Mittwoch, 16. Juli 2014

Gut gemacht!

OK- Zeit für etwas schmerzhafte Ehrlichkeit: Ich bin ein Mensch der viel Lob und Anerkennung braucht. Ich wünschte sehr es wäre nicht so.
Neulich habe ich in einer Predigt den Satz gehört:
"Ein reifer Christ ist frei von Lob und Anerkennung anderer."
Und alles in mir schreit. Oh ja!!! So will ich auch sein. Aber so bin ich nicht. Und ich verachte mich dafür.

Heute morgen habe ich versucht auf Gott zu hören - diese leise Stimme in mir, die Frieden und Heil in meine unruhige Seele bringt - und ich habe ihn angefleht mir zu helfen, dass ich nicht immer so abhängig vom Lob anderer bin. Und plötzlich war es mir so, als würde Gott sagen:
"Christina, ich will, dass du aufhörst dich dafür zu verachten. Ich habe dich gut gemacht. 
Es stimmt, manches in dir braucht Heilung, aber ich kann nur das heil machen was du annimmst - wenn du sagen kannst: das gehört zu mir und es mir vertrauensvoll hinhältst."
Diese Worte - oder Gedanken die mir kamen, oder wie man es nennen will  - haben mich berührt. Plötzlich konnte ich ruhig werden und Gott sagen: "So bin ich. Wenn du es anders haben willst, ich schaffe es nicht. Ich, Christina, werde niemals frei von Lob und Anerkennung anderer sein."

Eine Freundin von mir hat neulich, zusammen mit einigen anderen, ein Schulprojekt an einer "Schwerpunktschule" in Stuttgart durchgeführt. Eine Woche lang haben sie Workshops mit Schülern gemacht und die Ergebnissen dann am Ende der Woche in einer gemeinsame Aufführung in der Turnhalle zu präsentieren. Es gab Gesangs-, Tanz- , Musik-, Photographie- und Stylingworkshops und vieles mehr. Heio hat auch mitgemacht und so saß ich am Ende der Woche zusammen mit Samu in der Turnhalle um bei der Vorführung dabei zu sein. 
Die Reihen füllten sich nur langsam. Es waren leider kaum Eltern gekommen. Die Schüler kamen zum großen Teil aus sogenanntem "Migrationshintergrund", auch junge Flüchtlinge waren dabei die kaum deutsch sprachen. Vor der großen Bühne- die extra zu diesem Zweck aufgebaut war- standen die Mitarbeiter des Projekts. Dann ging die Musik los, es startete eine tolle Lightshow und die Jugendlichen kamen auf die Bühne. Die Mitarbeiter davor rasteten förmlich aus!!! Sie schrien, hüpften und jubelten, als hätte der größte Rockstar die Bühne betreten. Die Ansagen, Aufführungen und Lieder wurden von Begeisterungsstürmen begleitet - es steckte uns alle an. Die Halle tobte!!! Und die Jugendlichen strahlten und glühten und gaben alles. Es war wunderbar.
Ich saß mittendrin und mir liefen unaufhörlich die Tränen über`s Gesicht. Es war mir peinlich, aber ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen. Wäre ich in einem Gottesdienst gewesen, ich hätte gesagt: "The Holy Spirit has entered the building!"

Wenn mir unerwartet die Tränen kommen, dann versuche ich genau herauszufinden, warum das so ist. Frederick Buechner schreibt, dass uns solche Momente etwas über unsere tiefste Sehnsucht und Berufung zeigen können.
Zuerst dachte ich es liegt daran, dass ich früher zuviele Tanzfilme geschaut habe. Aber dann habe ich gemerkt, dass es etwas anderes war: der ganze Raum war VOLL mit Ermutigung und Anerkennung!!! Etwas wonach ich mich selbst in meinem Innersten sehne. Und - so gerne wie ich selbst ermutigt werde: ICH LIEBE ES andere zu ermutigen. 
Ermutigt werden und andere Ermutigen - beides macht mich unglaublich lebendig.

Gott hat mich so gemacht. 
Und wenn ich im Himmel ankomme und er mich anstrahlt und sagt: "Gut gemacht!!!", dann weiß er, dass es genau das ist was ich hören muss - und hoffentlich hat er dann ein Mikrophon in der Hand, damit es möglichst viele mitbekommen! Denn noch besser wie ein persönliches Lob ist ein Lob in der Öffentlichkeit! Gott weiß das. Deshalb hat er Jesus immer wieder mal ganz öffentlich vom Himmel runter gelobt, dass es alle hören konnten (z.B. an seiner Taufe). 
Während ich das schreibe, sehe ich die jubelnden, begeisterten Mitarbeiter vor der Bühne in dieser Turnhalle wieder vor mir und ich merke:
Ich brauche solche Menschen. Punkt. Vielleicht ist es reif und toll keine Anerkennung und Lob zu brauchen. Ich brauche es. An manchen Stellen muss mich Jesus (dringend!) heil machen. Andere Menschen sollen und können nicht meinen Wert benennen. Das kann nur mein Schöpfer. Aber er hat mich so geschaffen, dass nichts auf der Welt mir so viel Energie und Antrieb gibt, wie Anerkennung und Lob.

Und ich möchte selbst so ein Mensch sein. Ich liebe es andere zu ermutigen!
Meine größte Hoffnung für diesen Blog ist, dass mir das immer mal wieder bei einem von euch gelingt.
Und wenn ich Gott beschreiben sollte, wie er mir begegnet, was er für mich ist,  dann sehe ich diese wunderbaren, jubelnden Mitarbeiter, die aus den Kids etwas hervorgeholt haben was fast unmöglich schien und denke: Genauso bist Du. Mein größter Ermutiger!
Deshalb bin ich so gerne in seiner Nähe. 


Diesen Blogeintrg widme ich T. für ihr Herz und die Liebe die sie in dieses Schulprojekt gesteckt hat. ES WAR TOLL!! 
Und ich hoffe und glaube, dass es erst der Anfag war. Bleib dran!!! Du machst etwas wunderschönes. Gott ist sehr stolz auf dich.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Die schönste Geschichte

Gestern hat es bei uns nur einmal geregnet und es hat den ganzen Tag nicht aufgehört.

Samu hat mit seiner KiTa "Waldheim-Woche" und ich habe ihn mittags dort abgeholt.
Die Erzieher saßen durchnässt mit den Kindern unter einem Pavillion und sie haben mir sehr leid getan. Ich glaube nicht, dass die Kinder auf diesem Weg sehr viel Freude an der Natur entwickeln.

Samu war jedenfalls froh wieder zuhause zu sein.
Es folgte ein seeeehr langer Nachmittag mit Auto spielen, "Stau machen", Zug spielen und wieder Auto spielen. Der kleine Sohn war leider  sehr anhänglich und anstrengend.
Ich war innerlich schon angespannt und müde in den Tag gestartet, hatte gehofft irgendwann ein wenig Zeit für mich zu haben, aber es war nicht möglich. Beim Einkaufen legte Samu dann noch einen klassischen Wutanfall hin und ich zerrte ein schreiendes Kind im strömenden Regen nach Hause.

Abends wollte er das längste Bilderbuch der Welt anschauen und er hat die Seiten immer wieder vor und zurück geblättert und hatte tausend Fragen. Ich hatte dermassen die Schnauze voll und sagte ihm: "Samu, wenn du jetzt noch einmal "WARUM" fragst, dann dreh ich durch! Ich warne dich!"
Natürlich war seine Antwort: "Warum, Mama?"
Kurz vor dem Einschlafen stellte er noch fröhlich fest: "Heute war ich aber lieb!"
"Nein, das warst du nicht!!!! Aber ich habe dich trotzdem lieb", versuchte ich es pädagogisch zu formulieren. Er strahlte und machte weiter Unsinn, obwohl es schon lange Schlafenszeit wäre.

Endlich, endlich war Ruhe.

Wirklich, ich liebe meinen Sohn! Wie er als kleines Baby in meinen Armen lag war ich mir sicher dass ich niemals mit ihm böse sein könnte! In keinem Moment seines Lebens.
Ich sah Mütter die beim Einkaufen ihre Kinder anschrien und schüttelte innerlich den Kopf. Wie konnten sie nur! Wussten sie nicht was für ein Geschenk so ein Kind ist. Armes Kind.
Wenn ich heute eine müde Mutter sehen, die ihr Kind auf der Strasse anschreit, dann denke ich : Arme Mutter (und ein bisschen auch: armes Kind). Und manchmal bin ich selbst diese Mutter. Mist.

Heute habe ich endlich etwas Zeit und Ruhe und möchte einen schönen Blogeintrag schreiben, aber der gestrige Tag hängt mir noch nach.
In mir sagt eine Stimme: Was willst DU denn schreiben? Wer interessiert sich denn für deine Versager-Geschichten? Lass das lieber mal bleiben.

Also schlage ich erstmal die Bibel auf und versuche darin zu lesen.
Ich lese die Geschichte von Simson, einem außergewöhnlichen Typ, der krass von Gott beschenkt war, aber Mist gebaut hat und dessen Leben tragisch geendet hat.

Die Bibel ist voll von solchen Geschichten.
Menschen, die großes geleistet haben und dann an kleinen Dingen total gescheitert sind.
Holprige Versuche von Menschen die versucht haben Gott nachzufolgen.

Eigentlich ist es ermutigend, dass es solche Geschichten in die Bibel geschafft haben.

Wenn ich Gott wäre (ein erschreckender Gedanke!), dann hätte ich in meinem heiligen Buch vielleicht ein paar besonderes erleuchtete Menschen erwähnt. Vor allem hätte ich wohl versucht große Zusammenhänge zu erklären und nicht so viele Einzelschicksale erzählt.

Gott hat es anders gemacht.
Vielleicht weil wir an den Geschichten mit ganz normalen Menschen am besten sehen können wie er ist. Vielleicht weil uns ehrliche Geschichten am meisten berühren.

Und dann hat er mit Jesus die schönste Geschichte geschrieben - eine Geschichte voller Liebe und Barmherzigkeit, voll mit wunderbaren Begegnungen aber auch mit Leid, Schmerz, Erlösung und einem unerwartet guten Ende.

Dann hat er uns eingeladen Teil dieser Geschichte zu werden.

Manchmal sagen Leute: "Ich habe Jesus in mein Leben eingeladen." Das ist etwas besonderes.
Aber es ist etwas ganz großes, dass Jesus uns in sein Leben einlädt.

Wir dürfen Teil seiner Geschichte werden - einer Geschichte voller Liebe und Barmherzigkeit, voll mit wunderbaren Begegnungen aber auch mit Leid, Schmerz, Erlösung und einem unerwartet guten Ende.
Ich kann nicht behaupten, dass ich das wirklich verstanden habe.

An den meisten Tagen meines Lebens sehe ich nur meinen (oft sehr kümmerlichen) Teil der Geschichte. Und dann denke ich, dass es nichts besonderes ist und ganz bestimmt nichts was es Wert ist zu erzählen.

Aber dann flüstert mir Jesus zu:
Vertrau mir! Deine Geschichte wird wunderschön.
Du siehst nur dein Versagen - ich schreibe mit dir eine Geschichte über Gnade.
Du siehst deine Schwachheit - ich zeige etwas von meiner Stärke.
Du siehst deine Ungeduld - ich sehe, dass langsam in dir ein weiches Herz entsteht.
Du siehst die Not in dir und das Leid in der Welt - ich sehe die Erlösung und das gute Ende.
Du siehst einen verlorenen Tag - ich habe ihn in meinem Buch aufgeschrieben.
Er wird Teil unserer wunderschönen Geschichte."

Mein Lieblingsprediger Klaus Vollmer hat es so gesagt:
"Und wenn mir nichts gelingt, dann glaube ich ihm doch, dass er mich zum größten Segen macht."

Das will ich IHM auch glauben. 

Auch wenn es mir heute schwerfällt:

Meine Geschichte- so unscheinbar und gering sie mir heute vorkommt - wird wunderbar.

Sie wird ein Segen für die Welt.

Die Stellen, die ich am liebsten weglassen würde, sind vielleicht am Ende die besten.

Meine Geschichte ist erzählenswert.

Deine übrigens auch.



Entschuldigung an alle, die meine Posts abonnieren. Ihr bekommt 2 versch. Variationen von diesem Beitrag -die erste habe ich versehentlich gelöscht kurz nachdem ich sie veröffentlicht habe -ahhhhh - und dann nochmal geschrieben, in etwas veränderter Form. Die Technik macht mich fertig.

Donnerstag, 3. Juli 2014

"Wurfzimmer"

Neulich waren wir für zwei Tage bei Freunden zu Besuch.
Ihr Haus war wunderbar sauber und aufgeräumt. Ich hielt den wilden Sohn an meiner Hand, schaute auf die schön angeordnete Deko in den Regalen und auf den kleinen Tischchen und mir brach innerlich der Schweiß aus. 
 
Hier kommen die Zerstörer!
Mal schauen wie lange es dauert und wir mit unserem Chaos etwas kaputtmachen, umschmeissen oder irgendeine Flüssigkeit auf dem polierten Boden landet (nur für`s Protokoll: es dauerte nicht sehr lange!).

Nun sind meine Freunde überhaupt keine Leute bei denen man sich nicht wohlfühlt und beim gemeinsamen Essen, reden, lachen und spielen entspannte ich mich innerlich.

Trotzdem – wie ich abends in ihrem blank geputzten Badezimmer stand und an unser Chaosbad Zuhause dachte, wurde ich doch etwas deprimiert.
Warum schaffen wir es nicht besser Ordnung zu halten? Wir haben viel zu viel Zeug das wir dringend loswerden müssten, andere Leute haben alles besser auf den Reihe..mit diesen trüben Gedanken ging ich in`s Bett.

Am nächsten Morgen wachte der kleine Sohn früh auf und wollte einen Stock höher, zum Schlafzimmer der Freunde, um nachzuschauen warum sie zu dieser frühen Stunde noch nicht wach waren. Ich hechtete hinterher, doch wir hatten sie natürlich schon längst geweckt und unsere Gastgeber kamen uns im Treppenhaus entgegen. Trotzdem steuerte der Sohn zielstrebig das obere Stockwerk an.

Leicht panisch rief die Freundin: „NEIN! Da könnt ihr nicht hoch.“
Erschrocken blieb Samuel stehen.
Ich schaute auch etwas fragend wegen ihrer heftigen Reaktion. Vielleicht empfand sie ihr Schlafzimmer als zu privat - was ja auch völlig ok ist - oder sie hatte die (berechtigte!) Befürchtung, dass Samu ihr Bett als Trampolin benutzen könnte.
Aber sie meinte erklärend zu uns: „In`s Schlafzimmer haben wir alle Sachen reingeworfen die vor eurem Besuch im Haus rumlagen. Es sieht chaotisch aus, das solltet ihr besser nicht sehen!“
Oh! Und ich dachte bei euch ist es immer so sauber“, sagte ich erleichtert. „Oh nein, wenn du wüsstest...“, meinte die Freundin lachend.
Meine Freunde haben also auch ein "Wurfzimmer“!

"Wurfzimmer“ - so nennen wir unser Zimmer in dem es meistens chaotisch aussieht und in das wir alles reinwerfen können, bevor der Besuch kommt.

Aber es ist auch voll mit Dingen, die wir aussortieren sollten:
altes Zeug, das der Mann noch aufheben will (weil wir es vielleicht ja mal noch brauchen können!?), alte Akten und Bücher, die nicht mal mehr für einen Flohmarkt taugen, kaputte Gegenstände die wir irgendwann mal reparieren wollten, Spielzeug für Kleinkinder, das ist dringend verschenken will und hinter der Tür der Berg Glasabfall, der nie kleiner wird (obwohl wir ständig leere Flaschen abliefern).

Dumm ist, dass wir eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung haben und eigentlich kein Platz für ein ganzes "Wurfzimmer"!
Heio arbeitet in seinem neuen Job oft von Zuhause aus, und braucht dringend eine schöne Büroecke.
Samu erzählt uns jeden Tag, dass es größer wird und er sollte irgendwann in naher Zukunft mal ein Zimmer (oder wenigstens einen abgeteilten Raum) für sich haben.
Und ich hätte so gerne eine kleine Ecke in der meine kreativen Dinge ausbreiten und in Ruhe schreiben könnte.
Also genügend Bedarf um unser "Wurfzimmer“ aufzulösen. Aber es ist ein großes Stück Arbeit das wir da in Angriff nehmen müsste um dem Neuen, das gewachsen ist, entsprechend Raum zu geben.

Und ich müsste dann auch den Mut haben, in der gesamten Wohnung ein wenig mehr Chaos zu ertragen - ohne eine Raum zu haben, in dem man einfach kurz alles Durcheinander verstecken kann, wenn Besuch da ist.

Wenn ich so darüber schreibe, dann merke ich, dass es mir innerlich oft genauso geht.

Ich habe irgendwo in einer Ecke meines Herzens einen Ort, an dem ich mein Chaos, meine „schlechten Gefühle“ und meine Erschöpfung verstecken kann. Aber es sind auch alte Lügen und Gedankenmuster, die schon lange rausgeschmissen gehören, an denen ich noch festhalte. Da sind Kisten unter der Rubrik Freundschaften, Mama sein, Ehefrau, Kollegin...mit der Aufschrift: „Ich bin nicht gut genug“ angefüllt mit vielen Beweismitteln.
Ich würde sie so gerne mal aussortieren.

Ich könnte Platz machen, damit neues wachsen kann, aber es ist nicht einfach die Dinge in Angriff zu nehmen.

Neulich war ich auf einem Seelsorge-Wochenende und dabei habe ich ein wenig aufräumen und ausmisten können. Seither ist spürbar mehr Platz zum Leben in mir. Dafür bin ich so dankbar.

Und ich denke an den erleichterten Moment beim Entdecken, dass meine Freundin auch irgendwo ihr Chaos hat. Ich hoffe, dass ich lerne, mutiger zu sein - dass ich keinen Extra-Platz für mein Chaos und meine Schwächen brauche, sondern dass es da sein darf, mitten in meinem Leben und in meinen Begegnungen.

Vielleicht kann ich langsam vertrauen, dass ich geliebt bin, so wie ich bin.

Jesus sagt mir das immer wieder.

Und dann hilft er mir beim Aufräumen.



Und hier ein paar Beweisfotos aus unserem "Wurfzimmer". Ihr seht: es gibt einiges zu tun!





Donnerstag, 26. Juni 2014

Wildwasser Rafting

Vor einigen Tagen stand ich voller Angst am Fenster und schaute auf die Strasse.
Es war kurz vor Mitternacht. Der Mann war unterwegs und hätte eigentlich schon längst da sein sollen. 
Zuerst machte ich mir keine Sorgen. Ich schaute das Fußballspiel zu Ende, ging in`s Bad, räumte noch ein wenig die Wohnung auf...aber langsam wuchs meine innere Unruhe. 
Wo bleibt Heio?!? Normalerweise meldet er sich wenn es später wird.
Immer wieder versuchte ich es auf seinem Handy - es klingelte, aber er nahm nicht ab.

In solchen Situationen ist es nicht gut wenn man eine reiche Phantasie hat. Vor meinem inneren Auge tauchten die schlimmsten Situationen auf. Eigentlich neige ich nicht schnell dazu panisch zu sein oder mir übermässig Sorgen zu machen (das glaube ich zumindest) aber in dieser Nacht stand ich am Fenster und war fast gelähmt vor Furcht.

Samu drehte sich hinter mir unruhig im Schlaf, weinte und rief nach seinem Papa. 
Ich fing an zu beten. Aber es schien mir als wäre Gott ganz weit weg. Ich schlug verzweifelt die Bibel, flog mit den Augen über die Seiten und suchte nach einem Wort da mich tröstet und beruhigt... Ein Satz war mit Marker unterstrichen: mein Gott ist mir zum Feind geworden (warum habe ich so einen Satz unterstrichen?).
Wieder ließ ich das Handy klingeln- vergebens. Es läutete  nicht mal mehr. Irgendjemand muss es abgestellt haben. Die Polizei vielleicht, die jetzt am Unfallort eingetroffen ist? Ich schaute nach Samu, stellte mir vor wie es wäre wenn ich mich ab jetzt um ihn alleine kümmern müsste, ohne Heio, und geriet noch mehr in Panik (an alle Alleinerziehenden: IHR SEID HELDEN!!!). Bei jedem Auto das in unsere Straße bog, schlug mein Herz schneller. Es könnte Heio sein, es könnte auch die Polizei sein.
Nach einer, gefühlt, unendlich langen Zeit tauchte unser blauer Dacia auf und Heio stieg aus dem Wagen. Ich rannte zur Tür und fiel dem erstaunen Mann weinend um den Hals und schluchzte: "Ich bin so froh dass du endlich da bist! ich hatte solche Angst!"

Es war alles in Ordnung. Er wollte nicht anrufen, weil er dachte ich schlafe schon, hatte sein Handy auf "lautlos" und deshalb nichts von meinen Anrufen mitbekommen.
Ich war natürlich sehr erleichtert - und doch : Das hilflose Gefühl, dass vielleicht etwas schlimmes geschehen wird und ich nichts dagegen tun kann, das Schweigen Gottes in dieser Nacht...die Furcht ist geblieben- in einer kleinen Ecke meines Herzens.


Ich habe vor einiger Zeit einem Prediger zugehört der anschaulich seine erste "Wildwasser-Rafting-Fahrt" beschrieben hat.
Er war mit einer Gruppe von Freunde unterwegs die ebenfalls völlig unerfahren waren. Zuerst war es ein Spaß, ein wenig schneller durchs Wasser zu fahren. Sie spritzten sich gegenseitig nass, machten Scherze und genossen die Fahrt. Aber dann kamen die ersten richtigen Stromschnellen. Das Wasser schlug über dem Kopf zusammen, das Schlauchboot war in der Gefahr zu kippen - völlige Panik!!!... bis es langsam wieder in`s ruhigere Wasser überging. 

Jetzt warf man sich keine scherzhaften Bemerkungen mehr zu. Es war nur noch nervöse Anspannung weil man ahnte: um die nächste Ecke kommt vielleicht schon die nächste gefährliche Stelle. Und wieder kam die Stromschnelle, wieder der Kampf mit dem Wasser...überlebt, Luft holen, Atem ruhig werden lassen, versuchen Kraft zu schöpfen für das Wildwasser, das im nächsten Abschnitt kommt. Mit zitternden Knien stiegen sie am Ende aus dem Boot und schworen sich, nie wieder so eine Fahrt zu  unternehmen.

Bild von whitewater Rafting Massachusetts
Und dann verglich er dieses Erlebnis mit unserem Leben. 
Am Anfang denken wir noch: hey, es macht Spaß! Alles gleitet locker dahin, aber irgendwann treffen uns die ersten Stromschnellen. Krankheit, Verlust, Verletzungen...es haut uns fast um. Wir versuchen uns zu erholen und aufzuatmen im ruhigen schönen Fahrwasser, aber in uns bleibt die Angst weil wir wissen: die nächsten schwierigen Sitautaionen können schon um die nächste Ecke liegen. Werden wir es da durch schaffen?
Dieses Beispiel hat sich mir total eingeprägt. Leider habe ich den Rest der Predigt vergessen (ich hoffe er hat er etwas trostreiches und gutes dazu gesagt!).

Aber ist es nicht so? Das Leben ist gefährlich und so vieles liegt außerhalb unserer Kontrolle. Ich schaue mir abends die Nachrichten an und es schlägt mir so viel reales Leid entgegen, dass ich es kaum ertragen kann. 
Neulich war "Welt-Flüchtlingstag" und es wurde gesagt, dass es über 15 Millionen Flüchtlinge auf dieser Welt gibt, die Hälfte davon sind Kinder! Was für eine Zahl und was für eine Not die dahintersteckt. Manche - nein sehr viele - Menschen verbringen fast ihr ganzes Leben in einem reißenden Strom und haben kaum die Zeit dazwischen durchzuatmen.

Mir geht es gut. Ich habe schon über 40 Jahre hinter mir in denen ich einige Stromschnellen erlebt habe. Aber die meiste Zeit fahre ich auf ruhigem Wasser und ich empfinde große Dankbarkeit darüber. Und doch: Angesichts der Realität des Lebens, kämpfe ich immer wieder mit der Furcht, was wohl um die nächste Ecke auf mich wartet.

Ich verabschiede mich von Samu und schaue ihm hinterher, wie er vorsichtig, an der Hand seines Spielkameraden, die Treppe zum Garten hinuntergeht (so wie ich es ihm beigebracht habe). Bevor der kleine Kopf um die Ecke verschwindet, dreht er sich noch einmal um und winkt mir zu. Mir wird es plötzlich ganz schwer um`s Herz. In mir taucht die Bibelstelle auf in der Gott sagt: "Kommt wieder, Menschenkinder".
Ich sehe eine liebenden Vater, der seine Kinder auf die Erde schickt und ihnen nachwinkt, mit schweren Herzen, weil er um die Stromschnellen des Lebens weiß.
Er ist ein guter Vater, der das Beste für uns will (so wie es mein Mutterherz für Samu will) - und doch: er schickt uns in eine Welt die voll Schönheit, aber auch voller Leid ist. 

Sein Trost den er uns zuflüstert ist:  
"Ich bin bei Euch. Ich werde mit euch gehen. Ich verlasse euch keinen Moment. Es liegt kein einziger Tag vor dir, an dem ich nicht da sein werde. Und- wir werden uns wiedersehen. Der Strom bringt euch wieder zurück zu mir, meine Menschenkinder. Fürchtet euch nicht."
.
Mein "Heute" ist gut. Aufatmen. Dankbar sein. Weggefährtin sein.

Und wenn die Furcht kommt, will ich mich an die Stromschnellen erinnern, die ich hinter mir habe(an ein, zwei Stellen dachte ich schon: das überlebe ich nicht!). 
Er war da und hat mir durchgeholfen. Das macht mir Mut.

Und andere Menschen machen mir Mut:
Neulich war ich bei einer Freundin, die heftige Zeiten durchmacht. Sie sagte mir, während einer kurzen Atempause: "Christina, Gott ist gut. Er ist da und bringt mich da durch. Das weiß ich."

Auch wenn ich nicht weiß was um die nächste Ecke auf mich wartet: 
ER wird da sein. 
Mitten in der Strömung, wird eine Hand nach mir greifen und mich festhalten. 
Darauf will ich vertrauen...
bitte Jesus, hilf mir dabei.

Montag, 23. Juni 2014

Stoff besorgen- oder: mein Blick in den Abgrund

Es fing alles ganz harmlos an. Eine Freundin schickte mir eine unverfängliche mail mit einem Hinweis auf einen jährlich stattfindenden Stoffmarkt in Ludwigsburg. Es würde sich lohnen hinzugehen, meinte sie. 
Nachdem ich nun seit kurzem selbst Schneiderin bin (ok, ich habe jetzt zum ersten Mal im Leben etwas genäht -ein verwackeltes Herz um genau zu sein), sah ich schon wunderbare Stoffe vor mir, mit denen ich  in naher Zukunft unglaubliche Dinge nähen würde. Ich wusste es- da muss ich hin.
Heio und Samu waren auch schnell überzeugt, nachdem ich mit meinem Gutschein für`s Cafe Lutz gewunken habe und so machten wir uns am Samstag auf den Weg, in`s schöne Ludwigsburg.

Dank einer himmlische Fügung war direkt neben dem Markt ein Spielplatz und ich ließ Mann und Sohn mit dem Versprechen zurück, dass ich in spätestens einer halben Stunde wieder da sein würde. 

Nachdem ich Heio auch noch sein Geburtstagsgeld abgenommen hatte, marschierte ich auf den ersten Stand zu. Die bunten Stoffe flatterten verheissungsvoll im Wind und beim Anblick der schönen Muster und Farben schlug mein Herz höher.
Plötzlich wurde ich heftig von der Seite angerempelt. "Entschuldigung", presste eine junge Frau hervor, bevor sie sich über mich beugte um an den Stoff zu kommen der vor mir lag. Ich entkam ihrem Angriff und wurde sofort von einer weiteren, harmlos aussehenden Frau gerammt.
Ich ging fast zu Boden, richtete mich mühsam wieder auf, da streckte sich ein Arm vor meinem Gesicht Richtung Verkäufer: "Hier, den Stoff will ich auch noch. Ich wollte wirklich nichts mehr kaufen, aber ich muss...er ist so schön!", hörte ich eine klagende Stimme direkt neben mir. 

Ich wurde zum nächsten Stand gedrängt. Hier wurde gerade über die Stabilität der Nadeln diskutiert. "So ein schöner Soff, aber ich fürchte meine Nadel wird dabei abbrechen!", zischte eine Frau ihrer Freundin zu. Wieder wurde ich von hinten angerempelt: "Entschuldigung, darf ich mal?". Ein Stoffballen schwebe an meinem Gesichtsfeld vorbei. Jetzt stand ich ganz vorne, Stoffberge türmten sich vor mir auf. Die Luft wurde langsam knapp.

Was war hier nur los? Ich schaute den Frauen in die fiebrigen Augen und erkannte, was ich nach 5 Jahren Arbeit auf einer Suchtstation sofort erkennen kann: Ich war auf dem Drogenumschlagsplatz in Ludwigsburg geladet. Und die Hetzjagd nach dem besten Stoff ergriff langsam auch mich. Ich kämpfte mich wieder an`s Tageslicht, bereit mich in den Kampf zu stürzen. Wo war der nächste Stand?
"So einen Stoff bekommst du sonst nirgends so günstig", flüsterte jemand neben mir. Ich wandte mich der Stimme der Versuchung zu und sah eine hübsche junge Frau die mir verschwörerisch zuzwinkerte bevor sie schwer beladen mit ihren Stoffen in der Menge verschwandt.
Ich hatte verstanden.  "Bitte, einen halbe Meter hiervon!" Ich schwenkte den Stoffballen hin und her um die Aufmerksamkeit der Verkäuferin zu gewinnen. Endlich entdeckte sie mich und erfüllte mein Begehren. Nach diesem Erfolgserlebnis, ließ ich mir noch weitere Stoffe zuschneiden, an den verschiedensten Ständen, alle bunt und wunderschön. Ich roch verzückt daran. Langsam wurde mir schwindelig. 
Ich hielt einen kleinen Fetzen Stoff in die Höhe und schaute ungläubig auf das Preisschild. "Das ist echt westfälischer Stoff!", erklärte mir der Verkäufer und schien vorauszusetzen, dass mir dieser Hinweis meine Augen öffnen würde - oder zumindest mein Geldbeutel. Ich bin Stoffexperte. Natürlich brauche ich westfälischer Stoff. Heios Geburtstagsgeld wechselt an diesem Tag zum zweiten Mal den Besitzer. "Da vorne gibt es 3 Stoffe für 10 Euro", höre ich jemand rufen. Ich laufe der Meute hinterher, kurz vor dem völligen Kontrollverlust. 

Da bleibt mein Blick an der Uhr hängen. Ist das möglich? Es ist schon so spät? 
Schlagartig wird mir bewusst, dass ich Mann und Kind habe und diese wahrscheinlich schon den ganzen Sandkasten umgegraben haben, während die Ehefrau und Mutter ihr Essensgeld für Stoff verschleudert. 
Ein letzter wehmütiger Blick auf die bunten Stände und ich mache mich auf den Rückweg.

Ich werde freudig begrüßt. "Und, hast du dir was schönes gekauft?", fragt der geduldigste Mann, aller Zeiten. Ich öffne meine Tasche und gebe einen kurzen Blick auf die bunten Stoffe frei. 
"Das sind aber viele! Was willst du denn damit machen?"Meine bessere Hälfte ist erstaunt und auch leicht besorgt.
"Keine Ahnung. Aber es war ein toller Preis! So einen Stoff bekommt man sonst nirgends so günstig", versucht die Stoffexpertin in mir uns zu überzeugen. 
Es kommt die gefürchtete Frage:"Wieviel Geld hast du denn noch übrig?". Ich öffne den Geldbeutel und wir schauen beide staunend auf die Stelle, wo kurz zuvor noch viel Geld war. Stille.
"Vielleicht hab ich ein bisschen zu viel ausgegeben,",räume ich kleinlaut ein." Aber ich hab ja noch den Gutschein! Kommt, ich lade euch zum Kaffee ein." 

Der Sohn springt freudig voraus und wir verlassen den Spielplatz Richtung Cafe. Jetzt erst nehme ich die anderen Väter wahr, die hier mit ihren Kindern auf die Rückkehr ihrer Frauen warten. Manche sehen ganz resigniert und fast aphatisch aus. Sie scheinen sich auf eine lange Wartezeit eingestellt zu haben. Ob ich das rote Kreuz mit Wasser und Decken vorbeischicken soll? 
Aber ich bin ja selbst gerade erst dem Wahnsinn entkommen und sollte schleunigst das Weite suchen.

Wir trinken Kaffee, der Sohn des Vegetariers bekommt sein geliebtes FLEISCH, Heio kauft mir auf dem Rückweg noch Blumen (!!!) und wir fahren wieder nach Hause. 
Hier breite ich den Stoff erstmal in Ruhe auf dem Tisch aus. Was mache ich nun damit? Soll ich ihn verchecken und dadurch wieder an Heios Geburtstagsgeld kommen? Oder alles behalten? Meine Finger fahren an den schönen Mustern entlang und werden wieder ganz zittrig. Vielleicht gibt es bald wieder einen Markt in der Nähe.

Und falls ihr einen guten Tip habt, wie man günstig an guten Stoff kommt, lasst es mich wissen, ok?

auf dem Weg zum Umschlagsplatz



Stoff, wohin das Auge blickt!

und Bänder...

und Knöpfe...

was für schöne Muster überall!

Zuhause entdecke ich noch schönere Muster...ganz ohne Suchtfaktor:-)





Donnerstag, 19. Juni 2014

hand- made

Heute habe ich zum ersten Mal meine neue Nähmaschine ausprobiert, oder besser gesagt: heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas genäht.
Zuletzt habe ich in der 5.Klasse versucht eine Nähmaschine einzufädeln. Nachdem es zwei Schulstunden lang nicht geklappt hat, habe ich zum Französischkurs gewechselt.
Das hat etwas besser geklappt -zumindest am Anfang (vor einiger Zeit war ich mit Freunden im Elsaß, ich war die Einzige die in der Schule Französisch hatte. Es hat zu dem Satz gereicht: "Du weißt wo ein Restaurant ist!?", was ziemlich unhöflich war, aber es brachte uns immerhin in den Genuss von wunderbaren Flammkuchen).
Die Sache mit dem Nähen hatte ich abgeschlossen - ich war wohl zu unbegabt dafür.

Ebenso ging es mir dann auf der Berufsschule mit dem Kochen. Es graute mir vor dem Unterricht. Wir hatten eine sehr strenge Lehrerin, die vor allem darauf bedacht war, dass wir beim Aufräumen das Kabel richtig um das Rührgerät wickeln und dass alles korrekt in einer bestimmten Zeit erledigt war. Nachdem ich die Mehlschwitze einfach nicht hinbekommen habe (das Mehl hat immer nur geklumpt während ich immer mehr geschwitzt habe) gab ich auch das Kochen auf. Jahrelang war ich überzeugt davon nicht kochen zu können.

Dann habe ich geheiratet - einen Mann der kochen kann! Und dieses wunderbare, geduldige Mensch hat mir beigebracht, dass kochen gar nicht so schwer ist, wenn man ein paar grundsätzliche Dinge erklärt bekommt. Es kann sogar tatsächlich Spaß machen, man kann experimentieren, neues ausprobieren...
Das Kabel vom Rührgerät kann ich immer noch nicht korrekt aufwickeln und ich bin jetzt keine Hammer- Köchin, aber ich koche gerne (meistens) und meinen zwei Männern und unseren Gästen schmeckts (meistens).


Seit ich Mama bin, hat sich bei mir irgendein Schalter umgelegt und ich muss mich fast zwanghaft, kreativ betätigen. Auch wenn ich meine Augen vor Müdigkeit manchmal kaum aufhalten kann - ICH WILL SCHREIBEN! ICH WILL FOTOGRAFIEREN! Ich will irgendetwas tun, was mein Gehirn davon abhält zu völligem Matsch zu werden.
Apropos Matsch: Heio hat mir ein persönliches Fotocoaching bei einem Profi geschenkt.
Er hat mir 2 Stunden lange etwas von Brennweite durch Verschlußzeit mal Belichtungszeit hoch 2 erzählt (oder so ähnlich) und ich saß da und habe nur genickt und kam mir vor wie früher im Matheunterricht - ich habe nichts verstanden.
Fast hätte ich danach aufgehört zu fotografieren, aber dann habe ich einfach weiter Fotos gemacht. Ich habe immer noch diese Formel nicht verstanden und viele meinr Bilder muss ich wieder löschen, aber es macht mir Spaß. Und ich sehe dadurch so viel mehr von der Schönheit die uns umgibt und Dinge die ich früher kaum wahrgenommen habe.
 
meine Inspiration: die schönen Bilder von Veronika

Und dann, in völliger Verdrängung meiner Kindheitserlebnissen,wollte ich plötzlich gerne Nähen und ich bekam tatsächlich eine Nähmaschine zum Geburtstag. Und ICH HABE SIE EINGEFÄDELT UND ICH HABE GENÄHT!!! - und es hat wirklich Spaß gemacht. 

ein unglaublicher Anblick: eine Nähmaschine in unserer Küche!


ein krummes Herz für die Geburtstagskarte für meinen Mann!

Ok, es ist weit davon entfernt wirkliche, qualtitative Handarbeit zu sein, aber ich bin stolz darauf, wie Samu, wenn er mir seine Bilder von der KiTa zeigt:
die "grüne Phase" des jungen S. (und eine Fälschung hat sich auch eingeschlichen!)

Als Kinder haben wir alle gemalt, geknetet, Legos gebaut...und irgendwann hören die meisten von uns damit auf. 
Wir arbeiten, empfinden das Leben oft als überwältigend und anstrengend und in unserer freien Zeit konsumieren wir lieber, anstatt etwas zu gestalten -wir sind ja schließlich keine Künstler! Eine Freundin von mir behauptet überhaupt nicht kreativ zu sein weil sie nicht malen, dekorieren...kann. Aber sie liebt es Motto-Parties zu veranstalten und stylt sich wunderbar!  Heio überlässt die Wohnungsenrichtung mir (zum Glück!), aber er zieht die schönsten Pflanzen heran und freut sich an einem schönen Schuss auf`s FUßballtor :-).
Jeder von uns hat diesen "Funken Kreativität" , der uns Schönheit erkennen lässt.
Das Problem ist nur, dass wir uns oft die Freude damit verderben, indem wir uns vergleichen, unter Druck setzen, oder wieder einen Arbeitsauftrag daraus machen. So geht es mir jedenfalls (mir fallen spontan mindestens je 5 Leute in meinem engeren Bekanntenkreis ein die besser nähen, kochen, schreiben und fotografieren können als ich!). 
Aber wir sollten uns nicht vergleichen. Es geht nicht um das Perfekte! 
Der Maler Hunderwasser redet von der "Gottlosigkeit der geraden Linie"...
Und wir selbst sind ja Kunstwerke, von unserem Schöpfer gemacht . 
Martin Schleske, der Geigenbauer, schreibt es so gut in seinem Buch "der Klang":

"Ich erinner mich an den Moment als ich zum ersten Mal eine wunderschöne Geige sah...ich sah sie von allen Seiten an und war fasziniert von ihr: eine wertvolle Geige. Und doch war sie nicht perfekt. Durch ihre Decke verlief ein dunkler Ast...auch ihre Ecken waren nicht symetrisch geschnitten. Alles aber war von überwältigend charaktervollen Handschrift und offenbarte ein reifes Verhältnis von Schönheit. Mein Gedanke war: wirklich nicht makellos. Aber sie hat was!"

 Und er fragt sich warum wir Menschen uns nicht auch so sehen können: Nicht makellos, nicht perfekt, aber er oder sie hat was!
Das ist der Blick eines Künstlers. Ich glaube es ist der liebevolle Blick des Schöpfers, nach dessen Ebenbild wir geschaffen sind.

Es geht nicht um das perfekte Anbringen des Kabels am Rührgerät. Es geht nicht um eine konplizierte Formel beim Fotografieren, die ich nicht verstehen. Es geht nicht um korrekt genähte Herzformen. Es geht auch nicht um perfekte Rechtschreibung und atemberaubende Formulierungen. Und es geht nicht um makellose Menschen und perfekte Beziehungen.
Es geht um die Freude etwas zu gestalten und den Blick des Schöpfers zu bekommen, der auf sein Werk schaut und sagt:
Nicht perfekt, nicht makellos, aber es hat was... es ist hand -gemacht!



We believe in hand-made.
We believe that contentment results not from stuff but from gratitude.
 We believe that we are all creative because we are all made in the image of a creative God.
We believe that it doesn`t have to be perfect to be beautiful.

Mygillyn Smith, the nesting place.

Montag, 16. Juni 2014

Signs of life - Lebensspuren

Gestern abend saß ich mit dem Lieblingsmann im Wohnzimmer und habe Fußball geschaut (endlich WM - Juhu! Auch wenn man sie vielleicht aus politischen Gründen boykottieren sollte....ich schaff es leider nicht). 
Es war schon später Abend und Samu lag friedlich in seinem Bett - so dachten wir zumindest.
Aber nach einiger Zeit drangen verdächtige Geräusche aus dem Schafzimmer. Beim Nachschauen entdeckten wir, dass der vermeintlich schlafende Sohn ein großes Leinwandgemälde durch die Gegend schleppte. Auf die verwunderte Nachfrage was er denn damit machen will erklärt er: " umräumen." 
Haha. Da hat er wohl das "Umräum -Gen" seiner Mutter geerbt.
Ich mag es auch in unserer Wohnung immer wieder die Möbel umzustellen, die Wände neu zu gestalten, neue Stoffe und Kissen besorgen...  Heio nimmt mir ab und zu das Versprechen ab, dass ich nichts umräume bis er wiederkommt (ich kann ihn ernsthaft mit Vorschlägen wie: "Hilfst du mir heute die Küche in`s Schlafzimmer zu bringen" erschrecken:-)).

In diesen Tagen kam mit der Post ein Buch, auf das ich mich schon sehr gefreut habe:


Ist das nicht ein wunderbarer Untertitel?  
Es muss nicht perfekt sein um schön zu sein.
Und der Inhalt des Buches ist so ermutigend!  
Es geht um die Gestaltung der Wohnung, ist aber keins von diesen "schöner - wohnen- Büchern" die mir immer das Gefühl geben, dass ich dringend umziehen muss und neue Möbel brauche um glücklich zu werden.  Doch, es sind auch schöne Bilder in dem Buch, aber vor allem geht es Myquillyn (what a name!) Smith darum, dass wir unsere Wohnung (in Amerika meistens: Haus) annehmen, die spezielle Schönheit und Möglichkeit der Räume entdecken um daraus ein Zuhause zu machen, in dem wir uns wohl fühlen.



Ihr Kapitel: "Signs of Life" gefällt mir so gut.
Sie schreibt darin:  
"was ist schlimmer wie ein altes Sofa, das abgenutzt ist und kurz davor auseinanderzufallen? Antwort: Ein altes Sofa das unbenutzt und pefekt dasteht." 

 Es geht ihr nicht darum, dass wir alles unordentlich und chaotisch haben sollen, sondern um die Tatsache, dass man in einer Wohnung ruhig die "Lebensspuren" sehen kann, weil man sich darin wohlfühlt.
"Die Wahrheit ist: Ich fühle mich nicht wohl wenn ich in ein perfektes Haus komme. Ich fange sofort an, an meine eigene Wohnung zu denken und was ich alles besser machen sollte.
Es ist das unperfekte in unserer Wohnung, das Menschen hilft sich wohlzufühlen und sich zu entspannen...
Anstatt das Unperfekte als Dorn in meinem "Dekorations-Auge" zu sehen, möchte ich lernen meine Augen zu öffnen und sie als Lebenszeichen sehen: z.B.  herumliegende Schuhe können ein Zeichen sein, von kürzlich erlebten Abenteuern."

Mir gefällt der Gedanke: Signs of Life - Lebensspuren in unserer Wohnung. 
Ich bin heute morgen durch die (bereits oberflächlich aufgeräumte) Wohnung gegangen und habe ein paar unserer Lebensspuren fotografiert:







 
Ok, das Chaos am Computer ist ein bisschen zuviel "Lebensspuren" (hörst du, Heio?!). Ansonsten finde ich die Bilder tatsächlich schön, weil sie Zeichen von dem Leben sind, das hier stattfindet.

Ich habe mir überlegt wie es wäre, wenn ich meinen Körper auch so sehen könnte?
Meine Falten, die zunehmenden Schlupflider, Narben, Cellulitis, grau werdende - ausfallende Haare, mein runder "Mama- Bauch"... Es sind meine Lebensspuren!
Doch, ich mache mich auch gerne schön, "dekoriere" gerne mal was an mir um, aber alles in allem will ich lernen mit dem Zuhause, das mir mein Schöpfer zugewiesen hat versöhnlicher umzugehen. 
Wie heisst es in dem wunderbaren Buch: es soll Mut machen die spezielle Schönheit und Möglichkeit der Räume zu entdecken die wir haben um daraus ein Zuhause zu machen, in dem wir uns wohl fühlen. Vielleicht ist das auch das Geheimnis für den Umgang mit meinem Körper:
die Möglichkeiten sehen (auch die Begrenzungen) und es als ein Zuhause annehmen lernen in dem ich mich wohlfühle - mit all den Lebensspuren die dieses Zuhause schon hat.
A long way to go...aber ich will es lernen:

   It doesn`t have to be perfekt to be beautiful! 


Und wenn ihr Lust habt könnt ihr mir Fotos von  "Lebensspuren" aus eurer  Wohnung schicken!
 Es wäre toll eine kleine Ausstellung davon hier zu machen.

Diesen Bloeintrag widme ich meiner Freundin und ihrer Familie aus Freiburg. J. - eure Zuhause hat immer die wunderbarsten Lebensspuren und man fühlt sich einfach wohl bei euch (wie wäre es: ein Gastbeitrag zu diesem Thema?!)! LG!