Montag, 27. Januar 2014

ein bisschen Frieden...

Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass Samu während der Anfangszeit in der KiTa ständig krank ist. Mit was ich nicht gerechnet habe ist, dass ICH ständig krank bin. Meinen kleinen Sohn streifen die Viren bisher nur leicht (Gott sei Dank!), um mich dann mit voller Breitseite zu treffen: Samu hat ein wenig Husten - ich bekomme eine Lungenentzündung. Samu hat einmal kurz "Aua im Bauch" und ich hänge zwei Tage über der Kloschüssel.
Dieses Wochenende hat mich bereits zum 2. Mal innnerhalb kürzester Zeit der Magen- Darm-Virus erwischt. Ich war total ausgeschaltet und wir mussten leider einen lang ersehnten Besuch mal wieder verschieben.

Heute morgen saß ich mit Heio am Früstückstisch und trank meinen Fencheltee (Igitt!)
Er blickte mich aufmunternd an: "Und, was hast du heute vor?"
"Überleben", war meine düstere Antwort. 
"Und wie willst du das machen", fragt er geduldig nach. 
"Keine Ahnung", meine ich einsilbig, vor dem nächsten Schluck Fencheltee. "Und was hast du so vor?", versuche ich interessiert zu fragen.  
"Kuchen essen!", antwortet der Mann (diese Woche ist sein Abschied von der Arbeitsstelle im CVJM und heute bringt er seinen Kollegen Kuchen mit). 
Schweigen in der Küche. 
Plötzlich müssen wir Beide lachen. Was für ein Dialog! Das lässt schon tief blicken.

Nachdem ich Samu in die KiTa gebracht habe, sitze ich erschöpft in der Küche.  Meine Mutter ist am Telefon und ich höre ihr zu, während mein Blick magisch von dem Dreck unter unserem Herd angezogen wird. Ich beende das Telefonat und versuche den Berg Wäsche neben mir zu ignorieren. Soll halt alles noch einen Tag liegenbleiben. Lieber will ich hier etwas schreiben. Vielleicht ist es eine Flucht, die Hoffnung etwas sinnvolles zu schaffen oder einfach gerade der einzige Weg um nicht völlig durchzudrehen.

Ich muss heute morgen an etwas denken, was ich vor einiger Zeit bei Shauna Niequist gelesen habe. Es ging dabei um die verschiedenen Lebensphasen. In meinem Tagebuch habe ich diesen Satz von ihr festgehalten:

Es ist nicht so schwer herauszufinden womit du dein Leben gerne füllen willst.
Viel schwieriger ist es herauszufinden was du bereit bist dafür aufzugeben, damit du das tun kannst was dir wichtig sind.

Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe mir damals einige Tage Zeit genommen um mir darüber klar zu werden, was die Herausforderungen meiner derzeitigen Lebensphase sind.  Und ich habe gemerkt, dass ich einiges aufgeben muss und innerlich loslassen, damit ich das festhalten kann, was mein Leben jetzt gerade füllen soll. Und dieses loslassen fällt mir so schwer. Beispiele?

Ich will Zeit und Kraft für Saum und meinen Mann haben. Das ist mir wichig (und noch einiges andere, aber das steht im Moment ganz vorne).
Das heisst dann aber: ich kann nicht mehr ständig bei der Arbeit einspringen, weil ich dann danach oft total kaputt und genervt bin meiner Familie gegenüber. Also muss ich es loslassen, die "tolle Christina" zu sein, die immer für ihre Kollegen da ist wenn sie gebraucht wird.

Und ich kann aus unserem Garten zur Zeit leider keine wunderbar blühenden "Ich- ernte- mal- unser- Mittagessen- Garten" machen, sondern ich versuche ab und zu das Gras zu mähen, damit ich Samu wiederfinde wenn er dort spielt. Heios kleiner Garten ist schon so verwildert, dass er bestimmt schon als Naturpark gilt und sich vielleicht bald wilde Tiere bei uns ansiedeln.

Unsere Wohnung kann ich einigermassen so im Griff halten, dass wir uns darin wohlfühlen, aber sie ist einfach nie wirklich sauber und in welchem Jahr ich den gründlichen Frühjahrsputz schaffe weiß ich noch nicht.

Es macht mir Spaß Leute zu uns einzuladen und sie zu bekochen. Aber das ist gerade leider auch nur in einem sehr kleinen Rahmen möglich (und nur mit Leuten die den Dreck unterm Herd nicht stört:-)).

Ich kann Freunde, die eine schwere Zeit durchmachen nicht so unterstützen wie ich es gerne tun würde. Statt einem Besuch oder langem Telefonat schicke ich oft nur eine kurze SMS, damit sie wissen, dass ich an sie denke.

Das sind jetzt nur ein paar Beispiele die mir spontan einfallen. Da ist noch viel mehr was ich aufgeben und loslassen muss. Loslassen um das fassen zu können, was mir vielleicht nur in dieser Lebensphase geschenkt und anvertraut wird. Und manches von dem was ich jetzt nicht tun kann,  kann ich vielleicht zu einer anderen Zeit in meinem Leben mit offenen Armen begrüßen. Man kann ja auch noch mit 60  für Flüchtlinge Kuchen backen:-).
Ich bin am lernen und fühle mich dabei wie ein Analphabet der sich Tolstois "Krieg und Frieden" vorgenommen hat.  Frieden.  Das ist es was ich brauche. 
Das hebräische Wort für Frieden heisst Schalom  und bedeutet in etwa:
Frieden ist der Zustand, der uns versöhnt und unser Gesicht aufhellt und uns Heil und Ruhe bringt.  
Diesen Frieden wünsche ich uns allen, egal in welcher Lebensphase wir auch sind.
Versöhnt mit dem zu leben was ist und mit dem was gerade nicht sein kann.

So, jetzt gehe ich meinen Sohn geniessen und werde mit ihm zum (gefühlt!) 1000. Mal eine Eisenbahnstrecke bauen.  Lieber einen Berg Wäsche im Keller und Dreck unterm Herd als das zu verpassen:-).

Und wenn ich mit ihm Schiene für Schiene zusammenstecke und nicht mit dem Kopf woanders bin, dann hellt sich mein Gesicht auf und ich ahne etwas von diesem Schalom.
Das ist doch ein guter Anfang um heute zu überleben.
 

Donnerstag, 23. Januar 2014

Versteckspiel

Die Lieblingsbeschäftigung von Samu ist seit einiger Zeit das Versteckspiel. Fast jeden Abend tönt es fröhlich durch unsere Wohnung: "Mama, stecken!!!" Und dann geht es los. Zuerst "stecke" ich, dann er: "7 - 8 - 9 - komme!" (wer hat gesagt, dass man bei Eins anfangen muss wenn man bis 10 zählt?).
Ich stürze mich in eine Ecke um dann von ihm gefunden zu werden. Da so wenig Zeit bleibt, um in mein Versteck zu flüchten,  ist dieser Teil meist schnell erledigt.
"Jetzt ich", ruft er freudig und rennt vor meinen Augen in sein Versteck. Ich zähle langsam und fange an zu suchen. Ich versuche ihn zu ignorieren, weil ich weiß wie sehr er es liebt wenn ich überall nach ihm suche. Es ist gar nicht so einfach dabei nicht über ihn zu stolpern. Hier seht ihr sein derzeitiges Lieblingsversteck:


Vielleicht hat er ja etwas von meiner alten Angst geerbt, beim Verstecken nicht gefunden zu werden?
Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir früher, auf dem Land, mit den Nachbarskindern  Verstecken gespielt haben. Das Gelände war riesig und ich saß nicht selten lange Zeit mit klopfendem Herzen hinter einem Busch, oder in einem alten Schuppen, in der wilden Hoffnung gefunden zu werden. Immer war in mir die leise Angst, dass die Anderen ohne mich nach Hause gehen und niemand mehr nach mir sucht. Ich glaube nicht, dass diese Befürchtung jemals eintraf, aber sie war immer da.

Dann kommt der beste Moment in unserem abendlichen Versteckspiel: Nach längere Suche entdecke ich tatsächlich (erstaunlicherweise!) meinen Sohn.  Er schmeisst sich in meine Arme - oder reiße ich ihn an mich?! - und wir genießen diese Umarmung. Und dann geht das Suchen und Finden wieder von vorne los...

Ich spiele dieses Spiel gerne mit Samu, das Problem ist nur, dass ich auch die Erwachsenenversion davon beherrsche (die Fortgeschrittene Version - mindestens!).
Mit der Zeit habe ich die besten Verstecke gefunden:
Da gibt es ein freundliches Lächeln hinter dem ich meine Erschöpfung verstecken kann und da ist die Geschäftigkeit, hinter der ich meine innere Armut verstecke. Dann kann es mein Redeschwall sein, hinter dem sich meine Unsicherheit verbergen lässt, und ich verberge durch eine Decke aus Süßigkeiten oder Chips für eine sehr kurze Zeit ganz prima vor mir selbst, dass ich mich schlecht fühle. Sogar hinter meinem "Mama-sein" kann ich mich manchmal verstecken um Menschen auszuweichen oder Dinge nicht anzugehen, die wichtig wären.  Mist, ich verrate euch hier meine besten Verstecke!:-)

Aber eigentlich habe ich keine Lust mehr auf diese Spielchen, und deshalb verrate ich immer mehr davon meinem Mann und auch manchen Freunden. Denn mir geht es ja nicht anders wie Samu: Ich will gefunden werden!

Gestern habe ich eine neue Freundin besucht. Ich war ein bisschen aufgeregt weil wir uns vor allem von unsere Blogs kannten und von einem Fotoshooting. Ihr Bericht über unseren Besuch ist ein tolles Beispiel dafür, wie mutig und bereichernd es sein kann, kein Versteckspiel zu machen sondern ehrlich mit den eigenen Unsicherheiten zu sein.

Und für uns alle, die hoffen gefunden zu werden gibt es eine gute Nachricht:
Jemand ist auf der Suche.
Jemand sagt: die Party geht erst los, wenn du dabei bist. 
Jemand kann es kaum abwarten uns in die Arme zu schließen.
Jemand ruft:  " Ich komme!" 
Und er stolpert nicht eher über uns, bis wir bereit sind, von ihm gefunden zu werden!

So lasse ich mich von ihm finden, immer wieder - wahrscheinlich so lange bis er mich an der Hand nimmt und wir zusammen nach Hause gehen.

Gefunden!




Freitag, 17. Januar 2014

we`ll see.

Seit einiger Zeit merke ich, dass ich zunehmend schlechter sehe. Ich habe es lange verdrängt und  einfach Heios Brille für` s Autofahren aufgesetzt (viel besser!!!).
Aber nun beeinflusst es zunehmend meinen Alltag:
Ich winke  wildfremden Leuten von weitem zu, weil ich nicht sicher bin ob es Leute sind die ich kenne oder nicht (und ich winke lieber, weil ich nicht unfreundlich sein will).  
Ich renne zur Straßenbahn bis kurz vor die Anzeigetafel-  vorbei an erstaunten Wartenden- weil ich erst da erkennen kann, dass die Bahn in 10 Minuten kommt. 
Ich kann in der Bäckerei die Preisschilder an den Broten nicht mehr lesen und kann auch auf der Anzeige der Kasse nichts erkennen. Wie eine alte Frau bin ich geneigt der Bäckerin meinen Geldbeutel hinzuhalten und sie zu bitten den entsprechenden Betrag einfach zu nehmen

Wie mir dann eine Freundin erzählt sie hätte geträumt, dass ich erblinde  bin ich endlich in das Brillenfachgeschäft um die Ecke. Hier wurde bestätigt was ich befürchtet hatte: altersbedingt lässt meine Sehstärke langsam nach - das sagt mir so ein junger Brillenträger fröhlich in´s Gesicht. Ich denke entrüstet: so alt bin ich doch noch gar nicht und wie redet denn der mit mir - der könnte ja locker mein Sohn sein! ;-). Nun gut, ich lasse mich überzeugen und bestelle mir Kontaktlinsen. Mir steht keine Brille. Wirklich nicht!!!
Eine Freundin meinte aufmunternd: "Jedem steht eine Brille!", und setzte mir ihre Eigene auf die Nase. "OK, fast jedem steht eine Brille", meinte sie dann und ermutigte mich die Kontaktlinsen auszuprobieren.

Jetzt liegen sie bei uns im Bad. Einmal habe ich es schon geschafft sie mühsam in meine kleinen Augen zu popeln. Und ich muss sagen: die Fernsicht ist überwältigend! Ich kann Blätter an den Bäumen am Ende unseres Gartens sehen(bisher nur grüne Umrissen am Horizont), ich erkenne vom Sofa aus die kleinsten Beschriftungen auf den Buchrücken im Regal, ich laufe wie eine geheilte Blinde durch die Gegend und lese meinem armen Mann alles vor was ich von weitem sehen kann. 

 Nach dem ersten Ausflug mit Kontaktlinsen bin ich begeistert. Aber im Spiegel entdecke ich mit Schrecken eine gealterte Frau, mit vielen Falten um die Augen und um die Lippen(!).  Wer ist das denn??!! Schnell lege ich die Linsen wieder in ihr Wasserbad und genieße für`s erste wieder den gnädigen Weichzeichner, zumindest was mein Spiegelbild angeht. Seitdem schlummern meine Augenöffner friedlich in ihrem Behälter und ich bin noch nicht sicher wie ich weiter verfahren soll.

Heute habe ich mich mit einer Freundin zum Frühstück getroffen. Sie ist zwar ein paar Jahre jünger ist als ich, aber wir sind schon seit langem befreundet. Bei unserem Gespräch fiel mir auf wie sich manches, was wir vor Jahren gedacht und geglaubt haben und wovon wir zutiefst überzeugt waren, verändert hat. 
Manche Ent -täuschungen haben wir erlebt und und da wo wir meinten einen klaren Durchblick zu haben, sind jetzt die Linien verschwommener geworden. Altersbedingte Sehschwäche? Ich meine nicht - vielleicht eher jugendlich überschätzte Sehkraft!

Aber ich bemerke etwas erstaunliches:  wenn auch an manchen Stellen die Linien merklich unklarer werden -  es wächst eine Sehkraft auf andere Dinge.
Während Worte wie "Erfolg", "Berufung", "eigenes Wissen", "richtig oder falsch" verschwommener werden oder aus dem Fokus verschwinden, wird anderes langsam klarer und zentraler.  Wie Landschaften, über denen sich der Nebel lichtet kommen nun andere Worte in`s Blickfeld:  Worte wie "Gnade", "Erlösung"; "Hoffnung", "Vertrauen", "geliebt werden". 
Ich kann es noch nicht wirklich fassen und reibe mir die Augen, bin irgendwo zwischen schwindender Sicht und zunehmender Klarheit.

Nach dem Gespräch heute morgen denke ich mir, dass man vielleicht zweierlei tun kann: entweder frustriert zu versuchen das Unscharfe wieder klar zu stellen, oder aber den Blick dem zuwenden was anfängt ganz langsam ein wenig  heller zu werden.  Diesen Blick wünsche ich mir für die Jahre die kommen: gespannt, leise buchstabierend wie ein Kind, voller Staunen über die neue Welt die sich hier auftut.

In diesem Sinne freue mich auf das älter werden, 
ob mit oder ohne Brille -  wir werden sehen(d). 
Hoffentlich.



Montag, 13. Januar 2014

Der Papst und mein Metzger



Zur Zeit bin ich von zwei Menschen ziemlich beeindruckt: vom Papst und von meinem Metzger.
Auch wenn man es nicht wirklich vermutet: diese zwei Menschen haben etwas gemeinsam.


Fangen wir bei dem offensichtlichen an: bei meiner Begeisterung für Papst Franziskus.
Auch wenn ich nicht katholisch bin - ich freue mich für meine Geschwister in der katholischen Kirche, dass sie diesen Papst bekommen haben. 
Einen Mann, der bei seinem ersten Auftritt als Papst die Menschenmenge demütig um Gebet bittet. Einer der, auf die Frage des Chefredakteurs der Jesuitenzeitschrift,  wer Papst Franziskus denn eigentlich sei, antwortet : "Ich bin ein Sünder." Einer der "Kirche für die Armen" sein will und der das mit seinem Leben unterstreicht. 

Das protzige Papst-Apartment bleibt unbewohnt, fast täglich liest er die Frühmesse für die Müllmännern und Gärtnern des Vatikans, er wäscht die Füsse von Häftlingen, besucht Flüchtlinge und schafft Raum für sie und es gibt sogar das Gerücht, dass er sich nachts manchmal aus dem Vatikan zu den Obdachlosen schleicht. Keine Ahnung ob letzteres stimmt - wohl aber stimmt, dass seine Bodyguards Überstunden machen müssen, weil er sich nicht von den Menschen fernhält, wie es eigentlich für einen Papst angebracht wäre.
Und wenn es um Menschen geht, die die Kirche bisher ausgegrenzt hat, redet er über Barmherzigkeit.  Geschiedene dürfen vielleicht sogar bald am Festmahl in Gottes Reich,  dem Abendmahlstisch, Platz nehmen.

Dieser Papst ist gute Nachricht für die Armen und die Gescheiterten dieser Welt.
Deshalb bin ich von diesem Papst sehr beeindruckt.

Kommen wir zu meinem Metzger:  

Am vergangenen Wochenende haben wir mit unserer Gemeinde das "Essen ohne Kohle" für arme und bedürftige Menschen in unserer Stadt ausgerichtet. Wir machen das seit einigen Jahren und es ist immer eine gute Sache. 
Mein allerliebster Mann kümmert sich meistens um die Essensspenden, oder- wie er es nennt - er geht "schnorren" (wohl in Erinnerung an alte Zeiten:-)).  Sehr widerwillig habe ich ihn dabei dieses Jahr etwas unterstützt. Es fällt mir schwer um eine Spende zu bitten, auch wenn ich weiß, dass es die Leute oft ganz gerne tun und die Reste sonst in den Müll oder, im besten Fall, zum Bauernhof wandern.

Also, bin ich mit Heio in meine kleine Metzgerei gegangen und habe durch meine Anwesenheit den Kontakt hergestellt (Heio ist als Vegetarier hier ein Außerirdischer, ich aber bin eine treue Kundin).  Der Metzgermeister ist ein richtiger Schwabe. Für alle Nichtschwaben: das heisst er ist meistens etwas brummelig, sagt das was er denkt und manchmal kann er auch richtig herzlich sein - wenn er will. 

 Am Tag unserer Spendenanfrage war er brummelig. 
"Was soll ich denn da geben?", fragt er uns. 
"Vielleicht ein paar Würstchen", meint der Vegetarier neben mir mutig.
"Ich überleg`s mir", brummt der Schwabe. 
Wir verlassen den Laden, mir ist das Ganze peinlich. "Der gibt uns bestimmt nichts", sage ich zu Heio und überlege wo ich in Zukunft mein Fleisch einkaufen gehe.
In den nächsten Tagen bekommen wir aber den Bescheid, dass wir am Sonntag vor dem "Essen ohne Kohle" vorbeikommen sollen, er mache uns Leberkäse. 

Die Metzgerei ist berühmt für den guten Leberkäse! Ich bin freudig überrascht. Der Metzger stellt sich also tatsächlich Sonntags in die Küche um uns diese Köstlichkeit frisch zu überreichen.  Beim Abholen drückt er meinem Mann eine riesengroße Box voll mit Leberkäse in den Arm. Ich bin platt. Fur die Armen und Bedürftigen gibt es keine kleinen Reste kurz vor dem Ablaufdatum, keine paar Würstchen wie erhofft - es gibt von unserem Metzger das Beste was er zu bieten hat, und das in großen Mengen.

Und damit ist mein Metzger gute Nachricht für die armen Menschen die zu dem Festmahl am Sonntag gekommen sind.

Der Papst und mein Metzger... beide zeigen mir etwas von Jesus (von dem ich nicht nur sehr beeindruckt bin sondern den ich sehr liebe!!!), der über sich sagt:
"Ich bin gekommen um den Armen gute Botschaft zu bringen..." 

Im Spiegel habe ich folgendes gelesen: "der Vatikanexperte Marko Politi schreibt:
Wie ein Jünger Jesu Christi, läuft dieser Papst durch die Straßen von Rom und der Welt. Das zu tun ist schon an sich eine kleine Revolution."

Ein Hoch auf diese Revolution! Mein Metzger hat sich schon angeschlossen.
Und,  immerhin - ich habe den Kontakt hergestellt! :-)


Das Festmahl kann beginnen!







Samstag, 21. Dezember 2013

Ich habe Zeit.

Dieser tolle Zettel lag gestern nachmittag auf unserem Regal: "Lass es dir gutgehen", hat mein Lieblingsmann geschrieben und ist für einen langen Tag mit dem kleinen Sohn zur Schwiegermama verschwunden.

EINEN TAG (und eine Nacht!!!)  NUR FÜR MICH - WIE SCHÖN! 
Ich habe freie Zeit,  was für ein Luxus! 
Natürlich kamen mir auch gleich tausend Dinge die ich dringend erledigen sollte.
Aber ich habe gelernt: es gibt dringende Dinge in unserem Leben: die schreien und drängen sich nach vorne. Und dann gibt es wichtige Dinge im Leben: sie sind eher still und im Hintergrund da und ich will lernen sie nicht übersehen.
Also habe ich es versucht: ein bisschen was vom Dringenden erledigt ( z.B. Wohnung oberflächlich geputzt und eingekauft) und auch etwas vom Wichtigen: ausgeruht, geschlafen,spazieren gegangen, still gehalten und mit meinen privaten Jahresrückblick angefangen.
Ich lese am Ende des Jahres immer durch mein Tagebuch, über die Höhen und Tiefen, was ich in diesem Jahr erlebt habe,  was mir wichtig wurde, was ich lernen will...
"Erfahrung ist gedeutetes Erlebnis. Viele erleben viel, aber erfahren wenig weil sie sich nicht die Zeit nehmen zu deuten." Prof. Zimmer
Ich merke wie gut es mir tut die Zeit zu nehmen um über meine Erlebnisse nachzudenken (ob ich sie immer richtig deute  weiß ich nicht:-)).
Eines habe ich beim " Rückwärtslesen" jetzt schon bemerkt: 
Ich bin so unglaublich beschenkt!!! Und das schon vor Weihnachten!:-) 
Ich bin dankbar für so viele tolle Begegnungen - mit vertrauten Menschen und neu geschenkten Menschen.
Ich bin dankbar  für unsere kleine Familie (so viele müde und glückliche Momente!) und für meine große Familie (Jesusfreaks Stuttgart forever;-)). 
Ich bin dankbar, dass wir mit meiner Mutter Weihnachten feiern können und dass wir bewahrt wurden in so vielen Situationen (bemerkt und unbemerkt).
Ich bin so dankbar für Gottes unglaubliche Treue, jeden Tag in diesem Jahr.
Und ich bin von Herzen dankbar für diesen Blog, für das Schreiben und fotografieren das mir so viel Freude macht und für jeden einzelnen von euch, der sich die Zeit nimmt meine Gedanken zu lesen. DANKE. 

Wie reich ich bin! 
Lustigerweise kam gestern die Bonuskarte von Stuttgart - wir haben überhaupt nicht damit gerechnet - auch hier: DANKE Gott - featuring unsere Stadt Stuttgart.
Das heisst wohl auch: unser Gesamteinkommen ist immer noch etwas niedrig (wahrscheinlich an der oberen Untergrenze). Ich merke davon nicht viel - wirklich, ich finde wir sind so reich in so vieler Hinsicht (und auch finanziell geht es einigen unserer Freunde und sowieso den meisten Menschen auf der Welt viel, viel schlechter!).
 Wir haben vielleicht keine so große Wohnung und können uns nicht alles leisten (wer kann das schon!) - aber wir haben Zeit füreinander. Das ist ein großer Luxus.
Und ich hatte heute noch Zeit für einen kleinen Ausflug nach Ludwigsburg:




















Lieblingsbrezel
Lieblingsladen





















Ihr Lieben- ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest- mit euren Familien, Freunden, alleine- wo auch immer ihr seid. Auf jeden Fall könnt ihr mit dem Geburtstagskind zusammen sein und das ist doch das Beste:-)




Freitag, 13. Dezember 2013

oh du fröhliche....


Ich konnte es nicht lassen: ich wollte mit meinem Sohn einen Kurzbesuch auf dem Weihnachtsmarkt machen. Er soll ja merken, dass es eine besondere Zeit ist - und das nicht weil Mama und Papa den ganzen Tag hustend auf dem Sofa rumhängen.
Also, Antibiotika eingeworfen und ab zur U-Bahn.
Am Hauptbahnhof strömen uns schon die Massen entgegen:
Hektische Menschen mit Einkaufstüten an beiden Händen, glühweinselige Kollegengruppen, erschöpfte Mamas die ihre weinenden oder schlafenden Kinder im Wagen vor sich herschieben.
Wir stürzen uns in`s Getümmel, ganz klar mit dem Ziel: Dampfeisenbahn und die kleine Merklinwelt mit den vielen Zügen zum Beobachten.
Samu drängelt sich durch, findet einen Platz, ganz nah dran und steht und schaut und staunt. Das kann jetzt dauern.

Ich fange an die Leute zu beobachten.
Vor der Kindereisenbahn steht eine längere Schlange. Die Kinder warten begierig auf den Beginn  der Fahrt.
Eine Mutter drückt ihr Kind dem wartenden Opa im letzten Abteil auf den Schoß. Das Kind brüllt wie am Spieß. "Will nicht!!!!"  Der Opa schaut hilflos die Mutter winkt ab. "Doch, fahren! Das ist toll!" Das Kind hat keine Chance. Es schreit die ganze Fahrt, bis es endlich wieder in den Armen der Mutter landet. 
Am Karusell hinter uns höre ich ein Kinderschluchzen und die verzweifelte Stimme eines Vater: "Ich habe 5 Fahrten für dich gekauft, jetzt fährst du auch!!!"
Im Getümmel ging die Diskussion wieder unter. Ich fürchte das Kind musste fahren oder der Vater hat sich draufgesetzt - als Schwabe verschenkt man ja nichts! :-)   

Es gab natürlich auch leuchtende Kinderaugen und Begeisterung. 
Und ich will nicht ungerecht sein: die erwähnten Eltern haben es sicher gut gemeint und wollten ihren Kindern ein besonderes Erlebnis bieten.
Totzdem hat es mich nachdenklich gemacht. 
Gerade die Weihnachtszeit ist so voll von Vorstellungen (von uns selbst und von den "tollen" Werbebildern)  wie es sein sollte:
schön, fröhlich, harmonisch, Kinderlachen auf dem Karusell, warmer Kerzenschein, Schneeflocken, Schlitten und Kirchengeläut, Liebe, trautes Heim und Freude über Freude.
Aber für viele von uns ist es überhaupt nicht so. 
Manche fürchten den jährlichen Familienkrach, die teuren Geschenke die ein Loch in die Kasse reißen,den Stress ein tolles Essen zaubern zu müssen und andere fürchten die Einsamkeit und hoffen, dass diese Tage schnell vorbei gehen.

An Weihnachten fühle ich mich immer hin- und hergerissen: 
In mir ist der Wunsch ausreichend schöne Zeit mit unseren Familien zu haben, aber auch der Wunsch bei meinen Freunden zu sitzen die ich lieb habe und für die diese Tage einsam und schwer sind. Und dann würde ich an Weihnachten gerne etwas kleines, gutes für einen Menschen tun der nichts erwartet, weil das Leben ihn auf auf die Straße gestellt hat.
Und ich würde gerne bei all dem noch eine ganze Menge stiller, besinnlicher Momente haben.
Ein bisschen viele Wünsche für die paar Tage, ich weiß. Kein Wunder bin ich nach den Feiertagen oft fertig und depremiert.

Aber wenn ich mal alle meine Vorstellungen loslasse (kann ich natürlich nicht, aber nur theoretisch) und dann einmal ganz frei nachdenken könnte: was macht Weihnachten für mich wirklich aus?
Da tauchen vor mir die staunenden Augen meines Sohnes auf, der ganz still steht, inmitten des Trubels und sich von dem wunderbaren Anblick seiner geliebten Züge nicht losreissen kann.
 Ich glaube mit all dem Zauber und Glitzern was wir an Weihnachten veranstalten  haben wir eines verstanden:  an Weihnachten sollte man staunen!

(lebensnah-fotografie.de)
Aber staunen kommt meist auf leisen Sohlen. 
Es breitet sich aus, wenn man ihm genügend Raum gibt.
Wenn man stehenbleibt. Und noch ein wenig bleibt.
Und das Kind in der Krippe anschaut.
Vielleicht merkt, dass man sich dazu hinknien muss.
Einen Moment den Atem anhalten.
Im Weihnachtstrubel plötzlich gefunden werden.
Von einem Gott der Himmel und Hölle in Bewegung setzte
um bei mir zu sein.

Das, so glaube ich, ist das Herz von Weihnachten.
Und das ist für uns alle: für die gestressten Familien und für die, die entspannt zusammensitzen können. Für die Umschwärmten und für die Einsamen. Für die vom Leben Verwöhnten und die Gebeutelten. Für die Glaubenden und die Zweifelnden.
Für jeden von uns ist hier ein Platz.

Ich will jedenfalls versuchen mich durchzudrängeln, durch den ganzen Weihnachtstrubel meiner tollen Vorstellungen und Wünsche und meinen kleinen freien Platz suchen. Ich will an einem der kommenden Tage einen Moment still halten und warten, dass das Staunen mich ergreift. 
Dann hänge ich wenigstens nicht umsonst hustend auf dem Sofa rum:-).


              Euch allen wünsche ich ein wunderbares Adentswochenende !
                                                      Ihr seid ja so geliebt!!!



Montag, 9. Dezember 2013

Sister of mercy

Wir sind krank.

Samu hustet schon seit Wochen. 
Zusätzlich kam er am Freitag völlig durchnässt von der KiTa, dass ich mich frage, ob sie jetzt  "waterboarding" bei ihm durchführen um das Händeschütteln zu erzwingen (Spaß!!! es ist eine tolle KiTa!). 
Am Wochenende wurde ich dann richtig krank mit Verdacht auf Keuchhusten (ich dachte sowas bekommt man nur im Kleinkindalter!). 
Heio ist es auch seit ein paar Tagen schwindelig (!). "Trittbrettfahrer", war mein "barmherziger" Kommentar. 
Aber er sah doch etwas bleich aus und so gingen wir heute - zeitlich versetzt - zum Arzt.

Wir gehen in eine Praxis die von Vater und Tochter geführt wird, allerdings ist der Vater nur noch selten da.
Er ist (nach Heios Erzählungen) liebevoll, nimmt sich Zeit, nimmt einen Ernst und man geht mit dem Gefühl nach Hause verstanden worden zu sein. Und wirklich krank zu sein.
Ganz anders die Tochter. Sie ist von der robusten Sorte. 
Man kann sie mit ein bisschen Fieber und Husten nicht sehr beeindrucken. 
Wie ich gehört habe ist sie ab und zu mit "Ärzten ohne Grenzen" unterwegs. Da wundert es mich nicht wenn sie einen wehleidigen Mitteleuropäer nicht so ernst nimmt, nachdem sie vielleicht gerade aus einem Krisengebiet dieser Welt kommt.
Also, um es kurz zu machen: Ich war bei der Tochter (wie immer),  Heio bekam den Vater.
 Die Tochter schaute sich kurz meinen Zustand an, völlig unbeeindruckt, und verschrieb mir dann missmutig das Antibiotika.
"Und wenn es wirklich Keuchhusten ist?", frage ich. "Das werden sie dann schon merken", war ihre kurze Antwort bevor sie mich zur Tür führte. 
Alles klar. Ich brauch kein Mitleid. Wenn ich zum Arzt gehe freue ich mich über das Rezept wie ein Junkie. Die Tabletten sind stark und wirken. Gott sei Dank für Antibiotika!
 Mein Mann verabschiedete sich zum Arztbesuch: "Egal was passiert, ich habe Euch lieb!". Also wirklich. Kurze Zeit später kam er gebeugt und bleich zurück. 
"Eine Viruserkrankung", flüstert er. "Ich soll mich schonen und hinlegen". Mit diesen Worten verschwindet er im Schlafzimmer. Na toll. Der wer- ist- kränker- Battle ist eröffnet. 
Ein Huster aus dem Schlafzimmer wird mit einem Hustenanfall meinerseits aus dem Wohnzimmer quittiert. Heio gibt irgendwann auf und hilft das Abendessen vorzubereiten. Guter Mann!

Es ist schon krass wie mitleidend ich mit anderen Menschen sein kann und wie wenig Barmherzigkeit ich oft für die Menschen habe die mir am allernächsten sind (und oft bin ich am unbarmherzigsten mit mir selbst).
Ich weiß es ja: Schmerz ist nicht vergleichbar: was einer gut tragen kann, schmeisst einen anderen völlig um.

Wie froh bin ich, dass ich einen Gott habe, der ein guter Vater ist (und in dieser Hinsicht kein bisschen wie die Ärztetochter)!
Er kennt die Krisengebiete der Welt und sieht soviel Not. Und trotzdem - er nimmt mich ernst, egal wie klein oder groß mein Schmerz im Moment ist. Weil ich sein Kind bin und er mich liebt!
Wenn ich Samu anschaue dann weiß ich: egal wie klein sein Schmerz sein mag, wenn er leidet, berührt es mein Herz.
Unser Gott ist ein barmherziger Vater, dem ich jederzeit mein Herz ausschütten kann, der mich versteht und lieb hat. Das tröstet mich. 
Und ich hoffe ich kann ihm da ein bisschen ähnlicher werden.
In diesem Sinne: hoffentlich seid ihr gesund, falls nicht: seid umarmt! Ich leide mit Euch.




Samu beschäftigt sich sogar ein bisschen alleine. Ansonsten hat er einen tollen Babysitter:-)

Samstag, 30. November 2013

Politische Früherziehung!


Gestern sah der kleine Sohn unsere Bundeskanzlerin im Fernsehen und war ganz begeistert von ihrer grünen Jacke (Samu liebt grün!): 
„Grün! Grüüün!" und Freunde! Freunde!", rief er und zeigte aufgeregt auf die nette Dame in grünem Kostüm.
„Angela", sagte ich erklärend.
Heute sah er das obige Bild in der Zeitung. 
"Angela!", rief er freudig. Sogar ohne Kopf erkannt!
 Also wenn sie weiterhin öfters grün trägt, hat sie einen Wähler in 16 Jahre sicher...

 Wünsche Euch allen einen schönes und gesegnetes
1.Adventswochenende!


  Winterstimmung im Schwarzwald und staunen auf dem Schlossplatz:




 

Donnerstag, 14. November 2013

Schmerz lass nach!!!

Heio hat mir einen Gutschein für eine „Thai-Massage“ geschenkt. 
Das ist nichts sexuelles, wie ich mit Erleichterung feststellen konnte, sondern angeblich eine
„ganz entspannte Rückenmassage“, laut meinem Mann- dem Thailandexperten;-).
Also gut, trotz innerer Vorbehalte, ließ ich mich darauf ein (ich bin nicht so der Massagetyp!).
Heute also Samu schnell in der KiTa abgegeben und pünktlich zum Termin erschienen.
Entspannungsmusik empfing mich im Eingangsbereich, der Duft von ätherischen Ölen in der Luft, ich legte mich voller Vorfreude auf die Massageliege, bereit mich richtig zu entspannen.

Es verwirrte mich etwas, dass die Massage an den Füßen begann, aber wahrscheinlich gehört das zur thailändischen Rückenmassage, dachte ich mir.
Da durchzog mich ein stechender Schmerz - WHAT THE F****!!! Die Frau lief über mein Bein und dann den Rücken hinauf!!! Und es war keineswegs eine zierliche Thailänderin, sondern eine muskelbepackte asiatische Kampfmasseurin. Zuletzt hatte ich solche Schmerzen kurz vor Samus Geburt.

 Ich stöhnte schmerzerfüllt auf und es war mir total egal. Es knackte in meinem Rücken und ich sah es schon vor mir: gebrochene Rippen, eingeklemmte Nerven, Lähmungserscheinungen...Ich wollte gerade „aufhören!!!“ schreien, da stieg sie wieder von mir runter.
Jetzt fing sie an mit ihren muskulösen Händen meinen Rücken zu bearbeiten. Nun kommt also die „entspannte Rückenmassage“, dachte ich. 
Ich hatte aber jegliche Entspannung verloren. Die gute Frau saß auf mir und arbeitete sich tief in die Schmerzpunkte meines Rückens. Sie holte Schmerzen hervor an Stellen, die ich bisher noch nie gespürt hatte. Mein gesamter Rücken brannte. Ich dachte daran zu beten, für Thailand, für die Frau auf mir....
„Nicht kämpfen, loslassen!“ befahl sie. Das sagt mir Gott auf ganz oft, aber er rammt mir dabei nicht den Ellenbogen in den Rücken!!! Tränen brannten in meinen Augen. Ich bin eine verweichlichte Europäerin, ich sollte nicht zu Thailändern in Behandlung gehen, die sind doch ein viel härteres Leben gewohnt, so viel Leid und Schmerz was die schon erlebt haben müssen...ich versuche weiter zu beten. 
Dann endlich, nach einer kräftigen Gesichtsmassage und nach mehreren extremen Verrenkungen meines Oberkörpers war es vorbei.
Sie lachte!!! Wirklich! Sie lachte mich aus, glaube ich! „Müssen viel locker sein!“ sagte sie mir, „viel Schmerz!“
„Ja, viel Schmerz!“, sagte ich und musste dann doch auch lachen.
 „Es ist schwer, locker zu sein, wenn ich Angst haben muss, dass sie mir vielleicht wieder auf den Rücken steigen“, wagte ich anzumerken.
 „Jetzt 3 Tage vielleicht Muskelkater und Schmerz, dann besser!“, ermutigte sie mich, meine Bemerkung ignorierend.
Danke. Toll, dann bin ich also in 3 Tagen wieder schmerzfrei, so wie vor der Massage? 
Ich gebe ihr ein reichliches Trinkgeld. Es ist die Dankbarkeit, dass ich überlebt habe. Heimlich teste ich sämtliche Gelenke. Stelle erleichtert fest dass ich mich noch einigermassen bewegen kann. Nur die Fingerspitzen fühlen sich betäubt an. Das kann aber auch psychosomatisch sein.
„In 2 Wochen wiederkommen!“, befahl sie mir. „Ja“, sagte ich und ich hoffe, Gott verzeiht mir die Lüge. Ich konnte dieser Frau nicht wiedersprechen.  Sie kann bestimmt auch Kung-Fu!
Vor der Praxis klingelt mein Telefon. „Und, war`s schön?“, fragt der Mann.
„Erzähle ich dir zuhause“, sage ich mit drohender Stimme bevor mir das Hany aus den tauben Fingern fällt.

PS: schönen Gruß auch an die lieben Freunde für diesen tollen Tip! ;-) 




Samu hat es nach meinem Bericht gleich nachgespielt.
Und wenn er auf meinem Rücken hängt, tut es schon nicht mehr so weh!
 

Mittwoch, 6. November 2013

Unterwegs...

Vergangenes Wochenende war ich mit dem Zug unterwegs, nach Holland, zur Hochzeit einer Freundin.

Mein immer positiv denkender Mann (wenn es um öffentliche Verkehrsmittel geht!) meinte: „Na, freust du dich schon auf die entspannte Fahrt?“
„Mal schauen“, war meine eher skeptische Antwort. Meine bisherigen Bahnfahrten sind mir in keiner guter Erinnerung.

Bereits auf der Hinfahrt wurde klar, dass meine Sitzplatzreservierungen falsch ausgestellt waren (auf 1. Klasse) und ich somit erst mal auf Platzsuche gehen musste. Aber das war OK, sonst lief alles ganz gut.
Am fremden, dunklen Bahnhof wurde ich tatsächlich von Freunden der Braut abgeholt. Ich hatte sie vorher noch nie gesehen, als Erkennungszeichen hielten sie die Hochzeitseinladung hoch.

Die Trauung war dann sehr bewegend:
Meine Freundin gab ein „Bekenntnis“ ab, über ihre Beziehung. Sie sprach unter Tränen von ihrem Wunsch ihr Mann würde Jesus kennenlernen und von ihrer große Freude darüber, dass sie sich nun heute gemeinsam mit ihren zwei Kindern unter den Segen Gottes stellen wollen.
Dann folgte ein fröhliches Fest mit Bergen von Essen, Musik und Tanz.

Nach einer kurzen Nacht lag nun die Rückfahrt vor mir.
In Arnheim konnte ich mit größter Mühe noch einen kleinen Stehplatz im Gang ergattern.
Die Luft war stickig, mir wurde immer schlechter und ich hatte Angst die 2 Jungs, die mir gegenüberstanden, vollzukotzen.
Kurz vor Duisburg wurde ich von dem Gedanken etwas abgelenkt, weil die ältere Frau neben mir kollabierte.
Wieder bei Bewusstsein zeigte sie Herzinfarktsymptome.
Das Durchkommen zum Schaffner war unmöglich- ich war kurz davor, die Notbremse zu ziehen.Nach 1. Hilfe Maßnahmen meinerseits, dem endlich heran eilenden Schaffner und der Suche nach einem Arzt im Abteil, wurde der Notarzt gerufen.
Mit einiger Verspätung ging es nun weiter.
In Köln mussten dann alle Fahrgäste den Zug verlassen - aus technischen Gründen.
Endlich die Weiterfahrt nach Frankfurt und dann - wieder mit Verspätung die letzte Strecke nach Hause.
Meine Verzweiflungs-SMS an Heio wurde mit „WIR WARTEN AUF DICH AM BAHNHOF! FREUEN UNS SEHR!“ beantwortet. Was für ein Hoffnungsstrahl!!!
Die letzten Kilometer konnte ich dann sogar problemlos im Gang auf meiner Tasche sitzen (ein Luxus!), und zwar direkt vor dem Abteil „Kids on tour“(kein Luxus!).
Eigentlich wollte ich auf der Rückfahrt ein Buch weiterlesen.
Aber passend zu allem gab es nur eins: die Tote Hosen, GANZ LAUT.

Mit dröhnendem Kopf stieg ich am hell erleuchteten Heimatbahnhof aus.
Da standen meine zwei Männer und umarmten mich. Samu hat bei meinem Anblick: „GRÜN!GRÜN!GRÜN!“ geschrien.
Denke mal weil es seine Lieblingsfarbe ist (und hoffentlich nicht meine Gesichtsfarbe war) und er seiner Wiedersehensfreude damit Ausdruck geben konnte.

Die letzten Tage habe ich mich in Gedanken mit einer bevorstehenden Predigt befasst.
Ich dachte darüber nach, wie toll es ist zu wissen, dass am Ende unseres Lebens jemand auf uns wartet. 
Kein Fremder am dunklen Bahnhof, der die Hochzeitseinladung hochhält, damit wir ihn erkennen, sondern unser geliebter Freund und König wird mit offenen Armen auf uns warten.
Wahrscheinlich werde ich so etwas sinnloses wie „GRÜN!GRÜN! RÜN!“ rufen, wenn ich ihn sehe, aber das ist dann nicht wichtig.
Die Beschwerlichkeit der Reise wird im Rückblick kaum in`s Gewicht fallen, auch nicht für das schwerste Leben.
Ja, es werden noch liebevoll Tränen abgewischt - und dann werden segnende Hände auf uns gelegt, es wird ein Hochzeitsfest geben, Berge von Essen (hoffe ich), Musik und Tanz.

Helmut Thielecke schreibt:
Das ist das Wunder des Evangeliums: Nicht nur wir sind auf dem Weg.
Es kommt uns auch einer entgegen, der uns kennt.
Das letzte Geheimnis der Geschichte heißt:
Es gibt für uns alle eine Heimkehr, weil es eine Heimat gibt.