Dienstag, 28. März 2017

Ungebetene Besucher und die still wachsende Saat

Neulich habe ich mir Kirschblütenzweige gekauft. Ich weiß - Zweige sollte man sich eigentlich nicht kaufen. Heio hat auch nur verzweifelt den Kopf geschüttelt. Aber hey: wir wohnen in der Stadt. Und da sind Kirschbäume was besonderes! Da bricht man nicht einfach mal so die Zweige ab. Und außerdem hatte ich den Eindruck Gott wollte, dass ich die Zweige kaufe. (das war das Totschlag-Argument für Heio :-)) Ich hab sie in unsere schönste Gießkanne gestellt und Gott versprochen, dass ich solange versuchen werde still zu halten, bis die Blüten aufgehen. Weil ich nämlich gemerkt habe: Es fällt mir gerade so schwer still zu halten. Ich möchte am liebsten gleich ein neues Buch schreiben, oder dem Manuskript noch wichtiges hinzufügen (nachdem mir der Verlag noch 20 Seiten mehr als geplant zugesichert hat) oder einen tollen Artikel schreiben oder wichtige Gedanken bloggen. Und da höre ich den Satz: If you don`t know how to stop, you better stop. Und ich weiß: das ist für mich. Ich muß dringend einfach mal still halten. Loslassen.
Also, Stift aus der Hand. Computer runterfahren. Ich kaufe die Zweige und hoffe, dass die Blüten bald aufgehen. Die nette Frau im Blumenladen sagte mir, das dauert so zwei bis drei Tage. Ich klebe noch einen klugen Satz auf die Kanne und warte. Zwei bis drei Tage - das schaffe ich.


Ich stelle die Zweige in die Sonne. Rücke sie in die Nähe der Heizung. Aber nichts passiert. Ich putze die Wohnung, spiele mit Samu und schaue immer mal wieder zu meinen Zweigen - es tut sich NICHTS. Tagelang! Vielleicht funktioniert es nicht? Vielleicht sind es japanische Kirschzweige, die nur in Japan blühen? Ich werde NIE WIEDER schreiben! Ich sollte die Zweige umtauschen und blühende kaufen.  Ob Gott damit einverstanden ist? Ob es helfen würde die Knospen ein bischen anzustechen oder Zucker ins Wasser zu tun? Ich lasse es. Alles. Und warte.


Die Blüten zeigen sich also erstmal nicht, stattdessen kommt Besuch. Und zwar die Kollegen die immer auftauchen wenn ich mal zur Ruhe kommen will:
Da kommt die hektisch, dünne Dame "Rastlos". Sie rennt durch alle Zimmer, schreibt unaufhörlich to-do-Listen, mäckelt an allem rum und sagt mir was dringend erledigt werden muß. Das geht ein paar Tage so, dann gibt sie auf und reist überstürzt ab. Gegen sie ist kein Mittel gewachsen. Man kann ihren Besuch einfach nur aussitzen im Wissen, dass sie wieder verschwindet.

Anders ist es bei den Kollegen "Angst und Sorge". Sie lagen bisher nur unter Kopfkissen und durften mich am Abend und in den Träumen ein bisschen stören. Jetzt sehen sie ihre Chance gekommen und machen sich mit ihren finsteren "Was-wenn...Gedanken" breit. 

Was, wenn sich der Gesundheitszustand meiner Mutter weiter verschlechtert und sie Pflege benötigt? Wie schaffen wir das? Wird die Kraft reichen?
Was, wenn das mit dem Schreiben jetzt der Endpunkt war? Sollte ich mir nicht doch wieder einen "richtigen Job" suchen?
Was wenn alles nicht gut genug ist was ich tue und bin?
Was wenn Samu und Heio was schlimmes passiert?
Was wenn ich Opfer von einem Identitätsklau werde und jemand in meinem Namen Verbrechen begeht und mich Nachts ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando aus dem Bett holt? (eindeutig zu viele Krimis und zu viel Phantasie, ich weiß!)

Und da höre ich, während ich Samus Zimmer ausmiste, eine Predigt von Hans Peter Royer. Er redet über unsere Ängste und das Sorgenmachen und seine Antwort darauf trifft mir mitten in`s Herz: DAFÜR HABE ICH JESUS. Genau. Ich lese noch einmal jede Sorge, lasse jeden ängstlichen Gedanken zu und sage mir: Dafür habe ich Jesus! Und ich spüre wie Jesus mich anlächelt und mir sagt: Ja, dafür hast du mich. 

Und ich lege ein paar Zettel in meine "EdJe-Box." Die Idee habe ich von meiner Schwester und die hat sie von Maria Prean. EdJe heisst: Etwas das Jesus erledigt. Das kommt in die Box. Mit einem Gebet: Danke Jesus, dass du dich darum kümmerst. Jetzt lasse ich es bei dir. Und damit verschwinden die Ängste und Sorgen wieder unterm Kopfkissen.



Und noch ein  Besucher hat sich in der Stille breit gemacht. Es ist der Wichtigtuer. In meiner Vorstellung spricht er mit breitem texanischen Akzent und sagte mir: "Hey, die Welt da draußen braucht dich! Du bist wichtig! Du kannst nicht einfach Zuhause sitzen und warten bis die Blüten aufgehen." Dieser Typ verzieht sich dann, wenn ich Lobpreis mache. Oder wenn ich das alte Gebet laut ausspreche:  Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heilige Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immer dar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.  
Die Worte erinnern mich daran, dass ich nicht so wichtig bin wie ich das oft denke. Das die Welt vor meiner Geburt existiert hat und aller Wahrscheinlichkeit auch nach meinem irdischen Leben alles so weiter gehen wird. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das muß ich mir ab und zu vor Augen halten. Ich halte still um dem Wichtigtuer in mir ein bisschen die Luft raus zu lassen.

Und dann sind sie endlich weg. Die ungeliebten Besucher. Und der scheue Gast kommt endlich zu mir an den Tisch: die Stille kehrt ein.

Frieden. 

Ich entspanne mich. Helfe Heio im Garten. Und während wir säen und Unkraut rausreissen erinnere ich mich daran, dass es mit dem Reich Gottes ist, wie mit der still wachsende Saat. Wir geben unseren kleinen Teil in die Erde und dann sitzen wir mit dem Feierabendbier auf der Bank und blicken über die Felder und vertrauen entspannt darauf, dass Gott das Wachstum schenkt. Ganz ohne unser zutun.




Wir machen einen Ausflug auf die schöne schwäbische Alb und genießen Stockbrot und Sonnenuntergang. Wie schön hat Gott die Welt gemacht! (und ganz ohne meine Hilfe, haha)







 Ehe die Sonne untergeht, 
ehe der Tag verweht,
kehre ich heim zu dir
und falle in deine Arme. 
                                                                                                       J.Blei


Und dann sind sie plötzlich da: die Blüten! Ich hab sie nicht aufgehen sehen. Still und leise sind sie einfach da. Ich staune und freue mich und spüre Gottes Lächeln. Sein: ICH BIN DA.  Ich bringe Dinge zum Blühen, ganz ohne dein zutun. Dafür hast du mich. Und ich lächle entspannt zurück und sage: "Ja, Jesus, dafür habe ich dich." Und dann bin still.

Mittwoch, 15. März 2017

gehalten.

Ich liege im Bett, im Dämmerzustand zwischen schlafen und wach werden. In der Küche höre ich Heio vorsichtig mit Tellern und Tassen hantieren und Samuel versucht auf die Art leise zu sein, wie es nur fünfjährige wilde Jungs können: gar nicht. :-) Es rummst und zischt, jammert und jubelt - alles bemüht leise-laut. Obwohl mein Kopf fast zerspringt vor Schmerzen, muss ich lächeln. Was hab ich für ein Glück. Leider schaffe ich es nicht, noch nicht, auszustehen und am Leben teilzunehmen. Die Migräne hämmert mal wieder seit Tagen, mit kurzen Unterbrechungen; ich habe vergessen wann es angefangen hat. Ich rechne schnell nach und stelle fest, dass ungefähr sechs Stunden vor mir liegen bis ich die nächste Schmerztabette nehmen kann. Irgendwann quäle ich mich aus dem Bett, ins lebhafte Frühstücksgeschehen. Ich versuche irgendwie DA zu sein. Auch wenn es schwer fällt.
Das war heute morgen. Ich habe anschließend versucht ein bisschen was zu erledigen. Habe die Wäsche aufgehängt, meine Bahncard gekündigt und musste dabei zweimal nachsehen wie unsere korrekte Anschrift lautet. Ich s auf dem Sofa, schweigend vor Gott. Ich sagte ihm, wenn er mich heute heil machen will, dann hätte ich nichts dagegen. Er tat es nicht. Ich kenne die Gründe nicht. Vielleicht gibt es keine. Es ist mir auch egal. Ich werde mich an ihn klammern, mein Zufluchtsort, bis der Sturm vorüber ist. Wo soll ich sonst hingehen? Ich hole Samu von der Kita. Die Sonnenstrahlen tun mir in den Augen weh und doch wärmen sie mich. Mein Heiland greift nicht ein und doch liebe ich ihn. Er ist gut. Immer. Und das Leben ist Gnade.  Und dass ich das heute glauben kann, ist auch ein Geschenk.
  
Warum ich über meinen dumpfen Schmerz hier schreibe? Ich weiß nicht genau. Eigentlich versuche ich dem Ganzen nicht so viel Raum zu geben - es nimmt schon genug Lebenszeit ein. Aber vielleicht ist es gut immer mal wieder diesen Teil meines Lebens zu zeigen: So geht es mir. Ganz schön oft. Vielleicht sogar fast die Hälfte meiner Tage. Mit den Jahren wird man ganz gut darin, den Schmerz zu verbergen. Aber er ist da. Wenn ich hier schöne Bilder blogge und darüber schreibe, dass ich dankbar bin und sehnsüchtig und dass ich Jesus liebe, dann ist das genauso wahr, wie diese dunkle Tage. An manchen Tage breche ich innerlich zusammen; manchmal begehre ich auf, jammere und schlage den Kopf gegen die Wand, bin "schlecht genervt" (wie Samu das immer nennt) und dann warte ich wieder einfach nur darauf, dass es vorbei geht. Und manchmal überschneiden sich die Tage an denen ich voller Schmerzen bin und dankbar und unglaublich froh am Leben zu sein. 

Der Kopf tut weh- und ich freue mich an dem schönen Wetter

Neulich war ich mit Heio bei einer wunderbaren Konzertlesung von Martin Schleske. Es war ein ganz besonderer Abend. Martin sagte so viele kluge Sachen, dass ich kaum nachkam mitzuschreiben. Er hielt ein Stück Holz in die Höhe und klopfte auf die verschiedensten Stellen. An manchen klang es einfach dumpf nach Holz, egal ob er vorsichtig oder heftig dagegen klopfte. An anderen Stellen hörte man einen ein Klang - Verschiedene Töne! Staunen im Publikum. Und dazu sagte er:
Es ist ein großer Irrtum, wenn das Leben "dumpf" klingt, zu denken: Ich brauche mehr Kraft. Wir können auf die Seele einprügeln, auch mit frommen Willen, es hilft nichts. Das Geheimnis ist folgendes: Es geschieht nicht durch mehr Kraft, sondern es geschieht dadurch, an der richtigen Stelle gehalten zu sein. Und dieses Gehalten-sein beschreibt er mit der Herzensruhe. Und der Ruhepunkt unseres Herzens ist das Vertrauen.  Sich Gott hinhalten. Das ist das Geheimnis eines klingenden Lebens. (und aus dem Stück unscheinbaren Stück Holz wird in einigen Wochen eine Geige!)


Ich fand diese Worte so tröstlich. Vielleicht liegt genau hier das Geheimnis für die Tage, an denen wir uns mit Schmerzen oder kraftlos und müde durchkämpfen. Tage an denen wir herausgefordert sind, gnädig mit uns zu sein, nicht auf die Seele "einprügeln", sondern unseren Ruhepunkt zu finden. Uns halten lassen. So lange bis wir das Herz mit Vertrauen gefüllt haben, dass Gott unser Stück Leben zum Klingen bringt, dass er aus hellen und den dunklen Tagen, dass er aus der ganzen Melodie unseres Lebens einen Lobpreis machen kann. Das will ich ihm glauben. Auch wenn es heute ein bisschen weh tut...













Montag, 6. März 2017

Hungrig im Keller

Es gibt so Momente im Leben, da würde ich am liebsten vor lauter Frust den Kopf rhythmisch auf die Tischkante hauen! Kennt ihr das? So ging es mir jedenfalls letzten Sonntag:
Anstatt in meine kleine, wunderbare Gemeinde zu gehen, habe ich mich, mit Samu im Schlepptau, auf den Weg zur Kirche meiner Schwester gemacht. Sie hatten einen interessanten Gastprediger, den ich so gerne mal hören wollte. Und außerdem ist dort eine tolle Kinderbetreuung mit vielen Spielsachen, direkt neben dem Gottesdienstraum. Ich war mir sicher: Samu würde da gerne mit den anderen Kindern bleiben. Bevor ich losfuhr sagte ich zu Heio ganz glücklich: "Ach, ich freu ich. Einfach mal wieder wo reinsitzen und auftanken. Ich brauche das jetzt so sehr!" Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: genau an diesem Sonntag fand zum ersten Mal eine Kinderbetreuung für die "Großen" (ab 5 Jahre) statt - in einem Kellerraum!  Und während ich mit Samu den Weg dorthin durch ein dunkles Labyrinth von Gängen lief, wurde mir klar: hier unten bleib er niemals alleine! Hier unten würde ICH niemals alleine bleiben!  Hier erwartete uns auch keine wilde fröhliche Kindergruppe, stattdessen saß da noch ein einsamer Vater, von seiner ängstlichen Tocher fesgeklammert, auf dem Sofa. Ein Leidensgefährte. Wir sahen uns in die Augen uns wussten: hier kommen wir nicht wieder raus, ohne unsere Kinder. Und während oben die Predigt gehalten wurde, auf die ich mich so gefreut hatte, saßen wir im Keller und spielten die Geschichte vom verlorenen Schaf nach. Mäaaah. Ich hätte heulen können, so frustriert war ich. Und so hungrig.

Wahrscheinlich war das dann der Grund, dass ich mich ein paar Tage später, trotz absoluter Müdigkeit, auf den Weg zu einem Abendgottesdienst gemacht habe. Meine Schwester hatte mich begeistert informiert, dass dort ein wunderbarer Gastprediger aus Amerika sein würde, der auch immer wieder direkte Worte von Gott für die Zuhörer bekommt.  Eigentlich stehe ich gerade nicht so auf amerikanische Gastredner. Aber ich war hungrig! Und sowas von bereit. Jesus, wenn du mir was sagen willst - hier bin ich! Bring it on!!!  Die Gruppe war auch nicht so groß, also rechnete ich mir gute Chancen aus mit einer Prophetie in der Tasche nach Hause zu gehen. Allerdings saß ich direkt hinter einem Pfosten, so dass ich den Prediger nicht sehen konnte - und der sah mich natürlich auch nicht! Mein Schwager, der zwei Plätze neben mir saß, NICHT hinter einem Pfosten, bekam eine ermutigende Botschaft. Ich gönne es ihm. Ehrlich. Aber ich bin schon ein bisschen deprimiert nach Hause gefahren (und tröstete mich mit dem Gedanken: wenn das ein echter Prophet gewesen wäre, hätte er mich durch den Balken hindurch gesehen! Haha.)

Und dann war ich am Samstag bei meiner Mutter im Schwarzwald. Was ich nicht wusste: in meiner Heimatkirche, direkt neben meinem Elternhaus, war an diesem Samstag ein Tagesseminar mit Johannes Hartl. Einer meiner Lieblingsprediger! Die Kirche stand offen, jeder konnte dazukommen. Aber ich wusste: mit Samu zusammen macht das keinen Sinn (und meine Mutter ist leider nicht mehr so fit, dass sie ihn alleine beschäftigen könnte) Also ging ich mit meinem Sohn auf den Spielplatz, mit der Bibel in der Tasche, und war dort mit Sicherheit die frustierteste Mutter der Welt!!! 
Ich weiß, alles nicht so dramatisch. Und - dass ihr keinen falschen Eindruck bekommt: ich renne normalerweise nicht ständig irgendwelchen "wichtigen" Christen hinterher. Überhaupt nicht. Aber manchmal staut sich in mir so ein Hunger nach Gott an und ich habe das Gefühl ich finde ihn einfach nicht.  Oder ich sitze hinter einem bescheuerten Pfosten und er sieht mich nicht!

Gestern habe ich dann in unserer Gemeinde gepredigt. Seit langem mal wieder. Über die Geschichte wie Maria und Joseph ihren 12-jährigen Jesus verloren hatten und drei Tage lang (!!!) nach  ihm suchen mussten, bis sie ihn wiederfanden. Ich predigte darüber wie wir Jesus "verlieren" können und ihn manchmal einfach nicht finden und uns fragen wann und wo wir ihn zum letzten Mal gesehen haben. Und während ich gepredigt habe, hat mich so eine unglaubliche Sehnsucht nach Jesus erfasst! Es war, als hätte GOtt die ganzen Tage zuvor trockenes Holz in meinem Herz aufgeschichtet um jetzt einmal kurz reinzupusten und das Ganze zum Brennen zu bringen. Alles in mir war Sehnsucht. Alles was ich sagte war so voller Hunger. Nach der Predigt war ich naßgeschwitzt, wie nach einem 1000-m Lauf!
 Und dann feierten wir gemeinsam das Abendmahl. Ich nahm den Traubensaft und das Brot aus den Händen meiner Weggefährten und es hat so wunderbar geschmeckt, als hätte ich seit drei Wochen nichts gegessen. An dieser kleinen Tafel hat Gott mich leise lächelnd wieder satt gemacht.

Ich glaube manchmal braucht Gott uns hungrig. Manchmal nimmt er unsere ganze Verzweiflung. Unser Warten. Unsere Sehnsucht. Unseren Frust. Manchmal lässt er es zu, dass wir hungrig von seinem Tisch aufstehen, dass wir hinter Balken sitzen und in einem Kellerloch feststecken und nur noch "Mähhh" rufen können. Und dann wird unsere Sehnsucht irgenwann zu Feuer, weil er mit seinem Geist in unser Herz bläst.  Und dann findet er uns wieder. Und macht uns satt. Alle zusammen. Mit nur einem kleinen Schluck Saft und einem Brocken Brot.(und dass ICH von so etwas satt werde ist wirklich ein Wunder!)

An alle Mamas, die hungrig auf den Spielplätzen der Welt sitzen: Das ist besonders für euch!!!!  Gott vergisst uns nicht. Am Ende ist er IMMER der Gott der uns sieht. Und der uns, manchmal nach langem Warten, wieder satt macht. Und dazwischen segnet er uns mit Sehnsucht....


Dienstag, 21. Februar 2017

Höhenluft und Friede

Seit gestern Abend regnet es - eine Wohltat für die Natur und die feinstaubverschmutzte Luft in Stuttgart! (und ich hoffe mein Kopfschmerz, der mich seit Tagen plagt, wird auch mit "abgewaschen")

Letzte Woche war noch strahlendes Wetter und Heio hat mich überredet mit ihm auf die schwäbische Alb zu fahren. Er wollte einen Golfgutschein einlösen und er meinte ich könnte mal wieder zu meiner Lieblingsbank, "meinen Ort" an den ich jahrelang regelmässig kam um zur Ruhe zu kommen und auf Gott zu hören. Aber das hat schon länger nicht mehr geklappt. Das letzte Mal ist tatsächlich schon zwei Jahre her! (ich habe hier darüber berichtet) Aber jetzt: die Chance! Widerwillig bin ich mitgefahren. Es gibt schließlich so viel zu tun! Eigentlich kann ich mir so einen Ausflug doch gar nicht leisten, dachte ich. Auf der Fahrt drängelten in meinem Kopf sämtliche Wichtigtuer um mir zu sagen, dass das doch gar nicht geht. Dazu kam ein Streitgespräch mit Heio (ich kann so gemein sein, wenn ich innerlich angespannt bin!) und ich wollte am liebsten wieder umkehren. 
Nachdem ich Heio am Golfplatz abgeladen hatte fuhr ich zum Breitenstein und schrieb auf dem Parkplatz erstmal eine Entschuldigungs-SMS an den Mann. Dann lief ich zum Albtrauf und - es war wunderschön! Der Ärger und die innere Unruhe fielen von mir ab. Ich atmete die frische Luft, genoß den Ausblick und lief bis zu meiner Bank, die dieses Mal sogar frei war! 




 Dann tat ich was ich immer zuerst tue: Vespern! (für alle Nicht-Schwaben: essen) Und dann: Nahrung für die Seele. Die Losung war so passend


Durstig, mühselig, beladen...alles das war ich.
Und dann erlebte ich, was ich nicht immer dort oben erlebe, aber worauf ich jedes Mal hoffe: Ein tiefer Friede. Wie eine innige Umarmung Gottes.  Mir liefen die Tränen übers Gesicht und ich konnte nur noch sagen: "Ach, du hast mir so gefehlt!" Und ich hatte den Eindruck genau das hat Gott auch zu mir gesagt.
Ich glaube Gott vermisst uns. Und - auch wenn wir das nicht immer so direkt spüren - wir vermissen Gott. Manchmal auch an den Orten, an denen wir ihn sonst immer gefunden haben. Manchmal sind wir ganz lange Zeit Getriebene, Suchende und Durstige. Und dann taucht er plötzlich wieder auf und schenkt uns ein bisschen von sich. Und wir merken was uns gefehlt hat.

Ich meine es war Augustinus der gesagt hat: 
 Gott gibt viele Gaben, aber vor allem ist Gott der, der uns Gott gibt.

Aber das erleben wir ja nicht immer. Manchmal ist er verborgen  in unserem Sehnen und Suchen nach ihm. Manchmal gehen wir an ihm vorbei, weil wir ihn nicht erkennen. Und dann schenkt er Momente, in denen er uns auffüllt wie ein leeres Gefäß mit Wasser. So einen Moment hatte ich auf  meiner Bank.  
Ich hab auf das Tal hinutergeschaut, den Dunst und die schlechte Luft in der ich mich sonst so bewege - oft so angetrieben, von Dingen die mir so wichtig scheinen, aber eigentlich nicht so wichtig sind. Ein sauberer Küchenboden zum Beispiel. Oder die Werbung für mein neues Buch.  Lass los und lass Gott - das hören Anonyme Alkohoiker ständig. Lass die Dinge los, die du sowieso nicht kontrollieren kannst. Menschen. Situationen. Befürchtungen. In der feinstaubverseuchten Luft Stuttgarts fällt mir das alles oft so schwer. Manchmal hilft es auf einen Berg zu steigen. Oder einfach in eine ruhige Gegend zu gehen. Jesus hat das ja auch immer wieder getan. Sich aus dem ganzen Trubel rausgezogen. (und wenn einer hätte sagen können: "Es gibt so viel wichtiges zu tun!" dann doch er!) Es heisst er zog sich in einsame Gegenden zurück um zu beten
Dazu schreibt Lauren Winner:

Was macht eine Gegend zu einer einsamen Gegend?
Eine Gegend einsam wie Jesus? 
Einsam wie ich?
Vielleicht kann ich meine Einsamkeit zur Einladung an Jesus machen,
dass er sich in mir zurückkzieht um zu beten.

Ein bisschen davon ist vielleicht dort oben auf meiner Bank passiert. Ich fuhr wieder zurück und mein Gebet war: "Jesus, lass diesen Frieden in mir nicht gleich wieder weg sein. Ich brauche dich so sehr." Unsere Gefäße sind so löchrig. Wir können die Begegnungen mit Gott eben nicht konservieren. Aber ich versuche weiter kleine Schlücke im Alltag zu trinken. Lass los und lass Gott. Ich hoffe, dass er sich in meine einsamen Gegenden zurückzieht um in mir zu beten. Dass ich spüre, wenn ich ihn vermisse. Und dass er mir immer wieder mal ein wenig von sich schenkt.
So versuche ich im Tal zu leben. Bis die Sehnsucht mich wieder auf den Berg zieht. 
Ich kann es mir einfach nicht leisten, nicht ab und zu dort hinzufahren...

 

Samstag, 18. Februar 2017

Richtung Tagesanbruch

 Das habe ich heute in dem wunderbaren Buch von Lauren Winner (still; notes on a midfaith crisis) gelesen. Sie erzählt:
Eine Kirche in Raleigh lud mich ein um ein wenig über meine christlich- jüdischen Wurzeln zu berichten...Nach dem Vortrag kam eine Frau auf  mich zu und meinte, dass sie uns um die jüdische Art die Zeit zu berechnen beneidet; wie bei uns die neuen Tage immer schon nach Sonnenuntergang anfangen; wie der Sabbat am Freitagabend beginnt und wie auch alle Feiertage ihren Anfang am Abend vorher nehmen.
"Mein geistliches Leben fühlt sich an wie ein jüdischer Tag ", sagt sie zu mir. " Ich bewege mich vom Dunkel in Richtung Tagesanbruch.                          (frei übersetzt)
Daran will ich denken wenn wir heute Abend auf dem Küchentisch unsere Kerze anzünden. Wenn es dunkel wird, feiern wir dem neuen Tag entgegen!

 Shabbat Shalom euch allen!!!  




    

Montag, 13. Februar 2017

Nimm Platz!

Vor einigen Tagen habe ich mich mit Samu auf den Weg zum Kinderturnen gemacht. Es findet in seiner zukünftigen Schule statt und wir dachten, es wäre schön wenn er da vielleicht den einen oder anderen kennenlernt, der dann auch in seine Klasse kommt. Ich gehe nicht gerne in Gruppen, in denen sich die Kinder und Mütter schon seit Jahren kennen. Meistens fühle ich mich da völlig fehl am Platz und habe das Gefühl die anderen Mütter wollen lieber unter sich bleiben. (die Müttermafia lässt grüßen!) Und dann auch noch das: Die Turnlehrerin redet davon, dass eigentlich kein Platz mehr frei ist und wir uns mit der Anmeldung reingemogelt haben und überhaupt - wenn die Kinder nicht schon ab dem zweiten Lebensjahr dabei sind, gibt es keinen Platz mehr. TOLL. Ich weiß, sie ist wahrscheinlich einfach gestresst und deshalb so unfreundlich - aber ich fühle mich bestätigt, dass hier kein Platz für uns ist. Will den Rückzug antreten, sehe Samu glücklich in der Kindergruppe sitzen und weiß, dass es hier nicht nur um mich und meine Komplexe geht. Großzügig macht die Turnlehrerin eine Ausnahme für uns. Ich fühle mich total gedemütigt. Zuhause versuche ich mich zu beruhigen. Sitze auf dem Sofa mit klopfendem Herz und Tränen in den Augen und frage Gott: "Was ist nur los mit mir? Warum nimmt mich das so mit?"

Es gibt Menschen die zuversichtlich ihren Platz in der Welt einnehmen und mit ihrem ganzen Wesen verkünden: Platz da, ich komme!" (und die werden das hier wohl kopfschüttelnd lesen) und dann gibt es diejenigen von uns die es brauchen, dass man sagt: "Nimm Platz! Schön, dass du da bist." Das hat viel mit unseren Geschichten zu tun. Meine fängt damit an, dass ich denke, dass ich mich hier reingemogelt habe. Nachgerutscht, weil noch ein Platz frei wurde. 

 Aber auch  wir dürfen lernen, dass wir eine herzliche Einladung ins Leben haben.

Gott wollte, dass ich dabei bin und er wollte, dass du dabei ist.

Er hat die Erde tatsächlich auch für uns gemacht. 

Wir sind seine geliebten Menschenkinder und wir dürfen unseren Platz einnehmen.


Genau das sagt Jesus seid einiger Zeit ganz oft zu mir: Christina, nimm Platz!
Auch letzte Woche, auf dem Autorentreffen in Kassel. Nein, nicht auf dem "Auto-renn-treffen" wie eine Freundin das zu meiner größten Erheiterung versehentlich gelesen hat! :-) Es war das Redaktionstreffen von Joyce zu dem ich eingeladen wurde und auch hier habe ich mich gefragt: Bin ich hier richtig? Was kann ich denn dazu beitragen? Ich habe mir aufgeregt einen Platz an der Tafel gesucht, habe zugehört und ein bisschen etwas von meiner Geschichte beigesteuert. Am Ende war es einfach schön dabei zu sein und ganz wunderbaren Frauen zu begegnen (auch wenn es sich teilweise tatsächlich ein bisschen wie übers Eis schlittern angefühlt hat).

"Nimm Platz!", flüstert mir Jesus zu - in vertrauten Runden und da wo es ein bisschen mehr Mut braucht und auch da wo wir nur genervt dazugewunken wurden, weil wir nunmal schon da sind.  
Nimm Platz
  • wenn ich fürchte, dass sich unsere Mitbewohner ärgern, weil sie über unsere Schuhe im Hausgang stolpern 
  • wenn ich mit meinem Platz-da-ich-komme-Sohn an einem ruhigen Ort auftauche
  • wenn ich in einem Gespräch den Schmerz von anderen höre und dabei vergesse meinen eigenen Teil auf den Tisch zu legen
  • wenn ich mich über die paar Kilos zuviel auf den Rippen ärgere und nicht anerkennen will, dass ich gerade genau diesen Raum brauche, um im Alltag standhaft und verwurzelt zu sein
 Das Leben braucht Raum und es hat die Tendenz sich auszubreiten das habe ich am Samstag bei unserem Wilhelmabesuch mal wieder gesehen.


diese schönen Flügel brauchen Platz!


und der freut sich einfach, dass er in seinem Element sein darf!
manche hätten vielleicht gerne mehr Platz...

und dieser Kerl, hatte vorher definitiv zu wenig Platz!

 Du und ich, wir sind willkommen auf diesem blauen Planeten. Er ist auch unser Zuhause. Ja ich weiß, der Himmel ist mein wahres Zuhause und alles das - und doch: die Erde hat Gott für uns Menschen gemacht. Und ein Mensch, das bin ich. Und das bist du auch. Und deshalb dürfen wir den Platz nehmen, den unser Leben nunmal so braucht. Und wo für andere Platz ist, ist auch Platz für uns. 
 Nicht erst dann, wenn alle mir freudig entgegenlaufen.
 Nicht erst wenn die Mütterclique mich gnädig dazuwinkt.
 Nicht erst wenn mich in einer neuen Gruppe endlich jemand anspricht. 

Wir brauchen keine Extraeinladung. Derjenige, der alles hier geschaffen hat, der heisst uns willkommen!

Und an seiner Tafel wird immer ein Platz für uns freigehalten. Unser Gastgeber strahlt uns über den gedeckten Tisch an und sagt: " Wie schön, dass du da bist. Setz dich. Shalom mein Kind. Friede sei mit dir." Jeder bewusste Moment bei ihm macht mich ein wenig zuversichtlicher und heiler. 



Und wenn Jesus mich gesund geliebt hat, dann werde ich in einer Situation wie letzte Woche in der Turngruppe einfach fröhlich sagen können: "Was für ein Glück, dass wir uns hier noch reinmogeln konnten. Danke! Und ihr wisst ja gar nicht was ihr für ein Glück habt, dass wir dabei sind."  :-)