So, jetzt wird es Zeit mal wieder die Blogecke hier abzustauben und mit Schwung ins neue Jahr zu starten. Auch wenn ich mir noch müde die Augen reibe - durch die Ritzen unserer Rolläden glitzert es morgens hell und es zieht mich nach draußen. Denn endlich, endlich haben wir mal wieder richtig Winter! Am liebsten würde ich den Schlitten einpacken und in den Schwarzwald fahren, aber hier gibt es auch etwas ganz besonderes: die zugefrorenen Seen! Punktgenau hat mein Mann ein paar gebrauchte Schlittschuhe für mich gefunden. Die ersten Schritte auf dem Eis waren noch ein bisschen unsicher, aber ich habe festgestellt: mit dem Schlittschuhlaufen ist es wie mit dem Fahrradfahren. Es mag mit den Jahren vorsichtiger und wackliger werde - aber man verlernt es nicht. Ich bin in der Nähe einer Eisbahn aufgewachsen. Fast jeden Winter hatten meine Schwester und ich eine Dauerkarte und liefen ins Unterdorf, die baummelnden Schlittschuhe über den Schultern auf dem Weg zur Halle. Eislaufen auf einem See kam in unserer Welt nicht vor. Das klang spannend und gefährlich und ich kannte niemand in unserem Dorf, der so etwas tat. Und jetzt gleite ich über einen See!!! Ein paar Väter haben mit Schneeschippen die Wege gebahnt, über die ihre Kinder nun fahren können. Und ich. Lachend rufe ich ihnen meinen Dank zu, während ich immer weiter hinausfahre. Über mir der freie Himmel. Unter mir das Wasser, in dem wir im Sommer baden. Ich fahre mit weit geöffneten Augen und bekomme dabei das Strahlen nicht aus dem Gesicht...
Gestern hätte ich eigentlich viel zu erledigen gehabt, aber das Wetter war so herrlich und ich bin am Nachmittag wieder mit unseren Freunden zum See gefahren. Während ich dann nach dem Schlittschuhlaufen punschtrinkend mit der Freundin am Ufer stand, fragte sie mich nach meinem Jahreswort. Wie jedes Jahr suche ich nach einem Wort, das mich an der Hand nimmt und durchs Jahr begleitet. Ich hatte gehofft es auf meinen Stillen Tagen auf dem Betberg zu finden. Da hat vorsichtig die Freude angeklopft. Aber nach ein paar sehr schlaflosen Nächte schien sie wieder ganz versickert. Und dann habe ich über Livestream die MEHR-Konferenz ein wenig mitverfolgt. Das hat mir so viel Mut gemacht fürs neue Jahr! Ich spüre eine tiefere Freude, die auch die schlaflosen Nächte überdauert. Eine Vorfreude, auf das was Gott wohl vorhat...
Siehe, ich mache alles neu! Das ist die Jahreslosung der christlichen Kirchen für 2026. Es klingt so, als hätte unser wunderbarer Gott Lust darauf, uns etwas Neues erleben zu lassen. Etwas, mit dem wir vielleicht gar nicht mehr gerechnet haben. Was uns so wild und wunderbar vorkommt, wie mir als Kind, das Gleiten über einen zugefrorenen See. Vielleicht bereitet der Vater gerade einen Weg vor. Himmlische Schneeschaufeln legen glitzernde Schichten frei. Und Gott lockt uns nach draußen. Er zeigt auf die alten Schlittschuhe und sagt: Pack die mal ein. Und dann laufen wir los. In dieses neue Jahr. Mit den hüpfenden Kufen überm Herz. Und fragen uns wo es hingeht. Wir lassen die sicheren Hallen zurück, in denen wir lange genug unsere Runden gedreht haben. Wir gehen an der Hand des Vaters. Den Hügeln entgegen. Und wir hören Gott flüstern: SIEHE!
Im hebräischen taucht in der Bibel bei SIEHE ganz oft dieses Wort auf: Hineni. Man kann es auch mit: Hier bin ich übersetzen. Der Rabbiner Jehuda Teichtal schreibt: Hineni ist der mächtigste Ausdruck der jüdischen Sprache für menschliche Aufmerksamkeit. Mir gefällt das Wort so gut - ich habe es mir letzten Sommer auf mein Handgelenkt tätowiert (auch etwas was ich nie gedacht hätte, dass ich das in meinem Alter noch machen würde ;-)).
Bisher sah ich auf meinem Handgelenk vor allem das: Hier bin ich! Und jetzt leuchtet das Siehe! Es ist das Wort, von dem ich mich in diesem Jahr an der Hand nehmen lassen will. Ich glaube Gott ist auf dem Weg etwas Neues zu tun. Dafür will ich die Augen offen halten. Ich will genau hinschauen. Ich will seine Spuren wahrnehmen und dann voller Freude rufen: Schau mal! Hier! Hineni.
Und dann schnüren wir zusammen unsere Schuhe und laufen strahlend übers Wasser.
Gott mit uns im neuen Jahr!
st der mächtigste Ausdruck in der hebräischen Sprache für menschliche AufmerksamkeitHin
st der mächtigste Ausdruck in der hebräischen Sprache für menschliche Aufmerksamkeit
Und es ist der mächtigste Ausdruck in der hebräischen Sprache für menschliche Aufmerksamkeit






