Nach einer Woche Osterferien, die wie im Flug vergangen sind, schalten wir heute wieder ins Homeschooling-Programm. Ehrlich gesagt graut es mir davor. Ich fürchte, dass die Nerven innerhalb kürzester Zeit wieder blank liegen beim Versuch meine Pläne für die Woche und das Kind irgendwie passend machen - wie zwei Puzzleteile, die man leider nur mit großem Druck irgendwie passend machen kann. Ich bin stark versucht zu sehr am Leben zu ziehen, um die Wogen zu glätten - wie Jennifer Zimmermann das in ihrem Vorwort in meinem neuen Buch so gut ausgedrückt hat. Sie schreibt über diese Sehnsucht, dass das Leben doch wie ein fertiges Puzzle wäre. Dass wir einfach die richtigen Teile zusammensetzen müssen und dann läuft das schon. Mit dem Alltag. Und den Menschen, die uns oft genug die fein sortierten Puzzleteile wieder durcheinanderbringen. Aber es ist wie bei einem verhedderten Wollknäuel: Umso mehr wir ziehen, umso enger werden die Knoten. Aber, so formuliert Jenny es so wunderbar, das Beste was wir tun können, ist die Hände zu öffnen und lieben zu lassen. Sich und das ganze unsortierte Leben. Ach, genau das will ich lernen. Lieb haben lassen und lieben was ist...
Apropos unsortiert: Letzte Woche haben wir die Ausräum-Aktion in meinem Elternhaus fortgesetzt. Ganz schön viel wurde aussortiert und ist - völlig unsortiert - im Container gelandet! Heio, der Sammler, konnte kaum hinschauen. Samuel fand es klasse die Dinge mit einem gehörigen Knall aus dem ersten Stock zu werfen.
Spät abends kamen noch zwei muskelbepackte Männer aus Berlin, die gekonnt unser Klavier durchs Treppenhaus manövriert haben, um es in sein neues Zuhause ins Cafe Wundervoll zu bringen. Hinterm Klavier fand sich Staub und Dreck der letzten 50 Jahre (wie der wohl dahin kommt?) und ein vergilbtes Stück Papier. Ein Notenblatt mit der Überschrift: Wohl mir, dass ich Jesum habe! Stundenlang habe ich als Jugendliche diese Bachkantate geübt. Es war eins der Lieblingsstücke meiner Eltern und ich wollte ihnen damit eine Freude machen Sagen wir mal so: Das Ergebnis meiner Mühe war eher mittelmässig, wurde aber wohlwollend aufgenommen.
Dieses Notenblatt zu finden, im fast leergeräumten Haus, war für mich wie ein letzter Gruß meiner Eltern. Es ist wie die Summe ihres Lebens, die unterm Strich geblieben ist. Wenn der irdische Besitz aus dem Fenster geworfen: Eins bleibt. Ein unvergängliches Erbe: Wohl mir, dass ich Jesum habe!
Mein Weggefährte Achim sagte es gestern so treffend in seiner Predigt:
Als Jesusnachfolger werden wir uns nicht immer glücklich fühlen, aber wir können uns immer glücklich schätzen!
Daran will ich mich erinnern. Mitten in diesem unsortierten Leben. Wenn ich in diesen Tagen zu sehr an den Knoten ziehe (was zu befürchten ist!) will ich immer wieder aufs neue meine Hände öffnen. Durchatmen. Mich lieb haben lassen.
Wohl mir, dass ich dich habe, Jesus!