Mittwoch, 28. Mai 2014

"Guerilla -gardening"




 Diese Woche bekam Heio Post.  Der Inhalt brachte ihn zum Lachen, mich hingegen versetzte er in leichte Panik.  Das Ordnungsamt schrieb uns folgendes:


 Zugegeben: Heios Gartenstück sieht ziemlich verwildert aus, aber es wachsen dort immer wunderbare Brombeeren, Sauerkirschen, Himbeeren und so manches Gemüse in dem kleinen Beet (das man auch als solches erkennen kann, wenn man genauer hinschaut!).
Irgendwie gefällt es mir auch, dass es so "natürlich" aussieht und ein bisschen verwunschen, wie ein geheimer Garten. Dumm ist nur, dass das Grundstück in einem Hinterhof in der Stadt Stuttgart liegt . Und von manchen Nachbarn wird misstrauisch beäugt, was der "Hippie -Mann" da so alles züchtet (und bisher war noch nichts dabei was wir geraucht hätten!).

Jetzt ist der Mann also ab und zu in der Wildnis unterwegs um wenigstens einen Zugang mit der Machete freizuhauen, damit der Ordnungshüter am 5. Juni sich einen Überblick über die Katastrophe verschaffen kann. 
Ich hoffe es gibt keine uns unbekannte EU- Richtlinie, nach denen wir den Garten bearbeiten müssen. In diesem Land ist es wirklich nicht einfach, keine Gesetze zu brechen.


Ich versuche NICHT herauszufinden welcher Nachbar uns da angezeigt hat - auch wenn ich einen starken Verdacht habe. 
Aber wir sollen ja unsere Feinde lieben, oder wie die Bibel sagt:
sie mit guten Taten überschütten, denn ....so wirst du feurige Kohlen auf seinem Haupt sammeln und du wirst ihn überwinden. Lass dich nicht vom Bösen besigen, sondern besiege das Böse durch das Gute. (Römer 12,20)
 Meine "Verdachtsperson" hat mich auch prompt um Hilfe gebeten. Ich werde sie die nächsten Wochen im Haushalt unterstützen, ich werde ihren Rasen mähen, ich werde sie segnen und Kohle auf ihrem Haupt sammeln. Danach wird sie mich und unseren Garten lieben:-).


Ich bin wirklich dankbar für unseren Garten und ich hoffe er wird uns nicht weggenommen  (bitte lieber Gott, mach den Mann vom Ordnungsamt blind oder großzügig -nur für einen kurzen Moment!).
Es ist einfach ein tolles Gefühl vor dem Mittagessen einen Salat zu ernten, ein paar Erdbeeren hinter dem Gebüsch zu entdecken und noch ein paar Ringelblumen zu pflücken die vor dem Komposthaufen blühen. Und in einem verwilderten Garten gibt es viel zu entdecken...die Leute mit den gepflegten Beeten wissen ja nicht was ihnen entgeht!






In diesem Sinne: einen Blumenstrauß auf das wilde, geheimnisvolle Leben, das es zu entdecken gibt.

Montag, 26. Mai 2014

Von Tyrannen und der Freundlichkeit

Der Wutanfall kam ganz plötzlich, kurz bevor wir an der Kasse waren.
Ich hatte den Wochenendeinkauf schon fast erledigt und der kleine Mann saß friedlich im Einkaufswagen, da entdeckte er ein GRÜNES Getränk! 
"HABEN!!!", ruft er verzweifelt und zeigt auf die gezuckerte, ungesunde Flüssignahrung. "Nein!", sage ich bestimmt und bin stolz so eine konsequente Mutter zu sein.
Ich schiebe den Wagen weiter. Aber ich habe die Leidenschaft und das Verlangen eines Dreijährigen unterschätzt. Er schreit, er tobt, er hängt mit dem Körper gefährlich in der Luft.
Ich versuche ruhig zu bleiben, lege meine Einkäufe auf``s Band und den Sohn auf den Boden daneben. 
Die wütenden Schreie und sein "Um-sich-schlagen" versuche ich verzweifelt zu ignorieren. In meinem Kopf rattert es: was tun? Was ist in dieser Situation das Richtige? Irgendwo ein Satz im Hintergrund aus irgendeinem Erziehungsbuch: "Das Kind aus der Situation rausnehmen". Aber ohne zu zahlen kann ich nicht gehen und den vollen Einkaufswagen will ich auch nicht stehen lassen. Also müssen wir da durch. Das Geschrei hält an bis wir im Auto sind. Mit rotem Gesicht drücke ich ihn, eine Spur zu heftig, in seinen Kindersitz.
WIr fahren los und siehe da - der kleine Mensch beruhigt sich augenblicklich. Ich bin fertig. Kindererziehung sah von außen immer so viel einfacher aus:-).

Nach dem letzten Kölner Tatort habe ich mir das Buch von M. Winterhoff: "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" in der KiTa-Bücherei ausgeliehen. 
Der Tatort handelte von gefühlskalten Jugendlichen die, einfach so zum Spaß, Menschen in der U-Bahn zusammenschlagen und den Eltern völlig entglitten sind.
Ich denke: Wir müssen dringend etwas tun, damit Samu nicht so wird und das Buch scheint mir das Richtige.
Bei Lesen fällt mir so vieles auf wo ich denke: Oh, genau so ist es! Ich bin ganz seiner Meinung. Und ich merke wie viel ich falsch mache. Wie gut, dass ich gerade noch rechtzeitig dieses Buch gelesen habe. Mein Kind wäre zum Tyrann geworden.

Dann sehe ich ein anderes Buch, das sich gut und interessant anhört, von Gerhard Bergman: "Warum unsere Kinder ein Glück sind". 
Ich entdecke den kleinen Aufkleber auf der Titelseite erst später: Eine Antwort auf das Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden". Hier lese ich nun fast das genaue Gegenteil von dem was Winterhoff behauptet. Und ich muss Herr Bergmann völlig zustimmen. Ich bin völlig seiner Meinung. Wie gut, dass ich dieses Buch noch gelesen habe. Welchen Schaden hätte ich sonst vielleicht bei Samu angerichtet.


Gestern bin ich völlig fertig aufgewacht. Samstag war ein anstrengender Tag, ich war bei einem Seelsorgeseminar und eigentlich wollte ich nur alleine im Bett liegen und ausruhen. 
Das habe ich meinem Mann so mitgeteilt, woraufhin er meinte: 
"Das ist völlig in Ordnung, bleib hier und ich gehe mit dem Kleinen in den Gottesdienst." Abgemacht.
Kurze Zeit später renne ich hektisch in`s Bad, vor den erstaunten Augen meines Mannes, und mache mich für den Gottesdienst fertig. Ich erkläre ihm ihm, dass es mir nicht gut tun wird hier zu bleiben und ich auf jeden Fall mitkommen werde.
Im Auto ist er dann etwas schweigsam. Auf mein Nachfragen was denn los ist antwortet er:
"Es ist anstrengend, dass du deine Meinung so schnell änderst. Ich weiß nicht was du eigentlich wirklich willst und brauchst." 
Meine hervorragende Antwort darauf war nur: "Heio, ich bin eine Frau! Ich kann meine Meinung sehr oft ändern."

Ich will meine Geschlechtsgenossinnen nicht beleidigen. Vielleicht ist es ja einfach nur mein Problem.
Wenn ich höre wie jemand über die Vorzüge des Landlebens redet, höre ich aufmerksam den Argumenten zu und denke: Ja, er hat recht. Und ich bin überzeugt davon, dass das Land der einzige Ort auf dieser Erde ist, an dem ich glücklich werden kann.
Kommt aber ein Freund vorbei, der die Vorzüge der Stadt preist und meint, dass er niemals auf dem Land leben könnte, dann kann ich ihm aus vollem Herzen zustimmen. Ich weiß es einfach, dass ich auf dem Land auf Dauer völig unglücklich wäre. 
So bin ich. Begeisterungsfähig, schnell zu überzeugen, hin und her gerissen und wankelmütig.

Deshalb ist das Lesen von Erziehungsbüchern vielleicht nicht so gut für mich. Ich schwanke von einem Extrem in`s andere und bin überzeugt, dass ich sowieso alles irgendwie falsch mache.

Aber es gibt ein paar Dinge bei denen schwanke ich nicht hin und her, von denen bin ich eigentlich immer überzeugt:

Liebe ist das Wichtigste.
Man kann nie genug ermutigt werden.
Schokolade ist manchmal eine gute, kurzfristige Lösung.
Deutschland ist eine Turniermannschaft (warum fällt mir das jetzt ein?!)
Die Wahrheit ist meistens ein Zusammenkommen von ganz verschiedenen Erkenntnissen.
Zähneputzen ist wichtig.
Wer sich verrückt machen will, ändert seine Meinung ständig.
Wer dazulernen will, muss bereit sein, seine Meinung zu ändern.
Man darf Fehler machen.
Es ist wichtig um Vergebung zu bitten und Vergebung anzunehmen.
Freundlichkeit ist völlig unterschätzt.
Auch die Freundlichkeit sich selbst gegenüber.

(vielleicht sollten wir doch auf`s Land ziehen...)

Montag, 12. Mai 2014

was in mir ist.

Heute ist Montag und ich starte so müde und erschöpft in diese Woche.
Eigentlich will ich einen fröhlichen, aufbauenden Blogeintrag für euch schreiben, ein paar nette Bilder posten...aber in mir fühlt es sich überhaupt nicht fröhlich und nett an. 
"Dann reiß dich zusammen, hör auf rumzujammern. Erinnere dich an alles Gute was dir gegeben wird, du hast soviel Grund dankbar zu sein", weist mich eine innere Stimme zurecht. Und ja, recht hat sie. Aber da ist noch eine Stimme, leiser, ruhig und und ganz freundlich. Sie sagt mir: "Ich weiß, du bist müde. Komm her zu mir- so wie du bist. Ich will dich erfrischen, ich will dir Ruhe geben für deine Seele." 

Es erinnert mich an eine "Malstunde" auf der Kur, im letzten Frühjahr. Wir sollten einfach ganz frei malen und uns ausdrücken und ich habe angefangen ein dunkles Meer zu malen, dunkelblau bis schwarz...ein wenig Mondschein vielleicht, der sich auf der Wasseroberfläche spiegelt, mehr sollte nicht sein.
Mein Blick ging zu den anderen Teilnehmern die neben mir malten. Sie griffen nach hellen Farben, hier entstand eine fröhliche Blumenwiese, da eine helle Landschaft, dort ein großer bunter Regenbogen...
Ich sah auf meine düstere Zeichung und hatte plötzlich das Gefühl: da ist was falsch. Um dem ganzen die düstere Stimmung zu nehmen, malte ich noch einen Sonnenuntergang an den Horizont. 
Die Kunsttherapeutin betrachtete am Ende das Bild mit mir. "Und, sind sie zufrieden?", fragte sie mich.
Ich schaute mein Bild an und sagte ehrlich: "Nein, es gefällt mir nicht. ich wollte es eigentlich anders machen, ich wollte die Nacht malen und habe mich umgeschaut und gedacht: es ist zu düster und dann habe ich die bunten Farben dazugenommen. Aber es passt nicht."
Ihre Antwort war ein Schlüsselsatz für mich, der mich seither begleitet:
"Sie haben das gemalt was, ihrer Meinung nach, in ihnen sein sollte und nicht das, was in ihnen ist."

Ich weiß, ich habe manchmal das Problem, dass ich in meinen düsteren Gedanken "versinken" kann. Das ist auch nicht gut.  Aber ganz oft ist es so, dass ich sie nicht anschauen mag und wegdrücken will und denke es ist irgendwie falsch was in mir ist. 
"Seid allezeit fröhlich, seid dankbar in allen Dingen..."- Sätze wie diese tauchen aus dem Zusammenhang gerissen in mir auf und drücken mir ungeduldig die farbigen Stife in die Hand um das Dunkel in mir zu übermalen und zu korrigieren.
Aber ganz langsam merke ich, dass Gott kein Künstler ist der mein Dunkel einfach schnell übertünchen will. Er arbeitet mit den Farben die in mir sind, er schafft ein Kunstwerk mit dem was da ist.
Vielleicht wirkt es im Moment etwas düster und grau, aber wenn ich einen Schritt zurücktrete um es zu betrachten - mein Dunkel und der warme Mondschein über dem Wasser...dann kann ich sagen: "Genau so ist es richtig."

Und ich versuche die drängende Stimme mehr zu ignorieren, die mir sagen will, dass etwas falsch ist, und höre auf das leise Flüstern das mir heute morgen gesagt hat: 
 "Ich weiß, du bist müde. Du hast die letzten Nächte so schlecht geschlafen, du hast tagsüber versucht zu funktionieren und eine gute Mutter zu sein, obwohl du am liebsten in den Wald gerannt wärst, um dich dort auf den Boden zu legen und zu schlafen.
Komm zu mir, so wie du bist. Du musst heute keine Hochleistung vollbringen, du musst nicht die Welt aus den Angeln heben. Fürchte dich nicht...nicht vor den Anforderungen dieser Woche und nicht vor dem Dunkel in dir. Ich bin da. Ich liebe Dich. Ich helfe Dir".
Diese Stimme meint es unendlich gut mit mir. Wenn ich ihr zuhöre breitet sich langsam Frieden in mir aus.

Mein gleisendes Mondlicht über dem Dunkel...wie froh bin ich, dass ich zu dir gehöre.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Einen Moment um zu feiern.

Ich sitze vor dem Computer und mir laufen die Tränen über`s Gesicht -  vor Freude!
Gerade habe ich eine mail von Johannas Mama bekommen: Das kleine Mädchen ist seit zwei Tagen zuhause!!!
Was für eine schwere Zeit liegt hinter der Familie. 
Wie haben wir alle zusammen um das Leben von Johanna gebangt, gehofft und gebetet. Und jetzt liegt sie friedlich daheim im Stubenwagen und strahlt ihre Schwester an.

Beim Abschied im Krankenhaus gab es auch Tränen - eine Krankenschwester auf der Intensivstation, die Johanna besonders in`s Herz geschlossen hat, weinte vor Erleichterung und der Arzt hatte beim Abschlussgespräch wohl auch immer wieder Tränen in den Augen. All das zeigt, in welcher Gefahr dieses kleine Leben war. 

Und jetzt? Ihre Mama schreibt:
"Johanna freut sich einfach zu leben. Sie weint kaum, ist oft nur dankbar geliebt und versorgt zu werden, ob sie nun mal eine Weile alleine in Stubenwagen liegen muss oder nicht, ist egal, sie schaut sich dann halt ihr Moblie an und freut sich am Leben."



Die Wegstrecke die vor ihr und der Familie liegt ist sicher nicht einfach. Es wird nochmal eine kleinere OP auf sie zukommen, die Organe müssen sich nun erholen, die Nahrung muss vertragen werden und und und.
Aber über dem allem ist heute einfach eine große Erleichterung und Dankbarkeit.

Mit diesem Blogeintrag will ich mit euch zusammen feierlich eine Kerze aufstellen, einen Moment ganz stillhalten und "Danke Gott" flüstern. Johanna lebt.


Und ganz herzliche Grüße von den Eltern von Johanna und sie danken allen von Euch die mitgebangt und mitgebetet haben. DANKE.