Dienstag, 21. Mai 2019

Roter Teppich

( Blogpot enthält links und nicht beauftragte Werbung)

Das vergangene Wochenende wurde, völlig ungeplant, zu einem kleinen Fan-Wochenende.
Am Freitag war ich auf der CD-Release Party meiner Freundin Sally. Ich musste zwar etwas schlucken als sie mir sagte, dass sie erst kurz vor Zehn ihren Auftritt hat - ich konnte die Frage: "Morgens oder Abends?" noch rechtzeitig zurückhalten. Ich hab mich also recht müde auf den Weg gemacht (und NICHT den Schlafanzug schon drunter gezogen) und es war ein tolles Erlebnis. Es ist schön die Freundin so lebendig zu sehen! Auf der Bühen sieht das alles so einfach aus.  Aber ich weiß, dass der Preis den sie dafür zahlt, auch ziemlich hoch ist. An diesem Abend feiere ich meine Freundin und ihre Gabe, Menschen zum Tanzen zu bringen.


Am nächsten Morgen ging es gleich weiter zu einer Lesung von Veronika. Wie schön war das, mit Kaffetasse und Brezel in der ersten Reihe zu sitzen, und die Freundin anzustrahlen. Ich liebe ihre Art Geschichten zu erzählen. Ehrlich, lustig und so, dass sie ins Herz sprechen. Das hat mich vor Jahren damit ermutigt, meine eigenen Geschichten zaghaft aufzuschreiben.


Und dann habe ich am Sonntag noch meine Freundin Tanja dabei beobachten können wie sie den roten Teppich ausgerollt hat. Es gibt Menschen die können das: Andere groß machen! Das Scheinwerferlicht auf die lenken, die am Rand stehen. Auf diejenigen, die heute noch nicht wissen dass sie morgen wunderbare Lieder schreiben,  Geschichten erzählen oder tanzen werden oder irgendetwas anderes finden, was sie innerlich ganz lebendig macht. Ihnen heute eine Bühne zu geben, das ist Tanjas Anliegen mit ihrem Verein Props. Und jedes Mal wenn ich sie dabei beobachte, treibt es mir die Tränen in die Augen. Es ist als würde Gott ein wenig an meiner Seele zupfen (danke für dieser schöne Ausdruck, Vroni!). Er erinnert mich daran, dass es Teil von dem ist, was wir Jesusliebhaber machen dürfen: Ein bisschen Raum schaffen. Für erste schräge Töne. Für holprige Tanzschritte. Für Bilder mit Farbkleksen am Rand und zaghaft erzählte Geschichten. 
Wir dürfen den roten Teppich ausrollen und zusammen Jesus willkommen heißen. Und wenn er dann tatsächlich auftaucht, mitten unter uns, manchmal gerade im Stolpern und Stammeln und unbeabsichtigten Farbkleksen, dann merke ich:  DAS ist es, was MICH lebendig macht!!!


 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Du schaffst das!

Heute morgen reibe ich mir die müden Augen und hoffe ich kann in der kurzen Zeit in der Samuel heute in der Schule ist etwas sinnvolles schreiben (die letzten zwei Stunden fallen leider aus  ;-)) . Das Leben ist gerade etwas überwäligend. In fünf Wochen steht unser Umzugstermin an. Das bedeutet: Ich sortiere seit Tagen unsere Sachen aus - und versuche mich auch brav, Marie-Kondo-mässig, bei jedem Gegenstand zu bedanken, bevor er wegkommt.  Langsam verschwinden auch schon größere Möbelstücke aus der Wohnung - Ebay sei Dank.  Gestern wurde unser wunderbarer Ofen weggetragen. Und in den nächsten Tagen wird auch die Küchenbank samt Tisch verschwinden. (ähh, wo werden wir dann eigentlich essen?) Ich finde den Gedanken schön, dass unsere alten Möbel nicht auf dem Sperrmüll landen, sondern in andere Wohnungen ein neues Zuhause finde. Und da sind ja auch die Dinge die wir aufbewahren und mitnehmen werden, die nun nach und nach in bereitstehenden Bananenkisten verschwinden. 
Samuel wird kommende Woche in der neuen Schule angemeldet. Er hat natürlich Angst. Und ich bin mit ihm aufgeregt. Aber ich will an das denken was mir meine kluge Freundin, die Grundschullehrerin, gesagt hat: "Es ist so wichtig, dass ihr Eltern euren Kindern auch etwas zutraut!"  Und das will ich. Ich will, dass Samuel das, bei allem Mitfühlen, aus meinen Worten hört:  Du schaffst das! Das weiß ich! Vielleicht nicht auf Anhieb. Und bestimmt werden Angstanfälle und Tränen mit im Programm sein. Manches wird schwierig. Manches wird anders. Und vieles wird auch so viel besser. Zum Beispiel wird sein bisheriges Problem, dass er seine Klassenkameraden in der Pause unter den vielen Kindern nicht finden kann, an der neuen Schule verschwunden sein. Es ist eine SEHR KLEINE Schule! Die neue Klassenlehrerin war ganz glücklich, dass noch ein Kind dazu kommt. :-)

Ja, es geht wirklich von der Stadt aufs Land. Und ich bin mehr als bereit dafür. Immer mal wieder schaue ich auf dem Handy das Foto an, das ich von unserem zukünftigen Balkon aus gemacht habe. Ach, ich freue mich schon so auf die Abende wo wir einfach dort sitzen und über die Felder schauen werden. (und keine laute Bundesstraße weit und breit!)


und die gemütliche Gartenlaube wird auch zu uns gehören!

Aber bis wir dort entspannt sitzen werden, gibt es hier noch einiges zu tun. Deshalb kann ich mich in den nächsten Wochen wahrscheinlich hier nur kurz melden. Ich werde versuchen meine - leider etwas kleine - Kraft gut einzuteilen, an den richtigen Stellen Nein zu sagen und nicht alles auf einmal erledigen zu wollen. Ich werde mir vornehmen barmherzig mit dem Mann zu sein, dem das weggeben von Dingen sehr schwerfällt (der sich aber die größte Mühe gibt!). Ich werde versuchen, meine Gedanken nicht nur mit Umzug und Pinterest-Bildern von Wohnungseinrichtungen zu füllen und bei IKEA keinen Kundenrekord aufzustellen. Ich nehme mir vor geduldig mit Samuel zu sein und ich will wenigstens einmal am Tag alles stehen und liegen lassen und gemeinsam mit ihm  auf den Fahrrädern ziellos durch die Gegend fahren. Einfach weil es wichtig ist, dass wir nicht nur effektiv unsere Tage verbringen. Zeit verschwenden ist ein ein völlig unterschätzter Bestandteil des Lebens. Finde ich.
Ja. Alles das will ich versuchen. Und ich weiß jetzt schon, dass ich in jedem dieser Bereichen auch grandios scheitern werde. Aber dann will ich daran denken was die Freundin zu ihren entmutigten Schülern sagt, wenn sie etwas nicht auf Anhieb hinbekommen: Sag nicht: Ich kann das nicht. Sag: Ich kann das noch nicht! (und mit so einer tollen Lehrerin an der Seite kann ich das auch tatsächlich glauben!) Das scheint mir ein wunderbarer Rat fürs Leben zu sein. Ein Satz der Mut macht Dinge weiter zu versuchen, auch wenn sie uns oft schwerfallen. Der selbstgesteckte Grenzen freundlich zur Seite räumt und uns Zeit zum Lernen gibt. (Angstanfälle und Tränen inbegriffen).  Ein Satz aus dem Barmherzigkeit tropft, der Raum für zweite Versuche gibt, für Versöhnungskuchen, heilige Bitte-hilf-mir-Gebete und für einen Neustart in der zweiten Hälfte unserer Tage. Es ist ein Satz hinter dem ich das Flüstern eines liebenden Gottes höre, für mich, für Heio und Samuel, für jeden von uns, der gerade vor Herausforderungen steht :

Ich trau dir das zu!  

Du schaffst das!  

Ein Tag nach dem andern. Eine Kiste nach der anderen. Ein Schritt vor den nächsten. MIt Gott an unserer Seite. Und dann, plötzlich, ist es geschafft.


Bewahren. 
Aussortieren. 
Loslassen.
Und danach 
den Staub aus den Kleindern schütteln,
den freien Raum betrachten,
und das Lächeln von den auffangen 
der Neuanfänge liebt.

(aus: Warum ich da noch hingehe)

 



Montag, 6. Mai 2019

Danke Rachel!

Gestern Abend habe ich nicht, wie sonst so oft, den Tatort eingeschaltet um entspannt den Sonntag ausklingen zu lassen.  Auf Heios erstaunte Frage was denn mit den heutigen Krimi los ist, habe ich nur geantwortet: "Ich glaube meine Seele braucht jetzt etwas anderes!" und schon bin ich draußen, um zügig eine Runde über die Felder zu drehen. Es ist der Tod einer meiner Lieblingsschrifstellerinen, Rachel Held Evans, der mich erschüttert und wegen dem ich nicht zu meiner Sonntagabend-Routine übergehen will. 
Erst in den letzten Wochen habe ich ihr neustes Buch Inspired gelesen. Darin schreibt sie über  ihr, oft etwas kompliziertes, Verhältnis zur Bibel und wie sie gelernt hat dieses Buch ganz neu zu lieben.  Bewegend, aufrüttelnd, teilweise unbequem, an manchen Stellen auch  anders als ich das sehe, und zwischendrin kamen mir immer wieder die Tränen weil ich den Eindruck hatte, Gott redet mir direkt ins Herz. Ein typisches Held Evans Buch eben.  Ich musste Sätze dick unterstreichen - obwohl ich das Buch doch verschenken wollte, ahh!
Und dann, Mitte April, schreibt ihr Ehemann Dan auf Rachels Blog, dass sie an einer unklaren Infektion erkrankt ist und man sie wegen ständiger Krampfanfälle ins künstliche Koma versetzt hat. Jetzt war es weniger die faszinierende Schriftstellerin, die ich manches Mal um ihre Gabe beneidet habe.  Jetzt war es einfach meine Schwester, und 37-jährige Mama mit zwei ganz kleinen Kindern, für die ich gebetet habe. Und am Sonntagmorgen postet ihr Mann die Nachricht, dass Rachel verstorben ist. So unfassbar. Wie ein Lauffeuer ging es durch die sozialen Medien. Es wird klar, wie vielen Menschen diese Frau, mit ihren Worten Mut gemacht hat. Heimatlosen und Suchenden im Glauben hat sie eine Stimme gegeben. Sie hat mit ihren eigenen Fragen und Geschichten ihre Arme so weit es ging ausgebreitet und ganz vielen von uns damit etwas von Gottes großem Herz gezeigt. 
Während ich gestern über die Felder lief, habe ich für Dan gebetet und die zwei kleinen Kinder, die ihre geliebte Mama auf dieser Erde nur noch in verschwommenen ersten Kinheitserinnerungen und aus Erzählungen kennen werden. Und ich sagte Gott wie verwirrend ich das alles finde und dass es mir Angst macht wie zerbrechlich unser Leben hier ist. (und wie sehr mir die Stimme dieser mutigen Frau fehlen wird!) Und ich stellte mir die Frage, was mein "Erbe" sein wird und was die Dinge sind die am Ende wirklich zählen. Ich ahne, dass es nicht so sehr die großen Dinge sind, die manchmal so erstrebenswert scheinen. Es sind eher die unscheinbaren, kleinen Saatkörner die wir treu und liebevoll in den Boden pflanzen auf dem wir stehen. Und am Ende ist es vielleicht einfach nur wichtig in wessen Umarmung wir uns flüchten.

Einer der Sätze aus Rachels letztem Buch der mich berührt hat ist folgender:
Die Kirche besteht nicht aus Menschen die alle das Richtige glauben. Sie besteht aus Menschen, die alle in die gleiche Geschichte verwickelt sind, mit Jesus im Mittelpunkt.
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/31TVyZwYrTL._SY200_.jpgDanke Rachel, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast! Mit ehrlicher Stimme. Drängend. Poetisch. Schön und aufwühlend. Zum Lachen und Weinen. Texte mit vielen Schlupflöchern für die Gnade. Du hast mich immer wieder daran erinnert, dass am Ende die Liebe zählt und wem wir die verwirrenden Passagen anvertrauen können; auch  die Kapitel die auf der Erde viel zu früh enden!
Deine Worte werden in mir nachhallen. Sie bleiben ständige Einladung sich in Gottes Arme zu werfen. Arme, in denen so viel Platz ist! Und sie erinnern mich daran, dass wir in eine Geschichte verwickelt sind, die so viel größer ist als unsere Eigene. Dafür bin ich von Herzen dankbar.



reposted von Rachelheldevans.com


Montag, 29. April 2019

Celebrate good times!!!

Montagmorgen. Eine volle Waschmaschine und ein Kopf voll mit Dingen die ich noch erledigen sollte und Gedanken und Geschichten die ich mit euch teilen will,  bevor Samuel wieder ungeduldig an der Haustüre klingelt um in die Küche zu stürmen, in der Erwartung auf ein Teller voller Essen (Kinder können so anspruchsvoll sein!). VOLL - so fühlt es sich gerade an. Prall und voll ist mein Herz. Ein Luftballon kurz vor den Platzen. Egal an welcher Seite man ihn ansticht: Es wird zischend eine große Menge Dankbarkeit entweichen. Darf ich ein bisschen Luft bei euch ablassen?
Ich bin so dankbar für den schönsten Geburtstag, den ich jemals hatte! VIelleicht musste ich 50 Jahre alt werden um ihn so genießen zu können. Um all das Gute anzunehmen, und den Segen aufzufangen. Vor einigen Tage habe ich einen kleinen Zettel entdeckt, auf dem ich vor längerer Zeit diesen Satz aus einer Predigt notiert habe, den Jesus vielleicht genau so an uns richten könnte:
Mein Kind, es fällt Dir so schwer dich von mir beschenken zu lassen. Darum fällt es mir so schwer durch dich zu handeln.
Diesen Gedanken finde ich spannend. Das beschenken lassen und das Handeln Gottes durch uns hängt miteinander zusammenhängt! Das konnte ich nicht immer so sehen. Andere beschenken ja. Gerne. Das ist schließlich Teil meiner Berufung als Jesusnachfolgerin. Schwere Zeiten geduldig zu ertragen - die Krisen, die mich in die Arme von Jesus treiben - das wurde mir schon früh beigebracht. Aber dieses beschenken lassen fiel mir immer schwer. (Besonders wenn ich nicht gleichzeitig etwas zurückgeben kann!) Und die gute Zeiten habe ich immer ein wenig misstrauisch in Empfang genommen, als hätte sich der Postbote in der Adresse geirrt. Lustigerweise hat es gerade an der Tür geklingelt. Ein Päckchen. Für mich! Doch. Da steht tatsächlich mein Name drauf!


Mit den Jahren lerne ich langsam, dass das beschenken lassen eine unglaublich wichtige Sache im Reich Gottes ist! Und Bescheidenheit ist nicht wirklich angebracht, wenn Gott Segen austeilt! Bis heute muß ich an Jan, einen jungen Holländer denken, mit dem ich vor vielen Jahren in einem Missionsteam von jungen, begeisterten Jesusnachfolgern in Dänemark war.  In den 14 Tagen, in denen wir zusammen unterwegs waren, gab es immer mal wieder die Gelegenheit sich segnen zu lassen. Die meisten aus unserm Team waren da ziemlich zurückhaltend. Wir waren schließlich am Start um diesem Land zu dienen. Und zu segnen. Nicht umgekehrt. Jan sah das anders. Er war immer der Erste der sich strahlend auf einen bereitgestellten Stuhl setzte und den wunderbaren Satz wörtlich nahm: Wo immer es Segen gibt: Kopf hinhalten! Und in meiner Erinnerung war es auch genau dieser junge Holländer, der in diesen zwei Wochen der größte Segen für unser Team  und eine kleine Stadt in Dänemark war. Jan hat mir die kindliche Freude gezeigt, mit der wir in Gottes Reich empfangen dürfen und sollen: Mit vollen Händen zugreifen. Um dann lachend, mit vollen Händen weitergeben

An meiner Geburtstagsparty - die übrigens die aller, allerschönste Geburtstagsparty meines Lebens war (habe ich das schon erwähnt?) habe ich meine besten Geschenke umarmt und noch viele weitere nach Hause getragen. Ich habe Segen aufgefangen so viel ich konnte. Es war wie ein Platzregen! Unfassbar viel Gutes!!!

zusammengetragender Reichtum!

viele wunderbare Menschen zum Umarmen und Anstoßen!

Freunde, die Musik machen...
Sisteract mit Dancing Queen!
Genießen und Segen aufnehmen...
we still dance!
was für ein Geschenk: mein Nähprojekt fertiggestellt - jeder Flicken eine Erinnerung!
Und ein Buch das mich vor Freude zum Weinen brachte...
...voll mit gemeinsamen Segensgeschichten! Ihr seid die Besten!

So viele unvergessliche Szenen! Und die Geschenke (und das neue Sofa den wir jetzt kaufen können!) sind bleibende Erinnerungszeichen an Gottes Güte in meinem Leben.
Und das Gute hört in diesen Tagen nicht auf: Wir haben eine wunderbare Wohnung bekommen! Nicht das erträumte alte Häuschen mit wildem Garten. Ein bisschen anders und doch genau das Richtige! Ein riesengroßes Geschenk auf dem unser Name steht. Wir haben schon ein paar Mal ungläubig nachgeschaut - aber doch: Es ist tatsächlich für uns! Es ist einer dieser Zufälle von dem in unserem Hochzeitsspruch  die Rede ist: Trachtet zuerst nach Gottes Reich und alles andere wird euch zufallen (Matth.9,33) Nicht das wir den ersten Teil immer so wunderbar befolgen - es ist eher der Wunsch und die Erinnerung in welche Richtung wir gehen wollen. Den zweiten Teil erfüllt Gott trotzdem unglaublich treu! In den nächsten Wochen könnt ihr mich hier bestimmt noch weiter beim Geschenke auspacken und Sachen zusammenpacken beobachten. Heute will ich einfach nur dankbar ausatmen. Es ist wahr:
There may be pain in the night, but joy comes with the morning!
Gott schafft Auswege. Und er schenkt Feste mit verheissungsvollem Vorgeschmack auf die beste Party die noch vor uns liegt. Egal wie Dunkel die Nacht - der Auferstehungsmorgen kommt!
Manchmal könnte man denken, dass sich Situationen nicht verändern. Dass man auf ewig in ruhig, seichtem Gewässer dümpelt und jeden Abend mit der Chipstüte auf dem alten Sofa verbringen wird. Und dann kommen unerwartet die Stromschnellen, bei denen man nur die Augen zukneifen und  sich kreischend dem wilden Auf und Ab überlassen kann und man staunend und nach Luft ringend in völlig neuen Gegenden landet (und das in meinem Alter! - und während dem ganzen Gewackel soll man auch noch ein Buch schreiben ;-)). 
Die ruhigen Sofazeiten sind hier erstmal vorbei. Gott hat ein bisschen Fahrtwind in unsere Richtung geblasen. Ich staune. Ich fange an zu packen. Ziemlich müde. Aber durchnässt mit Segen - von Kopf bis Fuß. 

Dienstag, 9. April 2019

Wovon man nie genug haben kann und Feste, die man feiern sollte

Blogpost enthält nicht beauftragte Werbung.

Also, um dieses sperrige Überschrift Schritt für Schritt abzuarbeiten: Wovon man nie genug haben kann sind Postkarten! Finde ich zumindest. Was man schon unschwer an unserer Klotür erkennen kann.



Und weil ich Postkarten so liebe, habe ich - zusammen mit einer Freundin, der wunderbaren Grafikerin Nicola Kühn, ein neues Postkartenset zusammengestellt. Das Set gibt es für euch, meine lieben Blogleser, in begrenzter Auflage für 9 Euro, inkl. Porto - leider nur innerhalb Deutschlands. (Was hat die Post international aufgeschlagen! Mannomann. Bin gestern am Schalter fast umgekippt!)




Das eine oder andere Foto kommt euch vielleicht bekannt vor und die Sätze sind den Geschichten von Blogeinträgen entnommen. Deshalb gibt es auch unten an der Karten den Hinweis auf die "Backstory". Die HIntergrundgeschichte. Die findet man dann hier (da könnt ihr auch die einzelnen Karten anschauen). Also verschenkt man mit der Karte auch eine kleine Geschichte, bzw. ein paar Gedanken dazu. 
Wenn ihr gerne so ein Set für Euch möchtet, dann schreibt mir eine kurze mail (chris.f@freenet.de) mit eurer Adresse. Überweisungsdaten stehen hier. Ihr könnt auch die Karten selbst zusammenstellen. Sollten am Ende halt 12 Stück sein. (mehr passen nicht in den Umschlag)


Vielleicht ist es ja ein nettes Ostergeschenk...
Ja, nächste Woche sind hier tatsächlich schon die Osterferien! Das bedeutet, dass es auf dem Blog wieder ein bisschen ruhiger wird. Ich kann so schlecht schreiben, wenn das Kind an meinem Stuhl hängt oder mit ohrenbetäubender Lautstärke seine Autos durchs Zimmer schiebt. Also werde ich den Bildschirm öfters auslassen und stattdessen Festvorbereitungen treffen. Denn es gibt einiges zu feiern.  Jedes Jahr aufs Neue: Wir werden wieder mit unseren Weggefährten am Karfreitag zu dem großen Kreuz auf den Birkenkopf laufen um dort Jesus so richtig danke zu sagen. Ich werde mir, wie im Jahr zuvor, überlegen ob ich es hinbekomme bis zum Ostersonntag zu fasten, und es wahrscheinlich wieder nicht schaffen (im Gegensatz zum konsequenten Mann). Und dann, am Sonntag werden wir wieder ein großes Osterbrunch am Familientisch in der Gemeinde auffahren und das Leben feiern. Dazwischen liegt Samus Geburtstag, dicht gefolgt von meinem.


Eigentlich wollte ich mich an diesem Tag irgendwo verstecken (mit Heio nach Paris oder ins Hallenbad nach Fellbach - Geburtstagskinder kostenlos!). Aber dann hab ich mich doch enschieden, dass ich hier bleibe und mich der Sache stellen werde:-).
Bei Donald Miller habe ich gelesen, dass gute Geschichten auch davon leben, dass man bereit ist unvergessliche Szenen zu schaffen. Szenen, an die man sich Jahre später mit einem Lächeln erinnert.  Weißt du noch? Damals?
Ich glaube Gott liebt es solche Momente für und mit uns zu gestalten. Momente wo wir uns erinnern. Momente in denen wir das Gute ein bisschen länger anschauen. 
Donald Miller schreibt darüber:
Manchmal müssen wir uns zwingen solche Szenen zu erschaffen. WIr müssen vom Sofa hoch und den Fernseher ausschalten; wir müssen die Schlauchboote aufpumpen und uns auf dem Weg zum Fluß machen. WIr müssen ein Gedicht schreiben und es persönlich abliefern. Wir müssen den Wagen von der Straße weglenken und den Berg hinauffahren. Wir müssen uns fein machen und auf Hochzeiten tanzen. Wir müssen Altäre bauen.
Das verstehe ich nicht als Aufforderung, ständig gestresst irgendwelche besondere Momente zu schaffen (das ist ja auch eine merkwürdige Erkrankung unserer Zeit). Aber es erinnert mich einfach daran, dass es gut ist, den den Blick vom Display zu nehmen und das Leben wahrzunehmen.
Für mich heisst es in den kommenden Tagen: Auf einen Berg wandern. Einen Ostertisch schmücken. Eine Girlande in die Küche hängen. Kerzen anzünden. Ein Wunder umarmen. Ein Fest planen, Freunde einladen. Gitarren stimmen und den roten Teppich für Jesus ausrollen. Altäre bauen. Dankbare Momente schaffen. Szenen auf die wir irgendwann lächelnd zurückblicken und sagen: "Weißt du noch? Wieviel Gutes gab es zu feiern. Immer wieder. Trotz mancher Tränen..."
Die Momente sind vielleicht ein bisschen wie Postkarten, die wir uns an die Klotüre hängen.  Ein Bild. Eine Erinnerung. Und eine "Backstory" dazu. Die Hintergrundgeschichte die uns an Gottes Treue erinnert. An seine Liebe. Die jedes Jahr aufs neue ein Grund ist, um zu feiern!




Donnerstag, 4. April 2019

Zu schnell unterwegs

Gestern auf der Autobahn (am Ende meiner kleinen Lesereise): Der Volvofahrer hinter mir hat gedrängelt, geblinkt und Lichthupe gegeben. Manchmal bewirkt das tatsächlich, dass ich demütig zur Seite fahre und den Drängler freundlich vorbeiwinke. Gestern nicht. Ich dachte mir: Was, du denkst du bist schneller als ich? Hah! Das wollen wir doch mal sehen! Und dann habe ich das Gaspedal durchgedrückt; und zufrieden im Rückspiegel beobachtet wie der Volvo geschlagen zurückbleibt. Die Siegerlaune hielt nur kurz - ziemlich genau bis zu dem Moment in dem ein rotes Blitzlicht meine Augen blendete.  Sch...!!! Ich trat auf die Bremse, aber natürlich war es zu spät. Mein schön verdientes Geld verabschiedete sich winkend Richtung Flensburg. So ein Mist! Ich ärgere mich über meine eigene Blödheit (und versuche weiterhin mich nicht zu beschimpfen;-)). Ich bete zerknirscht um ein kleines Wunder: Dass die Geschwindigkeit doch nicht so hoch war wie auf dem Tacho angezeigt, oder dass der Film im Blitzer voll war, oder... oder dass ich aufrecht die Konsequenzen für mein Verhalten tragen kann (etwas was ich gerade ständig vom kleinen Sohn verlange).
Heute morgen parkt das Auto mitgenommen vor der Haustür. Jetzt rasen nur noch die Gedanken in meinem Kopf. So vieles was in der letzten Zeit liegengeblieben ist und was ich nun dringend erledigen will. Und dann zeichnen sich da ein paar spannende Entwicklungen in unserem Leben ab, die ich zu verdauen versuche; das fühlt sich an wie damals, als ich zum ersten - und letzten! - Mal einen riesigen bayrischen Rollbraten gegessen habe; der lag mir tagelang im Magen und ich habe das Gefühl, dass ich ihn bis heute noch nicht  richtig verdaut habe. Mahlzeit nach Bayern!  Alles in allem fällt es mir total schwer zur Ruhe zu kommen. Und doch ist es genau das, was ich brauche. Das spüre ich. Das langsamere Tempo. In Ruhe Dinge verarbeiten und mich nicht von Dränglern in den engen  Gehirnwindungen antreiben lassen um dann am Ende gehetzt eine Vollbremsung einzulegen und mich über den entstandenen Schaden ärgern.
Ich sitze also hier auf meinem Sofa und versuche langsamer zu atmen. Das soll helfen, hat mir mal eine Freundin gesagt. Beim Einatmen: Jesus. Beim Ausatmen: Christus. Fünf Minuten lang. Ach, es ist so schwer die Geschwindigkeit rauszunehmen. Ich lese einen Bibeltext und die Worte rauschen an mir vorbei wie eine Landschaft, die ich nur aus den Augenwinkeln wahrnehme. Seufzend lege ich das beste Buch der Welt wieder neben mich.  Ich starre ein wenig vor mich hin. Versuche nicht auf die Uhr zu schauen. Ich betrachte meine Hände. Die sehen langsam den Händen meiner Mutter immer ähnlicher. Ich drehe die Handflächen nach unten und versuche an all das zu denken, was ich loslassen will. Erinnere mich daran, dass ich so wenig im Leben wirklich halten kann. Dann drehe ich die Handflächen um und halte sie wie eine Schale nach oben. Bei Ann Voskamp habe ich neulich gelesen:  
Eine geöffnete Hand sieht aus, als hätte sie ihre Wurzeln im Himmel. 
Der Gedanke gefällt mir! Und tatsächlich sehen meine Finger wie Wurzeln aus! Dicke, knollige Wurzeln. Die sich nach oben strecken. Und mich an die ewige Welt erinnern. Eine Welt die ich nicht nur aus den Augenwinkeln, als vorbeifliegende Landschaft, wahrnehmen will, sondern in  der ich leben, atmen und mich tief verwurzeln will. Jeden Tag ein bisschen mehr. Jesus. Christus. Diese Geste ist meine ganze Sehnsucht, die ich Gott entgegenhalte.
 
Seit ich diesen Satz gelesen habe halte ich immer mal wieder eine Hände so nach oben. Mitten im Alltag. Fahrtwind um die Ohren. Es ist mein wortloses Gebet (beten kann so einfach sein :-)). Ich schaue auf meine Finger und erinnere mich daran, in welche Richtung ich meine Wurzeln ausschlagen will. 
Und mit nur einer Hand am Steuer fährt man auch gleich ein bisschen entspannter...


Gute Fahrt uns allen!!!

Mittwoch, 27. März 2019

Von nächtlichen Einpackaktionen und Schafen, die keine Lasttiere sind


Mein Kopf ist gerade angefüllt mit so vielem was mich umtreibt, dass ich die letzten Nächte immer wieder aus dem Schlaf aufschrecke und plötzlich hellwach bin. Ich versuche dann NICHT in Gedanken sorgenvoll um offene Fragen zu kreisen, keine Geburtstagsplanungen zu machen und auch nicht über die Aufgaben nachzudenken, die ich tagsüber nicht erledigen konnte. Stattdessen versuche ich an etwas belangloses zu denken. Oder meine Freunde und die Krisenregionen der Welt durchzubeten, in der Hoffnung schnell wieder einzuschlafen. Aber es gelingt nicht so wirklich. Weil es ungefähr so anstrengend ist an etwas NICHT zu denken, wie einen Wasserball unter Wasser zu drücken. Irgendwann gebe ich auf. Ich versuche dann den Rat einer Freundin zu befolgen und innerlich alle Sorgen einzeln zu verpacken und sie Jesus hinzulegen. Was aber leider auch nicht so gut klappt. Sachen einpacken finde ich ziemlich anstrengend. Und mitten in der Nacht erst recht. Endlich schlafe ich dann erschöpft wieder ein, kurz bevor der Wecker klingelt. Und dann gehe ich so müde durch den Tag, dass ich Termine vergesse, Dinge nicht gut erledige, keinen einzigen vernünftigen Satz für das Buchprojekt zustande bringe  und meine EC-Karte an der Supermarktkasse wiederholt  liegen lasse - also ziemlich viele wunderbare Gelegenheiten, um mich NICHT selbst zu beschimpfen :-).
Mir fällt der Satz aus einer Predigt von Tobias Teichen ein:  Schafe sind keine Lasttiere! Und Jesus vergleicht uns ja mit diesen wunderbaren, etwas einfältigen, Tieren. Tatsächlich sieht man nirgendwo wie Hirten ihren Schafen schweres (oder auch nur leichtes) Gepäck auf den Rücken binden, um sie dann denn Berg hochzutreiben. Schafe sind auch keine Reittiere. Das alles ist eine ziemlich lustige Vorstelllung. Schafe sind einfach nicht dazu gemacht Lasten zu tragen! Und wir sind es auch nicht! Die kleinsten Sorgen machen uns schon fertig und die größeren erst recht.
 Bei Hannah Andersen finde ich dazu diese tröstlichen Worte:

Dein himmlischer Vater weiß genau was du brauchst.
Er weiß worüber dein Herz besorgt ist.
Er weiß auch, besser als du es selbst weiß, wie sehr diese Dinge dich überfordern.
Und deshalb ist alles was du tun sollst : Ihn suchen. Auf IHN schauen. 
Und er wird sich um den Rest kümmern.

DAS will ich lernen.   Demütig mein Grenzen anerkennen.Und den Blick auf Jesus richten. Immer wieder. 
Und ich will weiter meine Dankbarkeitsmoment aufschreiben, weil sie mir etwas darüber sagen, wie gut mein himmlischer Vater für mich sorgt. Und ich will Blumen und sorglose Vögel betrachten, wie Jesus das vorschlägt. 

 Danke Backnang- es war schön bei euch!!!

Und vielleicht sollte ich die nächtliche Einpackaktion auf den frühen Abend vorziehen. Bei einem kleinen Spaziergang um die Häuser. Das probiere ich heute mal aus. Und dann: Keine Schäfchen zählen, sondern den Hirten im Blick behalten. 

Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich wach liege, 
so sinne ich über dich nach. 
Denn du bist mein Helfer, 
und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. 
David in Ps.63,7



Und hier noch eine Einladung für alle die kommenden Dienstag vormittags Zeit haben und in der Nähe von Dornhan (bei Loßburg) wohnen: 



Dienstag, 19. März 2019

Was mein Leben reicher macht

(Blogpost enthält nicht beauftragte Werbung)

Riecht ihr es auch? Frühling liegt in der Luft!  Noch ein bisschen schüchtern kommt er daher. Gestern, im Killesbergpark habe ich ich seine Spuren entdeckt - bevor der Schneeregen mich wieder Richung U-Bahn geschickt hat. 



Apropos U-Bahn: Vor ein paar Tagen fuhr ich darin am Stadtpark vorbei, da bemerkte eine Frau ganz laut: "Ach, wie schön die Narzissten blühen!" Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Genau so habe ich es gehört. Und ich habe mich gewundert warum, außer mir, niemand lachen musste. Aber alle anderen waren so in ihre Handys vertieft, dass sie nichts um sich herum wahrgenommen haben :-).

Bücher! Es gibt Phasen da suche ich verzweifelt nach Lesestoff und dann habe ich wieder so viele gute Bücher auf dem Nachttisch liegen, dass ich gar nicht weiß wo anfangen.  (Bücherfasten wäre für mich eine SEHR große Herausforderung!). Hier mein aktueller Bücherstapel, der mein Leben reicher macht:


Von oben nach unten: 
Jeff Chou auf einer ungewöhnlichen Pilgerreise durch Amerika. Ich glaube wenn theologische Gespräche kaum mehr möglich sind (weil sie uns zu sehr trennen), dann helfen Geschichten. Und Gebete.  Und die Hoffnung, dass Gott in jeder Geschichte am Werk ist und seine Gnade größer ist als unsere Herzen.
Und wann immer Elisabeth Strout ein neues Buch geschrieben hat, hole ich es mir von unserer Bücherei. Ihre Art die verschiedensten Leben zu einem großen Bild zusammenzusetzen - ein Mosaik mit harten Kanten über menschliche Verlorenheit und Sehnsucht - ist ganz große Schreibkunst! 
Operation instructions ist eins der ersten Bücher von Anne Lamott. Tagebuchähnlich berichtet sie vom ersten Jahr als alleinerziehende Mutter, in die auch die Krebserkrankung ihrer besten Freundin fällt. Ganz viel zum Lachen und auch ein bisschen zum Weinen; wie gute Bücher eben so sind.
Ann Voskamps neues Buch (danke Andrea!): Ein sehr intensiver - manchmal für mich ein etwas überspannter - Schreibstil. Aber voller Tiefe. Poetisch. So ehrlich. Und mutmachend, für alle diejenigen von uns, die merken, dass sie immer noch ziemlich kaputt sind.
Und Donald Millers schreibt davon wie ein Film über sein Leben seiner eigenen Geschichte auf die Sprünge hilft. Toll!
Ganz unten: Eins meiner Trostbücher; zum immer mal wieder lesen. Besonders dann wenn der 50. Geburtstag immer näher kommt. Keine Ahnung wie ein Mann aus England es schafft sich so in meine Gefühle und Gedanken einzuschleichen...


Und während ich lese spielt Samuel Quartett. Er legt die Karten aus wie bei Solitaire. Ich habe das System noch nicht durchschaut. Neulich kam er mit einem Stapel Tierkarten. "Mama, das ist meine Gruppe!" Ok. Und warum genau? Ahh - alles Einzelkinder! Herrlich. Seitdem nenne ich ihn mein kleiner Delphin. Und der Gedanke, dass Flipper kein verwöhntes Einzelkind war, finde ich richig tröstlich! Von wegen: die Narzissten blühen! :-)

Auch auf unserem Fensterbett blüht es in diesen Tagen.


Ganz links hat Samuel einen Sonnenblumenkern eingepflanzt. Wenn er den grünen Daumen von seinem Papa hat, wird daraus eine Blume wachsen. Ansonsten weiß er wie es mir meistens geht. Man kann pflanzen und gießen. Aber dass neben dem Unkraut auch etwas gutes wächst, das ist letztlich immer ein großes, großes Geschenk! Das will ich mir vor Augen halten, während die Knospen in den nächsten Wochen aufgehen. Eine nach der anderen. Ganz von selbst. Einfach weil Gott Lust daran hat. Ach wie gut, dass unser Papa einen grünen Daumen hat! In dieser Jahreszeit kann man förmlich spüren wie er sich freudig die Hände reibt: Auf noch einen Frühling! Auf neues Wachstum! Auf Blüten die meine Kinder in demütiges Staunen versetzen! Auf die Auferstehung! Auf ein weiteres Kapitel in unserer Liebesgeschichte!
Ich blinzle noch etwas müde und leicht überfordert der neuen Jahreszeit entgegen. Der Winter versucht noch dagegen zu halten, aber sein Abschied ist beschlossene Sache.
Frühling liegt in der Luft!





Montag, 11. März 2019

40 Tage ohne: Selbstbeschimpfung!

Dieses Jahr habe ich mir für die Fastenzeit vorgenommen, mich nicht so oft niederzumachen. Also dieses: "Oh, ich bin doch so bescheuert!" oder "Wie blöd kann man denn nur sein?","Ich bin so doof!"... Solche Sätze lasse ich leider immer wieder los und beschimpfe mich, wie ich sonst niemand beschimpfen würde (außerhalb meiner Familie). Erschrocken höre ich nun, wie Samuel ab und zu dasselbe über sich sagt. Also nehme ich mir vor: Das muß aufhören! Geht doch auch ganz einfach. Dachte ich. Bis gestern Abend. 
Ich war schon auf dem Weg ins Bett. Da fiel es mir siedendheiss ein: Ich  habe vergessen für Samuel den Füller zu kaufen. Oh nein! Den braucht er heute zur ersten Stunde, wie die strenge Lehrerin MEHRMALS in Elternbriefen betont hat. Ich habe es mir auch in den Kalender geschrieben. Es war letzte Woche mein einzigster Eintrag in unserem Familienkalender! Und ich habe es vergessen. Ich kann es nicht fassen! Wie bescheuert, wie doof wie blöd, kann man denn nur sein?! Nicht mal EINE SACHE kann ich mir für mein Kind merken. Ich sah schon Samu weinend in die Schule laufen (und der erste Schultag nach den Ferien fällt ihm sowieso schon schwer, auch ohne dass seine Mutter es ihm noch schwerer macht!). Ich suchte panisch nach Lösungen: Ihn einfach Zuhause zu lassen um ihm - und uns - dieses Szenario zu ersparen. Oder vielleicht könnte ich das Schreibwarengeschäft um die Ecke aufbrechen? Irgendwann hielt mir Heio triumphierend seinen alten Füller vor die Nase hielt. Ein unförmiges Teil, mit Pflaster verklebt und mit ausgetrockneter Tinte! "Das kriegen wir hin",  meinte er zuversichtlich, während ich die Feder so fest aufsetzte, dass sie prompt abbrach. Auch das wurde wieder notdürftig, vom besten Mann der Welt, repariert. Was mir die Zeit gab mich noch mehr fertig zu machen. Schon lange ging es nicht mehr nur um den Füller. Es ging um mein ganzes Mama-sein (und dass Samuel die blödste Mutter der Welt hat!), es ging um das Leben an sich (dass ich die einfachsten Dinge nicht gebacken bekomme, im Gegensatz zu allen anderen Menschen) und dass es doch lächerlich ist, dass ausgerechnet ICH Bücher schreibe und Lesungen halte! Heio versucht mich zu stoppen. Erinnert mich an mein Fastenaktion, die mir auf einmal unmöglich vorkommt  - hätte ich doch lieber Kaffee und Bücher gefastet, das wäre einfacher. Ha. 
Nur langsam beruhigt sich mein Puls wieder. Irgendwo, ganz hinten in meinem Kopf ist die Erinnerung an eine Passage, die ich in einem Buch von Adrian Plass gelesen habe. Er ist auch gerade dabei sich selbst für alles mögliche fertig zu machen, da meint er Gott sagen zu hören: 
Okay, dann geh in eine Ecke und sag dir selbst, wie verdorben und unnütz du bist, wenn dir das was bringt. Verachte dich, wenn du willst. Geisle dich...aber wage es nie, NIEMALS zu verachten, was ich durch dich tue, denn das ist etwas ganz anderes.
Dieser Satz hat etwas unglaublich tröstliches für mich. Vielleicht weil er mir nicht einredet, dass ich doch manchmal auch ganz toll bin und Sachen auch gut hinbekomme (was ja durchaus auch Teil der Wahrheit ist) sondern weil er mir zeigt, dass die Dinge die ich vermassle und auch die Dinge die ich toll hinbekomme eigentlich ziemlich unabhängig von dem sind, was Jesus durch mich tut. Das ist etwas ganz anderes. Das ist Geheimnis. Geschenk. Gnade.   Mit diesem Gedanken schlafe ich ein. Und mit dem Zettel auf dem Nachttisch, den Heio ziemlich unleserlich, mit eingetrockneter Tinte, geschrieben hat: ⚘Du bist eine gute Mutter.  Danke. (Wie sagte Bonhoeffer: Der Christus im Bruder, ist größer als der Christus in mir. So wahr!!!)
Dann heute morgen beim Frühstück. Müde und mit dem schlimmsten rechnend betrete ich die Kampfzone. Vorsichtig pirsche ich mich heran. Ich erwähne, wie nebenbei, dass Samuel heute ausnahmsweise Heios alten, kranken Füller in die Schule mitnehmen darf. Mittags muß er dann leider einem gesunden, neuen Füller weichen. Das Kind strahlt und verspricht gut auf ihn aufzupassen, während er den verpflasterten Federhalter in Empfang nimmt und vorsichtig in den Ranzen packt. Ich fühle mich ein bisschen schlecht dabei. Aber auch sehr dankbar! Kann das sein? Wo bleibt die erwartete Panik? Die Tränen? Ein kleines Wunder an unserem Frühstückstisch! DANKE GOTT!!! Jetzt sitzt der kleine Sohn in der Schule und übt, mit kratzender Feder, die ersten Schwünge aufs Papier. Zeile für Zeile. Und ich? Ich übe auch weiter. Mir bleiben ja noch über 30 Tage. 

Erste Zeile: Mich weniger beschimpfen.

Zweite Zeile: Nie, NIEMALS verachten was Gott durch mich tut.

Und dann alles nochmal von vorne:-)


Zusammen unterwegs...






Samstag, 9. März 2019

Little things matter!


Meistens sehen wir nicht, was die kleine Dinge bewirken, die wir in Liebe tun. Man könnte deshalb entmutigt denken, dass diese winzigen, alltäglichen Dinge sowieso keine Auswirkungen haben und am Ende vielleicht sogar unbedeutend oder nutzlos sein könnten. Deshalb finde ich es so wichtig, dass wir gemeinsam feiern, wo immer etwas davon sichtbar wird, dass dem nicht so ist! Little things matter! Das ist nicht nur ein schöner Postkartenspruch, es ist wahr: Kleine Dinge können einen großen Unterschied machen!!!
Kelly Nikondeha schreibt hier davon, wie  sie in Burundi jeden Abend die eingegangene Summe auf dem Konto angeschaut haben; ein bisschen wie Frauen, die darauf warten, dass der Teig aufgeht. Und sie haben staunend zugeschaut wie der "Teig" wuchs, über die Ränder der Schüssel hinaus. Das Geld für die 600 Rucksäcke und Schuhe für die Schüler ist zusammengekommen! Und nicht nur das: Es reicht auch noch für die 200 Erstklässler die im September in die Schule kommen. Und es ist sogar noch etwas übrig was den Handwerkern und Künstlern vor Ort hilft, ihren Arbeitsplatz zu sichern!  So kommt Gottes Reich. Kleine Samen die aufgehen. Und Überfluß schenken.
Kelly schreibt: 
Ich möchte ein besonderes DANKE an euch alle, nah und fern, schicken,die kleine Dinge mit großer Liebe für Burundi getan haben. Euer Senfkornglaube pflanzt Bäume in denen Vögel nisten können.  Eure Hände die Hefe in den Teig gearbeitet haben, geben genug Brot für hungrige Mägen. Ihr habt ein Stück Reich Gottes in die Welt gebracht.


Lassen wir uns von einem bunten Haufen Sandalen und Rucksäcken ermutigen:  Geben wir einfach das, was wir haben. Tag für Tag. Auch wenn es uns manchmal so unglaublich klein und kümmerlich vorkommt (Und die Liebe in mir hat manchmal auch nur Senfkorngröße!). Es ist nicht vergebens! DAS will  ich glauben.

 
Postkarte: Das Wort-Projekt SCM-Verlag