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Dienstag, 28. März 2023

You never walk alone!

 Blogpost enthält unbeauftragte Werbung

Mein Kalender ist in diesem Jahr so voll mit Lesungen, wie nie zuvor. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn ich gerne hier vor meinem Computer sitze und schreibe: Es ist immer schön Menschen so ganz in echt zu treffen (und passt auch wunderbar zu meinem Jahreswort:-)). 

Meistens fahre ich mit klopfendem Herzen und voller Vorfreude los, mit  meinem Unterwegs-Gebet im Kopf: Du und ich, Jesus!  Vor Ort treffe ich dann immer auf ganz tolle Menschen, die die Veranstaltung mit viel Liebe vorbereitet haben. Und an ganz vielen Abenden sitzt da bereits die wunderbare Christina Stöhr am Klavier oder an der Gitarre und füllt mir ihrer sanften und warmen Stimme den Raum.


Diese Frau ist für mich einfach ein Hammersegen! Hier trifft für mich die Bibelstelle (aus Epheser3,20)  zu, dass Gott oft mehr tut als wir erbitten. Ich habe nicht um so eine Begleiterin gebeten. Wie könnte ich? Was wäre das für eine Anmaßung, dass eine Musikerin mit mir zusammen Abende gestaltet, die sich so ganz auf meine Texte einlässt und ihre Lieder wie Puzzlestücke zu meinen Geschichten hinzufügt. Zurückhaltende Schönheit. Diese zwei Worte drücken es am besten für mich aus, was Christina und ihre berührenden Lieder ausmachen. 
Ich finde es so eine tolle Sache, dass Jesus seine Jungs immer zu zweit losgeschickt hat! (und nicht als "Jesus&ich-Einzelkämpfer!). Und es was für ein Geschenk, dass ich das nun genauso mit Christina erlebe! Es tut so gut wenn wir gemeinsam beten oder über verstolperte Momente lachen und uns am nächsten Tag (über viele Voice-Nachrichten!) gegenseitig Mut machen können, wenn uns mal wieder Selbstzweifel quälen. Ehrlich: Ich schaffe es nicht alleine! Ich hänge mich jeden Morgen an Jesus und bin dann so dankbar für jeden Wegbegleiter, den er mir an die Seite stellt!  
 
Heute morgen habe ich den schönen Satz gelesen (ohne Quellangabe):
In unser zerbrechliches Leben legst du deinen Schatz.
Auf unseren verstimmten Saiten machst du Musik.
Mit unseren hinkenden Füßen lädst du uns zum Tanz. 
Und genau das ermutigt mich auch so: Dass Jesus nicht diejenigen losschickt, die alles auf der Reihe haben oder sich und ihn ganz besonders gut präsentieren können oder die besondere geistliche Reife erreicht haben! Im Gegenteil! Als Jesus seine Jünger zum ersten Mal losgeschickt hatte wussten sie noch nicht mal genau wer er eigentlich wirklich ist - zumindest sagte Petrus erst danach, nach einigem Rätselraten der anderen, dass er Gottes Sohn ist und Jesus sagte: Super, das wurde dir gerade eben offenbart! (ich frage mich was genau die Jungs gepredigt haben? :-)).  Jesus scheint da wirklich sehr entspannt zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass er mich losschickt. Und dich. Uns alle, die wir gerne dabeisein wollen, aber irgendwie denken es reicht nicht was wir haben. Aber wir gehen. Tragen seinen Schatz mit hinkenden Füßen und zerbrechlichem Selbstbewusstsein. Und weil er weiß, dass uns das unterwegs ganz schön verunsichern kann, schickt er uns gemeinsam los. Ach, ich bin so dankbar dafür!
 
Und nun hat Christina seit wenigen Tagen ihre erste Solo-CD im Gepäck! Juhu! Fünf wunderschöne berührende Lieder auf eine kleine silberne Scheibe gepresst über die zerbrechliche Schönheit unserer Welt und über den, der uns auf unserem Weg auf geheimnisvolle und zurückhaltende Weise begleitet:

unsichtbar - unübersehbar

unbegreiflich - spürbar nah

unerforschbar - unbeschreiblich 

unaufhörlich für uns da.

(C.Stöhr)


Die CD kostet nur 7 Euro (plus Versandkosten) - und ihr könnt sie bei Christina über ihre Webseite bestellen oder direkt über: kontakt@christinastoehr.de.

 Zwei CD's gibt's hier zur Verlosung!!!

Schreibt einfach bis Freitag ein Kommentar mit eurem Namen unter diesen Beitrag (oder schickt mir eine Nachricht an chris.f@freenet.de) und am Samstag erfahrt ihr ob ihr gewonnen habt.

 

Und während wir so zusammen unterwegs sind, will ich in diesen Tagen ein bisschen langsamer gehen. Ich will an die Wegstrecke denken, die Jesus so ganz alleine gegangen ist. Für uns. Und wenn ich die Schönheiten am Wegrand betrachte, dann scheint es fast so als würde die Schöpfung bereits den roten Teppich für ihn ausrollen...






Donnerstag, 1. April 2021

Der anfassbare Jesus

Nun leben wir schon ein ganzes Jahr in dieser verrückten Coronazeit. Letztes Ostern war alles noch ganz neu und irgendwie auch aufregend. Anstatt wie gewohnt mit Weggefährten am Karfreitag auf den Birkenkopf zu wandern und dort am Kreuz zusammen an Jesus zu denken, haben wir die Passionsgeschichte aufgeschrieben und an die Bäume gehängt. Wir haben einen kleinen Ostergarten im Wald zusammengestellt, am Sonntag voller Elan "Jesus ist auferstanden" auf die Straßen gemalt, den Stein vom Grab weggerollt, um dann gespannt vor unserem ersten Zoom-Gottesdienst zu sitzen. Und dieses Jahr? Fehlt mir ehrlich gesagt der Elan Ostern so ganz anders und trotzdem besonders zu gestalten. Zum Glück geht das nicht allen so. Die Kirchen an unserem Ort haben einen wunderbaren kleinen Ostergarten aufgebaut. Gestern abend bin ich noch spontan dort vorbeigegangen. Von weitem glitzerten die Weingläser auf dem Abendmahlstisch. 13 Gläser, die darauf warten gefüllt zu werden. Pessach. Erinnerung an die Befreiung aus Unterdrückung und Sklaverei. Unbekümmerte Tischgemeinschaft. Lachen und Gespräche die munter hin und her gehen. Aber auch: plötzlich ernste Fragen. Bedrückte Stille. Vorahnung einer dunklen Nacht.


Bei der nächsten Station: Herrliche Kindergedanken die mich zum Schmunzeln bringen und Gottes Vaterherz ganz  bestimmt mit Liebe erfüllen...



 

Und dann denke ich auch an die verzweifelten Gebete Jesus. Die große Angst. Ein schweigender Vater. Schlafende Jünger. Durch die dunklen Stunden kämpfte sich Jesus allein.

Ich komme an den Stationen vorbei die an Verrat, Verleugnung und Folter erinnern. Denke an meine Glaubensgeschwister für die diese Worte bittere Relität sind. Denke an Myanmar, Weißrussland und Hongkong. So viel Mut und Leid auf den Straßen dieser Welt. So groß die Sehnsucht nach Befreiung von Unterdrückung...

 

In der Abenddämmerung gehe ich weiter. Vorbei am Kreuz. Bis zum leeren Grab. Ich sehe die zusammengelegten Tücher und frage mich, wie Maria: Wo ist Jesus? Da ist so viel Unfassbares in diesen Tagen. Und so viel Sehnsucht .


Meine liebste Lieblingsstelle kommt an der letzten Station. Es ist das Lagerfeuer am See Genezareth, an dem Jesus seinen Jüngern Essen vorbereitet. Müde kommen sie an. Mit ihrem Versagen im Herzen. Ihrem Frust. Der ganzen Verzweiflung. Und da steht plötzlich Jesus am Ufer. Mit der Einladung zum Frühstück. Vielleicht weil er wusste, dass seine Jungs nach den wilden Tagen, dem Mystischen und dem Unfassbaren, etwas ganz Handfestes benötigten. Etwas Vertrautes. Wellenrauschen. Ein knisterndes Feuer. Herrlich gebratener Fisch und frisches Brot. Liebevolle Neckereien. Vertraute Gesten. Mit vollem Magen wieder voller Zuversicht, dass am Ende doch noch alles gut werden könnte. Dass die Geschichte weitergeht. Größer. Wilder. Beängstigender und besser als gedacht. 


 Es ist die Sehnsucht nach diesem "anfassbaren" Gott, die mich dieses Jahr erfüllt. Nach dem Jesus mit dem ich gemeinsam Frühstücken kann, der mit mir über Kindersprüche lacht, der uns die Tränen von den Augen wischt, der sanft die wichtigen Fragen stellt und uns übers Lagerfeuer hinweg seine Liebe versichert. Gemeinde ist für mich der Ort an dem ich das immer wieder erlebe. Jesus, mitten unter uns. Ihr fehlt mir, meine Weggefährten.
 
Am Samstag will ich zusammen mit Heio in unserem Garten ein Osterfeuer machen - so hell und groß wie in keinem Jahr zuvor (es liegen genügend dürre Äste neben der Grillstelle!).  Und dann stelle ich mir vor wie das sein wird, wenn wir uns alle wieder zusammen um eine Frühstückstafel oder ums Feuer versammeln können. Liebevolle Neckereien. Vertraute Gesten. Und wenn dann Jesus zwischen uns Platz nimmt...
 
In will in diesen Zeiten die Sehnsucht nach diesem "anfassbaren Glauben" wachhalten, wie die Glut am Lagerfeuer. Ich will darauf vertrauen, dass unsere Geschichte weitergeht. Größer. Wilder.  Beängstigender und vielleicht sogar besser als wir uns das vorstellen können.
 
 

 

 

Dienstag, 13. Juni 2017

This is where I heal my hurts.

Montagmorgen. Noch nicht ganz ausgepackte Taschen. Mein Herz quillt über wie der Wäschekorb - voller Eindrücke und Gedanken über die vergangenen Tage. Dankbarkeit. Vor allem Dankbarkeit. Ich setzte mich an den Computer, beantworte dringende Mails und sortiere die ersten Bilder der Gemeindefreizeit. Im Hintergrund läuft das beruhigende Summen der Waschmaschine. Die Fotos bringen mich zum Lächeln.   What good is a good life if I can’t see it? , das habe ich vor ein paar Tagen in diesem wunderbaren Artikel von Megan Gahan gelesen. Wie wahr ist das! Was nützt das Gute, wenn wir es nicht wahrnehmen? Also schaue ich es an. Ich freue mich an dem was Gott unter uns tut. Dass ich Teil einer Auferstehungsgeschichte sein darf, die mir für den Rest meines Lebens Mut machen wird. Dass seine Geschichten manchmal erst dann so richtig anfangen, wenn wir denken das letzte Kapitel wird gerade geschrieben. Plötzlich pulsiert wieder sanftes, junges Leben in uns. DANKE JESUS!!!!

















 
Egal wo ich hinschaue: ich sehe Gottes Fingerabdrücke. Leben bricht auf. Ich kann einfach nur staunen. Zeuge sein. 
Und natürlich gab es auch andere Momente dazwischen: Tränen. Schreiende Babys. Erschöpfte Mamas. Schlaflose Nächte. "Phantomschmerz" in manchen Herzen  über die Lücke von Menschen, die nicht dabei waren, oder über das Glück der anderen, das sich im eigenen Leben einfach nicht einstellen will.   Mir selbst ging es phasenweise auch nicht so gut. Ein übler Migräneschmerz hatte sich gleich am ersten Abend in meinem Kopf festgekrallt und wollte einfach nicht mehr loslassen. Ich lag also öfters mal alleine im abgedunkelten Zimmer. Diese Momente sind ein bisschen wie der "Negativ-Film", dieser kleine Schwarz-weiß-Streifen der, im analogen Zeitalter,  meistens zuerst aus der Papiertüte fiel. (manche erinnern sich) Darauf erkannte man die Bilder immer kaum, weil sie die umgekehrte Beleuchtung hatten. Ich glaube machmal erleben wir das auch in der Gemeinschaft:  Die hellen Momente der anderen, legen sich als Dunkel über unsere Seele:

Das lachende Baby. 
Das ermutigende Wort für den Nebensitzer. 
Der innige Kuss eines Liebespaares.
Die Gotteserlebnisse anderer. 
Die Geräusche von aneinanderklirrenden Bierflaschen und von fröhlichen Gesprächen, die ins abgedunkelte Zimmer dringen. 

Am letzten Abend, ein Lobpreisabend, lief meine Migräne nochmal richtig zu Hochform auf. Während die meisten um mich herum fröhlich Gott lobten wäre ich am liebsten zur nahen Bahnschiene gelaufen und hätte meinen schmerzenden Kopf auf die kühle Schienen gelegt und auf den nächsten Zug gewartet. Nicht dass ich es wirklich getan hätte. Aber ehrlich: so düster sah es in mir aus. Ich gab Heio zu verstehen, dass ich aufs Zimmer gehen würde und dass ich dankbar wäre, wenn vielleicht noch jemand kurz Zeit hätte für mich zu beten. Ein Hilferuf den ich nur dann absetze, wenn ich merke: Jetzt geht gar nichts mehr. Also saß ich auf meiner Bettkante in der verzweifelten Hoffnung, dass um diese nachschlafende Zeit sich noch jemand erbarmen und kurz, zusammen mit Heio, für mich beten würde. 
Nach einer Weile ging vorsichtig die Tür auf. Da stand einer meiner Lieblingsbrüder, lächelte vorsichtig und meinte: "Ich habe noch ein paar Leute mitgebracht." Und dann kam einer nach dem anderen ins Zimmer. Meine Weggefährten. Selbst müde nach einem langen Tag. Ich musste nicht viel erklären. Sie setzten sich einfach neben mir ins Dunkel und beteten für mich. Und es war unglaublich: schon nach den ersten Sätzen kam es mir so vor, als würde mich eine tiefe Welle von Frieden erfassen, die alle Verzweiflung mit sich nimmt. Nicht den Schmerz. (zumindest erstmal nicht ganz)  Aber der Friede war so gewaltig, dass die Schmerzen ganz beleidigt in die Ecke abzogen, weil sie plötzlich keine Beachtung mehr fanden. Sie waren einfach nicht mehr so wichtig. Gott war da.  Auch wenn das ziemlich große Worte sind - ich kann es nicht anders sagen. Und wenn ich jetzt an das Wochenende zurückdenke, dann ist dieser dunkle Moment auf der Bettkante, mein hellster und schönster Moment geworden. 

"Der große Vorteil von Negativfilmen ist, dass sie einen großen Belichtungsspielraum haben", lese ich bei Wikipedia. Kann man es besser sagen? Im Dunkel gibt es einen großen "Belichtungsspielraum" für Gottes Gegenwart. Und in manchen Momenten nützt er diesen Spielraum voll aus und schenkt seinen tiefsten Frieden. Leuchtende Gegenwart.  So gewaltig, dass ich sie heute morgen, während ich das aufschreibe, immer noch spüren kann.

Ganz oft, wenn ich an die kleine Gemeinschaft denke, mit denen ich nun schon über 20 Jahre unterwegs bin, kommen mir die Worte aus dem Lied von faithless in den Sinn: 
This is my church! This is where I heal my hurts.
Doch, wir leiden immer wieder auch aneinander. Aber es ist auch der Ort an dem ich Heilung finde. Und Frieden. Und Jesus. 

Und vielleicht ist es tatsächlich das Größte und einer der wichtigsten Aufgaben die wir als Kirche haben : Wir freuen uns an dem Guten was er unter uns tut! Wir schauen genau hin. Staunen. Sind Zeugen von kleinen Samen die aus trockenem Boden aufbrechen und neues Leben hervorbringen. Ich glaube das ist ein heiliger Auftrag. Sehend werden. Für Gottes Fingerabdrücke unter uns.  Wir lernen DA zu sein. Hier und jetzt. Miteinander. Und immer wieder auch füreinander -  wenn Gott uns einlädt mit einem vorsichtigen Lächeln die  Tür zum Dunkel des anderen zu öffnen, mit den wunderbaren Worten: "Ich hab noch ein paar Leute mitgebracht!" Und dann nehmen wir mit unseren Gebeten die Ecken der Matraze in die Hände und tragen einander zu Jesus. 



Und übrigens: Falls der eine oder ander mit mit gebangt hat: Als wir nach Hause kamen waren alle Hasen noch am Leben! Putzmunter. Gott versorgt auch diejenigen, um die wir uns gerade mal nicht kümmern können :-)

Mittwoch, 24. Mai 2017

Warum ich dich immer dahin mitschleppe.

"Es ist Zeit," sagt Heio, mit dem Blick zur Uhr."Wir müssen los!"
Oh nein, denke ich, blinzle in die Sonne und kann mich kaum von der Picknickdecke wegbewegen, auf der ich liege. Ich bin noch mitten im Gespräch mit einer Freundin. Und im Kopf hämmert es schon seit dem Aufstehen und eigentlich würde ich gerne für den Rest des Tages nur auf dieser Picknickdecke liegenbleiben. Aber es ist Sonntag. Und Zeit für den Gottesdienst. Also packen wir zusammen, verabschieden uns von den Freunden (die leider nicht mitkommen wollen) und nehmen den kleinen Sohn mit, der auch nicht mitkommen will. Die Aussicht, dass wir heute gemeinsam mit einer kleinen brasilianischen Gemeinde den Gottesdienst feiern, macht es auch nicht besser. Ich fürchte es wird anstrengend, viele neue Leute... kurz überlege ich noch Zuhause zu bleiben. Dann gehe ich doch mit. Schon alleine aus Solidarität mit dem Rest der Familie. 
Und dann sind wir auch schon mittendrin. Weggefährten umarmen. Und Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, die aber auch wegen Jesus hier sind. Dann der Lobpreis: Portugiesisch und deutsch. Kraftvoll und laut. Eine sprudelnde Freude steigt in mir auf. Ich schaue in die bekannten und unbekannten Gesichter und weiß: wir gehören zusammen. Familientreffen. Samu löst sich von meiner Hand und tanzt neben einem kleinen, braslianischen Mädchen mit den schönsten roten Lackschuhen. Wir segnen die Kinder für ihren Gottesdienst. Sie haben sich spontan an den Händen gefasst, was mich irgendwie total berührt.


Und dann erzählt Achim dass seine Abteilung beim Daimler  nach langem hin und her wundersamerweise nun doch nicht wegrationalisiert wird. Gemeinsam jublen wir über einen Gott, der Gebete erhört. Und spätestens nach seiner Predigt bin ich einfach nur dankbar, dass ich nicht auf der Picknickdecke liegengeblieben bin. Das leckere Essen danach und die guten Begegnungen sind dann noch die Zugabe.





Mit vollem Magen und erfüllten Herzen fahren wir mit dem Rad nach Hause. Samuel ist total verschwitzt vom Toben mit den Kindern und zeigt mir stolz was er gebastelt hat. "Hat es dir doch gefallen?", frage ich ihn, beim ins Bett bringen.  Er nickt. "Ja, so mittel!" Mittel ist in Ordnung, finde ich. (das meiste ist bei ihm gerade so mittel :-)) Wir beten zusammen und ich bekomme den schönsten, friedlichen Kinderkuss auf die Wange gedrückt. Einige Zeit höre ich ihn noch vor sich hinsingen: Gott du bist stärker, Gott du bist größer, als alles andere..." Dazu hat er heute getanzt. Lächelnd lasse ich mich aufs Sofa sinken. Und sage: "Danke Gott. Für deine Familie."

Ich weiß nicht an was Samu sich später erinnern wird. Vielleicht an schöne Ausfüge? Urlaub am Meer? Tägliche Fahrradwege an Hühnern und Räuberhöhle vorbei? Eine Mama die oft mit Schmerzen im Bett lag? Bücher lesen und Michel schauen? An die Bibelgeschichten? Gemüse pflanzen mit Papa? Quatsch machen am Frühstückstisch? An seine tollen Erzieherinnen in der Kita? An Gartenparties? Sabbatkerze anzünden? Streitigkeiten (und Spielzeugkoffer die als Konsequenz kurzfristig in den Keller wandern)? An die Freunde aus der Gemeinde? Das Beten abends im Bett? Ans Stau spielen? An die Zuversicht, dass Gott stärker und größer als alles andere ist? Vielleicht von allem ein bisschen. Wir stecken gerade mitten in der Geschichte seiner Kindheit. Und wir fügen täglich neue Kapitel dazu. Zur Zeit stellt er viele Fragen über Gott. Manches kann ich ihm erklären. Einiges verstehe ich selbst nicht. Und manches schreibe ich ihm auf, weil er es vielleicht erst später verstehen wird.  Einen Brief an Samu landete im neuen Buch. Zu seiner Frage, warum wir ihn Sonntags denn immer mit in die Gemeinde schleppen. Einen kleinen Teil davon darf ich hier für euch schon abdrucken. (den Rest gibts dann Mitte August :-)).

Lieber Samu!
Letzten Sonntag hast du dein Missfallen darüber ausgedrückt, dass du mit uns in den Gottesdienst kommen solltest. Genaugenommen hast du es mit aller Deutlichkeit, zu der ein Fünfjähriger fähig ist, gesagt, dass du heute nicht „zu den Sch...Jesusfreaks“ mitwillst. Aus zwei Gründen habe ich dich trotzdem mitgenommen: Erstens bist du noch nicht alt genug, um dich alleine zu Hause lassen zu können, und zweitens weiß ich ziemlich genau, dass es dir, wie jedes Mal, richtig gut gefallen wird. Mir geht es übrigens oft auch so. Wenn Papa nicht immer sagen würde: „Lass uns hingehen!“, würde ich manches Mal auch lieber zu Hause bleiben. Aber wir gehen hin. Jeden Sonntag. Ich hoffe, du siehst daran, dass uns diese Sache mit Jesus und seiner Familie wirklich wichtig ist. Ich hoffe, dass du dich auch noch dann daran erinnerst, wenn du selbst viele andere Dinge findest, die man am Sonntag sonst noch so unternehmen könnte. Vielleicht warst du dann oft genug dabei, um zu spüren, was das Besondere an dieser Familie ist.
Als du erst ein paar Wochen alt warst, haben wir dich im Gottesdienst segnen lassen. Die Leute aus der Gemeinde haben einen großen Kreis um uns gebildet und der eine oder andere hat mit seiner Hand deine kleinen Füße oder deine winzigen Finger umschlossen und dir ein Segenswort zugesprochen. Ich war eine ziemlich müde und immer leicht überforderte Mama in deinen ersten Lebensjahren. Was mir von Anfang an klar war: Alleine würde ich das alles nicht hinbekommen. „Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“, sagt man und ich glaube, es braucht eine ganze Gruppe von Menschen, die Jesus lieb haben, dass du ein wenig von dem Reichtum und der Größe Gottes ahnen kannst. 
Ich nehme dich jeden Sonntag mit, weil ich möchte, dass du siehst, wie wir zusammen Jesus anbeten. Ich möchte, dass du erlebst, wie deine Mama ein bisschen gelöster und friedlicher wird, nachdem sie das Abendmahl empfangen hat. Ich möchte, dass du siehst, wie wir Menschen umarmen, die ganz anders sind als wir, und dass du weißt, dass sie auch zu unserer großen Familie gehören. 
Ich will, dass du ganz viele Geschichten über Jesus hörst – nicht nur von mir, sondern auch von wunderbaren Kindermitarbeitern – weil wir ihn so toll finden und ich mir wünsche, dass ihr beide Freunde werdet. Und ich sehe schon, dass das passiert. Wenn irgendjemandem etwas wehtut oder du merkst, dass wir ein Problem haben, dann bist du der Erste, der sagt: „Mama, warum betest du denn nicht?“ Du erinnerst mich daran, warum ich glaube. Du hilfst mir, in meinem Alltag Jesus nicht zu vergessen. Ein bisschen so geht es mir mit der Gemeinde: Sie erinnert mich jeden Sonntag daran, warum ich glaube. Sie hilft mir dabei, Jesus nicht zu vergessen. Sie erinnert mich daran, dass ich Gnade brauche und Vergebung und ich mag es, wenn du uns dabei zuschaust und wie du Teil dieser kleinen, unperfekten Familie bist...
..Ich hoffe, dass du weißt und erlebst, dass ein Platz für dich frei ist an Gottes Tisch. Ein Leben lang. Egal was passiert. Und wenn ich oder dein Papa mal nicht mehr in der Nähe sein sollten, um dir das alles zu sagen, dann hoffe ich einfach, dass du immer eine Familie um dich haben wirst, die dich an all das erinnert... dass sie dir jederzeit die Hände auflegen wird, um dich zu segnen, so wie es schon am Anfang deines Lebens war. Ich glaube, wir brauchen einander, um den Weg mit Jesus bis zum Ende zu gehen. Bis wir uns alle wiedersehen bei ihm. Die ganze große Familie. Das wird ein Fest – und du liebst es doch zu feiern! Wegen all dem schleppe ich dich jeden Sonntag mit. Das ist ein bisschen viel, um dir das alles jetzt zu erklären, ich weiß. Aber ich hoffe, dass du es irgendwann verstehen wirst, und dass du froh darüber sein kannst. Ich liebe dich. Immer. Du bist ein Segen. Und du sollst immer gesegnet sein.
Deine Mama

(© 2017 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn,Christina Schöffler: Kinder, Kinder, in Warum ich da noch hingehe. Die Kirche, Jesus und ich)


Dienstag, 4. Oktober 2016

Die Gefährten

Die Woche beginnt in Stuttgart ziemlich verregnet und neblig. Meine Alltagsbegleiter sind auch schon am Start: Das Summen der Waschmaschine, die Geräusche des Müllautos vor der Tür und der Einkaufzettel auf dem Tisch. Aber ich hänge mit den Gedanken noch im vergangenen Wochenende. Dankbar. Für die wunderbare Begegnungen mit den Menschen im Mühlrad und für eine schöne Lesung. Staunend. Über die gewaltige Schönheit der Schöpfung.


Der zukünftige Milchbauer...

ein Garten der mich zu Träumen bringt...
Am letzten Abend saßen wir noch zusammen am Feuer. Wir hielten unser Stockbrot über die Glut und hörten ein wenig von den vergangenen 30 Jahren dieser Lebensgemeinschaft.  Vom gemeinsamen Feiern und gemeinsames Durchtragen, von Schicksalsschlägen, schweren Erkrankungen, harter Arbeit und einem geerdeten, bewährten Glaube. Ein gemeinsamer Glaube.  Wir spüren etwas von diesem Schatz, einander zu haben und durch sämtliche Lebensphasen hindurch, die Glut des Glaubens gemeinsam am Brennen zu halten.  
 Solche Orte sind Sehnsuchtsorte für mich. In all ihrer Unvollkommenheit. Orte von denen etwas Heilendes ausgeht. Orte die unsere Welt so dringend braucht.  Und ich muß an die Worte von Nadja Bolz Weber denken, dass Glaube ein Teamsport ist und dass wenn in der Bibel steht: Gott legt uns nicht mehr auf als wir tragen können gemeint ist: Gott legt uns nicht mehr auf als WIR GEMEINSAM tragen können.
Bei diesen Gedanken bin ich an diesem ganz gewöhnlichen Tag einfach mal so richtig dankbar für meine Alltagsbegleiter! Und damit meine ich nicht die Waschmaschine und das Müllauto (ok, dafür in ich auch dankbar) Ich denke an meine Gefährten. An diejenigen, mit denen ich schon lange unterwegs bin und an diejenigen die wie unerwartete lebensgroße Geschenke neben mir auftauchen. Ich suche sie und sie finden mich. Immer wieder.

Menschen mit denen ich am Feuer stehe und deren Worte die Glut des Glaubens in mir anfachen.  

Menschen mit denen ich im Dunkel ausharren kann, die keine Angst vor unbequemen Fragen und laut geäußerten Zweifeln haben. 

Menschen die mich mit ihren Gebeten tragen wenn ich am untergehen bin.

Menschen die ich mit meinen Gebeten tragen will wenn sie am untergehen sind. 

Menschen die zusammenbleiben. 

In aller Unvollkommenheit.  

Wir sind nicht dazu geschaffen alleine hinter Jesus herzustolpern!
Ich glaube, wir brauchen einander. Und ich bin so dankbar für meine Weggefährten!!






Gefährten des Lichts
wo sind sie
die gefährten
gemeinschaft der beherzten
die alles riskieren
und vertrauen dass der geist des herrn
der den tod überwand
leidenschaftich in ihrem leben wirken
und sie zusammenschmelzen darf
damit keiner alleine stehe wider das dunkel
und das licht aufstrahle 
für viele

(aus wie Gefährten leben, OJC Kommunität, Dominik Klenk)