Montag, 9. Juli 2018

Was mein Leben reicher macht

Jetzt ist es schon wieder ein bisschen her seit ihr hier geschrieben habe. Wir hatten Besuch vom Magen-Darm-Virus, zuerst Samu und danach ich. Echt ein penetranter Gast! Ich hatte ja schon befürchtet, dass wir ihn zur Hochzeit meiner Schwägerin nicht los werden und ich keinen Kuchen essen könnte - das wäre mal ne Katastrophe!  Aber am Samstag war ich dann wieder aufnahmebereit. Gott sei Dank! Und das Festkleid saß nicht ganz so eng.  Auch ne prima Sache. Und auf der schönen Hochzeit konnte ich auch ein kleinen Plausch mit  der tollen Fotografin halten :-)


Neben Hühner-Wunsch-Gesprächen mit Heio, haben wir uns natürlich auch übers Schreiben ausgetauscht. Ich habe festgestellt, dass ich einen Schreib-Stau habe, nicht im Sinne von: "Hilfe, ich weiß nicht was ich schreiben soll!" sondern: "Es gibt so vieles was ich gerne schreiben würde!"  Und damit sich der Stau mal etwas auflöst möchte ich euch diese Woche einfach mal über die Dinge schreiben, die gerade mein Leben bereichern. Es könnte ein bisschen länger werden. Vielleicht gießt ihr euch einfach eine Tasse Kaffee ein, oder eisgekühltes Zitronenwasser, und macht es euch gemütlich. Ich hoffe es wird eine erholsame kleine Pause. Und danach packen wir den Rest des Tages wieder an. Apropos Pause, da bin ich schon bei dem was gerade meine Tage bereichert: 

Die Ausruhzeit
Ich bin dankbar, dass es Samu tatsächlich schafft, nach dem Mittagessen und vor den Hausaufgaben, eine Ausruhzeit zu machen. Er legt sich ein Hörspiel ein und ich kann mich in der Zeit nochmal kurz aufs Ohr legen. VIVA LA SIESTA! Freunde aus Südamerika, ihr habt uns so vieles voraus!  Wie gut tut uns eine kleine Pause in der Hitze des Tages! Und die neu entdeckten Hörspiele in unserer Bücherei vom Franzsind so toll, dass ich sie am liebsten auch immer mithören will. Und sind Büchereien nicht auch eine einfach wunderbare Sache die das Leben reich machen?!



Liebesbezeugungen von einem 7-jährigen
Zwischen Streit und Wutanfällen: Eine verschwitzte Kinderhand die sich unerwartet in meine Hand schiebt, eine stürmische Umarmung, ein Luftkuss über den Schulhof in meine Richtung geschickt - all diese wunderbaren, kleinen Dinge, für die er sich vielleicht schon ganz bald "zu groß" oder zu cool fühlen wird (zumindest was die unbekümmerten Liebesbezeugungen in der Öffentlichkeit angehen). Bis dahin will ich es noch richtig genießen!
meine diesjährige Geburtstagskarte:-)
Au dem Weg zu den Pfadfindern, mit Übernachtung. Oh weh, bald wird er ausziehen!

Gebetsfreunde
Ich bin dankbar, dass ich Menschen in meinem Leben habe, denen ich früh am Morgen und auch noch spät in der Nacht ein Gebetsanliegen schicken kann und ich weiß, dass sie beten werden. Und andersrum gilt das auch. Was für ein Geschenk!  Glaube schreibt sich als großes WIR. Zusammen beten wir für die Bewahrung einer langersehnte Schwangerschaft; für eine positive Gewebeprobe; für die schwere Operation des kleinen Jungen von Freunden unserer Freunde. Und immer wieder erleben wir kleine und größere Wunder! Manchmal überfordern mich die vielen Nöte und Anliegen auch ein wenig. Dann erinnert mich Jesus, dass nicht alles in meine Umarmung passt. Das ist in Ordnung. Ich bin Teil eines Teams. Und den Rest überlassen wir dem, der die ganze Welt umarmt.


   
Die Müllabfuhr
Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht nicht so spektakulär, aber ich bin jedes Mal so dankbar wenn ich morgens vom piependen Geräusch unserer Müllabführ geweckt werde. Da kommen doch tatsächlich wöchentlich Menschen bei uns vorbei um UNSEREN Müll zu beseitigen! Danach fühle ich mich immer ein bisschen leichter. OK, Müllvermeidung ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Aber hier mal ein hoch auf die Menschen die sich um den Müll kümmern, der sich, trotz allem guten Bemühen meinerseits, täglich ansammelt. DANKE ihr Helden. Ein wenig erinnert ihr mich an Jesus. Und das liegt nicht am orangenen Aufzug ;-)


Unser Platz unterm Apfelbaum
Ich liebe diesen Ort in unserem Garten! Egal ob  spontanes Kaffeetrinken mit den Nachbarn, Feste die einfach gefeiert werden müssen oder auf ein kurzes Gespräch mit Heio: Der schattige Platz unterm Apfelbaum lädt uns ein, alles mal stehen und liegen zu lassen und sich Zeit zu nehmen um einfach DA zu sein und das was uns umgibt zu betrachten. Ich wünsche jedem von euch, dass er so einen Platz hat und ihr euch die Zeit nehmen könnt, ihn zu genießen (und wenn es die Fensterbank ist, auf der man sich in die Sonne setzen kann).


In der Erde wühlen
Auch wenn das merkwürdig klingt und ich mir das selbst nicht richtig erklären kann: es tut mir gut mit den Händen in der dunklen Erde zu stecken. Unkraut rupfen. Zweige zurückschneiden. Sogar den Hasenstall misten. Wenn ich traurig bin und meine Mutter vermisse, dann gehe ich  in den Garten und wühle im Boden. In den Händen die Erde aus der wir kommen. Auf der wir leben. Zu der wir zurückkehren. Wir sind Geschöpfe. Das alles hat etwas unerklärlich tröstliches für mich.(und einer muß ja schließlich das Dickicht im Garten bekämpfen, bevor sich große, wilde Tiere ansiedeln!)


Unsere super Supermarkt-Verkäuferin
Bis vor einigen Monaten war unser Supermarkt ein eher trostloser Ort. Oder sagen wir einfach: es war ein ganz gewöhnlicher, seelenloser Supermarkt. Einladen, zügig abgefertigt, man hat die Dinge die man braucht. Passt. Aber mit der Ankunft dieser Frau hat sich alles verändert! Sie sitzt an der Kasse und strahlt ihren Kunden entgegen. Sie verfällt nicht in ungeduldiges Drängeln wenn die Schlange wieder mal extrem lang ist. Sie gibt jedem die Zeit die er braucht. Auch der alten Frau, die dreimal ihr Kleingeld abzählen muss. Sie erkundigt sich wie es einem geht und erzählt ein wenig von sich. Alles während sie PIEP-PIEP effektiv die Waren übers Band zieht. Man spürt es: Sie liebt das, was sie tut. Und ich LIEBE sie. Und Samu liebt sie. Weil sie ihn sieht. Er jubelt immer schon beim Reinkommen: "Mama, unsere Lieblingsverkäuferin ist wieder da!" Ich staune wie EIN Mensch eine Atmosphäre verändern kann. Plötzlich wird der kleiner Laden zu einem strahlenden Ort. Man geht nicht nur mit vollen Taschen, sondern auch mit einem Lächeln. Ach, könnten unsere Kirchen nicht ein bisschen mehr wie mein Supermarkt sein!


Herzklopfen in der Gemeinde
Und wo wir schon bei der Kirche: In unserere Gemeinde geschieht auch einiges. Eine kleine Gruppe von Leuten macht ihr Herz ein bisschen weiter, lässt sich herausfordern mit klopfendem Herzen etwas zu tun, was man sich bisher noch nie getraut hat.  Und wenn ich eine Sache in meinem bisherigen Leben gelernt habe: Die Dinge die ich total aufgeregt und ängstlich tue, mit Herzklopfen bis zum Hals, sind meistens die allerbesten Dinge! Wenn wir neues erleben wollen, müssen wir neue Dinge tun. Wie wahr. Also trauen wir uns ein bisschen mehr. Erwarten ein bisschen mehr. Auch wenn wir die Netze noch fast leer aus dem Wasser ziehen. Wir machen weiter. Und sind gespannt wann Gott sie mit Leben füllen wird.


Geschichten, die eine wunderbare Wendung nehmen
Und da sind wir wieder bei der Hochzeit angelangt. Es passiert mir nicht oft, dass mir die Freudentränen übers Gesicht laufen, wenn das Brautpaar in die Kirche einläuft. Am Samstag war das so. Weil ich die Geschichte dahinter kenne.  Nicht immer läuft das Leben so wie wir uns das erträumen. Oft genug halten wir einander in den Armen und versuchen uns zu trösten, dass auch besser Zeiten kommen. Und manchmal sind sie dann einfach da. Die besseren Zeiten. Und man kann nur staunend daneben stehen und sich einfach nur mitfreuen.  

nach wenigen Minuten im besten Anzug: Freimachen zum Mitfeiern:-)

Wo immer ihr gerade seid, lasst die Sonne ein wenig auf euch scheinen! 
Jesus sieht uns an.  Mit strahlenden Augen. Und wild klopfendem Herzen. 
Wir sind unendlich geliebt. 
Und: die besten Tage liegen noch vor uns! (alle irdischen Apfelbaumplätze und Hochzeitsfeste sind nur ein kleiner Vorgeschmack)

Dienstag, 26. Juni 2018

Und was kommt nach dem Frühstück?

Die Tür geht zaghaft auf, ein Lichtstrahl fällt über meine Bettdecke und schmerzt mir in den Augen. Ich sehe die Umrisse eines kleinen Menschen, der versucht eine kurze Hose über seinen Kopf zu ziehen. Oder ist es ein T-Shirt? Heio kommt ins Zimmer und sagt: "Guten Morgen. Frühstück ist fertig!" Ich schaue auf den Wecker und stelle fest, dass ich verschlafen habe. Das ist jetzt in meinem Fall nicht so schlimm weil kein Arbeitgeber auf mich wartet. Trotzdem drückt mich ein wenig das schlechte (Mama-)Gewissen . Daneben rückt die Dankbarkeit, dass ich ausschlafen durfte und mich nicht mehr ganz so krank fühle wie in den letzten Tagen. Ich rufe dem davoneilenden Sohn noch hinterher, dass er besser eine Jacke anziehen soll und ob er auch seine Wasserflasche hat. Hat er nicht. Ich stolpere in sein Zimmer, hieve mich auf sein Hochbett und eile ihm mit der Flasche hinterher. Ein Abschiedskuß. Dazwischen fragt mich der Mann nach meinen Plänen für den Vormittag. Die Antwort ist ähnlich wie die gestrige, und die vom Tag davor: "Ich weiß es noch nicht genau." Eine hastige Umarmung. Rums. Die Tür fällt ins Schloß. Stille. In der Küche gieße ich braunes Gold in den Kaffeebecher und betrachte die Lebensspuren auf und unter dem Küchentisch. Was für ein Luxus mal wieder in Ruhe zu frühstücken; meine Lieblingsmahlzeit des Tages. Während ich so dasitze kommt mir wieder die Geschichte in den Sinn über die ich in den letzten Wochen so oft nachdenke: Die Jünger am See Tiberias. Zurück von Jerusalem, dorthin wo ihre Geschichte mit Jesus angefangen hat. Nur dass ER dieses Mal nicht dabei ist. Sie tun das einzige was sie gut können: Fischen. Aber es funktioniert nicht mehr. Eine ganze Nacht lang nicht. Müde blinzeln sie ins Morgenlicht und: da steht Jesus am Ufer. Und von all den gewaltigen Worten die der Auferstandene sagen könnte sagte er einfach: "Kommt her! Frühstück ist fertig." Ach, ich liebe Jesus!

Ich fühle mich gerade oft so wie die Jünger in der Geschichte. Müde. Von kleinen Dingen, die andere scheinbar mühelos stemmen. Ausgepowert. Nach einer Lesung brauche ich eine Woche Erholung. Mindestens. Und ich bin oft ein wenig frustriert über den mageren "Fang". Mein zweites Buch zum Beispiel verkauft sich nicht so gut wie ich das erhofft hatte. Ich weiß nicht genau woran es liegt. Ich finde ja es ist das Beste was ich bis hierher geschrieben habe :-). Und dann denke ich: Wenn das nicht "ankommt" was soll ich dann noch schreiben? Soll ich überhaupt noch schreiben? Oder gehe ich zurück zu dem was ich gelernt habe. Aber ich fürchte das funktioniert nicht mehr. Einfach deshalb weil ich keine Nächte mehr durchhalte (Ich glaube im Pflegeberuf brauchte es fast so viel Durchhaltekraft wie in der Fischerei. Alles Helden seid ihr!). Also sitze ich hier und blinzle auf die Umrisse am Ufer die entweder scharfe, gefährliche Klippen oder aber die Umrisse von Jesus sein könnten. Und dann höre ich die Worte: "Komm her, Frühstück ist fertig!"  "Aber Jesus, was ist mit dem Rest des Tages?" Er antwortet nicht. Lädt mich nur lächelnd ein, dass ich mich zu ihm setze. 

Von Meister Eckhart kommt der Satz, dass Gott nicht dadurch gefunden wird indem man der Seele etwas hinzufügt, sondern dadurch dass man etwas abzieht. Weniger wird. Ich denke so oft dass ich mehr sein muss. Dass mein Leben mehr sein müsste, größer, kraftvoller, erfolgreicher. Effektiver. Zumindest doch klarer und zielgerichteter. Aber was meine Seele tatsächlich braucht ist das weniger. Das Einfacher werden. (das ist übrigens auch etwas was ich beim Schreiben lerne). Brot und Fisch. Ein Feuer an dem man sich aufwärmen kann. Liebevolle Einladung. "Komm her. Frühstück." 

Während ich nicht viel tue, als kauen und still bei Jesus sitzen, spüre ich etwas davon was der Mystiker Eckhart begriffen hat: 
Mein Dasein hängt daran, dass Gott mir nahe und gegenwärtig ist.
Das zu fassen ist wichtiger als die Pläne für den Rest des Tages in die Hand gedrückt zu bekommen. (und ich fürchte es wird noch viele gemeinsame Mahlzeiten mit Jesus brauchen damit ich das auch nur ansatzweise begreife!)

Und nach dem Frühstück? Spüle ich die Kaffeetasse. Fege den Boden. Gehe die Hasen füttern. Schreibe ich ein paar Sätze. Hole ich die Mülltonne vom Gehweg und grüße meine Nachbarn.

Der Tag wird sich entfalten. 

Das Leben wird sich entfalten.

An der Seite von Jesus.


Mittwoch, 20. Juni 2018

Die wilden Dinge

Letzte Nacht, ein Uhr, war ich plötzlich hellwach. Irgendein ungewohntes Geräusch hat mich geweckt. Ein hohes Surren und leises Klicken. Sägen nicht Einbrecher genau so ein rundes Stück Glas aus dem Fenster? Oder klingt das nicht so wenn das Vorhängeschloss am Fahrrad aufgesägt wird? (Warum habe ich auch das neue E-Bike draußen stehen lassen und nur an einer Gießkanne festgemacht?) Oder war es das Durchladen einer Waffe? Ein Tier? Ich lausche ins Dunkel. Höre Heios regelmässige Atemzüge neben mir. Er atmet. Gut. Dann muß ich ihn nicht wecken (um zu schauen ob er atmet). Mein Herz klopft weiter wie wild. Ich habe Angst, dass das die kurze Stille vor dem Sturm ist. Wird gleich die Scheibe zersplittern? Ein Einsatzkommando das Haus stürmen? Eine Wasserfontäne aus dem Klo schießen? Das Telefon klingeln? Ich laufe durch den dunklen Gang. Schaue nach ob Samu noch im Bett liegt. Tatsächlich, er ist noch da und - atmet! Gut. Ich mache einmal kurz alle Lichter an und wieder aus. Dass die Einbrecher gewarnt sind. Dann versuche ich  mich wieder zu beruhigen. An Jesus zu denken. Der auch hier im Dunkel ist. Ganz bestimmt. Mein Herzschlag wird langsamer. Mir fallen die Zeilen aus einem Gedicht von Wendell Berry ein:
When the despair for the world grows in me
and I wake in the night at the least sound,
I come into the peace of the wild things. 
(Wenn die Verzagheit für die Welt in mir wächst und ich beim kleinsten Geräusch in der Nacht aufschrecke, dann betrete ich den Frieden der wilden Dinge)

Ich liebe diesen Ausdruck: Der Friede der wilden Dinge. Unsere Welt ist tatsächlich voller wilder Dinge. Dinge, die da draußen im Dunkel liegen und die wir überhaupt nicht im Griff haben! So wenig wie unser eigener Herzschlag und der Atmen der Menschen die wir lieben.
Neulich haben wir eine Tramperin mitgenommen. Ein junges Mädchen, das ein Jahr lang auf Weltreise war und nun war sie auf den letzten Kilometern, kurz vor Zuhause. Ihre Mutter wartete bereits, mit Sauerkraut auf dem Herd. Wir hatten eine spannende Fahrt, sie sprudelte nur so über von den wilden und wunderbaren Dingen, die sie in den letzten Monaten erlebt hatte. "Und in einer Nacht wäre ich fast gestorben!", erzählt sie uns. Wir hängen an ihren Lippen während sie uns die Nacht in den Bergen Argentiniens beschreibt. Alleine im Zelt, friedliche Wildnis, und draußen plötzlich  merkwürdige Kratzgeräusche. Naher Atem. Sie späht durch ein kleines Loch in die Nacht und ist Auge in Auge mit einem Puma! Aufgeregt versucht sie ihn mit der Kamera einzufangen und wartet, bange Minuten, bis der seine Neugier befriedigt hat und wieder im Dunkel verschwindet. Sie erzählt es mit Ehrfurcht, zittern in der Stimme. Sie hat dem wilden Leben mutig ins Gesicht geschaut. 
Ich hingegen würde NIEMALS alleine in den argentinischen Bergen campen. Soviel ist sicher. Aber ich sehe auch Nachts manchmal wilde Dinge vor mir. Ängste schleichen sich ins Herz wie bedrohliche Raubtiere, die mir das Liebste nehmen wollen. Ich spüre die Zerbrechlichkeit unseres Lebens. Die Begrenzung meiner Menschlichkeit. Wie wenig ich die Dinge im Griff habe. Die kleinen nicht, und die großen schon gar nicht. Und ich taste nach dem,  der einen Sturm anschnauzen kann wie einen Hund. Und Wellen mit einer Handbewegung zur Ruhe zwingt.(H.P. Wolfsberger). Er kann auch mein Herz still machen. Voller Friede. Mitten im Dunkel. Umgeben von wilden Dingen. Und das tut er, wie in vielen Nächten zuvor, auch in dieser Nacht. Und irgendwann schlafe ich weiter.

ER ist da. Tag und Nacht.

Er weiß, besser als wir selbst, wie viel uns in dieser Welt überfordert.

Er kennt unsere Begrenztheit.

Er weiß was uns Angst macht.

Er weiß worüber wir besorgt sind.

Der Schöpfer und Herr über die wilden Dinge ist unser Hirte.


Und diese Karte kam passenderweise heute bei uns an , nachdem ich den Text geschrieben haben :


Wie gut, dass wir nicht alleine unterwegs sind!
 

Und hier noch ein paar Fotos aus unserem "wilden Leben" in Stuttgart:





ruhige Momente drinnen....

... und die wilden Tiere draußen, die auf die Fütterung warten.


Warnschilder beachten!
Blumen und Früchte aus dem wilden Garten, im Überfluß!
auf dem Heimweg....

Mittwoch, 13. Juni 2018

Nach dem Sturm

So. Nun war die Vesperpause doch ein bisschen länger als gedacht. Und wie so oft, fällt es mir schwer die letzten Wochen und Monate in Worte zu fassen. Vieleicht zeigt es dieses Bild von letzter Woche ganz gut:


Am Abend vorher hatten wir ein richtig heftiges Gewitter. Unser Keller stand unter Wasser. Ich stand mit einem Fuß in der Toilette (aus der eine Wasserfontäne kam) und der Rest der Hausbewohner hat im Akkord Wasser nach draußen geschöpft. Zuerst bei uns, dann auch noch in der Nachbarschaft. Es war ein ziemliches Abenteuer. Am Morgen danach haben wir die Schäden betrachtet. Heio hat die  durchweichten Kisten aus dem Keller geholt und meine Tagebücher -die ich einfach weggeschmissen hätte - zum Trocknen in die Sonne gelegt  Dann hat er schweren Herzens auch ein paar Dinge entsorgt.(YESSS!!!)
Im Garten waren seine liebevoll hochgezogenen Pflanzen abgeknickt oder sogar aus dem Beet geschwemmt. Unser neuer Pavillion, unter dem wir die WM-Spiele mit den Nachbarn verfolgen wollten, war völllig in sich zusammengebrochen. Woraufhin unser Nachbar mit Samu sofort losgefahren ist um es durch ein neues Gartenzelt zu ersetzen. Was sein muß, muß sein. Heio widmete sich wieder geduldig der Gartenarbeit und pflanzte manches nochmal neu ein. Und ich war einfach nur müde von der vorausgegangenen Nacht.
Die letzte Zeit hat sich ein wenig so angefühlt wie dieser Morgen nach dem Sturm. Ich sortiere durch die Dinge. Ziemlich müde. Immer wieder fahre ich mit meiner Schwester in den Schwarzwald um unser  Zuhause auszuräumen. Das meiste kann weg (meine Schwester ist Weltmeister im Ausräumen!) Manches fällt mir schwer loszulassen. Und doch weiß ich, dass es besser ist. Es wird einfach nicht mehr gebraucht. Ein paar Dinge bewahre ich auch auf. Kleine Erinnerungen. In den Augen anderer einfach nur Gegenstände. Für mich erzählen sie wunderbare Geschichten.


Und neben dem praktischen Aufräumen sind da auch die Dinge in mir. Trauerarbeit nennt man das wohl. Mit so viel Arbeit habe ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet. Meine Mutter wurde ja nicht urplötzlich aus dem Leben gerissen. Und man kann durchaus sagen: Sie starb alt und lebenssatt. Sollte man sich da nicht einfach freuen und dankbar sein, dass man sie so lange hatte? Ja. Und trotzdem. Sie fehlt. Und da war diese nahe Begegnung mit dem Tod. Und da werden plötzlich alte Geschichten wieder ganz lebendig. Es hat mehr erschüttert als ich dachte. Manche Wahrheiten sind nur deshalb nicht weggeschwemmt, weil ich die dunklen Gedanken zurückgedrängt habe, als würde ich mit einem Fuß in der Toilette stehen. Aber manches wurde beschädigt. Einiges davon ist plötzlich nicht mehr so wichtig und kann beruhigt aussortiert werden. Manche alte Last kann ich endlich loswerden. Anderes lege ich nochmal in die Sonne und warte ein wenig ab. Manche Überzeugungen haben Schaden genommen, angeknackst, wie die Stangen unseres Pavillions. Wie praktisch wäre es, wenn man einfach im himmlischen Ersatzteillager alles neu besorgen könnte! Stattdessen geht es ans mühsame Reparieren. Stück für Stück. Sorgfältig wird nachgeschaut wo der Schaden liegt. Ich lese nochmal durch die "Gebrauchsanweisung". Manche Worte muss ich wieder direkt von dem Jesus der Evangelien hören. Das mit dem ewigen Leben, das hast du doch gesagt, oder? Das meinst du doch auch genauso, oder? Das Herz wird mit Gnade "geklebt" und liebevoll gehalten bis es wieder fest wird. Das kann dauern. So wie Pflanzen wieder Zeit brauchen um sich erneut in den Boden zu graben. Noch ein wenig tiefer als vorher.

Der wunderbare Floyd McCLung sagte einmal: If you can`t grieve well, you can`t grow well. Trauern und Wachstum hängt zusammen. Das sind heftige Worte in unserer Kultur, in der wir Leid und Schmerz wo es nur geht umgehen, abkürzen oder wenigstens betäuben wollen. Im jüdischen Glauben nimmt man sich Zeit zum Trauern. Es ist wie eine Disziplin auf die man sich ganz bewusst einlassen soll. Da gib es so etwas wie eine geistliche Choreographie für ein ganzes Trauerjahr. Und dann jährliche Gedenkfeste. Das fehlt uns in der christliche Kultur. Wir geben uns ein paar Wochen nach dem Sturm und dann sollte man aber auch drüber weg sein. Sonst stimmt was nicht. Aber das ist nicht wahr. Unsere Seele braucht Zeit. Manchmal länger als uns lieb ist. Wir dürfen das  "in die Sonne legen" nicht abkürzen. Unsere müde Seele nicht einfach ingorieren. Wir sollten das Aussortieren nicht umgehen. Und auch nicht das repariert werden (oder das "Papariert" werden wie Samu das immer nannte, wenn er seinem Papa etwas zum reparieren hinhielt). Heil werden. Am schwersten ist es vielleicht das Stillhalten zu lernen, bis wir wieder liebevoll neu eingepflanzt werden.

Take courage my heart,

learn to grieve well. 

And  you will grow well.

Montag, 9. April 2018

Vesperpause.

Der erste Schultag nach den Osterferien. Endlich wieder ein bisschen Normalität im Leben, denke ich, während ich das Brot für die Vesperpause in den Ranzen packe und dem etwas ängstlichen Erstklässler hinterherwinke. Heute mittag werde ich ihn abholen. Und, wie fast jedes Mal, wird  meine Frage sein: "Wie war die Schule? Und was hast du in den Pausen gemacht?" Keine Ahnung warum das bei mir so ist. Aber irgendwie interessieren mich die Pausezeiten bei ihm mehr als die Unterrichtsstunden. Vielleicht weil sich da am besten zeigt was er gelernt hat; was er liebt und wen er mag. Aber bis zu der Frage sind es noch ein paar Stunden. Ich sammle die Wäsche ein und lasse mich kurz aufs Sofa fallen. Mit schwerem Herzen. Und ich merke, dass die Normalität wohl noch ein bisschen auf sich warten lässt. Ich lege Kamillenbeutel auf die verquollenen Augen. Gestern Abend hat mich wieder eine Welle der Traurigkeit überrollt beim Gedanken: Es ist Sonntagabend, da will ich noch schnell die Mama anrufen und fragen wie ihr Tag war. Aber sie ist nicht mehr da. Was würde ich für ein kurzes Telefongespräch geben! Nur kurz hören wie`s ihr geht. Ob sie gut Zuhause angekommen ist. Aber ich hab die Nummer nicht. Also weine ich ein bisschen. Und weiß, dass das erst der Anfang vom Vermissen ist. Wie ich es hier über den Verlust von meinem Vater aufgeschrieben habe, hat Mark Twain so passende Worte dafür gefunden:
Das Haus eines Menschen brennt ab. Rauchende Überreste zeugen von einem Haus das er jahrelang geliebt hat und mit dem er so viele kostbare Erinnerungen verbindet. Nach und nach, mit den Tagen und Wochen die verstreichen, fängt er an Dinge zu vermissen. Und eins ums andere Mal geht ihm auf, dass dieser Gegenstand in seinem Haus war. Immer ist es etwas wesentliches, ein Einzelstück, das sich nicht einfach ersetzen lässt... Er hat nicht bemerkt wie wesentlich und wie bedeutend es für ihn war solange es einfach da war. Nach und nach fängt er an den Verlust zu begreifen.
Nach und nach begreifen wir. Die Seele läuft barfuß. Man kann ihr keine Siebenmeilenstiefel verpassen. Man kann nicht schnell zur Normalität übergehen (auch wenn der gewöhnliche Alltag ein unglaublich großes Geschenk ist!). Ich lese in dem wunderbar langsam geschriebenen Buch von Hanspeter Wolfsberger: Es gibt Wegstrecken in denen Gott auf uns wartet. Er bleibt bei uns stehen. Während alle anderen weitergehen. 
Wir beide bleiben also ein bisschen zurück. Ich reibe mir die müden Beine und geschwollenen Augenlider und wir setzen uns an den Wegrand.  Vesperpause. Ich LIEBE Vesperpausen! Aber ein bisschen fürchte ich auch den Anschluß zu verlieren. Wäre ein Coffee To Go nicht besser? Und man kann sich ja auch prima während dem Laufen unterhalten, oder nicht? Wenigstens in Blickkontakt mit den anderen sollten wir doch bleiben, was meinst du? Aber manche Pausen sind bei Gott nicht verhandelbar.  Sie sind ein wichtiger Teil der Reise.  Deshalb bleibt er vor mir stehen. Zwingt mich fast ein bisschen zum Anhalten. Er wartet er mit mir. Und ich warte mich ihm. Und vielleicht ist die Frage am Ende des Weges gar nicht so unwichtig: "Und was hast du in den Pausen gemacht?" Weil sie uns vielleicht etwas darüber verraten was wir auf der Strecke gelernt haben. Was wir lieben. Und wen wir mögen.

Also mache ich Pause. Ich melde mich wenn es wieder weitergeht. Seid gesegnet und umarmt, wo auch immer ihr unterwegs seid!!! Gott geht mit uns. Und er wartet mit uns. Was für ein wunderbarer Wegbegleiter!!!






Freitag, 23. März 2018

geschafft.

Vor genau einer Woche hat es meine Mutter  geschafft. Ich durfte sie im Arm halten während sie schwer atmend die letzten Meter über die Ziellinie gemacht hat.  Meine Mama. Sie ist bei ihrem Jesus. Die Schmerzen, die Verwirrtheit der letzten Wochen liegen hinter ihr. Sie hat ihren Lauf vollendet. 
Der letzte Anstieg war steil. Düster. Sterben ist nicht einfach. Es braucht viel Mut dem Tod ins Auge zu blicken. Doch. Auch für uns Christen. Wochenlang hat meine Mutter nicht  nur die Schmerzen gequält sondern auch die Angst. Unruhe. Verwirrtheit. Und dann - war plötzlich Friede. Als wäre ein Kampf vorüber. Als wäre ihr Jesus das letzte Stück entgegengelaufen, um sie den Rest der Strecke zu tragen. So kam es mir zumindest vor. Ihre Gesichtszüge waren völlig entspannt. Sie strahlte und redete - phasenweise völlig klar - vom Himmel und vom Fest, das schon angefangen hat. "Ich durfte schon ein bisschen reinschauen!", sagte sie uns. Und: "Ihr könnt es euch nicht vorstellen! Er liebt uns so. Wir sind alle, alle so geliebt!" Tagelang konnte sie nicht aufhören von dieser Liebe zu schwärmen. Es hat mich an die Tage vor Weihnachten, in meiner Kindheit, erinnert. Wenn das Warten fast nicht mehr auszuhalten war, hat meine Mutter für meine Schwester und mich einen Türspalt zum Weihnachtszimmer aufgemacht und wir durften einen kurzen Moment reinspickeln (keine Ahnung wie das auf hochdeutsch heisst:-)). Und wir konnten schon ein bisschen von der Herrlichkeit ahnen, die da auf uns wartet. Ich glaube meine Mama durfte schon ein bisschen reinspickeln; in den Himmel. Dieser kurze Blick hat gereicht um ihr alle Angst zu nehmen. Und die Liebe von Jesus hat sie einfach umgehauen. Anders kann man es nicht sagen. 

Zu dieser großen Liebe ist zu nun heimgegangen. Was für ein Trost. Daran will ich mich halten. Auch wenn sich der Tod so aufbläht als könnte man meinen, dass er am Ende eben doch der Sieger ist. (und da kann ich auch schonmal ganz verzweifelt beten und Jesus sagen, dass ich echt mal so richtig sauer wäre wenn das mit dem ewigen Leben am Ende alles nicht stimmen würde!) Am Tag ihrer Beerdigung stand morgens dieser Vers in meiner Bibellese:
Doch eins weiß ich: Mein Erlöser lebt! Auf diese todgeweihte Erde spricht ER das letzte Wort! (Hiob 19,25.26). 
Wow. Was für ein Satz. Wie ein Hammerschlag. Daran will ich mich erinnern, immer wieder: Das letzte Wort spricht ER!  


Nach der Beerdigung habe ich die Wohnung meiner Mutter ein bisschen aufgeräumt. Ihre Notizen und vertraute Gegenstände so an ihren Platz gelegt als würde sie wiederkommen. Immer wieder flossen dabei die Tränen. Meine Mama. Ich werde sie vermissen. Aber ich freue mich auch, dass sie es jetzt geschafft hat. Immer mal wieder hat sie, die so gerne mit uns gefeiert hat, gegen Ende den Satz gesagt: "Wenn das alles vorbei ist, dann feiern wir!" Ich fürchte fast die Party fängt schon mal ohne uns an (hoffentlich bleibt genug zu essen übrig :-)). 
Die treuen Gebete meiner Mutter, ihr dranbleiben an Jesus, auch in schweren Zeiten, ihr Blick auf das Gute das uns geschenkt ist - alles das ist mir ein Vorbild. Und, auch wenn es harte Wochen waren, ihren Abschied hat sie uns auch noch zum Geschenk gemacht. So eine Zeit, wenn es um die letzten Dinge geht, macht etwas in uns. Ich habe gemerkt: Der Griff auf all die Dinge, die mir sonst so wichtig vorkommen, wurde plötzlich ziemlich locker. Ich glaube nicht, dass es etwas ist was lange anhält. Dafür kenne ich mich zu gut. Vielleicht ist es deshalb jetzt eine richtig gute Zeit alles was ich habe vor Jesus hinzulegen. Nochmal ganz neu. Ihn die Dinge in mir ordnen lassen. Ganz locker lassen. Und zur Ruhe kommen nach dieser stürmischen Zeit. Und über seine Güte staunen. Wir sind durch! Es ist geschafft! 
Wie es im Psalm 23 heisst:  
Und ob ich schon wanderte durchs finstere Tal, fürchte ich mich nicht!  
 Wir wandern durch das dunkle Tal! Es ist nicht der Ort an dem wir uns niederlassen, um hier zu wohnen. Gott führt uns durch. Auch wenn uns manche dunkle Strecken unglaublich lang vorkommen: Irgendwann wird jedes finstere Tal hinter uns liegen! 
Und dann feiern wir!!!!

Meine Mama hat es geschafft. 

Gott hat es gut gemacht. 







(Das habe ich besonders für euch geschrieben, die ihr in dieser Zeit an uns gedacht habt. Eure Gebete waren wie Fackeln am Wegrand. DANKE!!!!)

Mittwoch, 28. Februar 2018

Atemübungen

Meine Güte, ist das eine Kälte in Deutschland!!! Habe eben erfolglos versucht, den Trinknapf der Hasen vom Boden loszueisen. Keine Ahnung wie die in diesen Tagen zu Trinken kommen. (aber ich kann ja schlecht Frostschutz ins Waser geben, oder ;-)). Ich fürchte nicht nur um unsere Vierbeiner sondern auch um meine eingepflanzten Tulpenzwiebeln, ob die ersten grünen Triebe, die sich zu meiner Freude schon zeigen, nun jämmerlich erfrieren. Ich hoffe auf die wärmeren Tage!!! In vieler Hinsicht. Jetzt heisst es noch: warm einpacken und durch! Durch eine Zeit die viel Kraft kostet. Und gleichzeitig auch immer etwas freilegt von unserer tiefsten Hoffnung. Der Pastor Bill Johnson hat mal folgendes gesagt (nach seiner schweren Erkrankung): 
Möge Gott uns den Reichtum des Augenblicks zeigen, in dem wir gerade sind. In dieser Situation können wir Gott etwas geben, was wir ihm in aller Ewigkeit niemals geben können!
Und er erklärt weiter, dass die Probleme die uns niederdrücken wollen, unserem Lob für Gott ein ganz besonderes wertvolles "Aroma" geben können, wenn wir ihn mitten in den schwierigen Zeiten preisen und ihm danken.
Das klingt erstmal irgendwie anstrengend. Vielleicht sogar heuchlerisch. Ich will doch Gott ehrlich sagen was in meinem Herz ist! Der ganze Frust darüber warum warum ein geliebter Mensch so leiden muss, warum alles so schwierig und und warum es genau so schlimm - und sogar noch schlimmer- kommen musste, wie ich befürchtet hatte.  Und: JA!!! Ich glaube Gott will genau das hören! Unsere Not, die Verzweiflung und der Frust, von den dunkelsten Ecken unseres Herzens. Es ist Ausdruck einer vertrauensvollen Beziehung wenn wir Momente mit Gott haben in denen wir ihm, wie ein kleines Kind, mit den Fäusten gegen die Brust trommeln und wütend fragen warum er denn jetzt nichts TUT??? Oder wenigstens IRGENDETWAS SAGT? Und wenn wir uns ausgetobt haben lassen wir uns widerstrebend in seine Arme fallen. So erlebe ich das. Immer wieder. Es ist wie ein Ausatmen meines Glaubens.
Aber das andere erlebe ich auch: Dass es etwas ganz Großes ist wenn ich anfange Gott zu loben - nicht erst wenn ich durch die Sache durch bin. Nicht erst im Rückblick.  Sondern mittendrin. Nachdem ich erstmal tief ausgeatmet habe. Ich versuche meine Seele daran zu erinnern wie gut Gott ist! Er ein guter Vater und so voller Güte. Immer. Auch jetzt.  Auch wenn die Umstände mit was anderes einreden wollen. Was wäre das für ein Vertrauen, wenn ich das nur in meinen guten Zeiten glauben würde?  Also atme ich tief ein. Kalte Luft in meine Lungen. Lebensatem Gottes.

Ausatmen. 

Einatmen.

Weiteratmen. 

Das ist alles. 

Die Kälte wird sich bald verziehen. Der Reichtum dieses Augenblicks wird hinter mir liegen. Und wenn die ersten Blüten aufgehen will ich jubeln: "Ich wusste es!" SO will ich glauben! Und JETZT - jetzt ist Zeit zum Üben. Atem fließen lassen. Kleine Wolkensäulen in die kalte Luft setzen. Bis der Frühling kommt.


And when the oceans rage
I don`t have to be afraid
there may be pain in the night
but joy comes with the morning!

YOUR LOVE NEVER FAILS!!!!

(Jesus culture)



Donnerstag, 22. Februar 2018

mehr als wir erbitten.

Müde komme ich vom Krankenhaus zurück und stürze fast über das große Paket das Heio ins Schlafzimmer gelegt hat. Gespannt mache ich es auf und finde: die zweite Auflage von meinem ersten Buch!



Ein Grund zum Feiern! (in diesen Tagen nutzen wir jeden kleinen Grund um zu feiern und Gott zu danken). Das Buch sieht genau gleich aus wie das Erste, allerdings ist auf der letzten Seite noch ein bisschen mehr Text. Weil Gott manchmal ein bisschen mehr tut als wir uns vorstellen können. NIEMALS hätte ich gedacht, dass meine Geschichte auch Menschen anspricht die mit dem Glauben nicht viel zu tun haben. Es ist ja schließlich kein evangelistisches Buch. Einfach nur mein Leben. So wie es ist. Aber vielleicht ist es gerade das was ein Brückenschlag in manche Leben sein kann, die mit Jesus noch nicht so viel anfangen können. Die aber das Stolpern kennen. Der Wunsch geliebt sein zu wollen für das was wir sind, wenn niemand hinschaut. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall bekam und bekomme ich immer mal wieder so eine Rückmeldung: "Ich wünschte ich könnte auch so glauben." Und immer öfters werde ich eingeladen vor einem Publikum zu lesen das so gar nichts mit Jesus zu tun hat. Und erlebe dabei so erstaunliche Momente wie die innige Umarmung einer muslimischen Oma die mir mit Tränen in den Augen für meine "Jesusgeschichte" dankt. Gott ist so viel größer als wir uns vorstellen können!
Ich muß an die Worte von F. Buechner denken, die ich hier auch schon zitiert habe:
 Meine Geschichte ist wichtig, nicht etwa deshalb weil es meine Geschichte ist - weiß Gott nicht! - sondern weil die Chancen groß sind, dass andere darin ihre Geschichten erkennen können, wenn es mir gelingt die meinige richtig zu erzählen.

Es ist wie auf den Blogs in denen ich so gerne lese. Oder wenn wir mit Menschen zusammensitzen und plötzlich teilen wir ganz ehrlich etwas von unserem Leben mit: Wir haken uns mit unserem Erleben unter, machen einander Mut und erklären dass wir geliebt sind und erwartet werden. Gott macht aus unseren, meist so ganz gewöhnlichen Leben, einen Segen. Und - das lerne ich gerade - wir sollten ihn nicht auf eine bestimmte Personengruppe begrenzen! Oder auf unsere Comfort-Zone. Er kann so viel mehr tun als wir uns vorstellen und von ihm erbitten können! 

Deshalb ist also der folgende Text auf der letzten Seite der der neuen Auflage. Und vielleicht habt ihr ja beim Lesen jemand im Kopf, dem ihr eine Begegnung mit Jesus wünscht. Der vielleicht durch mein Stolpern ein wenig Mut fassen könnte für seine eigene Geschichte. Oder vielleicht könnte das Buch ein Einstieg für ein Gespräch über Jesus sein; für deine Geschichte mit ihm:
Dies ist meine Geschichte. EINE Geschichte von den vielen die sich entschieden haben Jesus hinterher zu gehen (bzw. hinterher zu stolpern). Und wenn der eine oder andere vielleicht wehmütig denkt: So würde ich auch gerne glauben können!“, dann möchte ich noch hinzufügen: Glaube ist nicht etwas, was nur ein paar frommen Menschen vorbehalten ist. Es ist ein Geschenk, um das wir Gott bitten dürfen, auch wenn wir vielleicht noch nicht einmal davon überzeugt sind, ob es ihn überhaupt gibt. Dann bitten wir ihn damit eben auch, sich bemerkbar zu machen. Und dann können wir Ausschau nach ihm halten, auch wenn wir vielleicht das Gefühl haben, als würden wir eine riesige Menschenmenge nach einem Fremden absuchen. Aber wenn unser Blick auf ihn fällt, dann wissen wir, dass er der Freund ist, auf den wir gewartet haben. Gott findet uns. Mitten in unseren Geschichten...Er hat tausend, nein sieben Milliarden Wege, sich bemerkbar zu machen. Durch einen Kloß im Hals, ein Vermissen, durch Frieden, Trost, eine tiefe Umarmung. Er taucht auf zwischen den knisternden Seiten der Jesusgeschichten in der Bibel, durch eine hellen Gedanken, ein Herzklopfen, ein Erkennen: Er ist da. Er war schon immer da. Keine Geschichte ist ohne ihn. Dieses Buch könnte ein kleines Räuspern von ihm sein, oder sogar eine leise Liebeserklärung. In jedem Fall sind wir alle wohl gerade erst in den Anfangskapiteln dieser ewigen Liebesgeschichte. Gott segne dich. Er segne uns alle, auf unserem Heimweg.

Im Gedenken an Billy Graham. Dem großen Evangelisten, der gestern gestorben ist. Er gibt die Staffel weiter von der besten Botschaft der Welt zu erzählen. Nicht an ein paar so außergewöhnlich begabte Evangelisten. Sondern an uns alle. Wir dürfen mit dabei sein, wenn das Evangelium seinen Siegeslauf antritt!

Dienstag, 13. Februar 2018

Kletterhaken

Ihr Lieben! Ein kurzer Gruß zwischendurch. Zwischen den Fahrten ins Krankenhaus. Zwischen unruhigen Nächten in denen die Sorgen zu aufblasbare Monsterballons in meinem Kopf werden und ich mit Luft rauslassen kaum nachkomme. Zwischen Artzgesprächen und neuen, noch schlechteren, Nachrichten (was meine Mutter angeht). Zwischen Bauernhof spielen,  Lehrergespräch und Faschingsküchle essen - gesegneter normaler Alltag!!! Warum schätze ich ihn meistens erst dann, wenn ich nur noch ein Zipfel von ihm zu fassen kriege?




Etwas gutes haben solche extreme Zeiten: Wie ein gehöriger Windstoß fegen sie den Stapel von Dingen vom Tisch, die nicht so wichtig sind. Zurück bleibt nicht viel. Ein kindlicher, sich wiederholender, Wortschatz. Stoßgebete.  Erbarm dich Herr. Zeig den Weg. Hilf uns heute. Danke. Erbarm dich. Zeig den Weg. Hilf uns heute. Danke.....
Ich lese bei Tine, dass sie in der Fastenzeit, die morgen beginnt, Worte fasten will. Ich weiß nicht genau was sie vorhat, aber es klingt spannend und ich werde es auf jeden Fall verfolgen. Und irgendwie passt es gerade zu dem was ich erlebe. Weniger Worte. Dafür aber umso inniger gesprochen. Worte wie Kletterhaken, in einen Felsen gehämmert. Und wenn die eigenen Worte ganz ausbleiben, dann bete ich mit denen, die Jesus uns gegeben hat. Und ich stelle fest: Das Vaterunser lässt sich am besten auf den Knien beten. Ganz langsam. (und JEDER SATZ EIN KARABINER!) Wenn ich danach wieder aufstehe, spüre ich es: wenn der Boden unter uns wankt und die oberen Schichten freigelegt werden,  stoßen wir auf den Fels. Das ist keine Antwort auf unsere Fragen. Aber es gibt genügend Halt für den nächsten Schritt. 


Donnerstag, 1. Februar 2018

genug Licht

Lange habe ich den Moment gefürchtet, jetzt scheint es soweit zu sein: Meine Mutter ist gestürzt und die wacklige Selbstversorgung die bisher - Gott sei Dank! - noch funktioniert hat, ist am zusammenbrechen. Meine Schwester und ich düsen abwechselnd Richtung Schwarzwald und wieder zurück und versuchen zu organisieren was geht. Dann nimmt man mit schlechtem Gefühl von der Mutter Abschied die wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa sitzt und verspricht: "Morgen oder übermorgen bin ich wieder da!" und überlegt hektisch wie man das alles hinbekommt, organisatorisch und kräftemässig, was nun alles liegenbleibt (sch... drauf!) und fürchtet den nächsten Anruf, der eine noch schlimmere Katastrophe bedeuten könnte. 
Der Spiegel berichtet diese Woche passenderweise über den Pflegenotstand in Altenheimen und von Kinder, die mit der Fürsorge ihrer Angehörige völlig überfordert sind. Die Sorgen um die hinfälligen Eltern bestimmen die Tage. Es ist der letzte Abschied von der Kindheit, lese ich. So ist es. Nun kümmern wir uns also um die Mutter, die sich früher so hingebungsvoll um uns gekümmert hat. Leider mit viel weniger Geduld, was mich angeht.

Ich fühle mich von den Anforderungen der nächsten Tage und Wochen überwältigt. Und denke an das Wort von Hudson Taylor: Trage keine Sorge allein. Nur eine Sorge ist schon zuviel für dich!  Also versuche ich die Sorgen immer wieder loszulassen (ich konnte ja hier schon ein bisschen im kleinen üben). Und wenn mir alles zuviel wird sage ich mir: Dafür habe ich Jesus! Alles das buchstabiere ich jetzt durch. Manchmal stündlich. 

Am Montag war der bisher schlimmste Tag. Während meine Schwester sich vor Ort durchgekämpft hat, saß ich voller Sorge zu Hause. Ich versuchte zu beten. Und da kam mir diese Liedzeile: 
There`s enough light for the next step! 
 Es war wie eine liebevolle Anweisung Gottes; direkt in mein Herz. Ich gebe dir immer genug Licht für den nächsten Schritt. Das genügt. Plötzlich fühlte ich mich leichter. Ich rief meine Schwester an um ihr diesen Gedanken weiterzugeben. Sie erwiderte, dass sie ungefähr zur gleichen Zeit, in der Notaufnahmen, plötzlich diesen Satz aus den Psalmen im Kopf hatte: Dein Wort ist meinen Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Und ihr wurde klar, dass es genau darum geht: Er erhellt immer genau das Stück Weg das vor uns liegt. Wir staunen. Merken, dass Gott dabei ist und uns führt.

Also versuchen wir das in den nächsten Tage und Wochen zu beherzigen. Immer wieder: Einen Tag nach dem anderen. Heute tun was möglich ist. Wir brauchen keine Scheinwerfer wie es nächste Woche weitergeht. Schon der nächste Tag überfordert uns. Jeden Morgen will ich mir sagen: Heute! Heute ist genug Licht für den nächsten Schritt.

Vergangene Nacht kroch Samu zu mir ins Bett, mit fiebrigen Kopf. Oh nein, auch das noch! Ich bekämpfe die aufsteigende Panik. Gottes Wort gilt auch für heute. Jesus ist mit uns. Das ist genug Licht. Und der nächste Schritt ist Spinatkochen, Autospielen und Mama anrufen. Danach sehen wir weiter.