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Mittwoch, 21. Juni 2023

Geliebter Gärtner

Diese Woche feiern wir! Mein Weggefährte, Liebhaber und bester Freund wird nun endlich auch 50 Jahre alt! (der junge Kerl:-)). Es fällt mir echt schwer Heio zu beschreiben, ohne dass es zu sehr nach Heile-Welt-Kitsch klingt. Oder - noch schlimmer! - nach christlichem Vorzeigeehepaar. Unsere Liebe ist ziemlich weit weg davon! Wenn sie eine Pflanze wäre, dann wäre sie ganz nah am Boden. Vielleicht eine von diesen etwas unauffälligen winterharten Gewächsen mit hübschen kleinen Blüten, die man nur dann so richtig wahrnehmen kann, wenn man auf die Knie geht. 

Heio kann sehr gut mit Pflanzen. Manchmal nervt es mich wie wichtig ihm diese kleinen Gewächse sind. Wenn wir in den Urlaub fahren, dann packe ich vier Koffer, putze die Wohnung   jage das Kind schimpfend durch die Gegend und lade das Auto, während er in aller Ruhe im Garten  steht, seine kleinen Schützlinge noch einmal sorgfältig bewässert und der Nachbarin Pflegeanweisungen gibt. Es kam auch schon vor, dass er ein zartes Pflänzchen mit in den Urlaub nahm, weil er es nicht in fremde Hände geben wollte. Das alles macht mich ehrlich gesagt leicht wahnsinnig! Und das Ergebnis scheint auch nicht immer der Mühe wert. Da nimmt er monatelang, Abend für Abend, den Kampf mit den Schnecken auf und belohnt sich am Ende mit ein paar Tomaten und Zucchinis, die man ohne große Mühe im Supermarkt kaufen könnte. Es muss wohl eine ganz besondere Freude sein, die uns Außenstehenden entgeht, wenn man einen kleinen Samen in den Boden legt und dann eine Frucht daraus wachsen sieht. Und dann bleibt das Ergebnis immer noch offen! Weil man auf  das Entscheidende - das Wachstum selbst! - trotz bester Pflege, keine Einfluss hat. Man kann nur die Bedingungen dafür schaffen, dass dieses Wachstum möglich ist. Und darin ist Heio ziemlich, ziemlich gut. Auch was unsere bodennahe Ehepflanze angeht! Er wässert sie mit nächtelangem Zuhören, geht jedem Schädling unerbittlich auf der Spur (und ist oft der Erste von uns Beiden der sagt: Lass uns mal reden!), düngt reichlich mit Aufmerksamkeit und Ermutigung und nimmt voller Freude alles wahr was aufwächst. Und dabei bleibt er doch immer der demütige Gärtner der weiß, dass letztlich das Wachstum Geheimnis und Geschenk bleibt. Das wir das nicht "machen" können. Eine gute Ehe. Ebenso wenig wie gute Freundschaften, ein gutes Verhältnis zu unseren Kindern oder zu den Nachbarn, eine tiefe Gottesbeziehung, ein weiches und dankbares Herz, ein Leben das Frucht bringt. "Machen" kann man das alles nicht! Aber gute Wachstumsbedingungen dafür schaffen. Es ist so, wie die wunderbare Lissy Schneider das vor ein paar Tagen in einem Vortrag gesagt hat: 

Alles Gute im Leben kostet auch Mühe! 

(und ihr Blog darüber, wie sie in ihrem Leben Dankbarkeit kultiviert hat ist absolut lesenswert, auch wenn sie ihn vor drei Jahren still und leise aufgehört hat). 
 
Wenn ich Heio sehe, wie er glücklich im Garten werkelt, dann ahne ich, dass es die Mühe wert ist. Alles. Den ganze Weg. Vom ersten Tag bis zur Ernte.
 

Lieber Heio, ich bin so froh mit dir zusammen zu sein! Danke für deine Bereitschaft, dich für das Gute zu mühen. In so vielen Bereichen. Alles andere bleibt Geheimnis und Geschenk.

 

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Unser Garten und das wilde Leben

Hier kommt ein kleines Geständnis: Ich hätte so gerne einen gepflegten, aufgeräumten Garten. Aber wir bekommen es einfach nicht hin.
Unsere Wohnung hab ich irgendwie im Griff. Zumindest rede ich mir das ein. Einmal die Woche durchgeputzt. Die restlichen Tage abends oberflächlich sauber gemacht. Passt. Der Garten dagegen ist viel komplizierter. Kaum drehe ich den Blumenbeeten den Rücken zu,  wuchert schon wieder der Löwenzahn, kleine Ahornbäume wachsen mit schwindelerregender Geschwindigkeit aus dem Boden und fleissige Gartenbewohner Graben ihre Gänge. Auch der neunjährige Sohn gräbt seit einigen Wochen. Ein Loch. Mit begeisterter Unterstützung sämtlicher Freunde. Was anfangs als kleiner Aushub für unsere Tannenbaum gedacht war, wurde zwischenzeitlich zu einem Sandkasten-Projekt und dann zu einem "Ich-grabe-mindestens-zwei-Meter-tief"-Vorhaben. Mitten im Weg! Heio überlegt nun, das immer tiefer werdende Matschloch als Kühllager für Äpfel zu nutzen (vergebliche Suche an dieser Stelle nach dem Hände-überm-Kopf-zusammenschlag-Zeichen). Die Tischtennisplatte müsste weggeräumt, der Zaun verbessert und unsere Laube aufgeräumt werden. Letzteres versuche ich auch alle paar Wochen, aber meist sieht es schon wenige Stunden später wieder wie in einer Werkstatt aus. Heio baut nämlich an einer Überdachung für unser Brennholz. Eins seiner vielen Projekte, das hoffentlich vor seinem Renteneintritt fertig wird. Es gibt ja noch so viel anderes zu tun! Trauben ernten. Holz hacken. Den Walnussbaum zurückschneiden. Diesen Baum nennen wir jetzt liebevoll unseren "Punk-Baum". Weil wir nur an die seitlichen Äste kommen  hat er jetzt eine etwas ungewöhnlich, steil nach oben verlaufende Form. Die Nachbarn staunen und versichern uns, dass der Vorbesitzer den Baum immer wunderbar zurückgeschnitten hat. Heio beruhigt mich: Wenn er das Baumhaus gebaut hat (auch ein anstehendes Projekt) kommt er auch an die oberen Äste. Ihr seht: Der Garten ist eine Dauerbaustelle bei uns. Und manchmal, wenn ich mich auf unsere Hollywoodschaukel setze, dann verschwindet meine Dankbarkeit für dieses wunderbare Stück Erde weil mich der Stress überrollt über alles, was hier zu tun ist. Anstatt den Garten zu genießen mache ich dann innere To-do-Listen, die ich Heio vorlege. Besonders gern in den Momenten, in denen er mit einem Feierabendbier entspannt in seinem Chaos sitzt und sich einfach am Anblick des Gartens freut. 
 
Wenn ich das jetzt alles so aufschreibe dann wird mir bewusst: Was mir in unserem Garten dazwischenkommt ist: Das Leben! Und ich hätte es so gerne wie meine Wohnung:  Einmal richtig aufgeräumt und gut ist. Aber das  Leben wächst und wuchert, man muss andauernd etwas zurückschneiden, oft mit kläglichem Ergebnis, man stolpert über Projekte die man schon längst abschließen wollte und die Beziehungen sind alles andere als sauber gepflegte Beete. Und ganz oft versinkt meine Dankbarkeit für dieses wunderbare Leben in den Aufgaben die ich erledigen und Erwartungen die ich erfüllen möchte. Dann lasse ich  mich stressen und schimpfe über meine Dauerbaustellen und über meine Lieblingsmenschen, die noch mehr zu dem Chaos beitragen, anstatt mir zu helfen es zu beseitigen.

Über dem Spiegel auf unserem Klo hing lange Zeit eine Postkarte auf der stand:
Das Leben ist keine Aufgabe, die wir erledigen müssen.
Es ist ein Geschenk, an dem wir teilhaben dürfen.
Ich weiß leider nicht mehr wer das gesagt hat, aber es war ein kluger Mensch. Es ist ein Satz den wir getriebene und gestresste Menschen so lange über den Spiegel hängen sollten, bis er uns ins Herz gesunken ist. Ich brauche diese Erinnerung, dass das Leben vor allem ein Geschenk ist! Es ist wie ein wunderbares Stück Erde, das ich bewohnen und gestalten und pflegen darf, wo immer alles am Werden ist, und auf dem man nicht erst die Hacke zur Seite legen darf wenn alles fertig ist - was niemals  passieren wird! - sondern wenn es Zeit für ein Feierabendbier wird! Das alles ist für mich richtig, richtig schwer. Und deshalb hole ich mir Hilfe, vom Gärtner aller Gärtner, und von meinem Lebensgeber:

Gott, ich bitte dich: Hilf mir unseren Garten und die Menschen darin und das ganze Leben als das Geschenk zu sehen, das es ist. Hilf mir mein Stück Land so gut es geht zu gestalten und zu pflegen. Und schenk mir die nötige Gelassenheit, die dieses wilde Leben braucht. Hilf mir nicht alles JETZT erledigen zu wollen. Schenk mir den langen Atem, für die vielen Jahreszeiten die noch vor mir liegen. Hilf mir Pausen zu machen und mittendrin, in allem unfertigen, das Leben zu feiern. Ich danke dir. Für unseren Garten. Und für dieses wilde, wunderbare Leben. Amen.

 






 

Mittwoch, 28. Mai 2014

"Guerilla -gardening"




 Diese Woche bekam Heio Post.  Der Inhalt brachte ihn zum Lachen, mich hingegen versetzte er in leichte Panik.  Das Ordnungsamt schrieb uns folgendes:


 Zugegeben: Heios Gartenstück sieht ziemlich verwildert aus, aber es wachsen dort immer wunderbare Brombeeren, Sauerkirschen, Himbeeren und so manches Gemüse in dem kleinen Beet (das man auch als solches erkennen kann, wenn man genauer hinschaut!).
Irgendwie gefällt es mir auch, dass es so "natürlich" aussieht und ein bisschen verwunschen, wie ein geheimer Garten. Dumm ist nur, dass das Grundstück in einem Hinterhof in der Stadt Stuttgart liegt . Und von manchen Nachbarn wird misstrauisch beäugt, was der "Hippie -Mann" da so alles züchtet (und bisher war noch nichts dabei was wir geraucht hätten!).

Jetzt ist der Mann also ab und zu in der Wildnis unterwegs um wenigstens einen Zugang mit der Machete freizuhauen, damit der Ordnungshüter am 5. Juni sich einen Überblick über die Katastrophe verschaffen kann. 
Ich hoffe es gibt keine uns unbekannte EU- Richtlinie, nach denen wir den Garten bearbeiten müssen. In diesem Land ist es wirklich nicht einfach, keine Gesetze zu brechen.


Ich versuche NICHT herauszufinden welcher Nachbar uns da angezeigt hat - auch wenn ich einen starken Verdacht habe. 
Aber wir sollen ja unsere Feinde lieben, oder wie die Bibel sagt:
sie mit guten Taten überschütten, denn ....so wirst du feurige Kohlen auf seinem Haupt sammeln und du wirst ihn überwinden. Lass dich nicht vom Bösen besigen, sondern besiege das Böse durch das Gute. (Römer 12,20)
 Meine "Verdachtsperson" hat mich auch prompt um Hilfe gebeten. Ich werde sie die nächsten Wochen im Haushalt unterstützen, ich werde ihren Rasen mähen, ich werde sie segnen und Kohle auf ihrem Haupt sammeln. Danach wird sie mich und unseren Garten lieben:-).


Ich bin wirklich dankbar für unseren Garten und ich hoffe er wird uns nicht weggenommen  (bitte lieber Gott, mach den Mann vom Ordnungsamt blind oder großzügig -nur für einen kurzen Moment!).
Es ist einfach ein tolles Gefühl vor dem Mittagessen einen Salat zu ernten, ein paar Erdbeeren hinter dem Gebüsch zu entdecken und noch ein paar Ringelblumen zu pflücken die vor dem Komposthaufen blühen. Und in einem verwilderten Garten gibt es viel zu entdecken...die Leute mit den gepflegten Beeten wissen ja nicht was ihnen entgeht!






In diesem Sinne: einen Blumenstrauß auf das wilde, geheimnisvolle Leben, das es zu entdecken gibt.