Donnerstag, 28. April 2022
Auf das, was war! Und das, was kommt!
Donnerstag, 14. April 2022
Rundwege an Ostern
Es ist Donnerstag vor Ostern. Das Brot fürs heutige Abendmahl habe ich gerade in den Ofen geschoben. Morgen werden wir dann, wie in den letzten Jahren, zu dem kleinen Wäldchen ganz in der Nähe laufen und drei kleine Kreuze aus Zweigen aufstellen, daneben ein Moosgrab vor das wir einen Stein legen.
Am Nachmittag machen wir uns dann, wie in jedem Jahr, mit unseren Weggefährten auf den Weg zum Birkenkopf, um dort an dem großen Kreuz, das zwischen denTrümmern des zweiten Weltkriegs steht, an den Gott zu denken, der uns so sehr liebt, dass er für uns gestorben ist.
Am Samstag werde ich Kuchen backen und Blumen einkaufen und mich mit meinen liebsten Menschen streiten und versöhnen - wie in jedem Jahr.
Wenn dann der Ostersonntag endlich da ist werden wir ganz früh ins Wäldchen laufen und den Stein vor dem Moosgrab wegnehmen, ein schiefes Halleluja singen - und alle Vögel und Hasen damit erschrecken - und auf dem Rückweg "Der Herr ist auferstanden" auf die Straße malen.
Dann nehmen wir Kuchen und Blumen und Festgirlanden und machen uns auf den Weg zum Osterbrunch in unsere Gemeinde. Die Kinder werden wie immer wie wild um die Tafel rennen während wir einander Kaffee einschenken und alles Gute genießen was wir zusammengetragen haben. Und dann hören wir wieder die vertraute Geschichte von einem leeren Grab. Von einer unerwarteten Wendung. Vom glücklichen Lachen nach schweren Tagen.
Mittwoch, 6. April 2022
Das Dunkel aushalten
Unser Glaube hat in sich das Wissen um den ganzen Dreck der Welt. Er hat einen Schrecken. So wie diese Welt. Und dann erst kommt die frohe Botschaft.
Es sind noch ein paar Tage bis Ostern.
Nehmen wir uns Zeit.
Gehen wir durch die düsteren Räume der Geschichte.
Gethsemane.Golgatha.
Die Kämpfe. Die Einsamkeit. Der Schmerz.
Halten wir in diesen Tagen das Dunkel zusammen aus.
Dann erst kommt die frohe Botschaft.
Donnerstag, 31. März 2022
Wieder mal nur Krümel!
"Was hat der kleine Junge Jesus gegeben, als er fünftausend Leuten zu essen geben musste?"
"Sein Mittagessen."...
"Meinst du es wäre schlau von dem Jungen gewesen, bei seinem nächsten Zusammentreffen mit Jesus mehrere LKW-Ladungen mit Brot und Fischen dabei zu haben, damit Jesus sich nicht die Mühe machen musste ein Wunder zu tun?...Alles was du je zu bieten hattest waren die paar Brote und Fische, die du bist. Es war fast nichts als du angefangen hast, und ohne ein Wunder reicht es hinten und vorne nicht, aber es ist immer noch alles was ich will. Sei der du bist, liebe mich und tu, was ich dir sage. Das ist alles."
Also will ich weiterhin vor Jesus mein Taschen ausleeren. Ich will ihm bringen was ich heute habe. Auch wenn ich dabei ständig über meine eigenen Füße stolpere. Es ist wie Dietrich Bonhoeffer geschrieben hat: Aus dem Unmöglichen heraus wird die Welt erneuert. Dass Gott aus allem "unmöglichen" meines Lebens einen Segen machen kann - dieses Wunder will ich ihm - gegen alle Zweifel in mir! - immer wieder glauben.
Und hier geben auch ein paar Leute, was sie haben (und ich lege ein paar ganz kleine Krümel dazu):
Im Moment sieht's mal wieder so aus, als reicht es nicht (Heio sucht noch verzweifelt ein paar römische Soldaten!), aber Jesus wird am Ende wohl wieder mal ganz entspannt damit sein Ding machen. Falls du in der Nähe von Stuttgart wohnst und das miterleben möchtest und vielleicht noch jemand dazu einladen willst, der Hunger hat: Es sind noch ein paar Krümel Karten übrig! (hier kannst du buchen).
Mittwoch, 23. März 2022
Gleichzeitig
Am Wochenende hatten wir unser jährliches Joyce-Redaktionstreffen. Leider konnte es auch dieses Jahr nur online stattfinden. Aber diese zwei tollen Frauen, Sonja und Tine, kamen ganz in echt bei mir vorbei und wir haben - neben Sonjas unfassbar guten Cupcakes! - den gemeinsamen Gedankenaustausch mit allen genossen.
Donnerstag, 17. März 2022
Von Sauerstoffmasken in der Wüste und dem Leuchten, das die Welt braucht
Das war eine merkwürdige Stimmung, in den letzten Tagen: Der Himmel war gelblich rot und am frühen Nachmittag mussten wir schon die Lampen in der Wohnung anschalten, weil es draußen so düster wurde. Und beim Abendspaziergang staunte ich über den Saharastaub, der die Autos in Wüstenfahrzeuge verwandelt hat . Ich war heute mit unserem Auto in der Waschanlage, weil ich kaum mehr durchs Fenster sehen konnte. Ich fürchte es war zu früh! Die Wüste weht weiter in unsere Richtung...
Passend zur Umgebung bereite ich gerade die Predigt für Sonntag vor: Elia, in der Wüste. Ein müder, ausgebrannter Prophet, der über seine Kraft gegangen ist und am liebsten sterben würde. Und Gott schickt ihm einen Engel, der Wasser und frisch gebackenes Ciabatti bringt und ihn in Ruhe schlafen lässt, bevor er ihn noch einmal weckt, zum zweiten Frühstück, mit den Worten:
»Steh auf, Elia, und iss! Sonst schaffst du den langen Weg nicht, der vor dir liegt.« (1.Könige19,7)
Demut meint den Mut zur Wahrheit, den Mut hinabzusteigen in die Realität unseres Leibes und unserer Seele, in die Realität unserer psychischen Konstitution.
Auch ungelebtes LebenGeht zu Ende.Zwar vielleicht langsamerWie eine BatterieIn einer TaschenlampeDie keiner benutztAber das hilft nicht viel:Wenn man(sagen wir einmal)diese TaschenlampeNach soundsovielen JahrenAnknipsen willKommt kein Atemzug Licht mehr herausUnd wenn du sie aufmachstFindest du nur deine KnochenUnd falls du Pech hastAuch diese schon ganz zerfressen.Da hättest duGenauso gutLeuchten können.
(Erich Fried)
Dienstag, 8. März 2022
Mein wahrer Satz
Vor kurzem hat meine Freundin Veronika einen Blogartikel geschrieben unter der Überschrift: Ein wahrer Satz. Sie schreibt darüber, wie schwer es manchmal ist, Sätze zu schreiben die nicht zurechtformuliert und gezähmt wurden, sondern die einfach wahr sind. Das hat mich (und viele andere Leser) sehr angesprochen. Wenn man öffentlich schreibt, dann ist es schon so, dass man manches filtert und aussortiert und das ist - zumindest in meinem Fall - oft auch ganz gut so! Aber letztlich kann es passieren, dass beim ganzen Aussortieren etwas Wahres und Wirkliches verlorengeht. Und ich glaube es tut unserer Seele gut, wenn wir Orte haben an denen wir ungefiltert und unsortiert reden und schreiben können. Ersteres nenne ich beten und für letzteres habe ich mein Tagebuch. Und seit kurzem habe ich noch dieses kleines Buch in das ich jeden Tag einen Satz schreibe.
Ich will euch meinen Satz von heute schreiben (auch wenn es mir ein bisschen schwerfällt):
So wenig emotionale Kraft. Hab Samuel vor Wut (bei Hausaufgabenverweigung) geschüttelt und auf den Po geschlagen. Scheitere beim Mamasein, wie bei allem anderen auch. Dankbar für Gnade und lange Spaziergänge zum Runterkommen und für ein Kind das vergeben kann.
Und auch wenn sich das nach schön formulierten Sätzen anhört - sie kommen direkt aus meinem Herz: Was bin ich dankbar, dass ich in diesen Tagen den Karren nicht aus dem Dreck ziehen muss! Was bin ich dankbar für andere Helfer, die scheinbar viel besser wissen wo man anpacken muss! Und wie dankbar bin ich, dass wir einen Hirten um Hilfe bitten können, der das nötige schwere Gerät mitbringt! Der wirklich helfen kann. Bei den Krisen der Welt und denen in unseren Wohnzimmern. Oft sind es nicht die großen Hau-Ruck-Aktionen, bei denen das Problem ein für alle Mal beseitigt wird. Leider. So ein Schaufelbagger, der ungebremst Richtung Kreml fährt, hätte schon was! (andererseits bin ich froh, dass er nicht ungebremst in unser Wohnzimmer fährt;-)) Aber er sammelt seine Menschenkindern. Er kümmert sich um Verletzte und fängt Verlorene ein. Diejenigen die vor Angst flüchten und alle die sich auf offener Wiese verlaufen. Die nicht mehr wissen wo ihnen der Kopf steht. Die mit ihren Kindern die Geduld verlieren. Er gießt Gnade über die Wunden. Und Hoffnung ins Herz. Lass dich tragen, flüstert er. Lass dich tragen. Ich bin da. Ich behalte den Überblick. Fürchte dich nicht. Und dann sagt er noch: Ich hab dich lieb. So wie du bist. Ganz ungefiltert und unsortiert." Und ich hoffe und will es auch glauben: Das ist ein zutiefst wahrer Satz.



