Mittwoch, 27. Februar 2019

Vom Verlaufen und Merkzettel schreiben

Bevor ich heute mit den Schreiben loslege, lese ich nochmal was ich letzte Woche  aufgeschrieben habe. Und wie so oft, wenn ich meine eigenen Texte lese, denke ich: Stimmt! So wollte ich das ja machen! Der Anfang war auch ganz gut, aber am Ende der Woche war ich so genervt, dass das kleine Glück sich aus dem Staub gemacht hat. Ach ja, leider hinkt die Realität meinen eigenen Worte oft ziemlich hinterher.
Es ist ein bisschen so wie im letzten Urlaub, als ich an einem Tag alleine unseren Hausberg besteigen wollte, den wir von unserem Balkon aus gut sehen konnten. Der Gipfel schien auch ganz nah und leicht zu erreichen. Also habe ich mir einen Plan zurecht gelegt, wie ich die Wanderung gestalten will: Gemütlich den kleinen Wiesenweg entlang bis zur Waldgrenze. Mittagessen auf der Almhütte. Die letzte kleine Steigung hoch. Den Blick vom dem Gipfel genießen. Danach entspannt wieder ins Tal zurück. Soweit der Plan. Die Realität sah leider anders aus (hab ich schon erwähnt, dass mein Orientierungssinn nicht besonders ausgeprägt ist?)  Zuerst irrte ich ewig durch das Dorf bis ich endlich den kleinen Wiesenweg gefunden hatte. Dann fand ich mich zwischen einer bedrohlich wirkenden Kuhherde wieder, die mich dazu brachte die Richtung vor dem Wald ein wenig zu korrigieren. Dadurch war die Almhütte nicht mehr zu finden. Die "kleine steile Strecke" bis zum Gipfel zog sich unglaublich in die Länge so dass ich mehrmals kurz davor war einfach umzudrehen. Als ich dann endlich oben war konnte ich den Ausblick nicht lange genießen, weil der Durst mich wieder hinunter ins Tal trieb (ich hatte doch tatsächlich meine Wasserflasche vergessen!).  Am Ende kam ich völlig fertig wieder in unserer Ferienwohnung an.
Leider sind solche Ausflüge keine Ausnahme bei mir. Ich lande oft nicht da, wo ich eigentlich hin wollte. Und wenn doch, dann erst über einige Umwege. Und genau so geht es mir auch mit dem Schreiben: Während ich schreibe, scheint die Strecke ganz klar vor mir zu liegen. Aber dann  verlaufe ich mich in meinem Alltag und ich finde mich oft genug entmutigt und schimpfend, mit ausgetrockneter Kehle ganz weit weg vom geplanten Weg wieder.
Was mal wieder zeigt: Ich schreibe zuallererst für mich selbst!  Ich schreibe um mir die grobe Richtung vor Augen zu halten, in die ich gehen will. Auch wenn ich mich dabei ständig verlaufe. Und ich glaube, dass es genau die Themen sind, mit denen wir so oft kämpfen und bei denen wir ständig aus der Spur kommen und trotzdem nicht aufgeben, mit denen wir einander Mut machen können. Weil wir die Gegend kennen! Weil wir schon in fast jeder Ecke waren in die man sich nur verlaufen kann und deshalb auch wissen, dass man von jeder Richtung aus wieder auf den richtigen Weg zurückfinden kann.  
Also schreibe ich weiter. Ich schreibe darüber wie unglaublich geliebt wir sind, während es mir in meinem Alltag oft so schwer fällt genau das zu glauben. Ich schreibe über das kleine Glück, während ich verzweifelt unter dem dicken Stapel der 100 Dinge die mich gerade Nerven! danach suche. Ich schreibe fast jeden Sommer darüber, dass wir unseren Körper freundlich und liebevoll betrachten dürfen, während mein Blick, den ich mir vor dem Spiegel zuwerfe, oft alles andere als freundlich ist. Ich schreibe wie eine alte Frau die kaum aus dem Zimmer, schon nicht mehr weiß was sie eigentlich wollte. Ich lege Sätze wie kleine Merkzettel aus, um mich an das zu erinnern was ich im Laufe des Tages vergessen werde.  Heute schreibe ich auf den Zettel:
✿ Großzügige Freundlichkeit für mich und alle anderen, wenn wir vom geplanten Weg abkommen. 
Neulich habe ich diesen  wunderbaren Satz gelesen - ein Gebet wie ein Merkzettel den wir Gott hinlegen: Gott, ich werde dich im Lauf des Tages vergessen. Bitte vergiss du mich nicht!  Es ist  die frohe Erinnerung daran, dass es am Ende doch genau das ist, was uns begleitet und was uns hilft anzukommen, über alle Umwege:
ER denkt an uns. 
ER vergisst uns nicht!!! 



Mittwoch, 20. Februar 2019

kleines Glück

Die Sonne scheint warm in unser Wohnzimmer. Am liebsten würde ich eine Runde rausgehen und dieses ungewohnte Februargeschenk genießen. Aber neben mir auf der Matraze liegt hustend der kleine Sohn und schaut sich ein Bilderbuch ein. Ich nutze die kleine Pause (nach gemeinsamen Malen und Auto spielen) um ein paar Worte zu schreiben. Ich habe mir auch schon einen kleinen Text zurecht gelegt. Von wegen wie schön es doch ist, wenn man alles stehen und liegen lassen kann um Zeit mit dem kranken Kind zu verbringen. Lieblingsessen kochen, Orangen auspressen, (hat meine Mama immer bei uns gemacht), Bilderbücher anschauen und sich gegenseitig Geschichten erzählen. Tage die bestens dafür geeignet sind, sich auf den Weg zum Kinderherz zu machen. Schwache Zeiten, die im Gepäck das Geschenk der Nähe haben. Ja, es könnte so schön sein. Wäre da nicht auch die andere Seite in mir, die innerlich seufzend an alles denke, was jetzt "wichtiges" liegenbleibt. Und diese Unruhe, die mich drängt viel zu oft aufs Handy zu schauen und die mich gestern dreimal zum Briefkasten geschickt hat (am Ende wurde ich mit einem kümmerlichen Kontoauszug abgespeist). Es ist die irrige Annahme, dass vielleicht eine lebensverändernde und wunderbar glücklichmachende Nachricht von außen zu mir kommt. Keine Ahnung was für eine Nachricht das sein könnte!? Vielleicht ein Anruf, dass ich den Nobelpreis gewonnen habe? Nur wegen was genau? Oder eine Einladung zu einem wilden Abenteuer? Lustigerweise poppt eben, während ich das schreibe, eine Nachricht auf dem BIldschirm auf mit dem Titel: "Unglaubliche Abenteuer warten auf dich - nur einen Klick entfernt!" Haha. Genau so.
Und dann schaue ich mich wieder hier um, richte mein Blick auf den inzwischen eingeschlafenen Sohn (wie schön!!!), die verstreuten Stofftiere, die volle Teetasse und das stehengelassene Obst. Und ich ahne es: Hier ist das Geschenk! Jetzt und hier. Kein Klick weit weg. Keine Nachricht auf die ich noch warten muß. Mir fällt dieser Spruch ein, den mir eine Lehrerin in mein Poesiealbum geschrieben hat:
Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergeblich warten.                                         Pearl S. Buck
Ich fand das irgendwie blöd. So nüchtern. Und es hat sich gar nicht gereimt. Aber umso älter ich werde, umso mehr merke ich: Es ist so wahr! Wenn wir nicht aufpassen, dann  hetzt uns die Unruhe durchs Leben und wir verpassen so viele kleine Glücksmomente (und Klicks hat so ganz wenig mit Glück zu tun :-)).  
Also werde ich jetzt die Ungeduld ins Nebenzimmer schicken, bis sie sich wieder benehmen kann und als stille Neugierde zurückkommt. Bis dahin versuche ich das Glück zu fassen, wo auch immer es sich heute versteckt hat. ✰Im Geruch der warmen Erde, der von draußen kommt. ✰Im Geschmack des aufgewärmten Gemüseauflaufs ✩Im Sonnnenstrahl der die kleinen Luftpartikel wie Sternenstaub tanzen lässt ✰Im Worte auffädeln ✰Im  Lächeln der Nachbarin✰ Im Autoqartett spielen (irgendwo da drin, muß doch auch Glück versteckt sein! Nur wo???)✰ Im Kaffee mit aufgeschäumter Milch ✰Im gemächlichen Ticken der Uhr.(was für ein Luxus: Zeit haben. Sich Zeit gönnen um gesund zu werden!) ✰Im Klang des Geigenspiels aus dem Nachbarhaus ✰Im Zeit verstreichen lassen bei "nutzlosen" Dingen, aus denen warme Erinnerungen werden.

Willkommen kleines, großes Glück! ✰ Fast hätte ich dich übersehen. Wie schön, dass Du da bist.





Und DANKE (!!!!)  an alle die mit einem Klick Blumen nach Burundi geschickt haben! ✨ (Hier hängt klick und Glück doch zusammen :-)).
Der letzte Stand am Montag war: 325 Rucksäcke und Schuhe. 


Montag, 11. Februar 2019

*Blumen* für Burundi!

(Blogpost enthält externe links und NICHT beauftragte Werbung.)

Diese Woche ist Valentinstag. An dem Tag werde ich, wie die Jahre zuvor, keinen Strauß bekommen. Das ist so, wenn man einen Mann heiratet, der konsum-geputschte amerikanische Feiertage nicht leiden kann. Auch wenn der heilige Valentin kein Amerikaner war - in den Staaten versteht man es eben die romantische Liebe zu feiern :-).Für mich ist der Boykott des Mannes völlig in Ordnung.  Andererseits finde ich es auch toll einen Tag im Jahr zu haben, an dem man daran erinnernt wird, wie schön es ist, jemand eine Freude machen kann. 
Nun habe ich im shelovesmagazine (eine Plattform für Frauen aus aller Welt, die Jesus lieb haben) eine wunderbare Valentins-Idee gefunden. Zugegeben sind es keine echten Blumen, die man verschicken kann, aber es kostet ungefähr so viel wie ein Blumenstrauß und ist mindestens so farbenfroh. Schaut mal, ist das nicht schön?!:

 

Für 15 Dollar (also 13,68 Euro) bekommt ein Schulkind in Burundi eine dieser wunderbar handgefertigeten Taschen und die tollen Schuhe dazu! 
Die Autorin und Theologin Kelley Nikondeha lebt ihrem Mann Claude in Burundi. Ich habe schon einige ihrer bewegenden Geschichten von dort gelesen. Unter anderem haben sie eine Schule gegründet. Am Anfang waren es nur 15 Schüler, inzwischen kommen über 600 Schulkinder regelmässig zum Unterricht.

hier sehr ihr Claude in dem Schulzentrum Kwizera Academy
Viele Kinder kommen barfuss, den oft weiten Weg, zur die Schule. Dabei kommt  es häufig zu Verletzungen und Parasitenbefall. Claude, der selbst auch aus Burundi kommt, hat mit lokalen Künstlern die Idee entwickelt Schuhe und passend Taschen für die Schüle zu entwerfen. Sie werden von Handwerkern vor Ort hergestellt. Könnt ihr euch vorstellen wie stolz die Kinder diese Sachen tragen werden? Auf diesem kleinen Film könnt ihr es euch auch anschauen: 

(Hier könnt ihr aucheinen ausführlicheren Text dazu auf englisch lesen)

Normalerweise mache ich solche Aufrufe über meinen Blog nicht. Weil ich alles immer so überfrachtet finde mit Aufforderungen etwas anzuklicken, zu geben, zu unterstützen, wo mitzumachen... Aber dieses Mal konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich finde die Sache so wunderbar, dass ich euch die Gelegenheit geben wollte dabei zu sein, falls ihr das wollt. Wäre es nicht klasse, wenn am Valentinstag alle 600 Kinder ihren "Blumenstrauß" überreicht bekämen?
Es geht ganz einfach, wenn ihr Paypal habt (oder eine Kreditkarte):  Auf die Seite von shelovesmagazine.com, das Foto rechts (von Tasche und Schuhe) anklicken, dann werdet ihr weitergeleitet.

Ein bisschen Liebe nach Burundi schicken.
Eine Umarmung. 
Ein: Wir gehören zusammen! 
Happy Valentines Day!!!
💖💖💖  

(und es macht so viel mehr Freude so einen "Strauß" zu verschicken, als auf eigene Blumen zu warten, finde ich :-)).

Donnerstag, 31. Januar 2019

Pause. Plaudern. Menschen treffen.

So bin ich in diese Woche gestartet:


Ich liebe dieses Wort, das sich im deutschen wie ein böses Schimpfwort anhört. Fika - damit verbinde ich die schönsten Momente meines Schwedenaufenthaltes. Wenn man im Winter monatelang die Sonne nicht wirklich zu Gesicht bekommt, dann ist dieses Pause machen, plaudern und mit Menschen treffen, mit Zimtschnecken und Schokobällchen, Kerzenlicht und Kaffeetasse, die absolut beste Zeit des Tages (und an besonders düsteren Tagen auch mehrmals zu zelebrieren!). In Stuttgart ist der Winter zwar nicht ganz so düster und trotzdem tat es so gut mich mit der wunderbaren Veronika zu treffen. Endlich hat es mal wieder geklappt! Fast wären uns Termine und To-do-Listen dazwischen gekommen. Doch nachdem wir uns darauf geeinigt hatten, dass Montagmorgen ein ganz schlecher Tag zum Schreiben ist (und auch für alles andere!) sind wir uns auf halben Weg entgegengefahren. Und praktischerweise treffen wir uns dabei in Schweden:-).

wir finden Selfies zwar schrecklich- besonders am frühen morgen . aber was sein muß, muß sein!
Auch wenn ich  danach über eine Stunde auf der gesperrten Autobahn stand und das Elterngespräch in der Schule verpasst habe - es war die Sache auf jeden Fall wert! Und es gab ja auch so vieles zu bereden: Eine Mutter-Kind-Kur (ihrerseits), abenteuerliche Geschichten über eine vergebliche Wohnungssuche (unsererseits), allgemeine Seelenlage und anstehende Buchprojekte (beiderseits). Auch wenn wir in vielem ganz anders sind: Diese Frau ist ein Segen in meinem Leben! Ihr Blog hat mir Mut gemacht selbst einen zu starten (und ich weiß da bin ich nicht die Einzige) und sie selbst ist genauso wunderbar und ehrlich wie ihre Texte und Geschichten. Und das Schreiben scheint sie einfach so aus dem Ärmel zu schütteln, während ich für meine Texte sooo viel länge brauche. Ich versuche sie dafür nicht zu hassen ;-). Nach vielen gemeinsamen Fika-Zeiten, bin ich einfach nur von Herzen dankbar für unsere Freundschaft! Und ja - es war und ist auch eine bewusste Entscheidung, dass wir uns nicht als Konkurrentinnen sehen, sondern als Weggefährten, dass wir den Reichtum des anderen feiern als wäre es der eigene (was ja tatsächlich auch so ist) und dass wir uns immer wieder Zeit nehmen tiefer zu blicken, vorbei an dem Augenscheinlichen, in gemeinsame Sehnsüchte und Ängste und Hoffnungen und dem Wunsch Jesus nachzufolgen. Ach ja, da gibt es so vieles zu Plaudern. Wir reden und reden und kurz bevor ich jetzt aber wirklich gehen muß, beten wir noch miteinander. Das machen wir nicht so oft. Aber an diesem Morgen passt es einfach. Zwischen Einkaufswägen und Geschirrgeklapper. Ich segne sie. Sie segnet mich. Eine dicke Umarmung. Und dann geht jeder wieder seine Wege.
Sie wird noch ein paar Dinge für ihr wunderbares Zuhause kaufen (ich bin nur ein wenig neidisch:-)) und ich werde im Stau stehen, bevor wir dann den Rest des Tages in Angriff nehmen können. Wir werden Wäsche waschen, Wutanfälle überstehen - die von anderen und die eigenen - und kleine Lücken finden in denen wir Worte auf den Bildschirm tippen. Und wieder löschen. Und neu schreiben. Und Geschichten entstehen lassen. Gemeinsam mit vielen anderen.
 Auch wenn jeder an seiner "Front" zu kämpfen hat: Es ist so gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind!  Besonders in den dunklen Jahreszeiten in denen uns nur Kaffee, Zimtschnecken, ehrliche Gespräche und atemlos gesprochene Gebete über Wasser halten können. Auch wenn dadurch Dinge liegenbleiben und Termine verpasst werden (und es mich oft einiges an Anstrengung kostet aus meiner introvertierten, kleinen Ecke rauszukommen). 

Unser  jährliches "Danke-Raclett-Essen" für die Bereichleiter der Gemeinde war auch so ein schönes Treffen am vergangenen Freitag. Die Tafel passt gerade mal so in unser Wohnzimmer, aber - wie ich es neulich irgendwo gelesen habe:  
Nicht die Größe unserer Wohnungen, sondern die Größe unserer Herzen ist entscheidend. 
Das ist so wahr! Auch wenn mich größere Einladungen im Vorfeld oft etwas in Stress versetzen (der Mann kann ein Lied davon singen!):  Ich will, innerhalb der Begrenzungen die ich habe - räumlich, zeitlich und auch seelisch - immer wieder Platz für Begegnungen schaffen. Und ich will bereit sein, mich unterbrechen zu lassen. Pause. Plaudern. Menschen treffen. Einander den halben Weg entgegenkommen. Und sich gegenseitig barmherzig betrachten. Das Leben ist viel zu kurz um auf diesen Segen zu verzichten!


Dienstag, 22. Januar 2019

Von Büchern und Bilderrahmen

Obwohl heute erst Dienstag ist, hab ich schon mein Lieblingsbild der Woche gefunden:
Heio war gestern Nachmittag mit Samuel unterwegs und ich war allein Zuhause. An einem gewöhnlichen Wochentag versuche ich diese Zeit dafür zu nutzen um Liegengebliebenes zu erledigen. Boden fegen. Wäsche waschen. Mails beantworten. Alles sowas. Aber als ich in der Küche stand um ein wenig Ordnung zu machen fiel mein Blick auf das Feuer in unserem Ofen. Eine warme Einladung sich den Lehnstuhl und ein Lieblingsbuch zu holen und den Moment zu genießen. Und genau das habe ich getan. (was für ein Luxus!!!) Ich habe den Putzlappen in die Ecke gelegt um Anne Lamott zuzuhören, die in ihrem Buch "bird by bird" so wunderbar über das Schreiben erzählt; und über das Geschenk guter Bücher:
Was für ein Wunder, dass sich auf kleinen, starren Papierquadraten Welt um Welt entfaltet, Welten die dir zusingen, dich trösten und beruhigen oder aufwecken...Meine Dankbarkeit für gute Bücher ist grenzenlos; es ist eine Dankbarkeit wie ich sie auch für das Meer empfinde. Wisst ihr was ich meine?
Ich nicke. Weiß genau was sie meint. Was bin ich froh über Bücher die mich auf die Reise nehmen, während ich einfach in meiner warmen Küche sitzen kann. Ich lese gerne schöne Geschichten und auch solche die so dicht und düster geschrieben sind, dass ich zuerst die letzten Seiten lesen muß um sicher zu gehen, dass am Ende auch alles gut ausgeht. Dann kann ich beruhigt die dunklen Stellen mittendrin lesen. Gute Geschichten haben mich schon von klein auf in ihren Bann gezogen.  "The gift of loving to read", nennt es Anne Lamott. Ich bin dankbar für diese Gabe...
Als die zwei Mitbewohner zurückkamen hat Samu einen Blick zu mir in die Küche geworfen, gestrahlt, sich umgedreht und seinen kleinen Schaukelstuhl und sein Lieblingsbuch angeschleppt. (wie wunderbar, dass dieser wilde Kerl auch diese Gabe das Lesen zu lieben bekommen hat!) Und so saßen wir eine ganze Weile still nebeneinander - obwohl es eigentlich längst Zeit fürs Abendessen war. Da war nur das Rascheln der Seiten beim Umblätter. Und das Knistern des Feuers im Ofen. Und eine tiefe Dankbarkeit in mir. Es ist einer der Momente, den ich innerlich einrahmen will und aufbewahren. (und deshalb hab ich Heio gerufen: Mach bitte ein Foto von uns :-)).


Das Gute wahrnehmen - dabei hilft mir das Lesen. Und das Fotografieren. Und das Schreiben. Ann Voskamp drückt es so gut aus:
Ich versuche für die Gegenwart zu danken, indem ich einzelne Momente mit Bilderrahmen versehe und ihnen Aufmerksamkeit schenke.
Wie oft laufe ich an solchen Momenten wie blind vorbei. Mein Gebet ist: Jesus, mach mich sehend!  Wie muß das für den Blinden gewesen sein, den Jesus geheilt hat: Das Erste was er sah, war sein liebevolles Gesicht. Und dahinter eine Welt voller Wunder...  

"Was willst du, dass ich dir tun soll?"

Dass ich sehend werde!"

Ich weiß - und auch das ist Realität in diesen Tagen: manchmal bleiben die Wunder aus und die Dunkelheit kann einen Menschen zur Verzweiflung bringen. Dann hilft es mir die "letzten Seiten" zu lesen, die mir die Gewissheit geben, dass die Geschichte, über die wir heute Tränen vergießen, gut ausgehen wird. 
Ich will sehend werden. Mit Fernsicht für das unfassbar gute Ende, dem wir entgegenleben und mit einem Vergrößerungsglas für die Segnungen die heute schon da sind. Ich will die Momente mit Bilderrahmen versehen die mir zeigen: Wir sind umgeben von guten Worten, von wärmendem Feuer, von Schönheit und Freundlichkeit und Liebe - und einem Meer aus Gnade. 

mein "Vergrößerungsglas": Segnungen aufschreiben...

und Bilder rahmen


Mittwoch, 16. Januar 2019

Angst oder Hingabe

Das neue Jahr fängt bei uns etwas überwältigend an. Eine größere Entscheidung steht an und meine Stimmungslage schwankt zwischen zuversichtlichem Vertrauen und angstvollem Kopfkino. Dann hat mich noch eine heftige Halsentzündung lahmgelegt. Samu leistet mir Gesellschaft und liest aus seinen Autobüchern vor. 


Ich sage euch: Es ist ziemlich einschläfernd wenn ein Zweitklässler dir mit monotoner Stimme Fakten über die schnellsten Autos der Welt vorliest. (und nach ein paar Sätzen immer das Wissen abgefragt wird von welchem Auto man denn nun besonders beeindruckt ist. Und warum. Also abschweifen geht gar nicht!) Dazwischen muß er dann auch mal kurz in die Schule, was er weinend tut, um dann so eine herzerweichende Nachricht vor meiner Schlafzimmertür zu hinterlassen:

Heio sagt: er war nicht krank, er hat sich nur so gefühlt - wahrscheinlich weil ich krank war :-)
Heute morgen ging es mir endlich etwas besser. Zur Feier des Tages haben wir Pancakes zum Frühstück gemacht. Freudig legt sich Samu drei Stück in die Vesperdose. Trostessen für die Pause. Er schnallt sich den schweren Schulranzen auf, kämpft, wie jeden Morgen, gegen die Angst zu spät zu kommen und irgendwelche Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Er wirft einen Blick auf seinen Stundenplan und seufzt. Dann verabschiedet er sich tapfer mit einem Kuss. "Aber du musst noch winken, Mama!" Macht die Mama. Ich stehe am Fenster, sehe ihn die Straße überqueren und wir winken uns so lange es geht. Dabei läuft er ganz langsam rückwärts, um mich keine Sekunden aus den Augen zu lassen. Bis er widerstrebend hinter einem großen parkenden Auto verschwindet. Obwohl ich ihn nicht mehr sehe weiß ich, dass er sich dann umdreht und schnell Richtung Schule rennt. Und wenn er von weitem seinen Freund erspäht ist alles gut. Dann stürzt er sich ins Leben und kommt mittags als großer Zweitklässler zurück, der seinen Ranzen in die Ecke pfeffert und munter fragt was es denn zum Essen gibt. Eine erstaunliche Verwandlung, die ich jeden Tag beobachten darf. 
Gestern habe ich in einem Buch den Satz gelesen: Man kann im Leben zwischen Angst und Hingabe wählen.  Das gefällt mir. Auch wenn ich mich ganz oft am liebsten unter der Bettdecke verkriechen würde - da ist etwas was mich ins Leben ruft; was mir sagt, dass da draußen meine Geschichten auf mich warten, dass ich mich winkend von Geliebtem und Vertrautem verabschieden darf um dann ein bisschen gewachsener zurückzukehren.
Manches kostet mich richtig viel Überwindung.  Manche Wege erfordern nur ein wenig Mut. Die Nachbarin einladen. Den Anruf erledigen. Den Termin absagen. Endlich das ehrliche Gespräch führen. Entschuldigung sagen. Ein Seminar besuchen auf dem ich niemand kenne. Einen lang gehegten Traum angehen. Zum Arzt gehen. Eine Freundschaft bewusster suchen...
  
Angst oder Hingabe. Beides ist in mir. Ich kann wählen.Jeden Morgen neu.

Jesus, wenn du um die Ecke auf uns wartest, dann schenk mir Mut! 

Freitag, 4. Januar 2019

Auf das was war - auf das was kommt: Happy new Year!!!



Ihr Lieben, ich wünsche Euch ein wunderbares und gesegnetes 2019! 
Ich hoffe Ihr seid gut ins neue Jahr gestartet. Das ist ja nicht immer einfach - an Tagen die oft so überladen werden mit Erwartungen wie es denn sein sollte... Wir haben an Weihnachten tapfer in den leer gewordenen Räumen gefeiert und ab und zu eine Träne verdrückt. Danach hatte ich den Luxus zwei Tage lang ganz alleine mit Jesus zu verbringen; zusammen nochmal zurückschauen. Es war kein einfaches Jahr. Aber im Rückblick erkenne ich, dass Segen da war. Auch und gerade an den schwierigen Tagen. Da war der Abschied von meiner Mutter. Vieles von dem was ich jahrelang gefürchtet habe ist eingetreten. Aber es war auch Kraft dafür da. Und Durchtragen. Und am Ende eine Ahnung von heil werden, gestärkten Beziehungen und einem zaghaften: Gott hat es gut gemacht.  


Und nebenher waren 14 wunderbar aufregende Mini-Alphakursabende in unserem Wohnzimmer. Schon lange habe ich nicht mehr so viel Mut für etwas gebraucht. Jeder Abend wie ein Sprung ins kalte Wasser.  Während ich den Tisch gedeckt habe, habe ich oft verzweifelt gebetet: "Jesus, wenn du nicht auftauchst, dann wird das hier nichts!" Es wurde was. Abende wie warmes Licht im Fenster. Leckeres Essen.  Lachen. Nachdenken. Lieder, immer mutiger gesungen. Jesus, mitten unter uns. Beziehungen die mein Leben  bis heute bereichern. 
Eine andere Feuerprobe ist noch nicht ganz ausgestanden aber langsam legt sich auch hier der Staub. Und zu meinem eigenen Erstaunen erkenne ich, dass ich erste, kleine Schritte auf neuen Boden setze, so wie ich es  Anfang des Jahres erhofft habe. Es kam allerdings ganz anders als gedacht. Mühevoller und schwieriger. Manchmal haut es uns, nach ernstgemeinten Gebeten, das Leben um die Ohren. Und manche Verheissungen kommen nur im Doppelpack, mit den Schwierigkeiten die wir  durchleben. Manches neue Land bekommen wir nur wenn wir endlich aufhören zu kämpfen und anderes erst, nachdem wir mutig den Riesen darauf den Kopf abgeschlagen haben.  Oft kommt alles ganz anders. Und am Ende doch genau so wie Gott es verheissen hat. Die letzten Wochen dieses Jahres hatten etwas von einem wunderbaren und vollen Nachgeschmack nach einem Schluck schweren Weins.  

Auch wenn Hoffnungen sich nicht erfüllen: Segen ist immer  da (Ann Voskamp). 
Diesen Satz kann ich nur dick unterstrichen über das vergangene Jahr stellen. 
Und zusammen mit guten Freunden durften wir dann das neue Jahr im Allgäu begrüßen. Auch hier: eine gedeckte Tafel. Raclett. Kinderlachen und Geschrei. Spiele und Schneechaos.  Und dazwischen langsame Gespräche wie fließender Honig. 











  
Angesichts der jungen Freunde, die mit ihren Kindern wie die kleine Welpen den Rodelhang rauf und runter tobten (während Heio und ich die meisten Zeit dabei zuschauten und ich mir so richtig alt dabei vorkam :-)), stieg die bange Frage in mir auf, ob sich unsere besten Jahre wohl dem Ende zuneigen. Haben wir die guten Tage vielleicht langsam aufgebraucht? Werden Schwachheit, Verlust und das Loslassen zunehmend die kommenden Zeiten bestimmen? Wer weiß das schon... Abends lese ich dann  diese trostvollen Sätze die mir den Blick wieder zurecht rücken und so viel Mut machen:
Angst ist immer ein Ausdruck, dass die Liebe Gottes erschöpft sein könnte. Denkst du ich bin endlich? Kannst du dir vorstellen, dass mir der Vorrat an Brot ausgehen, dass ich nicht genug haben könnte? Mein Kind, ich bin unendlich! Nichts kann bei mir zu Ende gehen! Geht das Leben bei mir zu Ende? Oder die Freude? Der Frieden? Oder irgendetwas was du benötigst? Ich bin das Brot des Lebens und ich werde immer genug Brot für dich haben, Bei mir hören die Segnungen nie auf weil auch meine Liebe zu dir nie aufhören wird. Ich bin der Gott des Überflusses, der Unfassbare, dessen Liebe und Gnade nie versiegt. 
(aus "tausend Geschenke" von Ann Voskamp).
Was für ein Wort um zuversichtlich ins neue Jahr zu starten!  DAS will ich ihm glauben. Gott gibt anders als die Welt gibt. Bei ihm gibt es keine "geistliche Rente" bei der die Versorgung mit den Jahren immer knapper wird (und man dringend eine Privatversicherung abschließen sollte!). Die Höhepunkte seiner Geschichten, liegen oft ganz weit in der zweiten Hälfte unserer Tage. Also will  ich auch in 2019 ( in dem ich meinen 50. Geburtstag feiern werde!) die Segnungen zählen. Mitten in meinen ganz alltägllichen Leben. Danke, dass ihr mich auf dieser Spurensuche begleitet! 




Was immer auch kommt - an den guten, herausfordernden, leichten und schweren Tagen: Segen wird da sein. ER wird da sein. Und immer genug Brot für uns haben! Das ist für mich, die ich in einer Familie aufgewachsen bin in der eine leere Brotdose eine große und absolut zu vermeidende Katastrophe war, eine großartige Sache! 
Wir sind und bleiben von guten Mächten wunderbar geborgen! Hier singt unser Freund Steffen Eiffert davon. Lasst euch damit umarmen, wo immer ihr auch seid!!!


Mittwoch, 19. Dezember 2018

Heilige Nacht

Nun sind wir tatsächlich schon kurz vor Weihnachten! Wir haben den ersten Schnee gefeiert. Zuerst  bei einem Kurzbesuch im Schwarzwald und dann sogar vor der eigenen Haustür!






Leider schmilzt in der Stadt die weiße Pracht so schnell dahin. Inzwischen erinnert nur noch ein blauer Eimer und ein rotes Halstuch daran, dass da mal ein Schneemann stand. 
Heute morgen schaue ich nochmal auf die Liste der DInge die vor Weihnachten noch erledigt werden sollten. Sie ist beruhigend klein geworden. Die Geschenke warten noch darauf verpackt zu werden. Trotzdem sitzt die Festfreude noch nicht wirklich in den Startlöchern.  Ich sage müde zu Heio: "Ich bin jetzt schon froh, wenn Weihnachten vorbei ist!"  Wir feiern den heiligen Abend zusammen im Schwarzwald. Mit meiner Schwester und dem Onkel, der jetzt noch alleine in meinem Elternhaus wohnt. Bei dem Besuch letzten Woche habe ich versucht die Wohnung dort ein klein wenig weihnachtlich zu schmücken. Aber es wird nicht über die leeren Regale hinwegtäuschen. Und die leeren Plätze am Tisch.





Meine Gedanken sind bei all denjenigen, die dieses Jahr auch Lücken aushalten müssen. Leere Räume. Weil da jemand fehlt. Jemand der letztes Jahr noch da war. Oder jemand dessen Existenz im eigenen Leben seit Jahren schmerzlich vermisst wird. 
Ich denke an  eine Bekannte deren Mann in diesem Jahr ganz plötzlich verstorben ist. Wieviel Tapferkeit braucht es für sie und ihre Kinder, diese Tage durchzustehen! 
Ich denke an die Freundin deren Hoffnung auf einen Gegenüber mit dem sie durch dick und dünn gehen kann, sich auch in diesem Jahr nicht erfüllt hat. 
Ich denke an meine Weggefährtin die, auch dieses Jahr, Päckchen für die Kinder anderer Leute packen und dabei den Schmerz über die eigene Kinderlosigkeit als Kloß im Hals spüren wird. Du wirst es ihr nicht anmerken. Sie wird deinem Kind über den Kopf streicheln und dir frohe Weihnachten wünschen. Ich werde sie dieses Jahr ein bisschen länger drücken...
Ich denke an all die Menschen, die ihr Weihnachten weit weg von ihrer Heimat feiern, in einem Land wo man in kühlen Amtsstuben seine Geschichte erzählen muß; schlimmste Erlebnisse unter deren Schutt die Seele kaum noch atmen kann. Aber sie werden weiteratmen. Sie werden ihre Kinder ins Bett bringen und im Dunkel  Handybilder von der Heimat betrachten. Damals. Als alles noch gut war.
Und ich denke an die Freundin mit der ich zusammen auf eine Diagnose warte. Ab und zu werden an Weihnachten unsere Gedanken zu dem Arztbrief wandern, zu dem Verdacht auf und dahinter ein Schreckenswort. Und ich werde hoffe und beten, dass wir diese Verdachtsworte im neuen Jahr erleichert streichen können.

Oh weh. DAS soll jetzt eine Weihnachtspost sein?, denke ich beim Schreiben. Soll ich nicht ein paar heitere Worte vor den Weihnachtstagen finden? Und frohe, dankbare Worte gäbe es auch genug zu schreiben. Wirklich.  Es gibt so viel sichtbare Freundlichkeit Gottes die mich lächeln lässt. So viel Gutes was ich betrachten kann, am Ende dieses Jahres (der Jahresrückblick folgt noch). Aber hier und heute soll Platz sein für die leeren Räume. Für das Vermissen. Für die dunklen Nächte in denen wir uns sorgenvoll fragen wie alles werden wird. Wir brauchen das alles nicht an die Seite zu räumen. Im Gegenteil! In eine dieser Nächte wurde Jesus hineingeboren. Ich sehe Maria vor mir. In einer Notunterkunft. In der fremden Stadt. Erschöpft von den Geburtsschmerzen hält sie das kleine wimmernde Wesen in ihren Armen und flüstert: Schön, dass Du da bist Jesus! 
Schön, dass Du da bist Jesus! Auch in unseren Nächten. Du hältst uns alle. ALLE Menschenkinder. Hältst Schmerz und Trauer und Wut. Und dann wischt du die Tränen ab. Eine nach der anderen. Das kannst du so gut: Aus den Nächten eine Heilige Nacht machen. Einfach deshalb weil du da bist!

Ich stell mich ans Fenster, neben all diejenigen, die sich nach dir sehnen. Heiland der Welt. Wir warten auf dich!


GESEGNETE WEIHNACHTEN EUCH ALLEN!!!!

Dienstag, 4. Dezember 2018

Alle Jahre wieder.

So vieles im Leben geschieht in einem wiederkehrenden Rhythmus. Ich finde das hat etwas tröstliches, in einer Welt die sich ständig verändert und in der man sich oft genug neu anpassen muß. Da kommen die kleinen Rituale und vertrauten jährlichen Abläufe (maches erwünscht, manches befürchtet) wie ein alter bequemer Schuh daher, in den man schlüpfen kann.  Alle Jahre wieder: 

Ausstecherle backen. Geduld üben. Sich wundern warum die Kekse bei der eigenen Mutter irgendwie immer viel besser geschmeckt haben und sich fragen ob das dem Sohn auch mal so gehen wird? (das würde ja heißen die werden über Generationen immer schlechter? Oder ist es einfach der nicht wiederholbare Geschmack unserer Kindheit?)


Und sich fragen ob auch bei anderen das Küchenchaos dabei so groß ist?
Unerwartete kleine und größere Katastrophen. Das Leben halt, das uns geschieht, und Pläne unbekümmert über den Haufen schmeißt. Dieses Jahr: Heios "Hexenschuß". Der Arme kam ein paar Tage lang kaum aus dem Bett. Wir haben solidarisch mit ihm im Bett gefrühstückt und uns gefreut, dass der Papa, schön aufgeräumt, immer da ist.


Die Sternstunde in der Gemeinde. Unser jährliches Essern und Feiern für einen guten Zweck. Abends kam ich ziemlich erledigt nach Hause (der Mann hat einfach gefehlt!) aber ich bin immer noch total erfüllt über den wunderschönen Nachmittag mit vielen besonderen Gästen.





Unser Baum bekommt wieder seinen Platz auf dem Balkon und wird ordentlich geschmückt. Ich stelle, wie jedes Jahr, erstaunt fest, dass er tatsächlich ein kleines Stück gewachsen ist. Ganz unbemerkt. Langsam wird das Tragen ziemlich schwer.  Wir warten darauf, dass wir ihn richtig einpflanzen können, an einem Ort an dem wir - so Gott will - für längere Zeit Wurzeln schlagen dürfen. Vielleicht finden wir ihn im kommenden Jahr? Wir sind gespannt...


Freude über Adventskalender! Samu bekommt ihn jedes Jahr von der tollen Tante, mit ganz viel Liebe gemacht. Und ich freue mich über meinen echten und den virtuellen Weihnachtskalender von der wunderbaren Tine - wenn ihr wollt, könnt ihr euch hier mitfreuen.


Die Dampflok ist da! Heute mittag ist es wieder soweit: Wir werden zum Schloßplatz fahren und "Zügle" kucken. Großes Staunen, jedes Jahr aufs Neue.


Und auch das: alle Jahre wieder kommt die Gier nach Geschenken; der verführerische Gedanke, dass uns Dinge glücklich machen können. Wir stellen fest: Umso mehr das Kind bekommt, umso größer wird der Wunsch nach NOCH MEHR. Da hilft nur gegensteuern: Gemeinsame Zeit verschenken. Vorlesen. Im Dunkel nochmal rausgehen und Weihnachtsbäume zählen. Kerzen anzünden und Adventslieder singen....und immer wieder fröhlich an den eigenen, guten Vorsätzen scheitern.


In der Adventszeit häufen sich die Termine für Lesungen. Und ich finde in diese Zeit passt das Vorlesen, an gemütlichen Abenden oder beim gemeinsamen Frühstück, so gut! Die Adventszeit ist für mich ein thin place, eine Zeit in der die Trennungslinie zur unsichtbaren Wirklichkeit durchlässiger wird und unsere Herzen ein bisschen weicher und weiter werden können.
 

Und ich liebe es, neue Weihnachtstexte für die Lesungen zu schreiben. Hier ein kleiner Ausschnitt für euch. Der Titel - ihr ahnt es: Alle Jahre wieder. Für einen kleinen, ruhigen Moment in dem ich euch "vorlesen" darf: (vorausgehend sind ein paar Gedanken über die Geburt, wie ich sie bei Samuel erlebt habe und wie Maria das wohl erlebt haben muß; wie, so alles überfordernd und chaotisch und wunderbar, neues Leben zu uns kommt):

Während ich hier schreibe, in meiner warmen Küche, singt Samuel im Nebenzimmer, völlig schräg: Alle Jahre wieder! Heio flieht zu mir ins Zimmer und verdreht die Augen. Er mag keine kitschigen Weihnachtslieder. Und wenn sie theologisch falsch sind, erst recht nicht. Alle Jahre wieder - als ob!
Aber vielleicht ist es tatsächlich so! Vielleicht kommt der immer gegenwärtige Jesus wirklich alle Jahre wieder bei uns an. Mittenrein in das ganze Durcheinander in das wir so oft geraten und über das wir so viel weniger Kontrolle haben als wir denken. In Streitereien und müdes Warten, Erkältungen und Menschengedränge. In komplizierte Familienverhältnisse, in das Chaos von geplatzten Einkaufstüten bis zur geplatzen Fruchtblase. Alle Jahre wieder. Kommt er zu uns. Auch zu denen für die diese Tage schmerzhaft ruhig und unendlich lang sind und diese ganzen Familienfeierlicheiten nur eine Erinnerung daran sind, was eben nicht da ist. Nie da war. Oder dieses Jahr zum ersten Mal fehlt. Und alles was man tun kann ist in den Schmerz zu atmen, auch wenn man vielleicht kein Ahnung hat wie das geht. Auch hier hinein, gerade auch hier hinein, kommt der Erlöser. Er kommt in das ganze, oft so komplizierte Leben, das unseres ist. Trotz aller Widrigkeiten kommt er bei uns an. Er schafft das. Er erwartet nicht, dass wir erst einen Achtsamkeitskurs besuchen, oder zumindest ein wenig unserer innere Balance herstellen, um ihm dann angemessen Raum und Zeit zu schenken. Jeder Raum ist gut genug für den Retter der Welt. Unter Geschrei und Schmerzen und Hoffnungsanfällen und „Ich kann nicht mehr!“, wird uns Christus in die Arme gelegt. Jedes Jahr aufs neue. Und er bringt Hoffnung mit. Auch wenn wir uns oft so wenig dafür bereit fühlen. Immanuel. Gott mit uns. DAS ist Verheissung. Einladung. Und Wirklichkeit. Seine sanfte Gegenwart bricht herein und hält uns fest, wie eine weiche Babyhand , die sich um unsere Finger schließt. Er findet uns. Unser Leben lang. Er war da, als wir mit staunenden Kinderherzen Maria und Josef und das Jesuskind betrachtet haben und strahlend Geschenke in Empfang nahmen, und er war da in den Jahren in denen uns so wenig nach Strahlen war. Er findet uns in den guten und vollen und oft auch so müde Jahren. Er kommt in krisengeschüttelten und fruchtbaren Jahre und auch in die stiller werdende, in denen wir von Erinnerungen zehren und das Vermissen und die Dankbarkeit immer mehr Raum einnehmen dürfen. Er kommt. Alle Jahre wieder. Mit hoffnungsvoller Nähe. Unser ganzes Leben lang. Was für ein tröstlicher Gedanke; so richtig um JETZT UND HIER für einem kleinen Moment: einfach zu stehen und zu staunen.