Dienstag, 10. Februar 2026

Die ganze Welt- eine Einladung!

Kennt ihr das, wenn Begegnungen und Erlebnisse in uns nachwirken? So geht es mir nach diesem Wochenende. Unter dem Motto "ich bin dann mal da!" durften Christina Stöhr und ich zu einem Seminar  auf den Schönblick einladen. 

 


Was für mich im Rückblick so richtig aufleuchtet (neben den guten Begegnungen miteinander!), sind die anfassbaren,echten Momente, die wir gemeinsam erlebt haben:

Als wir mit warmer Teetasse in den Händen, ums Lagerfeuer standen und beobachtet haben, wie die Funken sprühten, während Christina Abendlieder sang.


Als wir still durch das kleine Wäldchen hinter dem Haus spazierten und zwischen den hohen Tannen standen, um unser Gesicht in die Sonne zu halten.

Als sich unsere Finger mit Uhu und Wachs verklebten, während wir kleine Kunstwerke auf Postkarten und Kerzen gestaltet haben.


 

Als unser Gebet nur eine ruhige Geste war - Hände, die wir zu einer Schale formten, um sie Gott entgegenzuhalten.

(Foto: Canva)

 

Als wir eingeschenkt bekamen, bis zum Überfließen (Wasser zu Wein :-)), als unser  Haupt mit Öl gesalbt wurde und wir etwas von seiner Liebe spürten, die uns immer, mit offenen Armen, willkommen heißt!


 

Ich fürchte mein Glaube findet viel zu oft im Kopf statt! Ich höre Podcasts und Predigten, schreibe Geschichten hinter verglasten Fenstern und stecke meinen Kopf am liebsten zwischen zwei Buchseiten.  Aber die ganze Welt ist eine liebevolle Einladung Gottes. "Komm und sieh!". Hier ist es wieder, mein Jahreswort:  Siehe. Schau hin. Schmecke. Berühre. Ertaste. Auch wenn unsere Welt erlösungsbedürfig ist (und vielleicht gerade deshalb!): überall sind die Fingerabdrücke seiner Gegenwart zu entdecken!  


 

Vielleicht fühlen sich viele unter uns so fern von Gott, weil wir so viel Zeit damit verbringen hinter Mauern zu sitzen und auf die künstlichen Welten eines Displays zu schauen, während Er in den ganz anfassbaren Dingen auf uns wartet. Vielleicht schließen wir zu oft die Augen, wenn Gott uns bittet, sie weit zu öffnen. Vielleicht sind zu viele Denker und zu wenig Dichter auf unseren Kanzeln. Die wunderbare Lyrikerin Emily Dickinson schrieb

Das einzige Gebot,das ich immer gehalten habe ist: Betrachte die Lilien auf dem Feld.   

Ach ja, dieses Gebot will ich auch befolgen. Jeden Tag! Ich will die Blumen auf dem Feld betrachten und die Vögel am Himmel. Jeden Abend versammelt sich hier am Waldrand eine große Gruppe von Krähen, um gemeinsam zu ihrem Schlafplatz zu fliegen. (das habe ich ganz alleine herausgefunden - ohne Google!-  und ich bin sehr stolz darauf :-)) Und während ich unter ihren Flügelschlägen einen Schritt vor den anderen setze, macht sich mein Inneres auf den Weg nach Hause. Dorthin wo wir immer voller Liebe erwartet werden. Nicht theoretisch. Sondern ganz in echt. 

Als wir am Wochenende gemeinsam auf dem weichen Waldboden standen, hätte ich am liebsten die Schuhe ausgezogen, weil ich plötzlich gespürt habe: Wir stehen in einer Kathedrale. Gott ist gegenwärtig. 




Dienstag, 20. Januar 2026

Will ich gemocht werden oder wähle ich die Freiheit?

So, die Überschrift zum Beitrag steht schonmal. Eine recht einfache Frage. Großmäulig würde ich sofort sagen: Klar will ich in Freiheit leben! Jesus hat schließlich sehr teuer dafür bezahlt. Warum sollte ich mich von der Menschfurcht versklaven lassen? Und doch merke ich, dass es mir so schwerfällt, Dinge klar anzusprechen, wenn sich Konflikte in meinem Alltag auftun. Also was die Menschen außerhalb meiner Familie betrifft (schon interessant wie unbekümmert konfliktfreudig ich bei den Menschen bin, die ich so von Herzen liebhabe). 
Ein Nachbarschaftskonflikt ist mal wieder am Schwelen. Und das, wo es doch gerade so schön harmonisch war! Am liebsten würde ich vermeidend den Kopf einziehen und weglaufen. Das mache ich auch. Ich laufe. Weite Rundwege über unsere Felder. Ich laufe mir den ganzen Frust von der Seele. Da ist vor allem der Ärger über mich selbst. Warum kann ich denn nicht anders sein? Warum fällt es mir so schwer, Dinge klar anzusprechen? Mein Vater hatte damit überhaupt keine Probleme. Leider hat meine große Schwester seine ganze Klarheit und Konfliktfreudigkeit abbekommen. Für mich blieb nur noch die freundliche Vermeidungsstrategie meiner Muttter übrig.  So ein Mist. Dummerweise habe ich das Gefühl, dass ich mit dieser Strategie immer nur im Kreis laufe. Ständig kommen ich wieder an den Situationen vorbei, die ich doch vermeiden wollte! (all die harmonieliebenden Menschen unter euch werden an dieser Stelle seufzend nicken).  Und das seit über 50 Jahren! Mir ist echt schwindelig und ich habe keine Lust mehr darauf. Frustriert sage ich zu Jesus: "Ich würde ja gern anders sein, aber ich kann es nicht!" Und plötzlich meine ich dass er mir zulächelt und sagt: Doch mein Kind, du kannst das! Du hast meinen Geist in dir - und glaub mir: Da schlummert einiges an Klarheit und Konfliktfreude in dir. Da ist ein Weg in die Freiheit für dich. Wir müssen uns vielleicht erstmal gemeinsam ein wenig durchs matschige Unterholz schlagen, aber dann wird es besser. Vertrau mir.  
Also hole ich tief Luft. Ich greife nach der Hand von Jesus. Ich besorge mir einen Termin bei meiner Seelsorgerin. Ich ziehe wasserdichtes Schuhwerk an. Ich mache mich bereit, die geteerten Rundwege zu verlassen und die matschigeren Wege einzuschlagen. Auch wenn es mir wirklich Angst machen, weil ich nicht weiß was da so alles im Unterholz lauert und wo ich am Ende landen werde. Aber so ist das wohl mit neuen Wegen. Und bei allem Neuen was ich mir in diesem Jahr zu sehen erhoffe - vielleicht ist ja an dem Kalenderspruch was dran: Alle neuen Wege beginnen IN DIR. Noch besser gefällt mir was der Naturphilosph John Muir schrieb: 

Of all the paths in life you take, make sure a few of them are dirt.  

Von allem Wegen, die wir in unserem Leben wählen - ein paar unbequeme und matschige müssen auch dabei sein (das geht an den Freund mit den weißen Turnschuhen:-)). Ich vermute sogar, wir werden nicht drumrumkommen, wenn Gott uns in ein neues Land führt. Für uns alle, denen diese Wege so schwerfallen wie mir, diese mutmachenden Worte von Gott an den (wohl auch etwas ängstlichen) Josua - vor seinen ersten Schritten auf Neuland: 

Sei stark und mutig. Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.  (Josua 1,9)

Und während ich (in einer kleinen Schreibpause) draußen meinen gewohnten Rundweg verlassen habe, habe ich gemerkt, dass der Boden gefroren ist! Es scheint eine sehr geeignete Zeit zu sein, um durch den Matsch zu laufen...

 

Das ist das passende Schuhwerk, das mir Sarah Brendel vor kurzem geschenkt hat. Es sind seit langem meine ersten wasserdichten Schuhe! Sarah ist liebevoll und sehr klar. Vielleicht kann sie das auf so unbekümmerte Weise, weil sie die Menschen so von Herzen liebhat. Erstaunlicherweise passen mir ihre Schuhe wie angegossen. Und so begleitet sie mich ein bisschen auf meinen neuen Wegen. Ich bin sehr dankbar für meine mutige Schwester(n). 

 



Donnerstag, 8. Januar 2026

Siehe! Willkommen 2026

So, jetzt wird es Zeit mal wieder die Blogecke hier abzustauben und mit Schwung ins neue Jahr zu starten. Auch wenn ich mir noch müde die Augen reibe - durch die Ritzen unserer Rolläden glitzert es morgens hell und es zieht mich nach draußen. Denn endlich, endlich haben wir mal wieder richtig Winter! Am liebsten würde ich den Schlitten einpacken und in den Schwarzwald fahren, aber hier gibt es auch etwas ganz besonderes: die zugefrorenen Seen! Punktgenau hat mein Mann ein paar gebrauchte Schlittschuhe für mich gefunden. Die ersten Schritte auf dem Eis waren noch ein bisschen unsicher, aber ich habe festgestellt: mit dem Schlittschuhlaufen ist es wie mit dem Fahrradfahren. Es mag mit den Jahren vorsichtiger und wackliger werde - aber man verlernt es nicht.  Ich bin in der Nähe einer Eisbahn aufgewachsen. Fast jeden Winter hatten meine Schwester und ich eine Dauerkarte und liefen ins Unterdorf, die baummelnden Schlittschuhe über den Schultern auf dem Weg zur Halle. Eislaufen auf einem See kam in unserer Welt nicht vor. Das klang spannend und gefährlich und ich kannte niemand in unserem Dorf, der so etwas tat. Und jetzt gleite ich über einen See!!! Ein paar Väter haben mit Schneeschippen die Wege gebahnt, über die ihre Kinder nun fahren können. Und ich. Lachend rufe ich ihnen meinen Dank zu, während ich immer weiter hinausfahre. Über mir der freie Himmel. Unter mir das Wasser, in dem wir im Sommer baden. Ich fahre mit weit geöffneten Augen und bekomme dabei das Strahlen nicht aus dem Gesicht...
 
 

 
 

 
 

 
Gestern hätte ich eigentlich viel zu erledigen gehabt, aber das Wetter war so herrlich und ich bin am Nachmittag wieder mit unseren Freunden zum See gefahren. Während ich dann nach dem Schlittschuhlaufen punschtrinkend mit der Freundin am Ufer stand, fragte sie mich nach meinem Jahreswort. Wie jedes Jahr suche ich nach einem Wort, das mich an der Hand nimmt und durchs Jahr begleitet. Ich hatte gehofft es auf meinen Stillen Tagen auf dem Betberg zu finden. Da hat vorsichtig die Freude angeklopft. Aber nach ein paar sehr schlaflosen Nächte schien sie wieder ganz versickert. Und dann habe ich über Livestream die MEHR-Konferenz ein wenig mitverfolgt. Das hat mir so viel Mut gemacht fürs neue Jahr! Ich spüre eine tiefere Freude, die auch die schlaflosen Nächte überdauert. Eine Vorfreude, auf das was Gott wohl vorhat...  
 

 
Siehe, ich mache alles neu! Das ist die Jahreslosung der christlichen Kirchen für 2026. Es klingt so, als hätte unser wunderbarer Gott Lust darauf, uns etwas Neues erleben zu lassen. Etwas, mit dem wir vielleicht gar nicht mehr gerechnet haben. Was uns so wild und wunderbar vorkommt, wie mir als Kind, das Gleiten über einen zugefrorenen See.  Vielleicht bereitet der Vater gerade einen Weg vor. Himmlische Schneeschaufeln legen glitzernde Schichten frei. Und Gott lockt uns nach draußen. Er zeigt auf die alten Schlittschuhe und sagt: Pack die mal ein. Und dann laufen wir los. In dieses neue Jahr. Mit den hüpfenden Kufen überm Herz. Und fragen uns wo es hingeht. Wir lassen die sicheren Hallen zurück, in denen wir lange genug unsere Runden gedreht haben. Wir gehen an der Hand des Vaters. Den Hügeln  entgegen. Und wir hören Gott flüstern: SIEHE!
 
Im hebräischen taucht in der Bibel bei SIEHE ganz oft dieses Wort auf: Hineni. Man kann es auch mit: Hier bin ich übersetzen. Der Rabbiner Jehuda Teichtal schreibt: Hineni ist der mächtigste Ausdruck der jüdischen Sprache für menschliche Aufmerksamkeit. Mir gefällt das Wort so gut - ich habe es mir letzten Sommer auf mein Handgelenkt tätowiert (auch etwas was ich nie gedacht hätte, dass ich das in meinem Alter noch machen würde ;-)). 
 

 
Bisher sah ich auf meinem Handgelenk vor allem das: Hier bin ich! Und jetzt leuchtet das Siehe!  Es ist das Wort, von dem ich mich in diesem Jahr an der Hand nehmen lassen will. Ich glaube Gott ist auf dem Weg etwas Neues zu tun. Dafür will ich die Augen offen halten. Ich will genau hinschauen. Ich will seine Spuren wahrnehmen und dann voller Freude rufen: Schau mal! Hier! Hineni.  
 
Und dann schnüren wir zusammen unsere Schuhe und laufen strahlend übers Wasser.
 
Gott mit uns im neuen Jahr!  
 
 

 
 
  

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st der mächtigste Ausdruck in der hebräischen Sprache für menschliche Aufmerksamkeit
Und es ist der mächtigste Ausdruck in der hebräischen Sprache für menschliche Aufmerksamkeit