Mittwoch, 5. Juni 2019

Gesegnet

Es sind die letzten Schultage vor den Pfingstferien. Dann geht es, wie jedes Jahr, auf die Gemeindefreizeit und danach steigt der Umzug. Auf einmal geht alles ganz schnell. Eigentlich wollte ich noch einige "Dankbarkeitsrunden" machen: Ein letztes Mal auf meine Lieblingsbank im Killesbergpark. Nochmal zur Lieblingspizzeria und zur Eisdiele. Eine Abschlußrunde über "meine" Felder, vertraute Wege nochmal gehen. In den Weinberg radeln und nach dem kleinen Kreuz suchen das ich dort immer wieder in schwierigen Momenten aufgestellt habe  und dann dankbar wieder zurückgekommen bin, weil Jesus so wunderbar durchgeholfen hat. Aber weil das Knie gerade nicht mitmacht, und die Zeit dafür wahrscheinlich sowieso zu knapp wäre, mache ich stattdessen heute mit euch meine  kleine "Dankbarkeitsrunde" durch unsere Wohnung:

Vor 10 Jahren kam ich hier mit Heio an. Aufgeregt. Unsicher ob ich es mit meinem 40 Jahren als Single aushalte, einem anderen Menschen so nah zu sein. Schlafen können wenn etwas neben mir atmet...Und: Wird er es mit mir aushalten? Er hält es aus. Gott sei Dank!  Was für ein Geschenk ist dieser Mann für mich! Auch Herausforderung. Aber vor allem ganz viel Segen!



Und vor acht Jahren haben wir dieses großes Geschenk vorsichtig auf unserem Sofa abgelegt - das nun bald auch ausgedient hat und ein neues Zuhause bei einem Freund findet (also das Sofa, nicht das Kind!).


Auch hier: Herausforderung. Nächtliches auf und ab laufen im Schlafzimmer mit schreiendem Kind (und wenn er dann  zwischendurch mal kurz ruhig war konnte ich nicht schlafen weil ich dachte es atmet nicht mehr! ;-) Gruß an alle jungen Mamas- die Zeit geht vorbei!!!!).  Müde Mamatage und so viel Segen! Ich weiß nicht mehr in welchem Buch ich diesen Satz gelesen habe, aber er drückt meine Überwältigung in diesen ersten Jahren mit Samuel am besten aus:
Manchmal schaue ich mir selbst beim Mama sein zu wie durch ein beleuchtetes Fenster von der Straße aus und kann es kaum fassen, dass ich es bin!
Die Freude darüber hält bis heute an (auch wenn ich am Anfang NIE gedacht hätte, dass mich dieser kleine Mensch auch mal so zur Weißglut bringen kann! )








Und in dieser Wohnung bin ich nicht nur Mutter geworden sondern auch Autorin. Beides ist gleichermassen unfassbar für mich. In meiner kleinen Ecke im Wohnzimmer durfte ich viele Vormittage damit verbringen Geschichten aufzuschreiben. Und da gibt es tatsächlicih Menschen die sich Zeit nehmen um sie zu lesen - was bitte ist das für ein Segen!



An der Haustür habe ich das Kind zum ersten Mal zur Schule verabschiedet und hier hat mich auch Heios Umarmung empfangen nachdem mein Papa nach schwerer Krankheit zu Jesus gehen konnte; und auch nachdem ihm meine Mama im letzten Jahr gefolgt ist. Und ich habe meinen Mann gehalten als sein Vater ganz plötzlich gestorben ist. Verabschieden. Tränen. Einander festhalten, trösten und loslassen. Das gehört auch zu dem vollen Leben, das wir hier hatten. Auch die Streitigkeiten über die meist kleinen Dinge und das Versöhnen und sich gegenseitig etwas von der Gnade schenken, die einem selbst ständig gewährt wird.


In unserem Wohnzimmer haben wir ganz viel miteinander gespielt. Wie dankbar bin ich, dass wir so viel Zeit zusammen hatten! Ein alter amerikanischer Pastor sagte mir einmal den Satz: "The familiy that plays together, stays together." Ob das immer so stimmt weiß ich nicht. Aber das gemeinsame Spielen ist etwas, was unseren Alltag auf jeden Fall bereichert und ganz bestimmt ein Teil von Samuels Kindheitserinnerungen sein wird.

 
Vielleicht wird er sich auch daran erinnern wie wir zusammen durch die Küche getanzt sind, in der wir viele Gläser verschüttet und  Geschichten erzählt haben und wo ich tatsächlich kochen gelernt habe! Bis zu meinem 40.Lebensjahr konnte ich ungefähr drei Gerichte (Fertiggerichte). Heio hat mir gezeigt, dass kochen tatsächlich auch Freude machen kann. Und essen sowieso! (aber das wusste ich vorher schon)



Immer wieder hat uns auch unser Garten versorgt. Das lag vor allem an den Männern des Hauses, die gepflanzt und gegossen haben. Und Gott hat wachsen lassen.



Kartoffelernte aus der Wäschetrommel!

Und wie viele Feste durften wir in unserem Garten feiern, wie viele wunderbare Menschen bewirten!
 






Unsere Wohnung.  Zuhause in den letzten Jahren. Am Ende der Pfingstferien werden wir unserem Nachmieter die Schlüssel überreichen. Wir werden mit ihm noch einmal einen letzten Rundgang durch Zimmer machen. Er wird nur leeren Räume sehen. Ich sehe unser Leben. Zehn Jahre für die ich so unglaublich dankbar bin.
Den Schlüssel zu unserer neuen Wohnung bekommen wir schon nächste Woche. Wir wollen dort mit der Familie noch zusammen in den leeren Räumen frühstücken. Auch sie haben dort ihre Geschichten gelebt. Zum Abschied wollen wir noch bitten, dass sie uns segnen (wie schön wenn man in die Wohnung einer wunderbaren Pastorenfamilie ziehen darf!). Und wir wollen sie segnen, bevor sie in den Umzugswagen steigen und sich auf den Weg in ihr neues Zuhause machen.
Abschiede und Neuanfang. Blick zurück, auf das was war, und nach vorn, auf das was wohl noch vor uns liegt. Alles das liegt in diesen Tagen. Und das Bewusstsein, dass unsere Geschichten verwoben sind in die eine große Geschichte eines Gottes der sich entschieden hat bei uns zu wohnen und mit seinen Menschen unterwegs zu sein. Dass ER da war, da ist, mitgeht, uns entgegenkommt und dabei bleibt, in all den Jahren die noch vor uns liegen -  DAS ist wohl der allergrößte Segen!


Mittwoch, 29. Mai 2019

Günstige Zeit

Unser Alltag fühlt sich im Moment so richtig provisorisch an. Wir sitzen beim Frühstück am wackligen Plastiktisch, stolpern über die Umzugskisten ins Bad, waschen uns mit diesen lächerlich kleinen Urlaubsversionen von Duschgel und Shampoo und ich staune wie viel größer die Räume wirken wenn die Bilder von den Wänden sind. Und wie viel Staub sich in den Ecken so ansammelt, über die Jahre.
Samuel ist krank Zuhause und ich habe mir mein Kreuzband gerissen. Das ist ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt. Andererseits gibt es wohl nie ein günstiger Zeitpunkt für solche Dinge, oder? Wo ich mal wieder an die Bibelstelle denken muß wie Paulus uns auffordert die Zeit auszukaufen - sprich, zu erkennen was JETZT, in dieser Zeit meines Lebens günstig ist.  Da fallen mir spontan diese Dinge ein:

  • Bein hochlegen und dem kranken Kind Geschichten vorlesen




  • Lieblingsessen kochen. Stärkende Mahlzeiten mitten im Chaos




  • Abschiede bewusst feiern und Nachbarn dankbar verabschieden

egal welches Wetter!


  • Sich segnend veraschieden lassen.


  • Ein bisschen näher zusammenrücken



  • Im "Provisorischen", den kleinen Übergangslösungen von wackligem Tisch und Klappstühlen, von nicht mehr so richtig  hier aber auch noch nicht dort , mich daran erinnern lassen, dass wir unterwegs sind und bleiben und dass unsere Wohnungen nur Gasthäuser auf dem Weg zur Heimat sind. 


 Habt gesegnete Tage! Schön, dass wir zusammen auf der Reise bleiben!

Dienstag, 21. Mai 2019

Roter Teppich

( Blogpot enthält links und nicht beauftragte Werbung)

Das vergangene Wochenende wurde, völlig ungeplant, zu einem kleinen Fan-Wochenende.
Am Freitag war ich auf der CD-Release Party meiner Freundin Sally. Ich musste zwar etwas schlucken als sie mir sagte, dass sie erst kurz vor Zehn ihren Auftritt hat - ich konnte die Frage: "Morgens oder Abends?" noch rechtzeitig zurückhalten. Ich hab mich also recht müde auf den Weg gemacht (und NICHT den Schlafanzug schon drunter gezogen) und es war ein tolles Erlebnis. Es ist schön die Freundin so lebendig zu sehen! Auf der Bühen sieht das alles so einfach aus.  Aber ich weiß, dass der Preis den sie dafür zahlt, auch ziemlich hoch ist. An diesem Abend feiere ich meine Freundin und ihre Gabe, Menschen zum Tanzen zu bringen.


Am nächsten Morgen ging es gleich weiter zu einer Lesung von Veronika. Wie schön war das, mit Kaffetasse und Brezel in der ersten Reihe zu sitzen, und die Freundin anzustrahlen. Ich liebe ihre Art Geschichten zu erzählen. Ehrlich, lustig und so, dass sie ins Herz sprechen. Das hat mich vor Jahren damit ermutigt, meine eigenen Geschichten zaghaft aufzuschreiben.


Und dann habe ich am Sonntag noch meine Freundin Tanja dabei beobachten können wie sie den roten Teppich ausgerollt hat. Es gibt Menschen die können das: Andere groß machen! Das Scheinwerferlicht auf die lenken, die am Rand stehen. Auf diejenigen, die heute noch nicht wissen dass sie morgen wunderbare Lieder schreiben,  Geschichten erzählen oder tanzen werden oder irgendetwas anderes finden, was sie innerlich ganz lebendig macht. Ihnen heute eine Bühne zu geben, das ist Tanjas Anliegen mit ihrem Verein Props. Und jedes Mal wenn ich sie dabei beobachte, treibt es mir die Tränen in die Augen. Es ist als würde Gott ein wenig an meiner Seele zupfen (danke für dieser schöne Ausdruck, Vroni!). Er erinnert mich daran, dass es Teil von dem ist, was wir Jesusliebhaber machen dürfen: Ein bisschen Raum schaffen. Für erste schräge Töne. Für holprige Tanzschritte. Für Bilder mit Farbkleksen am Rand und zaghaft erzählte Geschichten. 
Wir dürfen den roten Teppich ausrollen und zusammen Jesus willkommen heißen. Und wenn er dann tatsächlich auftaucht, mitten unter uns, manchmal gerade im Stolpern und Stammeln und unbeabsichtigten Farbkleksen, dann merke ich:  DAS ist es, was MICH lebendig macht!!!


 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Du schaffst das!

Heute morgen reibe ich mir die müden Augen und hoffe ich kann in der kurzen Zeit in der Samuel heute in der Schule ist etwas sinnvolles schreiben (die letzten zwei Stunden fallen leider aus  ;-)) . Das Leben ist gerade etwas überwäligend. In fünf Wochen steht unser Umzugstermin an. Das bedeutet: Ich sortiere seit Tagen unsere Sachen aus - und versuche mich auch brav, Marie-Kondo-mässig, bei jedem Gegenstand zu bedanken, bevor er wegkommt.  Langsam verschwinden auch schon größere Möbelstücke aus der Wohnung - Ebay sei Dank.  Gestern wurde unser wunderbarer Ofen weggetragen. Und in den nächsten Tagen wird auch die Küchenbank samt Tisch verschwinden. (ähh, wo werden wir dann eigentlich essen?) Ich finde den Gedanken schön, dass unsere alten Möbel nicht auf dem Sperrmüll landen, sondern in andere Wohnungen ein neues Zuhause finde. Und da sind ja auch die Dinge die wir aufbewahren und mitnehmen werden, die nun nach und nach in bereitstehenden Bananenkisten verschwinden. 
Samuel wird kommende Woche in der neuen Schule angemeldet. Er hat natürlich Angst. Und ich bin mit ihm aufgeregt. Aber ich will an das denken was mir meine kluge Freundin, die Grundschullehrerin, gesagt hat: "Es ist so wichtig, dass ihr Eltern euren Kindern auch etwas zutraut!"  Und das will ich. Ich will, dass Samuel das, bei allem Mitfühlen, aus meinen Worten hört:  Du schaffst das! Das weiß ich! Vielleicht nicht auf Anhieb. Und bestimmt werden Angstanfälle und Tränen mit im Programm sein. Manches wird schwierig. Manches wird anders. Und vieles wird auch so viel besser. Zum Beispiel wird sein bisheriges Problem, dass er seine Klassenkameraden in der Pause unter den vielen Kindern nicht finden kann, an der neuen Schule verschwunden sein. Es ist eine SEHR KLEINE Schule! Die neue Klassenlehrerin war ganz glücklich, dass noch ein Kind dazu kommt. :-)

Ja, es geht wirklich von der Stadt aufs Land. Und ich bin mehr als bereit dafür. Immer mal wieder schaue ich auf dem Handy das Foto an, das ich von unserem zukünftigen Balkon aus gemacht habe. Ach, ich freue mich schon so auf die Abende wo wir einfach dort sitzen und über die Felder schauen werden. (und keine laute Bundesstraße weit und breit!)


und die gemütliche Gartenlaube wird auch zu uns gehören!

Aber bis wir dort entspannt sitzen werden, gibt es hier noch einiges zu tun. Deshalb kann ich mich in den nächsten Wochen wahrscheinlich hier nur kurz melden. Ich werde versuchen meine - leider etwas kleine - Kraft gut einzuteilen, an den richtigen Stellen Nein zu sagen und nicht alles auf einmal erledigen zu wollen. Ich werde mir vornehmen barmherzig mit dem Mann zu sein, dem das weggeben von Dingen sehr schwerfällt (der sich aber die größte Mühe gibt!). Ich werde versuchen, meine Gedanken nicht nur mit Umzug und Pinterest-Bildern von Wohnungseinrichtungen zu füllen und bei IKEA keinen Kundenrekord aufzustellen. Ich nehme mir vor geduldig mit Samuel zu sein und ich will wenigstens einmal am Tag alles stehen und liegen lassen und gemeinsam mit ihm  auf den Fahrrädern ziellos durch die Gegend fahren. Einfach weil es wichtig ist, dass wir nicht nur effektiv unsere Tage verbringen. Zeit verschwenden ist ein ein völlig unterschätzter Bestandteil des Lebens. Finde ich.
Ja. Alles das will ich versuchen. Und ich weiß jetzt schon, dass ich in jedem dieser Bereichen auch grandios scheitern werde. Aber dann will ich daran denken was die Freundin zu ihren entmutigten Schülern sagt, wenn sie etwas nicht auf Anhieb hinbekommen: Sag nicht: Ich kann das nicht. Sag: Ich kann das noch nicht! (und mit so einer tollen Lehrerin an der Seite kann ich das auch tatsächlich glauben!) Das scheint mir ein wunderbarer Rat fürs Leben zu sein. Ein Satz der Mut macht Dinge weiter zu versuchen, auch wenn sie uns oft schwerfallen. Der selbstgesteckte Grenzen freundlich zur Seite räumt und uns Zeit zum Lernen gibt. (Angstanfälle und Tränen inbegriffen).  Ein Satz aus dem Barmherzigkeit tropft, der Raum für zweite Versuche gibt, für Versöhnungskuchen, heilige Bitte-hilf-mir-Gebete und für einen Neustart in der zweiten Hälfte unserer Tage. Es ist ein Satz hinter dem ich das Flüstern eines liebenden Gottes höre, für mich, für Heio und Samuel, für jeden von uns, der gerade vor Herausforderungen steht :

Ich trau dir das zu!  

Du schaffst das!  

Ein Tag nach dem andern. Eine Kiste nach der anderen. Ein Schritt vor den nächsten. MIt Gott an unserer Seite. Und dann, plötzlich, ist es geschafft.


Bewahren. 
Aussortieren. 
Loslassen.
Und danach 
den Staub aus den Kleindern schütteln,
den freien Raum betrachten,
und das Lächeln von den auffangen 
der Neuanfänge liebt.

(aus: Warum ich da noch hingehe)

 



Montag, 6. Mai 2019

Danke Rachel!

Gestern Abend habe ich nicht, wie sonst so oft, den Tatort eingeschaltet um entspannt den Sonntag ausklingen zu lassen.  Auf Heios erstaunte Frage was denn mit den heutigen Krimi los ist, habe ich nur geantwortet: "Ich glaube meine Seele braucht jetzt etwas anderes!" und schon bin ich draußen, um zügig eine Runde über die Felder zu drehen. Es ist der Tod einer meiner Lieblingsschrifstellerinen, Rachel Held Evans, der mich erschüttert und wegen dem ich nicht zu meiner Sonntagabend-Routine übergehen will. 
Erst in den letzten Wochen habe ich ihr neustes Buch Inspired gelesen. Darin schreibt sie über  ihr, oft etwas kompliziertes, Verhältnis zur Bibel und wie sie gelernt hat dieses Buch ganz neu zu lieben.  Bewegend, aufrüttelnd, teilweise unbequem, an manchen Stellen auch  anders als ich das sehe, und zwischendrin kamen mir immer wieder die Tränen weil ich den Eindruck hatte, Gott redet mir direkt ins Herz. Ein typisches Held Evans Buch eben.  Ich musste Sätze dick unterstreichen - obwohl ich das Buch doch verschenken wollte, ahh!
Und dann, Mitte April, schreibt ihr Ehemann Dan auf Rachels Blog, dass sie an einer unklaren Infektion erkrankt ist und man sie wegen ständiger Krampfanfälle ins künstliche Koma versetzt hat. Jetzt war es weniger die faszinierende Schriftstellerin, die ich manches Mal um ihre Gabe beneidet habe.  Jetzt war es einfach meine Schwester, und 37-jährige Mama mit zwei ganz kleinen Kindern, für die ich gebetet habe. Und am Sonntagmorgen postet ihr Mann die Nachricht, dass Rachel verstorben ist. So unfassbar. Wie ein Lauffeuer ging es durch die sozialen Medien. Es wird klar, wie vielen Menschen diese Frau, mit ihren Worten Mut gemacht hat. Heimatlosen und Suchenden im Glauben hat sie eine Stimme gegeben. Sie hat mit ihren eigenen Fragen und Geschichten ihre Arme so weit es ging ausgebreitet und ganz vielen von uns damit etwas von Gottes großem Herz gezeigt. 
Während ich gestern über die Felder lief, habe ich für Dan gebetet und die zwei kleinen Kinder, die ihre geliebte Mama auf dieser Erde nur noch in verschwommenen ersten Kinheitserinnerungen und aus Erzählungen kennen werden. Und ich sagte Gott wie verwirrend ich das alles finde und dass es mir Angst macht wie zerbrechlich unser Leben hier ist. (und wie sehr mir die Stimme dieser mutigen Frau fehlen wird!) Und ich stellte mir die Frage, was mein "Erbe" sein wird und was die Dinge sind die am Ende wirklich zählen. Ich ahne, dass es nicht so sehr die großen Dinge sind, die manchmal so erstrebenswert scheinen. Es sind eher die unscheinbaren, kleinen Saatkörner die wir treu und liebevoll in den Boden pflanzen auf dem wir stehen. Und am Ende ist es vielleicht einfach nur wichtig in wessen Umarmung wir uns flüchten.

Einer der Sätze aus Rachels letztem Buch der mich berührt hat ist folgender:
Die Kirche besteht nicht aus Menschen die alle das Richtige glauben. Sie besteht aus Menschen, die alle in die gleiche Geschichte verwickelt sind, mit Jesus im Mittelpunkt.
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/31TVyZwYrTL._SY200_.jpgDanke Rachel, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast! Mit ehrlicher Stimme. Drängend. Poetisch. Schön und aufwühlend. Zum Lachen und Weinen. Texte mit vielen Schlupflöchern für die Gnade. Du hast mich immer wieder daran erinnert, dass am Ende die Liebe zählt und wem wir die verwirrenden Passagen anvertrauen können; auch  die Kapitel die auf der Erde viel zu früh enden!
Deine Worte werden in mir nachhallen. Sie bleiben ständige Einladung sich in Gottes Arme zu werfen. Arme, in denen so viel Platz ist! Und sie erinnern mich daran, dass wir in eine Geschichte verwickelt sind, die so viel größer ist als unsere Eigene. Dafür bin ich von Herzen dankbar.



reposted von Rachelheldevans.com


Montag, 29. April 2019

Celebrate good times!!!

Montagmorgen. Eine volle Waschmaschine und ein Kopf voll mit Dingen die ich noch erledigen sollte und Gedanken und Geschichten die ich mit euch teilen will,  bevor Samuel wieder ungeduldig an der Haustüre klingelt um in die Küche zu stürmen, in der Erwartung auf ein Teller voller Essen (Kinder können so anspruchsvoll sein!). VOLL - so fühlt es sich gerade an. Prall und voll ist mein Herz. Ein Luftballon kurz vor den Platzen. Egal an welcher Seite man ihn ansticht: Es wird zischend eine große Menge Dankbarkeit entweichen. Darf ich ein bisschen Luft bei euch ablassen?
Ich bin so dankbar für den schönsten Geburtstag, den ich jemals hatte! VIelleicht musste ich 50 Jahre alt werden um ihn so genießen zu können. Um all das Gute anzunehmen, und den Segen aufzufangen. Vor einigen Tage habe ich einen kleinen Zettel entdeckt, auf dem ich vor längerer Zeit diesen Satz aus einer Predigt notiert habe, den Jesus vielleicht genau so an uns richten könnte:
Mein Kind, es fällt Dir so schwer dich von mir beschenken zu lassen. Darum fällt es mir so schwer durch dich zu handeln.
Diesen Gedanken finde ich spannend. Das beschenken lassen und das Handeln Gottes durch uns hängt miteinander zusammenhängt! Das konnte ich nicht immer so sehen. Andere beschenken ja. Gerne. Das ist schließlich Teil meiner Berufung als Jesusnachfolgerin. Schwere Zeiten geduldig zu ertragen - die Krisen, die mich in die Arme von Jesus treiben - das wurde mir schon früh beigebracht. Aber dieses beschenken lassen fiel mir immer schwer. (Besonders wenn ich nicht gleichzeitig etwas zurückgeben kann!) Und die gute Zeiten habe ich immer ein wenig misstrauisch in Empfang genommen, als hätte sich der Postbote in der Adresse geirrt. Lustigerweise hat es gerade an der Tür geklingelt. Ein Päckchen. Für mich! Doch. Da steht tatsächlich mein Name drauf!


Mit den Jahren lerne ich langsam, dass das beschenken lassen eine unglaublich wichtige Sache im Reich Gottes ist! Und Bescheidenheit ist nicht wirklich angebracht, wenn Gott Segen austeilt! Bis heute muß ich an Jan, einen jungen Holländer denken, mit dem ich vor vielen Jahren in einem Missionsteam von jungen, begeisterten Jesusnachfolgern in Dänemark war.  In den 14 Tagen, in denen wir zusammen unterwegs waren, gab es immer mal wieder die Gelegenheit sich segnen zu lassen. Die meisten aus unserm Team waren da ziemlich zurückhaltend. Wir waren schließlich am Start um diesem Land zu dienen. Und zu segnen. Nicht umgekehrt. Jan sah das anders. Er war immer der Erste der sich strahlend auf einen bereitgestellten Stuhl setzte und den wunderbaren Satz wörtlich nahm: Wo immer es Segen gibt: Kopf hinhalten! Und in meiner Erinnerung war es auch genau dieser junge Holländer, der in diesen zwei Wochen der größte Segen für unser Team  und eine kleine Stadt in Dänemark war. Jan hat mir die kindliche Freude gezeigt, mit der wir in Gottes Reich empfangen dürfen und sollen: Mit vollen Händen zugreifen. Um dann lachend, mit vollen Händen weitergeben

An meiner Geburtstagsparty - die übrigens die aller, allerschönste Geburtstagsparty meines Lebens war (habe ich das schon erwähnt?) habe ich meine besten Geschenke umarmt und noch viele weitere nach Hause getragen. Ich habe Segen aufgefangen so viel ich konnte. Es war wie ein Platzregen! Unfassbar viel Gutes!!!

zusammengetragender Reichtum!

viele wunderbare Menschen zum Umarmen und Anstoßen!

Freunde, die Musik machen...
Sisteract mit Dancing Queen!
Genießen und Segen aufnehmen...
we still dance!
was für ein Geschenk: mein Nähprojekt fertiggestellt - jeder Flicken eine Erinnerung!
Und ein Buch das mich vor Freude zum Weinen brachte...
...voll mit gemeinsamen Segensgeschichten! Ihr seid die Besten!

So viele unvergessliche Szenen! Und die Geschenke (und das neue Sofa den wir jetzt kaufen können!) sind bleibende Erinnerungszeichen an Gottes Güte in meinem Leben.
Und das Gute hört in diesen Tagen nicht auf: Wir haben eine wunderbare Wohnung bekommen! Nicht das erträumte alte Häuschen mit wildem Garten. Ein bisschen anders und doch genau das Richtige! Ein riesengroßes Geschenk auf dem unser Name steht. Wir haben schon ein paar Mal ungläubig nachgeschaut - aber doch: Es ist tatsächlich für uns! Es ist einer dieser Zufälle von dem in unserem Hochzeitsspruch  die Rede ist: Trachtet zuerst nach Gottes Reich und alles andere wird euch zufallen (Matth.9,33) Nicht das wir den ersten Teil immer so wunderbar befolgen - es ist eher der Wunsch und die Erinnerung in welche Richtung wir gehen wollen. Den zweiten Teil erfüllt Gott trotzdem unglaublich treu! In den nächsten Wochen könnt ihr mich hier bestimmt noch weiter beim Geschenke auspacken und Sachen zusammenpacken beobachten. Heute will ich einfach nur dankbar ausatmen. Es ist wahr:
There may be pain in the night, but joy comes with the morning!
Gott schafft Auswege. Und er schenkt Feste mit verheissungsvollem Vorgeschmack auf die beste Party die noch vor uns liegt. Egal wie Dunkel die Nacht - der Auferstehungsmorgen kommt!
Manchmal könnte man denken, dass sich Situationen nicht verändern. Dass man auf ewig in ruhig, seichtem Gewässer dümpelt und jeden Abend mit der Chipstüte auf dem alten Sofa verbringen wird. Und dann kommen unerwartet die Stromschnellen, bei denen man nur die Augen zukneifen und  sich kreischend dem wilden Auf und Ab überlassen kann und man staunend und nach Luft ringend in völlig neuen Gegenden landet (und das in meinem Alter! - und während dem ganzen Gewackel soll man auch noch ein Buch schreiben ;-)). 
Die ruhigen Sofazeiten sind hier erstmal vorbei. Gott hat ein bisschen Fahrtwind in unsere Richtung geblasen. Ich staune. Ich fange an zu packen. Ziemlich müde. Aber durchnässt mit Segen - von Kopf bis Fuß. 

Dienstag, 9. April 2019

Wovon man nie genug haben kann und Feste, die man feiern sollte

Blogpost enthält nicht beauftragte Werbung.

Also, um dieses sperrige Überschrift Schritt für Schritt abzuarbeiten: Wovon man nie genug haben kann sind Postkarten! Finde ich zumindest. Was man schon unschwer an unserer Klotür erkennen kann.



Und weil ich Postkarten so liebe, habe ich - zusammen mit einer Freundin, der wunderbaren Grafikerin Nicola Kühn, ein neues Postkartenset zusammengestellt. Das Set gibt es für euch, meine lieben Blogleser, in begrenzter Auflage für 9 Euro, inkl. Porto - leider nur innerhalb Deutschlands. (Was hat die Post international aufgeschlagen! Mannomann. Bin gestern am Schalter fast umgekippt!)




Das eine oder andere Foto kommt euch vielleicht bekannt vor und die Sätze sind den Geschichten von Blogeinträgen entnommen. Deshalb gibt es auch unten an der Karten den Hinweis auf die "Backstory". Die HIntergrundgeschichte. Die findet man dann hier (da könnt ihr auch die einzelnen Karten anschauen). Also verschenkt man mit der Karte auch eine kleine Geschichte, bzw. ein paar Gedanken dazu. 
Wenn ihr gerne so ein Set für Euch möchtet, dann schreibt mir eine kurze mail (chris.f@freenet.de) mit eurer Adresse. Überweisungsdaten stehen hier. Ihr könnt auch die Karten selbst zusammenstellen. Sollten am Ende halt 12 Stück sein. (mehr passen nicht in den Umschlag)


Vielleicht ist es ja ein nettes Ostergeschenk...
Ja, nächste Woche sind hier tatsächlich schon die Osterferien! Das bedeutet, dass es auf dem Blog wieder ein bisschen ruhiger wird. Ich kann so schlecht schreiben, wenn das Kind an meinem Stuhl hängt oder mit ohrenbetäubender Lautstärke seine Autos durchs Zimmer schiebt. Also werde ich den Bildschirm öfters auslassen und stattdessen Festvorbereitungen treffen. Denn es gibt einiges zu feiern.  Jedes Jahr aufs Neue: Wir werden wieder mit unseren Weggefährten am Karfreitag zu dem großen Kreuz auf den Birkenkopf laufen um dort Jesus so richtig danke zu sagen. Ich werde mir, wie im Jahr zuvor, überlegen ob ich es hinbekomme bis zum Ostersonntag zu fasten, und es wahrscheinlich wieder nicht schaffen (im Gegensatz zum konsequenten Mann). Und dann, am Sonntag werden wir wieder ein großes Osterbrunch am Familientisch in der Gemeinde auffahren und das Leben feiern. Dazwischen liegt Samus Geburtstag, dicht gefolgt von meinem.


Eigentlich wollte ich mich an diesem Tag irgendwo verstecken (mit Heio nach Paris oder ins Hallenbad nach Fellbach - Geburtstagskinder kostenlos!). Aber dann hab ich mich doch enschieden, dass ich hier bleibe und mich der Sache stellen werde:-).
Bei Donald Miller habe ich gelesen, dass gute Geschichten auch davon leben, dass man bereit ist unvergessliche Szenen zu schaffen. Szenen, an die man sich Jahre später mit einem Lächeln erinnert.  Weißt du noch? Damals?
Ich glaube Gott liebt es solche Momente für und mit uns zu gestalten. Momente wo wir uns erinnern. Momente in denen wir das Gute ein bisschen länger anschauen. 
Donald Miller schreibt darüber:
Manchmal müssen wir uns zwingen solche Szenen zu erschaffen. WIr müssen vom Sofa hoch und den Fernseher ausschalten; wir müssen die Schlauchboote aufpumpen und uns auf dem Weg zum Fluß machen. WIr müssen ein Gedicht schreiben und es persönlich abliefern. Wir müssen den Wagen von der Straße weglenken und den Berg hinauffahren. Wir müssen uns fein machen und auf Hochzeiten tanzen. Wir müssen Altäre bauen.
Das verstehe ich nicht als Aufforderung, ständig gestresst irgendwelche besondere Momente zu schaffen (das ist ja auch eine merkwürdige Erkrankung unserer Zeit). Aber es erinnert mich einfach daran, dass es gut ist, den den Blick vom Display zu nehmen und das Leben wahrzunehmen.
Für mich heisst es in den kommenden Tagen: Auf einen Berg wandern. Einen Ostertisch schmücken. Eine Girlande in die Küche hängen. Kerzen anzünden. Ein Wunder umarmen. Ein Fest planen, Freunde einladen. Gitarren stimmen und den roten Teppich für Jesus ausrollen. Altäre bauen. Dankbare Momente schaffen. Szenen auf die wir irgendwann lächelnd zurückblicken und sagen: "Weißt du noch? Wieviel Gutes gab es zu feiern. Immer wieder. Trotz mancher Tränen..."
Die Momente sind vielleicht ein bisschen wie Postkarten, die wir uns an die Klotüre hängen.  Ein Bild. Eine Erinnerung. Und eine "Backstory" dazu. Die Hintergrundgeschichte die uns an Gottes Treue erinnert. An seine Liebe. Die jedes Jahr aufs neue ein Grund ist, um zu feiern!