Dienstag, 12. Januar 2021

Ein gutes Ende

Heute fällt es mir schwer die Gedanken zum Schreiben einzufangen und der Reihe nach aufzustellen. Aber ich will es trotzdem versuchen. 
Samuel hat zur Zeit eine diebischen Freude daran sich leise hinter eine Tür in unserer Wohnung zu schleichen, um mich zu erschrecken. Heute, am frühen Morgen, hätte ich vor Schreck fast den Wäschekorb die Treppe hinuntergeschmissen als er mich so unerwartet, mit lautem "Buhh!" aus dem Flur ansprang. Und es kommt mir so vor als hätte mich dieses neue Jahr ähnlich angesprungen. In den letzten Tagen habe ich versucht meinen Herzschlag zu beruhigen und wieder gleichmässig zu atmen...ein und aus.... um zu begreifen:
Mein lieber Onkel, letzter Heimatmensch meiner Kindheit, ist nicht mehr da. Der Onkel, der mit meiner Oma ein Stock tiefer gewohnt hat, was dann einfach unsere erweiterte Wohnung war (und nicht zuletzt deshalb so attraktiv, weil dort ein Fernseher stand!), der Sportler, der meiner Schwester und mir das Skifahren beigebracht hat (leider nur mit mäßigem Erfolg) und einer der letzten wahren Junggesellen, die erst von der Mutter und dann von der Schwester (meiner Mutter) rundumversorgt wurden. Ein bisschen habe ich dann, nach dem Tod meiner Mutter, die Versorgung übernommen. In abgeschwächter Form! Ich musste immer etwas grinsen, wenn ich mich mich mit dem Bügeln seiner Hemden abgemüht und sie ihm dann, noch ziemlich faltig, in den Schrank gelegt habe. Er hat sich nie beschwert. War einfach dankbar, wenn wir da waren. Und ich war dankbar, dass er noch da war. Zuhause. 
Ich war auch immer ein wenig stolz auf meinen Onkel. Die Skiurlaube hat er mit weit über 80 Jahren nur deshalb  eingestellt weil - laut seiner Aussage - die "Jungen" nicht mehr mitkamen. (die waren auch schon Anfang 80!).  
Ab und zu hat sich die Sorge bei mir breit gemacht wie es wird, wenn er nicht mehr alleine kann. Wie wir das bewältigen werden. Was für Entscheidungen dann anstehen. Sorgen die umsonst waren. Wie das bei Sorgen ja  meistens so ist. Ach eigentlich sind sie doch alle umsonst. Würden sie was kosten, würden wir uns weniger davon machen. (Oh je, jetzt wisst ihr was ich meine mit: Gedanken einfangen). Auf jeden Fall habe ich nun vor wenigen Tagen, als wir gerade im Schwarzwald waren, meinem Onkel abends noch fröhlich zugerufen: "Schlaf gut! Bis morgen früh!" und am nächsten Morgen fand ich ihn tot in seinem Bett. Er durfte gehen. Einfach so. Mit 94 Jahren (und es hätte mich nicht wirklich gewundert, wenn er seine Skier auf die letzte Strecke noch  mitgenommen hätte)
Eigentlich kommt das Ende in diesem Alter nun wirklich nicht überraschend und doch: Ich glaube der Tod springt uns immer unvermutet an und erschreckt uns zutiefst. So zumindest geht es mir. Wenn ich gerade abends völlig müde ins Bett falle kommt es mir so vor als würde in mir drin ein Kind mit weit aufgerissenen Augen liegen, das sich weigert einzuschlafen. Weil es versucht die Tatsache zu begreifen, dass da ein vertrauter Mensch nicht mehr ist. Und dass der Tod sich einfach so anschleichen darf und "Buhh" macht und uns unsere ganze Zerbrechlichkeit vor Augen hält.  Neben der Trauer und dem Schrecken empfinde ich aber auch Dankbarkeit. Ganz viel Dankbarkeit. Dass sich mein Onkel einfach so still und heimlich verabschieden durfte. Und wir in seiner Nähe sein konnten.
 
Als meine Buchveröffentlichung im letzten Frühjahr wegen Corona auf diesen Januar verschoben wurde habe ich befürchtet, dass die Geschichten beim Erscheinen ihre Aktualität verloren haben. Und nun bin ich auf einmal wieder mittendrin: Im Wohnung auflösen. Im Abschied nehmen von dem Ort der mir hier auf der Erde zutiefst "Zuhause" war. Im Heimat finden und Himmel suchen...

Unter dem Stapel Dokumenten die mein Onkel aufbewahrt hat sind auch viele Bilder von ausgelassenen Feiern im Kreis seiner vielen Freunde, von unseren Weihnachtsfesten (bei denen wir - wie auch bei jedem alltäglichen Mittagessen-  immer alle zusammen am Tisch saßen) und  spannende alte Fotos von unserem Zuhause.
 
Das älteste Foto von unserem Haus

 
an Weihnachten mit dem Lieblingsonkel
 
 
Neben den Fotos fanden wir auch einen sorgfältig aufgeschriebenen Lebenslauf. Darin sind Stationen seines Lebens über die er mit uns, wenn überhaupt, nur sehr ungern gesprochen hat: Mit 17 Jahren in den Krieg. Gefangenschaft. Rückkehr in ein verändertes Zuhause. Ohne den Vater und den geliebten Bruder weitermachen (mit dem er eigentlich ein Architekturbüro eröffnen wollte)... Mir wird wieder einmal bewusst wie vielschichtig unsere Geschichten sind. Da sind helle und schöne Kapitel neben dunklen und schweren. Und irgendwann wird die letzte Seite aufgeschlagen. Und wir hoffen auf ein gutes Ende.

Mir scheint mein Onkel hat genau das bekommen: Ein gutes Ende. Und vielleicht liegt in unserem letzten Dialog, so banal er mir im Rückblick auch vorkommt, die größte Hoffnung:
"Schlaf gut! Bis morgen früh!"
 

Freitag, 1. Januar 2021

Nur Mut.

Ihr Lieben, ich möchte euch einfach kurz einen Neujahrsgruß schicken. Samuel ist gerade mit einem Bastelprojekt beschäftigt und in diesen Tagen heißt es: kleine Freiräume zum Schreiben nutzen:-).

Als ich gestern Abend mit Mann und Kind auf dem Balkon stand und das Feuerwerk bewundert habe (die russischen Partyfreunde hier am Ort haben mich nicht enttäuscht - ich wusste sie würden das Zeug irgendwie einschmuggeln!) wurde es mir ein bisschen bang ums Herz. Was wird wohl auf uns zukommen, im neuen Jahr? In das letzte Jahr sind die meisten von uns unbekümmert feiernd gestartet und dieses Silvester war nun alles anders.  Wir waren brav um acht Uhr Zuhause (hätten wir vor einem Jahr geglaubt, dass wir eine Ausgangssperre haben würden?) und saßen zu Dritt um unser großes Raclettegerät. Die wenigen Termine fürs neuen Jahr trug ich heute vorsichtig, mit Bleistift und Fragezeichen dahinter, in den Kalender 2021 ein. Das hat uns die vergangene Zeit gelehrt:  Pläne sind Schall und Rauch! Wir wissen so wenig was der morgige Tag bringen wird. Diese Tatsache so vor Augen geführt zu bekommen kann für uns kleine Menschen ganz schön beängstigend sein. Zumindest ging es mir letzte Nacht so. Ich habe versucht vor dem Einschlafen noch ein bisschen im letzten Buch der Bibel zu blättern, um mir zu versichern, dass am Ende doch alles gut ausgehen wird, aber ich bin irgendwo zwischen den Zornesschalen und der letzten Trübsal eingeschlafen. Das war dann auch nicht so beruhigend. 

Heute, nach einer starken Tasse Kaffee, habe ich mich dann erinnert was Gott zu Josua gesagt hat. Es klingt ein bisschen wie eine Neujahrsansprache für einen Mann, der ziemlich viel Angst hatte. Der große Mose war gestorben und hatte sie in der Wüste zurückgelassen und nun sollte Josua irgendwie diesen Karren aus dem Dreck ziehen. Vor ihnen lag das verheissende Land, das aber völlig unbekannt und angsteinflössend war und das Vorwärstgehen würde ihnen einiges an Mut und Kampfeswillen abverlangen. Dreimal sagt Gott in seiner kleinen aber gewaltigen Ansprache zu Josua: 

"Sei stark und sei mutig!

Und er fügt hinzu: 

"Ich werde mit dir sein! Ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen. Jeden Ort, auf den eure Fußsohlen treten - euch habe ich ihn gegeben."  

Und hier ist es, das Trostwort für uns alle, die sich ähnlich wie Josua fühlen: Ängstlich. Überfordert. Mit einer ziemlichen Aufgabe an der Backe und keinen wirklichen Plan wie es weitergehen wird. "Sei stark und sei mutig! Ich werde mit dir sein!" Und dann gehen wir los, noch ein bisschen mit zitternden Knien, in dieses unbekannte Jahr das vor uns liegt... mit Gott an unserer Seite.

 Und wenn die Angst kommt, dann krame ich aus dem Gepäck mein Jahreswort:  

 
 
Eigentlich sind es erstmal zwei Worte (genau deshalb habe ich auch das englische Wort genommen).
Fear less. Ich will mich weniger fürchten. Vor all dem ungewissen und vor dem was gewiss ist im neuen Jahr: Dass ich andere enttäuschen werde und ich Erwartungen nicht erfüllen kann, dass ich versagen und mich verrennen werde, dass die Nachbarn sich über das enegiegeladene Kind und die dreckigen Treppenstufen ärgern, dass mich Situationen überfordern und manche Kämpfe weit über meine Kraft gehen werden. 
"Stell dir vor wie wir leben könnten, wenn wir uns weniger fürchten würden?", schreibt der wunderbare Künstler Charlie Mackenzie. Darüber will ich in diesem Jahr nachdenken. Und dabei einfach einen Schritt vor den anderen setzen. Tag für Tag. Und vielleicht stehe ich am Ende dieses Jahres staunend auf neuem Land.  Fearless.

Gott wird mit uns sein. Soviel ist sicher.

Nur Mut!


 

 




 Habt ein gesegnetes neues Jahr!!!! 



 Und verratet ihr mir auch eurer Jahreswort?

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Stern auf den ich schaue.

Habt ihr das Überholmanöver gesehen? Am Montag ist Jupiter am Saturn vorbeigerauscht. Wie alle Planeten unsere Sonnensystems umkreisen die Beiden die Sonne  (was mir ehrlich gesagt bisher gar nicht so klar war!). Saturn benötigt dafür 30 Jahre während Jupiter die Strecke in schlappen 12 Jahren zurücklegt. Und da begegnen sie sich eben, so alle 20 Jahre. So nah wie an diesem Montag waren sie sich allerdings lang nicht mehr. Nah ist natürlich relativ- es liegen immer noch 700 Millionen Kilometer zwischen den Beiden. Aber im den Dimensionen des Weltalls ist das schon ziemlich nah. Und von unserer Erde aus kann man dieses Ereignis  sogar verfolgen, wenn der Himmel nicht bewölkt ist. Für einige Stunden formieren sich dann zwei Lichtpunkte zu einem besonders hellen Stern.  Alles das erfuhr ich am Montag aus einem klugen Zeitungsartikel. Darin stand auch, dass Experten ausgerechnet haben,  dass es zu so einem "nahen" Überholmanöver auch im errechneten Zeitraum der Geburt Jesu gekommen ist und vermutlich das Himmelsereignis war, das die drei Weisen auf ihren Weg Richtung Betlehem geschickt hat. Wie cool ist das denn?

Ich habe mich dann auch gleich am Montagabend auf den Weg gemacht um das Schauspiel am Himmel zu verfolgen. Ich verabschiedete mich von Heio mit den Worten: "Nenn mich Baltasar! Ich suche jetzt den Stern am Himmel!"  Der Mann erwiderte wenig beeindruckt, dass ich doch bitte meine Brille mitnehmen möge (nachdem ich kurz vorher schon gerufen habe: "Da ist der Stern!" und der herbeieilende Gatte mich aufgeklärt hat, dass es die Straßenlaterne am Dorfrand ist!). Also setzte ich mein Weltraumteleskop auf die Nase und stolpere Richtung Feld. Mit Adleraugen blickte ich aufmerksam Richtung Westen, um das Schauspiel ja nicht zu verpassen. Aber leider war der Himmel bewölkt und es fing immer stärker an zu regnen. Trotzdem blieb ich einfach stehen und schaute in den dunklen Nachthimmel. Mit verregneten Brillengläsern.  Und plötzlich überkam mich eine so große Sehnsucht nach Jesus! Dass er uns nah kommt! Nicht weltraum-nah, sondern menschlich-nah. Dass wir ihn sehen und anfassen dürfen und über sein Licht staunen können. Und während ich das hier aufschreibe kommt mir natürlich auch das Offensichtliche: Das ist an Weihnachten ja passiert! Und doch: es bleibt immer noch so viel Sehnsucht in unseren Herzen. Zumindest in meinem. Es ist immer noch so viel Warten im Dunkel. Manchmal fühle ich mich wie einer der drei Weisen der seit Jahren den Himmel absucht und die kleinsten Veränderungen in sein Logbuch einträgt und sich fragt ob das jetzt echt war, oder ob es vielleicht doch eher Richtung Straßenlaterne ging und das wahre Ereignis noch aussteht. Und manchmal fühle ich mich wie einer der Hirten, der einfach müde seiner Pflicht nachgeht und den Blick so gar nicht erwartungvoll Richtung Himmel gerichtet hatte.

Heute, ein Tag vor heilig Abend, bete ich für uns alle. Ich bete für diejenigen von uns, die voller Sehnsucht im Dunkel stehen und den Himmel absuchen. Und auch für diejenigen, die mit großer Erwartunge losgezogen sind und müde geworden sind auf dem Weg. Mögen wir kleine Zeichen im Dunkel finden, die uns Mut machen auf Spurensuche des fernen und nahen Gottes zu bleiben. Ich bete für die, die in diesen Tagen müde ihren Pflichten nachgehen, als Mütter und Väter, als Krankenpfleger, Kassiererinnen, Politiker oder Postboten. Und ich bete für alle die sich in diesen Tagen nach Heil sehnen. Möge ein offener Himmel und ein gewaltiges "Fürchtet euch nicht!" unsere Welt erleuchten.

Ach, komm Herr Jesus. Komm immer wieder. Erobere unsere Herzen, dass wir zu Jupiter und Saturn werden und auf unseren Bahnen nur noch um dich kreisen. Egal in welcher Geschwindigkeit. Egal ob wir das Gefühl haben dabei überholt zu werden. Vielleicht ist ja das der Moment in dem wir am hellsten zusammen strahlen können....

Treffen wir uns an der Krippe?

Platz ist genug. 

Gesegneten Weihnachen uns allen!!!!

Und DANKE! DANKE für euer Mitlesen💖 Für eure lieben Kommentare und mails💖Für die Zeit die ihr hier neben mir verbringt, um zusammen Richtung Himmel zu schauen💖 Eure Nähe macht es immer wieder ganz hell in mir. Was für ein Segen, dass wir zusammen unterwegs sein dürfen. Richtung Heimat.🌟



 

Dienstag, 15. Dezember 2020

Als ob!

Ihr Lieben,  wie geht es euch? Wie kommt ihr durch diese Zeit? Habt ihr noch den Mut und die Trotzkraft die diese Tage von uns fordern?
 
Vielleicht geht es euch ein bisschen so wie mir: Im Moment empfinde ich das Leben wie ein schwerer nasser Sack, der mir auf den Rücken drückt und jeden Schritt anstrengend und mühsam macht...
Da ist der zweite, dringend nötigte, Lockdown. Auch wenn mein Kopf mir sagt, dass es genau die richtige Entscheidung ist - mir graut vor dem drohenden Homeschooling und vor endlos langen Tagen, in denen das energiegeladene Kind beschäftigt sein will.
Und da sind die Überlegungen für ein Weihnachtsfest, das in diesem Jahr so anders sein wird. Gestern lagen wir noch lange wach (der Mann und ich) und haben überlegt: Wie machen wir es richtig? Den betagten Onkel wollen wir auf keinen Fall alleine lassen. Vielleicht ist es ja sein letztes Weihnachten! Aber wir wollen ihn auch nicht gefährden. Sollen wir singen? Zusammen am Tisch essen? Wie machen wir das bloß... Und was müssen wir heute noch schnell besorgen bevor morgen die Läden zumachen?
Ach, der anhaltende Krisenmodus macht müde und scheuert die Seele wund. Das spüren gerade so viele von uns.
Und es gibt ja nicht nur die Corona-Krise (auch wenn man das manchmal meinen könnte!). Da ist die Weggefährtin aus der Gemeinde, um die wir uns sorgen. Trotz aller Gebete wuchert der Krebs weiter und nimmt ihr immer mehr von ihrer Lebenskraft. Am Telefon berichtet sie mir, wie schwer gerade das Atmen wird, während im Hintergrund ihr Sohn, der ungefähr so alt wie Samuel ist, übers Sofa hüpft.
Dazu kommen die Nachrichten von überfüllten Flüchtlingslagern und dass  am Wochenende wieder einmal hunderte von Kinder in Nigeria entführt wurden und bisher jede Spur von ihnen fehlt!

Heute morgen,nachdem ich eine ganze Zeit lang müde in den trüben Himmel gestarrt habe, fiel mir ein Wort von Hans Joachim Eckstein in den Schoß:
Die vage Hoffnung stirbt zuerst.
Aber die begründete Hoffnung lebt als erste.
Es  war wie ein freundlicher Schubser Gottes, der mir sagte: Christina, jetzt tu doch nicht so als ob du keine Hoffnung hättest!  Als ob du nicht wüsstest, dass ich den Zerbrochenen nah bin und dass meine Liebe alle Angst vertreiben kann! Als ob ich nicht zu euch gekommen wäre, um euch zu erlösen!  Als ob du nicht meine Zusage hättest, dass ich alle Tage bei euch bin! Als ob dich irgendetwas von meiner Liebe trennen könnte! Als ob du noch nie etwa davon gehört hättest, dass ich am Ende die Tränen abwischen werde und kein Tod und kein Leid mehr sein wird!

Während ich das hier schreibe, geht draußen langsam die Sonne auf und ich merke: Ich habe so viel mehr als nur eine vage Hoffnung! Diese Tage fordern mich geradezu dazu auf, an der begründeten Hoffnung festzuhalten, mit derselben  Intensität wie ein aufsässiger Teenager diese Worte allem Unangenehmen entgegenschleudert: 

Als ob! 
 
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass diese zwei Worte die kürzeste Definition von Glaube sind. Das gefällt mir. In Zeiten in denen wir uns überfordert fühlen und so vieles auf uns einstürmt, dass wir schon müde sind bevor wir überhaupt den ersten Schritt in den Tag gemacht haben, könnte das eine angemessene Antwort sein. Vor uns hin grummelnd, trotzig, wütend oder mit einem leisen Lächeln vor dem Adventskranz sitzend. Es ist unser kleiner beharrlicher Widerstand in diesen Tagen. Gegen alles was uns bedrückt und erschrecken will!  Gegen den Geist der Angst und der Mutlosigkeit! Ein Zwei-Worte-Gebet für trotzig müde Jesusnachfolger:
 
Als ob!
 
Als ob wir keine Hoffnung hätten!
 
Als ob wir alleine wären und keinen hätten, den wir um Rat fragen könnten!
 
Als ob nicht die größte aller Lieben den Weg zu uns gefunden hätte!
 
Als ob Gottes Gnade heute nicht auch für mich genug wäre!
 
Als ob die Not und Kriege und  Corona und Boko Haram und der Tod das letzte Wort hätten!
 
Als ob. 
 




 
 
Und wenn ihr noch ein Weihnachtsgeschenkt braucht - jetzt wo die Läden schließen und man am besten Zuhause bleiben sollte: Wie wäre es mit diesem Gutschein für mein neues Buch, das am 18.1. erscheinen wird?
( Hier könnt ihr noch mehr zum Inhalt lesen)
 

 
 
Ihr könnt mir auch eine kurze Nachricht senden (an chris.f@freenet.de), dann schicke ich euch den Gutschein als PDF. Gern könnt ihr auch schon die Adresse angeben an die ich versenden soll und das Geld* vorüberweisen.  Falls ihr eine Widmung ins Buch wollt, bitte auch angeben. Ab dem 18.1. ist das Päckchen dann auf dem Weg und bringt hoffentlich noch ein bisschen mehr begründete Hoffnung ins neue Jahr! 
 
(*14.99 Euro plus Porto. D.h. bei einem versandten Buch dann insgesamt: 16,89, bei zwei Büchern: 32,18 und drei Bücher für grandiose 48,77 :-)).

Dienstag, 8. Dezember 2020

Auf ein Wort

Jetzt ist es raus! Dass Wort des Jahres 2020, von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewähl, heisst: Corona-Pandemie.  Zur Begründung wurde angegeben: Das Wort steht für das beherrschende Thema des Jahres. Da kann man leider nur zustimmen. Trotzdem war meine erste Reaktion: Wie langweilig! Da hätte man doch wenigsten ein Wort wie Geisterspiele, FFP 3 oder Lockdown nehmen können. Alles Worte die wir in diesem Jahr zu buchstabieren gelernt haben. Am besten hätte mir systemrelevant gefallen. Weil dadurch plötzlich klar wurde, wie wichtig die Arbeit von Menschen ist die jahrelang kaum beachtet wurden. Kassiererinnen, Altenpfleger und Virologen, zum Beispiel. Das Jugendwort 2020 ist übrigens "lost" (von den Jugendlichen selbst gewählt). Lost steht für ahnungsloses und unsicheres Verhalten. Und passt somit auch ganz wunderbar in dieses Jahr.

In dem Buch von Mike Ashcraft, das ich gerade lese, geht es auch darum ein Wort zu finden. Allerdings nicht am Ende des Jahres, sondern an Anfang. Es lag schon längere Zeit  auf meinem Nachttisch, meine Lektorin hat es mir geschenkt, und jetzt habe ich es glücklicherweise zur Hand genommen. Schließlich startet ja bald ein neues Jahr und ich will ein bisschen vorausschauend sein und mir nicht erst am letzten Tag des Jahres noch schnell ein Wort aussuchen, das ich dann nach wenigen Wochen schon wieder vergessen habe (was mir in diesem Jahr leider passiert ist!). In dem Buch habe ich nun  ein paar richtig hilfreiche Tipps für mich gefunden, wie ich mein Wort finden und über das Jahr besser behalten kann:

  • Überlege und rede mit Gott darüber: Welche Person möchte ich gerne werden? Welche Eigenschaften hätte ich gerne? In welchen Bereich möchte ich wachsen? Welches Wort löst Sehnsucht oder Freude in mir aus, macht mich neugierig oder fordert mich auf gute Weise heraus?
  • schreibe  eine Liste mit Wörtern die dir einfallen
  • kürze die Liste auf ein paar Wörter und schlage sie im Wörterbuch und der Bibel nach
  • entscheide dich für ein Wort auf der Liste
  • suche einen Bibelvers der etwas zu diesem Wort sagt und lerne ihn auswendig
  • schau nach einer Möglichkeit wie dir dieses Wort im kommenden Jahr vor Augen bleiben kann (z.B.benutze es als Computerpasswort, hänge ein Schild neben den Kühlschrank oder sag es einer Freundin und bitte sie, dich im Lauf des Jahres immer mal wieder danach zu fragen wie es läuft)
  • bitte Gott dir deine Sicht für dieses Wort zu erweitern und die Ereignisse im Lauf des Jahres immer wieder "durch die Brille deines Wortes" zu sehen.
  • schreibe deine Gedanken darüber auf. Vielleicht in ein kleines Notizheft oder Tagebuch, denn:  Es ist bitter, wenn Gott uns eine Erkenntnis schenkt, wir sie aber nicht aufschreiben, sie vergessen und uns nur noch daran erinnern, dass sie gut war. (JohnPiper)

Mike Ashcraft betont: Es geht nicht darum geht, dass wir uns selbst verändern, aber die Dinge mit denen wir uns beschäftigen prägen auch unser Leben. So wie die Beschäftigung mit der Pandemie in diesem Jahr auch vieles geprägt hat. Der Vorteil bei dem Wort, das ich mir wähle ist aber genau der: ICH WÄHLE es mir. Ich möchte, dass dieses Wort meine Tage im kommenden Jahr prägen und beeinflussen darf. Und - wie es die Sportler so schön sagen (oder war es Johannes Hartl?:-)): Fokus ist alles!


Also halte ich jetzt mal Auschau nach meinem Wort. Und heute morgen hat mich tatsächlich schon eins angesprungen:  Ich habe in der Bibel gelesen, dass wir Dankbarkeit kultivieren sollen. Bei Wikipedia habe ich nachgeschaut was kultivieren bedeutet: Die Schaffung und Aufrechterhaltung von Bedingungen die ein bestimmtes Wachstum ermöglichen. Hmmm, um das richtig zu verstehen müsste ich vielleicht ein Jahr lang darüber nachdenken. Es ist auf jeden Fall ein Kandidat für die Wörterliste!

In dem Buch berichtet Mike von einer Freundin die diese Ein-Wort-Aktion von Anfang an liebte. In dem Jahr als diese junge Mutter eine unheilbare Diagnose bekam wählte sie  Augenblick als ihr Jahreswort. Sie lernte ganz bewusst für jeden Augenblick dankbar zu sein. Das letzte Wort, das sie gewählt hat war: beenden. Sie wollte ganz bewusst Dinge klären und ihr Leben auf dieser Erde zu einem guten Ende bringen. Was sie dann auch getan hat.
Dieses Beispiel hat mich sehr berührt. Weil es noch einmal mehr etwas darüber sagt, wie kostbar die Zeit ist, die wir geschenkt bekommen und wie gut es ist, wenn wir unsere Jahre ganz  bewusst wahrnehmen und wertvolles kultiveren (ich merke schon: das Wort gefällt mir :-)).  Natürlich geht das alles auch ohne die Ein- Wort-Aktion! Aber sie kann auf jeden Fall dabei helfen.  
 
Ich wünsche mir, dass mich nicht nur das prägt, was sich am Ende des Jahres als das beherrschende Thema in unserem Land herausstellt, sondern das, was ich mir am Anfang des Jahres, im Blick auf mein Leben mit Gott gewählt habe.

Habt ihr Lust mitzumachen? Es sind ja noch drei Wochen bis Jahresanfang. Also können wir ganz in Ruhe überlegen... 


Donnerstag, 3. Dezember 2020

Nachhaltig geliebt.

                                                                           (Blogpost enthält unbeauftragte Werbung)

Der Postbote hat sie vor einigen Tagen endlich gebracht: Die neue Zeitschrift anders leben.


Ich war schon ganz begeistert, als mir Melanie Carstens von der Idee erzählt hat, dass der Bundesverlag eine Zeitschrift auf den Markt bringen will, die eine Sehnsucht dieser Zeit aufgreift: Anders leben. Nachhaltig. Im Glauben verwurzelt und in der Gemeinschaft mit anderen. Wunderschön aufgemacht ist sie und schon beim Durchblättern war ich hingerissen! So viele verschiedene inspirierende Menschen, kluge Artikel und ganz praktische Ideen. Einfach toll!!! (kostenlose Verteilexemplare oder ein Probeabo könnt ihr auf der Homepage bestellen) 
Dazwischen ist auch ein kleiner Text von mir.  Ehrlich gesagt komme ich mir manchmal ein bisschen wie eine Hochstaplerin vor und ich denke: Wenn die wüssten wie schrecklich normal ich bin, wie ganz wenig anders und nachhaltig ich lebe - auch wenn ich mich immer wieder darum bemühe...Der Artikel dreht sich um die Winterruhe und beim Lesen war ich noch ein wenig mehr beschämt weil ich festgestellt habe: Ach ja, so wollte ich EIGENTLICH in diesen Winter und in die Adventszeit starten: Besinnlich. Früher Feierabend machen. Wünschen und Erwartungen eine Saatruhe gönnen. Dicke Bücher lesen. Die blaue Stunde am Abend genießen. Und beten. Nicht das getriebene schnelle Beten, sondern das Beten, das mich zur Ruhe kommen lässt. So habe ich das geschrieben.
Und jetzt ist er da. Der Winter. Sogar der erste Schnee ist leise über Nacht gekommen. Aber die Ruhe, die ich mir so gewünscht habe, hat sich  leider noch nicht eingestellt.  Der Alltag ist gerade so wenig leise und besinnlich. Eher voll und fordernd. Und wenn ich dann abends müde ins Bett falle, zerren so viele Gedanken an mir, dass ich noch lange wach liege und immer wieder das Nachttischlämpchen anknipse, um alles was ich heute vergessen habe auf einen kleinen Zettel zu notieren. Für den nächsten Tag. Der dann wieder seine eigenen Turbulenzen hat. 
 
Aber dann ist es mittendrin plötzlich doch da: 

Das dicke Buch, aus der Bücherei mitgebracht, das mich in eine andere Welt eintauchen lässt (dieser Titus Müller kann einfach Geschichten erzählen!!!!). 
 
Die Erwartungen, die ich loslasse. Meine Erwartungen nämlich, wie besinnlich diese Zeit zu sein hat und wie entspannt und dankbar ich durch diese Tage gehen würde. 
 
Die Stunde, die ich genieße. Nicht blau und auch nicht am Abend, sondern ein Vormittagsspaziergang mit der Freundin durch den Winterwald. Mit Chai und Plätzchen und warmen Worten, während sich mir die Zehnägel vor Kälte hochrollen.  
 
Das Beten, das mich zur Ruhe kommen lässt.  Während gestern Abend vier Jungs ein Stock höher die Wohnung auf den Kopf stellten, beteten wir, müde auf dem Sofa sitzend, mit einem Freund. Die Stille zwischen unseren Sätzen wurde immer länger. Und erstaunlicherweise wurde es im Rest der Wohnung auch ganz ruhig. Es war, als wären wir gemeinsam in eine sanfte Umarmung gefallen, aus der wir uns nur widerstrebend mit einem Amen gelöst haben. 
 
Immer wieder münden meine kleinen Alltagsgeschichten in diese Erkenntnis: Gott ist da! Nicht in dem Leben das wir gerne hätten. Nicht in unseren Vorstellungen wie es denn sein sollte und wie wir gerne wären.  Sondern in dem Leben, wie es uns geschieht. Jetzt und hier. Er begegnet uns, so wie wir sind. Manchmal so hippelig wie kleine Kinder, die voller Erwartung zum Adventskalender rennen und dann enttäuscht am Frühstückstisch sitzen, weil sich die dankbare Freude nicht einstellen will. Ach, Gott ist so wenig enttäuscht von uns! Er kennt doch unser Herz. Und ich glaube ganz oft wartet er einfach ab. Während wir unsere Zettel vollkritzeln mit allem was zu tun ist. Während wir durch den Alltag hetzen und die Sorgen immer mehr anfangen auf unsere Schultern zu drücken. Und dann, genau im richtigen Moment - wenn wir bereit dafür sind-  nimmt er uns den Rucksack von den Schultern. Er schenkt uns schöne Geschichten am Abend.  Er lädt uns auf einen Spaziergang ein, zeigt auf Winterbäume und Rotkehlchen und versorgt uns mit warmem Tee und guten Worten. Und wenn wir gar nicht damit rechen, zieht er uns einfach in eine stille Ecke, um uns zu umarmen. 

David hat es in seinem Gebet so wunderbar ausgedrückt
Güte und Treue werden mir folgen, an allen Tagen meines Lebens (Ps.23,6)
 
Wie nachhaltig  werden wir doch geliebt!!!!
 

 



Dienstag, 24. November 2020

Was könnte wachsen?

Dieses Jahr habe ich es tatsächlich geschafft: Bevor der erste Frost kam, habe ich ein paar Blumenzwiebeln in unseren Garten gepflanzt.  Bisher ist mir das meistens zu spät eingefallen. Ich bin grundsätzlich kein sehr vorausschauender Mensch. Ich vergesse den Regenschirm- trotz dunkler Wolken am Horizont, vergesse die Urlaubsplanung bis ich erschreckt feststelle, dass alle günstige Unterkünfte schon weg sind  und wenn ich für eine Lesung angefragt werde, die in mehr als einem Jahr stattfinden soll, bin ich immer etwas erschrocken. Wer weiß was bis dahin ist! Ob ich da überhaupt noch lebe? Nein. Ich bin nicht sehr vorausschauend. Deshalb hat mich das an der Coronakrise das am allerwenigsten getroffen: die Pläne, die sich nun zerschlagen. Weil ich, was über das anstehende Mittagessen rausgeht, grundsätzlich wenig feste Pläne habe. Oft schreibe ich meine Termine mit Bleistift im Kalender. Man weiß ja nie.... Aber wie ich gestern am Eingang von unserem Supermarkt den Stand mit Blumenzwiebeln sah, dachte ich plötzlich, ganz vorausschauend, an den Frühling! Und dass ich da so gerne diese kleinen traubenförmigen Blümchen in unserem Garten hätte, die auf den Packung abgebildet waren. 

Jetzt weiß ich auch, dass sie Traubenhyazinthen heißen. Ich mag sie vielleicht deshalb so gern, weil sie meine Mutter an meinen Kindergeburtstagen, zusammen mit ein paar Gänseblümchen, in einem Schnapsgläschen auf dem Frühstückstisch gestellt hat. Also keinen Schnaps - nur das Gläschen! (in den Schnaps wurden früher  im Schwarzwald nur die Schnuller getunkt - hat mir meine Oma mal erzählt. Was wiederum auch nicht ganz so vorausschauend war, aber immerhin: das Kind hat dann erstmal geschlafen) Auf jeden Fall: Ich habe mir so eine Packung Blumenziebeln gekauft. Samuel hat ja nur ein paar Tage vor mir Geburstag, dann kann ich ihm vielleicht im April auch so ein Sträußchen auf den Tisch stellen....

Weil ich keine geübte Gärtnerin bin studiere ich genau die Anleitung auf der Rückseite. Und ich bin gerührt. Da steht: Die Zwiebeln mit den Spitzen nach oben in Gruppen pflanzen. Wie süß ist das denn? In Gruppen pflanzen! Eine Traubenhyazinthe will nicht alleine aufwachsen. Sondern in Gesellschaft mir ihren Geschwistern. (Samuel würde an dieser Stelle ausrufen: Siehst du Mama, deshalb brauche ich einen Bruder!!!) Also pflanze ich sie vorsichtig, in kleinem Abstand in den Boden.


 

Und während ich so im Garten hantiere, und dabei den Anschein erwecke als wüsste ich was ich tue, kommt mir der naheliegende Gedanke, was aus dieser Jahreszeit, die wir gerade erleben, wohl wachsen könnte? Damit will ich die Coronakrise nicht schön reden! Sie ist der Auslöser für viel Leid und Verlust. Das ist mir sehr bewusst (in diesen Tagen sorgen wir uns um einen lieben Menschen, der auf der Intensivstation nach Luft ringt!) Und ich will uns auch nicht noch mehr Last aufbürden nach dem Motto: Jetzt müssen wir aber auch pflanzen und den Boden umgraben, wo viele von uns doch so unendlich müde sind - durch die Ungewissheit, die verschwundene Unbekümmertheit, durch Sorgen und Mehrbelastungen. Nein, diese Zeit ist wirklich nicht einfach. Und doch ist da der Gedanke, der mich nicht loslässt: Was könnte wachsen, in dieser Zeit?

Was könnte wachsen, wenn alle Gemeindeprogramme auf das Nötigste heruntergefahren werden (und was ist das überhaupt: Das Nötigste?). 

Was könnte wachsen, wenn wir in der Adventszeit mal nicht von Termin zu Termin hetzen und anstehende Einladungen uns stressen?

Was könnte wachsen, wenn wir bisher Selbstverständliches plötzlich als etwas Besonderes wahrnehmen? Begegnungen, Umarmungen, Cafe-Besuche, kleine Feste... 

Was könnte wachsen, wenn wir den Besuch bei den alten Eltern oder Verwandten als Privileg sehen, als Noch-einmal-geschenkte-Zeit? 

Was könnte wachsen, wenn wir unsere wichtigen (?) Pläne und Vorstellungen ganz bewusst loslassen und sie freigeben, wie Blumenzwiebeln in den dunklen Boden? 

Was könnte wachsen wenn wir einmal nicht weggehen, sondern da sind, in unserem kleinen Leben, wenn wir Reisen verschieben und uns stattdessen einmal nach innen wagen, auf eine Reise ins eigene Herz? 

Was könnte wachsen, wenn wir einmal eine Zeitlang das laute Reden und Singen und das Behaupten und das Deuten sein lassen und nur still werden?

Was könnte wachsen, wenn wir es einfach glauben würden, dass wir genug sind und dass wir unendlich geliebt sind?


 

Ich stehe im Garten, klopfe die Erde fest und weiß, dass ich jetzt nicht mehr viel tun kann. Ich werde einfach da sein. Und in ein paar Monaten, so hoffe ich, werden sich kleine Traubenhyazinthen aus dem dunklen Boden drängen. In kleinen Gruppen. Und dann hole ich Heios Schnapsgläschen und wir feiern zusammen! 

 


 

Ach, und was Weihnachtsgeschenke angeht, bin ich oft auch so wenig vorauschauend. Dieses Jahr will ich das aber besser machen und bin schon fleissig am überlegen, was ich an Gutem verschenken könnte. Falls es euch auch so geht, hier noch eine kleine Geschenkidee: Vielleicht möchtet ihr Geschichten verschenken. Einem besonderen Menschen. Euch selbst, oder jemand anderem. Und mit jedem Päckchen kommen noch eine kleine Überraschungstüte und ein persönlicher Weihnachtsgruß  (und auf Wunsch gibt es eine Widmung ins Buch). Falls ihr Interesse habt, meldet euch einfach (alles weitere findet ihr hier).

 


Und vielleicht schenkt ihr - auf Hoffnung hin  - einen Gutschein! Für ein Geschenk, das dann Ende Januar  vor der Tür liegt; wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet und sich dann umso mehr darüber freut :

Eine Jahresreise, mit Geschichten über Heimat und Himmel und die Hoffnung, durch alle Jahrszeiten hindurch. Ach, ich freue mich schon so sehr auf dieses Buch!!! Und hoffe, dass es euch ebenso viel Freude beim Lesen machen wird, wie es mir gemacht hat, das Buch zu schreiben (nähere Infos kommen ganz bald, auch ein Gutschein zum Ausdrucken!)

Mittwoch, 18. November 2020

Origami und die Einfalt am Frühstückstisch

Wir sitzen beim Frühstück. Draußen ist es noch dunkel. Das Kind klopft rhythmisch mit den Löffel gegen die Tasse und unterstreicht damit seinen Wunsch, dass er doch bitte, bitte  endlich ein Schlagzeug bekommen möchte. Ich will vor allem meine Ruhe. Fühle mich innerlich und äußerlich zerknittert.  Der Kopf tut seit Tagen weh. Rhythmisch und unermüdlich schlägt da jemand von innen gegen die Schläfe. Und heute morgen ist auch noch der Weltschmerz ins Herz gekrochen. Ach ja, diese Welt kann schmerzen. Das erleben gerade so viele. Auch in meinem nächsten Umfeld...Ich würde es so gerne heller machen. Aber heute fühle ich mich hilflos und überfordert. Mein Blick fällt auf die Streichholzschachtel auf dem Tisch, die ich am Sontag von Anne geschenkt  bekommen habe  ("Damit es still und heimlich schon ein bisschen weihnachtlicher bei euch wird!"  - die Gute hat meinen letzten Blogeintrag gelesen!). "Fürchte dich nicht" steht drauf. Drei einfache Worte. Ich drehe die kleine Schachtel in der Hand. Halte mich an den Worten. Still und leise kämpfen sie sich, wie drei tapfere Freunde, den dunklen Weg Richtung Herz. Fürchte dich nicht....
 Weniger still geht es auf der anderen Tischseite zu. Samuel kommt weiter in Fahrt. Jetzt legt er noch den Text seiner Lieblingsband O`Bros über den Rhythmus. Er schmettert fröhlich: "Und ich sage zu der Angst: Ich brauch dich nicht! Und ich sage zu dem Herrn: Ich brauch nur dich!" Und ich sage zu dem Kind: "Halt doch einfach mal die Klappe!"  Aber ich muß dann doch lachen. Über ihn. Über mich. Und über den Liedtext, der so simpel klingt. So einfältig. Wie das "Fürchte dich nicht"  in meiner Hand. 
 
Einfalt ist ein interessantes Wort. Es wir  oft im Zusammenhang mit Naivität und Dummheit verwendet. Aber im Wörterbuch finde ich eine ganz andere Erklärung: Schlichtheit des Herzens. Oder eben  ganz wörtlich: Einmal gefaltet. Ganz im Gegensatz zu  Origami - dieser japanischen Faltkunst die mich schon mehrfach zum Verzweifeln gebracht hat. Wenn Samuel mich bittet etwas für ihn zu falten, schicke ich ihn meistens - einige zerknüllte Papierbögen später - zu seinem Vater.

Neulich war ich bei einem Vortrag des Schweizer Theologen Berhard Ott über die Bergpredigt. Und darin ging es genau darum: Um die Einfalt! Wir hatten  neben dem Stuhl ein Papierbogen liegen. Ich wartete schon nervös auf eine Faltanleitung, aber wir wurden stattdessen aufgefordert das Papier einfach zu verknüllen. Darin bin ich ziemlich gut. Das hat Spaß gemacht. Dann wurden wir aufgefordert das Blatt wieder zu öffnen. Und die vielen kleinen Falten zu betrachten. Und nun sollten wir das Papier einmal zur Hälfte falten und ein paar Mal fest über die Falz streichen. Das Blatt im Anschluß wieder auffalten und vor uns lag - Volia: Die Einfalt. 


 

Ich mag einfache Beispiele. Vielleicht weil ich selbst ein bisschen einfach bin. Und was bin ich froh, dass unser Glaube so wenig komplizierte Origmai-Kunst-Theologie braucht (und lassen wir uns niemals einreden, dass es so wäre!). Die wahren und wichtigen Dinge sind ganz einfach. Aber oft so schwer zu glauben. Und deshalb geht es eigentlich vor allem darum: Unser zerknittertes Herz immer wieder sanft und bestimmt in ihre RIchtung zu streichen.

"Ich brauche deine Gnade, das ist alles was ich habe", singen die Jungs von O`Bros am Ende ihres - zugegebenermaßen ziemlich geilen - Lieds. 
Für manche mag es Dummheit sein. Für mich ist es die Schlichtheit des Herzens, die wir in aufgeregten Zeiten und an verknitterten Tagen so ganz dringend brauchen. Wenn die Welt schmerzt und sich alles so unlösbar anfühlt, dann gebt mir einfache Worte, zum Festhalten.

 
Fürchte dich nicht.

Ich brauch nur dich, Jesus!

Diese Welt braucht dich. 


Beat that, Origami!!! Spontan zerknüllt - sieht ein bisschen aus wie ein Schaf, oder? :-)

 


Mittwoch, 11. November 2020

Vorfreude auf Lichterglanz

Eine amerikanische Schriftstellerin, die ich sehr mag, hat in der letzten Woche Bilder von ihrem Weihnachtsbaum gepostet. Riesig und reich geschmückt steht er in ihrem Wohnzimmer. Anfang November! Sie  meinte dazu: "We need to fill this house with joy!" Ich musste darüber lachen. Weil ich genau weiß was sie meint. Ich würde zwar niemals jetzt schon einen Weihnachstbaum bei uns aufstellen (ich meine: wir hatten noch nie einen Weihnachtsbaum IN der Wohnung - Heio verweigert sich seit Jahren! -dafür aber unsere kleine tapfere Tanne auf dem Balkon, die das jährliche Schmücken geduldig über sich ergehen lässt), aber meine Sehnsucht ist auch sehr groß unser Haus - nein die ganze Welt! - mit Freude zu füllen! 

Vor einigen Tagen bin ich deshalb auch in den Keller gegangen, um in unserer Weihnachtskiste zu wühlen. Ich habe eine kleine Lichterkette ausgewählt die unter dem kritischen Blick des Mannes als "Novemberdeko" durchgehen wird. Ich habe sie um einen Ring gewickelt und etwas nackt und einsam hängt sie nun in der Wohnzimmerecke. Für mich ist es so genau richtig. Ein kleines verheissungsvolles Leuchten! Es sagt mir, dass ganz bald der Herrnhuter-Stern bei uns aufgehen wird, der Adventskranz auf den Tisch wandert und Samuel und ich, wie in jedem Jahr, EINMAL Ausstecherle backen, um dann - fertig mit den Nerven - auf den Nachschub von Oma Heide warten (ach, meine Schwiegermutter kann sooo gut backen!). Abends werden wir uns vor den Ofen setzten und neben dem prasselndem Feuer den neuen Adventskrimi von Harry Voss lesen. Und an einem dieser Tage werde ich hoffentlich Samuel ganz aufgeregt wecken, um ihm zu sagen, dass in der Nacht Schnee gefallen ist. Und wir werden staunend hinter den dekorierten Fensterscheiben stehen und beobachten wie große Flocken sanft auf die Erde fallen und der Welt ein prächtig weißes Gewand  anlegen. 

Ach, ich sehne mich nach der Adventszeit, so sehr wie noch nie. Geht es euch auch so? Vielleicht liegt es an der Anspannung in diesem Jahr. Dass mit der Corona-Krise so vieles plötzlich anders wurde, so viel Unbekümmertheit auf einen Schlag weg war und wir mit den neuen Normal klarkommen müssen. Vielleicht schenkt uns die Adventszeit mit ihren kleinen Ritualen ein wenig vom altvertrauten Normal. Vielleicht ist es aber auch einfach die Sehnsucht, dass es doch hell werden möge! In den vielen Leben die gerade so gebeutelt sind. In den Herzen die müde und traurig sind.  Dass die Zeit des Staunens und der  Wunder kommt, in der die Augen wieder anfangen zu glänzen und wir einander vor Freude ganz fest die Hände drücken weil wir wieder glauben können, dass am Ende eben doch alles gut wird. Es gibt in diesen Tagen ja ein paar verheissungsvolle Zeichen. Manche mögen sie noch kritisch beleuchten, aber uns, die wir gemeinsam mit vielen anderen aufs Licht warten, sind es Hoffnunsgzeichen, dass die Zeiten sich ändern könnten.

Ein bisschen müssen wir noch ausharren. Die Nächte werden erst mal noch länger. Aber mittendrin werden wir die verstaubte Kisten aus dem Keller holen, und  anfangen unsere Lichter anzuzünden. Wir werden unsere Häuser zum Leuchten bringen und so sehnsuchtsvoll am Fenster stehen wie nie zuvor. Wir werden Ausschau halten nach dem, der jedes Zimmer und jedes dunkle Herz mit Freude füllen kann.  Und wie sanfte Schneeflocken wird auch in diesem Jahr sein Wort in unsere Welt fallen und alles in Hoffnung kleiden:

Das Volk das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht! Und über denen die da wohnen im finstern Lande, wird es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. .. Denn: uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. (Jesaja 9)

Komm oh mein Heiland Jesus Christ! 

Meins Herzens Tür dir offen ist.

Wie schön sind deine Strahlen.

 


Mittwoch, 4. November 2020

Mr. Trump und meine Tante Inge

Zusammen mit vielen anderen, und in Gedanken bei meinen amerikanischen Freunden, warte  ich gespannt auf das Ergebnis der US-Wahl. Samuel fragt schon seit Tagen wer denn nun gewonnen hat und verhakt sich bei der Frage ob  Donald Trump nun Christ ist oder nicht. Und wenn nicht, warum die Christen ihn dann wählen. Schwierig wie viel Komplexität man einem Neunjährigen zumuten kann...
Heute morgen frühstücken wir ausnahmsweise - ganz amerikanisch - mit laufendem Fernseher im Hintergrund. Immer noch gib es keine klare Antwort auf Samuels drängende Frage "Wer ist denn nun 1.Platz, Mama? (ganz wichtige Jungsfrage!). Nachdem ich ihn in die Schule verabschiedet habe versuche ich mir einen Rat der wunderbaren Lissy zu Herzen zu nehmen und die Dinge nicht weiter auf nüchterne Seele zu verfolgen. Ich setze mich auf unseren Balkon und lese noch einmal die Stelle, die ich gestern Abend Samuel aus seiner Kinderbibel vorgelesen habe: Die Geschichte in der Jesus seine Jünger losschickt, um in seinem Auftrag Heil, Befreiung und die Botschaft der Versöhnung zu verkünden. Und er gibt ihnen die Anweisung bei denen einzukehren, die ihren Friedenssgruß erwidern  (Lukas 10,6). Theologen sprechen hier von Menschen des Friedens. Menschen die bereit sind sich von Gottes Liebe berühren zu lassen, der sanftesten und stärksten Kraft dieser Welt. Diese Liebe führt uns immer Richtung Schalom: zur Vollständigkeit und Versöhnung, in allen Bereichen des Lebens: Schalom wenn ich mein Spiegelbild betrachte, ebenso wie Schalom wenn ich mein Kind, meinen Mann und meinen Nachbarn betrachte. Versöhnend leben. Solchen Menschen des Friedens bestimmt Jesus als "Homebase" für alle die in seinem Auftrag unterwegs sind.

MIttenrein, in diese aufgeregten und vollen Tage, kam gestern still und leise eine Nachricht auf mein Handy. Ich erfahre, dass meine Tante Inge ihren Kampf mit dem Krebs beendet hat. Sie ist im Frieden von uns gegangen, in die himmlische Heimat auf die sie sich am Ende so gefreut hat, so schreibt mir wörtlich ihre Tochter. Meine Tante Inge (wir sind nicht wirklich verwandt, sie war einfach die wunderbare Freundin meiner Mama). Um sie euch ein bisschen vorzustellen bräuchte es ein langes Gespräch bei einer Tasse Kaffee. Mindestens. Ich kann ganz verkürzt hier nur so viel sagen: Sie war ein Stück Zuhause für mich. Besonders seit dem Tod meiner Mutter. Und sie war ein Mensch des Friedens. Samuel würde hinzufügen, dass ich das Wichtigste vergessen habe: Sie hatte einen Minigolfplatz! Und immer wenn wir bisher in meinem Heimatdorf waren, führte unser erster Weg dorthin. Mit hoffendem Herz, dass Tante Inge  in dem kleinen Holzhäuschen hinter der Kasse sitzen und uns mit ihrem warmen Lächeln begrüßen würde. Die Runde Golf ging dann ebenso auf ihre Kosten wie das Eis im Anschluß. Ich liebe diesen Minigolfplatz! Hier habe ich sogar die Chance gegen Heio zu gewinnen. Nicht nur weil ich die Bahnen von klein auf kenne  sondern weil der Ball fast von alleine in die Löcher rollt, wenn man ihn einfach in ihre ungefähre Richtung spielt (was Heio, den Golfprofi, jedes Mal zur Verzweiflung bringt). Hier wird einem das Siegen leicht gemacht. Natürlich hat sich Tante Inge immer erkundigt wer gewonnen hat und sich dann von Herzen mit dem Sieger gefreut. Auf Nachfrage hat sie uns auch erzählt wie es ihr geht, welche Gegenden der Krebs nun weiter befallen hat und wie sie die Schmerzen aushalten kann. Dabei wich das Strahlen nicht aus ihren Augen. Sie konnte uns die schlimmsten Nachrichten mit großer Dankbarkeit übermitteln : "Und stellt euch vor: da war doch tatsächlich dieser gute Arzt der mich wieder versorgt hat - hat Gott das nicht wunderbar geführt?!" Und nun hat Gott sie nach Hause geführt. Sie war mir ein Vorbild. Und ein Stück Heimat, das ich - neben ihren treuen Gebeten für uns - nun schmerzlich vermissen werde. 

Und wie schlage ich nun den Bogen zurück zur anstehenden Entscheidung im Weißen Haus? Was hat der Schalom Gottes und das Leben meiner Tante Inge mit dem scheinbar mächtigsten Amt dieser Welt zu tun?  Ich glaube folgendes: Unsere Welt braucht dringend Menschen des Friedens! Menschen die versöhnend leben. Die anderen ein Stück Heimat auf dieser Welt bieten. Die ihnen das Siegen leicht machen und ihre Erfolge mitfeiern. DIe großzügig sind, mit dem was ihnen gegeben wurde. Und die einen dankbaren Blick behalten, mitten im Leid und Schmerz den wir auf dieser Welt erleben. Ich würde Amerika wünschen so einen Menschen im weißen Haus zu haben. Aber falls es nicht so sein sollte: Ich glaube an die stille und beständige Kraft der Menschen des Friedens, an den kleinen Plätzen dieser Welt. Durch sie wächst Gottes Reich. Und ich bete, im dankbarem Gedenken an meine Tante Inge, dass ich so ein Mensch werden kann: Versöhnend. Anderen ihre Siege gönnend. Großzügig. Dankbar, auch in Widrigkeiten. Und anderen (oder in diesem Monat ganz konkret: Einem zweiten Haushalt, mit dem ich mich treffen darf!) ein Stück Heimat gebend.  

Unsere Welt braucht Hoffnung! 

Zünden wir alle Lichter an die wir haben! 

Verkünden wir mit unserem ganzen Leben die Botschaft der Heilung und Befreiung und der größten Liebe dieser Welt! 

Und machen wir unsere Herzen jeden Tag aufs Neue weit, dass der König des Friedens bei uns einziehen kann.

Schalom. 

Schalom Amerika. 

Schalom Wien, Frankreich, Syrien und Jerusalem. 

Schalom uns allen








Dienstag, 20. Oktober 2020

Lass gut sein.

Diese Woche bin ich zum Schreiben zu müde. Die Welt steht Kopf und ich fühle mich unfassbar frühjahrsmüde - mitten im Herbst. Aber ich will euch trotzdem einen kurzen Gruß schicken. Vielleicht braucht es manchmal einen einfachen und kleinen Blogbeitrag der uns zuwinkt und sagt:

Es ist gut auszuruhen wenn dein Körper dir sagt, dass er müde ist.

Lass los. Die Pläne. Die Sorgen. Die inneren Dialoge. Die Gedanken die uns überfordern.

Gönn dir Pausen. (die gibt`s heute im Zehner-Pack!)

Und Kaffee mit Apfelkuchen.

Und die bunte Zeitschrift am Kiosk, für die man ja eigentlich kein Geld hat, die aber doch so schön aussieht und die man genußvoll schokoriegellang durchblättern kann.

Oder mach heute mal eine einfache Mahlzeit. Kartoffeln mit Butter und Salz zum Beispiel. 

Und dann hab noch Zeit, um einfach nur dazusitzen und vor dich hinzuschauen (wie Astrid Lindgren das so wunderbar gesagt hat).

Und dann: lass gut sein.

Sei barmherzig mit dir und der wunden Welt, so wie dein himmlischer Vater barmherzig mit dir ist.

Schlaf ein in seiner Umarmung. 

 

(und nächste Woche sind bei uns Herbstferien. Da ist hier nochmal Pause :-))

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Das Beste geben

Wenn wir in diesen Tagen vom Motorenlärm geweckt werden, dann wissen wir: Es ist Erntezeit! Die Maisfelder neben dem Haus werden mit großen Maschinen abgeerntet - wir sind erstaunt wie schnell das geht, und auch ein überraschter Feldhase und ein Reh hüpfen aufgescheucht Richtung Wald.


Heio zieht seinen Arbeitspulli an und erntet die Trauben im Garten, um mit Samuel und seinen Freunden Traubensaft zu pressen. Am vergangenen Wochenende haben wir dann die Äpfel auf dem "Stückle" der Schwiegermutter von den Bäumen geschüttelt und zur Mosterei gebracht. Wir genießen das erste Glas und verteilen dann vom süßen Saft an Nachbarn und Freunde. Ernte muß gemeinsam geschmeckt und gefeiert werden!

 


 


Von meiner Oma weiß ich, dass früher das Erntedankfest auf dem Dorf etwas ganz besonderes war. Man schmückte Häuser und Tiere und dann rollten die Erntewagen, einer nach dem anderen, die Hauptstraße entlang. Es gab wohl die Tradition, dass der erste Wagen schweigend heimgefahren wurde, voller Erfurcht über die erhaltenen Ernte. Diese erste Ernte war nicht für den eigenen Vorratsspeicher gedacht, sondern sie wurde an die Armen und Bedürftigen verteilt. Kam dann der letzte Erntewagen vom Feld bracht großer Jubel aus und das Erntedankfest nahm seinen Anfang. 

 

Mich hat das sehr beeindruckt. Was für eine wunderbare Tradition hatte die Generation meiner Großeltern - besser als jedes amerikanische Thanksgiving! Was für eine Ehrfurcht wurde mit diesem Schweigen ausgedrückt. Diese hart arbeitenden Bauern wussten: Die Ernte ist immer Geschenk. Man kann sich mühen und zur richtigen Zeit säen - das Wachstum schenkt der Herr. Ihre Dankbarkeit zeigte sich darin, dass sie die ERSTEN Erträge der Ernte abgegeben haben - nicht die Reste vom letzten Wagen, die nicht mehr in die Vorratskammer gepasst haben.

Ehre Gott mit allem was dir gehört. Gib ihm das Erste und das Beste. Dann werden sich deine Vorratskammern füllen und deine Weinvorräte überlaufen. (Sprüche 3,9)

Was für eine große Verheissung gibt Gott seinem Volk, wenn sie ihm das Erste und Beste geben! Ich fand den Gedanken so toll, dass ich beim Erscheinen meines zweiten Buches mit Heio abgesprochen habe, dass wir die Einnahmen aus den ersten Buchverkäufen ganz an Gott geben werden. Es war jetzt wirklich nicht megaviel - und andere Spenden ja ihre gesamten Einnahmen! -  aber es war schon ein bisschen ein Opfer (was es ja auch sein sollte :-)). Besonders weil die Bestellungen sehr zögerlich waren. Überhaupt wurde das zweite Buch insgesamt nicht so gut verkauft wie ich das erwartet hatte. Nicht nur weil ich es gut fand - schließlich hatte ich ja auch die "Erstlingsgabe" gegeben! Und dann fiel die Ernte doch etwas spärlich aus. Hat also Gott seine Verheißung nicht eingehalten? Oder galt dieses Wort nur für das Volk Israel? Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann hat er sich sehr wohl an sein Wort gehalten. Er hat nur die Währung gewechselt!  Anstatt mit Buchverkäufen wurden wir mit Trauben und Äpfeln gesegnet und mit Tomaten aus dem Garten der Freunde. Mit Freundschaft und guten Begegnungen. Mit Ofenwärme und freundlichen Nachbarn... Ach, mit Güte und Freundlichkeit Gottes zum Überlaufen!
"Gott lässt sich nichts schenken!", das hat meine Oma oft gesagt. Ich glaube er lässt sich schon etwas schenken. So wie wir  Eltern von unseren Kindern auch freudig Geschenke annehmen, weil sie ihrer Wertschätzung uns gegenüber Ausdruck verleihen. Aber unser Versorger ist und bleibt der Herr. Und am Ende sind wir eben doch immer die Beschenkten! (und ich glaube genau so hat es meine Oma auch gemeint).
 
Passenderweise las ich gestern darüber, dass es in vielen Völkern einen Brauch gab, das Beste zu verschenken. Nicht die abgetragenen Klamotten oder die Dinge, die man nicht mehr gebrauchen konnte. Nein. Das Beste wurde ausgesucht und verschenkt!  Es war sogar eine richtige Prestigesache, weil damit sichtbar ausgedrückt wurde: Wer es sich leisten kann das Beste zu verschenken, der ist wahrlich reich
Und genau so ist es doch: Ich bin wahrlich reich! Deshalb will ich immer mal wieder das Erste und Beste verschenken was ich habe: Die Lieblingsjacke, die einer Freundin eigentlich noch viel besser steht. Zur besten Zeit des Tages ein paar Loblieder singen. Den erste Strauß Sonnenblumen, eigentlich für mich gepflückt, der syrischen Mama in die Hand drücken... Ganz kleine "Erstlingsgaben" die mich ein bisschen freier werden lassen von meinem ständigen Habenwollen und der Angst zu kurz zu kommen. Und die mich daran erinnern, dass alles was ich habe geschenkt ist, und dass ich wahrlich unfassbar reich bin!!!!
 

(Foto: canva.com)
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Donnerstag, 8. Oktober 2020

Unser Garten und das wilde Leben

Hier kommt ein kleines Geständnis: Ich hätte so gerne einen gepflegten, aufgeräumten Garten. Aber wir bekommen es einfach nicht hin.
Unsere Wohnung hab ich irgendwie im Griff. Zumindest rede ich mir das ein. Einmal die Woche durchgeputzt. Die restlichen Tage abends oberflächlich sauber gemacht. Passt. Der Garten dagegen ist viel komplizierter. Kaum drehe ich den Blumenbeeten den Rücken zu,  wuchert schon wieder der Löwenzahn, kleine Ahornbäume wachsen mit schwindelerregender Geschwindigkeit aus dem Boden und fleissige Gartenbewohner Graben ihre Gänge. Auch der neunjährige Sohn gräbt seit einigen Wochen. Ein Loch. Mit begeisterter Unterstützung sämtlicher Freunde. Was anfangs als kleiner Aushub für unsere Tannenbaum gedacht war, wurde zwischenzeitlich zu einem Sandkasten-Projekt und dann zu einem "Ich-grabe-mindestens-zwei-Meter-tief"-Vorhaben. Mitten im Weg! Heio überlegt nun, das immer tiefer werdende Matschloch als Kühllager für Äpfel zu nutzen (vergebliche Suche an dieser Stelle nach dem Hände-überm-Kopf-zusammenschlag-Zeichen). Die Tischtennisplatte müsste weggeräumt, der Zaun verbessert und unsere Laube aufgeräumt werden. Letzteres versuche ich auch alle paar Wochen, aber meist sieht es schon wenige Stunden später wieder wie in einer Werkstatt aus. Heio baut nämlich an einer Überdachung für unser Brennholz. Eins seiner vielen Projekte, das hoffentlich vor seinem Renteneintritt fertig wird. Es gibt ja noch so viel anderes zu tun! Trauben ernten. Holz hacken. Den Walnussbaum zurückschneiden. Diesen Baum nennen wir jetzt liebevoll unseren "Punk-Baum". Weil wir nur an die seitlichen Äste kommen  hat er jetzt eine etwas ungewöhnlich, steil nach oben verlaufende Form. Die Nachbarn staunen und versichern uns, dass der Vorbesitzer den Baum immer wunderbar zurückgeschnitten hat. Heio beruhigt mich: Wenn er das Baumhaus gebaut hat (auch ein anstehendes Projekt) kommt er auch an die oberen Äste. Ihr seht: Der Garten ist eine Dauerbaustelle bei uns. Und manchmal, wenn ich mich auf unsere Hollywoodschaukel setze, dann verschwindet meine Dankbarkeit für dieses wunderbare Stück Erde weil mich der Stress überrollt über alles, was hier zu tun ist. Anstatt den Garten zu genießen mache ich dann innere To-do-Listen, die ich Heio vorlege. Besonders gern in den Momenten, in denen er mit einem Feierabendbier entspannt in seinem Chaos sitzt und sich einfach am Anblick des Gartens freut. 
 
Wenn ich das jetzt alles so aufschreibe dann wird mir bewusst: Was mir in unserem Garten dazwischenkommt ist: Das Leben! Und ich hätte es so gerne wie meine Wohnung:  Einmal richtig aufgeräumt und gut ist. Aber das  Leben wächst und wuchert, man muss andauernd etwas zurückschneiden, oft mit kläglichem Ergebnis, man stolpert über Projekte die man schon längst abschließen wollte und die Beziehungen sind alles andere als sauber gepflegte Beete. Und ganz oft versinkt meine Dankbarkeit für dieses wunderbare Leben in den Aufgaben die ich erledigen und Erwartungen die ich erfüllen möchte. Dann lasse ich  mich stressen und schimpfe über meine Dauerbaustellen und über meine Lieblingsmenschen, die noch mehr zu dem Chaos beitragen, anstatt mir zu helfen es zu beseitigen.

Über dem Spiegel auf unserem Klo hing lange Zeit eine Postkarte auf der stand:
Das Leben ist keine Aufgabe, die wir erledigen müssen.
Es ist ein Geschenk, an dem wir teilhaben dürfen.
Ich weiß leider nicht mehr wer das gesagt hat, aber es war ein kluger Mensch. Es ist ein Satz den wir getriebene und gestresste Menschen so lange über den Spiegel hängen sollten, bis er uns ins Herz gesunken ist. Ich brauche diese Erinnerung, dass das Leben vor allem ein Geschenk ist! Es ist wie ein wunderbares Stück Erde, das ich bewohnen und gestalten und pflegen darf, wo immer alles am Werden ist, und auf dem man nicht erst die Hacke zur Seite legen darf wenn alles fertig ist - was niemals  passieren wird! - sondern wenn es Zeit für ein Feierabendbier wird! Das alles ist für mich richtig, richtig schwer. Und deshalb hole ich mir Hilfe, vom Gärtner aller Gärtner, und von meinem Lebensgeber:

Gott, ich bitte dich: Hilf mir unseren Garten und die Menschen darin und das ganze Leben als das Geschenk zu sehen, das es ist. Hilf mir mein Stück Land so gut es geht zu gestalten und zu pflegen. Und schenk mir die nötige Gelassenheit, die dieses wilde Leben braucht. Hilf mir nicht alles JETZT erledigen zu wollen. Schenk mir den langen Atem, für die vielen Jahreszeiten die noch vor mir liegen. Hilf mir Pausen zu machen und mittendrin, in allem unfertigen, das Leben zu feiern. Ich danke dir. Für unseren Garten. Und für dieses wilde, wunderbare Leben. Amen.