Samstag, 21. Dezember 2013

Ich habe Zeit.

Dieser tolle Zettel lag gestern nachmittag auf unserem Regal: "Lass es dir gutgehen", hat mein Lieblingsmann geschrieben und ist für einen langen Tag mit dem kleinen Sohn zur Schwiegermama verschwunden.

EINEN TAG (und eine Nacht!!!)  NUR FÜR MICH - WIE SCHÖN! 
Ich habe freie Zeit,  was für ein Luxus! 
Natürlich kamen mir auch gleich tausend Dinge die ich dringend erledigen sollte.
Aber ich habe gelernt: es gibt dringende Dinge in unserem Leben: die schreien und drängen sich nach vorne. Und dann gibt es wichtige Dinge im Leben: sie sind eher still und im Hintergrund da und ich will lernen sie nicht übersehen.
Also habe ich es versucht: ein bisschen was vom Dringenden erledigt ( z.B. Wohnung oberflächlich geputzt und eingekauft) und auch etwas vom Wichtigen: ausgeruht, geschlafen,spazieren gegangen, still gehalten und mit meinen privaten Jahresrückblick angefangen.
Ich lese am Ende des Jahres immer durch mein Tagebuch, über die Höhen und Tiefen, was ich in diesem Jahr erlebt habe,  was mir wichtig wurde, was ich lernen will...
"Erfahrung ist gedeutetes Erlebnis. Viele erleben viel, aber erfahren wenig weil sie sich nicht die Zeit nehmen zu deuten." Prof. Zimmer
Ich merke wie gut es mir tut die Zeit zu nehmen um über meine Erlebnisse nachzudenken (ob ich sie immer richtig deute  weiß ich nicht:-)).
Eines habe ich beim " Rückwärtslesen" jetzt schon bemerkt: 
Ich bin so unglaublich beschenkt!!! Und das schon vor Weihnachten!:-) 
Ich bin dankbar für so viele tolle Begegnungen - mit vertrauten Menschen und neu geschenkten Menschen.
Ich bin dankbar  für unsere kleine Familie (so viele müde und glückliche Momente!) und für meine große Familie (Jesusfreaks Stuttgart forever;-)). 
Ich bin dankbar, dass wir mit meiner Mutter Weihnachten feiern können und dass wir bewahrt wurden in so vielen Situationen (bemerkt und unbemerkt).
Ich bin so dankbar für Gottes unglaubliche Treue, jeden Tag in diesem Jahr.
Und ich bin von Herzen dankbar für diesen Blog, für das Schreiben und fotografieren das mir so viel Freude macht und für jeden einzelnen von euch, der sich die Zeit nimmt meine Gedanken zu lesen. DANKE. 

Wie reich ich bin! 
Lustigerweise kam gestern die Bonuskarte von Stuttgart - wir haben überhaupt nicht damit gerechnet - auch hier: DANKE Gott - featuring unsere Stadt Stuttgart.
Das heisst wohl auch: unser Gesamteinkommen ist immer noch etwas niedrig (wahrscheinlich an der oberen Untergrenze). Ich merke davon nicht viel - wirklich, ich finde wir sind so reich in so vieler Hinsicht (und auch finanziell geht es einigen unserer Freunde und sowieso den meisten Menschen auf der Welt viel, viel schlechter!).
 Wir haben vielleicht keine so große Wohnung und können uns nicht alles leisten (wer kann das schon!) - aber wir haben Zeit füreinander. Das ist ein großer Luxus.
Und ich hatte heute noch Zeit für einen kleinen Ausflug nach Ludwigsburg:




















Lieblingsbrezel
Lieblingsladen





















Ihr Lieben- ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest- mit euren Familien, Freunden, alleine- wo auch immer ihr seid. Auf jeden Fall könnt ihr mit dem Geburtstagskind zusammen sein und das ist doch das Beste:-)




Freitag, 13. Dezember 2013

oh du fröhliche....


Ich konnte es nicht lassen: ich wollte mit meinem Sohn einen Kurzbesuch auf dem Weihnachtsmarkt machen. Er soll ja merken, dass es eine besondere Zeit ist - und das nicht weil Mama und Papa den ganzen Tag hustend auf dem Sofa rumhängen.
Also, Antibiotika eingeworfen und ab zur U-Bahn.
Am Hauptbahnhof strömen uns schon die Massen entgegen:
Hektische Menschen mit Einkaufstüten an beiden Händen, glühweinselige Kollegengruppen, erschöpfte Mamas die ihre weinenden oder schlafenden Kinder im Wagen vor sich herschieben.
Wir stürzen uns in`s Getümmel, ganz klar mit dem Ziel: Dampfeisenbahn und die kleine Merklinwelt mit den vielen Zügen zum Beobachten.
Samu drängelt sich durch, findet einen Platz, ganz nah dran und steht und schaut und staunt. Das kann jetzt dauern.

Ich fange an die Leute zu beobachten.
Vor der Kindereisenbahn steht eine längere Schlange. Die Kinder warten begierig auf den Beginn  der Fahrt.
Eine Mutter drückt ihr Kind dem wartenden Opa im letzten Abteil auf den Schoß. Das Kind brüllt wie am Spieß. "Will nicht!!!!"  Der Opa schaut hilflos die Mutter winkt ab. "Doch, fahren! Das ist toll!" Das Kind hat keine Chance. Es schreit die ganze Fahrt, bis es endlich wieder in den Armen der Mutter landet. 
Am Karusell hinter uns höre ich ein Kinderschluchzen und die verzweifelte Stimme eines Vater: "Ich habe 5 Fahrten für dich gekauft, jetzt fährst du auch!!!"
Im Getümmel ging die Diskussion wieder unter. Ich fürchte das Kind musste fahren oder der Vater hat sich draufgesetzt - als Schwabe verschenkt man ja nichts! :-)   

Es gab natürlich auch leuchtende Kinderaugen und Begeisterung. 
Und ich will nicht ungerecht sein: die erwähnten Eltern haben es sicher gut gemeint und wollten ihren Kindern ein besonderes Erlebnis bieten.
Totzdem hat es mich nachdenklich gemacht. 
Gerade die Weihnachtszeit ist so voll von Vorstellungen (von uns selbst und von den "tollen" Werbebildern)  wie es sein sollte:
schön, fröhlich, harmonisch, Kinderlachen auf dem Karusell, warmer Kerzenschein, Schneeflocken, Schlitten und Kirchengeläut, Liebe, trautes Heim und Freude über Freude.
Aber für viele von uns ist es überhaupt nicht so. 
Manche fürchten den jährlichen Familienkrach, die teuren Geschenke die ein Loch in die Kasse reißen,den Stress ein tolles Essen zaubern zu müssen und andere fürchten die Einsamkeit und hoffen, dass diese Tage schnell vorbei gehen.

An Weihnachten fühle ich mich immer hin- und hergerissen: 
In mir ist der Wunsch ausreichend schöne Zeit mit unseren Familien zu haben, aber auch der Wunsch bei meinen Freunden zu sitzen die ich lieb habe und für die diese Tage einsam und schwer sind. Und dann würde ich an Weihnachten gerne etwas kleines, gutes für einen Menschen tun der nichts erwartet, weil das Leben ihn auf auf die Straße gestellt hat.
Und ich würde gerne bei all dem noch eine ganze Menge stiller, besinnlicher Momente haben.
Ein bisschen viele Wünsche für die paar Tage, ich weiß. Kein Wunder bin ich nach den Feiertagen oft fertig und depremiert.

Aber wenn ich mal alle meine Vorstellungen loslasse (kann ich natürlich nicht, aber nur theoretisch) und dann einmal ganz frei nachdenken könnte: was macht Weihnachten für mich wirklich aus?
Da tauchen vor mir die staunenden Augen meines Sohnes auf, der ganz still steht, inmitten des Trubels und sich von dem wunderbaren Anblick seiner geliebten Züge nicht losreissen kann.
 Ich glaube mit all dem Zauber und Glitzern was wir an Weihnachten veranstalten  haben wir eines verstanden:  an Weihnachten sollte man staunen!

(lebensnah-fotografie.de)
Aber staunen kommt meist auf leisen Sohlen. 
Es breitet sich aus, wenn man ihm genügend Raum gibt.
Wenn man stehenbleibt. Und noch ein wenig bleibt.
Und das Kind in der Krippe anschaut.
Vielleicht merkt, dass man sich dazu hinknien muss.
Einen Moment den Atem anhalten.
Im Weihnachtstrubel plötzlich gefunden werden.
Von einem Gott der Himmel und Hölle in Bewegung setzte
um bei mir zu sein.

Das, so glaube ich, ist das Herz von Weihnachten.
Und das ist für uns alle: für die gestressten Familien und für die, die entspannt zusammensitzen können. Für die Umschwärmten und für die Einsamen. Für die vom Leben Verwöhnten und die Gebeutelten. Für die Glaubenden und die Zweifelnden.
Für jeden von uns ist hier ein Platz.

Ich will jedenfalls versuchen mich durchzudrängeln, durch den ganzen Weihnachtstrubel meiner tollen Vorstellungen und Wünsche und meinen kleinen freien Platz suchen. Ich will an einem der kommenden Tage einen Moment still halten und warten, dass das Staunen mich ergreift. 
Dann hänge ich wenigstens nicht umsonst hustend auf dem Sofa rum:-).


              Euch allen wünsche ich ein wunderbares Adentswochenende !
                                                      Ihr seid ja so geliebt!!!



Montag, 9. Dezember 2013

Sister of mercy

Wir sind krank.

Samu hustet schon seit Wochen. 
Zusätzlich kam er am Freitag völlig durchnässt von der KiTa, dass ich mich frage, ob sie jetzt  "waterboarding" bei ihm durchführen um das Händeschütteln zu erzwingen (Spaß!!! es ist eine tolle KiTa!). 
Am Wochenende wurde ich dann richtig krank mit Verdacht auf Keuchhusten (ich dachte sowas bekommt man nur im Kleinkindalter!). 
Heio ist es auch seit ein paar Tagen schwindelig (!). "Trittbrettfahrer", war mein "barmherziger" Kommentar. 
Aber er sah doch etwas bleich aus und so gingen wir heute - zeitlich versetzt - zum Arzt.

Wir gehen in eine Praxis die von Vater und Tochter geführt wird, allerdings ist der Vater nur noch selten da.
Er ist (nach Heios Erzählungen) liebevoll, nimmt sich Zeit, nimmt einen Ernst und man geht mit dem Gefühl nach Hause verstanden worden zu sein. Und wirklich krank zu sein.
Ganz anders die Tochter. Sie ist von der robusten Sorte. 
Man kann sie mit ein bisschen Fieber und Husten nicht sehr beeindrucken. 
Wie ich gehört habe ist sie ab und zu mit "Ärzten ohne Grenzen" unterwegs. Da wundert es mich nicht wenn sie einen wehleidigen Mitteleuropäer nicht so ernst nimmt, nachdem sie vielleicht gerade aus einem Krisengebiet dieser Welt kommt.
Also, um es kurz zu machen: Ich war bei der Tochter (wie immer),  Heio bekam den Vater.
 Die Tochter schaute sich kurz meinen Zustand an, völlig unbeeindruckt, und verschrieb mir dann missmutig das Antibiotika.
"Und wenn es wirklich Keuchhusten ist?", frage ich. "Das werden sie dann schon merken", war ihre kurze Antwort bevor sie mich zur Tür führte. 
Alles klar. Ich brauch kein Mitleid. Wenn ich zum Arzt gehe freue ich mich über das Rezept wie ein Junkie. Die Tabletten sind stark und wirken. Gott sei Dank für Antibiotika!
 Mein Mann verabschiedete sich zum Arztbesuch: "Egal was passiert, ich habe Euch lieb!". Also wirklich. Kurze Zeit später kam er gebeugt und bleich zurück. 
"Eine Viruserkrankung", flüstert er. "Ich soll mich schonen und hinlegen". Mit diesen Worten verschwindet er im Schlafzimmer. Na toll. Der wer- ist- kränker- Battle ist eröffnet. 
Ein Huster aus dem Schlafzimmer wird mit einem Hustenanfall meinerseits aus dem Wohnzimmer quittiert. Heio gibt irgendwann auf und hilft das Abendessen vorzubereiten. Guter Mann!

Es ist schon krass wie mitleidend ich mit anderen Menschen sein kann und wie wenig Barmherzigkeit ich oft für die Menschen habe die mir am allernächsten sind (und oft bin ich am unbarmherzigsten mit mir selbst).
Ich weiß es ja: Schmerz ist nicht vergleichbar: was einer gut tragen kann, schmeisst einen anderen völlig um.

Wie froh bin ich, dass ich einen Gott habe, der ein guter Vater ist (und in dieser Hinsicht kein bisschen wie die Ärztetochter)!
Er kennt die Krisengebiete der Welt und sieht soviel Not. Und trotzdem - er nimmt mich ernst, egal wie klein oder groß mein Schmerz im Moment ist. Weil ich sein Kind bin und er mich liebt!
Wenn ich Samu anschaue dann weiß ich: egal wie klein sein Schmerz sein mag, wenn er leidet, berührt es mein Herz.
Unser Gott ist ein barmherziger Vater, dem ich jederzeit mein Herz ausschütten kann, der mich versteht und lieb hat. Das tröstet mich. 
Und ich hoffe ich kann ihm da ein bisschen ähnlicher werden.
In diesem Sinne: hoffentlich seid ihr gesund, falls nicht: seid umarmt! Ich leide mit Euch.




Samu beschäftigt sich sogar ein bisschen alleine. Ansonsten hat er einen tollen Babysitter:-)