Samstag, 21. Dezember 2013

Ich habe Zeit.

Dieser tolle Zettel lag gestern nachmittag auf unserem Regal: "Lass es dir gutgehen", hat mein Lieblingsmann geschrieben und ist für einen langen Tag mit dem kleinen Sohn zur Schwiegermama verschwunden.

EINEN TAG (und eine Nacht!!!)  NUR FÜR MICH - WIE SCHÖN! 
Ich habe freie Zeit,  was für ein Luxus! 
Natürlich kamen mir auch gleich tausend Dinge die ich dringend erledigen sollte.
Aber ich habe gelernt: es gibt dringende Dinge in unserem Leben: die schreien und drängen sich nach vorne. Und dann gibt es wichtige Dinge im Leben: sie sind eher still und im Hintergrund da und ich will lernen sie nicht übersehen.
Also habe ich es versucht: ein bisschen was vom Dringenden erledigt ( z.B. Wohnung oberflächlich geputzt und eingekauft) und auch etwas vom Wichtigen: ausgeruht, geschlafen,spazieren gegangen, still gehalten und mit meinen privaten Jahresrückblick angefangen.
Ich lese am Ende des Jahres immer durch mein Tagebuch, über die Höhen und Tiefen, was ich in diesem Jahr erlebt habe,  was mir wichtig wurde, was ich lernen will...
"Erfahrung ist gedeutetes Erlebnis. Viele erleben viel, aber erfahren wenig weil sie sich nicht die Zeit nehmen zu deuten." Prof. Zimmer
Ich merke wie gut es mir tut die Zeit zu nehmen um über meine Erlebnisse nachzudenken (ob ich sie immer richtig deute  weiß ich nicht:-)).
Eines habe ich beim " Rückwärtslesen" jetzt schon bemerkt: 
Ich bin so unglaublich beschenkt!!! Und das schon vor Weihnachten!:-) 
Ich bin dankbar für so viele tolle Begegnungen - mit vertrauten Menschen und neu geschenkten Menschen.
Ich bin dankbar  für unsere kleine Familie (so viele müde und glückliche Momente!) und für meine große Familie (Jesusfreaks Stuttgart forever;-)). 
Ich bin dankbar, dass wir mit meiner Mutter Weihnachten feiern können und dass wir bewahrt wurden in so vielen Situationen (bemerkt und unbemerkt).
Ich bin so dankbar für Gottes unglaubliche Treue, jeden Tag in diesem Jahr.
Und ich bin von Herzen dankbar für diesen Blog, für das Schreiben und fotografieren das mir so viel Freude macht und für jeden einzelnen von euch, der sich die Zeit nimmt meine Gedanken zu lesen. DANKE. 

Wie reich ich bin! 
Lustigerweise kam gestern die Bonuskarte von Stuttgart - wir haben überhaupt nicht damit gerechnet - auch hier: DANKE Gott - featuring unsere Stadt Stuttgart.
Das heisst wohl auch: unser Gesamteinkommen ist immer noch etwas niedrig (wahrscheinlich an der oberen Untergrenze). Ich merke davon nicht viel - wirklich, ich finde wir sind so reich in so vieler Hinsicht (und auch finanziell geht es einigen unserer Freunde und sowieso den meisten Menschen auf der Welt viel, viel schlechter!).
 Wir haben vielleicht keine so große Wohnung und können uns nicht alles leisten (wer kann das schon!) - aber wir haben Zeit füreinander. Das ist ein großer Luxus.
Und ich hatte heute noch Zeit für einen kleinen Ausflug nach Ludwigsburg:




















Lieblingsbrezel
Lieblingsladen





















Ihr Lieben- ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest- mit euren Familien, Freunden, alleine- wo auch immer ihr seid. Auf jeden Fall könnt ihr mit dem Geburtstagskind zusammen sein und das ist doch das Beste:-)




Freitag, 13. Dezember 2013

oh du fröhliche....


Ich konnte es nicht lassen: ich wollte mit meinem Sohn einen Kurzbesuch auf dem Weihnachtsmarkt machen. Er soll ja merken, dass es eine besondere Zeit ist - und das nicht weil Mama und Papa den ganzen Tag hustend auf dem Sofa rumhängen.
Also, Antibiotika eingeworfen und ab zur U-Bahn.
Am Hauptbahnhof strömen uns schon die Massen entgegen:
Hektische Menschen mit Einkaufstüten an beiden Händen, glühweinselige Kollegengruppen, erschöpfte Mamas die ihre weinenden oder schlafenden Kinder im Wagen vor sich herschieben.
Wir stürzen uns in`s Getümmel, ganz klar mit dem Ziel: Dampfeisenbahn und die kleine Merklinwelt mit den vielen Zügen zum Beobachten.
Samu drängelt sich durch, findet einen Platz, ganz nah dran und steht und schaut und staunt. Das kann jetzt dauern.

Ich fange an die Leute zu beobachten.
Vor der Kindereisenbahn steht eine längere Schlange. Die Kinder warten begierig auf den Beginn  der Fahrt.
Eine Mutter drückt ihr Kind dem wartenden Opa im letzten Abteil auf den Schoß. Das Kind brüllt wie am Spieß. "Will nicht!!!!"  Der Opa schaut hilflos die Mutter winkt ab. "Doch, fahren! Das ist toll!" Das Kind hat keine Chance. Es schreit die ganze Fahrt, bis es endlich wieder in den Armen der Mutter landet. 
Am Karusell hinter uns höre ich ein Kinderschluchzen und die verzweifelte Stimme eines Vater: "Ich habe 5 Fahrten für dich gekauft, jetzt fährst du auch!!!"
Im Getümmel ging die Diskussion wieder unter. Ich fürchte das Kind musste fahren oder der Vater hat sich draufgesetzt - als Schwabe verschenkt man ja nichts! :-)   

Es gab natürlich auch leuchtende Kinderaugen und Begeisterung. 
Und ich will nicht ungerecht sein: die erwähnten Eltern haben es sicher gut gemeint und wollten ihren Kindern ein besonderes Erlebnis bieten.
Totzdem hat es mich nachdenklich gemacht. 
Gerade die Weihnachtszeit ist so voll von Vorstellungen (von uns selbst und von den "tollen" Werbebildern)  wie es sein sollte:
schön, fröhlich, harmonisch, Kinderlachen auf dem Karusell, warmer Kerzenschein, Schneeflocken, Schlitten und Kirchengeläut, Liebe, trautes Heim und Freude über Freude.
Aber für viele von uns ist es überhaupt nicht so. 
Manche fürchten den jährlichen Familienkrach, die teuren Geschenke die ein Loch in die Kasse reißen,den Stress ein tolles Essen zaubern zu müssen und andere fürchten die Einsamkeit und hoffen, dass diese Tage schnell vorbei gehen.

An Weihnachten fühle ich mich immer hin- und hergerissen: 
In mir ist der Wunsch ausreichend schöne Zeit mit unseren Familien zu haben, aber auch der Wunsch bei meinen Freunden zu sitzen die ich lieb habe und für die diese Tage einsam und schwer sind. Und dann würde ich an Weihnachten gerne etwas kleines, gutes für einen Menschen tun der nichts erwartet, weil das Leben ihn auf auf die Straße gestellt hat.
Und ich würde gerne bei all dem noch eine ganze Menge stiller, besinnlicher Momente haben.
Ein bisschen viele Wünsche für die paar Tage, ich weiß. Kein Wunder bin ich nach den Feiertagen oft fertig und depremiert.

Aber wenn ich mal alle meine Vorstellungen loslasse (kann ich natürlich nicht, aber nur theoretisch) und dann einmal ganz frei nachdenken könnte: was macht Weihnachten für mich wirklich aus?
Da tauchen vor mir die staunenden Augen meines Sohnes auf, der ganz still steht, inmitten des Trubels und sich von dem wunderbaren Anblick seiner geliebten Züge nicht losreissen kann.
 Ich glaube mit all dem Zauber und Glitzern was wir an Weihnachten veranstalten  haben wir eines verstanden:  an Weihnachten sollte man staunen!

(lebensnah-fotografie.de)
Aber staunen kommt meist auf leisen Sohlen. 
Es breitet sich aus, wenn man ihm genügend Raum gibt.
Wenn man stehenbleibt. Und noch ein wenig bleibt.
Und das Kind in der Krippe anschaut.
Vielleicht merkt, dass man sich dazu hinknien muss.
Einen Moment den Atem anhalten.
Im Weihnachtstrubel plötzlich gefunden werden.
Von einem Gott der Himmel und Hölle in Bewegung setzte
um bei mir zu sein.

Das, so glaube ich, ist das Herz von Weihnachten.
Und das ist für uns alle: für die gestressten Familien und für die, die entspannt zusammensitzen können. Für die Umschwärmten und für die Einsamen. Für die vom Leben Verwöhnten und die Gebeutelten. Für die Glaubenden und die Zweifelnden.
Für jeden von uns ist hier ein Platz.

Ich will jedenfalls versuchen mich durchzudrängeln, durch den ganzen Weihnachtstrubel meiner tollen Vorstellungen und Wünsche und meinen kleinen freien Platz suchen. Ich will an einem der kommenden Tage einen Moment still halten und warten, dass das Staunen mich ergreift. 
Dann hänge ich wenigstens nicht umsonst hustend auf dem Sofa rum:-).


              Euch allen wünsche ich ein wunderbares Adentswochenende !
                                                      Ihr seid ja so geliebt!!!



Montag, 9. Dezember 2013

Sister of mercy

Wir sind krank.

Samu hustet schon seit Wochen. 
Zusätzlich kam er am Freitag völlig durchnässt von der KiTa, dass ich mich frage, ob sie jetzt  "waterboarding" bei ihm durchführen um das Händeschütteln zu erzwingen (Spaß!!! es ist eine tolle KiTa!). 
Am Wochenende wurde ich dann richtig krank mit Verdacht auf Keuchhusten (ich dachte sowas bekommt man nur im Kleinkindalter!). 
Heio ist es auch seit ein paar Tagen schwindelig (!). "Trittbrettfahrer", war mein "barmherziger" Kommentar. 
Aber er sah doch etwas bleich aus und so gingen wir heute - zeitlich versetzt - zum Arzt.

Wir gehen in eine Praxis die von Vater und Tochter geführt wird, allerdings ist der Vater nur noch selten da.
Er ist (nach Heios Erzählungen) liebevoll, nimmt sich Zeit, nimmt einen Ernst und man geht mit dem Gefühl nach Hause verstanden worden zu sein. Und wirklich krank zu sein.
Ganz anders die Tochter. Sie ist von der robusten Sorte. 
Man kann sie mit ein bisschen Fieber und Husten nicht sehr beeindrucken. 
Wie ich gehört habe ist sie ab und zu mit "Ärzten ohne Grenzen" unterwegs. Da wundert es mich nicht wenn sie einen wehleidigen Mitteleuropäer nicht so ernst nimmt, nachdem sie vielleicht gerade aus einem Krisengebiet dieser Welt kommt.
Also, um es kurz zu machen: Ich war bei der Tochter (wie immer),  Heio bekam den Vater.
 Die Tochter schaute sich kurz meinen Zustand an, völlig unbeeindruckt, und verschrieb mir dann missmutig das Antibiotika.
"Und wenn es wirklich Keuchhusten ist?", frage ich. "Das werden sie dann schon merken", war ihre kurze Antwort bevor sie mich zur Tür führte. 
Alles klar. Ich brauch kein Mitleid. Wenn ich zum Arzt gehe freue ich mich über das Rezept wie ein Junkie. Die Tabletten sind stark und wirken. Gott sei Dank für Antibiotika!
 Mein Mann verabschiedete sich zum Arztbesuch: "Egal was passiert, ich habe Euch lieb!". Also wirklich. Kurze Zeit später kam er gebeugt und bleich zurück. 
"Eine Viruserkrankung", flüstert er. "Ich soll mich schonen und hinlegen". Mit diesen Worten verschwindet er im Schlafzimmer. Na toll. Der wer- ist- kränker- Battle ist eröffnet. 
Ein Huster aus dem Schlafzimmer wird mit einem Hustenanfall meinerseits aus dem Wohnzimmer quittiert. Heio gibt irgendwann auf und hilft das Abendessen vorzubereiten. Guter Mann!

Es ist schon krass wie mitleidend ich mit anderen Menschen sein kann und wie wenig Barmherzigkeit ich oft für die Menschen habe die mir am allernächsten sind (und oft bin ich am unbarmherzigsten mit mir selbst).
Ich weiß es ja: Schmerz ist nicht vergleichbar: was einer gut tragen kann, schmeisst einen anderen völlig um.

Wie froh bin ich, dass ich einen Gott habe, der ein guter Vater ist (und in dieser Hinsicht kein bisschen wie die Ärztetochter)!
Er kennt die Krisengebiete der Welt und sieht soviel Not. Und trotzdem - er nimmt mich ernst, egal wie klein oder groß mein Schmerz im Moment ist. Weil ich sein Kind bin und er mich liebt!
Wenn ich Samu anschaue dann weiß ich: egal wie klein sein Schmerz sein mag, wenn er leidet, berührt es mein Herz.
Unser Gott ist ein barmherziger Vater, dem ich jederzeit mein Herz ausschütten kann, der mich versteht und lieb hat. Das tröstet mich. 
Und ich hoffe ich kann ihm da ein bisschen ähnlicher werden.
In diesem Sinne: hoffentlich seid ihr gesund, falls nicht: seid umarmt! Ich leide mit Euch.




Samu beschäftigt sich sogar ein bisschen alleine. Ansonsten hat er einen tollen Babysitter:-)

Samstag, 30. November 2013

Politische Früherziehung!


Gestern sah der kleine Sohn unsere Bundeskanzlerin im Fernsehen und war ganz begeistert von ihrer grünen Jacke (Samu liebt grün!): 
„Grün! Grüüün!" und Freunde! Freunde!", rief er und zeigte aufgeregt auf die nette Dame in grünem Kostüm.
„Angela", sagte ich erklärend.
Heute sah er das obige Bild in der Zeitung. 
"Angela!", rief er freudig. Sogar ohne Kopf erkannt!
 Also wenn sie weiterhin öfters grün trägt, hat sie einen Wähler in 16 Jahre sicher...

 Wünsche Euch allen einen schönes und gesegnetes
1.Adventswochenende!


  Winterstimmung im Schwarzwald und staunen auf dem Schlossplatz:




 

Donnerstag, 14. November 2013

Schmerz lass nach!!!

Heio hat mir einen Gutschein für eine „Thai-Massage“ geschenkt. 
Das ist nichts sexuelles, wie ich mit Erleichterung feststellen konnte, sondern angeblich eine
„ganz entspannte Rückenmassage“, laut meinem Mann- dem Thailandexperten;-).
Also gut, trotz innerer Vorbehalte, ließ ich mich darauf ein (ich bin nicht so der Massagetyp!).
Heute also Samu schnell in der KiTa abgegeben und pünktlich zum Termin erschienen.
Entspannungsmusik empfing mich im Eingangsbereich, der Duft von ätherischen Ölen in der Luft, ich legte mich voller Vorfreude auf die Massageliege, bereit mich richtig zu entspannen.

Es verwirrte mich etwas, dass die Massage an den Füßen begann, aber wahrscheinlich gehört das zur thailändischen Rückenmassage, dachte ich mir.
Da durchzog mich ein stechender Schmerz - WHAT THE F****!!! Die Frau lief über mein Bein und dann den Rücken hinauf!!! Und es war keineswegs eine zierliche Thailänderin, sondern eine muskelbepackte asiatische Kampfmasseurin. Zuletzt hatte ich solche Schmerzen kurz vor Samus Geburt.

 Ich stöhnte schmerzerfüllt auf und es war mir total egal. Es knackte in meinem Rücken und ich sah es schon vor mir: gebrochene Rippen, eingeklemmte Nerven, Lähmungserscheinungen...Ich wollte gerade „aufhören!!!“ schreien, da stieg sie wieder von mir runter.
Jetzt fing sie an mit ihren muskulösen Händen meinen Rücken zu bearbeiten. Nun kommt also die „entspannte Rückenmassage“, dachte ich. 
Ich hatte aber jegliche Entspannung verloren. Die gute Frau saß auf mir und arbeitete sich tief in die Schmerzpunkte meines Rückens. Sie holte Schmerzen hervor an Stellen, die ich bisher noch nie gespürt hatte. Mein gesamter Rücken brannte. Ich dachte daran zu beten, für Thailand, für die Frau auf mir....
„Nicht kämpfen, loslassen!“ befahl sie. Das sagt mir Gott auf ganz oft, aber er rammt mir dabei nicht den Ellenbogen in den Rücken!!! Tränen brannten in meinen Augen. Ich bin eine verweichlichte Europäerin, ich sollte nicht zu Thailändern in Behandlung gehen, die sind doch ein viel härteres Leben gewohnt, so viel Leid und Schmerz was die schon erlebt haben müssen...ich versuche weiter zu beten. 
Dann endlich, nach einer kräftigen Gesichtsmassage und nach mehreren extremen Verrenkungen meines Oberkörpers war es vorbei.
Sie lachte!!! Wirklich! Sie lachte mich aus, glaube ich! „Müssen viel locker sein!“ sagte sie mir, „viel Schmerz!“
„Ja, viel Schmerz!“, sagte ich und musste dann doch auch lachen.
 „Es ist schwer, locker zu sein, wenn ich Angst haben muss, dass sie mir vielleicht wieder auf den Rücken steigen“, wagte ich anzumerken.
 „Jetzt 3 Tage vielleicht Muskelkater und Schmerz, dann besser!“, ermutigte sie mich, meine Bemerkung ignorierend.
Danke. Toll, dann bin ich also in 3 Tagen wieder schmerzfrei, so wie vor der Massage? 
Ich gebe ihr ein reichliches Trinkgeld. Es ist die Dankbarkeit, dass ich überlebt habe. Heimlich teste ich sämtliche Gelenke. Stelle erleichtert fest dass ich mich noch einigermassen bewegen kann. Nur die Fingerspitzen fühlen sich betäubt an. Das kann aber auch psychosomatisch sein.
„In 2 Wochen wiederkommen!“, befahl sie mir. „Ja“, sagte ich und ich hoffe, Gott verzeiht mir die Lüge. Ich konnte dieser Frau nicht wiedersprechen.  Sie kann bestimmt auch Kung-Fu!
Vor der Praxis klingelt mein Telefon. „Und, war`s schön?“, fragt der Mann.
„Erzähle ich dir zuhause“, sage ich mit drohender Stimme bevor mir das Hany aus den tauben Fingern fällt.

PS: schönen Gruß auch an die lieben Freunde für diesen tollen Tip! ;-) 




Samu hat es nach meinem Bericht gleich nachgespielt.
Und wenn er auf meinem Rücken hängt, tut es schon nicht mehr so weh!
 

Mittwoch, 6. November 2013

Unterwegs...

Vergangenes Wochenende war ich mit dem Zug unterwegs, nach Holland, zur Hochzeit einer Freundin.

Mein immer positiv denkender Mann (wenn es um öffentliche Verkehrsmittel geht!) meinte: „Na, freust du dich schon auf die entspannte Fahrt?“
„Mal schauen“, war meine eher skeptische Antwort. Meine bisherigen Bahnfahrten sind mir in keiner guter Erinnerung.

Bereits auf der Hinfahrt wurde klar, dass meine Sitzplatzreservierungen falsch ausgestellt waren (auf 1. Klasse) und ich somit erst mal auf Platzsuche gehen musste. Aber das war OK, sonst lief alles ganz gut.
Am fremden, dunklen Bahnhof wurde ich tatsächlich von Freunden der Braut abgeholt. Ich hatte sie vorher noch nie gesehen, als Erkennungszeichen hielten sie die Hochzeitseinladung hoch.

Die Trauung war dann sehr bewegend:
Meine Freundin gab ein „Bekenntnis“ ab, über ihre Beziehung. Sie sprach unter Tränen von ihrem Wunsch ihr Mann würde Jesus kennenlernen und von ihrer große Freude darüber, dass sie sich nun heute gemeinsam mit ihren zwei Kindern unter den Segen Gottes stellen wollen.
Dann folgte ein fröhliches Fest mit Bergen von Essen, Musik und Tanz.

Nach einer kurzen Nacht lag nun die Rückfahrt vor mir.
In Arnheim konnte ich mit größter Mühe noch einen kleinen Stehplatz im Gang ergattern.
Die Luft war stickig, mir wurde immer schlechter und ich hatte Angst die 2 Jungs, die mir gegenüberstanden, vollzukotzen.
Kurz vor Duisburg wurde ich von dem Gedanken etwas abgelenkt, weil die ältere Frau neben mir kollabierte.
Wieder bei Bewusstsein zeigte sie Herzinfarktsymptome.
Das Durchkommen zum Schaffner war unmöglich- ich war kurz davor, die Notbremse zu ziehen.Nach 1. Hilfe Maßnahmen meinerseits, dem endlich heran eilenden Schaffner und der Suche nach einem Arzt im Abteil, wurde der Notarzt gerufen.
Mit einiger Verspätung ging es nun weiter.
In Köln mussten dann alle Fahrgäste den Zug verlassen - aus technischen Gründen.
Endlich die Weiterfahrt nach Frankfurt und dann - wieder mit Verspätung die letzte Strecke nach Hause.
Meine Verzweiflungs-SMS an Heio wurde mit „WIR WARTEN AUF DICH AM BAHNHOF! FREUEN UNS SEHR!“ beantwortet. Was für ein Hoffnungsstrahl!!!
Die letzten Kilometer konnte ich dann sogar problemlos im Gang auf meiner Tasche sitzen (ein Luxus!), und zwar direkt vor dem Abteil „Kids on tour“(kein Luxus!).
Eigentlich wollte ich auf der Rückfahrt ein Buch weiterlesen.
Aber passend zu allem gab es nur eins: die Tote Hosen, GANZ LAUT.

Mit dröhnendem Kopf stieg ich am hell erleuchteten Heimatbahnhof aus.
Da standen meine zwei Männer und umarmten mich. Samu hat bei meinem Anblick: „GRÜN!GRÜN!GRÜN!“ geschrien.
Denke mal weil es seine Lieblingsfarbe ist (und hoffentlich nicht meine Gesichtsfarbe war) und er seiner Wiedersehensfreude damit Ausdruck geben konnte.

Die letzten Tage habe ich mich in Gedanken mit einer bevorstehenden Predigt befasst.
Ich dachte darüber nach, wie toll es ist zu wissen, dass am Ende unseres Lebens jemand auf uns wartet. 
Kein Fremder am dunklen Bahnhof, der die Hochzeitseinladung hochhält, damit wir ihn erkennen, sondern unser geliebter Freund und König wird mit offenen Armen auf uns warten.
Wahrscheinlich werde ich so etwas sinnloses wie „GRÜN!GRÜN! RÜN!“ rufen, wenn ich ihn sehe, aber das ist dann nicht wichtig.
Die Beschwerlichkeit der Reise wird im Rückblick kaum in`s Gewicht fallen, auch nicht für das schwerste Leben.
Ja, es werden noch liebevoll Tränen abgewischt - und dann werden segnende Hände auf uns gelegt, es wird ein Hochzeitsfest geben, Berge von Essen (hoffe ich), Musik und Tanz.

Helmut Thielecke schreibt:
Das ist das Wunder des Evangeliums: Nicht nur wir sind auf dem Weg.
Es kommt uns auch einer entgegen, der uns kennt.
Das letzte Geheimnis der Geschichte heißt:
Es gibt für uns alle eine Heimkehr, weil es eine Heimat gibt.




Montag, 28. Oktober 2013

Bilder des Lebens

Endlich haben wir eine Lösung gefunden damit Samu morgens nicht nur sein geliebtes "Ladebrot" isst:


Jaja, das Auge isst eben doch mit :-)

Und auch die Natur hat die letzten Tage einiges für`s Auge geboten.
Strahlende Herbsttage-
Farben die so leuchten, dass man sie kaum mit der Kamera einfangen kann.

Beim Hochladen der Bilder musste ich darüber nachdenken, dass ich wirklich und  auf gar keinen Fall, einen " look-at-my-beatiful-life-blog" machen will. 
Aber es ist eben doch so, dass man die schönsten Momente festhält (und in diesem Fall, waren die Momente tatsächlich noch schöner und strahlender wie auf den Fotos).

Die anderen Momente gab es auch in den letzten Tagen.
Ganz ohne Strahlen,einfach nur der Alltagstrott.  
Da nehme ich die Kamera nicht zur Hand:
Der tägliche Anblick der unordentliche Wohnung, wegen der ich oft genug genervt, ungeduldig und unfair zu Heio bin.
Die dunklen Momente, wenn ich "dicke-Wand-Gebete" losschicke mit dem Gefühl in einer bestimmten Sache bei Gott einfach nicht durchzukommen.
Schmerzhafte Stunden, wenn die Sch...Migränetabletten nicht wirken.
Beschämende Momente, wenn mich mein Versagen überwältigt.
Frustrierende Situationen, wenn die Kollegen bei der Arbeit jemand suchen der einspringt und ich NEIN sagen muss. 
Wenn ich immer wieder zu Leuten NEIN sagen muss, weil ich immer noch so wenig Kraft habe.
Und der Schreckensmoment am Telefon zu hören, dass meine Mutter im Krankenhaus ist... und der Erleichterung zu erleben, dass es nicht der befürchtete Schlaganfall war.

Alles das gehört auch zu den Bildern der Woche.
Alles das gehört zum Leben.  

Manchmal erliegen wir vielleicht der Täuschung, dass andere Leben sorglos und schön und beneidenswert sind. Aber wir sehen eben nicht alle Bilder.
Licht wirft immer auch Schatten.
Licht und Dunkel- es gehört auf geheimnisvolle Weise zusammen. 

Ich möchte lernen  beides anzunehmen.
Das Gute und das Strahlen will ich dankbar wahrnehmen und mich daran freuen.
Das Dunkel will ich mutiger anschauen und anschauen lassen.
Ich ahne, dass hier verborgene Schätze liegen, die uns zu wahren Mitmenschen und Weggefährten machen.







 

 

Montag, 21. Oktober 2013

4 Jahre!




4Jahre sind wir jetzt verheiratet.
4 Jahre mit krassen Hochs und Tiefs.
 Der Tod unserer Väter und die Geburt von Samu. 
Irgendwo habe ich mal gehört, dass die Dinge die unsere Herzen am tiefsten berühren und erschüttern Schönheit und Schmerz sind.
Und manchmal liegt beides so nahe beieinander. Abschied und Neubeginn. 
 
Und dann sind da die vielen gewöhnlichen Tage und Stunden, die so eine Ehe ausmachen.
Zusammen reden, lachen, weinen,streiten, versöhnen, beten, schlafen, aufwachen, Frühstücken-meistens steht für mich der Kaffee schon bereit- was für ein Mann! Er weiß, wie ich ohne Kaffee morgens sein kann.
Ach ja, ich kann so eine nörgelnde Ehefrau sein, das hätte ich wirklich nicht gedacht.
 Die Ehe hat mich auf den Boden geholt und sämtliche Illusionen zerstört, die ich über mich hatte. 
Ich habe gelernt mich zuzumuten, so wie ich bin. Davor hatte ich am meisten Angst, vor 4 Jahren.
Und ich habe erlebt, dass ich geliebt werde, trotz allem- genau so wie ich bin.
Das ist ein großes Glück. Dafür bin ich sehr dankbar.
 Mein Lieblingsmann hat mich zu einem Frühstück im "Weinberghaus" in Fellbach eingeladen.
Schön war`s!!!





 ...und endlich haben wir auch ein Haus gefunden, das wir uns leisten können!:-)




Samstag, 19. Oktober 2013

Erfolg


Die letzten zwei Wochenenden habe ich gearbeitet. 
Eigentlich sind es im Monat gerade mal 3 Tage, die ich zur Zeit bei den Kindern im Ganzjahresheim verbringe.Fast alle sind schwerst mehrfachbehinderte, ganz besondere Kinder. Viele von ihnen kenne ich schon seit über 10 Jahre.  
Bei den meisten hat sich in diesem Zeitraum nicht viel geändert. Sie haben weder das Einmaleins oder Lesen an der Schule gelernt und sie können auch nicht reden. Sie haben leider auch keine ersten Schritte gemacht, sondern sitzen nach wie vor in ihren, jetzt etwas größeren, Rollstühlen.
Erfolg muss man bei dieser Arbeit ganz neu schreiben lernen. 

Erfolg ist bei vielen dieser tollen Kindern, wenn sie weiterhin das aufrechterhalten, was da ist. Wenn der Eine weiterhin ein wenig essen kann ohne dabei Schluckbeschwerden und damit einhergehende Lungenentzündungen zu bekommen, 
wenn bei einem anderen der Hirndruck nicht ansteigt und das autoagressive Verhalten nicht stärker wird. 
Erfolg ist es , wenn das schwache Sehen durch tägliche Sehförderung erhalten bleibt. 
Erfolg ist es, wenn die Gelenke beweglich bleiben und sich die Sehnen nicht schmerzhaft durch Fehlhaltungen verkürzen. Und es ist auch ein Erfolg wenn sie dann etwas kleines dazulernen, oft ganz unerwartet. 

Diese Kinder lehren mich, dass es ausreichend sein kann einfach DA zu sein, in aller Schwachheit und Begrenzung und dass das schon ein Grund zu feiern ist. 

Ich fahre mit einem Kind im Rolli über die Königsstraße, und allen die sich trauen es anzuschauen sagt es:
,Seht mich an! Ich passe vielleicht nicht in euer Schönheitsideal und trage nicht die coolsten Klamotten. Ich werde meinen Eltern keine tollen Noten vorzeigen können und sie können sich nie mit meiner außergewöhnlichen Karriere brüsten. Ich bin nicht „Hauptsache gesund“, aber ich bin da, ich lebe und ich bin über kleine Dinge glücklich die ihr schon gar nicht mehr wahrnehmen könnt."

Ich frage mich wie es wäre, wenn wir in unseren Gemeinden etwas mehr von diesem Blick auf Erfolg haben würden? 

Wenn Erfolgsstorys im Glauben nicht nur aus „schneller, höher, weiter“ bestehen würden und nur der ein „Zeugnis“ mitzuteilen hat, der krasse Veränderung erlebt.
Wie wäre es wenn wir ein bisschen mehr das feiern würden, was einfach DA ist?
Wenn wir das erhalten von den kleinen, unscheinbaren Dingen mehr wahrnehmen würden-so etwas wie ein weiches Herz bewahren und nicht bitter werden, oder Gottes Liebe glauben, auch wenn es sich meistens überhaupt nicht so anfühlt. Sind es nicht genau diese Dinge, die Gott als groß ansieht?

Wie sieht es aus in unseren Gemeinden?
 Wer sieht die Leistung derer die Glauben halten, durch alltägliche, stürmische und heftige Zeiten hindurch? 
Wer schmeißt eine Party für Leute die trotz ständigem Zweifeln und „Gott-nicht-hören-können“ dabei bleiben, und nicht aufgeben? 
Wer schreibt ein Buch über all die Helden, die seit Jahren ihre schwierige Vergangenheit aufarbeiten, viele Therapie- und Seelsorgestunden ohne die großen Durchbrüche, aber Schritt für Schritt weitermachen, jeden Tag? 
Wer nimmt den täglichen Kampf derer war, die gegen ihre Süchte kämpfen, fallen, aufstehen, kämpfen, fallen, immer wieder aufstehen und trotzdem wieder fallen?
Sie sind Da, einfach DA, oft am Rande und etwas still in unseren Gemeinden und gehen nicht weg. 

Vielleicht sollten wir sie in unsere Mitte holen. 

Sie können uns etwas lehren über wahre Erfolge im Reich Gottes, über Schwachsein , über Stärke und über Gnade.

Ich habe das Vorrecht einige dieser Menschen zu kennen.Ich bin Stolz darauf. 

Ihr seid meine Helden, ihr gebt trotz allem nicht auf und ich hoffe ich kann dabei sein wenn Jesus am Ende eures Lebens euch anstrahlt und sagt: 

„Gut gemacht, mein treuer Knecht. Du hast Glauben gehalten!“

Sonntag, 8. September 2013

Das Wichtigste...

....ist nicht zu vergessen was das Wichtigste ist!

Ich bin ein Mensch der Stille braucht. Mir tut sie einfach gut. 
Manchen fällt es schwer längere Zeit mal alleine zu sein und tanken auf wenn sie unter Menschen sind. Ich tanke auf, wenn ich alleine bin - und bin dann wieder gerne unter Menschen. 
Ich brauche die Stille und Zeiten zum Reflektieren wie ich die Luft zum Atmen brauche. Und wenn ich sie mir nicht nehme, dann bin ich unzufrieden, gehetzt (mein allerliebster Mann kann davon ein Lied singen!), mache zu vieles und oft nicht das, was wirklich wichtig ist.

Vor längerer Zeit habe ich mir einmal vorgenommen, mindestens einmal im Jahr für ein paar Tage alleine weg zu fahren. Der Ort, an den ich meistens fahre heisst – passenderweise – Betberg. Er liegt mitten in den Weinbergen bei Freiburg.
In den letzten 2 Jahren hat es aus einem bestimmten Grund nicht geklappt dorthin zu kommen: ich habe einen kleinen Verfolger und ich bin schon froh wenn ich alleine auf`s Klo gehen kann.
Jetzt aber habe ich es geschafft. Zwei Tage ganz alleine, nur für mich. Zeit zum hinhören auf das, was in mir ist und auf meinen besten Freund. Manchmal erlebe ich, dass Gott diese Zeit nimmt, um mir vieles zu zeigen und zu erklären, und manchmal geniesse ich einfach nur die Stille und dass Er da ist und mich liebt.
Es ist auf jeden Fall immer eine tolle Zeit.

Auch dieses Mal war es gut. Ich war zwar sehr müde-eigentlich ist das eine Sache die mir klar wurde:wie müde und erschöpft ich immer noch bin. Am liebsten hätte ich die Tage durchgeschlafen. Aber vor lauter Müdigkeit konnte ich kaum schlafen (klingt nicht wirklich logisch, ist aber so).
Aber vor allem habe ich wieder neu entdeckt was wirklich wichtig ist und was gerade für mich dran und möglich ist und eben auch was gerade nicht möglich ist.

Es tat gut durch die Weinberge zu spazieren.
Bisher war ich meistens im Winter da und war erstaunt darüber wie sehr die Weinstöcke da zurück geschnitten werden.

 Einer der Arbeiter hat es mir so erklärt:
 „Wir lassen nur ein oder 2 kleine Äste übrig(oder heißt es Augen?), damit die Kraft und Energie der Pflanze sich dorthin konzentrieren kann. Alles überflüssige wird abgeschnitten.“ 
Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal die Weinernte erlebt. Die, in meiner Erinnerung, so karge und beschnittene Weinstöcke, hingen nun voller süßer Weintrauben.Ein tolles Bild.

Vielleicht ist es bei uns Menschen ja ähnlich. 
In manchen Jahreszeiten bleiben nur ein paar wenige Dinge übrig, in die man Kraft geben kann.  Manches muss weniger werden, manches muss man loslassen, sich von manchen Vorstellungen verabschieden. Das wird vielleicht erstmal ein bisschen schwerfallen, auch weil es dann so karg und wenig erfolgversprechend aussieht.
Aber die Jahreszeit wird kommen in der man erlebt, dass der Fokus auf das Wesentliche, letztendlich gut und wichtig war: dann, wenn die fetten Früchte sichtbar werden! 
Wie cool wird das sein...