Mittwoch, 28. Januar 2015

Loslassen

Er hat kaum zurückgeschaut. An der Hand seiner Tante, den Koffer hinter sich herziehend, ging er einfach davon. Bereit das erste Wochendende ganz ohne Mama oder Papa zu verbringen.


Heio hat mir zu Weihnachten zwei Tage Wellness in einem Schwarzwaldhotel geschenkt (was für ein tolles Geschenk!) und ich habe mich schon sehr darauf gefreut. Aber es war auch klar: das wird eine Zeit die wir uns als Paar, zu zweit nehmen wollen und Samu wird in der guten Obhut seiner Tante gelassen. Ich wußte: er schafft das - und trotzdem: wie er mit seinem geliebten Rollkoffer abmarschierte, war mein Herz ganz schwer und am liebsten hätte ich ihn in`s Auto gezogen und mitgenommen.

Im Schwarzwald war es dann richtig schön. Zwei Tage mal nicht vor allem Mama und Papa zu sein, Zeit miteinander zu haben- ich bin erstaunt darüber, wir gut uns diese kurze Zeit zu zweit getan hat. 
Ich habe versucht nicht zu oft an den kleinen Sohn zu denken. Nach der Rückenmassage lag ich in einem Ruheraum und lauschte einer CD mit Entspannungsübungen nach Jakobsen. Anspannen. Loslassen. Ruhig werden. Entspannung spüren. Tief atmen. Loslassen....
Nachts habe ich dann nicht wirklich gut geschlafen. Wir hatten keinen Handyempfang und der Gedanke, dass wir im Notfall nicht erreichbar waren, machte mich ein wenig unruhig - Jakobsen hin oder her.  
Und dann hat es so gut getan den kleinen Sohn wieder in die Arme zu schließen.

Ich hätte nie gedacht, dass Kinder erziehen von Anfang an so viel mit loslassen zu tun hat.
Nicht die überbehütende Mama zu sein, sondern ihm das Leben, so wie es ist, Schritt für Schritt zuzutrauen. Unsere Welt ist wunderschön. Kaputt. Erlösungsbedürftig. Wir alle sind wunderschön. Kaputt und erlösungsbedürftig. Es gibt keinen Weg, wie ich meinem Sohn dieses Chaos ersparen kann. Er trägt es ja selbst in sich. 

Ich glaube dieses Loslassen ist etwas, was ich üben muss. Vielleicht ist es so, wie bei den Skispringern:
Vor einigen Jahren stand ich auf einer Großschanze in Oberstdorf und dachte: hier kann doch kein Mensch ernsthaft runterspringen. Wie schafft man das bloss? Aber keiner dieser mutigen Springer beginnt seine Sprünge auf der Großschanze. Als Kinder trainieren sie täglich auf kleinen Schanzen und lernen dabei die richtige Technik. Dann springen sie langsam auf größeren Schanzen und nach langer Zeit und viel intensivem Training können die Skiadler dann mutig über die Großschanze zum Flug ansetzten.


Schanze in Oberstdorf


Samu eine Nacht bei der Tante übernachten lassen und ihn dann wieder in die Arme schliessen. Seine Streitigkeiten öfters mal alleine austragen lassen und mich nicht gleich einmischen (soange keine spitzen und scharfen Gegenstände involviert sind:-)). Nicht vor jedem Schmerz bewahren wollen, aber da sein wenn er Trost braucht.
Ein wenig loslassen. Eine kleine Schanze.

Meine Schwester ist schon einige Schritte weiter: letztes Jahr hat sie ihre große Tochter für einen langen USA-Aufenthalt verabschiedet. Größere Schanze. 

Unser Staubsauber, ein Geschenk meiner Tante, erinnert mich an ihre Fähigkeit loszulassen. Sie hat sich entschieden ihren gesamten Besitz zu verschenken, bevor sie ihre große Wohnung gegen ein kleines Zimmer im Altenheim eingetauscht hat. Noch größere Schanze.

Und dann kommen die Momente wo wir auf der Großschanze stehen und die großen Sprünge im Loslassen vor uns liegen. Ich konnte meine Mutter dabei beobachten wie sie meinen sterbenden Vater, ihrem geliebten Wegbegleiter, zugeflüstert hast: Du darfst jetzt gehen. Ich lass dich los. Wir schliessen uns im Himmel wieder in die Arme.

Gehen lassen. Gelassenheit. Loslassen zeugt von einer großen inneren Freiheit und von Vertrauen.
.
Heute ist meine Herausforderung  das Üben auf der kleine Schanze. Kleine Vertrauenssprünge. 
Mit offenen Händen leben. 

Etwas verschenken, woran mein Herz hängt.
Internet-freie Zeiten.
Auf etwas verzichten was ich gerne hätte.
Jemand mal nicht verbessern, auch wenn ich es vielleicht besser weiß.
Einfluß loslassen und Jüngeren den Vortritt lassen.  
Lebensphasen mutig abschliessen (und mit 45 nicht mehr dem Traumkörper nachjagen, sondern dankbar sein, dass alles noch funktioniert).
Nicht von Schuld und Fehlentscheidungen zermürben lassen, sondern Vergebung annehmen und weitergehen. 
Sorgen abgeben. Ganz entschieden. Immer wieder.
Mich von Menschen bewusst verabschieden.

Mit offenen Händen lieben.

In dieser wunder-vollen, wunden-vollen Welt sich täglich ein wenig mehr in den Wind lehnen, loslassen und erleben, dass wir getragen werden. 
Und der letzte große Sprung trägt uns über die Ziellinie - in eine feste Umarmung und ein sicheres Zuhause.


Donnerstag, 22. Januar 2015

beschissene erste Entwürfe

Das ist jetzt mein dritter Versuch. Seit Tagen versuche ich mir Zeit zu nehmen und etwas sinnvolles zu schreiben. Es ist nicht so einfach. 
Der kleine Sohn ist krank. Die ganzen letzten Wochen hat er sich erfolgreich gegen die Virenflut in der Kita gewehrt, jetzt hat ihn so einen blöden Grippe-Virus flachgelegt. Da gehen sie hin- die schönen Vormittage an denen ich soviel erledigen wollte und mir in Ruhe etwas Zeit zum Schreiben nehmen könnte. Jetzt ist spielen, Rotznase putzen, Nächte durchstehen, malen und Bücher vorlesen angesagt. 

bei diesem Spiel verliere ich immer! Ich verstehe nicht warum?!

kurz mal nach draußen- auf Schienen läuft er am besten

es ist noch still im Park

kalt und wunderschön

die Lokomotive will nicht mehr

Ich versuche abends zu schreiben aber das ist keine gute Idee. Abends bin ich noch begeistert was für gute Gedanken ich habe, wie ein kiffender Jugendlicher, und am nächsten morgen starre ich auf den Bildschirm und denke: was habe ich damit nur gemeint?
Also - nicht veröffentlichen.



Heute morgen ist Samu wieder fit und in der Kita. Ich habe also Zeit zu schreiben, aber ich fühle mich deprimiert. Ich schaue auf andere Blogs ,was mich natürlich noch mehr runterzieht- Mit was für einer Leichtigkeit (so scheint es zumindest!) schreiben andere wunderbare Texte. Wieso ist das bei mir manchmal so schwer?!?

Mein Blick fällt auf ein Buch der Schrifstellerin Anne Lamott über das Schreiben (bird by bird) und ich muß daran denken was sie in dem Kapitel "shitty first drafts" (beschissene Erstentwürfe) schreibt: "Alle Schriftsteller schreiben beschissene erste Entwürfe. Es ist die Voraussetzung für bessere Zweitentwürfe und unglaublich gute dritte Versionen."

Und dann erklärt sie wie wichtig dieser Prozeß ist:  auf den leeren Bildschirm starren, etwas schreiben und wieder löschen, sich durch das Chaos zu arbeiten und:
"6 Seiten Mist zu schreiben und dann in der letzten Zeile etwas zu entdecken, das so gut und wild und wunderschön ist, was du nie entdeckt hättest, wenn du dich nicht durch die sechs Seiten davor gearbeitet hättest.
Das Schreiben muß atmen und sich frei bewegen."

Und sie rät so Anfängern wie mir, etwas barmherziger zu sein. Als wäre ich jemand den ich gerne ermutigen würde und den ich mag. Dann würde ich nicht kopfschüttelnd meine ersten Entwürfe anschauen und sagen: "Was soll das? Das ist doch schrecklich. Was für eine Zeitverschwendung."  Sondern ich würde vielleicht so etwas sagen wie: " Das ist doch schonmal ein guter Anfang. An den holprigen Stellen kannst du später noch arbeiten, aber jetzt mach einfach weiter. Das wird sicher noch richtig gut."

Warum ich jetzt über das Ganze schreibe? Weil ich glaube, dass das was Anne Lamott sagt, nicht nur auf das Schreiben zutrifft, sondern eigentlich auf mein ganzes Leben.

Ich mag keine beschissenen Erstentwürfe. Und gerne würde ich verhindern, dass andere sie mitbekommen. Ich würde gerne gleich alles richtig machen.  Und wenn es nicht  so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, dann bin ich schnell dabei es hinzuschmeissen und mich als Versager zu fühlen. 

Ich würde gern die "6 Seiten Mist"  weglassen und nur die letzte klare Zeile übernehmen.

Aber das Leben ist anders.

Ich brauche drei Anläufe (mindestens!), damit der Hefezopf wirklich so gut wird, wie es das tolle Rezept verspricht.
Manchmal braucht es fünf völlig uneffektive Tage, in denen ich gefühlt nur rumhänge und nichts auf die Reihe bekomme, damit ich dann am 6. Tag plötzlich einiges richtig angehen und klar erledigen kann.
Manchmal braucht es ein langes Gespräch und viele suchenden, unbedeutenden Worte um den einen Satz zu finden, der dann wirklich hilfreich ist. 
Manchmal braucht es Streitgespräche und Missverständnisse damit Beziehungen an den Punkt komme, wo wir einander verstehen und stehen lassen können. 
Manchmal braucht es mehrere erfolglose Erziehungsversuche und halbherzig engeschlagene Richtungen bis ich etwas gefunden habe, was zumindest ansatzweise eine Lösung sein könnte.

Das Problem bei mir ist, dass ich mich so oft mit anderen vergleiche. Und meistens vergleiche ich dabei meine Erstversuche mit den glorreichen Drittversuche der Anderen. 
Ich denke dann: warum kann ich nicht einfach auch so entspannt Grenzen setzen, warum fallen mir solche Sätze nicht ein und überhaupt - was bin ich nur für ein Versager. Vergleichen ist wirklich eine total beschissene Sache. Und es funktioniert einfach nicht! Weil wir die Kämpfe der Anderen meistens nicht sehen. Und weil wir alle so wunderbar verschieden sind.

Also will ich lernen barmherziger zu sein, geduldiger, mit mir und mit anderen. Wenn ich unsere Erstversuche anschaue will ich lächeln können und sagen:
"Das ist doch schonmal ein richtig guter Versuch. Bravo. Du bist mittendrin etwas wunderschönes zu entdecken. Mach einfach weiter. Auch wenn es dir heute noch nicht so gelingt. Versuch es morgen nochmal. Es wird es gut werden."

Das Leben soll atmen und sich bewegen. 

Es sind nicht nur die wunderbaren Momente die zählen. 
Es braucht auch die ereignislosen Tage, die chaotischen Versuche, durchgestrichene Zeilen, Wutanfälle, misslungene Essen, Missverständnisse, Wartezeiten, die Krisen, die Dinge die uns heute überfordern und die offene Fragen. Sie könen uns vielleicht in etwas so gutes, wildes und schönes führen, was wir niemals auf Anhieb gefunden hätten. 



Dienstag, 13. Januar 2015

sinken

Es ist mitten in der Nacht. Ich wache aus einem Alptraum auf und mein Herz rast wie verrückt. 
Ich habe geträumt ich stehe kurz davor einen wichtigen Vortrag zu halten. Leute strömen in den Saal, ich sitze in einem Zimmer hinter der Bühne und suche meine Notizen und kann sie nicht finden. Ein paar Skizzen fallen mir in die Hände, die ich hektisch und verständnislos durchblättere. Um was geht es hier? Was soll ich sagen? Das Telefon läutet. Ich habe keine Zeit ranzugehen, hebe trotzdem ab. "Noch 8 Minuten", sagt eine drohende Stimme. Freunde strecken den Kopf zur Tür herein und fragen mich ob ich noch Karten für sie habe, weil sie keinen Sitzplatz finden. Ich bin total überfordert und wache kurzatmig und mit hektisch, stolperndem Herzen auf. Zum Glück. Ich liege wach, versuche mein Herz zu beruhigen.

Es geht schon seit einigen Nächten so. Und auch tagsüber laufe ich mit klopfendem Herzen durch die Gegend. Und ich weiß nicht wirklich warum.

Heute habe ich ein wenig Zeit für mich alleine und gehe eine Runde spazieren. Es ist mein Lieblingswetter: stürmischer Wind, Wolkenfetzen die am Himmel entlang jagen, klare, kalte Luft. 



Das Herz pocht, aber ich genieße den Wind auf meinem Gesicht und laufe lächelnd um die Ecke. Meine Nachbarn stehen im Garten, ich will sie freundlich grüßen, da sehe ich dass sie sich weinend im Arm halten. 
Es ist die Art von weinen, wenn etwas untröstliches, zutiefst erschütterndes passiert ist. Wenn man etwas - jemand- unwiderbringlich verloren hat. Ich gehe schnell weiter. 
Während sich ein Gebet in mir formt, frage ich mich gleichzeitig: ist es das was mein Herz fürchtet? Etwas was um die nächste Ecke liegt, was mich trifft, auf das ich nicht vorbereitet bin? Zukunftsangst? 
Eigentlich bin ich kein ängstlicher Typ... aber was beunruhigt mein Herz?

Fühle ich mich überfordert, unfähig in Beziehungen, meinen Aufgaben, Freundschaften? Dieses blöde Gefühl das mich manchmal überfällt: egal wie ich mich anstrenge, egal was ich gebe - es wird niemals reichen.  Ist es eine Ahnung, dass ich dieses Jahr etwas geben soll, was ich nicht in mir habe, sondern empfangen muß? Oder ist es der ständig unterbrochene, kurze Nachtschlaf (seit mehr als 3 Jahren), der langsam mein Herz zum stolpern bringt? Ich weiß es nicht.

In der Bibel lese ich, dass Gott meine Seele beruhigen kann - wie eine Mutter ihr Baby.  Was für ein tolles Bild!
Ich denke daran wie Samu als Baby abends voller Unruhe war. Die Windel war gewechselt, Fläschchen getrunken, "Bäuerchen" gemacht - er schrie weiter. Warum? Das hilflose Bündel sah mich verzweifelt an. Ein Blick der sagt: finde raus was mir fehlt, ich weiß es nicht! Ich habe ihn (gefühlt) die halbe Nacht durch die dunkle Wohnung getragen haben bis er endlich, endlich ruhiger wurde und in meinen Armen einschlief. 

Gott die Mutter. Meine Seele das Baby. 

Morgen gehe ich zu meiner Seelsorgerin. Vielleicht finden wir gemeinsam den Grund für das Herzklopfen. Vielleicht sind es auch die Worte von Emily Freeman, die ich hören muss:

"Lass die Hände sinken und gib den zitternden Knien nach.
 Lass  deinen Halt los und öffne die Arme weit.
 Senke den Blick und schließe die Augen.
 Wir schaffen dieses Leben nicht.
 Nicht allein.
 Nicht ohne zuerst zu sinken.
Wir versinken in Gott und schauen zu ihm, aus der Tiefe unserer Unfähigkeit.
Und hier erkennen wir wer er ist.
Und hier verstehen wir, wer wir sind."

Vielleicht geht es genau darum: loszulassen. Zugeben, dass ich das Leben nicht schaffe. Ich habe keine Ahnung was kommt und ich kann mich nicht darauf vorbereiten. Kein Konzept, keine Klarheit, ich muss auf die Bühne des Lebens, mit leeren Händen.
Ich bin nur ein Mensch. Ich habe meine Begrenzungen. Ich fühle mich schwach. Es wird nicht reichen. 
Ich verliere den Boden unter meinen Füßen und sinke. In Gott. In ein Meer voller Liebe.
Ich werde getragen, hin und her, zur Not die ganze Nacht. 
Bis meine Seele sich wieder beruhigt.
Urvertrauen atmet.  

Oder wie es das wunderschöne Lieblingslied meiner Nichte sagt:

"when oceans rise, my soul will rest in your embrace.
for I am yours and you are mine."



Mittwoch, 17. Dezember 2014

schenk dir Gnade.

Letzten Sonntag habe ich eine ganze Gruppe Kinder enttäuscht.
Ich wollte den Kleinen im Kinderdienst das Geschenk von Weihnachten zeigen. Dazu hab ich ein großes, schön verpacktes Paket genommen und in die Mitte gelegt.  Alle waren neugierig und voller Vorfreude. Ein Geschenk, wie toll!
Erwartungsvoll wurde ausgepackt. Jeder durfte eine Lage Geschenkpapier abreißen. Das Geschenk wurde immer kleiner und kleiner. Ich sah die strahlenden Augen der Kinder und dachte plötzlich: "Mist, gleich werden sie total enttäuscht sein." Am liebsten hätte ich die Aktion abgebrochen oder schnell noch Schokolade reingeschmuggelt. Aber es war zu spät. Die letzte Packung wurde aufgerissen und heraus kam: eine ganz kleine Krippe mit dem Jesuskind. 



Ich  habe schnell versucht begeistert zu erklären, dass genau das, das größte Geschenk an Weihnachten ist und Grund zur Freude. Aber die enttäuschten Blicke der Kinder sagten mir, dass die Schokolade  ein viel größerer Grund zur Freude gewesen wäre.

Heute morgen sitze ich in meinem Lieblingssessel im Wohnzimmer, den Blick auf die schöne Uhr, die ich mir dieses Jahr schon selbst zu Weihnachten geschenkt hab.
 
auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt gefunden!
Ich öffne mein Tagebuch  und blättere ein wenig durch meine Aufschriebe vom vergangenen Jahr. Wie schnell die Zeit vergeht!
Ich lese viel über meine Schwachheit, müde Tage, inneren Kämpfe und über den Versuch Dinge loszulassen die ich mir an der nächsten Ecke wieder auflade.
Doch- es war auch SO VIEL Gutes dabei (und ich werde auch noch einen Blogeintrag darüber schreiben, versprochen!). Aber irgendwie geht es mir beim Durchblättern der Seiten ähnlich wie den Kindern am Sonntag. Wenn ich die Tage anschaue, die Schicht für Schicht ausgepackt und gelebt wurden, dann bleibt am Ende enttäuschend wenig. Ich bin enttäuscht über mich. Ich wäre schon so gerne weiter und kämpfe doch IMMER NOCH mit denselben Dingen wie im Januar.

Aber über ein paar Sätze von Martin Schleske stolpere ich, wie über eine versteckte Schatzkiste.  
Er schreibt über die Gnade und darüber, dass sie ein Geschenk ist, was nur der Glaube öffnen und unserem Herz schenken kann. Ein vertrauender Mensch, so Schleske, hört auf sich ständig den eigenen Puls zu fühlen nach seiner Stärke oder Schwäche.
"Er ist nicht länger bereit sich ohne Gott zu denken. Er vertraut, dass Gottes Gnade mit ihm ist."

Vielleicht geht es am Ende gar nicht so sehr darum, dass ich alles besser hinbekomme und alles größer und kraftvoller wird.  Vielleicht widersteht Gott deshalb der Versuchung  im entscheidenden Moment "Schokolade" in mein Leben einzubauen weil ich dann das besondere Geschenk übersehen würde, das so klein und unscheinbar aussieht. 
Es kommt eingewickelt in meine Schwachheit und ich finde es unter dem Staub der Alltäglichkeit und dem Schmutz meines Versagens. Es ist kostbar und unbezahlbar für uns Menschen. Es steht für uns bereit, dank Jesus. Und es ist das größte Geschenk, das ich mir selbst machen kann: ich kann  meinem Herzen Gnade schenken.

Vielleicht kann mich die neue Uhr daran erinnern: seit Weihnachten leben wir unter einer neuen Zeitrechnung: Zeit der Gnade. Ein kleines, fast unscheinbares Vorzeichen, das für unsere Tage aber den ganzen Unterschied macht. Ich muß mich nicht länger ohne Gott denken.

Eine gesegnte Vor-Weihnachtszeit euch allen!!!  
Und wenn die Plätzchen anbrennen, wenn es Streit gibt statt trauter Familienharmonie, wenn euch die Enttäuschung packt über das Leben, wie es gerade ist, oder ihr entmutigt seid über euch selbst -  dann macht euch selbst das größte Geschenk: 
schenkt eurem Herzen Gnade.

Bild gestaltet von Melanie Klein

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Mutig Schwanken

"Wem musst du denn etwas beweisen?", diese Frage stellt mir die leise, sanfte Stimme, von der ich hoffe, dass es Jesus ist.  

Es ist Sonntagabend. Ich sitze auf dem Sofa im Wohnzimmer, total geschafft, nach einem vollen Wochenende. Der Sohn ist früh eingeschlafen, also kann ich den Tatort mal wieder in voller Länge genießen (meistens verpasse ich den Mord, was ziemlich blöd ist). 
Zwei Fragen beschäftigen mich am Ende des Films: Frage eins: Wie kann man nur so lange, dünne, wunderbare Beine haben wie Komissarin Lindholm? Und Frage zwei:  Muss ich meine, gerade begonnene, Nachhilfebetreuung im Asylantenheim wieder absagen?

Wir hatten ein Treffen der Flüchtlingsfreunde. Hauptgrund: wir brauchen noch Unterstützung. Letztes Mal war ich die einzige Mitarbeiterin und alle Kinder dieser Erde sind plötzlich aufgetaucht. Es gab leider keine feste Zusagen zur Mithilfe. Stattdessen wurde voller Elan besprochen was man alles mit den Kindern unternehmen könnte, wie oft man sich mit den Lehrern treffen sollte, wer gute Ideen zur Sprachförderung und Material hat...
Ich saß total fertig da und dachte: Das pack ich nicht. Alles was ich anbieten kann ist einmal die Woche (wenn wir nicht krank sind!) müde aufzutauchen, einen Mitstreiter haben, ein paar Kinder anlächeln, ihnen ein wenig beim Ausmalen und Schreiben helfen. Das war`s. Mehr geht nicht.
Deshalb sitze ich auf dem Sofa und frage Gott, ob ich aussteigen soll. Wie so oft, antwortet er mir mit einer Frage: "Christina, wem musst du eigentlich etwas beweisen?"

Das kann ich blöderweise gar nicht richtig beantworten. Vielleicht will ich den Leuten im Flüchtlingsverein beweisen, dass mir die Kinder wichtig sind (und deshalb muss ich genauso engagiert dabei sein wie sie)?  Oder ich schäme mich vor meinen geschätzten Bloglesern, dass ich hier erst total davon schwärme, wie toll das alles ist und wie Gott das für uns eingefädelt hat und dann schmeisse ich vielleicht alles wieder hin. 
"Du bist manchmal so wankelmütig", sagte ein Freund zu mir. Wankelmütig - was für eine doofe Eigenschaft, die ich da habe. Ich will so gerne geradlinig leben. Mein JA soll ein JA sein und mein NEIN ein NEIN und so weiter. Ich will treu sein und das was ich anfange auch durchziehen. Ist es vielleicht das, was ich beweisen will?

Gestern Abend telefoniere ich mit einer Freundin. Sie ist mitfühlend, klug und weise. Es ist ein bisschen so, als wäre C.S. Lewis am anderen Ende der Leitung. Ich jammere ausgiebig, erzähle dass eine der wichtigsten Asylbeauftragte der Stadt Stuttgart (ICH!) ihren Job vielleicht nach 3 Wochen hinschmeissen muss und ich will wissen was sie denkt. 
Schweigen (C.S. Lewis kramt in seinen Schätzen der Weisheit). Dann sagt sie mir, dass vieles im Leben eben keine klare Sache ist. Es braucht oft ein Suchen, ein Tasten in verschiedene Richtungen, was uns dann auf den richtigen Weg bringen kann. Danke Clive. Diese Worte helfen mir.
Bei all den angefangenen Projekten in meinem Leben: bei manchem wäre Durchhalten gut gewesen, keine Frage! Aber vielleicht brauche ich oft auch das Suchen, die Schritte vor und zurück, um am Ende die richtige Richtung zu finden.


In Wankelmut steckt das alte Wort WANKEN. Es bedeutet schwankend, unbeständig, schwach, zweifelnd. Und da ist, erstaunlicherweisen, noch das Wort MUT.
Ich wünsche mir so sehr mehr Klarheit zu haben, bevor ich losgehe. Aber manchmal kommt die Klarheit erst auf dem Weg. Und es braucht Mut, sich zweifelnd, schwach und suchend auf den Weg zu machen. Mit einem offenen und fragenden Herzen und dem vertrauen, dass jemand meine Schritte lenken kann.

Ein junger Mann bat einmal Mutter Theresa: "Bitte, beten sie, dass ich Klarheit für mein Leben bekomme". 
Sie antwortete: "Das werde ich nicht tun, Klarheit ist das, was sie loslassen müssen." 
"Aber sie scheinen immer Klarheit zu besitzen!", sagte der Mann. 
Lächelnd erwiderte sie: "Ich hatte nie Klarheit, aber ich hatte immer Vertrauen. Also werde ich beten, dass sie lernen, Gott zu vertrauen."

Mutter Theresa fällt mir nun wirklich nicht ein wenn ich an einen wankelmütigen Menschen denke. Aber ich habe ihr Buch gelesen: Komm, sei mein Licht. Es ist beeindruckend und auch irgendwie erschütternd. Wie viele Zweifel, wie viel Suchen und Dunkel war in ihr. Und was für ein Segen war ihr Leben!!!
Das macht mir Mut. Meine Zweifel, meine Schwäche, mein Schwanken wird am Ende Gott nicht daran hindern, dass er meine Schritte lenkt und mich zum Segen machen kann.

Ein Studium abbrechen, weil ich merke, dass es meinem Innersten nicht entspricht? Eine ungesunde Beziehung beenden? Ein Projekt liegen lassen, weil es vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt ist? Den Arbeitsplatz wechseln? Etwas Kostbares loslassen und vertrauen, dass es ohne mich weiter wächst?   Zweifelnd und mit zitternden Knien eine neue Richtung einschlagen und merken: da ist jemand der unser Suchen wertschätzt und uns, auch im hin und her, unseren Weg zeigt.

Also gehe ich heute mittag zu den Kindern, mit Samu an der Hand.
Ich will versuchen, nichts zu beweisen. Ich suche. Ich schwanke. Und ich will vertrauen, dass Jesus meine Schritte lenkt.

Und hier noch ein paar Bilder aus meinem schwankend, gesegneten Leben:

die Zuglandschaft am Schloßplatz. Weitergehen? Nur unter Protest und Wutgeschrei!
noch mehr zum Staunen
Zeit anhalten...
...und zuschauen wie andere rennen.
der Nikolaus hat was gebracht- er ist wohl altersmilde:-)
treue Mitarbeiter. Danke-Essen und alles stinkt nach Käse.
Weihnachtsbasar für`s Kinderheim in Burma
selbstgemachte Musik- herrlich!
und meine Kalender wurden auch noch fertig.
es gab lecker Bayern- Waffeln...
und tolle Karten.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

über Maß halten und Bierkrüge stemmen

Ein neuer Rekord: habe es schon am 1. Advent geschafft so fertig und kaputt zu sein, wie ich es sonst erst nach den Weihnachtstagen bin. Das "Weihnachtsplätzchen-Frust-Essen" ist auch schon erledigt (das unverschämte Grinsen meiner Waage ignoriere ich) , dafür ist vieles ander noch unerledigt, was GANZ DRINGEND gemacht werden muss.

Mein Computer ist abgestürzt, der Körper streikt, ich bin zum Umfallen müde, habe Kopf- Hals und Rückenschmerzen. Aber ICH DARF JETZT NICHT KRANK WERDEN!!! 
In meiner Verzweiflung habe ich gestern eine Knoblauchzehe gekaut, weil der Mann meinte es hilft. Bin trotzdem wieder mit Halsweh aufgewacht und Samu begrüßte mich mit: "Mama, ich hab dich nicht mehr lieb, du stinkst!" Na toll.

Heute sage ich die Kinderbetreuung im Asylantenheim ab und versuche die Zeit zu  nutzen um meine Kalender für den Bazar am Sonntag fertig zu basteln. Ich komme nicht wirklich weiter, weil ich ständig unterbrochen werde und Samu beim Kleben mithelfen will (NEIN!!!!)- alles in allem also eine fröhlich, besinnliche Vorweihnachtszeit.

Nach meiner letzten Post hat mir meine Freundin Jutta eine wunderbare mail geschrieben.
Sie hat mir ein paar Gedanken aus einem Buch von Anselm Grün über das "Maß halten" geschickt. Damit ist nicht das Bierkrug stemmen auf dem Oktoberfest gemeint, sondern die Fähigkeit, der eigenen Person mit Würde gerecht zu werden und sie nicht zu überfordern.
Anselm Grün spricht davon, dass man tief innen eine Begegnung mit Gott finden kann, wo er uns mit Liebe und einem großen JA empfängt. Und daraus kann man auch die Würde an sich selbst wahrnehmen und leben-  innerhalb der eigenen Begrenztheit - meine von Gott gewollte und gemachte Persönlichkeit. 

Ach, genau das will ich lernen....und ich fühle mich meistens so weit weg davon.
Ich bin viel besser im "Bierkrug stemmen". Wir haben so einen Wettbewerb auf einer Gemeindefreizeit in Bayern mal gemacht und ich war gar nicht so schlecht. Man streckt das Maß von sich und es kommt einem ganz leicht vor. Nach ein paar Minuten fängt dann das Zittern an und mit letzter Kraft versucht man noch ein paar Sekunden zu überstehen bevor das Maß auf den Tisch kracht. Genau so sieht es bei mir oft im Alltag aus.

Ich brauche es so sehr, dass mir Jesus die Dinge aus der Hand nimmt, mich mit seinem "JA" empfängt und mir hilft, freundlich mit mir zu sein. Mich mit Würde behandeln. Meine Grenzen nicht immer als ungeliebte Bremsklötze und Spaßverderber zu sehen, sondern als Umriß meiner von Gott gewollten und gemachten Persönlichkeit. Mein Maß. 

Ich glaube ich lebe innerhalb von diesem Maß, wenn ich die Dinge, die ich heute tue, auf lange Sicht gut tun kann. Keine "Hau-Ruck-Aktionen", kein "das muss ich noch schnell erledigen bevor ich zusammenbreche". Freundlich mit mir umgehen.

 Aber wie schaffe ich das????

Am liebsten würde ich alles wieder wie ein Bierkrug in die Höhe reissen und mir zurufen: 
"Das musst du doch jetzt endlich mal hinbekommen! SEI ENDLICH FREUNDLICHER ZU DIR, DU LOOSER!!!"

Keine gut Idee, ich weiß. Ich glaube, das Einzige wozu ich in der Lage bin ist einen kleinen Schritt in die richtige Richtung machen. Zu Jesus.
Und dann sagt er so wunderbare Dinge: 

"Bist du müde, ausgelaugt und religiös ausgebrannt? Dann komm zu mir. Lass uns zusammen sein und du wirst wieder zu Kräften kommen und dein Leben wiederfinden. Ich zeige dir, wie du wirklich zur Ruhe kommen kannst. Gehen wir zusammen, beobachte wie ich die DInge tue, lerne den ungezwungenen Rhythmus der Gnade. Ich werde dir nichts schweres oder krankmachendes auflegen. Bleib mit mir in Kontakt und du wirst lernen frei und leicht zu leben."
(Matt.11,26- frei übersetzt aus "the message") 

Das klingt als kennt Jesus ganz genau mein Maß. Und er meint es so gut mit mir. 
Ich will von ihm den Rhythmus der Gnade lernen. Keine Ahnung wie er mir das beibringen will. Aber es ist vielleicht wie tanzen mit Patrick Swayze: wenn der Partner gut ist, stolpert man zwar anfangs ständig über seine Füße, aber irgendwann spürt man den Rhythmus und lernt zu tanzen. Ich vertraue einfach, dass Jesus das schafft mit mir...sogar mit mir.

Ein schöne Adventswoche Euch allen! 
Seid freundlich zu euch...und wenn es schwerfällt: einfach einen kleinen Schritt in die richtige Richtung. Wir werden mir einem großen "JA" empfangen.



Dienstag, 25. November 2014

in Mangel und Überfluß

Samu zum 1.Mal am Meer!
Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen unseren Sommerurlaub schon früher zu planen. Ich dachte dann ist es nicht so stressig wie sonst. Aber irgendwie sind es die gleichen Probleme, nur ein paar Monate früher:
Meer wäre toll, aber warum ist das Meer - auch in diesem Jahr - so weit weg? :-) Kommen Freunde mit und vielleicht ein Spielkamerad für Samu? Und wenn nicht- was tun wir, wenn es die ganze Zeit regnet und wir in einem kalten Ferienhaus feststecken (24-h Auto und Zug spielen- aaahhh!)?
Eine Freizeit? Haus mit Kinderbetreuung? Aber eigentlich mag ich sowas nicht und will lieber meine Ruhe im Urlaub...

Ich klicke mich also seit einigen Abenden durch sämtliche Angebote und komme zu dem deprimierten Entschluß, dass nichts wirklich passt und wir am besten Zuhause bleiben sollten (armer Mann, der das immer mitmachen muss!).

Ganz nüchtern betrachtet sind das natürlich einfach nur Luxusprobleme. Es gibt genügend Leute in meinem Umfeld die sich keinen Urlaub leisten können.  
Aber ich merke auch, dass sich hinter dem  Frust der Sommerplanung noch etwas anderes verbirgt. Es ist ein Gefühl, dass ich manchmal denke, wir sind als Familie - zu dritt - nicht genug. Letzten Urlaub, wir kamen gerade in unserer Ferienwohnung an, Samu sagte erwartungsvoll:  "Und? Wann kommen die anderen alle?". Erst musste ich lachen, aber dann habe ich ihm gesagt, dass es "nur wir" sind und es hat sich ganz mangelhaft angefühlt.
 
Wie blöd, ich weiß.  Wie viele sehnen sich nach einem guten Partner und planen den Urlaub alleine, oder müssen mit einem unerfüllten Kinderwunsch leben! Wirklich, ich weiß wie gut es mir geht. Die meiste Zeit bin ich auch sehr, sehr dankbar dafür. Aber in manchen Situationen (wie z.B. bei der Urlaubsplanung) spüre ich, dass ich Samuel gerne mehr geben würde und es tut mir dann einfach leid, dass es "nur wir" sind .


Manchmal kommt das Gefühl auch, wenn ich mit Samu auf den Spielplatz gehe und die anderen vor allem mit ihren Geschwistern spielen (so sehr Geschwister auch streiten können- nach außen hält man zusammen!). Dann wird es mir ein wenig schwer um`s Herz, wenn der kleine Sohn so alleine seine Sandburg baut. Geschwister sind was tolles und es tut mir leid, dass er das nicht erleben kann.


ich fand es so toll, mit meiner Schwester zusammen aufzuwachsen...

wie gerne würde ich ihm dieses Geschenk machen.

Wenn mein Herz so schwer wird, dann brauche ich Zeit mit meinem besten Freund. Also sitze ich heute ein wenig länger schweigend mit ihm in unserem Wohnzimmer und halte die Bibel fest (das hilft mir in manchen Situationen mehr, als darin zu lesen:-)). 

Und plötzlich ahne ich, dass es nicht darum geht einen Mangel auszugleichen, der nicht auszugleichen ist. Es geht vielmehr darum, meine Armut und den Mangel immer wieder anzunehmen (und ihn auch nicht runterzuspielen - nach dem Motto: du solltest doch einfach dankbar sein!). Ich kann immer mal wieder den Schmerz zulassen und mir dann die Tränen trocknen lassen. Dann kann ich wieder mein Leben wie ein Glas anheben und das schmecken und trinken, was mir gegeben ist. So übervoll mit Gutem und manchmal ein wenig bitter im Geschmack. Beides ist mein Leben. 

Paul Tornier schreibt in seinem Buch  "Leben, das große Abenteuer", dass seiner Ansicht nach, der Hauptunterschied zwischen Menschen nicht darin liegt ob wir verheiratet sind oder nicht (und auch nicht ob und wie viele Kinder wir haben). Der Hauptunterschied zwischen Menschen besteht darin, ob sie ihr Leben, so wie es ist, annehmen oder ob sie es nur widerwillig ertragen. Tornier warnt auch davor, dass das größte Hindernis für die Annahme eine scheinbare Annahme ist. So schreibt er:

"Es hilft nicht zum anderen zu sagen: Du musst dein Leben so annehmen, weil Gott das so für dich gewollt hat. Es wäre anmaßend, das zu behaupten. Was wissen wir über den Willen Gottes für andere? Was hingegen hilft, ist die Gewissheit,dass Gott uns liebt...was immer auch unsere Entbehrungen sein mögen: Wenn wir lernen unser Leben, wie es ist, anzunehmen und nicht von einem anderen träumen, wenn wir es unter göttlicher Inspiration leben, dann verwirklichen wir unser menschliches Schicksal, das heisst, ein von Gott gelenktes Abenteuer."

Paulus schreibt, dass er gelernt hat im Mangel und Überfluß genug zu haben (Phil.4,12ff.). Was für eine Aussage!!! 
Und er fügt hinzu: "Das alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt". 
 Es gibt Dinge, die bekomme ich nur hin, weil mir Jesus dabei hilft (eigentlich sehr viele Dinge!!!)...und mein Mangel ist ganz oft ein Landeplatz für seine Gegenwart in mir. Und plötzlich spüre ich: Ja, es fehlt etwas und trotzdem - es ist genug. Das kann ich nicht für irgendein anderes Leben glauben. Das kann ich nur für mein eigenes Leben annehmen (und auch für Samu hoffen).

Also,wenn ich heute abend wieder durch die Tui - FeWo-Direkt und sonstige Seiten klicke, will ich daran denken: Ich muss den Mangel nicht durch eine tolle Ferienplanung ausgleichen. Und unsere Freunde und andere Kinder sind ein Geschenk, aber sie müssen und können keinen Lücke stopfen, das wäre ihnen gegenüber auch nicht fair. 

Ich wil lernen zu glauben:  Im Überfluß und Mangel  - es ist genug.
Es ist unser Leben. 
Ein von Gott gelenktes Abenteuer.  


Freitag, 7. November 2014

meine Top 10 Bücher!


Vor einiger Zeit habe ich angefangen eine Liste  meiner persönlichen Lieblingsbücher zusammenzustellen. Jetzt ist sie endlich fertig. Die länger werdenden Abende laden ja dazu ein, es sich mal wieder mit einem Buch gemütlich zu machen und vielleicht ist etwas interessantes für euch dabei (oder ihr habt einen guten Tipp für mich!).

Vorweg muss ich sagen: ich lese zum Entspannen oft Krimis (zu empfehlen: die Schorlau Krimis aus Stuttgart!) und ab und zu Romane (z.B. von Marian Keyes).
Allerdings sind diese Bücher nicht in meiner Liste, sondern es sind die Bücher, die ich immer wiede hervorhole und darin lese, weil sie mich berühren, weil einzelne Sätze so trostreich und gut sind oder weil die Figuren in den Büchern fast schon wie alte Freunde sind (die Bücherfreaks unter euch wissen was ich meine).

Also, hier sind  sind sie: meine 

Top 10 "all time favorite" wunderbare Bücher 
(in beliebiger Reihenfolge):

wollte mich schon immer mal vor meinem Bücherregal ablichten lassen:-)

Philipp Yancey: Warum ich heute noch glaube (Soulsurvivor)
Unter meinen Top 10 muss einfach ein Buch von P.Yancey sein. 
Ich mag seine Art zu schreiben, ehrlich, klug und ohne fromme Phrasen. In diesem Buch schreibt er über seine, oft enttäuschenden Erfahrungen mit der Gemeinde (besonders in seiner Jugend)  und was seinem Glaube geholfen hat zu überleben. Er erzählt von 13 Menschen, die ihm Mut gemacht haben. Es sind so unterschiedliche Menschen wie Martin Luther King, Ghandi, G.K. Chesterton, Dr. Paul Brand, Tolstoj und Dostojevsky. Durch dieses Buch habe ich ein paar andere, wunderbare Bücher entdeckt, auch von Autoren die mir bisher unbekannt waren (wie z.B. Frederick Buechner oder Annie Dillard). Ein wunderbares Buch, voller Schätze, die meinen Glauben bereichern.

C.S. Lewis: über die menschliche Trauer

Ein Intellektueller schreibt über das Leid, in diesem kleinen Buch aber nicht durchdacht und distanziert (wie in seinem zuvor geschriebenes Buch "über den Schmerz"), sondern jetzt mitten aus seinem eigenen Erleben heraus. Es sind wütende, zweifelnde, tiefgreifende Aufschriebe, direkt nach dem Tod seiner krebskranken Frau. Ich habe das Buch nach dem Tod eines Freundes gelesen. C.S. Lewis hat für meinen Schmerz die Worte gefunden, ich habe weinend die Sätze unterstrichen und in meine verzweifelten Gebete gelegt. Ein ehrliches, durchkämpftes und deshalb so trostreiches Buch für mich.

Tucholsky: Schloss Gripsholm
Bücher sind auch Erinnerungen, an die Tage in denen sie uns begegnet sind. Diese wunderbare Geschichte, werde ich immer mit dem ersten Schwedenurlaub mit Heio in Verbindung bringen. WIr haben das Hörbuch auf der langen Reise im Auto gehört- es ist herrlich!
Tucholsky schreibt humorvoll und so, dass man Wörter und Sätze anschaut und sie lieb gewinnt (das Buch habe ich mir dann danach gekauft). Also, falls ihr für die nächste längere Autofahrt eine schöne Geschichte hören wollt: hier ist sie!


A. Plass: das Wiedersehen
Auch von Adrian Plass muß ein Buch dabei sein. Er hat viele wunderbare Bücher geschrieben, die mich zum Lachen und zum Weinen brachten (meist kurz hintereinander). 
Seine nicht so sehr bekannten Bücher gefallen mir am besten, wie zum Bsp.: "Mr. Harpers Traum vom Leben" oder "Das Lächeln auf dem Gesicht Gottes" und unbedingt: die Bücher über Familie Robinson (wie kann ein Engländer mittleren Alters so genau die Gefühle einer Mutter oder alleinstehenden Frau beschreiben? Ich LIEBE die Figuren dieser Bücher!!!
Das Wiedersehen ist eins meiner liebsten Bücher von ihm. Ich mag Geschichten und Filme von Wiedersehensfeiern, Klassentreffen oder Treffen mit alten Freunden über`s Wochenende. Es steckt oft soviel wahres, ernüchterndes und existenzielles in den Begegnungen, so wie in diesem Buch:
Ein Pastor wird eingeladen, nachdem seine junge Frau verstorben ist, sich mit seinem alten Jugendkreis über`s Wochenende zu treffen. Seit über 20 Jahren haben sie sich nicht gesehen. Ohne große Lust fährt er hin. Er begegnet seinen alten Freunden, sie reden darüber, wie sich ihr Leben entwickelt hat, über ihre Verletzungen und über ihre tiefsten Ängste. Ich habe bei den Figuren von Adrian Plass immer den Eindruck: die sind echt! Das sind echte Leiden, das sind Wege die ich auch gegangen bin und Gefühle und Fragen die mich auch bewegen. Ich finde Trost in ihren Kämpfen und manchmal Hoffnung in den Antworten - oder "Nicht -Antworten"- mit denen sie weiterleben.

Shane Claiborne: man muss verrückt sein so zu leben
(an irresistible revolution...manche deutsche Titel sind so schlecht!) 
Dieses Buch ist gefährlich. Es kann ein gemütliches Leben zerstören. Es hat mir einige schlaflose Nächte eingebrockt. Es hat mich aufgewühlt und herausgefordert meinen eigenen Lebensstil zu hinterfragen, in einer Wohlstandsgesellschaft, abgestumpft gegen die Nöte der Welt. Shane Claiborne lebt einen einfachen, dienenden Lebensstil, erzählt von "kleinen Taten der Liebe, die die Welt verändern können", kreativ und voller Leidenschaft und ohne anzuklagen. Ich habe Shane schon zwei Mal getroffen und er hat mich nachhaltig beeindruckt. Dieser Typ lebt was wir Christen glauben. Ich möchte gerne mal ein bisschen so werden wie er.


Henri Noeven: die innere Stimme der Liebe

Auch ein Buch von Henri Noeven muss unbedingt unter meinen 10 besten Büchern sein. Ich habe fast alle seine Bücher gelesen und ich glaube sie haben die Art wie ich glaube sehr stark beeinflusst.
Dieses kleine Buch ist hilfreich in schweren Zeiten, kleine Abschnitte für jeden Tag, die etwas über Gottes liebendes Herz offenbaren. Der kluge, katholische Priester,der sein Lehrstuhl in Harward aufgab um in einer Gemeinschaft mit Behinderten Menschen (Der Arche) zu leben, hat mich nachhaltig beeindruckt. Aus seiner eigenen Zerbrochenheit und in seinen Kämpfen leuchtet immer wieder dieser Satz: "Du bist Gottes Geliebter Sohn, seine geliebte Tochter!". Wie eine Taschenlampe trage ich seine Worte bei mir, für die dunklen Zeiten.

Annie Dillard, am Rande der neuen Welt

Annie Dillard ist eine ungewöhnliche Frau, die sich schwer einordnen lässt. Ihrem Buch "über das Schreiben" ahnt man, was sie für eine exzessive, lustige und außergewöhnliche Schriftstellerin ist. Sie schreibt fast brutale Beobachtungen über die Natür und das Zusammenleben der Menschen mit wunderbaren Sätzen und Gedanken dazu. Für ihr Buch "der freie Fall der Spottdrossel"  bekam sie den Pulitzer Preis.
"Am Rande der neuen Welt" ist eine amerikanische Siedlergeschichte, hart und klar geschrieben (wie diese Zeiten wohl auch waren). Es ist kein einfaches Buch, aber das Lesen lohnt sich, besonders für die Sätze und Worte die dazwischen liegen. 


 Größer als dein Herz, Brennan Manning (the raggamuffin gospel)
 Dieser Mann fasziniert mich, mit seiner zerbrochenen Lebensgeschichte: er wurde Christ, dann Alkoholiker, war Priester, hat geheiratet, ließ sich scheiden... ist es ein Wunder, dass er über Gnade schreibt, wie kein anderer den ich kenne (seine berührende Biographie heißt auch: Alles aus Gnade).
Auch in "Größer als dein Herz" geht es um diese Gnade. Dieses Buch habe ich meinen Vater gegeben, es war eins der letzten Bücher das er lesen konnte. Mit Tränen in den Augen gab er es mir  zurück und sagte: "Das wäre schön, wenn man glaube könnte, dass Gott wirklich so wäre." Damit ist für mich alles gesagt. Ich glaube Gott ist tatsächlich so, und das ist zu schön um es nicht zu glauben.

Jesusfreak, Martin Dreyer
Die ehrlich geschriebene Geschichte von Martin wühlt mich auf, sie zeigt mir Gottes Treue trotz unserer Irrwege, seiner Leidenschaft zu uns und wo meine Leidenschaft ist. Seit 19 Jahren bin ich Teil der Jesusfreaks Bewegung, Wenn ich dieses Buch lese, dann weiß ich wieder warum. Deshalb gehört es zu meinen Top 10. 
Danke Martin und Danke Jesus.



Gott braucht dich nicht, Esther Maria Magnis
Dieses Buch ist ein außergewöhnliches Buch über den Glauben. Eine biographische Geschichte, die mit so einer Wucht und einer Kraft der Wörter geschrieben ist, dass es mich fast umgehauen hat. Es ist das Kämpfen und Ringen mit einem Gott mitten im Dreck des Lebens. Nichts für schwache Nerven aber absolut lohnenswert zu lesen.


Das war meine Liste und schweren Herzens müssen ein paar wunderbare, geliebte Bücher leider draußen bleiben (wie zum Beispiel: Enttäuscht von Gott und der unbekannte Jesus (!) von Philipp Yancey, Blue like Jazz von Don Miller, die tollen Bücher von Shauna Niequist oder gemeinsam Leben von Bonhoeffer). Jetzt haben sie es doch noch geschafft erwähnt zu werden:-)).

Puh, das war lang. Wenn ihr es bis hierher geschafft habt: Glückwunsch - ihr lest wahrscheinlich gerne. 

Und, was ist euer Lieblingsbuch?