Donnerstag, 28. August 2025

Sommer-Allerlei (und eine Verlosung!)

Wir sind noch mitten in den Sommerferien und hier sind ein paar Dinge, die mich gerade bereichern und beschäftigen: 
 
Ein kaputtes Handy 
Auf dem Weg an den Bodensee ist es passiert: Mein Smartphone hat seinen Geist aufgegeben. (bzw. da es ein seelenloses technisches Gerät ist, das keinen Geist hat, ging es schlicht kaputt ;-)). Und das auf dem Weg zur Familienfreizeit! Ich hatte dieser Woche schon mit einiger Besorgnis entgegengesehen. Mit meiner Herkunftsfamilie waren wir auch schon ab und zu auf einer Freizeit und jedes Mal hat sich ein Gefühl über diese Tage gelegt, dass wir nicht dazu passen. Keine Ahnung woher das kam. Hätte doch eigentlich passen müssen. Nette Menschen. Christliches Umfeld. Trotzdem fühlten wir uns als Familie meistens so daneben, wie an dem Abend, als wir in Wanderkleidung beim Galadiner saßen, an dem alle anderen mit todschicken Klamotten aufgetaucht sind. Genauso daneben habe ich mich dann gefühlt, als wir am ersten Abend ganz alleine an unserem Tisch saßen, während sich alle anderen scheinbar - wie befürchtet! - kannten, oder mir ihrer Großfamilie angereist waren.
Oh, wie sehr habe ich mein Handy in den Anfangstagen vermisst! Wie gern hätte ich mein Herz bei meinen Freunden ausgeschüttet und eine tröstliche Nachricht zurückbekommen! Wie gern hätte ich ein bisschen Ablenkung aufgesogen, um meine innere Verlorenheit unter Menschen nicht so sehr zu spüren.  Mir fiel der Satz von Sarah Clarkson ein, den ich kürzlich erst gelesen habe: 
I wonder if at times my smartphone had become my replacement for the holy spirit, the ever-present-comforter I turned to in times of fear.
Ich frage mich ob mein Smartphone mein Ersatz geworden ist für den Heiligen Geist - mein ständig gegenwärtiger Tröster nach dem ich in meinen Zeiten der Not greife. 

DIeser "Ersatz" hat mir nun gefehlt und alles was ich tun konnte war, mein Herz Jesus hinzuhalten. Ich hatte das Gefühl, dass in diesen Tagen ein altes Pflaster von einer Wunde gerissen wurde (ohne Betäubung!) und ganz viel frische Luft drankam. Und die gekappte Handyverbindung wurde zur liebevollen Erinnerung: Die wichtigste Verbindung in meinem Leben ist die Verbindung zu Jesus. Er ist mein Zufluchtsort. Mein "Safe-Space". Bei ihm bin ich genau richtig. Mit ihm zusammen lerne ich, dass ich einfach da sein darf. Mensch unter Menschen. In meiner ganzen Verletzlichkeit und Bedürftigkeit. Der Satz, den der Bibelschullehrer Peter Reid uns am ersten Abend mitgab hat es so sehr für mich auf den Punkt gebracht:

Jesus wird dort Wirklichkeit, wo du ihn am meisten brauchst.

Und so lag über den - nicht ganz einfachen - Tagen seine liebevolle Nähe...



Unser Segensort - Danke ihr Lieben!





EIne herzliche Einladung 
Passend dazu landete in meinem Briefkasten ein Stapel Einladungskarten: Ein Wochenende im Februar auf dem Schönblick, das ich gemeinsam mit der wunderbaren Musikerin Christina Stöhr gestalten darf. Vielleicht geht es euch ja ein bisschen ähnlich wie mir und ihr fühlt euch in einer Gruppe, in der ihr niemand kennt, unsicher und leicht verloren. Dann bin ich schonmal nicht alleine ;-). Für mich ist dieses Wochenende auch ein Wagnis. Ich fühle mich gerade oft sehr armselig und zweifle daran, dass das was ich zu geben habe ausreichend ist. Aber vielleicht erleben wir (gerade deshalb?) an diesem Wochenende zusammen, wie Jesus uns zur Wirklichkeit wird. In Texten und Liedern. Am Lagerfeuer. Beim Spazierengehen. Beim gemeinsamen singen, essen, lachen und einfach zusammen da sein. Also, falls ihr Lust darauf habt: eine ganz herzliche Einladung!!!! Hier gibt es genauere Infos und die Möglichkeit sich anzumelden (leider nur für Frauen): 
 
 

 
Eine beeindruckende Entscheidung
In meiner handyfreie Zeit hat mein Mann beiläufig erwähnt, dass Samuel Koch sich vorerst von seinem Insta-Kanal verabschiedet hat  (mit über 70 Tsd. Followern!). Er schrieb dazu, dass er bemerkt hat, wie er in eine "Co-Abhängigkeit" gerutscht ist, die ihn in eine innere Unfreiheit gebracht hat. In seiner humorvollen Art meint er: 
Als Schauspieler ist der Rückzug aus den sozialen Medien heutzutage fast ein Genickbruch für die Arbeit. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich: Ein Genickbruch ist auch nicht immer zum Tode.
 Was für eine mutige Entscheidung - allen Einfluß einfach mal loszulassen, wenn man merkt, dass die Seele dabei schaden nimmt. Ich feier Dich, Samuel! (das Ganze könnt ihr auch hier nachlesen). 
 
Ein schönes neues Buch 
Und nochwas feiere ich in diesen Tagen: Das neue Buch von Carina Nill:
 
 
 
Der Titel kam von der Beobachtung wie ihre kleinen Kinder die Hände ins Marmeladenglas gesteckt und sie genüsslich abgeschleckt haben. Für Carina wurde das zum Bild, die kleinen Freuden des Alltags zu genießen -  mit einem inneren "All in"- das Gute aus den Tagen zu holen- wo immer es sich finden lässt! Genau das beschreibt sie dann ganz wunderbar ehrlich und humorvoll und so, dass man sie unbedingt zum Kaffee einladen möchte, um mit ihr weiterzureden. Und das habe ich dann auch getan. Schön war's liebe Carina! Und deinem Buch kann ich nur von Herzen ganz viele Leserinnen und Leser wünschen! (eignet sich auch richtig gut als schönes Geschenk für eine Freundin).  Hier gibt es zwei Exemplare zu Verlosung! Wenn ihr gern ein Buch bekommmen wollt - an eine deutsche Adresse - dann schreibt einfach bis Ende nächster Woche einen Kommentar unter diesen Beitrag (mit eurem Namen!). Vielleicht könnt ihr mir ja dabei verraten was euer Marmeladen-Moment dieses Sommers war?
 



 
Mein Sonnenblumen-Moment 
Ihr findet mich in diesen Tagen staunend im Garten. Aus einem kleine Samen ist, völlig unbemerkt von mir, eine Zwei-Meter-hohe-Sonnenblume gewachsen! Und sie wächst immer noch weiter. Ständig kommen neue Blüten dazu! Wow. Sie erinnert mich daran, die unscheinbaren Dinge und die kleinen Entscheidungen meines Lebens nicht zu verachten. Heute scheint uns manches vielleicht  kümmerlich wenig, aber wenn wir es in Gottes Hände legen - wer weiß, was daraus wachsen kann....
 

 

Dienstag, 22. Juli 2025

Der große Hunger

Wenn ich mich in diesen Tagen an meinen Schreibtisch setze, fällt es mir richtig schwer mich zu konzentrieren.  Das mag an meiner derzeitigen Müdigkeit liegen, aber auch an den Vogelnestern, die wir in den Hohlräumen unter unserem Dach beherbergen (ich sollte meinen Blog in "Die Spatzen auf dem Dach" umbennen  - das würde der Realität viel näher kommen!). Es fühlt sich so an als würde ich direkt unter einem Kindergarten wohnen.  Die frisch geschlüpften Spatzenkinder machen einen Riesenlärm! Vom frühen Morgen bis zum Abend rufen sie nach Nahrung. In einem schlauen Buch über Spatzen habe ich gelesen,  dass die Eltern in einer Brutsaison an den Nachwuchs ungefähr 20 000 Insekten verfüttern und ca. 400 mal am Tag das Nest mit Nahrung anfliegen! Unfassbar, oder? 
 
Foto Canva
 
Trotz der ständigen Versorgung hören die Kleinen nicht auf lautstark zu piepsen. Und ich kann sie gut verstehen. Weil ich mit einem ähnlich großen Hunger kämpfe.  Ich spüre ihn, wenn ich Abends eine Chipstüte aufreiße und durchs Internet scrolle. Er überfällt mich, wenn ich mein Mail-Fach öffne oder nach Rezensionen zu meinem neuen Buch schaue. Er kann richtig groß werden, wenn ich Urlaubsbilder von Freunden auf ihrem Status betrachte oder auch wenn ich die Wochenplanung mit meinem Mann mache. Dann werfe ich ihm vor, dass er die schönsten Dinge unternimmt während ich einfach "immer nur da bin". Alles in mir schreit: Es ist zu wenig! Mein Leben ist zu klein! Da muss doch mehr sein!
 
In dem wunderbaren Buch "reclaiming Quiet" schreibt die Autorin Sarah Clarkson:
We are all born hungry. So hungry. We don`t always remember this, but the broken world around us was never the one we were originally made for. 
 
Wir kommen alle hungrig auf diese Welt. So hungrig. Wir machen uns das nicht immer bewusst, aber diese zerbrochene Welt war nie die Welt, für die wir ursprünglich geschaffen wurden.  

Ich finde es nicht einfach mit diesem Hunger zu leben. Zwei Dinge helfen mir dabei. Einmal ist es schlicht das: Immer wieder neu Ja zu sagen, zu dem Leben das ich habe. Dass ich "einfach immer nur da bin" (was ja so auch nicht stimmt - ab und zu bin ich auch mal unterwegs - mindestens bis ins Nachbardorf :-)) Ich erinnere mich daran, dass ich nicht durch Erfolg oder am anderen Ende der Welt, mit der schönsten Urlaubsreise oder mit den außergewöhnlichen Dingen satt werde, sondern mitten in meinem begrenzten, ruhigen Leben. Es gibt ein Gedicht von Donald Hall, das ich auch in dem Buch von Sarah Clarkson entdeckt habe. Passenderweise heisst es Summerkitchen. Darin beobachtet der Dichter seine Frau, die in der Küche steht, auf das Vogelzwitschern hört, Knoblauch schält und nebenher an einem Glas Wein nippt. Die zwei letzten Zeilen lauten:

We ate, and talked and went to bed and slept.
It was a miracle.  
Diese Einfachheit berührt etwas in mir. An meinen ruhigsten und gewöhnlichsten Tagen kann ich die kleinen Dinge anschauen: Das Essen auf dem Tisch. Die Freundlichkeit der Verkäuferin. Das Rauschen der Bäume. Das warme Bett, in das ich falle...  mindestens 400 Mal am Tag wird mein Inneres mit ein wenig Futter angeflogen. Jeden Abend könnte ich  ein Gedicht daraus machen und "It was a mircale" darunter schreiben. Wenn mir dieser Blick auf meine Tage gelingt, (was nicht immer der Fall ist) dann kommt etwas in mir zur Ruhe und ich finde Frieden, in dem Leben das ich habe. 
Und das andere, das mir hilft ist: Ein Ja zu zu dem Hunger zu haben. Er gehört zu unserem Menschsein. Und es können heilige  Momente sein, wenn ich spüre, dass nichts auf dieser Welt mich vollständig und dauerhaft ganz und heil machen kann. Wenn meine Gebete zu einem geflüsterten "Komm bald wieder, Jesus!" werden. Unseren Hunger wahrzunehmen und ihn nicht ständig zu verdrängen ist eine heilige Aufgabe, schreibt Sarah Clarkson. Der Hunger hält etwas in uns wach. Eine Sehnsucht, die über diese Welt hinaus geht. Eine Vorfreude. Eine Ahnung....  Er beflügelt die Hoffnung und schenkt einen Glauben, der wie ein Vogel ist, der singt wenn die Nacht noch Dunkel ist. (RabindranathTagore) Womit wir wieder bei den Spatzen auf unserem Dach wären. Seit ich hier angefangen habe zu schreiben, haben sie unablässig gepiepst. Jetzt gerade sind sie  einen Moment ruhig. Auch das - dieses Ruhigwerden und für einen Moment so ganz zufrieden sein  -  erinnert mich an die Zukunft und die Hoffnung die ich habe.
One day. We`ll eat and drink. And we`ll be fully satisfied.
 
auf dem Hof von Freunden, zur letzten Lesung vor dem Sommer....

 
...ein Ort an dem ich jedes Mal etwas von dem "gestillt werden" erlebe. Danke euch!

Donnerstag, 10. Juli 2025

Was mein Leben reicher macht (und ein Sommersegen)

                                                                                                    Blogpost enthält unbeauftragte Werbung

Heute bin ich beim Lesen der aktuellen Joyce-Ausgabe auf die gute Frage gestoßen: "Was macht dein Leben gerade schön?" Das hat mich daran erinnert, dass ich hier eine zeitlang die Rubrik hatte "was mein Leben reicher macht." Ich dachte mir, dass ich darüber mal wieder schreiben könnte. Hier also die Dinge, die mein Leben gerade bereichern:

Kühlere Tage nach der Hitzewelle 
So sehr ich die langen warmen Sommerabende mag -  wenn es  tagsüber zu heiß wird (sprich an die 30 Grad) schaltet mein Körper alle überflüssigen Features ab (inklusive die Hirnleistung) und beschränkt sich auf lebenserhaltenden Funktionen. Atmen. Trinken. Essen. Atmen. Nachts schleppe ich meine Matraze in unseren kühlsten Raum und warte bis zum frühen Morgen, dass etwas kühlere Luft von draußen kommt. Es ist das schönste Geräusch wenn nach Tagen endlich der Regen fällt! Mit den Regentonnen im Garten füllt sich auch meine Energie wieder auf. Bis zur nächste Hitzewelle... Die Südländer machen es uns seit Jahren vor: zur heißesten Tageszeit sollte man - wenn irgend möglich! - alle Effektivität sein lassen und sich mit einem kühlen Getränk in den Schatten setzen oder ausgiebig Siesta halten!



Wiedergefundene Bücher am Abend
Wenn ich schlecht schlafe, dann brauche ich Lesestoff.  Leider finde ich in unserer Stadtbücherei, seit dort im Frühjahr alles renoviert und alle Regale umgestellt wurden, keine Bücher mehr. Deshalb stehe ich Abends vor meinem Bücherregal und suche nach meinen Lieblingsbüchern. Schon oft gelesen. Und immer wieder berühren sie mich neu. Zum Beispiel die Geschichte über Hannah Coulter, von Wendell Berry, die ich nun schon zum dritten Mal lese (leider nur auf Englisch erhältlich).  Jedes Mal muß ich dabei weinen, weil sie etwas tief in mir berührt, was ich gar nicht richtig fassen kann. Dann wecke ich Heio mitten in der Nacht und bitte ihn, nicht vor mir zu sterben. Eine Zusage die er mir in seiner nüchternen Art natürlich verweigert. Ich vermisse die Orte und die Menschen, die ich verloren habe und bin gleichzeitig so dankbar, für alles was mir geschenkt wurde. Mit Hannah Coultiers Worten:

Die Liebe, die wir in dieser Welt erleben, wächst nicht aus der dünnen Luft...wie wir selbst wächst sie aus der Erde. Sie hat einen Körper und einen Ort.  


 

 

Eine Festvorbereitung und ein wiedergefundenes Lied 
Ich sortiere Fotos für unsere 30-Jahre-Gemeindefeier im September. Unfassbar, dass es uns schon so lange gibt! Und wie viel in diesen Jahren geschehen ist. Gutes und auch Schweres. Und was sich alles verändert hat. Wie WIR uns verändert haben! Und dann - die Dinge die bleiben. Was Wert hat, auch noch nach 30 Jahren. Kindersegnungen. Taufen. Gottesmomente. Die Liebe, die wir geteilt und die zusammen erlebt haben. Hier, bei diesen Menschen, durfte ich wachsen und aufblühen. Hier - in aller Unperfektheit! - ist für mich die Liebe, die einen Körper und einen Ort bekommen hat. Hier ist auch die Hoffnung, dass unsere gemeinsame Geschichte noch nicht zu Ende ist. Wie ich in dem Buch über unsere Gemeinschaft geschrieben habe: 

Ich möchte am Ende meines Lebens mit vertrauten Menschen zurückschauen auf unsere Tage, als würden wir durch ein altes Haus gehen, das vielleicht die nächste Generation abreißen wird, um etwas Neues zu bauen. Aber wir haben unser Leben darin verbracht.  

Wie dankbar bin ich für Gottes Treue zu uns. Immer wieder geht mir seit Wochen eine Liedzeile durch den Kopf. Jetzt endlich habe ich das Lied dazu gefunden. Bestimmt ist es auch schon fast 30 Jahre alt. Aber es drückt so gut aus, was ich im Rückblick empfinde... 

 

This will be my story, this will be my song: 

You`ll always be my saviour and you`ll always have my heart. 

(Matt Redman, "befriended") 
 


 
Der immergrüne Nachbargarten
Bei meiner Spazierrunde staune ich jedes Mal über diesen Garten! Zu jeder Jahreszeit (außer im Winter) blüht er! Und das Erstaunliche: Ich habe noch nie jemand dort arbeiten sehen. Überhaupt sehe ich nie jemand aus diesem Haus kommen. Vielleicht, so stelle ich mir vor, wohnt darin eine alte Frau, die zeitlebends ihren Garten so angelegt hat, dass er jetzt - so ganz ohne ihr zutun - blüht. Sie kann nun einfach am Fenster sitzen und sich an dem Anblick freuen. Ich freue mich jedenfalls immer sehr darüber. Und hoffe, dass mein Leben ähnliches hervorbringt: Dass ich mich im Alter zurücklehnen kann, Siesta halten, und mich an allem freuen kann was gewachsen ist und vielleicht sogar immer wieder aufblüht. Das erinnert mich an Bibelstelle, in der von einem Baum geschrieben wird, der am Wasser gepflanzt ist. Tief unter der Erde, im Verborgenen, über viele Jahre - und vielleicht gerade durch Dürrezeiten -  hat sich ein Wurzelwerk gebildet, dass sich zum Wasser ausstreckt. Die Folge: seine Blätter verwelken nicht. Nicht mal in der größten Sommerhitze. Ein immergrüner Garten. Mit direkter Verbindung zur Quelle. 

 


Vorfreude auf die Urlaubszeit 
In diesem Jahr werden wir keine große Reise machen (wie im letzten Jahr), aber wir fahren ans Wasser - ans schwäbische Meer! Wir dürfen das Haus von Freunden am Bodensee "hüten" (was für ein Geschenk!) und ich freue mich schon auf die Zeit. Ich hoffe sehr auf Erfrischung.(auch mit einem, sagen wir mal, etwas weniger vorfreudigen Teenager im Gepäck ;-))  Da wir in Baden-Württemberg ja immer die Letzten sind, die Sommerferien haben, sind einige von euch bestimmt schon mitten im Urlaub. Deshalb an dieser Stelle:

 

Ein Sommersegen.

Sei gesegnet in diesem Sommer.

Sei gesegnet deine Hände ruhen zu lassen

und schattige Orte aufzusuchen, 

die dir Erfrischung schenken.

Sei gesegnet mit guten Worten und Geschichten, 

die wie Regen auf deinen Herzensboden fallen.

Sei gesegnet an deinen Tagen und in deinen Nächten, 

in der Vorfreude und im Vermissen. 

Vertraue ein wenig mehr darauf, 

dass Leben aus deinen Tiefen hervorbricht 

und alles zu Seiner Zeit wachsen wird.

Der treue Hirte führe dich zu frischen Wasser. 

Amen.



Freitag, 27. Juni 2025

In der Töpferwerkstatt

Wäre diese kleine Blogecke ein Wohnzimmer müsste ich jetzt - nach fast zwei Monaten Pause -  erstmal in den Regalen Staubwischen und kräftig durchlüften. Aber heute strahlt mir beim 'Fenster öffnen' die weiße Seite mit dem blinkenden Cursor frisch und einladend entgegen. Und überhaupt fühle ich mich nach den vielen Jahren hier ein bisschen wie bei alten Freunden: Wir machen einfach da weiter wo wir aufgehört haben. Und so öffne ich heute diesen kleinen Tante-Emma-Laden wieder mit frohem Herzen und sage: "Schön, dass ihr wieder da seid!" (Die Öffnungszeiten sind gerade sehr unregelmässig. Wenn ihr einen neuen Beitrag deshalb direkt ins Email-Fach bekommen wollt, damit ihr hier nicht umsonst vorbeischaut, dann schickt einfach eine kurze mail an: chris.f@freenet.de) 

Und hier steht tatsächlich etwas Neues im Regal!  Das Schöne beim Loslassen ist nämlich, dass man etwas Neues in die Hand nehmen kann. Und ich habe die Plastiktastatur gegen weichen Ton eingetauscht.  Der Wunsch danach kam ziemlich überraschend und unglaublich drängend über mich. Und schon war ich, gemeinsam mit einer Freundin, auf dem Weg zu einem Töpferseminar. Ich habe seit meiner Grundschulzeit nicht mehr getöpfert! Damals entstand ein leicht missratenener lila Elefant, den meine Eltern tapfer im Wohnzimmer aufgestellt haben. Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich mich - wenn überhaupt - erst im hohen Alter wieder mit dem Töpfern beschäftigen würde, weil das doch eher was für alte Menschen ist. Als ich dann die Überschrift von dem Artikel sah, der vor Ort in der Töpferwerkstatt hing, musste ich erstmal lachen: 

Ich war zur Abwechslung also mal so richtig im Trend! In England gibt es sogar eine richtig angesagte Show the great Poterry Throwdown in der Amateur-Töpfernde gegeneinander antreten (Schaut mal hier). Unsere kleine Gruppe trat - Gott sei Dank! - nicht gegeneinander an, sondern wir waren einfach zusammen da. Als wir am ersten Abend die Werkstatt der wunderbaren Künstlerin Hanna betraten (ihr Kommentar: "mein Hobby ist etwas eskaliert!") war für jeden ein Platz am Tisch vorbereitet.


Dann bekamen wir einen Klumpen Ton und ich musste erstmal lernen den Blick nicht nach rechts oder links zu richten, was die anderen damit machen, sondern einfach die Finger in das erdig, klebrige Material vor mir drücken und schauen, was dabei entstehen kann. Als wir uns am zweiten Tag einer Skulptur versuchten war Hannas hilfreicher Tipp: "Am besten nur was wegnehmen. Schaut was sich in dem Stück Ton versteckt hat!" Ich habe meinem Tonklumpen zugeflüstert:  "Wollen doch mal schauen was sich in dir verbirgt!" und war sehr froh, dass es kein lila Elefant war.


 

Und ich habe das Allerbeste an der Arbeit mit Ton entdeckt: Wenn etwas nicht so gut gelingt, kann man problemlos das Ganze nochmal umformen oder sogar ganz von vorne anfangen - mit demselben Material! Das hat auch schon Jeremia beobachtet, als ihn Gott dazu aufgefordert hat sich neben eine Töpferschiebe zu stellen: 

Wann immer das Gefäß misslang, begann der Töpfer von neuem und machte aus demselben Ton ein anderes Gefäß. (Jeremia 18,4 the message) 

Und das war plötzlich ein ganz anfassbarer Gedanke, als ich mit tonverschmierten Händen in der Werkstatt stand: Gott greift nicht frustriert nach einem neuen Stück Ton wenn etwas misslingt. Er formt nochmal neu. Er nimmt Überflüssiges weg. Er berührt uns, immer wieder neu. Er macht den Ton wieder weich, wenn er zu lange nicht in seiner Hand lag. Er bringt ganz langsam, das zum Vorschein, was sich tief in uns verbirgt und schafft in großer Schöpferfreude ein einzigartiges Kunstwerk, mit so vielen Fingerabdrücke seiner Liebe auf unserer Seele...
 
 "Ihr werdet merken, da ensteht etwas, zwischen dem Ton und euch!", sagte uns Hanna am Anfang. Und genau so war es. Nach jeder Pause waren wir wieder mit frohen Schritten  Richtung Werkstatt unterwegs, in freudiger Erwartung "unseren Ton" wieder in die Hand zu nehmen. 

 

"Ich bin gern bei Dir!" Diesen hellen Satz aus Gottes Herz goß Hanna am Ende über unsere kleine Grupe aus, wie die Glasur über ihre Gefäße. Ich hoffe dieser Satz hält und wird fest, im Brennofen des Alltags. In dieser Sommerzeit, die mein Material ziemlich angreift. Und inmitten der hitzigen Wutausbrüche eines 14-Jährigen, die nach unzähligen Neuanfängen verlangen. 

That's why he came. To make something out of the mess. To take the shattered fragments of our lives and shape them and turn them into something whole and beautiful.  (Eugene Peterson)
Dazu ist er gekommen: Um aus dem unfertigen und zerbrochenen Material unseres Lebens etwas Heiles und Schönes zu formen. (sinngemäß übersetzt)

 



(von Herzen Danke an die OJC für die Gastfreundschaft und vor allem: DANKE Hanna  - Du hast jedem von uns einen Platz geschenkt und uns so ermutigt! In deiner Nähe fällt es mir leichter zu glauben, dass Gott gern bei mir ist.💛)