Dienstag, 4. Dezember 2018

Alle Jahre wieder.

So vieles im Leben geschieht in einem wiederkehrenden Rhythmus. Ich finde das hat etwas tröstliches, in einer Welt die sich ständig verändert und in der man sich oft genug neu anpassen muß. Da kommen die kleinen Rituale und vertrauten jährlichen Abläufe (maches erwünscht, manches befürchtet) wie ein alter bequemer Schuh daher, in den man schlüpfen kann.  Alle Jahre wieder: 

Ausstecherle backen. Geduld üben. Sich wundern warum die Kekse bei der eigenen Mutter irgendwie immer viel besser geschmeckt haben und sich fragen ob das dem Sohn auch mal so gehen wird? (das würde ja heißen die werden über Generationen immer schlechter? Oder ist es einfach der nicht wiederholbare Geschmack unserer Kindheit?)


Und sich fragen ob auch bei anderen das Küchenchaos dabei so groß ist?
Unerwartete kleine und größere Katastrophen. Das Leben halt, das uns geschieht, und Pläne unbekümmert über den Haufen schmeißt. Dieses Jahr: Heios "Hexenschuß". Der Arme kam ein paar Tage lang kaum aus dem Bett. Wir haben solidarisch mit ihm im Bett gefrühstückt und uns gefreut, dass der Papa, schön aufgeräumt, immer da ist.


Die Sternstunde in der Gemeinde. Unser jährliches Essern und Feiern für einen guten Zweck. Abends kam ich ziemlich erledigt nach Hause (der Mann hat einfach gefehlt!) aber ich bin immer noch total erfüllt über den wunderschönen Nachmittag mit vielen besonderen Gästen.





Unser Baum bekommt wieder seinen Platz auf dem Balkon und wird ordentlich geschmückt. Ich stelle, wie jedes Jahr, erstaunt fest, dass er tatsächlich ein kleines Stück gewachsen ist. Ganz unbemerkt. Langsam wird das Tragen ziemlich schwer.  Wir warten darauf, dass wir ihn richtig einpflanzen können, an einem Ort an dem wir - so Gott will - für längere Zeit Wurzeln schlagen dürfen. Vielleicht finden wir ihn im kommenden Jahr? Wir sind gespannt...


Freude über Adventskalender! Samu bekommt ihn jedes Jahr von der tollen Tante, mit ganz viel Liebe gemacht. Und ich freue mich über meinen echten und den virtuellen Weihnachtskalender von der wunderbaren Tine - wenn ihr wollt, könnt ihr euch hier mitfreuen.


Die Dampflok ist da! Heute mittag ist es wieder soweit: Wir werden zum Schloßplatz fahren und "Zügle" kucken. Großes Staunen, jedes Jahr aufs Neue.


Und auch das: alle Jahre wieder kommt die Gier nach Geschenken; der verführerische Gedanke, dass uns Dinge glücklich machen können. Wir stellen fest: Umso mehr das Kind bekommt, umso größer wird der Wunsch nach NOCH MEHR. Da hilft nur gegensteuern: Gemeinsame Zeit verschenken. Vorlesen. Im Dunkel nochmal rausgehen und Weihnachtsbäume zählen. Kerzen anzünden und Adventslieder singen....und immer wieder fröhlich an den eigenen, guten Vorsätzen scheitern.


In der Adventszeit häufen sich die Termine für Lesungen. Und ich finde in diese Zeit passt das Vorlesen, an gemütlichen Abenden oder beim gemeinsamen Frühstück, so gut! Die Adventszeit ist für mich ein thin place, eine Zeit in der die Trennungslinie zur unsichtbaren Wirklichkeit durchlässiger wird und unsere Herzen ein bisschen weicher und weiter werden können.
 

Und ich liebe es, neue Weihnachtstexte für die Lesungen zu schreiben. Hier ein kleiner Ausschnitt für euch. Der Titel - ihr ahnt es: Alle Jahre wieder. Für einen kleinen, ruhigen Moment in dem ich euch "vorlesen" darf: (vorausgehend sind ein paar Gedanken über die Geburt, wie ich sie bei Samuel erlebt habe und wie Maria das wohl erlebt haben muß; wie, so alles überfordernd und chaotisch und wunderbar, neues Leben zu uns kommt):

Während ich hier schreibe, in meiner warmen Küche, singt Samuel im Nebenzimmer, völlig schräg: Alle Jahre wieder! Heio flieht zu mir ins Zimmer und verdreht die Augen. Er mag keine kitschigen Weihnachtslieder. Und wenn sie theologisch falsch sind, erst recht nicht. Alle Jahre wieder - als ob!
Aber vielleicht ist es tatsächlich so! Vielleicht kommt der immer gegenwärtige Jesus wirklich alle Jahre wieder bei uns an. Mittenrein in das ganze Durcheinander in das wir so oft geraten und über das wir so viel weniger Kontrolle haben als wir denken. In Streitereien und müdes Warten, Erkältungen und Menschengedränge. In komplizierte Familienverhältnisse, in das Chaos von geplatzten Einkaufstüten bis zur geplatzen Fruchtblase. Alle Jahre wieder. Kommt er zu uns. Auch zu denen für die diese Tage schmerzhaft ruhig und unendlich lang sind und diese ganzen Familienfeierlicheiten nur eine Erinnerung daran sind, was eben nicht da ist. Nie da war. Oder dieses Jahr zum ersten Mal fehlt. Und alles was man tun kann ist in den Schmerz zu atmen, auch wenn man vielleicht kein Ahnung hat wie das geht. Auch hier hinein, gerade auch hier hinein, kommt der Erlöser. Er kommt in das ganze, oft so komplizierte Leben, das unseres ist. Trotz aller Widrigkeiten kommt er bei uns an. Er schafft das. Er erwartet nicht, dass wir erst einen Achtsamkeitskurs besuchen, oder zumindest ein wenig unserer innere Balance herstellen, um ihm dann angemessen Raum und Zeit zu schenken. Jeder Raum ist gut genug für den Retter der Welt. Unter Geschrei und Schmerzen und Hoffnungsanfällen und „Ich kann nicht mehr!“, wird uns Christus in die Arme gelegt. Jedes Jahr aufs neue. Und er bringt Hoffnung mit. Auch wenn wir uns oft so wenig dafür bereit fühlen. Immanuel. Gott mit uns. DAS ist Verheissung. Einladung. Und Wirklichkeit. Seine sanfte Gegenwart bricht herein und hält uns fest, wie eine weiche Babyhand , die sich um unsere Finger schließt. Er findet uns. Unser Leben lang. Er war da, als wir mit staunenden Kinderherzen Maria und Josef und das Jesuskind betrachtet haben und strahlend Geschenke in Empfang nahmen, und er war da in den Jahren in denen uns so wenig nach Strahlen war. Er findet uns in den guten und vollen und oft auch so müde Jahren. Er kommt in krisengeschüttelten und fruchtbaren Jahre und auch in die stiller werdende, in denen wir von Erinnerungen zehren und das Vermissen und die Dankbarkeit immer mehr Raum einnehmen dürfen. Er kommt. Alle Jahre wieder. Mit hoffnungsvoller Nähe. Unser ganzes Leben lang. Was für ein tröstlicher Gedanke; so richtig um JETZT UND HIER für einem kleinen Moment: einfach zu stehen und zu staunen.



Donnerstag, 29. November 2018

Schuld

Oh weh - was für eine Überschrift! Innerlich kämpfe ich mit mir ob ich dieses Wort so stehen lasse. Ob ich nicht etwas weicheres, einladenderes nehme. Licht im Dunkel, oder so was. Ein bisschen Einstimmung auf die Adventszeit. Schuld - das klingt nach düster skandinavischem Thriller oder wie die Einführung zur Selbstzerfleischung.  Aber ehrlich: es ist das, was mich gerade beschäftigt; nach Tagen die so angefüllt mit Gutem waren!  Eine wunderschöne Lesung in Flacht (DANKE an euch alle die dabei waren und den Abend so besonders gemacht haben!!!). Ein guter Befund beim Arzt. Weihnachtsbäckerei und erster Adventsschmuck aufgehängt. Aber mittendrin, während ich in der Wohnung die Kerzen verteile, packt die Schuld mich am Kragen. 
Da ist dieses Buch von Wolfgang Schorlau, das ich gerade zu Ende gelesen habe. Hey, auch deutsche Autoren können düster! Und seine Krimis sind immer so nah an der Realität, so gut recherchiert, dass einem das "Ist in echt ja nicht so schlimm" nicht über die Lippen kommen mag. Ich kann den Inhalt hier schlecht wiedergeben. Grob gesagt geht es um die Schuldenkrise Griechenlands. Und um alte, deutsche Schuld. Fast vergessen. Mir war nicht bewusst, was wir diesem Volk im zweiten Weltkrieg angetan haben! Griechenland - damit verbinde ich blaues Meer, Fischerdörfer, Urlaub und Ouzo. Und freundliche, offene Menschen, so wie meine Nachbarin. Wenig wusste ich davon wie schrechlick deutsche Besatzer in diesem Land gewütet haben.  Ist die deutsche Schuld gesühnt? fragen da auch deutsche Journalisten, mitten hinein in Diskussionen um ein Schuldenschnitt für Griechenland und die Entrüstung, wieviel Rettungsschirme man für dieses Land denn noch aufspannen sollte. Nun habe ich politisch wirklich nicht den Durchblick, besonders wenn es um komplizierte Finanzmärkte geht. Aber ich weiß was Schuld bedeutet. Nicht nur so allgemein. Gestern Abend konnte ich deswegen kaum einschlafen. Ich habe Samuel nachmittags angeschrien, als er weinend und verzweifelt vor seinen Hausaufgaben saß.: "Stell dich nicht so an, das mußt du doch können! Lies die Aufgabe richtig durch. Ich helfe dir jetzt ganz bestimmt nicht!" Wütend darüber, dass er sich oft viel zu sehr auf meine Hilfe verlässt und nicht alleine versucht die Lösung zu finden, habe ich die Tür zugeschlagen. Sein Schluchzen hörte nicht auf. Irgendwann erbarmte ich mich, setzte mich seufzend dazu; und war erstaunt: Diese Aufgaben sind wirklich zu schwer! Also, ICH finde diese Aufgaben schwer. Wie soll ein 7-Jähriger das lösen? Und dann haben wir gemerkt, dass es die falschen Aufgaben sind. Er war schon mit Aufgaben beschäftigt die erst am Ende des Schuljahres drankommen. Großes Aufatmen beim kleinen Sohn. Großes Sündenerkenntnis bei der Mutter. Ich entschuldigte mich, mehrmals. Und ich weiß doch, dass ich die wütenden Worte nicht zurücknehmen kann.  Abends, im dunklen Schlafzimmer, überwältigte mich dann nochmal so richtig die Schuld. Meine Schuld. Und auch die Schuld meines Volkes. Und Gott? Er weiß und sieht das alles!
Da gibt es diese Liedzeile, in der wir Gott fröhlich bitten uns doch sehen zu lassen was er sieht. Ich weiß, es ist ja irgendwie anders gemeint, aber ich zögere immer bei diesen Zeilen und bin von Herzen dankbar dass ich NICHT all das sehen muß, was ER sieht; hinter der Weihnachtsdeko an den Fenstern... Aber wie dankbar bin ich, dass ich einem Gott folgen darf, der nicht einfach wegschaut. Der sich nicht ins Nebenzimmer des Universums verzieht während wir verzweifelt vor uns hinschluchzen mit Aufgaben die wir alleine niemals lösen können.  Er setzt sich  neben uns ins Dunkel. Er tröstet. Mitten im Schmerz. Er kennt die tiefen, komplizierten Verstrickungen unserer Schuldgeschichten; die globalen und die familiären. Er begleicht Schuldenberge. Repartationszahlungen, die wir NIE, niemals leisten könnten! Er bringt Aufatmen. Er umarmt uns, in unserem Widerspruch, dass wir verletzend und segnend zugleich sein können. Er spannt unendlich viele Rettungsschirme auf. Täglich. Stündlich. Für jeden von uns, der um Hilfe ruft. 

Ich finde an manchen Tagen kann man fast den Mut verlieren, angesichts des Dunkels in der Welt und in uns selbst. Am liebsten würde ich dann reflexhaft Kerzen anzünden und fröhliche Lieder singen um die Finsternis zu vertreiben. Aber vielleicht ist es ganz gut, ein wenig im  Dunkel sitzen zu bleiben und etwas von der Not und Schuld auszuhalten, bevor am Sonntag die erste Kerze am Adventskranz angezündet wird. Das Dunkel sagt mir: Wir brauchen einen Retter! Ganz dringend sogar!!! Unsere Welt ächzt und stöhnt und wartet auf Erlösung. Und wir mit ihr. 
Und wenn wir am Sonntag das erste Licht anzünden, dann verdrängen wir diese Wirklichkeit nicht. Aber wir bekennen trotzig:  Das Dunkel hat nicht das letzte Wort! Nicht in meinem Leben! Nicht in dieser Welt! 
Brennan Manning, der ehemalige Priester und Alkoholiker, der über Gnade geschrieben hat, wie kaum ein anderer, sagte einmal:
Suffering, failure, loneliness, sorrow, discouragement and death will be part of your journey, but the kingdom of God will conquer all these horrors.
No evil can resist grace forever.
Brennan Manning.
(Leid, Versagen, Einsamkeit, Sorge,Entmutigung und Tod wird immer Teil unserer Reise sein,aber das Königreich Gottes wird alle diese Schrecken bezwingen! Kein Übel kann auf ewig der Gnade widerstehen.)
 Amen!!!


 

Donnerstag, 22. November 2018

Igeln

Immer wieder hat mich Samuel an diesen, für ihn so wichtigen Termin, erinnert: "Mama, vergiß nicht die Igelfrau!" Nein. Ich vergesse sie nicht! "Denk an die Igelfrau!". Ich tue nichts anderes! Die "Igelfrau" ist die Frau von der Igelstation, die einmal im Jahr in die Schule kommt. Und dieses Mal hatte ich die Ehre den Chauffeur zu spielen. Und ich muß schon sagen: diesen Anblick war es absolut wert:


Die meiste Zeit wollte sich der kleine Kerl allerdings gar nicht zeigen und hat sich nur müde zusammengerollt. DIe Igelfrau erklärt, dass er schon kurz vor seinem Winterschlaf ist. Und dann sollte man ihn nich mehr so oft aufwecken. Während sich der Kleine wieder einigelt und ich ihn nach Hause fahre (mitsamt Igelfrau), denke ich mir: Ach ja, ein bisschen Igeln könnte in den vor uns liegenden Wochen nicht schaden! Dieses Jahr war ganz schön ermüdend und vielleicht habe ich mich deshalb so sehr nach der kalten Jahrszeit gesehnt.  Der still daliegende Garten, das trübes Wetter und die kürzer werdenden Tage sind eine liebevolle Einladung unseres Schöpfers, das Leben jetzt ein bisschen langsamer anzugehen. Es ist okay früher ins Bett zu gehen, öfters mal ein Buch in die Hand zu nehmen und bei Kerzenschein muß die Wohnung auch nicht immer auf Hochglanz poliert werden. Sieht ja eh keiner.
Apropos sehen: Ich glaube diese Jahrszeit ist wunderbar geeignet zum Schauen. Ich blättere gerade wieder durch eins meiner Lieblingsbücher, in dem Herny Nouwen über seine siebenmonatige Auszeit in einem Trappistenkloster berichtet. Er nimmt sich diese ruhige Zeit um genau hinzuschauen, auf sein Innerstes was in antreibt und motiviert, was ihn oft so viel Kraft kostet und warum. Ganz oft finde ich mich in seinen Worten wieder. Zum Beispiel wenn er schreibt: 
Ich stecke so viel Energie in jede Begegnung, gleichsam als hätte ich jedes Mal von neuem zu beweisen dass ich es wert bin, dass der andere sich auf mich einlässt. 
Sein weiser Mentor, antwortet ihm darauf: "Sie setzen ihre ganze Identität aufs Spiel - und fangen jedes Mal wieder am Nullpunkt an. Da werden Gebet und Ruhe sehr wichtig; denn darin finden sie ihre tiefste Identität; und das bewahrt sie davor, jedes Mal wenn sie mit anderen Menschen zusammenarbeiten, Ihr ganzes Wesen aufs Spiel zu setzen."
Ach, was sind das für kluge Worte! Und wie gut kenne ich das, dass ich dem anderen beweisen will: Es ist es Wert, dass Du Zeit mit mir verbringst! Auch mit Menschen die mir schon vertrauter sind, geht mir das oft so. Als müsste ich das immer wieder aufs neue leisten, dass der andere jetzt und hier durch mich gesegnet wird. Ich spüre die sanfte Einladung von Jesus, das alles loszulassen. Und das ist ja leichter gesagt als getan. Getan sowieso nicht! Es ist eher das Nichttun, das SEIN, das Stillhalten, das so wichtig für mein inneres, verborgenes Wachstum ist. Diese Jahreszeit ist eine Einladung dazu. Ein bisschen "Igeln". Zuhause sein. Ankommen. Bei mir. Bei Jesus.  
Ich will immer sehen was vor mir liegt, und ich übersehe ihn, der mir so nahe ist, schreibt Nouwen. Und das will ich: Ihn wahrnehmen, der mir so nah ist! Dazu braucht es die langsameren Tage. Auch um ein bischen Rückschau zu halten. Ach, was war das für ein turbulentes Jahr... Ich fühle mich ein bisschen so wie die Langläufer die über die Ziellinie kommen und erstmal einfach nur nach Luft schnappen und ATMEN müssen.  Also atme ich. Ein und aus. Und nehme das, was mir diese Jahresszeit so verlockend entgegenstreckt:


heißen Tee mit Honig trinken * Kerzen anzünden * Kastanien sammeln * ans Fenster setzen und zuschauen wie die letzten Blätter fallen * zuschauen wie der erste Schnee fällt * Weihnachtspäckchen packen, mit dankbarem Herz über wunderbare Menschen in meinem Leben * Vorleseabende * in ein warmes Cafe setzen * Raclette Essen mit Freunden * einmal Ausstecherle mit Samu backen und gut ist *  die Wärme vom Holzofen genießen * Letztes Picknick des Jahres *  mich auf Lesungen freuen, auf denen ich nicht versuche zu beweisen, dass ich es wert bin *   Früh ins Bett gehen und lesen * Rotkraut mit Kartoffelbrei* Winterreserve anlegen * eine Runde spielen * Noch eine Runde spielen * Lieblingsweihnachts-CD von Sufjan Stevens einlegen * Wohnung schmücken * aufraffen und warm einpacken und nochmal an die frischen Luft gehen * auf dem Sofa einkuscheln und Nach-denken. Erinnern. Vermissen * gute Filme * Dominosteine und Madarinen * Den wahrnehmen, der mir so ganz nah ist * Segen auffangen * Atmen.












Und vielleicht habt ihr ja kommenden Dienstag Lust auf einen gemeinsamen,  gemütlichen Abend? 

Montag, 12. November 2018

Neuer Wein

Was war das für ein wunderbares Wochenende!!! Ich bin so dankbar und so übervoll, dass es mir schwer fällt das Ganze in Worte zu fassen.
Angefangen hat das Ganze im letzten Jahr, unter dem Apfelbaum in unserem Garten. Da saß ich kuchenessend mit Veronika und wir haben uns gedacht: Wie cool wäre es, wenn wir uns mit anderen Bloggerinnen, die auch versuchen Jesus hinterherstolpern, treffen könnten um uns gegenseitig zu ermutigen? Also ehrlich gesagt dachte ein Teil von mir: Wie cool! Der andere Teil dachte: Ich weiß nicht, Vielleicht wird das ganz merkwürdig und enttäuschend wenn wir uns so in echt treffen (besonders wenn die Leute MICH in echt treffen). Aber der Stein, den wir mit diesem Gespräch ins Rollen gebracht hatten, war nicht mehr aufzuhalten. Melanie (Chefredakteurin der Joyce), Bettina (Redakteurin bei der Family) und Annegret (Lektorin beim SCM Verlag) haben die Idee tatsächlich aufgegriffen und das Ganze möglich gemacht!  VIELEN DANK an euch Drei und an den Verlag!!! SIe haben die Einladungen verschickt und innerhalb kürzester Zeit waren die ziemlich begrenzten Plätze auch schon voll.
Umso näher das Wochenende kam umso größer wurde meine Vorfreude.  Beim Losfahren am Freitagmorgen sagte ich mit müde verquollenen Augen zu Samu: "Heute werde ich ganz viele tolle Frauen treffen!" Und er ermutigte mich mit den Worten:  Mama, DU bist doch auch toll!" :-)
Und, was soll ich sagen: Ich habe ganz viele tolle Frauen getroffen!!! Angefangen hat es mit einer wunderbaren Autofahrt mit Veronika, Tine und Lissy. 


Als wir dann im Dunkel in Essen ankamen, hat uns der Tagungsort ein bisschen trübsinnig entgegengeblickt (das Wetter war leider nicht so toll. Andererseits: Segenregen!). Und dann ist eine Frau nach der anderen aufgetaucht und jede hat auf ihre Art die Hütte hell gemacht! 
Es war ein tolles Gefühl die Frauen in die Arme zu schließen mit denen ich mich verbunden fühle, obwohl ich ihnen noch nie begegnet bin. Und irgendwie eben doch. Sandra von den 7 Geisslein, die so lebendig schreibt wie eine deutsche Astrid Lindgren (und genauso bunte Bilder mit ihren Worten in meinem Kopf entstehen lässt). Sonja aus der Schweiz, mit der ich in Gedanken im Sommer auf Englandreise gehen konnte, mit deren Hilfe ich mein neues Jahr plane und deren Cupcakes bis nach Stuttgart duften. Lena, wegen der wir jeden Sonntag eine Sabbatkerze aufstellen und in deren Wohnzimmer ich mich total Zuhause fühle, obwohl ich noch nie dort war. (Ich bin sicher ich würde sofort den Weg zur Toilette finden) Antschana, von der ich weiß was ihre sechs Kinder unter der Woche auf den Tisch bekommen und dass sie so ein großes Herz hat, dass noch viel mehr an die Tafel passen. Und, und, und! SO VIELE tolle Frauen!!!! Am liebste würde ich jede Einzelne hier vorstellen. So ein Reichtum der da in dem kleinen Tagungshaus zusammenkam!
Wir haben uns zusammen an den Tisch gesetzt und Jesus eingeladen bei uns Platz zu nehmen. Und wir haben das weitergereicht was wir bekommen haben: Schreibtipps und Netzwissen, Schokolade und Wein, Kaffee und Komplimente, Bibelworte und Datenschutzverordnungserklärungen. So viele gute Worte, mit lauter oder leiser Stimme gesprochen. Und mittendrin die heilsame Erkenntnis: Wir nehmen einander nicht den Platz weg! Der Reichtum des anderen ist auch meiner! Wie ein Buffet, an dem jeder seine Schüssel mit der eigenen Spezialität abstellt. Umso mehr, umso besser. Was war das für ein Festmahl!!!

Heute morgen lese ich wie Jesus davon redet, dass neuer Wein nicht in alte Schläuche passt sondern in neue gefüllt werden muss. Und mir kommt der (bestimmt nicht wirklich neue) Gedanke, dass das Internet so ein neuer Schlauch sein kann. Geliebt und gehasst. Zeiträuber und Zeitfüller. Und doch auch: eine Tafel die unendlich viel Platz schenkt. Wo immer nochmal ein neues Gedeck passt. Wo jeder seine Stimme erheben kann. Ein Netz, das ganz weit gespannt werden kann. Ein Gefäß das Segen weitergeben und auffangen kann, der sonst kaum zu fassen wäre.
Mein Gehirn kann ganz vieles von diesem neuen auch nicht fassen, und ich genieße auch die alten Schläuche - kleine, gemütliche Familientische. Aber ich ahne, dass Gott auf dem Weg ist neues zu tun.  Dass er dabei ist Netze und Herzen weit zu machen für einen großen Fang. Dass er unsere Vorstellungen sprengen wird, darüber welcher Reichtum auf dem Buffet stehen wird und darüber wer alles eingeladen ist und an seiner großen Tafel Platz nehmen wird.
Und wir dürfen dabei sein! Wir dürfen einander anfeuern und ermutigen. Wir dürfen weitergeben was wir von unserem großzügigen Gott bekommen haben und die Gläser voll schenken, bis sie überlaufen. Wir dürfen Gnade verschütten über die Bildschirme dieser Welt und an den kleinen Tischen in unseren Wohnzimmern.

DEIN REICH KOMME!








unser Vorbereitungsteam

(und an alle die jetzt vielleicht traurig denken da wäre ich auch so gerne dabei gewesen: Leider sind die Tafeln im realen Leben noch ein bisschen begrenzt, aber DU gehörst auch dazu! Wir werden versuchen beim nächsten Mal, wenn es denn hoffentlich stattfindet, den Tisch noch ein bisschen weiter auszuziehen. Da ist immer noch Platz für ein Gedeck mehr!)

Dienstag, 6. November 2018

Danken gegen den Stress!



Der Herbst ist da! Und ich? Bin so oft weg. Sei es in Gedanken (weil gerade so viel zu tun ist) oder ganz in echt. Mein Stressspiegel ist morgens oft schon leicht erhöht und wenn nicht alles so klappt wie ich mir das vorstelle, kann ich sehr ungehalten werden! Samu hat mir einen Zettel auf den Nachttisch gelegt, darauf steht:  Mama, bitte sei gut genervt! :-) Ich versuche mich daran zu halten, aber es ist nicht so leicht. Ich nehme jede Hilfe die ich bekommen kann. Und eine Sache die mir wirklich hilft ist: Dankbarkeit! Habt ihr das auch schon gemerkt: Dankbare Menschen sind selten gestresst! Sie haben etwas entspanntes an sich. Sie haben Zeit. Sie riechen an den Blumen oder versenken ihre Nase in der Kaffeetasse. Sie lassen das Essen auf der Zunge vergehen, umarmen ihre Freunde ein bisschen länger und beobachten Lieblingsmenschen beim Schlafen. Sie spielen ungebeten noch eine Extrarunde mit den Kindern, nehmen die schöne Hintergrundmusik wahr und stellen sich ans Fenster wenn draußen die bunten Herbstblätter fallen (und ignorieren dabei mit fröhlichem Starrsinn die schmutzigen Fensterscheiben). Was wünsche ich mir SO dankbar zu sein! Also übe ich. Danken gegen den Stress. Meine derzeitige Morgenmedizin.  Und, ich muß sagen, es wirkt! Ich nehme die Dinge die zu tun sind tatsächlich ein bisschen entspannter in Angriff und ich sehe ein bisschen mehr das Geschenk hinter den Aufgaben. Eine ungeputzte Wohnung? DANKE für unsere Wohnung! Mails die zu beantworten sind? DANKE für tolle Menschen und für Gelegenheiten die ich geschenkt bekomme. Mittagessen kochen? DANKE für einen vollen Kühlschrank, für Kürbisse und Kartoffeln. Ein Kind das mich heute total fordert? DANKE für das Wunder, dass da jemand ist der "Mama" zu mir sagt. Laubblätter die zu fegen sind? DANKE für meine Lieblingsjahrezeit!
So, und jetzt heute koche ich die Reste von gestern, verschiebe einiges auf Morgen und dann gehe ich eine Runde mit Samu nach draußen (und versuche konsequent die vielen Hundehaufen am Wegrand zu ignorieren!)  Ich bringe meiner unruhigen Seele bei: Aufgaben sind versteckte Geschenke und man darf sie langsam auspacken. Und Geschenke müssen nicht perfekt sein um Freude zu machen! Die Welt geht nicht unter wenn der Workshop oder die Lesung (oder der Blogeintrag) nicht ganz so perfekt wird und die Wohnung noch unaufgeräumt ist wenn der Besuch vorbeischaut. Wir feiern den Mut zur Lücke. Und den Gott der unsere Lücken mit Gutem füllt. Tag für Tag. DANKE!!!


Danke für spontane Alltagsfeste! (Hier wird der neue Stoffhund begrüßt!)...

danke für Freunde..

danke, dass dabei nur die Hose kaputt ging...

danke für den Sabbat und Zeit mit Menschen die wir lieb haben...
danke für kleine Wunder am Wegrand...

danke für  Hausaufgaben die uns Geduld lehren...

danke für so viele unverdiente Liebesbeweise...

danke für wunderbare Jahrszeiten..

und danke für das Licht das uns begleitet.