Mittwoch, 16. Juli 2014

Gut gemacht!

OK- Zeit für etwas schmerzhafte Ehrlichkeit: Ich bin ein Mensch der viel Lob und Anerkennung braucht. Ich wünschte sehr es wäre nicht so.
Neulich habe ich in einer Predigt den Satz gehört:
"Ein reifer Christ ist frei von Lob und Anerkennung anderer."
Und alles in mir schreit. Oh ja!!! So will ich auch sein. Aber so bin ich nicht. Und ich verachte mich dafür.

Heute morgen habe ich versucht auf Gott zu hören - diese leise Stimme in mir, die Frieden und Heil in meine unruhige Seele bringt - und ich habe ihn angefleht mir zu helfen, dass ich nicht immer so abhängig vom Lob anderer bin. Und plötzlich war es mir so, als würde Gott sagen:
"Christina, ich will, dass du aufhörst dich dafür zu verachten. Ich habe dich gut gemacht. 
Es stimmt, manches in dir braucht Heilung, aber ich kann nur das heil machen was du annimmst - wenn du sagen kannst: das gehört zu mir und es mir vertrauensvoll hinhältst."
Diese Worte - oder Gedanken die mir kamen, oder wie man es nennen will  - haben mich berührt. Plötzlich konnte ich ruhig werden und Gott sagen: "So bin ich. Wenn du es anders haben willst, ich schaffe es nicht. Ich, Christina, werde niemals frei von Lob und Anerkennung anderer sein."

Eine Freundin von mir hat neulich, zusammen mit einigen anderen, ein Schulprojekt an einer "Schwerpunktschule" in Stuttgart durchgeführt. Eine Woche lang haben sie Workshops mit Schülern gemacht und die Ergebnissen dann am Ende der Woche in einer gemeinsame Aufführung in der Turnhalle zu präsentieren. Es gab Gesangs-, Tanz- , Musik-, Photographie- und Stylingworkshops und vieles mehr. Heio hat auch mitgemacht und so saß ich am Ende der Woche zusammen mit Samu in der Turnhalle um bei der Vorführung dabei zu sein. 
Die Reihen füllten sich nur langsam. Es waren leider kaum Eltern gekommen. Die Schüler kamen zum großen Teil aus sogenanntem "Migrationshintergrund", auch junge Flüchtlinge waren dabei die kaum deutsch sprachen. Vor der großen Bühne- die extra zu diesem Zweck aufgebaut war- standen die Mitarbeiter des Projekts. Dann ging die Musik los, es startete eine tolle Lightshow und die Jugendlichen kamen auf die Bühne. Die Mitarbeiter davor rasteten förmlich aus!!! Sie schrien, hüpften und jubelten, als hätte der größte Rockstar die Bühne betreten. Die Ansagen, Aufführungen und Lieder wurden von Begeisterungsstürmen begleitet - es steckte uns alle an. Die Halle tobte!!! Und die Jugendlichen strahlten und glühten und gaben alles. Es war wunderbar.
Ich saß mittendrin und mir liefen unaufhörlich die Tränen über`s Gesicht. Es war mir peinlich, aber ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen. Wäre ich in einem Gottesdienst gewesen, ich hätte gesagt: "The Holy Spirit has entered the building!"

Wenn mir unerwartet die Tränen kommen, dann versuche ich genau herauszufinden, warum das so ist. Frederick Buechner schreibt, dass uns solche Momente etwas über unsere tiefste Sehnsucht und Berufung zeigen können.
Zuerst dachte ich es liegt daran, dass ich früher zuviele Tanzfilme geschaut habe. Aber dann habe ich gemerkt, dass es etwas anderes war: der ganze Raum war VOLL mit Ermutigung und Anerkennung!!! Etwas wonach ich mich selbst in meinem Innersten sehne. Und - so gerne wie ich selbst ermutigt werde: ICH LIEBE ES andere zu ermutigen. 
Ermutigt werden und andere Ermutigen - beides macht mich unglaublich lebendig.

Gott hat mich so gemacht. 
Und wenn ich im Himmel ankomme und er mich anstrahlt und sagt: "Gut gemacht!!!", dann weiß er, dass es genau das ist was ich hören muss - und hoffentlich hat er dann ein Mikrophon in der Hand, damit es möglichst viele mitbekommen! Denn noch besser wie ein persönliches Lob ist ein Lob in der Öffentlichkeit! Gott weiß das. Deshalb hat er Jesus immer wieder mal ganz öffentlich vom Himmel runter gelobt, dass es alle hören konnten (z.B. an seiner Taufe). 
Während ich das schreibe, sehe ich die jubelnden, begeisterten Mitarbeiter vor der Bühne in dieser Turnhalle wieder vor mir und ich merke:
Ich brauche solche Menschen. Punkt. Vielleicht ist es reif und toll keine Anerkennung und Lob zu brauchen. Ich brauche es. An manchen Stellen muss mich Jesus (dringend!) heil machen. Andere Menschen sollen und können nicht meinen Wert benennen. Das kann nur mein Schöpfer. Aber er hat mich so geschaffen, dass nichts auf der Welt mir so viel Energie und Antrieb gibt, wie Anerkennung und Lob.

Und ich möchte selbst so ein Mensch sein. Ich liebe es andere zu ermutigen!
Meine größte Hoffnung für diesen Blog ist, dass mir das immer mal wieder bei einem von euch gelingt.
Und wenn ich Gott beschreiben sollte, wie er mir begegnet, was er für mich ist,  dann sehe ich diese wunderbaren, jubelnden Mitarbeiter, die aus den Kids etwas hervorgeholt haben was fast unmöglich schien und denke: Genauso bist Du. Mein größter Ermutiger!
Deshalb bin ich so gerne in seiner Nähe. 


Diesen Blogeintrg widme ich T. für ihr Herz und die Liebe die sie in dieses Schulprojekt gesteckt hat. ES WAR TOLL!! 
Und ich hoffe und glaube, dass es erst der Anfag war. Bleib dran!!! Du machst etwas wunderschönes. Gott ist sehr stolz auf dich.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Die schönste Geschichte

Gestern hat es bei uns nur einmal geregnet und es hat den ganzen Tag nicht aufgehört.

Samu hat mit seiner KiTa "Waldheim-Woche" und ich habe ihn mittags dort abgeholt.
Die Erzieher saßen durchnässt mit den Kindern unter einem Pavillion und sie haben mir sehr leid getan. Ich glaube nicht, dass die Kinder auf diesem Weg sehr viel Freude an der Natur entwickeln.

Samu war jedenfalls froh wieder zuhause zu sein.
Es folgte ein seeeehr langer Nachmittag mit Auto spielen, "Stau machen", Zug spielen und wieder Auto spielen. Der kleine Sohn war leider  sehr anhänglich und anstrengend.
Ich war innerlich schon angespannt und müde in den Tag gestartet, hatte gehofft irgendwann ein wenig Zeit für mich zu haben, aber es war nicht möglich. Beim Einkaufen legte Samu dann noch einen klassischen Wutanfall hin und ich zerrte ein schreiendes Kind im strömenden Regen nach Hause.

Abends wollte er das längste Bilderbuch der Welt anschauen und er hat die Seiten immer wieder vor und zurück geblättert und hatte tausend Fragen. Ich hatte dermassen die Schnauze voll und sagte ihm: "Samu, wenn du jetzt noch einmal "WARUM" fragst, dann dreh ich durch! Ich warne dich!"
Natürlich war seine Antwort: "Warum, Mama?"
Kurz vor dem Einschlafen stellte er noch fröhlich fest: "Heute war ich aber lieb!"
"Nein, das warst du nicht!!!! Aber ich habe dich trotzdem lieb", versuchte ich es pädagogisch zu formulieren. Er strahlte und machte weiter Unsinn, obwohl es schon lange Schlafenszeit wäre.

Endlich, endlich war Ruhe.

Wirklich, ich liebe meinen Sohn! Wie er als kleines Baby in meinen Armen lag war ich mir sicher dass ich niemals mit ihm böse sein könnte! In keinem Moment seines Lebens.
Ich sah Mütter die beim Einkaufen ihre Kinder anschrien und schüttelte innerlich den Kopf. Wie konnten sie nur! Wussten sie nicht was für ein Geschenk so ein Kind ist. Armes Kind.
Wenn ich heute eine müde Mutter sehen, die ihr Kind auf der Strasse anschreit, dann denke ich : Arme Mutter (und ein bisschen auch: armes Kind). Und manchmal bin ich selbst diese Mutter. Mist.

Heute habe ich endlich etwas Zeit und Ruhe und möchte einen schönen Blogeintrag schreiben, aber der gestrige Tag hängt mir noch nach.
In mir sagt eine Stimme: Was willst DU denn schreiben? Wer interessiert sich denn für deine Versager-Geschichten? Lass das lieber mal bleiben.

Also schlage ich erstmal die Bibel auf und versuche darin zu lesen.
Ich lese die Geschichte von Simson, einem außergewöhnlichen Typ, der krass von Gott beschenkt war, aber Mist gebaut hat und dessen Leben tragisch geendet hat.

Die Bibel ist voll von solchen Geschichten.
Menschen, die großes geleistet haben und dann an kleinen Dingen total gescheitert sind.
Holprige Versuche von Menschen die versucht haben Gott nachzufolgen.

Eigentlich ist es ermutigend, dass es solche Geschichten in die Bibel geschafft haben.

Wenn ich Gott wäre (ein erschreckender Gedanke!), dann hätte ich in meinem heiligen Buch vielleicht ein paar besonderes erleuchtete Menschen erwähnt. Vor allem hätte ich wohl versucht große Zusammenhänge zu erklären und nicht so viele Einzelschicksale erzählt.

Gott hat es anders gemacht.
Vielleicht weil wir an den Geschichten mit ganz normalen Menschen am besten sehen können wie er ist. Vielleicht weil uns ehrliche Geschichten am meisten berühren.

Und dann hat er mit Jesus die schönste Geschichte geschrieben - eine Geschichte voller Liebe und Barmherzigkeit, voll mit wunderbaren Begegnungen aber auch mit Leid, Schmerz, Erlösung und einem unerwartet guten Ende.

Dann hat er uns eingeladen Teil dieser Geschichte zu werden.

Manchmal sagen Leute: "Ich habe Jesus in mein Leben eingeladen." Das ist etwas besonderes.
Aber es ist etwas ganz großes, dass Jesus uns in sein Leben einlädt.

Wir dürfen Teil seiner Geschichte werden - einer Geschichte voller Liebe und Barmherzigkeit, voll mit wunderbaren Begegnungen aber auch mit Leid, Schmerz, Erlösung und einem unerwartet guten Ende.
Ich kann nicht behaupten, dass ich das wirklich verstanden habe.

An den meisten Tagen meines Lebens sehe ich nur meinen (oft sehr kümmerlichen) Teil der Geschichte. Und dann denke ich, dass es nichts besonderes ist und ganz bestimmt nichts was es Wert ist zu erzählen.

Aber dann flüstert mir Jesus zu:
Vertrau mir! Deine Geschichte wird wunderschön.
Du siehst nur dein Versagen - ich schreibe mit dir eine Geschichte über Gnade.
Du siehst deine Schwachheit - ich zeige etwas von meiner Stärke.
Du siehst deine Ungeduld - ich sehe, dass langsam in dir ein weiches Herz entsteht.
Du siehst die Not in dir und das Leid in der Welt - ich sehe die Erlösung und das gute Ende.
Du siehst einen verlorenen Tag - ich habe ihn in meinem Buch aufgeschrieben.
Er wird Teil unserer wunderschönen Geschichte."

Mein Lieblingsprediger Klaus Vollmer hat es so gesagt:
"Und wenn mir nichts gelingt, dann glaube ich ihm doch, dass er mich zum größten Segen macht."

Das will ich IHM auch glauben. 

Auch wenn es mir heute schwerfällt:

Meine Geschichte- so unscheinbar und gering sie mir heute vorkommt - wird wunderbar.

Sie wird ein Segen für die Welt.

Die Stellen, die ich am liebsten weglassen würde, sind vielleicht am Ende die besten.

Meine Geschichte ist erzählenswert.

Deine übrigens auch.



Entschuldigung an alle, die meine Posts abonnieren. Ihr bekommt 2 versch. Variationen von diesem Beitrag -die erste habe ich versehentlich gelöscht kurz nachdem ich sie veröffentlicht habe -ahhhhh - und dann nochmal geschrieben, in etwas veränderter Form. Die Technik macht mich fertig.

Donnerstag, 3. Juli 2014

"Wurfzimmer"

Neulich waren wir für zwei Tage bei Freunden zu Besuch.
Ihr Haus war wunderbar sauber und aufgeräumt. Ich hielt den wilden Sohn an meiner Hand, schaute auf die schön angeordnete Deko in den Regalen und auf den kleinen Tischchen und mir brach innerlich der Schweiß aus. 
 
Hier kommen die Zerstörer!
Mal schauen wie lange es dauert und wir mit unserem Chaos etwas kaputtmachen, umschmeissen oder irgendeine Flüssigkeit auf dem polierten Boden landet (nur für`s Protokoll: es dauerte nicht sehr lange!).

Nun sind meine Freunde überhaupt keine Leute bei denen man sich nicht wohlfühlt und beim gemeinsamen Essen, reden, lachen und spielen entspannte ich mich innerlich.

Trotzdem – wie ich abends in ihrem blank geputzten Badezimmer stand und an unser Chaosbad Zuhause dachte, wurde ich doch etwas deprimiert.
Warum schaffen wir es nicht besser Ordnung zu halten? Wir haben viel zu viel Zeug das wir dringend loswerden müssten, andere Leute haben alles besser auf den Reihe..mit diesen trüben Gedanken ging ich in`s Bett.

Am nächsten Morgen wachte der kleine Sohn früh auf und wollte einen Stock höher, zum Schlafzimmer der Freunde, um nachzuschauen warum sie zu dieser frühen Stunde noch nicht wach waren. Ich hechtete hinterher, doch wir hatten sie natürlich schon längst geweckt und unsere Gastgeber kamen uns im Treppenhaus entgegen. Trotzdem steuerte der Sohn zielstrebig das obere Stockwerk an.

Leicht panisch rief die Freundin: „NEIN! Da könnt ihr nicht hoch.“
Erschrocken blieb Samuel stehen.
Ich schaute auch etwas fragend wegen ihrer heftigen Reaktion. Vielleicht empfand sie ihr Schlafzimmer als zu privat - was ja auch völlig ok ist - oder sie hatte die (berechtigte!) Befürchtung, dass Samu ihr Bett als Trampolin benutzen könnte.
Aber sie meinte erklärend zu uns: „In`s Schlafzimmer haben wir alle Sachen reingeworfen die vor eurem Besuch im Haus rumlagen. Es sieht chaotisch aus, das solltet ihr besser nicht sehen!“
Oh! Und ich dachte bei euch ist es immer so sauber“, sagte ich erleichtert. „Oh nein, wenn du wüsstest...“, meinte die Freundin lachend.
Meine Freunde haben also auch ein "Wurfzimmer“!

"Wurfzimmer“ - so nennen wir unser Zimmer in dem es meistens chaotisch aussieht und in das wir alles reinwerfen können, bevor der Besuch kommt.

Aber es ist auch voll mit Dingen, die wir aussortieren sollten:
altes Zeug, das der Mann noch aufheben will (weil wir es vielleicht ja mal noch brauchen können!?), alte Akten und Bücher, die nicht mal mehr für einen Flohmarkt taugen, kaputte Gegenstände die wir irgendwann mal reparieren wollten, Spielzeug für Kleinkinder, das ist dringend verschenken will und hinter der Tür der Berg Glasabfall, der nie kleiner wird (obwohl wir ständig leere Flaschen abliefern).

Dumm ist, dass wir eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung haben und eigentlich kein Platz für ein ganzes "Wurfzimmer"!
Heio arbeitet in seinem neuen Job oft von Zuhause aus, und braucht dringend eine schöne Büroecke.
Samu erzählt uns jeden Tag, dass es größer wird und er sollte irgendwann in naher Zukunft mal ein Zimmer (oder wenigstens einen abgeteilten Raum) für sich haben.
Und ich hätte so gerne eine kleine Ecke in der meine kreativen Dinge ausbreiten und in Ruhe schreiben könnte.
Also genügend Bedarf um unser "Wurfzimmer“ aufzulösen. Aber es ist ein großes Stück Arbeit das wir da in Angriff nehmen müsste um dem Neuen, das gewachsen ist, entsprechend Raum zu geben.

Und ich müsste dann auch den Mut haben, in der gesamten Wohnung ein wenig mehr Chaos zu ertragen - ohne eine Raum zu haben, in dem man einfach kurz alles Durcheinander verstecken kann, wenn Besuch da ist.

Wenn ich so darüber schreibe, dann merke ich, dass es mir innerlich oft genauso geht.

Ich habe irgendwo in einer Ecke meines Herzens einen Ort, an dem ich mein Chaos, meine „schlechten Gefühle“ und meine Erschöpfung verstecken kann. Aber es sind auch alte Lügen und Gedankenmuster, die schon lange rausgeschmissen gehören, an denen ich noch festhalte. Da sind Kisten unter der Rubrik Freundschaften, Mama sein, Ehefrau, Kollegin...mit der Aufschrift: „Ich bin nicht gut genug“ angefüllt mit vielen Beweismitteln.
Ich würde sie so gerne mal aussortieren.

Ich könnte Platz machen, damit neues wachsen kann, aber es ist nicht einfach die Dinge in Angriff zu nehmen.

Neulich war ich auf einem Seelsorge-Wochenende und dabei habe ich ein wenig aufräumen und ausmisten können. Seither ist spürbar mehr Platz zum Leben in mir. Dafür bin ich so dankbar.

Und ich denke an den erleichterten Moment beim Entdecken, dass meine Freundin auch irgendwo ihr Chaos hat. Ich hoffe, dass ich lerne, mutiger zu sein - dass ich keinen Extra-Platz für mein Chaos und meine Schwächen brauche, sondern dass es da sein darf, mitten in meinem Leben und in meinen Begegnungen.

Vielleicht kann ich langsam vertrauen, dass ich geliebt bin, so wie ich bin.

Jesus sagt mir das immer wieder.

Und dann hilft er mir beim Aufräumen.



Und hier ein paar Beweisfotos aus unserem "Wurfzimmer". Ihr seht: es gibt einiges zu tun!