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Montag, 12. April 2021

Ein Schatz hinterm Klavier

Nach einer Woche Osterferien, die wie im Flug vergangen sind, schalten wir heute wieder ins   Homeschooling-Programm. Ehrlich gesagt graut es mir davor. Ich fürchte, dass die Nerven innerhalb kürzester Zeit wieder blank liegen beim Versuch meine Pläne für die Woche und das Kind irgendwie passend machen - wie zwei Puzzleteile, die man leider nur mit großem Druck irgendwie passend machen kann. Ich bin stark versucht zu sehr am Leben zu ziehen, um die Wogen zu glätten - wie Jennifer Zimmermann das in ihrem Vorwort in meinem neuen Buch so gut ausgedrückt hat. Sie schreibt über diese Sehnsucht, dass das Leben doch wie ein fertiges Puzzle wäre. Dass wir einfach die richtigen Teile zusammensetzen müssen und dann läuft das schon. Mit dem Alltag. Und den Menschen, die uns oft genug die fein sortierten Puzzleteile wieder durcheinanderbringen. Aber es ist wie bei einem verhedderten Wollknäuel: Umso mehr wir ziehen, umso enger werden die Knoten. Aber, so formuliert Jenny es so wunderbar, das Beste was wir tun können, ist die Hände zu öffnen und lieben zu lassen. Sich und das ganze unsortierte Leben. Ach, genau das will ich lernen. Lieb haben lassen und lieben was ist...
Apropos unsortiert: Letzte Woche haben wir die Ausräum-Aktion in meinem Elternhaus fortgesetzt. Ganz schön viel wurde aussortiert und ist - völlig unsortiert - im Container gelandet! Heio, der Sammler, konnte kaum hinschauen. Samuel fand es klasse die Dinge mit einem gehörigen Knall aus dem ersten Stock zu werfen.
 

 
Spät abends kamen noch zwei muskelbepackte Männer aus Berlin, die gekonnt unser Klavier durchs Treppenhaus manövriert haben, um es in sein neues Zuhause ins Cafe Wundervoll zu bringen. Hinterm Klavier fand sich Staub und Dreck der letzten 50 Jahre (wie der wohl dahin kommt?) und ein vergilbtes Stück Papier. Ein Notenblatt mit der Überschrift: Wohl mir, dass ich Jesum habe! Stundenlang habe ich als Jugendliche diese Bachkantate geübt. Es war eins der Lieblingsstücke meiner Eltern und ich wollte ihnen damit eine Freude machen  Sagen wir mal so: Das Ergebnis meiner Mühe war eher mittelmässig, wurde aber wohlwollend aufgenommen.
Dieses Notenblatt zu finden, im fast leergeräumten Haus, war für mich wie ein letzter Gruß meiner Eltern. Es ist wie die Summe ihres Lebens, die unterm Strich geblieben ist. Wenn der irdische Besitz aus dem Fenster geworfen: Eins bleibt. Ein unvergängliches Erbe: Wohl mir, dass ich Jesum habe!
 
Mein Weggefährte Achim sagte es gestern so treffend in seiner Predigt:
Als Jesusnachfolger werden wir uns nicht immer glücklich fühlen, aber wir können uns immer glücklich schätzen! 

Daran will ich mich erinnern. Mitten in diesem unsortierten Leben. Wenn ich in diesen Tagen zu sehr an den Knoten ziehe (was zu befürchten ist!) will ich immer wieder aufs neue meine Hände öffnen. Durchatmen. Mich lieb haben lassen.  
 

Wohl mir, dass ich dich habe, Jesus!
 
 




Mittwoch, 19. Dezember 2018

Heilige Nacht

Nun sind wir tatsächlich schon kurz vor Weihnachten! Wir haben den ersten Schnee gefeiert. Zuerst  bei einem Kurzbesuch im Schwarzwald und dann sogar vor der eigenen Haustür!






Leider schmilzt in der Stadt die weiße Pracht so schnell dahin. Inzwischen erinnert nur noch ein blauer Eimer und ein rotes Halstuch daran, dass da mal ein Schneemann stand. 
Heute morgen schaue ich nochmal auf die Liste der DInge die vor Weihnachten noch erledigt werden sollten. Sie ist beruhigend klein geworden. Die Geschenke warten noch darauf verpackt zu werden. Trotzdem sitzt die Festfreude noch nicht wirklich in den Startlöchern.  Ich sage müde zu Heio: "Ich bin jetzt schon froh, wenn Weihnachten vorbei ist!"  Wir feiern den heiligen Abend zusammen im Schwarzwald. Mit meiner Schwester und dem Onkel, der jetzt noch alleine in meinem Elternhaus wohnt. Bei dem Besuch letzten Woche habe ich versucht die Wohnung dort ein klein wenig weihnachtlich zu schmücken. Aber es wird nicht über die leeren Regale hinwegtäuschen. Und die leeren Plätze am Tisch.





Meine Gedanken sind bei all denjenigen, die dieses Jahr auch Lücken aushalten müssen. Leere Räume. Weil da jemand fehlt. Jemand der letztes Jahr noch da war. Oder jemand dessen Existenz im eigenen Leben seit Jahren schmerzlich vermisst wird. 
Ich denke an  eine Bekannte deren Mann in diesem Jahr ganz plötzlich verstorben ist. Wieviel Tapferkeit braucht es für sie und ihre Kinder, diese Tage durchzustehen! 
Ich denke an die Freundin deren Hoffnung auf einen Gegenüber mit dem sie durch dick und dünn gehen kann, sich auch in diesem Jahr nicht erfüllt hat. 
Ich denke an meine Weggefährtin die, auch dieses Jahr, Päckchen für die Kinder anderer Leute packen und dabei den Schmerz über die eigene Kinderlosigkeit als Kloß im Hals spüren wird. Du wirst es ihr nicht anmerken. Sie wird deinem Kind über den Kopf streicheln und dir frohe Weihnachten wünschen. Ich werde sie dieses Jahr ein bisschen länger drücken...
Ich denke an all die Menschen, die ihr Weihnachten weit weg von ihrer Heimat feiern, in einem Land wo man in kühlen Amtsstuben seine Geschichte erzählen muß; schlimmste Erlebnisse unter deren Schutt die Seele kaum noch atmen kann. Aber sie werden weiteratmen. Sie werden ihre Kinder ins Bett bringen und im Dunkel  Handybilder von der Heimat betrachten. Damals. Als alles noch gut war.
Und ich denke an die Freundin mit der ich zusammen auf eine Diagnose warte. Ab und zu werden an Weihnachten unsere Gedanken zu dem Arztbrief wandern, zu dem Verdacht auf und dahinter ein Schreckenswort. Und ich werde hoffe und beten, dass wir diese Verdachtsworte im neuen Jahr erleichert streichen können.

Oh weh. DAS soll jetzt eine Weihnachtspost sein?, denke ich beim Schreiben. Soll ich nicht ein paar heitere Worte vor den Weihnachtstagen finden? Und frohe, dankbare Worte gäbe es auch genug zu schreiben. Wirklich.  Es gibt so viel sichtbare Freundlichkeit Gottes die mich lächeln lässt. So viel Gutes was ich betrachten kann, am Ende dieses Jahres (der Jahresrückblick folgt noch). Aber hier und heute soll Platz sein für die leeren Räume. Für das Vermissen. Für die dunklen Nächte in denen wir uns sorgenvoll fragen wie alles werden wird. Wir brauchen das alles nicht an die Seite zu räumen. Im Gegenteil! In eine dieser Nächte wurde Jesus hineingeboren. Ich sehe Maria vor mir. In einer Notunterkunft. In der fremden Stadt. Erschöpft von den Geburtsschmerzen hält sie das kleine wimmernde Wesen in ihren Armen und flüstert: Schön, dass Du da bist Jesus! 
Schön, dass Du da bist Jesus! Auch in unseren Nächten. Du hältst uns alle. ALLE Menschenkinder. Hältst Schmerz und Trauer und Wut. Und dann wischt du die Tränen ab. Eine nach der anderen. Das kannst du so gut: Aus den Nächten eine Heilige Nacht machen. Einfach deshalb weil du da bist!

Ich stell mich ans Fenster, neben all diejenigen, die sich nach dir sehnen. Heiland der Welt. Wir warten auf dich!


GESEGNETE WEIHNACHTEN EUCH ALLEN!!!!

Donnerstag, 19. Juli 2018

Das Leben ist zu kurz.

Wieder einmal habe ich leere Taschen ins Auto gepackt um sie dann im Schwarzwald mit ein paar Schätzen aus meinem Elternhaus zu füllen. Dieses Mal haben meine Schwester  die vielen, vielen Fotoalben aussortiert (die Freude am Fotografieren habe ich wohl von meinem Vater geerbt). Wir verteilen die Bilder die besondere Momente für uns eingefangen haben oder Geschichten erzählen, die wir nicht vergessen wollen.


Abends betrachte ich nochmal in Ruhe "meine" Bilder. Ab und zu wische ich mir dabei die Tränen aus dem Gesicht. Ganz oft muß ich einfach nur lächeln. Ich betrachte meine Eltern in ihren besten Jahren auf dieser Erde. So viel Lebendigkeit leuchtet mir entgegen. Und es kommt mir vor als wäre das alles erst gestern gewesen...

Unsere Famile
schönstes Abendessen: Joghurt und Butterbrot auf dem Balkon
Urlaub im Allgäu; meine Mutter genießt es, mein Papa hält das Gute schriftlich fest
Wie kostbar sind unsere Tage. Und wie schnell gehen sie vorbei. Es scheint so als würden sie mit jedem Jahr ein bisschen mehr Geschwindigkeit aufnehmen. (nächstes Jahr werde ich tatsächlich schon 50! Wie konnte das denn nur passieren??!!). 
Manchmal schaue ich uns an, mein Leben auf dieser Erde, wie es jetzt gerade ist, so als würde ich ein Foto in die Hand nehmen. Und ich sage zu Heio: "Schau uns an, hier sind wir, mitten in unseren besten Jahren!" (grade noch, würde ich mal sagen, in meinem Fall :-)).  Die schweren Tage werden auch kommen, das weiß ich. So wie sie im Leben meiner Eltern kamen. Umso mehr will ich mein Hier und Heute bewusst und dankbar wahrnehmen.
Neulich habe ich einen kleinen Text in mein Tagebuch geschrieben; ein paar spontan aufgeschriebene Gedanken, wie ich gerne leben will und was mir heute wichtig ist. Ich weiß: Worte sind geduldig. Ich kann schöne Sätze formulieren und dann aufstehen und genau das Gegenteil von dem tun, was ich gerade aufgeschrieben haben. Aber die Worte sind für mich ein bisschen so wie ein Kompass. Sie zeigen mir die Richtung in die ich gehen will, in diesem einen, kostbaren Leben, das ich habe:

Das Leben ist zu kurz

Das Leben ist zu kurz um die Dinge die man so gerne mal tun oder sagen würde ständig zu verschieben, bis man vergessen hat was man denn gerne mal tun oder sagen würde.
Das Leben ist zu kostbar um es mit Sorgen zu füllen, die zu 99 Prozent nie eintreffen werden (und gegen die paar Prozent die eintreffen nützt alles Sorgen nichts!)
Das Leben ist zu wertvoll um Leute beeindrucken zu wollen die man gar nicht mag (und diejenigen die man mag, braucht man nicht zu beeindrucken).
Das Leben ist zu kurz um sich von dem bestimmen zu lassen was MAN tun sollte, nur um am Ende Dinge zu tun, die man eigentlich gar nicht tun wollte.
Das Leben ist zu kostbar um beschäftigt sein mit lebendig sein zu verwechseln.
Das Leben ist zu wertvoll um sich unablässig über die Unordnung in der Wohnung aufzuregen und ständig an den Menschen die wir lieb haben herumzunörgeln.
Das Leben ist zu kurz um sich vor Menschen zu fürchten und sich komische Dinge einzureden und deshalb gute, wunderbarste Nachrichten für sich zu behalten.
Das Leben ist viel zu kurz für wütende Blicke in den Spiegel und für verächtliche Gedanken über den Körper, der uns so tapfer durchs Leben trägt.
Das Leben ist zu kostbar um nicht innezuhalten, zu staunen und zu danken für alles was IST, was so großzügig und verschwenderisch da ist für uns. Licht, Wärme, Wind, Bäume und Glitzern wo man nur hinschaut.
Das Leben ist viel zu wertvoll um nicht ab und zu über das Geheimnis nachzudenken wer wir wirklich und wahrhaftig sind. (Wir könnten die Version die wir nach außen zeigen für die echte halten) Und es ist zu wertvoll um nicht über das Geheimnis nachzudenken, wer unser Nächster wirklich und wahrhaftig ist.
Das Leben ist zu kurz um die Menschen die wir mögen nicht ab und zu richtig anzuschauen und ihnen genau das zu sagen: dass wir sie mögen.
Das Leben ist zu wertvoll um nicht die Augen vom Display zu nehmen, für die echten Begegnungen, hier und jetzt, direkt vor unserer Nase.  
Das Leben ist zu kurz um auch nur einen Tag NICHT daran zu glauben dass wir in Gottes Augen vollkommen liebenswert sind, und dass ER aus unserer kostbaren Zeit auf dieser Erde (aus ALLEN Tagen!) etwas wunderbares und schönes machen kann, das wir am Ende voller Freude nach Hause tragen dürfen. 









Freitag, 23. März 2018

geschafft.

Vor genau einer Woche hat es meine Mutter  geschafft. Ich durfte sie im Arm halten während sie schwer atmend die letzten Meter über die Ziellinie gemacht hat.  Meine Mama. Sie ist bei ihrem Jesus. Die Schmerzen, die Verwirrtheit der letzten Wochen liegen hinter ihr. Sie hat ihren Lauf vollendet. 
Der letzte Anstieg war steil. Düster. Sterben ist nicht einfach. Es braucht viel Mut dem Tod ins Auge zu blicken. Doch. Auch für uns Christen. Wochenlang hat meine Mutter nicht  nur die Schmerzen gequält sondern auch die Angst. Unruhe. Verwirrtheit. Und dann - war plötzlich Friede. Als wäre ein Kampf vorüber. Als wäre ihr Jesus das letzte Stück entgegengelaufen, um sie den Rest der Strecke zu tragen. So kam es mir zumindest vor. Ihre Gesichtszüge waren völlig entspannt. Sie strahlte und redete - phasenweise völlig klar - vom Himmel und vom Fest, das schon angefangen hat. "Ich durfte schon ein bisschen reinschauen!", sagte sie uns. Und: "Ihr könnt es euch nicht vorstellen! Er liebt uns so. Wir sind alle, alle so geliebt!" Tagelang konnte sie nicht aufhören von dieser Liebe zu schwärmen. Es hat mich an die Tage vor Weihnachten, in meiner Kindheit, erinnert. Wenn das Warten fast nicht mehr auszuhalten war, hat meine Mutter für meine Schwester und mich einen Türspalt zum Weihnachtszimmer aufgemacht und wir durften einen kurzen Moment reinspickeln (keine Ahnung wie das auf hochdeutsch heisst:-)). Und wir konnten schon ein bisschen von der Herrlichkeit ahnen, die da auf uns wartet. Ich glaube meine Mama durfte schon ein bisschen reinspickeln; in den Himmel. Dieser kurze Blick hat gereicht um ihr alle Angst zu nehmen. Und die Liebe von Jesus hat sie einfach umgehauen. Anders kann man es nicht sagen. 

Zu dieser großen Liebe ist zu nun heimgegangen. Was für ein Trost. Daran will ich mich halten. Auch wenn sich der Tod so aufbläht als könnte man meinen, dass er am Ende eben doch der Sieger ist. (und da kann ich auch schonmal ganz verzweifelt beten und Jesus sagen, dass ich echt mal so richtig sauer wäre wenn das mit dem ewigen Leben am Ende alles nicht stimmen würde!) Am Tag ihrer Beerdigung stand morgens dieser Vers in meiner Bibellese:
Doch eins weiß ich: Mein Erlöser lebt! Auf diese todgeweihte Erde spricht ER das letzte Wort! (Hiob 19,25.26). 
Wow. Was für ein Satz. Wie ein Hammerschlag. Daran will ich mich erinnern, immer wieder: Das letzte Wort spricht ER!  


Nach der Beerdigung habe ich die Wohnung meiner Mutter ein bisschen aufgeräumt. Ihre Notizen und vertraute Gegenstände so an ihren Platz gelegt als würde sie wiederkommen. Immer wieder flossen dabei die Tränen. Meine Mama. Ich werde sie vermissen. Aber ich freue mich auch, dass sie es jetzt geschafft hat. Immer mal wieder hat sie, die so gerne mit uns gefeiert hat, gegen Ende den Satz gesagt: "Wenn das alles vorbei ist, dann feiern wir!" Ich fürchte fast die Party fängt schon mal ohne uns an (hoffentlich bleibt genug zu essen übrig :-)). 
Die treuen Gebete meiner Mutter, ihr dranbleiben an Jesus, auch in schweren Zeiten, ihr Blick auf das Gute das uns geschenkt ist - alles das ist mir ein Vorbild. Und, auch wenn es harte Wochen waren, ihren Abschied hat sie uns auch noch zum Geschenk gemacht. So eine Zeit, wenn es um die letzten Dinge geht, macht etwas in uns. Ich habe gemerkt: Der Griff auf all die Dinge, die mir sonst so wichtig vorkommen, wurde plötzlich ziemlich locker. Ich glaube nicht, dass es etwas ist was lange anhält. Dafür kenne ich mich zu gut. Vielleicht ist es deshalb jetzt eine richtig gute Zeit alles was ich habe vor Jesus hinzulegen. Nochmal ganz neu. Ihn die Dinge in mir ordnen lassen. Ganz locker lassen. Und zur Ruhe kommen nach dieser stürmischen Zeit. Und über seine Güte staunen. Wir sind durch! Es ist geschafft! 
Wie es im Psalm 23 heisst:  
Und ob ich schon wanderte durchs finstere Tal, fürchte ich mich nicht!  
 Wir wandern durch das dunkle Tal! Es ist nicht der Ort an dem wir uns niederlassen, um hier zu wohnen. Gott führt uns durch. Auch wenn uns manche dunkle Strecken unglaublich lang vorkommen: Irgendwann wird jedes finstere Tal hinter uns liegen! 
Und dann feiern wir!!!!

Meine Mama hat es geschafft. 

Gott hat es gut gemacht. 







(Das habe ich besonders für euch geschrieben, die ihr in dieser Zeit an uns gedacht habt. Eure Gebete waren wie Fackeln am Wegrand. DANKE!!!!)

Donnerstag, 1. Februar 2018

genug Licht

Lange habe ich den Moment gefürchtet, jetzt scheint es soweit zu sein: Meine Mutter ist gestürzt und die wacklige Selbstversorgung die bisher - Gott sei Dank! - noch funktioniert hat, ist am zusammenbrechen. Meine Schwester und ich düsen abwechselnd Richtung Schwarzwald und wieder zurück und versuchen zu organisieren was geht. Dann nimmt man mit schlechtem Gefühl von der Mutter Abschied die wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa sitzt und verspricht: "Morgen oder übermorgen bin ich wieder da!" und überlegt hektisch wie man das alles hinbekommt, organisatorisch und kräftemässig, was nun alles liegenbleibt (sch... drauf!) und fürchtet den nächsten Anruf, der eine noch schlimmere Katastrophe bedeuten könnte. 
Der Spiegel berichtet diese Woche passenderweise über den Pflegenotstand in Altenheimen und von Kinder, die mit der Fürsorge ihrer Angehörige völlig überfordert sind. Die Sorgen um die hinfälligen Eltern bestimmen die Tage. Es ist der letzte Abschied von der Kindheit, lese ich. So ist es. Nun kümmern wir uns also um die Mutter, die sich früher so hingebungsvoll um uns gekümmert hat. Leider mit viel weniger Geduld, was mich angeht.

Ich fühle mich von den Anforderungen der nächsten Tage und Wochen überwältigt. Und denke an das Wort von Hudson Taylor: Trage keine Sorge allein. Nur eine Sorge ist schon zuviel für dich!  Also versuche ich die Sorgen immer wieder loszulassen (ich konnte ja hier schon ein bisschen im kleinen üben). Und wenn mir alles zuviel wird sage ich mir: Dafür habe ich Jesus! Alles das buchstabiere ich jetzt durch. Manchmal stündlich. 

Am Montag war der bisher schlimmste Tag. Während meine Schwester sich vor Ort durchgekämpft hat, saß ich voller Sorge zu Hause. Ich versuchte zu beten. Und da kam mir diese Liedzeile: 
There`s enough light for the next step! 
 Es war wie eine liebevolle Anweisung Gottes; direkt in mein Herz. Ich gebe dir immer genug Licht für den nächsten Schritt. Das genügt. Plötzlich fühlte ich mich leichter. Ich rief meine Schwester an um ihr diesen Gedanken weiterzugeben. Sie erwiderte, dass sie ungefähr zur gleichen Zeit, in der Notaufnahmen, plötzlich diesen Satz aus den Psalmen im Kopf hatte: Dein Wort ist meinen Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Und ihr wurde klar, dass es genau darum geht: Er erhellt immer genau das Stück Weg das vor uns liegt. Wir staunen. Merken, dass Gott dabei ist und uns führt.

Also versuchen wir das in den nächsten Tage und Wochen zu beherzigen. Immer wieder: Einen Tag nach dem anderen. Heute tun was möglich ist. Wir brauchen keine Scheinwerfer wie es nächste Woche weitergeht. Schon der nächste Tag überfordert uns. Jeden Morgen will ich mir sagen: Heute! Heute ist genug Licht für den nächsten Schritt.

Vergangene Nacht kroch Samu zu mir ins Bett, mit fiebrigen Kopf. Oh nein, auch das noch! Ich bekämpfe die aufsteigende Panik. Gottes Wort gilt auch für heute. Jesus ist mit uns. Das ist genug Licht. Und der nächste Schritt ist Spinatkochen, Autospielen und Mama anrufen. Danach sehen wir weiter.