem Dank an Damaris und Markus, die in diesem Sommer Herz und Haus für uns geöffnet haben, mit dem wunderbaren Zettel auf dem Tisch: Fühlt euch wohl! Und nehmt euch einfach was ihr braucht. Genau das haben wir gebraucht. DANKE!!!!!

(Und: Wenn ihr einen kleinen Blog pflegt, dann könnt ihr auch gerne einen Link dazu in die Kommentare setzen. Ich vermute da ist der eine oder andere Geheimtipp für uns dabei:-)).

Mittwoch, 30. Juni 2021

Sommerpause

Nachdem gestern die deutsche Mannschaft aus dem EM-Turnier geschossen wurde werde ich mich den Spielern anschließen und eine vorzeitige Sommerpause einlegen. Obwohl in unserem Bundesland erst in ein paar Wochen die Schulferien beginnen. Aber weil dieses Jahr bisher so war wie es war kann man eine Pause - wo immer möglich - schon mal ein bisschen vorziehen, finde ich. 
Ihr Lieben, ich wünsche euch allen, von Herzen, erholsame Tage! Dass wir nach einer kräftezehrenden Zeit das Gesicht ein wenig in die Sonne halten könnnen - und  wenn das in diesem Jahr nur auf der Wiese neben dem Haus ist. Da kann es auch schön sein...

 

Und vielleicht braucht ihr ja noch ein bisschen Lesestoff oder wollt einer Freundin noch ein Buch für diesen Sommer in die Badetasche legen? Dann könnt ihr zum Beispiel das hier bei mir bestellen. (über: chris.f@freenet.de)

Die Sommergrüße-Poskarte gibt`s gratis dazu.  Oder ich schick sie direkt mit dem Buch und einem Gruß von euch zu einem lieben Menschen, dem ihr eine Freude machen wollt.

So, jetzt aber genug der Worte. Ich setz mich eine Weile auf die Wiese neben das Spielfeld und bin spätestens im September wieder zurück! Und ich freue ich sehr über jeden von euch, der dann wieder dabei ist!

Seid umarmt und gesegnet und habt es gut! Bis wir uns Wiederlesen!

Dienstag, 22. Juni 2021

Noch einmal

Noch einmal beim Aufwachen das Vogelgezwitscher vor dem Fenster hören und sich wundern warum die schon so fit sind.

Noch einen Sonnenaufgang verpasst (der Mann sagt: heute war er besonders schön!).

Nochmal mit den zwei Menschen am Frühstück sitzen, die ich so lieb habe und die mich in vielerlei Hinsicht so aus der Fassung bringen können.

Noch einen Schluck Kaffee und nochmal im letzten Moment an das Vesperbrot denken.

Noch einmal einen ganzen Vormittag nach Worten suchen und auch ein paar finden – gerade dann wenn ich denke, dass sie mir endgültig ausgegangen sind.

Noch einmal überlegen was ich heute kochen könnte und immer etwas dafür finden.

Noch einmal das ungeduldige Läuten an der Türglocke und dieses entgegenstürmendes Leben. Umarmen. Lachen. Schimpfen. Und das ganze Glück, das darunter liegt.

Noch einmal einen ganze Nachmittag Zeit. Etwas tun. Oder etwas lassen. Leben gestalten.

Noch einmal Brot verteilen - die Scheiben wie immer krumm und schief geschnitten und keiner beklagt sich.

Noch einmal zuhören und erzählen und Fundstücke des Tage zusammenfegen.

Noch einmal die vermackte Lieblingstassen in die Spülmaschine räumen. Dankbar an ein paar Menschen denken und Grüße verschicken.

Noch einmal die Weltereignisse hören und kleine, holprige Abendrituale pflegen. Nochmal eine ganze Menge Gnade verteilen und noch mehr Gnade empfangen.

Noch einmal Wäsche falten, Kind ins Bett bringen und Hände falten. 

Noch einmal staunen. Ein Regenbogen am violetten Nachthimmel.

Noch einmal die Fenster weit aufreißen und tief den herrlich erdigen Geruch nach einem Platzregen einatmen.

Noch einmal still im Dunkel liegen. Angstvolle Gedanken nach Hause bringen.

Noch einmal an den schönsten Namen denken, den ich kenne.

Noch einmal einen Tag Leben zurückgeben. Bisschen vermackt und angeschlagen.

Trotzdem: Danke.

 



Mittwoch, 16. Juni 2021

Die Wette

Das Fußballfieber hat uns gepackt. Also, vor allem meine zwei männlichen Mitbewohner. Und davon vor allem den 10-Jährigen.  Heute morgen war er sehr enttäuscht, dass "wir" gestern abend verloren haben. Am Frühstückstisch wurde gefachsimpelt was das Zeug hält.  Wenn ich etwas dazu beitrage kann es schon mal passieren, dass Heio die Augen verdreht. Aber ist doch wahr: Deutschland ist eine Turniermannschaft! Das war doch vor 30 Jahren schon so und das wird heute wohl auch noch so sein. Samuel ist sich nicht so sicher ob er mir glauben soll. Langsam vergeht die erste Naivität, dass die Mama über alles bestens Bescheid weiß. Heute morgen erklärt ER MIR den Unterschied zwischen dem kurzen und langen Eck beim Torschuß. Und dann versucht er mich, wie jeden Tag, in eine Wette zu verwickeln. Er macht nämlich bei einem Tipp-Spiel mit. Deshalb fragt er ständig: "Was denkst du Mama, wer gewinnt? Und was wettest du?" So Argumente wie: "Ich weiß es doch nicht!" oder: "Ist mir doch egal!" lässt er nicht gelten. Ich muß mich festlegen. Dann schreibt er alles fein säuberlich auf und zieht im Kimmich-Trikot fröhlich in die Schule.

Während ich nun hier sitze, neben mir seine Tipp-Liste und das Fußball-Sammelheft, muß ich darüber nachdenken was mich denn gerade begeistert und bewegt. Dabei fällt mir sofort Philipp Mickenbecker ein. Dieser junge Kerl von the real life guys, der in den letzten Wochen und Monaten auf so vielen Kanälen und in sämtlichen Medien, von der Bildzeitung über die Gala und Stern-TV bis zu n-tv, zu lesen und zu sehen war. Mit einem Krebsgeschwür in der Brust und einem unfassbar hellen Strahlen im Gesicht. Er hat so begeistert und authentisch von Jesus  geredet, wie Samuel über Fußball. Und seine Gesprächspartner haben fasziniert zugehört. Dass da einer so glauben kann! Dass da einer so wenig Angst vor dem Tod hat, sondern ihm fast frech ins Gesicht lacht! 
Jetzt ist er gestorben. Kurz vor seinem 24. Geburtstag.  Der youtube- Film in dem sein Zwillingsbruder und seine Freunde über Philipps Sterben erzählen hat schon über 4 Millionen aufrufe.  "Philipp hatte vollen Frieden mit der Situation und hat sich sehr über all eure Gebete gefreut. Er hat sich für euch gewünscht, dass ihr Jesus persönlich kennenlernt und ihn in euer Herz schließt", so erzählen sie.  Diese Sätze sind es, die in diesen Tagen in sämtliche Medien unserer Republik wiederholt werden. Man findet keinen Sarkasmus, keine Überheblichkeit. Nur tiefen Respekt. Und ungewohnt nachdenkliche Töne. Ein You-Tube-Star, der eher nicht gläubig ist, redet tief berührt von seiner Begegnung mit Philipp. Er sagt sinngemäß: Überlegt doch mal, wenn die Sache mit Gott nicht stimmt, hat ihm seine Glaube total geholfen. Und wenn die Sache mit Gott stimmen sollte, dann geht es ihm jetzt so gut wie noch nie! Das erinnert an die sogenannte Pascalsche Wette. Blaise Pascal sagte einmal, in einem Argument über seinen Glauben, dass es immer eine bessere Wette ist auf Gott zu setzen:  

Wir wollen Gewinn und Verlust abwägen, wenn wir uns entscheiden, dass Gott ist. Wenn du gewinnst, gewinnst du alles, wenn du verlierst, verlierst du nichts … Es gibt ein ewiges glückliches Leben zu gewinnen.“

Ich weiß, für manche ist dieses Argument zu schlicht. Oder zu fatalistisch. Aber mir, als alte Zweiflerin, hat es schon oft geholfen. Wenn mich die Zweifel packen und mir den Glauben aus dem Herz schütteln wollen, dann japse ich trotzig: Wenn diese ganze Sache mit Jesus am Ende nicht wahr sein sollte, dann hatte  ich trotzdem das bestmögliche Leben! Wer mit so einer großen Hoffnung leben darf, mit einem Sinn der weit über das eigene Leben hinausgeht und dem Vertrauen unendlich geliebt  und niemals alleine zu sein - der hat viel gewonnen. Und wenn es alles wahr ist - wovon ich an den meisten Tagen ausgehe - dann habe ich sowieso gewonnen! Und wie!  Darauf will ich gerne mein Leben verwetten (und Gott ist in der Beziehung ein bisschen wie Samuel: Er möchte gerne, dass wir uns festlegen:-)).

Die Schrifstellerin Rachel Held Evans, die leider auch viel zu früh gestorben ist,  formulierte es einmal so - über diese Geschichte von Gott der in Jesus zu seinen Menschen kommt, um sich mit uns auf ewig zu versöhnen:  Es ist eine Erzählung für die ich es riskieren würde falsch zu liegen!  Ich finde sie hat recht. Es gibt keine bessere Geschichte! Es gibt keinen schöneren Grund, um an einem ganz normalen Tag wie heute, mit einem Lächeln aufzuwachen. 

"Er starb mit einem Lächeln" tituliert die Gala heute den Tod von Philipp. 

Mir scheint, er hat die Wette gewonnen.


Dienstag, 8. Juni 2021

Ich darf

So, jetzt liegen die Pfingsferien auch schon wieder hinter uns und die  letzte Schulzeit vor den Sommerferien hat begonnen. Wie gerne würde ich noch einmal voller Elan durchstarten, aber die Geduldsfäden, die ich aus dem derzeit so verhedderten Leben ziehe, sind kurz und angeknabbert. Die Müdigkeit liegt zäh über den Tagen und ich bin jeden Abend froh, wenn ich mich mit einem Buch im Bett verkriechen und nach ein paar Kapiteln die Decke über den Kopf ziehen kann. Oft genug wälze ich mich noch lange hin und her und die Gedanken, die tagsüber keine Beachtung finden, sitzen wie aufgedrehte Teenagermädels auf einer Pyjamaparty an meiner Bettkante und lassen mich nicht einschlafen:
Da ist der Verkauf meines Elternhauses, der sich schwierig gestaltet und das anstehende Abschiednehmen von meinem Heimatort - den letzten Zipfel Kindheit, an den ich mich noch klammere. 
Da ist der baldige Schulwechsel für Samuel - das Ende der entspannten Grundschulzeit, wie mir erfahrene Eltern berichten (oh weh, wenn DAS eine entspannte Zeit war - was kommt da bloß auf uns zu, frage ich mich!).  
Da ist ein Manuskript das dringend nach Zeit verlangt,  wie ein schreiendes Baby das zu wenig Beachtung bekommt. 
Da ist ein Leben das Zuende ging, ein Mensch - ein Vorbild - dem ich soo viel verdanke! (hier durfte ich einmal über ihn schreiben und seine Frau Sally interviewen - noch so ein Vorbild für mich!) Ich freue mich für ihn, dass er nun - nach fünf Jahren schwerem Leiden - Zuhause angekommen ist, in einer warmen Umarmung bei seinem himmlischen Papa! Und gleichzeitig rollen mir seit Tagen immer wieder die Tränen übers Gesicht, weil seine warmen und väterlichen Umarmungen auf dieser Welt so schmerzlich fehlen werden! 
Und da sind so viele wunderbare Menschen die ich in den letzten Monaten vermisst habe, die wir nun langsam endlich wieder treffen dürfen, aber ich fühle mich wie eine schmollende Ehefrau, die zu lange bei gedecktem Tisch und kalt werdendem Essen gewartet hat und sich sagt: "Danke. Jetzt will ich auch nicht mehr!",  bevor ich mich wieder müde ins Bett lege - zu meinen vielen Gedanken. 
 
Wenn ich alles hier so aufschreibe, dann denke ich kopfschüttelnd: Da muss sich doch etwas ändern! Das kann doch nicht so weitergehen! Aber das MÜSSEN ist doch irgendwie das Letzte was wir gerade brauchen, oder? Stattdessen: das DÜRFEN! 

Ich darf früh ins Bett gehen.
 
Ich darf Dinge liegen lassen.
 
Ich darf traurig sein. Und nachdenklich. Und vergesslich. 

Ich darf auch mal sagen: "Jetzt reicht´s, liebes Kind! Ich kann nicht mehr. Morgen wieder!"
 
Ich darf mich in Arme fallen lassen, die mich halten können wenn ich zu müde bin, um irgendetwas zu halten.

Ich darf. Und du darst das auch.

Und irgendwann, wenn wir lange genug durften, werden wir eines Morgens aufstehen und fröhlich  pfeiffend den Tag begrüßen und den Tisch decken für drei Haushalte und 10 Personen unter 14 Jahren und Urlaube planen und Gartenfeste und Lesungen, und unsere Arme wieder weit öffnen für das Leben und uns unglaublich über alles freuen, was wir nun wieder dürfen....
 

 

Dienstag, 18. Mai 2021

Über zerbrochene Herzen - und die Freude, die es hochzuhalten gilt

Eigentlich wollte ich heute einen leichten Blogeintrag schreiben - über Kreativität und die Dinge die uns in diesen Tagen gut tun und unser Herz beleben. Aber dann wache ich mit Kopfschmerzen auf, draußen gießt es in Strömen und ich ärgere mich über einen Menschen (und bin enttäuscht über mich selbst - wie unfassbar lieblos und unbarmherzig ich sein kann!). Während ich in den Kaffee aufsetze höre ich im Radio die besorgniserregende Nachricht, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrien in unserem Land so voll sind, dass es bereits eine Triage gibt. Wer nicht suizidgefährdet ist und 'nur' eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen, sagte der Sprecher des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendärzte (s. auch den Bericht der Süddeutschen Zeitung heute).
Die Nachricht wirft mich abrupt aus meinem kleinen Jammermodus. Ich denke an die Kinder und Jugendliche die eigentlich unbekümmert ihre Kindheit und Schulzeit genießen sollten, die aber nun im wahrsten Sinne des Wortes lebensmüde geworden sind. Obwohl doch so viel Leben vor ihnen liegt. Mir geht es jetzt um keine Schuldzuweisung in Richtung unserer Politiker. Ich bin mir bewusst, dass sie alle versuchen ihr Bestes zu geben - und in nachhinein weiß man ja immer vieles auch besser. Aber ich bin unendlich traurig für diese Kinder und Jugendliche (und leider trifft es in vielen Fällen diejenigen, die sowieso schon keine einfachen Startbedingungen ins Leben hatten!). Gleichzeitig sehe ich auch, dass so viele von uns müde und abgekämpft sind und ich war sooo erleichtert, dass Samuel gestern endlich wieder in die Schule gehen konnte... Von daher frage ich mich: Was können wir tun? Was kann ICH tun? 
Heute will ich für die Kinder und Jugendlichen beten. Und das ist keine resignierte Aussage. Ich wende mich an den Herzenskenner, an den Liebhaber von uns allen, der versprochen hat, denen nah zu sein, die ein zerbrochenes Herz haben. Halte sie fest, Jesus. Und ich denke an die Eltern, die oft auch mit Schuldgefühlen kämpfen, und hilflos zusehen wie ihre Kinder leiden. Jesus, nimm ihnen ihre Last und schenke ihnen deinen Frieden.  
Heute will ich beten. 
Und mir fällt ein was Henry Nouwen über einen Freund geschrieben hat, der oft in Ländern unterwegs ist, in denen viel Leid und Ungerechtigkeit herrscht:
Wenn er nach Hause kommt erwarte ich immer, dass er mir von der schwierigen Lage der Länder erzählt, von den großen Ungerechtigkeiten und von dem Leid, das er sah. Aber wenn er seine Erfahrungen mitteilt, erzählt er von den verborgenen Freuden, die er entdeckt hat. Er erzählt von einem Mann, einer Frau, oder einem Kind, wie sie ihm Hoffnung und Frieden brachten. Er erzählt von den kleinen Wundern Gottes. ... Er sagt immer nur: "Ich sah etwas ganz Kleines und ganz Schönes, etwas das mir viel Freude geschenkt hat."  Davon muss ich lernen. Ich  muß lernen, überall die wirkliche Freude herauszuholen,, wo sie nur immer zu holen ist, und sie hochzuhalten, dass andere sie sehen. .. Ich weiß nicht wie lange ich warten muß bis alles gut wird, aber ich kann jede Spur vom kommenden Reich Gottes feiern.
(H. Nouwen in: Nimm sein Bild in dein Herz)
Hier entdecke ich noch etwas was ich heute tun kann: Ich will lernen, die verborgenen Freuden entdecken. Und die kleinen Wunder hochhalten. Das mag angesichts der Not naiv klingen, aber ich glaube es ist eine wirklich geistliche Aufgabe für uns: Das Schwere wahrzunehmen, es immer wieder vor Gott bringen, und gleichzeitig das Gute hochzuhalten, das es zu feiern gilt! 
 
Da gibt es zum Beispiel die Arche-Mitarbeiter, die liebevoll gepackte Kisten mit Nahrungsmitteln und Gesellschaftsspielen an die Türe von bedürftigen Familien bringen, die Nachmittags über WhatsApp-Gruppen Nachhilfeunterricht anbieten und abends übers Telefon kleinen Kindern tröstliche Gute-Nacht-Geschichten vorlesen. 
Und da ist diese Lehrerin, die bis in die Abendstunden an  hilfreichen Arbeitsblättern  feilt und die es trotz strengen Auflagen möglich macht, dass sich die Klasse wenigstens einmal die Woche draußen sehen kann, um Geburtstage und Abschiede zu feiern. ...
 
Ich will das Gute feiern.
 
Und will die Freude herausholen, wo sie nur zu holen ist. 
 
Und da bin ich  auch bei der Kreativität, über die ich eigentlich schreiben wollte. Bei der alten Bank meiner Oma, die ich seit Tagen voller Begeisterung schmirgle und streiche. Bei dem schönen kleinen Strauß aus Bärlauchblüten den Samuel auf unserem Abenspaziergang gepflückt hat. Bei seiner Begeisterungs fürs Fußballspielen und den lustigen Blumen die in unserem Garten wachsen. 
Ich will die Dinge hochhalten, die uns heute froh und lebendig machen. Und ich will darauf hoffen, dass sie den Kindern- und Jugendlichen, deren Herzen heute so traurig sind, auch wieder zur Freude werden...





Montag, 10. Mai 2021

Das Leben persönlich nehmen

Zu meiner großen Freude ist letzte Woche die neue Ausgabe der Joyce ins Haus geflattert. Ich blättere ein wenig durch die vielen bunten Artikel, wie durch eine Speisekarte, und freue mich schon darauf jeden Einzeln zu genießen. Eine Geschichte musste ich einfach gleich lesen, weil es mich so gefreut hat, dass mir diese wunderbare Frau zwischen den Seiten entgegenstrahlt: Lissy Schneider.


Ich durfte Lissy vor einiger Zeit kennenlernen und kann nur sagen: Sie ist innen wie außen eine wunderschöne und so richtig kluge und lebendige Frau. Umso krasser fand ich es dann ihre Geschichte zu hören: Weggegeben von ihrer leiblichen Mutter (die aufgrund ihrer Sucht nicht für sie Sorgen konnte), zuerst ins Heim und dann zu ihrer Pflegemutter, für die sie sehr dankbar ist. Dankbarkeit. Das verbinde ich mit Lissy. Ihr damaliger Blog  hat mich dazu inspiriert mein Danke-Tagebuch anzufangen. Jahrelang hat sie ihre Dankesmomente notiert. Sie schreibt dazu: 

Ich habe den Start meines Lebens sehr persönlich genommen und auch alles was in meinen Leben schwierig und herausfordernd war...Durch Dankbarkeit ist eine neue Sichtweise in mein Herz eingezogen: Das Gute  meines Lebens, das  Schöne, was ich schnell als selbstverständlich abstemple, ebenfalls persönlich zu nehmen. Dankbarkeit ist für mich: Das Gute  meines Lebens persönlich zu nehmen.
Was für ein Satz! Das Gute persönlich nehmen. Und, so erklärt Lissy,  dabei geht es nicht darum die schweren Dinge zu ignorieren oder das Gute gegen das Schwere aufzuwiegen.Es hat damit zu tun, dass beides nebeneinanderstehen darf: das Schwere und das Schöne.  

Lissy ist mir auch ein Vorbild darin, mich den Brüchen meines Lebens mutig zu stellen. Zu spüren was mich triggert oder warum ich zum Beispiel ganz oft mit eine tiefen Erschöpfung kämpfe (die Ursachen dafür liegen weit zurück in meiner Kindheit, das habe ich mittlerweile begriffen). Auch hier sind mir Lissys Worte ein Trost, wenn sie über die Tage berichtet, an denen sie so wenig leistungsfähig ist:

Während ich oft dachte: Diese Schwäche muß weg, denke ich mittlerweile, dass Schwäche vor allem mich stört - Gott eher weniger. Er sieht das wunde Herz und klebt nicht einfach einen Flicken darüber.

Mir helfen diese Worte von Lissy so sehr: Ich will das Schwere, die Bruchstücke meines Lebens, immer wieder ehrlich anschauen - es persönlich nehmen - und Gott zum Heilen hinhalten. Und ebenso will ich das Gute meines Lebens ganz persönlich nehmen. Von meinem Schöpfer. Für mich. Heute sind es ein paar zaghafte Sonnenstrahlen die sich durch die Wolken kämpfen. Eine zerknitterte, zweimal zerissene und wieder geklebte Muttertags-Liebeserklärung (Zeichen von viel Streit und Versöhnung am gestrigen Tag:-)). Und ein  zerknittertes Herz, das heute schwach sein darf und ein bisschen angeschlagen - und GENAU SO geliebt ist.


 

Mittwoch, 5. Mai 2021

Die schlichten Dinge, die überall wachsen

Im November habe ich ganz hoffnungsvoll ein paar Pflanzenzwiebeln in die Erde gesteckt.  Kleine Traubenhyazinthen, die - laut Packungsbeilage - in kleinen Gruppen gepflanzt werden wollten (Ihr erinnert euch vielleicht daran - hier habe ich darüber geschrieben). Ich habe sie auch mit der Frage eingepflanzt was in dieser Coronazeit wohl wachsen könnte. In mir.  In  uns allen. Jetzt hat mich Anne danach gefragt was denn aus den kleinen Pflanzenzwiebeln geworden ist. Hier seht ihr das Ergebnis:

 

Sind sie nicht wunderschön geworden? In kleinen Gruppen stehen sie zusammen und es scheint ihnen wirklich gut zu gehen, in meinem Blumenbeet.  Ich hab mich so gefreut als ich die ersten Zeichen entdeckt habe, dass hier tatsächlich mal etwas wächst, was ich eingepflanzt habe! Ich habe die ersten blauen Blüten bejubelt! Allerdings habe ich dann erstaunt festgestellt, dass diese Blumen hier ÜBERALL wachsen. Das ist mir letztes Jahr überhaupt nicht aufgefallen. Auf unserer Wiese im Garten, wie auch in jedem anderen Garten, und auf jedem Hang neben der Straße leuchten mir diese blauen Traubenblüten entgegen! Beim weiteren Studium zu diesen kleinen Pflanzen erfahre ich, dass sie sich liebend gern über Selbstaussaat vermehren und sich mit den Jahren also tatsächlich ganz großflächig und überall ausbreiten. Ich  muß sagen, das hat meine Freude etwas gedämpft. Plötzlich waren meine kleinen tapfer aufgewachsenen Blümchen nichts mehr besonderes. Ein bisschen trübsinnig sagte ich zu Heio: "Ich hätte vielleicht etwas extravaganteres einpflanzen sollen und keine Pflanzen die sich hier sowieso schon überall vermehren."  
Vielleicht habe ich auch deshalb hier noch nichts darüber geschrieben. Weil mir das was bei mir aufgewachsen ist plötzlich so völlig normal und überhaupt nicht besonders vorkam.
 
Ich ahne, dass da vielleicht eine kleine Lektion für mich im Blumenbeet gewachsen ist. Könnte es sein, dass ich Dinge in meinem Leben kleinrede und entwerte, einfach deshalb weil sie nichts "besonderes" darstellen? Weil sich das alles so normal anfühlt und meine kleinen Geschichten hier eigentlich in jedem anderen Garten auch wachsen? Und manchmal verliere ich mich in den extravaganten Schönheiten aus anderen Gärten und were dabei ganz mutlos, im Blick auf mein eigenes schlichtes Blumenbeet...
 
Was könnte in dieser Coronazeit wachsen? -  habe ich mich beim Einpflanzen gefragt. Was wenn es die ganz schlichten Dinge sind? So unscheinbar und weit verbreitet, dass wir sie kaum erwähnenswert finden. Dinge wie: Freundlichkeit. Ein bisschen mehr Dankbarkeit für bisher Selbstverständliches. Aushalten, immer noch einen Tag mehr, und  die Hoffnung immer wieder einsammeln. Spontane kleine Hilfsbereitschaft. Ein wenig barmherziger werden. Öfters mal ganz ehrlich: "ich weiß genau wie es dir geht!" sagen können. Und im bisher fremden Nachbargarten ganz viel Gemeinsamkeiten entdecken.
Ich gebe zu: Ich hätte es gerne ein wenig aufsehenerregender. ICH wäre gerne ein bisschen aufsehenerregender :-). Und dann bin ich doch nur eine von denen, die am besten in kleinen Gruppen aufwachsen und die das hervorbringen, was auch in jedem Nachbargarten zu finden ist. Und Jesus sagt: Es gefällt mir! Deshalb lasse ich so viel davon wachsen. 
 
Und deshab will ich heute eben doch die kleinen Schnapsgläschen aus dem Schrank holen und meine Traubenhyazinthen feiern.  Feiert ihr mit? Sie sind bestimmt auch bei euch am wachsen. Ach, sie wachsen gerade einfach überall! 
 
 




 
 

Dienstag, 27. April 2021

Herz in die Sonne halten

                                                                       Achtung: Dieser Blogpost enthält unbezahlte aber völlig beabsichtigte Werbung!

Gestern habe ich meinen Geburtstag gefeiert. Ich habe die Nacht davor kaum geschlafen und war entsprechend müde. (dachte eigentlich ich bin aus dem Alter raus an dem man vor Aufregung über den Geburtstag nicht schlafen kann!). Und  weil es auch mein zweiter Lockdown-Geburtstag war, blieb es ein richtig ruhiger Tag - die wilden Partypläne mit einer weiteren erwachsenen Person auf Abstand haben wir dann doch nicht umgesetzt. Wir saßen zu dritt auf der Holzbank auf unserem Stückle und haben der Sonne auf ihrem Weg Richtung Westen zugeschaut.


Geburtstagskarte von Samu

 
Und hier kommt das Geschenk (also eigentlich 2 Geschenke:-))

 


Als der Rasen gemäht war und es langsam Dunkel wurde, habe ich noch ein Geburtstagsgeschenk eingeweiht: Ein Sonnenglas! (Danke!!!)

Laut Gebrauchsanweisung muß man tagsüber Sonne sammeln und dann wird es abends hell. (eine Stunde Tageslicht gibt zwei Stunden Licht in der Nacht!). Ich erfahre auch, dass dieses Sonnenglas in den Townships von Johannesburg entwickelt wurde und die Herstellung über 65 zuvor arbeitslosen Menschen aus Soweto eine Arbeitsstelle schenkt. Mein Licht wurde von Rose hergestellt. Sie hat zumindest auf der Gebrauchanweisung unterschrieben. Vielleicht werde ich mein Glas, ihr zu Ehren, mit einer Rose dekorieren. ..


Ach, am liebsten würde ich euch allen so ein tolles Sonnenglas schenken! Weil ich glaube, dass wir es in diesen Tagen so dringend gebrauchen können - das Sonnenstrahlen einsammeln! Wenn sich, trotz beginnendem Frühling, unsere Herzen manchmal so schwer und unendlich müde anfühlen, dann halten wir unser Herz doch ein bisschen an die Sonne.

Setzen wir uns mit einer Tasse Kaffee auf den Balkon oder vors Haus

Betrachten wir unsere schönsten Urlaubsfotos

Lesen wir ein Gedicht oder ein paar Seiten in unserem Lieblingsbuch 

Verschnüren wir unsere Sorgen zu einem Gebet, mit einem dankbaren Gruß an den Empfänger

Denken wir einen Moment daran wie geliebt wir sind. Genau so. Mit der ganzen dunklen Oberfläche die wir Richtung Sonne strecken

Auf dass uns die Hoffnung in den Nächten nicht ausgeht! (wenn meine Berechnungen stimmen, dann schafft ein Sonnentag zwei Nächte ). 

Für Rose in Soweto. Für die Menschen in Indien und für alle anderen die gerade nach Luft ringen. Für die Schwachen und für diejenigen die heute ein wenig Halt geben können. Für die Einsamen und für diejenigen die so gerne mal ein bisschen Zeit für sich alleine hätten. Für die Sorgenvollen und die Viel-zu-Sorglosen. Für gestresste Kinder und ihre mindestens so gestressten Eltern. Für uns alle: 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns.

Er erfülle uns mit seinem Schalom.