"What is saving your life right now?" Dieser Spruch geht mir gerade öfters mal durch den Kopf. Direkt übersetzt ist es die Frage danach was gerade dein Leben rettet. Im alltäglichen Gebrauch bedeutet es: Was hilft dir aktuell am besten durch deinen Tag? Ich sitze hier bei runtergelassenen Rolläden während sich draußen die Hitze wieder breit macht. Bis zu 40 Grad soll es heute werden! Oh diese Sehnsucht Richtung Norden zu ziehen! Ich hole mir ein Glas Wasser an den Schreibtisch und versuche mir an einer kleinen Liste der Dinge, die mich gerade durch den Tag retten:
Das Tretbecken im Nachbarort. Wenn ich dort erhitzt nach dem Einkaufen vorbeiradle würde ich am liebsten meinen Kopf ins Wasser stecken! Aber ein paar Runden durch das kühle Wasser zu waten ist auch einfach herrlich!
Meine Abendrunde über die Felder. Die langen Sommerabende sind schon eine tolle Sache: Man kann spätabends aus dem Haus gehen und hat den Sonnenuntergang noch nicht verpasst! Jedes Mal färbt sich der Himmel auf andere Art und Weise. Schönheit wird die Welt retten, schrieb Dostojewski. Wenn abends mein Blick über die Felder schweift, dann ahne ich was er meint.
Vergebung eines Teenagers. Gerade lese ich in dem wertvollen Buch von John Mark Comer Gott hat einen Namen über die Eigenschaften Gottes. So wunderbare Eigenschaften! Eine davon: langsam zum Zorn. Comer schreibt, dass wir Menschen uns schon sehr anstrengen müssen, um Gott wütend zu machen. Es dauert richtig lange (oft über Generationen!) bis das Maß bei ihm voll ist und er das Böse und die Ungerechtigkeit nicht länger ertragen kann. Ich muß leider sagen, dass bei mir das Maß sehr schnell voll ist - besonders was unseren Teenager angeht. Und im Gegensatz zu meinem Schöpfer bin ich in meinem Zorn oft sehr ungerecht. Dann brauche ich Vergebung. Eine ganze Menge davon. Das gemurmeltes "angenommen!" von dem Teenager das meiner Entschuldigung folgt, das leicht verlegene Lächeln, das "wieder gut" zwischen uns - es rettet meine Tage!
Die Fussball-WM. An der Stelle ein Dank an die (ansonsten eher ungeliebte) FIFA. Es ist echt eine Erleichterung für mich, dass in den nächsten Wochen das Abendprogramm an vielen Tagen schon feststeht. Ich kann mich dann entweder mit einem kühlen Getränk neben meine zwei Fussballfans auf den Sofa setzen und so dumme Fragen stellen wie: "Wieso hast du dir den kein Trikot von dieser Mannschaft gekauft? Das sind doch so schöne Farben?" Oder ich kann mich ganz in Ruhe auf den Balkon setzen und lesen. Ich hoffe Deutschland bleibt noch lange im Turnier!
Ein Glas kaltes Wasser. Dazu Eiswürfel aus dem Kühlfach. Ach überhaupt: Zugang zu fließendem Wasser zu haben! Jeder vierte Mensch auf dieser Welt hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. So vieles in meinem Leben nehme ich viel zu selbstverständlich! Ich will immer mal wieder einen Schritt zurückmachen und meinen Reichtum wahrnehmen und ihn auch weiterfließen lassen, wo immer mir das möglich ist. Auch wenn es sich nur wie ein paar Tropfen auf den heißen Stein anfühlt. Vor ein paar Tagen habe ich der jungen Frau, die am Straßenrand in einem aufgehitzten Holzhäuschen Erdbeeren verkauft, eine kleine Erfrischung vorbeigebracht. Ihre Freude hat mich sehr erfrischt. Und vielleicht habe ich ihr damit ein ganz klein wenig den Tag gerettet.
Freundlichkeit. Freundlichkeit rettet meine Tage! Immer wieder. Diese kleine Alltagsbegegnungen. Ein Lächeln. Ein Gruß. Ein "ich sehe dich!" Ein: "Wollen sie nicht vorgehen?" an der Supermarktkasse. Ein komplizenhaftes "Oh, das kenne ich auch!" Wenn zum Beispiel beim Einkaufen eine Mama gerade die Geduld verliert (und es ausnahmsweise mal nicht ich selber bin!). Oder wie die Verkäuferin gestern im Baumarkt, die ich nach einem Trockenpulver für die Biotonne gefragt habe. "Aha, sie brauchen etwas gegen Maden", sagte sie ganz trocken. Ich nickte verschämt. "Die hab ich heute auch schon bekämpft!" sagte sie und dann lachten wir miteinander, klagten uns ein wenig unser Leid und verabschiedeten uns mit den besten Wünschen, für unsere Biotonnen.
Der Wald. Gestern fuhr ich auf dem Rückweg von einer Lesung durch den schwäbischen Wald (schön war das bei euch! Auch wenn mir der Schweiß beim Lesen lief, wie nie zuvor ;-)). Kurzerhand habe ich mein Auto mitten im Wald geparkt und bin ein wenig unter den schattigen Bäumen geblieben. Passend dazu fiel mir das Gedicht von Mary Oliver ein (ihre Worte haben schon oft meinen Tag gerettet!) Sie schreibt darin:


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