Mittwoch, 15. April 2026

Erschöpfte Tage und frisches Wasser

Jetzt sind unsere Osterferien auch schon wieder vorbei. Und ich habe gelernt dass es in vielen Bundesländern gar keine Osterferien gibt! Eine Hamburger Freundin meinte seufzend: "Wir haben im März Skiferien, das Skigebiet liegt ja auch hier direkt um die Ecke." Aprops Skigebiet: Ich war eingeladen zu einer Lesung in Davos. In DAVOS! Nicht im Traum hätte ich gedacht,  jemals dorthin zu fahren: Höchstgelegener Luxus-Skiort Europas. Bekannt für die heilsame Luft und das Weltwirtschaftsforum. Unser Teenie ist auch nur deshalb mit weil er insgeheim  gehofft hat Trump zu sichten - oder wenigstens ein paar Luxusautos. Leider vergeblich. Stattdessen staunten wir über die gewaltigen Schneeberge und die ebenso gewaltigen Essenspreise, über die Schweizer Gastfreundschaft und ein neu entdecktes Magazin in der wunderschönsten Ferienwohnung! 

Müde und halbkrank hatten wir uns auf den Weg in die Schweiz gemacht. Hinter uns lag eine Osterwoche die angefüllt war mit vielen Verpflichtungen und einer großen Erschöpfung.  Going through the motions  ist der passende englische Ausdruck, der unsere Ostertage beschreibt (übersetzt in etwa: Die Routine abspulen): 
  • Karfreitag im Wäldchen das Gartengrab anlegen. 
  • auf den Birkenkopf mit den Weggefährten aus der Gemeinde. 
  • Karsamstag mit Kopfschmerz, Putzen und Streiten 
  • Ostersonntag Jesus lebt auf die Straße malen, ins Auto springen und den Gottesdienst mitgestalten, müde Osterwitze machen
  • noch müder zum Verwandtentreffen fahren 
  • völlig erschöpft am Ostermontag mit unmotivierten Familienmitgliedern den Stein vom Gartengrab im Wald wegrollen.
 
Ich war am Ende so erledigt, dass ich zu Heio gesagt habe: "So ein Scheiß-Ostern hatte ich schon lange nicht mehr." Hab morgens nur müde meinen Kopf auf die Bibel gelegt und Jesus zugeflüstert: Ich brauche so dringend eine belebende Begegnung mit dir. Aber Ostern war vorbei. Und so sind wir dann Richtung Schweiz gefahren. Mit Halsschmerzen und dem Gefühl im Herz, den Auferstandenen verpasst zu haben. Und ich habe verzweifelt gedacht: Warum habe ich diesen Termin nur zugesagt?  Was soll ich den Frauen bitteschön geben? Ich fühlte mir völlig ausgetrocknet. Und dann hat Jesus in Davos mit Erfrischungsgetränken auf uns gewartet! Ich meine die Berge waren schon grandios - aber das frische Leitungswasser! Unglaublich!!! Und dann die belebenden Begegnungen  beim Frauentreff (mit der erleichterten Feststellung, dass der schwäbische mit dem schweizerischen Humor kompatibel ist)! Ich konnte geben aus einer Fülle, die sich wie sprudelndes Quellwasser in mir geöffnet hat. Und ich habe empfangen - mein Herz wurde aufgefüllt mit Freude an der spürbaren Nähe Gottes! Und als Zugabe gab es Liegestühle im Schnee mit einen grandiosen Ausblick vom höchsten Berggipfel, einen Spaziergang im Tal, vorbei an rauschenden Bächen, und - als wäre das noch nicht genug:  Schweizer Rösti und besten Kaffee! Ach, diese drei Tage waren einfach so eine Wohltat Gottes. 
 
 
 
 


In dem Melchior-Magazin hat mich ein Interview mit einem Franziskanerpater, der unter den Ärmsten der Gesellschaft lebt, besonders beeindruckt. Darin sagte er:

Halte nichts von dir für dich zurück,  damit derjenige, der sich ganz dir schenkt, dich ganz empfangen kann. Alles geben - alles empfangen: Das ist die Ökonomie Gottes.    
In meiner Arbeit mit den Armen lerne ich: Ich bin nicht derjenige, der alles im Griff hat. Je authentischer ich dieses Leben lebe, desto mehr begreife ich, dass wir alle gleichermaßen von Gottes Barmherzigkeit abhängig sind. Ich bin ebenso bedürftig wie mein Nächster.
Für mich ist entscheidend zu verstehen, dass der Vater sich zutiefst um uns kümmert. Er geht uns unermüdlich nach.
Genau das habe ich in unseren Osterferien neu erlebt. Gott ist mit uns. Immer. Er nimmt uns wahr, wenn wir an müden Tagen die Routine abspulen. Wenn wir unsere Bedürftigkeit annehmen. Unsere tiefe Abhängigkeit von ihm. Von seiner Fürsorge. Und dann: alles gebend, alles empfangen. 
Der Hirtenjunge und spätere König David schrieb: Der Strom Gottes hat Wasser in Fülle (Ps.65,10). Die Wasserbäche in Davos haben mir das wieder neu vor Augen geführt. 
 
Der Vater kümmert sich zutiefst um uns. Er geht uns unermüdlich nach! 
 
 

 
Und am Samstag bin ich wieder zur Lesung mit Musik (mit Christina Stöhr💛) in unserem schönen Stuttgart. Ihr seid alle herzlich eingeladen! Nähere Infos hier

Dienstag, 31. März 2026

Ein Wind-und-Wetter-Ostergruß

Heute spielt das Wetter verrückt. Sonne, Schnee und Hagelschauer wechseln sich in schneller Reihenfolge ab. Wir sind mittendrin in der Karwoche; oder der Heiligen Woche, wie meine katholischen Geschwister sagen. Für mich ist es immer eine besondere Woche. So war es in meiner Kindheit (hier habe ich darüber geschrieben) und so ist es bis heute. Die Leidensgeschichte und die Auferstehung Jesu ändert sich nicht, aber ich finde jedes Jahr liest sie sich anders. Mit einem neuen Blickwinkel. Weil unsere Seelenlandschaft und die  Lebensumstände nie dieselben sind. Das Leben ist ein Fluß, sagte mal ein kluger Mensch.  Ich setze mich an dem Ort ans Ufer, an dem ich in diesem Jahr gestrandet bin. Versuche festen Boden zu finden. In mir noch das auf und ab der Gefühle. Wie das Wetter draußen, ist es auch hier drinnen bei uns. Gefühlsextreme lösen sich an vielen Tagen minutenweise ab. Pubertät trifft Wechseljahre. In diesem Jahr noch heftiger als in den Jahren vorher. Hier sitze ich. Aufgewühlt nach dem ersten großen Streit des Tages. Ich hoffe, dass der Auferstandene am Ufer auftaucht und meinen Namen flüstert. Währenddessen krame ich nach einem Stift und versuche Worte für ein Ostergedicht zu finden. Mit dreckigen Händen und einem bodennahen Blickwinkel. Seit Tagen kritzle ich Worte auf einen Zettel. Streiche am Ende fast alles wieder durch. Will das Wenige, das übriggeblieben ist auch zerknüllen, aber dann tippe ich es doch hier ein. Ein paar Sätze verdichtete Hoffnung, für unsere so sehr geliebte Welt:

 

Ostern.

Leben

bricht von unten auf.

Verwurzelt sich

in der Tiefe.

Wächst

unaufhaltsam 

durch dunklen Boden.

Drückt Steinplatten nach oben. 

Ein Samenkorn

sprengt 

alles Mögliche.

 

 


 

 

Gesegnete Ostertage wünsche ich Euch!!!
 
 

 

Dienstag, 24. März 2026

Ich stimme zu.

"Oh, ich vermisse einen guten Roman!" Den Satz hört Heio gerade immer wieder, wenn ich mich unruhig im Bett neben ihm hin und her werfe, weil ich nicht einschlafen kann. Und weil ich mir dann so sehr wünsche, in eine gute Geschichte abzutauchen. Aber weil ich (wie schon geschrieben) Youtube, Podcasts und Romane bis Ostern faste, liege ich so ganz ohne Ablenkung im Bett und warte darauf, dass sich die unruhigen Gedanken legen. Das ist überhaupt eine Sache, die mir auffällt: Anstatt dass ich diese Passionszeit nun in großer Ruhe erlebe, hat mich die Unruhe gepackt. Ich greife viel zu oft nach meinem Handy und schaue nach, ob ich irgendwelche lebenswichtige Nachrichten bekommen habe.(Antwort: Nein. Wüsste nicht woher auch;-). Aber vielleicht beim nächsten Draufschauen!). Ich lese mich am neusten Skandal fest, google sämtliche Details und welche Promis sich dazu schon geäußert haben. Ich klicke wie hypnotisiert auf den Insta-Account einer Person, die ich nicht kenne und die mir nicht sehr sympatisch ist und ich ärgere mich so lange über alles was sie schreibt, bis mir der Meta-Konzern die Tür zuschlägt, weil ich kein eigenes Konto habe. Ehrlich: Diese Fastenzeit habe ich mir anders vorgestellt. Freudiger. Klarer. Ich frage Jesus, was eigentlich mein Problem ist. Er schweigt lange dazu. Ich fürchte, das Problem kann man nicht in ein paar Sätze packen. Und dann leuchtet ein  Wort in meinen Gedanken auf - nein es blinkt mich förmlich an:  

Assent.  
 
Dieses alte englische Wort ist mir in dem Buch von Sarah Clarkson begegnet Reclaiming quiet. Es bedeutet  Zustimmen. Oder: Einwilligen. Sie schreibt dazu:
 
Bei dieser Art von Einwilligung geht es darum, mein Ja zu dem zu geben, was mir geschieht. Meine Zustimmung wird die Umstände nicht verändern, sie wird nur mich selbst verändern. ...Es ist etwas was wir aus freien Stücken geben, eine Einwilligung zu einer Geschichte, die wir vielleicht nicht selbt gewählt hätten und die wir nicht vollständig begreifen können. 
 
Ich kann nicht anders als bei ihren Worten an die Passionsgeschichte zu denken, die ich gerade wieder ganz langsam lese. Mir fällt auf wie sehr Jesus genau diese Zustimmung immer wieder ganz bewusst zum Ausdruck gebracht hat. Er hat sich nicht abgelenkt mit dem neusten Jerusalem-Krimi oder mit Diskussionen über das Versagen der frommen Elite. Er hat sich auch  nicht in der Wüste versteckt und gehofft, dass ihn niemand finden würde.  Jesus ging in vollen Bewusstsein, Schritt für Schritt, Richtung Jerusalem. Richtung Golgatha. Immer wieder hat er seinem kommenden Leiden zugestimmt. Er hat den Schmerz nicht verdrängt. Er war  tief erschüttert darüber, dass Judas ihn verraten würde und hat ihm dann gesagt: Was du tun willst, das tue bald. (Joh.13,27). In Gethsemane hat er Blut und Tränen geschwitzt, um zu seiner Zustimmung zu kommen. Er sagte Ja zu seinem Weg. Auch in dem Bewusstsein welche Freude am Ende auf ihn wartet! (Hebr.12,2).
 
Jetzt bin ich (Gott sei Dank!) nicht auf so einem schweren Weg. Aber ich merke, dass Jesus mich nach meiner Zustimmung fragt. Immer wieder. Und vielleicht in dieser Passionszeit, in der ich alle Ablenkung aus der Hand gelegt habe, ganz besonders. Er sucht nach meiner Einwilligung, zu dem Leben, das mir geschieht.  Nicht in der Art wie ich das mit den AGBs oft tue, bevor ich mir online etwas bestelle. Ich klicke "Ich stimme zu", ohne gelesen zu haben, wozu ich eigentlich zustimme (macht ihr das auch so, oder bin ich die Einzige, die so naiv ist?). In diesen Wochen schaue ich mir nun ganz genau das Kleingedruckte meiner Geschichte an. Ich will zustimmen. Zu der ganzen Unruhe, die mich oft überfällt. Zu der Leere, die sich in manchen Momenten in mir ausbreitet. Zu dem Gefühl ungenügend und überfordert zu sein. Zu dem Seelenschmerz und der Unzufriedenheit. Zu allen ungelösten Dingen und dem was ich gerade nicht begreifen kann. Zu meinen Umständen die ich nicht verändern kann. Zu meinem Mann. Zu meinem Kind. Zu meinen Nachbarn. Zu mir selbst - dieser müden, immer faltiger werdenden Frau, die ich im Spiegel sehe (und die schon kahle Stellen auf ihrem Kopf bekommt!). Assent in your smallness, ermutigt mich meine Schwester Sarah Clarkson. Stimme den kleinen Dingen deines Lebens zu. Und dann erlebe, wie Gott in seiner Gnade  diese kleinen Momente berührt...und sie lebenslang in Freude verwandelt.
 
 

 

Dienstag, 10. März 2026

Das wird schön!? (und Ehre, wem Ehre gebührt!)

Unsere Freunde haben uns Karten zu einem Lobpreiskonzert geschenkt. Es war ein großes Event in einer riesigen Halle. Die jungen Musiker informierten uns am Anfang darüber, dass es Liveaufnahmen vom Konzert geben würde und baten uns ganz unverkrampft Jesus anzubeten - gern noch ein bisschen freier als sonst! -  während die Kameras über unsere Köpfe hinwegfuhren. Mein Mann verzog sich daraufhin in die hinterste Ecke während ich unbekümmert stehenblieb. Ich war mir sicher: Eine müde Frau im mittleren Alter neben einem ziemlich mürrisch blickenden Teenager werden sie beim Bearbeiten sowieso rausschneiden. Und dann haben wir alle zusammen Jesus angebetet. Das war richtig schön. Aber ehrlich gesagt auch etwas anstrengend (nach ein paar Liedern). 
Auf dem Heimweg habe ich dann Heio gegenüber meine Sorge geäußert, dass der Himmel ein nie endendes Lobpreiskonzert sein könnte. Unser Teenie auf der Rückbank zuckte merklich zusammen. Der Mann meinte  beruhigend, dass ich mir da mal keine Sorgen machen soll - es wird schön und es wird mir gefallen. Das glaube ich grundsätzlich ja auch, aber die Vorstellung, dass etwas ewig geht und ich dabei in einer großen Menschenmenge stehen muß (und Jesus nur von weitem zu sehen ist!)  finde ich ehrlich ein bisschen beunruhigend. 
 
 
(Foto:Canva)

 
Und noch etwas beunruhigt mich im Rückblick auf den Abend: Ich mache mir ein wenig Gedanken, um die jungen Menschen auf der Bühne. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich selbst gern auf so einer großen Bühne gestanden hätte. Aber inzwischen bin ich wirklich dankbar, dass ich nicht dort stehe (und das Publikum wohl auch!:-)). Nicht nur weil ich nicht so gut singen kann, sondern vor allem weil ich glaube, dass es meiner Seele schaden würde. Daran denke ich nun, wenn ich Menschen auf einer großen Bühne sehe. Und auch wenn ich von bekannten christlichen InfluencerInnen höre. Neulich hat mich mein Sohn darauf aufmerksam gemacht, dass die Insta-Accounts, die mehr als 5000 Follower haben, ein blaues Häkchen bekommen. 5000 Follower - das muss man sich mal vorstellen! Es ist nicht so, dass ich mich nicht auch mitfreue, wenn Menschen in großen Mengen für Jesus begeistert werden. Aber die Überzeugung wächst immer mehr in mir, dass alle, die auf großen Bühnen stehen oder die ein blaues Häkchchen auf ihrem Instagram-Kanal haben, viel mehr unsere Gebete als unserer Bewunderung brauchen. Die Versuchung ist ja in meinem Alltag schon groß genug, mich selbst zu wichtig zu nehmen und mein altes Ego hat immer noch einen gehörigen Drang sich auf dem Königstuhl breit zu machen. Und deshalb tut es meiner Seele so gut und macht mich froh und frei, wenn ich den Gott in Blick nehme, dem alle Ehre gebührt! Womit ich wieder bei der himmlischen Anbetung bin. Und bei dem, der auf dem Thron sitzt und vor dem weit über 5000 Menschen knien und ihn loben werden! Wie donnernde Wassermassen wird es klingen... (Offenbarung 19,6)  Und für uns alle, die so eine Vorstellung auch etwas einschüchtern finden, bin ich froh, dass es noch andere Bilder über den Himmel gibt: 
 
Eine Festtafel.
Herrliches Essen mit geliebten Menschen. (Jesaja 25,6)  
 
Eine liebevoll vorbereitete Wohnung. (Johannes 14,2)
 
Kein Tod, keine Nacht, kein Schmerz mehr. 
Ein Vater, der die Tränen abwischt. (Offenbarung 21,4)
 
Jesus, der die Tür aufhält.(Johannes 14,6)
 
Ewige Freude.
Heimkommen. (Jesaja 35,10)
 
 
Oh doch, das wird schön!