Mittwoch, 30. Juni 2021

Sommerpause

Nachdem gestern die deutsche Mannschaft aus dem EM-Turnier geschossen wurde werde ich mich den Spielern anschließen und eine vorzeitige Sommerpause einlegen. Obwohl in unserem Bundesland erst in ein paar Wochen die Schulferien beginnen. Aber weil dieses Jahr bisher so war wie es war kann man eine Pause - wo immer möglich - schon mal ein bisschen vorziehen, finde ich. 
Ihr Lieben, ich wünsche euch allen, von Herzen, erholsame Tage! Dass wir nach einer kräftezehrenden Zeit das Gesicht ein wenig in die Sonne halten könnnen - und  wenn das in diesem Jahr nur auf der Wiese neben dem Haus ist. Da kann es auch schön sein...

 

Und vielleicht braucht ihr ja noch ein bisschen Lesestoff oder wollt einer Freundin noch ein Buch für diesen Sommer in die Badetasche legen? Dann könnt ihr zum Beispiel das hier bei mir bestellen. (über: chris.f@freenet.de)

Die Sommergrüße-Poskarte gibt`s gratis dazu.  Oder ich schick sie direkt mit dem Buch und einem Gruß von euch zu einem lieben Menschen, dem ihr eine Freude machen wollt.

So, jetzt aber genug der Worte. Ich setz mich eine Weile auf die Wiese neben das Spielfeld und bin spätestens im September wieder zurück! Und ich freue ich sehr über jeden von euch, der dann wieder dabei ist!

Seid umarmt und gesegnet und habt es gut! Bis wir uns Wiederlesen!

Dienstag, 22. Juni 2021

Noch einmal

Noch einmal beim Aufwachen das Vogelgezwitscher vor dem Fenster hören und sich wundern warum die schon so fit sind.

Noch einen Sonnenaufgang verpasst (der Mann sagt: heute war er besonders schön!).

Nochmal mit den zwei Menschen am Frühstück sitzen, die ich so lieb habe und die mich in vielerlei Hinsicht so aus der Fassung bringen können.

Noch einen Schluck Kaffee und nochmal im letzten Moment an das Vesperbrot denken.

Noch einmal einen ganzen Vormittag nach Worten suchen und auch ein paar finden – gerade dann wenn ich denke, dass sie mir endgültig ausgegangen sind.

Noch einmal überlegen was ich heute kochen könnte und immer etwas dafür finden.

Noch einmal das ungeduldige Läuten an der Türglocke und dieses entgegenstürmendes Leben. Umarmen. Lachen. Schimpfen. Und das ganze Glück, das darunter liegt.

Noch einmal einen ganze Nachmittag Zeit. Etwas tun. Oder etwas lassen. Leben gestalten.

Noch einmal Brot verteilen - die Scheiben wie immer krumm und schief geschnitten und keiner beklagt sich.

Noch einmal zuhören und erzählen und Fundstücke des Tage zusammenfegen.

Noch einmal die vermackte Lieblingstassen in die Spülmaschine räumen. Dankbar an ein paar Menschen denken und Grüße verschicken.

Noch einmal die Weltereignisse hören und kleine, holprige Abendrituale pflegen. Nochmal eine ganze Menge Gnade verteilen und noch mehr Gnade empfangen.

Noch einmal Wäsche falten, Kind ins Bett bringen und Hände falten. 

Noch einmal staunen. Ein Regenbogen am violetten Nachthimmel.

Noch einmal die Fenster weit aufreißen und tief den herrlich erdigen Geruch nach einem Platzregen einatmen.

Noch einmal still im Dunkel liegen. Angstvolle Gedanken nach Hause bringen.

Noch einmal an den schönsten Namen denken, den ich kenne.

Noch einmal einen Tag Leben zurückgeben. Bisschen vermackt und angeschlagen.

Trotzdem: Danke.

 



Mittwoch, 16. Juni 2021

Die Wette

Das Fußballfieber hat uns gepackt. Also, vor allem meine zwei männlichen Mitbewohner. Und davon vor allem den 10-Jährigen.  Heute morgen war er sehr enttäuscht, dass "wir" gestern abend verloren haben. Am Frühstückstisch wurde gefachsimpelt was das Zeug hält.  Wenn ich etwas dazu beitrage kann es schon mal passieren, dass Heio die Augen verdreht. Aber ist doch wahr: Deutschland ist eine Turniermannschaft! Das war doch vor 30 Jahren schon so und das wird heute wohl auch noch so sein. Samuel ist sich nicht so sicher ob er mir glauben soll. Langsam vergeht die erste Naivität, dass die Mama über alles bestens Bescheid weiß. Heute morgen erklärt ER MIR den Unterschied zwischen dem kurzen und langen Eck beim Torschuß. Und dann versucht er mich, wie jeden Tag, in eine Wette zu verwickeln. Er macht nämlich bei einem Tipp-Spiel mit. Deshalb fragt er ständig: "Was denkst du Mama, wer gewinnt? Und was wettest du?" So Argumente wie: "Ich weiß es doch nicht!" oder: "Ist mir doch egal!" lässt er nicht gelten. Ich muß mich festlegen. Dann schreibt er alles fein säuberlich auf und zieht im Kimmich-Trikot fröhlich in die Schule.

Während ich nun hier sitze, neben mir seine Tipp-Liste und das Fußball-Sammelheft, muß ich darüber nachdenken was mich denn gerade begeistert und bewegt. Dabei fällt mir sofort Philipp Mickenbecker ein. Dieser junge Kerl von the real life guys, der in den letzten Wochen und Monaten auf so vielen Kanälen und in sämtlichen Medien, von der Bildzeitung über die Gala und Stern-TV bis zu n-tv, zu lesen und zu sehen war. Mit einem Krebsgeschwür in der Brust und einem unfassbar hellen Strahlen im Gesicht. Er hat so begeistert und authentisch von Jesus  geredet, wie Samuel über Fußball. Und seine Gesprächspartner haben fasziniert zugehört. Dass da einer so glauben kann! Dass da einer so wenig Angst vor dem Tod hat, sondern ihm fast frech ins Gesicht lacht! 
Jetzt ist er gestorben. Kurz vor seinem 24. Geburtstag.  Der youtube- Film in dem sein Zwillingsbruder und seine Freunde über Philipps Sterben erzählen hat schon über 4 Millionen aufrufe.  "Philipp hatte vollen Frieden mit der Situation und hat sich sehr über all eure Gebete gefreut. Er hat sich für euch gewünscht, dass ihr Jesus persönlich kennenlernt und ihn in euer Herz schließt", so erzählen sie.  Diese Sätze sind es, die in diesen Tagen in sämtliche Medien unserer Republik wiederholt werden. Man findet keinen Sarkasmus, keine Überheblichkeit. Nur tiefen Respekt. Und ungewohnt nachdenkliche Töne. Ein You-Tube-Star, der eher nicht gläubig ist, redet tief berührt von seiner Begegnung mit Philipp. Er sagt sinngemäß: Überlegt doch mal, wenn die Sache mit Gott nicht stimmt, hat ihm seine Glaube total geholfen. Und wenn die Sache mit Gott stimmen sollte, dann geht es ihm jetzt so gut wie noch nie! Das erinnert an die sogenannte Pascalsche Wette. Blaise Pascal sagte einmal, in einem Argument über seinen Glauben, dass es immer eine bessere Wette ist auf Gott zu setzen:  

Wir wollen Gewinn und Verlust abwägen, wenn wir uns entscheiden, dass Gott ist. Wenn du gewinnst, gewinnst du alles, wenn du verlierst, verlierst du nichts … Es gibt ein ewiges glückliches Leben zu gewinnen.“

Ich weiß, für manche ist dieses Argument zu schlicht. Oder zu fatalistisch. Aber mir, als alte Zweiflerin, hat es schon oft geholfen. Wenn mich die Zweifel packen und mir den Glauben aus dem Herz schütteln wollen, dann japse ich trotzig: Wenn diese ganze Sache mit Jesus am Ende nicht wahr sein sollte, dann hatte  ich trotzdem das bestmögliche Leben! Wer mit so einer großen Hoffnung leben darf, mit einem Sinn der weit über das eigene Leben hinausgeht und dem Vertrauen unendlich geliebt  und niemals alleine zu sein - der hat viel gewonnen. Und wenn es alles wahr ist - wovon ich an den meisten Tagen ausgehe - dann habe ich sowieso gewonnen! Und wie!  Darauf will ich gerne mein Leben verwetten (und Gott ist in der Beziehung ein bisschen wie Samuel: Er möchte gerne, dass wir uns festlegen:-)).

Die Schrifstellerin Rachel Held Evans, die leider auch viel zu früh gestorben ist,  formulierte es einmal so - über diese Geschichte von Gott der in Jesus zu seinen Menschen kommt, um sich mit uns auf ewig zu versöhnen:  Es ist eine Erzählung für die ich es riskieren würde falsch zu liegen!  Ich finde sie hat recht. Es gibt keine bessere Geschichte! Es gibt keinen schöneren Grund, um an einem ganz normalen Tag wie heute, mit einem Lächeln aufzuwachen. 

"Er starb mit einem Lächeln" tituliert die Gala heute den Tod von Philipp. 

Mir scheint, er hat die Wette gewonnen.


Dienstag, 8. Juni 2021

Ich darf

So, jetzt liegen die Pfingsferien auch schon wieder hinter uns und die  letzte Schulzeit vor den Sommerferien hat begonnen. Wie gerne würde ich noch einmal voller Elan durchstarten, aber die Geduldsfäden, die ich aus dem derzeit so verhedderten Leben ziehe, sind kurz und angeknabbert. Die Müdigkeit liegt zäh über den Tagen und ich bin jeden Abend froh, wenn ich mich mit einem Buch im Bett verkriechen und nach ein paar Kapiteln die Decke über den Kopf ziehen kann. Oft genug wälze ich mich noch lange hin und her und die Gedanken, die tagsüber keine Beachtung finden, sitzen wie aufgedrehte Teenagermädels auf einer Pyjamaparty an meiner Bettkante und lassen mich nicht einschlafen:
Da ist der Verkauf meines Elternhauses, der sich schwierig gestaltet und das anstehende Abschiednehmen von meinem Heimatort - den letzten Zipfel Kindheit, an den ich mich noch klammere. 
Da ist der baldige Schulwechsel für Samuel - das Ende der entspannten Grundschulzeit, wie mir erfahrene Eltern berichten (oh weh, wenn DAS eine entspannte Zeit war - was kommt da bloß auf uns zu, frage ich mich!).  
Da ist ein Manuskript das dringend nach Zeit verlangt,  wie ein schreiendes Baby das zu wenig Beachtung bekommt. 
Da ist ein Leben das Zuende ging, ein Mensch - ein Vorbild - dem ich soo viel verdanke! (hier durfte ich einmal über ihn schreiben und seine Frau Sally interviewen - noch so ein Vorbild für mich!) Ich freue mich für ihn, dass er nun - nach fünf Jahren schwerem Leiden - Zuhause angekommen ist, in einer warmen Umarmung bei seinem himmlischen Papa! Und gleichzeitig rollen mir seit Tagen immer wieder die Tränen übers Gesicht, weil seine warmen und väterlichen Umarmungen auf dieser Welt so schmerzlich fehlen werden! 
Und da sind so viele wunderbare Menschen die ich in den letzten Monaten vermisst habe, die wir nun langsam endlich wieder treffen dürfen, aber ich fühle mich wie eine schmollende Ehefrau, die zu lange bei gedecktem Tisch und kalt werdendem Essen gewartet hat und sich sagt: "Danke. Jetzt will ich auch nicht mehr!",  bevor ich mich wieder müde ins Bett lege - zu meinen vielen Gedanken. 
 
Wenn ich alles hier so aufschreibe, dann denke ich kopfschüttelnd: Da muss sich doch etwas ändern! Das kann doch nicht so weitergehen! Aber das MÜSSEN ist doch irgendwie das Letzte was wir gerade brauchen, oder? Stattdessen: das DÜRFEN! 

Ich darf früh ins Bett gehen.
 
Ich darf Dinge liegen lassen.
 
Ich darf traurig sein. Und nachdenklich. Und vergesslich. 

Ich darf auch mal sagen: "Jetzt reicht´s, liebes Kind! Ich kann nicht mehr. Morgen wieder!"
 
Ich darf mich in Arme fallen lassen, die mich halten können wenn ich zu müde bin, um irgendetwas zu halten.

Ich darf. Und du darst das auch.

Und irgendwann, wenn wir lange genug durften, werden wir eines Morgens aufstehen und fröhlich  pfeiffend den Tag begrüßen und den Tisch decken für drei Haushalte und 10 Personen unter 14 Jahren und Urlaube planen und Gartenfeste und Lesungen, und unsere Arme wieder weit öffnen für das Leben und uns unglaublich über alles freuen, was wir nun wieder dürfen....