Jetzt ist es tatsächlich schon über einen Monat her, dass ich meine Geburtstags-Einsichten mit euch geteilt habe. Immer wieder habe ich mich in der letzten Wochen vor meinen Computer gesetzt und versucht etwas zu schreiben, aber es ist mir nicht gelungen. Meine Gedanken fühlen sich an wie das alte, verrostete Fahrrad, das ganz hinten in unserer Garage steht: Ich müsste SEHR VIEL zur Seite räumen, bevor ich da rankomme! Und dafür fehlt mir die Kraft. Wenn ich zur Zeit gefragt werde wie es mir geht antworte ich meistens: "Danke, uns geht es gut". Damit meine ich nicht den Pluralis Majestetis sondern ich antworte gleich für meinen Mann und Sohn mit. Damit alles auf einmal erledigt ist. Wenn mein Gegenüber dann nochmal nachhakt: "Aber wie geht es DIR?" sage ich meistens: "Eigentlich gut. Aber ich bin so müde." Und dann hoffe ich, dass der andere nicht weiter fragt. Weil ich zu müde bin, um zu erklären, warum ich eigentlich so müde bin.
Dienstag, 9. Juni 2026
Hunger-Ast am Berg
Donnerstag, 30. April 2026
12 Dinge, die ich gelernt habe (eine Neuauflage)
Der April ist (wie manche von euch schon wissen) unser Feiermonat. Ein Geburtstag reiht sich an den anderen. Freunde. Familie. Und dazwischen auch mein eigener. In dem ganzen Trubel versuche ich mir immer auch ein bisschen Zeit zu nehmen, um über das vergangene Jahr nachzudenken. Vor ein paar Jahren habe ich schonmal über 12 Dinge geschrieben, die ich gelernt habe (hier zu lesen). Aber man lernt ja wirklich nie, nie aus! Deshalb hier die Neuauflage:
12. Dinge, die ich im vergangenen Lebensjahr gelernt habe:
1. Das Leben mit einem pubertierenden Sohn ist ein bisschen wie eine Kleinkindmama zu sein: Man kann unmöglich den ganzen Tag genießen, dafür aber die guten Momente. Wie die Schrifstellerin Glennon Doyle es sagte: Nicht "carpe diem" sondern: "carpe momentum." Ich will die - nicht allzu häufigen! - guten Momenten genießen. Sie stärken mich für die nächste hitzige Auseinandersetzung ;-).
2. Nicht meine Baustelle = nicht mein Problem. Birgit Schilling schrieb in einem Artikel in der Joyce: Stell dir die Frage nach der (dem?) "Problem-Ownership?" Wem gehört das Problem? Wenn es nicht deins ist, dann nimm es auch nicht an Board. Zum Beispiel: Die (nicht gemachten) Hausaufgaben von meinem Kind sind NICHT mein Problem! Die Stimmung unseres Nachbarn ist NICHT mein Problem! Die Probleme anderer sind grundsätzlich eigentlich NICHT meine Probleme (ich habe schon genug eigene;-)). Dazu gehört auch das:
3. In einer Freundschaft müssen wir den anderen nicht in Ordnung bringen. Ich kann meine Freunde nicht heilen (und sie mich auch nicht!.) Jesus kann es. wir können da sein. Zuhören. Die Kämpfe des anderen wahrnehmen. Kate Bowler drückt das so gut aus: Friends are not just friends, they are witnesses. (Freunde sind nicht einfach nur Freunde, sie sind auch Zeugen).
4. Hitzewallungen kommen immer gerade dann, wenn du denkst: Ach, ich hatte ja schon länger keine Hitzewallung mehr. Jetzt zum Beispiel. Und es macht in dieser Lebensphase durchaus Sinn mit einer Wärmflasche ins Bett zu gehen, nur um sie Sekunden später, mitsamt der Bettdecke, wieder von sich zu werfen. (das verstehst du nicht, Heio!)
5. Ein Oberbauch lässt sich in den Wechseljahren (und danach) nicht länger vermeiden. Es sei denn man macht diszipliniert Bauchmuskeltraining. (Ich scheitere schon an dem Satz: "Spannen sie ihren Bauch an!" Was genau ich da anspannen soll, ist mir völlig schleierhaft!) Die Fettzellen des weiblichen Körpers scheinen das Bedürfnis zu haben, sich nach über 50 Jahren in der Körpermitte zu einer Party zu versammeln. Ich versuche es als meinen Reiseproviant zu sehen, für die Jahre die noch kommen. Anne Lamott drückt es noch schöner aus: Es ist als würde sich im Bett eine kleine Katze an deinen Bauch kuscheln. So be it.
6. Ein bisschen Gymnastik schadet auch nicht. In dem Buch von Johannes Hartl (die Kraft eines fokusierten Lebens) las ich den einfachen und so wahren Satz: Was in deiner Woche nicht vorkommt, kommt sehr wahrscheinlich auch nicht in deinem Leben vor. Ich würde wirklich gerne ein wenig Sport machen, weil ich glaube,dass es mir (und vor allem meinem Rücken!) guttut. Also plane ich es seit einiger Monaten in meine Woche ein. 10 Minuten Gymnastik für Anfänger mit Knieproblemen. (Youtube und Tina Halder sei Dank!). Das ändert zwar nichts an meinem Bauch, aber mein Rücken ist viel entspannter! Aprops Entspannung:
7. Abendspaziergänge sind eine ganz wunderbare Sache. Wenn "alle Felder ruhen" und die Raben sich sammeln und zu ihrem Schlafplatz fliegen, lohnt es sich wirklich sich nochmal aufzuraffen und nach draußen zu gehen. Nie - gar nie! - komme ich danach zurück und denke: Wäre ich doch lieber auf dem Sofa geblieben! Was mich zum nächsten Punkt bringt:
Die folgenden drei Punkte habe ich bei den Lesungen im letzten Jahr gelernt (gemeinsam mit Christina Stöhr - ich bin so gerne mit dir unterwegs! 💛):
9. Teile deine Perlen nicht wie Schweinefutter aus. Entschuldige dich nicht für das was du hast (oder nicht hast). Denke nicht, es ist eine Zumutung dir zuzuhören! Teile deine Schätze angemessen. Ansonsten wundere dich nicht, wenn sie nicht wertgeschätzt werde.
10. Resonanz kann man nicht erzeugen - sie ist unverfügbar. (Danke Hartmut Rosa, für diese Erkenntnis! ) Wir können Menschen nicht vereinnahmen und nichts erzwingen. Auch Gott ist in dem Sinne nicht verfügbar. Was wir tun können ist: Wir stellen uns zur Verfügung, lassen das Gottesgeschehen zu, ohne es bestimmen zu wollen. (Martin Schleske). Und auch das:
11. Jesus ist nicht immer der Brotvermehrer. Manchmal bleiben 5 Brote und 2 Fische auch genau das: 5 Brote und 2 Fische. Vielleicht ist es oft nötiger unseren Hunger zu spüren, unserer Sehnsucht nachzugehehn, als gesättigt zu werden.
12. Den letzten Punkt zu finden ist immer am schwierigsten, weil man noch etwas sehr beeindruckendes sagen möchte. Aber ich bin nicht durchgehend beeindruckend (eher sehr selten;-)). Und eine Liste ist halt nur eine Liste. Meine 5 Brote und 2 Fische. Deshalb zum Schluß meine Lieblingssätze von Eugene Peterson:Mittwoch, 15. April 2026
Erschöpfte Tage und frisches Wasser
Jetzt sind unsere Osterferien auch schon wieder vorbei. Und ich habe gelernt dass es in vielen Bundesländern gar keine Osterferien gibt! Eine Hamburger Freundin meinte seufzend: "Wir haben im März Skiferien, das Skigebiet liegt ja auch hier direkt um die Ecke." Aprops Skigebiet: Ich war eingeladen zu einer Lesung in Davos. In DAVOS! Nicht im Traum hätte ich gedacht, jemals dorthin zu fahren: Höchstgelegener Luxus-Skiort Europas. Bekannt für die heilsame Luft und das Weltwirtschaftsforum. Unser Teenie ist auch nur deshalb mit weil er insgeheim gehofft hat Trump zu sichten - oder wenigstens ein paar Luxusautos. Leider vergeblich. Stattdessen staunten wir über die gewaltigen Schneeberge und die ebenso gewaltigen Essenspreise, über die Schweizer Gastfreundschaft und ein neu entdecktes Magazin in der wunderschönsten Ferienwohnung!
- Karfreitag im Wäldchen das Gartengrab anlegen.
- auf den Birkenkopf mit den Weggefährten aus der Gemeinde.
- Karsamstag mit Kopfschmerz, Putzen und Streiten
- Ostersonntag Jesus lebt auf die Straße malen, ins Auto springen und den Gottesdienst mitgestalten, müde Osterwitze machen
- noch müder zum Verwandtentreffen fahren
- völlig erschöpft am Ostermontag mit unmotivierten Familienmitgliedern den Stein vom Gartengrab im Wald wegrollen.
In dem Melchior-Magazin hat mich ein Interview mit einem Franziskanerpater, der unter den Ärmsten der Gesellschaft lebt, besonders beeindruckt. Darin sagte er:
Halte nichts von dir für dich zurück, damit derjenige, der sich ganz dir schenkt, dich ganz empfangen kann. Alles geben - alles empfangen: Das ist die Ökonomie Gottes.
In meiner Arbeit mit den Armen lerne ich: Ich bin nicht derjenige, der alles im Griff hat. Je authentischer ich dieses Leben lebe, desto mehr begreife ich, dass wir alle gleichermaßen von Gottes Barmherzigkeit abhängig sind. Ich bin ebenso bedürftig wie mein Nächster.
Für mich ist entscheidend zu verstehen, dass der Vater sich zutiefst um uns kümmert. Er geht uns unermüdlich nach.
Dienstag, 31. März 2026
Ein Wind-und-Wetter-Ostergruß
Heute spielt das Wetter verrückt. Sonne, Schnee und Hagelschauer wechseln sich in schneller Reihenfolge ab. Wir sind mittendrin in der Karwoche; oder der Heiligen Woche, wie meine katholischen Geschwister sagen. Für mich ist es immer eine besondere Woche. So war es in meiner Kindheit (hier habe ich darüber geschrieben) und so ist es bis heute. Die Leidensgeschichte und die Auferstehung Jesu ändert sich nicht, aber ich finde jedes Jahr liest sie sich anders. Mit einem neuen Blickwinkel. Weil unsere Seelenlandschaft und die Lebensumstände nie dieselben sind. Das Leben ist ein Fluß, sagte mal ein kluger Mensch. Ich setze mich an dem Ort ans Ufer, an dem ich in diesem Jahr gestrandet bin. Versuche festen Boden zu finden. In mir noch das auf und ab der Gefühle. Wie das Wetter draußen, ist es auch hier drinnen bei uns. Gefühlsextreme lösen sich an vielen Tagen minutenweise ab. Pubertät trifft Wechseljahre. In diesem Jahr noch heftiger als in den Jahren vorher. Hier sitze ich. Aufgewühlt nach dem ersten großen Streit des Tages. Ich hoffe, dass der Auferstandene am Ufer auftaucht und meinen Namen flüstert. Währenddessen krame ich nach einem Stift und versuche Worte für ein Ostergedicht zu finden. Mit dreckigen Händen und einem bodennahen Blickwinkel. Seit Tagen kritzle ich Worte auf einen Zettel. Streiche am Ende fast alles wieder durch. Will das Wenige, das übriggeblieben ist auch zerknüllen, aber dann tippe ich es doch hier ein. Ein paar Sätze verdichtete Hoffnung, für unsere so sehr geliebte Welt:
Ostern.
Leben
bricht von unten auf.
Verwurzelt sich
in der Tiefe.
Wächst
unaufhaltsam
durch dunklen Boden.
Drückt Steinplatten nach oben.
Ein Samenkorn
sprengt
alles Mögliche.
.jpg)








