Mittwoch, 17. Dezember 2014

schenk dir Gnade.

Letzten Sonntag habe ich eine ganze Gruppe Kinder enttäuscht.
Ich wollte den Kleinen im Kinderdienst das Geschenk von Weihnachten zeigen. Dazu hab ich ein großes, schön verpacktes Paket genommen und in die Mitte gelegt.  Alle waren neugierig und voller Vorfreude. Ein Geschenk, wie toll!
Erwartungsvoll wurde ausgepackt. Jeder durfte eine Lage Geschenkpapier abreißen. Das Geschenk wurde immer kleiner und kleiner. Ich sah die strahlenden Augen der Kinder und dachte plötzlich: "Mist, gleich werden sie total enttäuscht sein." Am liebsten hätte ich die Aktion abgebrochen oder schnell noch Schokolade reingeschmuggelt. Aber es war zu spät. Die letzte Packung wurde aufgerissen und heraus kam: eine ganz kleine Krippe mit dem Jesuskind. 



Ich  habe schnell versucht begeistert zu erklären, dass genau das, das größte Geschenk an Weihnachten ist und Grund zur Freude. Aber die enttäuschten Blicke der Kinder sagten mir, dass die Schokolade  ein viel größerer Grund zur Freude gewesen wäre.

Heute morgen sitze ich in meinem Lieblingssessel im Wohnzimmer, den Blick auf die schöne Uhr, die ich mir dieses Jahr schon selbst zu Weihnachten geschenkt hab.
 
auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt gefunden!
Ich öffne mein Tagebuch  und blättere ein wenig durch meine Aufschriebe vom vergangenen Jahr. Wie schnell die Zeit vergeht!
Ich lese viel über meine Schwachheit, müde Tage, inneren Kämpfe und über den Versuch Dinge loszulassen die ich mir an der nächsten Ecke wieder auflade.
Doch- es war auch SO VIEL Gutes dabei (und ich werde auch noch einen Blogeintrag darüber schreiben, versprochen!). Aber irgendwie geht es mir beim Durchblättern der Seiten ähnlich wie den Kindern am Sonntag. Wenn ich die Tage anschaue, die Schicht für Schicht ausgepackt und gelebt wurden, dann bleibt am Ende enttäuschend wenig. Ich bin enttäuscht über mich. Ich wäre schon so gerne weiter und kämpfe doch IMMER NOCH mit denselben Dingen wie im Januar.

Aber über ein paar Sätze von Martin Schleske stolpere ich, wie über eine versteckte Schatzkiste.  
Er schreibt über die Gnade und darüber, dass sie ein Geschenk ist, was nur der Glaube öffnen und unserem Herz schenken kann. Ein vertrauender Mensch, so Schleske, hört auf sich ständig den eigenen Puls zu fühlen nach seiner Stärke oder Schwäche.
"Er ist nicht länger bereit sich ohne Gott zu denken. Er vertraut, dass Gottes Gnade mit ihm ist."

Vielleicht geht es am Ende gar nicht so sehr darum, dass ich alles besser hinbekomme und alles größer und kraftvoller wird.  Vielleicht widersteht Gott deshalb der Versuchung  im entscheidenden Moment "Schokolade" in mein Leben einzubauen weil ich dann das besondere Geschenk übersehen würde, das so klein und unscheinbar aussieht. 
Es kommt eingewickelt in meine Schwachheit und ich finde es unter dem Staub der Alltäglichkeit und dem Schmutz meines Versagens. Es ist kostbar und unbezahlbar für uns Menschen. Es steht für uns bereit, dank Jesus. Und es ist das größte Geschenk, das ich mir selbst machen kann: ich kann  meinem Herzen Gnade schenken.

Vielleicht kann mich die neue Uhr daran erinnern: seit Weihnachten leben wir unter einer neuen Zeitrechnung: Zeit der Gnade. Ein kleines, fast unscheinbares Vorzeichen, das für unsere Tage aber den ganzen Unterschied macht. Ich muß mich nicht länger ohne Gott denken.

Eine gesegnte Vor-Weihnachtszeit euch allen!!!  
Und wenn die Plätzchen anbrennen, wenn es Streit gibt statt trauter Familienharmonie, wenn euch die Enttäuschung packt über das Leben, wie es gerade ist, oder ihr entmutigt seid über euch selbst -  dann macht euch selbst das größte Geschenk: 
schenkt eurem Herzen Gnade.

Bild gestaltet von Melanie Klein

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Mutig Schwanken

"Wem musst du denn etwas beweisen?", diese Frage stellt mir die leise, sanfte Stimme, von der ich hoffe, dass es Jesus ist.  

Es ist Sonntagabend. Ich sitze auf dem Sofa im Wohnzimmer, total geschafft, nach einem vollen Wochenende. Der Sohn ist früh eingeschlafen, also kann ich den Tatort mal wieder in voller Länge genießen (meistens verpasse ich den Mord, was ziemlich blöd ist). 
Zwei Fragen beschäftigen mich am Ende des Films: Frage eins: Wie kann man nur so lange, dünne, wunderbare Beine haben wie Komissarin Lindholm? Und Frage zwei:  Muss ich meine, gerade begonnene, Nachhilfebetreuung im Asylantenheim wieder absagen?

Wir hatten ein Treffen der Flüchtlingsfreunde. Hauptgrund: wir brauchen noch Unterstützung. Letztes Mal war ich die einzige Mitarbeiterin und alle Kinder dieser Erde sind plötzlich aufgetaucht. Es gab leider keine feste Zusagen zur Mithilfe. Stattdessen wurde voller Elan besprochen was man alles mit den Kindern unternehmen könnte, wie oft man sich mit den Lehrern treffen sollte, wer gute Ideen zur Sprachförderung und Material hat...
Ich saß total fertig da und dachte: Das pack ich nicht. Alles was ich anbieten kann ist einmal die Woche (wenn wir nicht krank sind!) müde aufzutauchen, einen Mitstreiter haben, ein paar Kinder anlächeln, ihnen ein wenig beim Ausmalen und Schreiben helfen. Das war`s. Mehr geht nicht.
Deshalb sitze ich auf dem Sofa und frage Gott, ob ich aussteigen soll. Wie so oft, antwortet er mir mit einer Frage: "Christina, wem musst du eigentlich etwas beweisen?"

Das kann ich blöderweise gar nicht richtig beantworten. Vielleicht will ich den Leuten im Flüchtlingsverein beweisen, dass mir die Kinder wichtig sind (und deshalb muss ich genauso engagiert dabei sein wie sie)?  Oder ich schäme mich vor meinen geschätzten Bloglesern, dass ich hier erst total davon schwärme, wie toll das alles ist und wie Gott das für uns eingefädelt hat und dann schmeisse ich vielleicht alles wieder hin. 
"Du bist manchmal so wankelmütig", sagte ein Freund zu mir. Wankelmütig - was für eine doofe Eigenschaft, die ich da habe. Ich will so gerne geradlinig leben. Mein JA soll ein JA sein und mein NEIN ein NEIN und so weiter. Ich will treu sein und das was ich anfange auch durchziehen. Ist es vielleicht das, was ich beweisen will?

Gestern Abend telefoniere ich mit einer Freundin. Sie ist mitfühlend, klug und weise. Es ist ein bisschen so, als wäre C.S. Lewis am anderen Ende der Leitung. Ich jammere ausgiebig, erzähle dass eine der wichtigsten Asylbeauftragte der Stadt Stuttgart (ICH!) ihren Job vielleicht nach 3 Wochen hinschmeissen muss und ich will wissen was sie denkt. 
Schweigen (C.S. Lewis kramt in seinen Schätzen der Weisheit). Dann sagt sie mir, dass vieles im Leben eben keine klare Sache ist. Es braucht oft ein Suchen, ein Tasten in verschiedene Richtungen, was uns dann auf den richtigen Weg bringen kann. Danke Clive. Diese Worte helfen mir.
Bei all den angefangenen Projekten in meinem Leben: bei manchem wäre Durchhalten gut gewesen, keine Frage! Aber vielleicht brauche ich oft auch das Suchen, die Schritte vor und zurück, um am Ende die richtige Richtung zu finden.


In Wankelmut steckt das alte Wort WANKEN. Es bedeutet schwankend, unbeständig, schwach, zweifelnd. Und da ist, erstaunlicherweisen, noch das Wort MUT.
Ich wünsche mir so sehr mehr Klarheit zu haben, bevor ich losgehe. Aber manchmal kommt die Klarheit erst auf dem Weg. Und es braucht Mut, sich zweifelnd, schwach und suchend auf den Weg zu machen. Mit einem offenen und fragenden Herzen und dem vertrauen, dass jemand meine Schritte lenken kann.

Ein junger Mann bat einmal Mutter Theresa: "Bitte, beten sie, dass ich Klarheit für mein Leben bekomme". 
Sie antwortete: "Das werde ich nicht tun, Klarheit ist das, was sie loslassen müssen." 
"Aber sie scheinen immer Klarheit zu besitzen!", sagte der Mann. 
Lächelnd erwiderte sie: "Ich hatte nie Klarheit, aber ich hatte immer Vertrauen. Also werde ich beten, dass sie lernen, Gott zu vertrauen."

Mutter Theresa fällt mir nun wirklich nicht ein wenn ich an einen wankelmütigen Menschen denke. Aber ich habe ihr Buch gelesen: Komm, sei mein Licht. Es ist beeindruckend und auch irgendwie erschütternd. Wie viele Zweifel, wie viel Suchen und Dunkel war in ihr. Und was für ein Segen war ihr Leben!!!
Das macht mir Mut. Meine Zweifel, meine Schwäche, mein Schwanken wird am Ende Gott nicht daran hindern, dass er meine Schritte lenkt und mich zum Segen machen kann.

Ein Studium abbrechen, weil ich merke, dass es meinem Innersten nicht entspricht? Eine ungesunde Beziehung beenden? Ein Projekt liegen lassen, weil es vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt ist? Den Arbeitsplatz wechseln? Etwas Kostbares loslassen und vertrauen, dass es ohne mich weiter wächst?   Zweifelnd und mit zitternden Knien eine neue Richtung einschlagen und merken: da ist jemand der unser Suchen wertschätzt und uns, auch im hin und her, unseren Weg zeigt.

Also gehe ich heute mittag zu den Kindern, mit Samu an der Hand.
Ich will versuchen, nichts zu beweisen. Ich suche. Ich schwanke. Und ich will vertrauen, dass Jesus meine Schritte lenkt.

Und hier noch ein paar Bilder aus meinem schwankend, gesegneten Leben:

die Zuglandschaft am Schloßplatz. Weitergehen? Nur unter Protest und Wutgeschrei!
noch mehr zum Staunen
Zeit anhalten...
...und zuschauen wie andere rennen.
der Nikolaus hat was gebracht- er ist wohl altersmilde:-)
treue Mitarbeiter. Danke-Essen und alles stinkt nach Käse.
Weihnachtsbasar für`s Kinderheim in Burma
selbstgemachte Musik- herrlich!
und meine Kalender wurden auch noch fertig.
es gab lecker Bayern- Waffeln...
und tolle Karten.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

über Maß halten und Bierkrüge stemmen

Ein neuer Rekord: habe es schon am 1. Advent geschafft so fertig und kaputt zu sein, wie ich es sonst erst nach den Weihnachtstagen bin. Das "Weihnachtsplätzchen-Frust-Essen" ist auch schon erledigt (das unverschämte Grinsen meiner Waage ignoriere ich) , dafür ist vieles ander noch unerledigt, was GANZ DRINGEND gemacht werden muss.

Mein Computer ist abgestürzt, der Körper streikt, ich bin zum Umfallen müde, habe Kopf- Hals und Rückenschmerzen. Aber ICH DARF JETZT NICHT KRANK WERDEN!!! 
In meiner Verzweiflung habe ich gestern eine Knoblauchzehe gekaut, weil der Mann meinte es hilft. Bin trotzdem wieder mit Halsweh aufgewacht und Samu begrüßte mich mit: "Mama, ich hab dich nicht mehr lieb, du stinkst!" Na toll.

Heute sage ich die Kinderbetreuung im Asylantenheim ab und versuche die Zeit zu  nutzen um meine Kalender für den Bazar am Sonntag fertig zu basteln. Ich komme nicht wirklich weiter, weil ich ständig unterbrochen werde und Samu beim Kleben mithelfen will (NEIN!!!!)- alles in allem also eine fröhlich, besinnliche Vorweihnachtszeit.

Nach meiner letzten Post hat mir meine Freundin Jutta eine wunderbare mail geschrieben.
Sie hat mir ein paar Gedanken aus einem Buch von Anselm Grün über das "Maß halten" geschickt. Damit ist nicht das Bierkrug stemmen auf dem Oktoberfest gemeint, sondern die Fähigkeit, der eigenen Person mit Würde gerecht zu werden und sie nicht zu überfordern.
Anselm Grün spricht davon, dass man tief innen eine Begegnung mit Gott finden kann, wo er uns mit Liebe und einem großen JA empfängt. Und daraus kann man auch die Würde an sich selbst wahrnehmen und leben-  innerhalb der eigenen Begrenztheit - meine von Gott gewollte und gemachte Persönlichkeit. 

Ach, genau das will ich lernen....und ich fühle mich meistens so weit weg davon.
Ich bin viel besser im "Bierkrug stemmen". Wir haben so einen Wettbewerb auf einer Gemeindefreizeit in Bayern mal gemacht und ich war gar nicht so schlecht. Man streckt das Maß von sich und es kommt einem ganz leicht vor. Nach ein paar Minuten fängt dann das Zittern an und mit letzter Kraft versucht man noch ein paar Sekunden zu überstehen bevor das Maß auf den Tisch kracht. Genau so sieht es bei mir oft im Alltag aus.

Ich brauche es so sehr, dass mir Jesus die Dinge aus der Hand nimmt, mich mit seinem "JA" empfängt und mir hilft, freundlich mit mir zu sein. Mich mit Würde behandeln. Meine Grenzen nicht immer als ungeliebte Bremsklötze und Spaßverderber zu sehen, sondern als Umriß meiner von Gott gewollten und gemachten Persönlichkeit. Mein Maß. 

Ich glaube ich lebe innerhalb von diesem Maß, wenn ich die Dinge, die ich heute tue, auf lange Sicht gut tun kann. Keine "Hau-Ruck-Aktionen", kein "das muss ich noch schnell erledigen bevor ich zusammenbreche". Freundlich mit mir umgehen.

 Aber wie schaffe ich das????

Am liebsten würde ich alles wieder wie ein Bierkrug in die Höhe reissen und mir zurufen: 
"Das musst du doch jetzt endlich mal hinbekommen! SEI ENDLICH FREUNDLICHER ZU DIR, DU LOOSER!!!"

Keine gut Idee, ich weiß. Ich glaube, das Einzige wozu ich in der Lage bin ist einen kleinen Schritt in die richtige Richtung machen. Zu Jesus.
Und dann sagt er so wunderbare Dinge: 

"Bist du müde, ausgelaugt und religiös ausgebrannt? Dann komm zu mir. Lass uns zusammen sein und du wirst wieder zu Kräften kommen und dein Leben wiederfinden. Ich zeige dir, wie du wirklich zur Ruhe kommen kannst. Gehen wir zusammen, beobachte wie ich die DInge tue, lerne den ungezwungenen Rhythmus der Gnade. Ich werde dir nichts schweres oder krankmachendes auflegen. Bleib mit mir in Kontakt und du wirst lernen frei und leicht zu leben."
(Matt.11,26- frei übersetzt aus "the message") 

Das klingt als kennt Jesus ganz genau mein Maß. Und er meint es so gut mit mir. 
Ich will von ihm den Rhythmus der Gnade lernen. Keine Ahnung wie er mir das beibringen will. Aber es ist vielleicht wie tanzen mit Patrick Swayze: wenn der Partner gut ist, stolpert man zwar anfangs ständig über seine Füße, aber irgendwann spürt man den Rhythmus und lernt zu tanzen. Ich vertraue einfach, dass Jesus das schafft mit mir...sogar mit mir.

Ein schöne Adventswoche Euch allen! 
Seid freundlich zu euch...und wenn es schwerfällt: einfach einen kleinen Schritt in die richtige Richtung. Wir werden mir einem großen "JA" empfangen.



Dienstag, 25. November 2014

in Mangel und Überfluß

Samu zum 1.Mal am Meer!
Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen unseren Sommerurlaub schon früher zu planen. Ich dachte dann ist es nicht so stressig wie sonst. Aber irgendwie sind es die gleichen Probleme, nur ein paar Monate früher:
Meer wäre toll, aber warum ist das Meer - auch in diesem Jahr - so weit weg? :-) Kommen Freunde mit und vielleicht ein Spielkamerad für Samu? Und wenn nicht- was tun wir, wenn es die ganze Zeit regnet und wir in einem kalten Ferienhaus feststecken (24-h Auto und Zug spielen- aaahhh!)?
Eine Freizeit? Haus mit Kinderbetreuung? Aber eigentlich mag ich sowas nicht und will lieber meine Ruhe im Urlaub...

Ich klicke mich also seit einigen Abenden durch sämtliche Angebote und komme zu dem deprimierten Entschluß, dass nichts wirklich passt und wir am besten Zuhause bleiben sollten (armer Mann, der das immer mitmachen muss!).

Ganz nüchtern betrachtet sind das natürlich einfach nur Luxusprobleme. Es gibt genügend Leute in meinem Umfeld die sich keinen Urlaub leisten können.  
Aber ich merke auch, dass sich hinter dem  Frust der Sommerplanung noch etwas anderes verbirgt. Es ist ein Gefühl, dass ich manchmal denke, wir sind als Familie - zu dritt - nicht genug. Letzten Urlaub, wir kamen gerade in unserer Ferienwohnung an, Samu sagte erwartungsvoll:  "Und? Wann kommen die anderen alle?". Erst musste ich lachen, aber dann habe ich ihm gesagt, dass es "nur wir" sind und es hat sich ganz mangelhaft angefühlt.
 
Wie blöd, ich weiß.  Wie viele sehnen sich nach einem guten Partner und planen den Urlaub alleine, oder müssen mit einem unerfüllten Kinderwunsch leben! Wirklich, ich weiß wie gut es mir geht. Die meiste Zeit bin ich auch sehr, sehr dankbar dafür. Aber in manchen Situationen (wie z.B. bei der Urlaubsplanung) spüre ich, dass ich Samuel gerne mehr geben würde und es tut mir dann einfach leid, dass es "nur wir" sind .


Manchmal kommt das Gefühl auch, wenn ich mit Samu auf den Spielplatz gehe und die anderen vor allem mit ihren Geschwistern spielen (so sehr Geschwister auch streiten können- nach außen hält man zusammen!). Dann wird es mir ein wenig schwer um`s Herz, wenn der kleine Sohn so alleine seine Sandburg baut. Geschwister sind was tolles und es tut mir leid, dass er das nicht erleben kann.


ich fand es so toll, mit meiner Schwester zusammen aufzuwachsen...

wie gerne würde ich ihm dieses Geschenk machen.

Wenn mein Herz so schwer wird, dann brauche ich Zeit mit meinem besten Freund. Also sitze ich heute ein wenig länger schweigend mit ihm in unserem Wohnzimmer und halte die Bibel fest (das hilft mir in manchen Situationen mehr, als darin zu lesen:-)). 

Und plötzlich ahne ich, dass es nicht darum geht einen Mangel auszugleichen, der nicht auszugleichen ist. Es geht vielmehr darum, meine Armut und den Mangel immer wieder anzunehmen (und ihn auch nicht runterzuspielen - nach dem Motto: du solltest doch einfach dankbar sein!). Ich kann immer mal wieder den Schmerz zulassen und mir dann die Tränen trocknen lassen. Dann kann ich wieder mein Leben wie ein Glas anheben und das schmecken und trinken, was mir gegeben ist. So übervoll mit Gutem und manchmal ein wenig bitter im Geschmack. Beides ist mein Leben. 

Paul Tornier schreibt in seinem Buch  "Leben, das große Abenteuer", dass seiner Ansicht nach, der Hauptunterschied zwischen Menschen nicht darin liegt ob wir verheiratet sind oder nicht (und auch nicht ob und wie viele Kinder wir haben). Der Hauptunterschied zwischen Menschen besteht darin, ob sie ihr Leben, so wie es ist, annehmen oder ob sie es nur widerwillig ertragen. Tornier warnt auch davor, dass das größte Hindernis für die Annahme eine scheinbare Annahme ist. So schreibt er:

"Es hilft nicht zum anderen zu sagen: Du musst dein Leben so annehmen, weil Gott das so für dich gewollt hat. Es wäre anmaßend, das zu behaupten. Was wissen wir über den Willen Gottes für andere? Was hingegen hilft, ist die Gewissheit,dass Gott uns liebt...was immer auch unsere Entbehrungen sein mögen: Wenn wir lernen unser Leben, wie es ist, anzunehmen und nicht von einem anderen träumen, wenn wir es unter göttlicher Inspiration leben, dann verwirklichen wir unser menschliches Schicksal, das heisst, ein von Gott gelenktes Abenteuer."

Paulus schreibt, dass er gelernt hat im Mangel und Überfluß genug zu haben (Phil.4,12ff.). Was für eine Aussage!!! 
Und er fügt hinzu: "Das alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt". 
 Es gibt Dinge, die bekomme ich nur hin, weil mir Jesus dabei hilft (eigentlich sehr viele Dinge!!!)...und mein Mangel ist ganz oft ein Landeplatz für seine Gegenwart in mir. Und plötzlich spüre ich: Ja, es fehlt etwas und trotzdem - es ist genug. Das kann ich nicht für irgendein anderes Leben glauben. Das kann ich nur für mein eigenes Leben annehmen (und auch für Samu hoffen).

Also,wenn ich heute abend wieder durch die Tui - FeWo-Direkt und sonstige Seiten klicke, will ich daran denken: Ich muss den Mangel nicht durch eine tolle Ferienplanung ausgleichen. Und unsere Freunde und andere Kinder sind ein Geschenk, aber sie müssen und können keinen Lücke stopfen, das wäre ihnen gegenüber auch nicht fair. 

Ich wil lernen zu glauben:  Im Überfluß und Mangel  - es ist genug.
Es ist unser Leben. 
Ein von Gott gelenktes Abenteuer.  


Freitag, 7. November 2014

meine Top 10 Bücher!


Vor einiger Zeit habe ich angefangen eine Liste  meiner persönlichen Lieblingsbücher zusammenzustellen. Jetzt ist sie endlich fertig. Die länger werdenden Abende laden ja dazu ein, es sich mal wieder mit einem Buch gemütlich zu machen und vielleicht ist etwas interessantes für euch dabei (oder ihr habt einen guten Tipp für mich!).

Vorweg muss ich sagen: ich lese zum Entspannen oft Krimis (zu empfehlen: die Schorlau Krimis aus Stuttgart!) und ab und zu Romane (z.B. von Marian Keyes).
Allerdings sind diese Bücher nicht in meiner Liste, sondern es sind die Bücher, die ich immer wiede hervorhole und darin lese, weil sie mich berühren, weil einzelne Sätze so trostreich und gut sind oder weil die Figuren in den Büchern fast schon wie alte Freunde sind (die Bücherfreaks unter euch wissen was ich meine).

Also, hier sind  sind sie: meine 

Top 10 "all time favorite" wunderbare Bücher 
(in beliebiger Reihenfolge):

wollte mich schon immer mal vor meinem Bücherregal ablichten lassen:-)

Philipp Yancey: Warum ich heute noch glaube (Soulsurvivor)
Unter meinen Top 10 muss einfach ein Buch von P.Yancey sein. 
Ich mag seine Art zu schreiben, ehrlich, klug und ohne fromme Phrasen. In diesem Buch schreibt er über seine, oft enttäuschenden Erfahrungen mit der Gemeinde (besonders in seiner Jugend)  und was seinem Glaube geholfen hat zu überleben. Er erzählt von 13 Menschen, die ihm Mut gemacht haben. Es sind so unterschiedliche Menschen wie Martin Luther King, Ghandi, G.K. Chesterton, Dr. Paul Brand, Tolstoj und Dostojevsky. Durch dieses Buch habe ich ein paar andere, wunderbare Bücher entdeckt, auch von Autoren die mir bisher unbekannt waren (wie z.B. Frederick Buechner oder Annie Dillard). Ein wunderbares Buch, voller Schätze, die meinen Glauben bereichern.

C.S. Lewis: über die menschliche Trauer

Ein Intellektueller schreibt über das Leid, in diesem kleinen Buch aber nicht durchdacht und distanziert (wie in seinem zuvor geschriebenes Buch "über den Schmerz"), sondern jetzt mitten aus seinem eigenen Erleben heraus. Es sind wütende, zweifelnde, tiefgreifende Aufschriebe, direkt nach dem Tod seiner krebskranken Frau. Ich habe das Buch nach dem Tod eines Freundes gelesen. C.S. Lewis hat für meinen Schmerz die Worte gefunden, ich habe weinend die Sätze unterstrichen und in meine verzweifelten Gebete gelegt. Ein ehrliches, durchkämpftes und deshalb so trostreiches Buch für mich.

Tucholsky: Schloss Gripsholm
Bücher sind auch Erinnerungen, an die Tage in denen sie uns begegnet sind. Diese wunderbare Geschichte, werde ich immer mit dem ersten Schwedenurlaub mit Heio in Verbindung bringen. WIr haben das Hörbuch auf der langen Reise im Auto gehört- es ist herrlich!
Tucholsky schreibt humorvoll und so, dass man Wörter und Sätze anschaut und sie lieb gewinnt (das Buch habe ich mir dann danach gekauft). Also, falls ihr für die nächste längere Autofahrt eine schöne Geschichte hören wollt: hier ist sie!


A. Plass: das Wiedersehen
Auch von Adrian Plass muß ein Buch dabei sein. Er hat viele wunderbare Bücher geschrieben, die mich zum Lachen und zum Weinen brachten (meist kurz hintereinander). 
Seine nicht so sehr bekannten Bücher gefallen mir am besten, wie zum Bsp.: "Mr. Harpers Traum vom Leben" oder "Das Lächeln auf dem Gesicht Gottes" und unbedingt: die Bücher über Familie Robinson (wie kann ein Engländer mittleren Alters so genau die Gefühle einer Mutter oder alleinstehenden Frau beschreiben? Ich LIEBE die Figuren dieser Bücher!!!
Das Wiedersehen ist eins meiner liebsten Bücher von ihm. Ich mag Geschichten und Filme von Wiedersehensfeiern, Klassentreffen oder Treffen mit alten Freunden über`s Wochenende. Es steckt oft soviel wahres, ernüchterndes und existenzielles in den Begegnungen, so wie in diesem Buch:
Ein Pastor wird eingeladen, nachdem seine junge Frau verstorben ist, sich mit seinem alten Jugendkreis über`s Wochenende zu treffen. Seit über 20 Jahren haben sie sich nicht gesehen. Ohne große Lust fährt er hin. Er begegnet seinen alten Freunden, sie reden darüber, wie sich ihr Leben entwickelt hat, über ihre Verletzungen und über ihre tiefsten Ängste. Ich habe bei den Figuren von Adrian Plass immer den Eindruck: die sind echt! Das sind echte Leiden, das sind Wege die ich auch gegangen bin und Gefühle und Fragen die mich auch bewegen. Ich finde Trost in ihren Kämpfen und manchmal Hoffnung in den Antworten - oder "Nicht -Antworten"- mit denen sie weiterleben.

Shane Claiborne: man muss verrückt sein so zu leben
(an irresistible revolution...manche deutsche Titel sind so schlecht!) 
Dieses Buch ist gefährlich. Es kann ein gemütliches Leben zerstören. Es hat mir einige schlaflose Nächte eingebrockt. Es hat mich aufgewühlt und herausgefordert meinen eigenen Lebensstil zu hinterfragen, in einer Wohlstandsgesellschaft, abgestumpft gegen die Nöte der Welt. Shane Claiborne lebt einen einfachen, dienenden Lebensstil, erzählt von "kleinen Taten der Liebe, die die Welt verändern können", kreativ und voller Leidenschaft und ohne anzuklagen. Ich habe Shane schon zwei Mal getroffen und er hat mich nachhaltig beeindruckt. Dieser Typ lebt was wir Christen glauben. Ich möchte gerne mal ein bisschen so werden wie er.


Henri Noeven: die innere Stimme der Liebe

Auch ein Buch von Henri Noeven muss unbedingt unter meinen 10 besten Büchern sein. Ich habe fast alle seine Bücher gelesen und ich glaube sie haben die Art wie ich glaube sehr stark beeinflusst.
Dieses kleine Buch ist hilfreich in schweren Zeiten, kleine Abschnitte für jeden Tag, die etwas über Gottes liebendes Herz offenbaren. Der kluge, katholische Priester,der sein Lehrstuhl in Harward aufgab um in einer Gemeinschaft mit Behinderten Menschen (Der Arche) zu leben, hat mich nachhaltig beeindruckt. Aus seiner eigenen Zerbrochenheit und in seinen Kämpfen leuchtet immer wieder dieser Satz: "Du bist Gottes Geliebter Sohn, seine geliebte Tochter!". Wie eine Taschenlampe trage ich seine Worte bei mir, für die dunklen Zeiten.

Annie Dillard, am Rande der neuen Welt

Annie Dillard ist eine ungewöhnliche Frau, die sich schwer einordnen lässt. Ihrem Buch "über das Schreiben" ahnt man, was sie für eine exzessive, lustige und außergewöhnliche Schriftstellerin ist. Sie schreibt fast brutale Beobachtungen über die Natür und das Zusammenleben der Menschen mit wunderbaren Sätzen und Gedanken dazu. Für ihr Buch "der freie Fall der Spottdrossel"  bekam sie den Pulitzer Preis.
"Am Rande der neuen Welt" ist eine amerikanische Siedlergeschichte, hart und klar geschrieben (wie diese Zeiten wohl auch waren). Es ist kein einfaches Buch, aber das Lesen lohnt sich, besonders für die Sätze und Worte die dazwischen liegen. 


 Größer als dein Herz, Brennan Manning (the raggamuffin gospel)
 Dieser Mann fasziniert mich, mit seiner zerbrochenen Lebensgeschichte: er wurde Christ, dann Alkoholiker, war Priester, hat geheiratet, ließ sich scheiden... ist es ein Wunder, dass er über Gnade schreibt, wie kein anderer den ich kenne (seine berührende Biographie heißt auch: Alles aus Gnade).
Auch in "Größer als dein Herz" geht es um diese Gnade. Dieses Buch habe ich meinen Vater gegeben, es war eins der letzten Bücher das er lesen konnte. Mit Tränen in den Augen gab er es mir  zurück und sagte: "Das wäre schön, wenn man glaube könnte, dass Gott wirklich so wäre." Damit ist für mich alles gesagt. Ich glaube Gott ist tatsächlich so, und das ist zu schön um es nicht zu glauben.

Jesusfreak, Martin Dreyer
Die ehrlich geschriebene Geschichte von Martin wühlt mich auf, sie zeigt mir Gottes Treue trotz unserer Irrwege, seiner Leidenschaft zu uns und wo meine Leidenschaft ist. Seit 19 Jahren bin ich Teil der Jesusfreaks Bewegung, Wenn ich dieses Buch lese, dann weiß ich wieder warum. Deshalb gehört es zu meinen Top 10. 
Danke Martin und Danke Jesus.



Gott braucht dich nicht, Esther Maria Magnis
Dieses Buch ist ein außergewöhnliches Buch über den Glauben. Eine biographische Geschichte, die mit so einer Wucht und einer Kraft der Wörter geschrieben ist, dass es mich fast umgehauen hat. Es ist das Kämpfen und Ringen mit einem Gott mitten im Dreck des Lebens. Nichts für schwache Nerven aber absolut lohnenswert zu lesen.


Das war meine Liste und schweren Herzens müssen ein paar wunderbare, geliebte Bücher leider draußen bleiben (wie zum Beispiel: Enttäuscht von Gott und der unbekannte Jesus (!) von Philipp Yancey, Blue like Jazz von Don Miller, die tollen Bücher von Shauna Niequist oder gemeinsam Leben von Bonhoeffer). Jetzt haben sie es doch noch geschafft erwähnt zu werden:-)).

Puh, das war lang. Wenn ihr es bis hierher geschafft habt: Glückwunsch - ihr lest wahrscheinlich gerne. 

Und, was ist euer Lieblingsbuch?

Dienstag, 28. Oktober 2014

Den Rest übernehme ich

Am Sonntag hatten wir wieder unseren Gottesdienst in der Kneipe.
Da treffen wir uns einmal im Monat, in einer "Old-School-Punk-Rock-Kneipe" (was immer das heisst- klingt gut, oder?). Wir brunchen zusammen - jeder bringt mit, was er geben kann - und dann folgt meist der übliche Gottesdienst mit Musik, Gebeten, Predigt und Segen ( old-school eben:-)).

Gestern kamen wir, dank der Winterzeit, pünktlich dort an (eine Stunde länger schlafen bringt leider nichts wenn man kleine Kinder hat. Ich finde diese Zeitumstellung völlig überflüssig!) . Vor Ort stellten wir fest, dass versehentlich niemand für die Gottesdienstleitung und Predigt eingeteilt wurde. Und, wie es dann halt immer so ist, ausgerechnet gestern waren einige neue Leute da.
So etwas stresst mich wirklich. Wenn neue Leute bei uns auftauchen, dann wünsche ich mir, dass es einen toller Gottesdienst gibt, mit einer richtig ermutigenden Predigt . Ich möchte so gerne, dass sich alle wohlfühlen, erfüllt und gestärkt für die kommende Woche nach Hause gehen.
Und dann schaue ich auf das, was wir haben und ich fürchte, dass es dafür nicht reichen wird.

Mein Blick fiel auf das Buffet, das vor allem aus leeren Platten bestand, die darauf warteten von den Leuten befüllt zu werden. Ich hatte (wegen der extra Stunde Zeit) ein paar Brötchen gebacken, die aber nicht so wirklich schmackhaft waren. weil ich das Salz für den Teig vergessen habe.

Also setze ich mich neben eine junge Frau und ihren kleinen Sohn, die heute zum ersten Mal da sind. Entschuldigend sage ich, dass wir immer etwas später anfangen und bestimmt noch mehr Leute kommen. Ich erkäre, dass wir zusammen immer erstmal frühstücken (eine schwächliche Bewegung Richtung der verlorenen, salzlosen Brötchen am Buffet) und dass es heute leider keine Predigt gibt.  Ach, und eine Kinderbetreuung haben wir in der Kneipe leider auch nicht, aber wir haben eine kleine "Kinderecke" (noch schwächere Handbewegung Richtung dunklen Kicker - und Dartraum). 

Irgendwie hängt über jedem Satz ein "zu wenig".

Wir kommen in`s Gespräch. Ich erfahre, dass sie eine alleinerziehende Mutter ist (= HELDIN!), sie seit der Geburt ihres Sohnes, wieder mehr über Gott nachdenkt und jetzt nach einer Gemeinde umschaut. Sie sieht müde aus. Die letzten Nächte hat der Kleine stark gezahnt und beide schlecht geschlafen.
 Ich biete ihr an, dass ich gerne auf ihren kleinen Sohn aufpasse, wenn er nicht fremdelt. Ihr dankbarer Blick zeigt mir, dass sie das gut brauchen kann.
Inzwischen sind noch ein paar Leute eingetroffen und die Früchstücksplatten füllen sich langsam. Ich nehme es mit Erleichterung zur Kenntnis. Also nehme ich ihren kleinen Sohn auf den Schoß, während sie ihren Teller füllt.

auch mein Sohn freut sich, dass endlich Brezeln da sind!


Wir frühstücken zusammen und der Gottesdienst beginnt. 
Mit den Kindern im Schlepptau verziehe ich mich in den Nebenraum. So bekomme ich nur mit halbem Ohr die Musik mit und, dass Leute an`s Mikrophon gehen und etwas von sich und ihrem Leben mit Gott (hoffe ich jedenfalls!) erzählen.
Ich bin erstaunt wieviele Leute die Chance ergreifen und den Mut haben etwas zu sagen. Sogar einer der Neuen steht vorne und erzählt etwas.
Hmm, scheint doch nicht so schlimm zu laufen...

Die Kinder genießen auf jeden Fall die Zeit und auch mein kleiner Schützling spielt Ball und zieht sich am Tischkicker hoch, als würde er schon immer dazugehören. 


Nach einiger Zeit wird er aber müde und die junge Mama verabschiedet sich.  Sie sagt, wie willkommen sie sich gefühlt hat und dass sie wiederkommen wird. Ihre Augen füllen sich dabei mit Tränen. Sie wirkt reich beschenkt.
Ich freue mich und ich kann es doch irgendwie kaum glauben. Ich sehe den ganzen Mangel, alles was wir ihr, meiner Meinung, nach an diesem Morgen nicht geben konnten. Und ich spüre, dass sie erfüllt und gesegnet nach Hause geht. Trotz allem.

Ich mag die Geschichte, wie Jesus mit ein paar Broten und Fischen 5000 Leute satt macht. Mir gefällt einfach die Vorstellung, dass Gott uns nicht nur ein paar gute Worte mit auf den Weg gibt, sondern ein Picknick veranstaltet und uns so richtig satt macht (ich liebe Essen!). Er lässt aber kein Manna vom Himmel regnen, sondern er fragt nach dem, was da ist. Dann segnet er das lächerlich, kleine Buffet (ich kann mir die besorgten Gesichter der Jünger vorstellen!) und alle werden satt. 
Es reicht tatsächlich, obwohl es eigentlich niemals reichen könnte.

Eigentlich habe ich nie genug. Und wenn der Unterschied zwischen dem was gebraucht wird und dem was da ist,  sehr weit auseinanderliegt, dann fällt es mir sehr schwer zu glauben,dass man davon satt werden kann. Das hindert mich auch manchmal meine Krümel hinzulegen. Ich denke: es reicht ja sowieso nicht, oder: es ist ja so lächerlich wenig, was ich zu geben habe.

 Soll doch Jesus Manna regnen lassen.
Aber er will unsere Krümel dafür nehmen. Er will uns dabei haben. Wir dürfen mithelfen.
Und JEDER hat etwas zu geben. JEDER. und ich bin ziemlich überzeugt davon, wenn jeder einfach das gibt was er gerade geben kann, an einen Menschen der neben uns sitzt, dann segnet es Jesus und es reicht für alle.

Wenn ich auf mein Leben schaue, dann sehe ich oft so viel Mangel.

Reichen die paar Stunden Schlaf für die Anforderungen des Tages?

Reicht ein kleines Gebet für die große Not?

Reicht eine Tüte Lebensmittel für den Freund, der dringend eine Arbeit braucht?

Reicht es einfach nur zuzuhören?

Reicht ein freundliches Wort für einen entmutigten Menschen?

Reicht ein müdes Lächeln?

Reicht eine kurze mail?

Reicht dieser Text für meinen Blog?

Ich kann mich stressen und denken: das ist viel zu wenig. Und ich kann mit letzter Kraft, bis zur völligen Erschöpfung, versuchen mehr draus zu machen. 

Oder ich gebe einfach das, was gerade da ist.  

Krümel.

 Und Jesus kümmert sich um den Rest.




Dienstag, 14. Oktober 2014

zuviel für mich

Gerade wollte ich unseren Papiermüll rausbringen. Aber der Eimer ist schon am Überquellen und auch mit größter Kraftanstrengung, konnte ich keinen Platz mehr schaffen. Und jetzt, wo ich vor dem Computer sitze und meine Gedanken in Worte fassen will, merke ich, dass dieses Bild sehr passend ist. 

Am vergangenen Wochenende war ich - zum ersten Mal in meinem Leben - auf der Buchmesse in Frankfurt. Ich hatte dort wunderbare Begegnungen. Aber die gesamten Eindrücke waren so überwältigend für mich, dass ich immer noch versuche die Bilder und Gedanken in mein kleines Hirn zu stopfen.

hohe Türme draußen....
..und drinnen


wichtige, geschäftige Menschen überall


ich war nicht die Einzige die überwältigt war...

...kurze Verschnaufpause
die Blonde passt auch noch in mich rein:-)
...einigen alte Bekannte getroffen

Ich liebe Bücher. Ich mag den Geruch, das Seitenumblättern und das "letzte Seite spickeln" wenn die Spannung zu groß wird (beat this, e-book!). 
Als Kind saß ich stundenlang mit meinen Büchern in unserem Wohnzimmer und war völlig versunken in "Trixie Belden", "5 Freunde" und sonstige Welten. Manche berichten, dass sie als Kinder schon Dickens, Dostojewski oder sonstige Klassiker toll fanden. Ich tue mich damit bis heute schwer. Manches davon kriege ich so wenig in meinen Kopf wie den Papiermüll in den Eimer. 
Ich mag die einfachen Geschichten. Die passen in mein Herz und berühren mich. Und ein verregneter, freier Tag mit einem ungelesenen Buch, auf das ich mich schon lange gefreut habe, ist immer noch etwas ganz großes für mich.

Aber auf der Buchmesse war es ganz anders.
Es war eine gehetzte Stimmung und es lag der Drang in der Luft: ich muss gesehen werden, jemand soll mich wahrnehmen. Tausende Bücher wollten angefasst, beachtet und gelesen werden. Und an jeder Ecke lasen, erklärten und meinten so viele Menschen so vieles, dass man den Eindruck hatte: hier bleibt nichts ungesagt.
Das Ganze war für mich so überwältigend wie eine MTV-Shakespeareverfilmung auf Japanisch (Gruß nach Japan:-)). Es war wie ein einzig großes Rauschen.

Vor einiger Zeit war ich mit einer Freundin in London, da ging es mir ähnlich. 
Wir liefen durch die vollen Einkaufsstraßen und Shopping-Center und an irgendeinem Punkt habe ich gemerkt: Ich muss jetzt sofort einen ruhigen Ort finden, sonst drehe ich durch. Also nahm ich die nächste U-Bahn zum Hyde-Park und saß im strömenden Regen auf einer Bank und starrte  auf den grünen Rasen. Hört sich vielleicht ein bisschen wie "Rainman" an, aber ich bin eben schnell mal überfordert.

Komisch, dass mir das mit der Natur nie passiert. Ich denke nicht, nachdem ich einen Tag im Park war oder am Strand entlang gegangen bin: "Jetzt ist es aber zuviel. Ich bin total erschlagen von den Eindrücken. Gebt mir ein abgedunkeltes Zimmer, ich muss auf eine leere Wand starren."
Es muss ein Rhythmus in der Schöpfung sein, der mir hilft, zur Ruhe zu kommen. 

Vielleicht hilft es mir auch zu spüren: ich bin Teil dieser Schöpfung. Ich muss nicht um meinen Platz kämpfen, muss nicht ein aufseheneregendes Buch schreiben (was natürlich schon ganz wunderbar wäre:-)), ich muss mich nicht antreiben lassen, von der Frage ob es "gut genug" ist, was ich tue, was ich sage und schreibe. 

"Gut genug" ist eigentlich sowieso ziemlich bescheuert. Ich kann ja nur das sein und geben was ich bin, ob das nun gut genug für jemand ist oder nicht (diese weise Erkenntnis hatte ich kürzlich auf meinen "stillen Tagen").  

Und es macht auch nicht wirklich Sinn, mich endlos den Sorgen hinzugeben um unsere Finanzen, um meine Arbeitsstelle, und um irgendwelche "wie schaffe ich das nur, wenn..."-Konstellationen. Diese Gedanken wachsen mir über den Kopf wie unser Papiermüll in der Tonne.

Es gibt Dinge, mit denen sind wir Menschen schlicht überfordert. 
Ich mag Psalm 131. Da schreibt David, dass wir unser Herz lehren sollen, sich nicht mit Dingen zu beschäftigen die zu groß für uns sind. Und er fügt hinzu:
"Schweigen lehrte ich meine Seele...
oder in anderer Übersetzung: "habe ich meine Seele nicht beruhigt und beschwichtigt? ".

Das versuche ich in diesen Tagen.

Eine Runde durch den Park gehen. 

Auf die wunderbaren Herbstblätter vor unserem Fenster schauen. 

Den kleinen Sohn beim unbesorgten Spielen beobachten. 

Meine Seele beruhigen.

Die Dinge die für mich zu groß sind

die Gedanken die mich überfordern

meinem Schöpfer hinhalten

der mich sieht

der all das tragen kann

was zuviel für mich ist.