Dienstag, 20. Januar 2026

Will ich gemocht werden, oder wähle ich die Freiheit?

So, die Überschrift zum Beitrag steht schonmal. Eine recht einfache Frage. Großmäulig würde ich sofort sagen: Klar will ich in Freiheit leben! Jesus hat schließlich sehr teuer dafür bezahlt. Warum sollte ich mich von der Menschfurcht versklaven lassen? Und doch merke ich, dass es mir so schwerfällt, Dinge klar anzusprechen, wenn sich Konflikte in meinem Alltag auftun. Also was die Menschen außerhalb meiner Familie betrifft (schon interessant wie unbekümmert konfliktfreudig ich bei den Menschen bin, die ich so von Herzen liebhabe). 
Ein Nachbarschaftskonflikt ist mal wieder am Schwelen. Und das, wo es doch gerade so schön harmonisch war! Am liebsten würde ich vermeidend den Kopf einziehen und weglaufen. Das mache ich auch. Ich laufe. Weite Rundwege über unsere Felder. Ich laufe mir den ganzen Frust von der Seele. Da ist vor allem der Ärger über mich selbst. Warum kann ich denn nicht anders sein? Warum fällt es mir so schwer, Dinge klar anzusprechen? Mein Vater hatte damit überhaupt keine Probleme. Leider hat meine große Schwester seine ganze Klarheit und Konfliktfreudigkeit abbekommen. Für mich blieb nur noch die freundliche Vermeidungsstrategie meiner Muttter übrig.  So ein Mist. Dummerweise habe ich das Gefühl, dass ich mit dieser Strategie immer nur im Kreis laufe. Ständig kommen ich wieder an den Situationen vorbei, die ich doch vermeiden wollte! (all die harmonieliebenden Menschen unter euch werden an dieser Stelle seufzend nicken).  Und das seit über 50 Jahren! Mir ist echt schwindelig und ich habe keine Lust mehr darauf. Frustriert sage ich zu Jesus: "Ich würde ja gern anders sein, aber ich kann es nicht!" Und plötzlich meine ich dass er mir zulächelt und sagt: Doch mein Kind, du kannst das! Du hast meinen Geist in dir - und glaub mir: Da schlummert einiges an Klarheit und Konfliktfreude in dir. Da ist ein Weg in die Freiheit für dich. Wir müssen uns vielleicht erstmal gemeinsam ein wenig durchs matschige Unterholz schlagen, aber dann wird es besser. Vertrau mir.  
Also hole ich tief Luft. Ich greife nach der Hand von Jesus. Ich besorge mir einen Termin bei meiner Seelsorgerin. Ich ziehe wasserdichtes Schuhwerk an. Ich mache mich bereit, die geteerten Rundwege zu verlassen und die matschigeren Wege einzuschlagen. Auch wenn es mir wirklich Angst machen, weil ich nicht weiß was da so alles im Unterholz lauert und wo ich am Ende landen werde. Aber so ist das wohl mit neuen Wegen. Und bei allem Neuen was ich mir in diesem Jahr zu sehen erhoffe - vielleicht ist ja an dem Kalenderspruch was dran: Alle neuen Wege beginnen IN DIR. Noch besser gefällt mir was der Naturphilosph John Muir schrieb: 

Of all the paths in life you take, make sure a few of them are dirt.  

Von allem Wegen, die wir in unserem Leben wählen - ein paar unbequeme und matschige müssen auch dabei sein (das geht an den Freund mit den weißen Turnschuhen:-)). Ich vermute sogar, wir werden nicht drumrumkommen, wenn Gott uns in ein neues Land führt. Für uns alle, denen diese Wege so schwerfallen wie mir, diese mutmachenden Worte von Gott an den (wohl auch etwas ängstlichen) Josua - vor seinen ersten Schritten auf Neuland: 

Sei stark und mutig. Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.  (Josua 1,9)

Und während ich (in einer kleinen Schreibpause) draußen meinen gewohnten Rundweg verlassen habe, habe ich gemerkt, dass der Boden gefroren ist! Es scheint eine sehr geeignete Zeit zu sein, um durch den Matsch zu laufen...

 

Das ist das passende Schuhwerk, das mir Sarah Brendel vor kurzem geschenkt hat. Es sind seit langem meine ersten wasserdichten Schuhe! Sarah ist liebevoll und sehr klar. Vielleicht kann sie das auf so unbekümmerte Weise, weil sie die Menschen so von Herzen liebhat. Erstaunlicherweise passen mir ihre Schuhe wie angegossen. Und so begleitet sie mich ein bisschen auf meinen neuen Wegen. Ich bin sehr dankbar für meine mutige Schwester(n). 

 



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