Mittwoch, 11. Dezember 2019

Im Dunkel winken

Es wird jeden Morgen dunkler. Samuel war heute, beim Blick aus dem Fenster, ganz aufgelöst. Neben seiner besorgten Frage ob ich auch bestimmt wieder da bin wenn er von der Schule kommt, gibt es nämlich noch eine andere wichtige Sache für ihn: Ich muß ihm hinterher winken! Zuerst vom Küchenfenster aus, wenn er über den Hof läuft. Dann vom Balkon aus, wenn er den Berg zur Schule hinauf geht. Die neuste Anweisung lautet: "Wenn ich Freunde treffe, dann bitte nicht mehr winken, aber auf jeden Fall da stehen und mir nachschauen." Bei der Nachfrage ob ich ihm denn vor den Freunden peinlich bin meinte er nur: "Nein, aber sie wundern sich halt, wem ich winke, weil sie niemand sehen. Und ich will das nicht erklären." Haha.
Aber zurück zum Problem heute morgen: Es war so dunkel, dass das Kind dachte, ich sehe ihn dann nicht. Und wie soll man jemand winken, den man nicht sieht? Aber während wir gefrühstückt haben ging langsam die Sonne auf.  Wir standen am Fenster und haben über den schönen Himmel gestaunt.


Und bis er so weit war, dass er in die Schule musste, war es hell genug, dass ich ihn sehen konnte. Winken durfte ich auch. Er lief alleine. 
Nachdem ich die Balkontüre wieder geschlossen hatte, las ich aus Psalm 1, dass Gott über den Wegen derer wacht die nach ihm fragen. In den Erklärungen dazu steht, dass `wachen` hebräisch `jadah` heisst, was soviel bedeutet wie:  Jemand mit innerer Anteilnahme begleiten. Ihm nahe sein. Für ihn sorgen.
Ich muß an Samuel denken. Aber auch an die Freundin im Krankenhaus. Und daran wie wichtig es für uns alle ist zu wissen, dass jemand über unsere Wege wacht.
Heute als Trost für uns alle, die sich vor dunklen Strecken fürchten (und zwei Adventskerzen geben auch noch nicht so viel Licht!): Der Herr wacht über den Wegen derer die nach ihm fragen! Er begleitet sie, mit innerer Anteilnahme, er ist ihnen nahe und sorgt für sie. Besser wie eine Mutter die ihrem Kind vom Balkon aus nachwinkt.

Er sieht uns.

Auch im Dunkel. 

Fürchte dich nicht.

(und Er versteht es auch wenn wir nicht wild zurückwinken, weil die anderen da ja niemand sehen würden ;-)).

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Hoffen und Warten

Seid ihr gut in die Adventszeit gestartet? Wir haben schon einiges abgehakt:  Einen Weihnachtsmarkt besucht. Unser Bäumchen geschmückt und Sterne gebastelt.
Ausstecherle wurden auch schon gebacken und mir ist dabei nicht - wie sonst immer - der Geduldsfaden gerissen! Das sagt nun weniger über die zunehmende Reife und Gelassenheit der Mutter als über die zunehmende Fähigkeit des Kindes, den Teig ohne Wutanfälle auszuwellen und die Plätzchen auf das vorbereitete Blech zu setzen und nicht in die ungefähre Richtung zu schmeissen. Ach ja, manches wird besser mit den Jahren! (Und manches bleibt gleich: beim Teig ausrollen macht er immer noch laute Autogeräusche und fragt mich, was ich denke, wie viel PS seine Planierraupe hat. Jungs die backen :-))




Samuel hat dieses Jahr einen Adventskrimi von seiner Tante bekommen. Das ist eine Geschichte mit 24 Kapiteln, die wir nun, ein Tag nach dem anderen, lesen. Gar nicht so einfach, nach einem Kapitel aufzuhören, wenn die Spannung langsam steigt und man wissen will, wie es weitergeht! Aber wir üben uns im Warten. Darum geht es ja schließlich, im Advent. Eine Türchen nach dem anderen. Eine Kerze nach der anderen. Als ich vor ein paar Tagen im Einwohnermeldeamt war, brannten doch tatsächlich hinter der freundlichen Sachbearbeiterin schon alle vier Kerzen am Adventskranz! Mit LED- Leuchten! Das war irgendwie so - unadventlich. Und doch: mir fällt es auch so schwer zu warten. In diesen Tagen bedrückt mich die große Not von Freunden. Meine Gebete sind ein ständiges Seufzen und ein verzweifeltes: Gott, bitte, bitte, mach was! Wir brauchen dich so sehr! Bis jetzt ist noch  kein Wunder eingetreten. Ich lese heute morgen die Worte aus Jesaja:
Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesaja 9,1
Ich mag den Klang dieser Worte die, wie eine wärmende Kerze, zur Adventszeit gehören. Aber heute fällt mir zum ersten Mal auf, dass die Grammatik irgendwie komisch ist (Ich und Grammatik- ich weiß! ;-)). Also entweder wandelte (Vergangenheit) man im Finstern und sieht nun aber ein großes Licht. Und man wohnte im finstern Land und nun scheint es hell. Aber beides in der Gegenwartform, scheint irgendwie nicht zu passen. Und doch: vielleicht ist es die Grammatik des Königreich Gottes? Dass beides real ist: Das finstere Land in dem wir noch wohnen und das Licht das über uns leuchtet!  Auch wenn es meinem Verstand nicht so wirklich einleuchten will. Vielleicht ist es die Grammatik des Wartens und Hoffens? Bonhoeffer schreibt über das Warten:
Advent heißt warten können; Warten ist eine Kunst die unsere unruhige Zeit vergessen hat. Sie will die reife Frucht brechen, wenn sie kaum den Sprössling setzte...Aber auf die größten, tiefsten, und zartesten Dinge in der Welt müssen wir warten, da geht`s nicht im Sturm, sondern nach dem göttlichen Gesetz des Keimens und Wachsens und Werdens.
Ich möchte so gerne die Dinge schnell haben. Will, dass das Kind am besten schon mit der Fähigkeit auf die Welt kommt, der Mutter zu folgen. Ich will die Kapitel der spannende Geschichte schnell durchblättern um zur Auflösung zu kommen. Und ich will (oh so sehr und vor allem!), dass die große Not der Freunde sich in Freude auflöst!  Ich will dass Gottes Reich anbricht wie ein Scheinwerfer, der das Dunkel ein für allemal vertreibt. Stattdessen kommt es tief und zart, in einem kleinen Baby.  Als Morgenstern, über denen die im Dunkel wohnen. Wachsend. Werdend. Reifend. Dem Tag entgegen. 
Passenderweise ist heute Barbaratag. Ich kenne diese Tradition erst seit letztem Jahr: Einen Obstzweig abbrechen und in eine Vase stellen. Und wenn alles richtig läuft, sollten sich die kleinen Knospen bis Weihnachten geöffnet haben.  Ein Blütenwunder mitten im Winter! Letztes Jahr hat das nicht geklappt. Irgendwann nach Silvester habe ich die trockenen Äste entsorgt. Mit ein paar trübseligen Gedanken. Dieses Jahr habe ich mir ein paar Tipps angelesen (schräg anschneiden, eine Woche noch draußen lassen. Für frisches Wasser sorgen...). Ich bin gespannt. Auch wenn meine Erfahrung mir sagen will: Das klappt nicht. Ich hoffe. Und warte. Und während ich diese Zweige die nächsten vier Wochen mit frischen Wasser versorge, will ich weiter beten. Für alle, die im finstern Land wohnen. Für eine gute Wendung der Geschichte. Für hellere Tage. Für ein Weihnachtswunder.  Ich will glauben, dass Gott auf dem Weg zu uns ist. 



Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seinen Schultern; und er heisst Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. 
Jesaja9, 5 




Dienstag, 26. November 2019

Bist du da wenn ich wiederkomme?

Heute habe ich schon viel geschrieben und auch viel geschrien. Seit Sonntag ist mir schlecht und ich weiß nicht wirklich warum (NEIN- nicht schwanger! ;-)). Aber ich kann keinen Kaffee sehen und keine Schokolade essen was bedeutet: Ich bin müde und genervt. Und das Kind ist an solchen Tagen noch ein bisschen anstrengender als sonst (kommt mir wahrscheinlich nur so vor, ist aber so). Jetzt ist er noch eine Runde raus zum Radfahren, mit dem Freund aus der Nachbarschaft. Bevor er ging, habe ich mich noch bei ihm entschuldigt. Es fiel mir nicht leicht. Aber ich merke: Wenn ich den Weg zu seinem Herz nicht verlieren will, dann braucht es Demut von mir. Den ersten Schritt machen. In den Arm nehmen auch wenn die Wut noch nicht ganz verraucht ist.  "Aber Mama, du bist da wenn ich wiederkomme, oder?" Das ist gerade immer seine drängende Frage bevor er die Wohnung verlässt. Ich weiß nicht wirklich woher diese Sorge kommt. Bin ja eigentlich immer da. Und wenn nicht, dann der Papa. Etwas rührt mich an dieser Frage. Vielleicht ist es die Sehnsucht die in uns allen ist, dass da jemand auf uns wartet.  Dass wir unser Gepäck in die Ecke schleudern können und erstmal all den Frust von der Seele lassen und jemand uns umarmt und sagt: "Kommt her. Wie schön, dass Du da bist. Essen ist fertig. Und jetzt erzähl, wenn Du magst..."  
Mit dieser Hoffnung im Herz bin ich auch letzte Woche auf den Betberg gefahren. Seit  über 10 Jahren versuche ich jedes Jahr dorthin zu gehen. Es hat nicht immer geklappt. Weil ich ab und zu der Lüge aufgesessen bin, dass ich dafür in diesem Jahr doch wirklich keine Zeit habe, oder dass es zu viel wichtiges zu tun gibt. Was für ein Unsinn! Jedes Mal wenn ich mich dann doch auf den Weg mache, erfüllt mich eine große Vorfreude auf diese zwei Tage. Und wenn ich die sanften Hügel aus der Ferne sehe und im Nachbardorf um die Ecke biege, dann fühlt es sich auch ein bisschen nach Heimkommen an.


Und es geht es mir dann ähnlich wie Samu: Ich hoffe ich werde erwartet, wenn ich wiederkomme. Ich hoffe darauf meinen ganzen Ballast in die Ecke werfen zu können und mich in einer warmen Umarmung wiederzufinden die mir sagt: Wie schön, dass Du da bist! Und jetzt erzähl wenn du magst. Und seit über 10 Jahren erlebe ich: Er ist da. Der wunderbare Ich-bin-da-Gott. Manchmal spürbar nah und manchmal nur im ruhigen anschauen lassen; in meinem Ich-bin-da an ihn. Und wenn ich mich auf die knarrende Bank in der alten Kirche setze und die vertrauten Gebete mitspreche und mich dann im Kreis der Hungrigen vor dem Altar einreihe um das Abendmal zu empfangen, dann weiß ich wieder wo ich Zuhause bin. Ich brauche solche Orte die mich daran erinnern, dass ich erwartet werde. Egal wie lange ich weg war. Egal wie ich ankomme. Auch schlecht gelaunt und mit Wut im Bauch. Wir dürfen nach Hause kommen. In seine Arme. Tag für Tag. Er ist da wenn wir wiederkommen. Ganz bestimmt.








Donnerstag, 14. November 2019

Schönster Einkaufsweg Deutschlands

Es gibt doch diese Dokus über den längsten Schulweg Europas, oder den gefährlichste Schulweg der Welt (den Film wollte ich schon immer mal Samuel zeigen!). Gestern bin ich mit dem Rad zum Einkaufen gefahren und dachte mir: Ich hab den schönsten Einkaufsweg der Welt! Oder zumindest Deutschlands. Also wenn irgend jemand mal darüber einen Film drehen würde - dann wäre er hier genau richtig! 
Ich dachte auf dem Land muß ich mir angewöhnen mit Einkaufslisten loszufahren, Wochenpläne zu machen und so was alles. Ich bin GANZ SCHLECHT mit Wochenplänen. Und die Einkaufszettel schreibe ich zwar, lasse sie aber regelmässig auf dem Küchentisch liegen. Und überhaupt: Ich weiß erst was ich koche, wenn ich weiß worauf ich Hunger habe :-).  Also sagen wir mal so: Ich bin eher der Gefühls-Einkäufer (und bin mir völlig darüber im klaren, dass ich deshalb leichtes Opfer für jede Werbe-Falle bin). Ich mag es an den Regalen entlang zu laufen und den Einkaufskorb voll zu machen, mit den Dingen die ich brauchen könnte. Um dann Zuhause festzustellen was ich wirklich gebraucht hätte.  Ganz schlecht. Ich weiß. Ich wollte mich auch ändern. Aber dieser Einkaufsweg! Den kann ich doch wirklich nicht nur einmal die Woche fahren!  Ach, jeden Tag (oder sagen wir: fast jeden Tag) wenn ich die Strecke fahre, könnte ich platzen vor Glück. Dass wir hier sein dürfen! Dass ICH hier sein darf. In dieser schönen Umgebung! 
20 Jahre lang habe ich mir Spazierwege zwischen Industriegebieten und Bundesstraßen gesucht. Ich habe mich über jede kleine Grünfläche gefreut, die ohne Hundekacke war und über jede Blume, die sich erfolgreich durch den Asphalt gekämpft hat. Vielleicht hat diese Zeit mein Blick für das Schöne noch mehr geschärft, weil man eben so genau hinschauen musste. Hier ist es anders. Hier ist so viel Schönheit, dass ich es manchmal kaum fassen kann. Dass ich ab und zu aus dem Fenster auf die hässliche Häuserreihe gegenüber schauen muß, um wieder runter zu kommen. Das habe ich gerade getan. Zwischen den Häusern flog majestätisch ein Greifvogel. Und die rauhreifbedeckten Häuserdächer glitzerten in der Sonne. Und ein gelbleuchtendes Herbsblatt tanzte davor durch die Luft. Ich geb`s auf. Egal wo ich hinschaue: Wir sind umgeben von Schönheit!

Und hier ist er: Der absolut schönste Einkaufsweg Deutschlands:

gut wenn man ein E-Bike hat!


Lieblingsbänkle...

dort drüben schnell rein und wieder raus...

Rückweg genießen
Mittig: die Werbefalle hat zugeschlagen!
zurück zu "unserem" Ort!

Nächste Woche bleibt es hier ruhig, weil ich in den schönsten Weinbergen Badens unterwegs bin. Danach sehen wir uns hier wieder. Bis dahin - seid gesegnet auf euren Wegstrecken!!!

Dienstag, 5. November 2019

Heute bin ich klüger.

Heute fühle ich mich unglaublich müde und erschöpft. Und das nach einer ganzen Woche Herbstferien! Darin war ein schöner Ausflug mit Heio. Und ein paar Tage Schwarzwald mit Samu. Und eine Geburtstagsfeier. Und dazwischen eine große Aufräumaktion im neuen Zuhause. Ach, ich glaube ich habe in die arme kleine Woche so viel reingepackt, dass ihre Nähte geplatzt sind und sich alles polternd über mich ergossen hat. Und dann habe ich gestern Abend, so fertig wie ich war, den besten Ehemann beschimpft, warum er mich nicht besser unterstützt hat. Danach bin ich stinksauer ins Bett gegangen. Nachdem ich mich die halbe Nacht unruhig hin und her gedreht habe, habe ich mich beim Frühstück  entschuldigt und der müde Mann hat mir freundlich vergeben (und noch einen Blumenstrauß gepflückt - Gnade über Gnade!). In seiner ruhigen, direkten Art hat er mir den Satz gesagt: "Christina, Du musst Verantwortung für Dich übernehmen! Das kannst du an niemand delegieren". Ich seufze und weiß: Er hat recht. Und ich bin frustriert, dass mir das auch nach so vielen Jahren Seelsorge und Therapie oft so schlecht gelingt: Gut für meine Seele zu sorgen. Meine Grenzen wahrzunehmen und dazu zu stehen. Mir geht es wie der Freundin, die zu mir sagte: "Ich weiß meistens erst hinterher, ob es zu viel war!"  Hinterher ist man klüger. Das stimmt. Aber vorher wäre noch klüger. Und heute ist vorher! (Oder wie es der Mann sagen würde: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!).  Also lasse den Wäschekorb erstmal stehen und gehe eine Runde spazieren. Ich jammere Jesus ein bisschen damit zu wie fertig ich bin und dass ich manches wohl  nie besser hinbekommen werde und dann frage ich ihn, ziemlich verzweifelt, was ich denn das nächste Mal denn besser machen könnte? Es ist als würde Jesus mich an der Hand nehmen und wir spazieren noch einmal zusammen durch die letzten Woche. Und da fällt mir so einiges auf. Dass ich zum Beispiel den eingeplanten Sandwich-Tag ausgelassen habe, weil ich noch ganz euphorisch von den letzten Lesungen war und dachte: Den brauch ich doch jetzt nicht.  Dass ich Heio großzügig einen freien Vormittag gewährt habe während ich die Zeit damit verbracht habe  im Turbogang alles liegengebliebene zu erledigen. Dass ich einen 3-Löffel-Tag so verbracht habe, als hätte ich einen ganzen Besteckkasten zur Auswahl. Dass ich in alter Umgebung in alte Muster verfallen bin, denen ich eigentlich schon längst nicht mehr folgen muss. Dass ich den Verpflichtungen mehr Raum gegeben habe als der Freude. Ach, es war ein langer Spaziergang. Es war eine sanfte Erinnerung Gottes, dass es auch zu unserer Würde als Menschen gehört, dass wir unser Leben gestalten dürfen. Und dass es dazu immer einen Spielraum gibt. Der ist in manchen Zeiten ganz klein, (seid gesegnet, ihr jungen Mamas!) und manchmal auch größer. Ich will meinen "Spiel-Raum" für diese Woche wieder bewusst wahrnehmen und schauen was möglich ist. Ein kurzer Mittagschlaf. Ein Kaffee zwischendurch auf dem Balkon. In die Lieblings-CD reinhören.  Ein bisschen Laub im Garten fegen und noch einmal die Hollwoodschaukel genießen, bevor sie winterfest verpackt wird. Die Vögel beobachten. Einen kleinen Abenspaziergang mit Samu anstatt den Küchenboden nochmal zu fegen. Dankbar das Gute anschauen, das mich umgibt. Gnade über Gnade. Und meine inneren Antreiber können diese Woche einfach in den Urlaub fahren. Das tut denen auch mal gut. Vielleicht kommen sie entspannter wieder. Als kleine rosa Merkzettel.  Als zaghafte Fragen ob sie heute in meinem Tag einen Platz finden können. Denn morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Und heute bin ich klüger. (hoffentlich!!!)

Und deshalb freue ich mich jetzt noch ein bisschen an den schönen Bildern von unserem Kurzurlaub:
Bamberg ist einfach wunderschön!



















meine Bildschirm- Erinnerungshilfe für kommende Woche.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Sie liest Bücher

                                                                          (Blogpost enthält links und unbeauftragte Werbung)

Ein kurzer Gruß von hier - zwischen Manuskript schreiben und Lesungen vorbereiten. Manchmal habe ich das Gefühl mir rennt die Zeit davon und kaum ist Samuel morgens aus der Tür poltert er auch schon wieder laut rufend die Treppe hoch: "Was gibt`s zum Essen?" 
Aber ich versuche mich nicht hetzen zu lassen, denn gehetzt kann man so wenig schreiben wie man gehetzt seine Liebe ausdrücken kann. Apropos Liebe: In diesen Tagen freue ich mich wieder so sehr über gute Bücher, die hier im Haus verstreut liegen. Da ist dieses Buch von Jennifer Zimmermann, das so dicht und aufwühlend und berührend geschrieben ist. Sie schreibt über die heftige Zeit in ihrem Leben, in der ihr Sohn mit Fehlbildungen zur Welt kam und ihr Vater und ihr Schwager kurz nacheinander gestorben sind. Sie erzählt von ihren Zweifeln, dem Schmerz, der Verlorenheit und ihrem Ausharren auf dem "abgewetzten Sofa des Glaubens". Jenny schreibt im Vorwort: 
Für die Zweifel und Stotterer und Vielleicht-Sager. Für die, die am Schmerz der Welt zerbrechen...Ja, ihr täuschte euch nicht. Die Welt steht schief. Sie klappert und ruckelt beim Leben. Ich spüre es auch.
Was für eine Schreibgabe hat diese Frau! Und was für ein Geschenk, dass sie ihre Geschichte mit uns teilt. So fern von schnellen Antworten und frommen Phrasen. Tief durchlebte Erkennnis, dass Glaube bedeutet die Gewissheit zu haben, im Ungewissen zu leben. Ich kann euch dieses Buch nur wärmstens empfehlen!


Und ich empfehle euch auf  Tines Blog vorbeizuschauen. Sie erzählt, in ihren Worten, in kurzen Abschnitten die Geschichte von Esther (aus der Bibel :-)). Es ist so gut, dass dringend ein Bucheinband außenrum müsste (Hallo an alle Verlagsmenschen!).  Aber lest selbst.  Ich blättere inzwischen im neuen Buch von Sarah Bessey und in einem weiteren Buch über den Sabbat. Es ist meine - fast schon verzweifelte - Suche wie wir, als Familie, den Sonntag noch mehr entschleunigen und zu einem wirklichen Fest-Tag machen können. Einfach weil wir so geschaffen sind und weil ich zunehmend merke, wie schlecht es für meine Seele ist wenn ich das dritte Gebot (den Feiertag zu heiligen) nicht einhalte.


Also, ihr seht: Hier ist Schreiben und Lesen angesagt. Ich glaube es war Anne Lamott die gesagt hat: To write makes you a better reader. And to read, makes you a better writer. Und sie hat ja so recht damit.
Samuel hat gestern beim Mittagessen erzählt, dass die Mutter von einem Schulfreund nun eine neue Arbeitstelle im Supermarkt hat. "Und", habe ich gefragt, "was sagst du was deine Mama arbeitet?" "Sie liest Bücher." Haha. Genau. Was ist das denn für ein Riesengeschenk?! Ich kann es an manchen Tagen kaum fassen. 
Also, ihr entschuldigt mich: Ich muß weiterlesen. Ich schick euch ein paar Sonnenstrahlen durch den Nebel - seid umarmt und habt eine gesegnete Woche!!!
 
Blick gestern morgen aus dem Schlafzimmer - Gott ist ein großer Künstler!

Herbstschönheiten auf dem Tisch und in der Luft:
"Mama, sind das jetzt unsere Haustiere?" "Nein, nur Gäste die zum Essen kommen."
wie der Vater....

... so der Sohn.

Und Mama liest. (war schön bei Euch!!!)


Mittwoch, 16. Oktober 2019

Auf die Liebe!

Heute vor 10 Jahren....



Ach was bin ich dankbar für diesen tollen Mann, der es schon so lange mit mir aushält! Der nicht nur meine Strahle-Seite kennt. Der mich auch dann umarmt, wenn ich es wenigsten verdient habe und es am meisten brauche.
Als wir vor 10 Jahren, umrahmt von unseren Familien und Freunden, JA gesagt haben, da hat Gerda Krüger, diese wunderbare Seelsorgerin, die inzwischen verstorben ist, für uns folgendes gebetet:
Gott sagt: Ich will Dich segnen und du sollst ein Segen sein. Mit diesem Wort segne ich eure Gaben und das was Gott jetzt zusammentut. Und ich segne auch eure Mängel und Schwierigkeiten, dass sie zur Herausforderung werden gemeinsam zu wachsen und dass sie euch zum Leben werden.
Als ich da so aufgeregt zitternd neben Heio stand, wusste ich noch wenig was diese Worte für uns bedeuten. Heute habe ich eine Ahnung davon. Ich bin so dankbar wie Heio mich darin unterstützt hat meine Gaben auszuprobieren und wie er sich mitfreut hat an jedem kleinen Erfolg. Was für ein toller Mann! Und ich sehe auch was Gott zusammengetan hat , wie eine Ernte, die man zusammenlegt und gemeinsam feiert.



Dieses Jahr: Kleine Kraft- kleine Ernte.  Danke Gottt!

Und ja, da sind auch die Herausforderungen. Meine Unsicherheiten und die Inkonsequenz. Zum Beispiel.  Seine Sturrheit und andere Dinge die mich zuerst ausflippen und dann wachsen lassen.  Heio ist Sammler und Bewahrer.  Deshalb hat er auch beim Umzug eine Bananenpflanze in unser neues Zuhause getragen die seit Jahren nichts weiter fabriziert als ein kümmerliches Blatt, das im Winter wieder vertrocknet und abfällt.  Er hat zwei klapprige Räder in die Garage geschoben, die man bestimmt noch reparieren kann. Und in der Kiste der Fotos und Zeitungsauschnitte die er aufbewahren will, habe ich sogar noch zwei seiner abgeschnittenen Dreadlocks gefunden. Also ehrlich. Diese Sammler-Eigenschaft fordert mich sehr heraus. Andererseits sehe ich immer klarer, dass genau das seine große Stärke ist: Die Treue. Das Dranbleiben, auch an dem was heute ganz vertrocket und kümmerlich aussieht.  Er geht davon aus, dass es sich lohnt zu warten. Dass manche Früchte erst nach Jahren kommen (und auch ein paar kärgliche Erntejahre ok sind). Er vertraut mit großem Starrsinn darauf, dass kaputtes wieder heil werden kann und dass alles und jeder irgendwann zu gebrauchen ist. 
Zur Zeit feiern wir ja die Aussortierer und Minimalisten (alles was keine Freundenfunken mehr auslöst kann weg). Das ist sicher auch eine gute Sache. Aber heute, an unserem Hochzeitstag, will ich einmal dankbar sein für Menschen wie Heio: Menschen die Platz für andere schaffen, damit sie wachsen können. Menschen die festhalten und bewahren können. Die auch das Alte und Verschrammte wertschätzen. Denn umso älter (und verschrammter) ich werde, umso mehr wird diese Fähigkeit meines Mannes mir zum Segen. 
Ach, und die Bananenpflanze: Seid sie hier auf dem Land ist, blüht sie auf. Ich kann es kaum fassen wie viele Blätter sie hat. 

in 10 Jahren gibt`s Bananenshake, Baby!

Vielleicht zeigt die Staude jetzt endlich, ihre tiefe Dankbarkeit, dass sie jedes Jahr eine neue Chance bekommt. Und wenn ich Heio dabei beobachte wie er seine Pflanzen hegt und pflegt, dann erinnert er mich an den Gott den ich liebe und der uns Menschen einfach nicht aufgibt. Der voller Freude ruft:  "Schaut was ich gefunden habe!!!" und Schätze über Schätze anschleppt, die andere nur den Kopf schütteln lassen. "Doch", sagt er und lacht voller Vorfreude, "Das wird schön! Und jetzt: lasst und feiern!"  
Auf die starrköpfigen Bewahrer und die großen Sammler und Wertschätzer. Auf die Liebe!!!




Und wer spontan noch mehr Geschichten aus unseren 10 Jahren hören möchte: 
Ich bin morgen, am Freitag den 18.10.  hier auf dem Ladiespoint in Herrenberg/Oberjesingen, 
am Sa. 26.10 beim Freundinnenabend in Lenningen-Brucken (Infos hier ).
Und noch am 9.11. zum Frauenfrühstück in Hegnach.
Vielleicht sehen wir uns?!