Montag, 23. März 2020

Er hält die ganze Welt

Heute morgen musste ich mich in aller Eile anziehen, weil Samuel mit der Kuhglocke läutend die "Lehrerin" zum Unterricht rief (vielleicht sollten wir doch noch ein bisschen später mit der Schule beginnen?). Die erste Woche Homeschooling liegt nun hinter uns. Wir beginnen jede Stunde mit einem innigen Gebet um gute Nerven für die Lehrerin (was Samuel einen tiefen Seufzer entlockt) und um Konzentration für den Schüler (unruhiges Beineschlenkern neben mir). Wie gut, dass zwischendurch auch mal der geduldige Mathelehrer übernimmt!


Langsam kommt eine neue Routine in unseren Alltag. Wir grüßen Freunde nur noch von weitem und stellen uns im  Zwei-Meter-Abstand vor den Läden an.

So merkwürdig es ist: Man gewöhnt sich irgendwie an die Lage - auch wenn ich mich beim Einkauf doch erschreckt habe, als plötzlich ein Mann mit Tarnanzug und Gasmaske neben mir auftauchte! Ich vermisse zwar meine "Allein-Zeit" und das ruhige Arbeiten vor dem Computer, aber es ist trotzdem spürbar: Die Krise verlangsamt unser Leben. Am Sonntagvormittag sind wir ganz entspannt zu einem kleinen Ausflug aufgebrochen:

Ziel: Die Burg auf dem Hügel

schwerer Anstieg: "Wie weit noch Mama?"
Eisschollen...
...und Frühlingserwachen
Pause genießen...
und weiter geht`s , mit leichterem Gepäck!
Wenn man unser persönliches Leben anschaut könnte man meinen die Welt sei ganz in Ordnung. Aber das ist sie natürlich ganz und gar nicht. Das sehe ich an dem ängstlichen Blick unser alten Nachbarin und an dem erschöpften Mann einer Freundin, der mit seinen Kollegen im Altenheim zur Zeit weit über seine Grenzen geht. Ich lese es in sorgenvollen mails von Bekannten die ihren Laden schließen mussten und nun um ihre Existenz fürchten. Ich sehe es Abend für Abend in den Nachrichten: Lastwagen voller Särge in Italien. Ein Erdbeben in Kroatien und verzweifelte Menschen, die sich in so einer Situation nicht mal in den Arm nehmen dürfen. Abgekämpfte Ärzte in Spanien, ernste Politiker und die Sorge, dass sich der Virus in Flüchtlingslagern und in Ländern ausbreiten könnte, deren Gesundheitssysteme so eine Krise in keinster Weise auffangen könnte.
Ich stelle, zusammen mit vielen anderen, eine Kerze ins Fenster und versuche in diesen Tagen ein bisschen länger mit Jesus wachzubleiben.
Gestern hatte eine Freundin dieses Foto, das mich sehr berührt hat, auf ihrem WhatsApp Status:

@arte_carde

Jesus, der unsere Welt in seinen Armen hält. Der Tröster. Der Heiland. Der am Kreuz nicht nur für unsere Sünden starb, sondern auch für das Leid der ganze  Welt. Unsere Leiden - er hat sie getragen. (Jes.53,4). Ich glaube gerade in diesen Zeiten - wenn uns die Not der Welt überwältigen und mutlos machen kann -  ist es gut sich daran  zu erinnern. Henri Nouwen schreibt dazu (in: Jesus. Eine Botschaft die Liebe ist):
Wenn wir sagen "Christus ist gestorben", bringen wir die Wahrheit zum Ausdruck, dass alles menschliche Leiden aller Zeiten und Räume, vom Sohn Gottes erlitten und damit ins innerste Leben Gottes aufgehoben wurde... und solange es noch eine Menschheitsgeschichte gibt, ist die Geschichte des Leidens Christi noch nicht vollständig erzählt. 
Ich merke, dass mir dieser Gedanke neu ist, dass ich ihn in der Tiefe nicht verstehe, aber dass er etwas tröstliches hat: Alles Leiden der Welt ist im Innersten bei Gott aufgehoben. Und, so fügt Nouwen hinzu, durch den gekreuzigten Jesus offenbart sich Gott jedem Leidenden mit seiner unermesslichen Liebe. 
Das erfordert meinen ganzen Glauben  - und auch mein Ich glaube, hilf meinem Unglauben!  Alle Leidenden werden in diesem Moment gehalten. Jesus hält keinen Maximalabstand ein. Er nimmt seine Welt in die Arme. Er ist dabei. Mittendrin. Er leidet und stirbt mit uns. So lange bis die Geschichte vollständig erzählt wurde und ein neues Kapitel mit den Worten beginnt: In der Morgendämmerung des ersten Tages kamen sie zum Grab...(Luk.24,1)
Bis dahin sind es noch ein paar Tage. Tage an denen wir die ersten Frühlingszeichen begrüßen und uns fragen, ob die Kraft für den Anstieg reicht.  Tage an denen wir den aufziehenden Sturm von Ängsten und Sorgen bei Jesus - Burg und Zufluchtsort - ablegen und uns kleine Pausen gönnen, um dann mit leichterem Gepäck weiterzugehen. Tage an denen wir Tische und Tränen abwischen und abends müde eine Kerze ins Fenster stellen und versuchen ein bisschen mit Jesus wach zu bleiben.Und wenn wir dann ins Bett fallen dürfen wir eins wissen:  

Er hält die ganze Welt in seinen Armen. 

Auch durch diese Nacht.

So lange bis der erste Tag anbricht.
 

Montag, 16. März 2020

Kleine Lichter

Es war ein merkwürdiges Gefühl, heute morgen Samuel nachzuwinken, auf seinem Weg zur Schule - zum letzten Mal für die nächsten 5 Wochen (mindestens). "Was machen wir heute mittag, Mama? Und morgen?" Er spürt die Unsicherheit dieser Tage und will so vieles wissen. Und ich kann ihm so wenig klare Antworten geben. Am Samstagnachmittag standen wir erstaunt vor dem leeren Regalen in unserem Supermarkt. Seither steigt nun doch etwas die Sorge in unserem Haushalt, wie lange unser Klopapier noch reicht. Heio hat schon Alternativen parat (fragt nicht!). Kinderbibelwoche, Lesungen und sämtliche andere geplante Treffen sind abgesagt. Was gut und richtig ist. Es geht darum Verantwortung füreinander zu übernehmen. Deshalb kann Samuel in den nächsten Wochen auch nicht für ein paar Tage zur Oma (Gott schenke uns Kraft!). 
Am Sonntag haben wir uns, zum vorerst letzten Mal offiziell (und in kleinem Kreis) als ganze Jesusfreaks-Gemeinde getroffen. Lange wurde von unseren Leitern überlegt wie wir es machen sollen. Am Ende saßen ein Dutzend Leute in einem Stadtgarten - mit ausreichend Abstand zueinander und ohne unsere üblichen Umarmungen zur Begrüßung. Heio hat eine mutmachende Predigt gehalten die aufgezeichnet wurde, für alle diejenigen, die sich aus guten Gründen schon dazu entschlossen hatten nicht mehr zu kommen. Eine Freundin zum Beispiel, die für ihre zwei älteren Nachbarn einkaufen geht und sich um ihretwillen keinem Risiko aussetzen will. Als wir in einem weiten Kreis saßen und anfingen zu singen, geschah etwas ungewöhnliches: Die Balkontüren gingen auf (normalerweise gehen die Türen eher zu!). Leute lächelten in unsere Richtung, eine Frau werkelte an den leeren Blumenkästen und Spaziergänger untersuchten Pflanzen die in unserer Nähe wuchsen. Es war ziemlich erstaunlich. Wie auch die SMS am Abend von einer Kneipenwirtin die uns schrieb: Wann kommt ihr hier wieder einmal vorbei? Wir könnten ein bisschen Gott hier gebrauchen!  
Was ich damit NICHT sagen will ist: Umgehen wir die Anweisungen unserer Regierung und ignorieren die Gefahren und machen wir weiter wie bisher! Ganz bestimmt nicht. Achten wir aufeinander. Und tun wir alles was in unserer eigenen Macht steht, dass sich der Virus nicht weiter ausbreitet. Und doch ist es gut, dass wir als Jesusnachfolger in irgendeiner Weise sichtbar bleiben! Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt! Und in dunklen Zeiten ist Licht doch so nötig! 
Im Moment fühle ich mich ehrlich gesagt eher wir ein kleine flackernde Funzel als Licht der Welt. Wenn ich die Nachrichten angeschaut habe brauche ich erstmal eine Lobpreiszeit oder mindestens fünf Minuten Jesus-Atmen, damit ich innerlich wieder ruhiger werde. Und wenn ich  Nachts aufwache fliegen mich angstvolle Gedanken an, die nur schwer zu verscheuchen sind (heute Nacht war Psalm 25 die "Fliegenklatsche"!). Doch, es trifft auch auf uns Jesusnachfolger zu: In der Welt habt ihr Angst! Das ist wahr. Aber vergessen wir den zweiten Teil der Wahrheit nicht: Wir folgen dem, der die Welt überwunden hat! (Johannes16,33)
Was mich in diesen Tagen erstaunt und auch traurig macht ist, wie wenig wir von den Kirchen im Land hören - außer den offiziellen Statements die man von überall her bekommt.  Aber vielleicht ist es die Zeit in der unser Land, unsere Welt, einfach viele kleine Lichter braucht! Menschen wie du und ich. Die selbst ziemlich flackerndes Licht werfen und fürchten, dass der nächste Windstoß sie auspusten könnte.  Aber viele kleine Lichter können es ganz schön hell machen! Jesus sagte schließlich nicht zu EINEM seiner Nachfolger: Du bist das Licht der Welt, sondern er sagt: IHR - wir alle zusammen - IHR sind das Licht der Welt!(Matthäus5,13) Wie dieses Leuchten aussieht wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Aber wir werden Licht sein! Das glaube ich! Weil Jesus es sagt. Weil er selbst, Licht der Welt, in uns lebt. Und er, der Überwinder, hat genügend Hoffnung für die ganze Welt!
Jeder von uns leuchtet ein wenig anders. Manche von uns werden im Garten - oder bei offenem Fenster - singen und damit den Nachbarn ein wenig Mut machen. Manche werden für gefährdete Menschen in ihrem Umfeld einkaufen. Manche von uns werden müde unseren Kindern Mathe beibringen und versuchen dabei geduldig zu bleiben. Jeder leuchtet auf seine Art! Und gemeinsam können wir Gebete sprechen, für Kranke, Angstbefallene, Einsame (die nun nicht Familienzeit verbringen können - einfach weil sie keine Familie haben)  und für unsere Politiker, die schwierige Entscheidungen treffen müssen. Unterschätzen wir die Strahlkraft unserer Gebete nicht! 
Ich würde Gott am liebsten auch mit Fragen löchern: "Was machen wir heute? Was machen wir morgen? Wie wird es weitergehen?" Aber es gibt keine Klarheit. Nur ein ruhiges Vertrau mirWas ich sehe ist, dass ein paar Türen aufgehen. Und dass Menschen nach kleinen Lichtquellen suchen, weil sie ein bisschen Gott gebrauchen könnten. 
Alles was ich Gott heute geben kann ist mein JA. Ja, ich will mein kleines Licht nicht unter den Scheffel stellen (und auch nicht unter den Schöffler, haha). Und dann gebe ich ihm meine Hand und bitte ihn: Führe mich! Führe uns alle.  Schritt für Schritt. Ein Tag nach dem anderen.
Von unserem letzten Spaziergang haben wir wunderschöne Kirschblütenzweige mitgebracht und ins Küchenfenster gestellt. Es wird tatsächlich Frühling! Mitten in dieser schwierigen Zeit.




Donnerstag, 12. März 2020

Heute.

Was sind das für unruhige Zeiten! Immer wenn ich morgens in der Küche unser kleines Radio anschalte klingen die Nachrichten noch ein bisschen bedrohlicher als am Tag zuvor. Ab heute ist es nun offiziell: die WHO hat erklärt, was wir alle längst ahnen,  dass wir eine Pandemie haben und unser - oft so verschontes! -  Europa mittendrin. Es ist merkwürdig. EInerseits geht das Leben weiter wie bisher: Samuel geht in die Schule, die Vögel pfeifen fröhlich und ich freue mich über einen wunderbaren Sonnenaufgang. Andererseits ist die Stimmung beim Einkaufen spürbar gedrückt, man versucht vorsichtig Abstand zu halten und wirft misstrauische Blicke auf hustende Menschen. Langsam schränkt der Virus unser Leben ein. Verwandte können den geplanten Urlaub nach Israel nicht antreten, der Kinderkleidermarkt im Nachbarort wurde abgesagt und unsere Freunde haben eben angerufen und uns mitgeteilt, dass sie sich entschieden haben nicht auf das geplante Kinderkonzert zu gehen. Keine einfachen Entscheidungen die es in diesen Tagen zu treffen gilt: Risiken abwägen. Verantwortlich sein ohne in Panik zu verfallen.
Nächstes Wochenende ist eine Lesung bei einer Freundin in Nürnberg geplant und ich habe schon vorsichtig angefragt ob sie denkt wir sollten es verschieben. Sie schreibt zuversichtlich zurück, bis jetzt laufen die Vorbereitungen weiter (wir sind ja weit unter der 1000-Leute-Grenze, zum Glück! ;-)). Wir einigen uns darauf, dass wir einfach kurzfristig schauen. Die Vorgaben ändern sich im  Moment fast täglich.  Also: Ein Tag nach dem anderen! So meistern Menschen ihr Leben, die mit ihren Problemen oft überfordert sind. Und so können wir durch unsichere Zeiten gehen, die uns im Blick auf den nächsten Tag große Angst machen können.
Es gibt ein Gebet im Book of common prayer: a liturgy for ordinary radicals das mir Worte gibt,wenn mir das Beten schwerfällt:
Eine Bekräftigung des Glaubens
Herr, du hast mir immer genug Brot gegeben für den kommenden Tag
auch wenn ich arm bin: heute vertraue ich dir.

Herr, du hast mir immer genug Kraft für den kommenden Tag gegeben,
auch wenn ich schwach bin: Heute vertraue ich dir.

Herr, du hast mir immer Frieden für den kommenden Tag gegeben,
auch wenn mein Herz ängstlich ist: Heute vertraue ich.

Herr, du hast mich in Kämpfen und Anfechtungen bewahrt,
versucht wie ich bin: Heute vertraue ich dir.

Herr, du hast immer den Weg gezeigt,
auch wenn die Strecke für morgen im Dunkel liegt: Heute vertraue ich dir.

(Shane Claiborne und Jonathan Wilson-Hartgrove, frei übersetzt)
Heute. Heute will ich den Sonnenaufgang bewundern und dankbar das Gute wahrnehmen. Heute will ich meine Sorgen zu Gott bringen und die Vögel unter dem Himmel betrachten und meinen vollen Kühlschrank. Heute ist genug!    Heute vertraue ich auf IHN,  meine Zuflucht, meine Burg, mein Gott auf den ich hoffe! (Ps,91,1)
Vergangenes Wochenende waren wir tatsächlich auf einer Burg. Oder vielmehr auf  einem Schloß! Samuel war ganz aufgeregt, dass wir dort übernachten durften. Es fühlte sich sehr sicher an, hinter den hohen Mauern! Und es war kein abgeschotteter Ort, sondern mit Menschen deren Herzen so weit waren, dass die ganze Welt darin Platz hat!

Schloss Hurlach. Segensort!


aufgetischt wie für Königskinder! (DANKE EUCH!!!)

treue Begleitung
wunderbare Frauen!

Darauf hoffe ich: Dass Gott uns allen ein Zufluchtsort ist, bei dem wir Frieden finden - mitten in stürmischen Zeiten!  Dass wir im Angesicht sämtlicher Feinde ein Festmahl genießen können und unseren Glauben bekräftigen und uns gegenseitig Mut machen! Dass wir uns nicht ängstlich abschotten sondern unsere Herzen ganz  weit werden, für den Nachbarn und für eine ganze Welt die so unendlich geliebt ist!   Heute. Ordinary radicals.

He carries the weight of the world...He carries you!

Dienstag, 3. März 2020

Mut statt Klopapier!

Gestern Abend bin ich ziemlich spät neben Heio ins Bett gekrochen und hab vor mich hingemurmelt: "Also im Moment kann man wirklich Angst bekommen, was die Gesamtsituation angeht!" Heio hat nur etwas zurück gemurmelt was wie: "Bitte lass mich weiter schlafen und morgen früh über die Gesamtsituation reden" klang. Also habe ich seufzend das Licht ausgemacht und meine Gedanken für mich behalten. 
Aber jetzt können sie raus - was für ein Glück wenn man einen Blog hat, und auch noch wunderbare Menschen die hier mitlesen! Darf ich euch kurz die etwas beängstigende Gesamtsituation aus meiner Sicht darlegen? Aber sicher wisst ihr selbst was ich meine: Zum einen ist da natürlich die Situation unserer Erde! Schmelzende Pole und Klimaveränderungen die man nun  auch bei uns immer mehr wahrnimmt. Fehlender Schnee (Oh mein geliebter Winter, wie vermisse ich dich!!!), dafür Stürme die Nachts an unserem Haus rütteln, mit einer Wucht die mir manchmal wirklich Angst macht. Und da sind die vielen Menschen die, vertrieben aus ihrer Heimat, verzweifelt vor Angst an der "Festung Europa" rütteln. Überfüllte Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln - unvorsellbare Lebensbedingungen an Orten, an denen sonst Urlauber die Strände bevölkern. Die ganze Tragödie wird bei uns allerdings mehr aus den Augenwinkeln wahrgenommen. Wir haben schließlich andere Probleme: Wir bringen unseren Kindern bei in die Armbeuge zu husten und versuchen weniger Menschen die Hände zu schütteln. Manche verfallen in kopflose Panik und kaufen die Läden leer. Tatsächlich war hier in der Nähe in einem Supermarkt kurzzeitig das ganze Toilettenpapier ausverkauft (was die Leute allerdings mit dem ganzen Klopapier anfangen wollen ist mir schleierhaft!).  Samuel saß gestern neben mir während ich im Fernseher eine Diskussion über die Gefahren des Corona-Virus verfolgte. Ich weiß, nicht gerade kindgerechte Unterhaltung, aber ich war mir ziemlich sicher, dass er in sein Autoquartett vertieft war. Bis er plötzlich mit zittriger Stimme fragte: "Werden wir nun alle sterben, Mama?" Ich habe den Fernseher ausgemacht und versucht ihn zu beruhigen. Nein. Wir sterben nicht! Irgendwann, ja. Aber jetzt noch nicht. Oder doch? Langsam kriecht auch hier in mir die Angst hoch. Ich versuche mich zu beruhigen, wie ich auch das Kind beruhige. Aber die Gesamtsituation unserer Welt kann uns gerade wirklich unruhig schlafen lassen...
Heute morgen sitze ich deshalb ein bisschen länger als gewöhnlich still auf unserem alten Sofa. Ich suche Halt in meinem Glauben. Und merke, wie gesegnet ich bin! Ich schreibe in mein "Danke-Buch" unter der Nr.1713: In Krisenzeiten mit Jesus durchs Leben gehen dürfen.
Passend dazu lese ich die Sätze von König David, der durch ziemlich viele und sehr heftige Stürme gehen musste:
Ich aber, Herr, vertraue auf dich! Ich sage es und halte daran fest: Du bist mein Gott!
Alle Zeiten meines Lebens sind in deiner Hand!  (Psalm31,15-16)
Was für ein Satz! Und was für eine wichtige Erinnerung für mein sorgenvolles Herz: Wir sind in Gottes Hand! Zu allen Zeiten unseres Lebens! So wie es meine Cousine mir am Wochenende lachend sagte, als ich sie im Supermarkt gefragt habe (beim Anblick der 7 Sprudelkisten in ihrem Einkaufswagen!) ob sie Hamsterkäufe macht: "Ach was! Ich sterbe doch nicht an einem Virus! Ich sterbe an Gottes Willen!"  Ich musste lachen. Und natürlich kann man darüber theologisch diskutieren. Aber mich hat es beeindruckt, wie kindlich vertrauensvoll wir sein können und dürfen! Mittendrin. Wenn bei anderen die Panik hochkocht. Und sich auch die Angst ins eigene Herz schleicht. Es ist dieses Vertrauen auf einen Gott der Angesichts der Gesamtsituation nicht hektisch Krisenstäbe einberufen muß. Der unsere blutende und doch auch wunderbare Welt in seinen Händen hält und uns liebevoll zuflüstert: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost -  fürchte dich nicht! - Ich habe die Welt überwunden!(aus Johannes 16,33).
Und vielleicht ist es das, was unsere Welt gerade am allermeisten braucht: Menschen die entspannt lächelnd aus dem Supermarkt kommen und mit ihrem Vertrauen anderen Mut machen. Die in bangen Gesprächen etwas weitergeben von der Hoffnung, die in uns ist: "Wir sind doch nicht alleine! Gott ist auch noch da! Daran halte ich mich fest. Und wenn du Angst hast: greif doch einfach nach seiner Hand. Er ist auch für dich da!"

Am vergangenen Wochenende waren wir im Schwarzwald. Und da hat es doch tatsächlich geschneit!!! Und der Schnee blieb liegen! Einen ganzen Tag lang! Während Heio krank im Bett lag bin ich, selbst etwas angeschlagen, mit Samuel auf die Piste gegangen. Und ganz im Sinne von Martin Luther, der sagte, dass wir heute noch Bäumchen pflanzen sollen, wenn auch morgen die Welt untergeht, haben wir einen Schneemann gebaut.



 Fürchten wir uns nicht! 
Alle Zeiten unseres Lebens sind in seiner Hand!

Freitag, 21. Februar 2020

Helau und Hurra!

Heute ging Samuel, etwas widerwillig, mit seinem Müllmannkostüm in die Schule. Vor ein paar Jahren gekauft, fängt es langsam an ihm zu passen - nur noch zweimal umschlagen: Das reicht für die nächsten Jahre, bis er keinen Bock mehr auf das Ganze hat (hoffentlich!). 
 
Faschingsumzug der Grundschule...
 
inklusive Polonaise in der Turnhalle.

An Fasching geht`s mir wie Atheisten an Weihnachten: Ich bin froh um die freien Tage, kann aber nicht wirklich was mit dem Ganzen anfangen. Dazu müsste man wohl in Rheinland  oder wenigstens in einem katholischen Dorf im Schwarzwald aufgewachsen sein. Unser Dorf war evangelisch. Und unser Fasching beschränkte sich auf Fasnetsküchle essen (eine wichtige Tradition die wir bis heute pflegen!) und die jährliche Verkleidung zur Zigeunerin - zusammen mit meiner Schwester. Heute politisch völlig unkorrekt, wie auch das Kostüm unseres Nachbarjungen!

(die Freundin auf Rollschuhen durfte sich  nicht verkleiden)
 An alle die diese jecke Zeit gerne feiern: VIEL SPAß! :-) Dem Rest von uns: Gute Nerven- wenn ihr mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seid - und wenn ihr frei habt: eine schöne Urlaubswoche!

Und um an das HELAU noch ein HURRA anzuschließen:
Auf der Joyce-Redaktionssitzung lag ein druckfrisches Buch auf unseren Plätzen:


 Das neue Buch von Veronika Smoor: Hoffnung leuchtet. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

letzte Woche bei uns zum Frühstück: Zwei tolle Frauen und ein Buch!
Die Freundin rechts hat mich daran erinnert, dass sie tatsächlich vor ein paar Jahren dachte ich fahre auf Autorenn-Treffen! Sie hatte es fälschlicherweise hier auf dem Blog gelesen. (da stand: Autoren-Treffen! :-)). Die Vorstellung, dass ich Autorennen fahre ist wirklich unglaublich lustig und sehr weit hergeholt - fast so weit, wie die Vorstellung, dass ich eine Autorin bin! Veronika ist auf jeden Fall eine, und ich bin stolz auf sie -  auf ihr neues Buch und ihre Gabe mit ihren Geschichten Hoffnungsstrahlen in diese Welt zu schicken!




Ich musste mich zwingen das Buch nicht an einem Abend durchzulesen, sondern die einzelnen Kapitel zu genießen. Sie sind ein bunter Mix aus Alltagsgeschichten: vom Kirschbaum der im Garten wächst, von täglichen Reibereien, von der Unsicherheit an einem neue Ort anzukommen, von dem „Glas Wein am Abend“ und unserer löchrigen Seele, von Trichterjahren (die Jahre, in denen uns das volle Leben um die Ohren fliegt), vom Älter werden und Schönheitskuren. Aber auch Geschichten über Menschen die Widerstand geleistet haben, Menschen die auf Hass mit Vergebung reagieren und die an Gräbern ihrer Kinder nicht zerbrechen sondern der Blick auf eine Hoffnung über den Tod hinaus richten. Hoffnungsträger, nennt Veronika diese Menschen. Und macht Mut, dass wir selbst zu solchen werden. Dass wir die Stimme erheben wo immer wir Ungerechtigkeit wahrnehmen und unseren kleinen Teil leisten um ein bisschen mehr Hoffnung in die Welt zu bringen. 
Und immer wieder ist da beim Lesen in mir dieses erleichterte: "Wie gut, es geht nicht nur mir so!". Denn im Gegensatz zur Faschingszeit ist  hier ganz wenig Verkleidung sondern viel Mut sich zu zeigen wie man ist!  
Veronika schreibt:  Lass es dir gesagt sein: Wir sind alle nur Hinkende zu Christus hin!
Und dass gerade dieses Hinken anderen am meisten Mut machen kann - das finde ich wirklich sehr hoffnungsvoll!!!


Helau und Hurra - auf Müllmänner und Zigeunermädchen, auf Autorennfahrer und Autorinnen und auf einen Gott der mit uns, so wie wir sind, seine Geschichten schreibt! 


Dienstag, 18. Februar 2020

Ein Valentinsgruß (bisschen spät, aber von Herzen!)


Gerade habe ich einen wunderbaren Artikel von Diana Trautwein gelesen. Sie beschreibt darin, dass sie zu einer Gruppe von Frauen gehört, die seit drei Jahrzehnten miteinander verbunden sind. Sie haben sich mit Ende 30, Anfang 40, befreundet und sind heute im Alter von 65 bis 87 Jahren (ich bin schlecht im Rechnen, denke aber das haut ungefähr hin, oder?). Sie erzählt davon, dass einige von ihnen schwer erkrankt sind, während andere über den Verlust ihres Ehepartners trauern. Und sie äußert den Wunsch, dass es nicht nur Valentinskarten für Verliebte mit vielen Herzen und Blümchen gäbe, sondern für ältere Menschen, auf denen dann so Sätze stehen wie: 
"Danke, dass du mich schon so eine lange Strecke begleitest und lieb hast!" oder: 
"Ja wir haben Falten und Schrullen - aber schau nur, was wir noch gemeinsam haben!" 
 Nun bin ich noch nicht ganz in dem Alter von Diana angekommen, aber ich merke in meinem Umfeld, dass ernste Erkrankungen zunehmen und manche meiner Weggefährten gerade lernen sich tapfer mit Lebensumständen abzufinden, die sie sich ganz anders vorgestellt hätten. Ich merke, dass wir einander öfters die Hände auflegen um für schmerzende Rücken, abgenutzte Gelenke, kaputte Ehen, demente Eltern und schwieriger werdende Kinder zu beten. Wir machen weniger wilde Dinge zusammen sondern sitzen nach dem Gottesdienst müde auf Parkbänken und lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und versprechen in der kommenden Woche aneinander zu denken während wir zurück zu unseren Autos humpeln. Okay, letzteres betrifft meistens nur mich (aber Gott sei Dank - das Knie wird auch besser!), aber mir geht es so wie Diana schreibt: Ich würde meinen Freunden und Weggefährten gerne eine Dankeskare schicken, mit vielen wilden Herzen drauf und dem Satz: 
"DANKE, dass ich mit euch unterwegs sein darf! Wir werden faltiger und schrulliger  - aber schaut nur was wir haben!!!!"
Das ist mein verspäteter Valentinsgruß an euch. Und an alle diejenigen, die treu sind, über lange Strecken: 
Die Tag für Tag ihre Hände falten und Gebete für andere sprechen, wie ausgetretene Liebespfade. 
Die Stühle stellen und Tische decken und Geschirr abspülen auch wenn die Knochen müder werden. 
Die liebevoll Worte für Predigten zusammenstellen und Lieder vorbereiten und die den Kindern anderer Eltern Bibelgeschichten zum hundertsten Mal erzählen und dabei immer noch die Begeisterung mitschwingt, dass es sich lohnt für diesen Gott zu leben. 
Die gnädig sind, mit den vergesslich schrulligen Eltern und mit vergesslich schrulligen Freunden, beim Blick in den Spiegel und beim Blick ins Leben anderer.   
Die alte Menschen besuchen und aufmerksam ihren Geschichten lauschen, auch wenn sie das Ende schon kennen, und die beim Abschied darauf bestehen sich von ihnen segnen zu lassen.
Die "Leben aushalten" lernen, die Enttäuschungen und Wartezeiten mit einplanen, die sich vor Leidenden nicht zurückziehen und  lose Enden halten können - für sich selbst und für andere. 
Und die sich trotz allem, oder gerade wegen dem allem, den Blick auf das Gute und Schöne bewahren und dabei immer faltiger und strahlender werden. 

Danke euch allen!  

Vor euren Türen sollten Menschen mit Blumen Schlange stehen und auf euren Tischen Karten mit vielen bunten Herzen liegen.

Danke! Danke, dass ihr treu seid in der Liebe! 


Dienstag, 11. Februar 2020

Komm.

Die letzten Wochen waren ziemlich dicht gedrängt und Anfang Februar bin ich schnaufend, das fertige Manuskript in der Hand, über die Ziellinie gelaufen und wie ein Langläufer zusammengebrochen und Decken und Getränke mussten angereicht werden. Okay, ganz so schlimm war es nicht aber ich habe gemerkt, dass ich jetzt langsamer machen muß und einen ruhigeren Rhythmus brauche. 
Das ist erstmal gar nicht so einfach. Ich fühle mich dann so unnütz und die freie Fläche wird von den dunklen Gedanken belagert, die in letzter Zeit zu wenig Beachtung fanden: Was tust du hier eigentlich? Denkst du wirklich du bist eine Schriftstellerin? Warte nur bis der ganze Schwindel auffliegt! Und wie kannst du morgens spazieren laufen während andere RICHTIG arbeiten gehen? Und wieso bist du mit EINEM Kind überfordert und genervt? Und du vernachlässigst deine Freunde! Und wolltest du nicht schon lange die Nachbarn einladen? Und schau mal wie du zugenommen hast, immer nur vor dem Compuer sitzend! Und so weiter. Ihr wisst was ich meine. Daraufhin bin ich einige Vormittage orientierungslos durchs Internet gesurft, habe auf Instagram Wonungseinrichtungen und Erscheinungsbilder von Menschen beneidet die ich nichtmal kenne um im Anschluß unser Süsigkeitenregal zu plündern und - wenn ich schon am Ausräumen bin - die Küche gründlich zu putzen (was auch dringend nötig war - anhand unseres Besteckkastens hätte man die Mahlzeiten der letzten Wochen rekonstruieren können!).  Die düsteren Gedanken haben sich dabei leider nicht aus dem Staub gemacht. Dann hat mir Heio einen freien Tag geschenkt - und sich selbst auch  (es  ist nicht einfach es an solchen Tagen mit mir unter einem Dach zu leben!). Meinem ersten Impuls eine Shopping-Tour durch Stuttgart zu machen konnte ich - allein durch Gottes Hilfe! - unterdrücken. Ich  bin stattdessen ins Auto gestiegen und zu meinem Lieblingsort gefahren. 




Dieses Hochplateau auf der schwäbischen Alb ist bestens dazu geeignet die düsteren Gedanken wegpusten zu lassen und den liebenden Blick zu suchen von dem Fels-auf-dem-ich-stehe. Es ist da oben jedes Mal so als würde ich zerissen und zerlumpt nach Hause taumeln. Das ist nicht immer eine große emotionale Sache. Ich erinnere meine Seele einfach ganz ruhig daran, welcher Stimme in meinem Leben ich glauben schenken will. Und wenn ich Gott nicht über mich jubeln höre oder er mir freundlich etwas erklärt, dann vertraue ich darauf, dass er gerade in seiner Liebe über mir schweigt (Zephanja 3,17).  Es ist ein: Du sagst du liebst mich, also glaube ich dir das jetzt und hier!  Es ist Ankommen. Da-sein und Anschauen-lassen. Es gibt wenig bessere Orte auf dieser Welt!!!
Theresa von Avila sagte einmal: 
Hätte ich geahnt, welcher König bei mir wohnt, hätte ich ihn nicht so oft alleine gelassen!
Das ist kein Satz um uns ein schlechtes Gewissen zu machen! Es ist kein König der, mit den Händen auf den Tisch trommelnd wartet, um uns beim Heimkommen mal so richtig die Meinung zu geigen. Es ist eine Einladung! Die Unruhe in mir in die richtige Richtung zu schicken. Bei mir anzukommen und bei dem König, der dort voller Liebe auf mich wartet.   Einer meiner tollen Weggefährten bei den Jesusfreaks hat es in seiner letzten Predigt so ausgedrückt: "Glaube ist: Merken, dass man Durst hat. Kommen. Und trinken. Merken dass man Durst hat. Kommen. Und trinken. Merken, dass man Durst hat. Kommen. Und trinken....Und das neue Testament kann man mit diesem einen Wort zusammenfassen: Komm!" 
So einfach, so wahr. Und immer wieder vergesse ich das! Immer wieder treibt mich der Durst in die falsche Richtung. Manchmal muß ich dann eine abrupte Kehrtwendung machen und auf einen hohen Berg steigen und mich daran erinnern was ich glaube.

Komm.  

Der König, der in uns wohnt, hat immer den Tisch gedeckt und die Getränke kalt gestellt!









Donnerstag, 23. Januar 2020

Was mein Leben reicher macht

Jetzt habe ich zwei Stunden an einem Vorwort für das neue Buch geschrieben und alles wieder gelöscht. Bis auf ein Zitat. Ich glaube das genügt. Manchmal können es andere einfach viel besser sagen; und viel kürzer. Dafür bin ich dankbar. Für Menschen die wunderbare Bücher schreiben und mich mit Worten beschenken, die ich auf Notitzzettel und an die Tafel im Wohnzimmer schreibe.


Und es gibt noch einiges mehr was mein Leben gerade reicher macht:  Wenn der Tag nicht  im Nebel anfängt - was für Januartage gerade erstaunlich häufig geschieht! - dann staune ich über den Sonnenaufgang vor unserem Fenster. Jeden Morgen anders.  Jeden Morgen ein Kunstwerk, das man am liebsten festhalten würde und das doch so schnell wieder verschwindet. Wer kann so einen Himmel betrachten und nicht glauben, dass es einen Schöpfer gibt? Ich kann es nicht. Ich liebe diesen Gott, der so großzügig und verschwenderisch mit seinen Kunstwerken umgeht


Und ein bisschen von seiner Wildheit kann man in den Greifvögeln ahnen! Dieser hier hat seinen Lieblingsplatz auf einem Baum vor unserem Haus.


Und diese Schneeglöckchen zeigen die filigrane Seite des Schöpfers,  ein zartes Kunstwerk, an dem ich mich seit Tagen freue!


Und ich liebe den Moment, wenn sich nach einem nebligen Vormittag die ersten Sonnenstrahlen erfolgreich durch die Wolken kämpfen. So wie gestern.


Und wie schön wenn dann vor dem Mittagessen noch ein bisschen Zeit bleibt um in einem Buch zu lesen,  weil das Kind auf dem Heimweg trödelt.



Und wenn wir dann einfach die ganze Arbeit liegen lassen und mit den Freunden eine Runde Schlittschuh laufen  und ich mich ganz jung fühle beim Dahingleiten und so lachen muss, wenn ich Samu bei seinen ersten Versuchen auf dem Eis beobachte (hinfallen aufstehen, hinfallen, aufstehen... kann man nicht früh genug lernen!). Und dann essen wir frische Waffeln am Kiosk und blinzeln verträumt in die Sonne bevor sie hinter den Bäumen wieder verschwindet, um sich auf den nächsten Auftritt vorzubereiten.



In einem Kinderlied,  das Samu so gerne mitgröhlt, heisst es:  
Was hat sich Gott dabei gedacht? Er hat die Welt so hübsch gemacht!
Ich muß immer lachen wenn ich das höre. Es klingt ein bisschen vorwurfsvoll und fast wütend! Also wirklich Gott, was hast du dir denn dabei gedacht? Wir müssen doch hier arbeiten und wichtige Dinge tun und ständig werden wir abgelenkt von Blumen und Vögeln und Sonnenaufgängen, von kleinen Menschen und schönen Worten und dem Duft von frisch gebackenen Waffeln!
Ich mag diesen Satz (der hier vor mir an der Wand hängt)  aus einem Gedicht  von Maggie Smith:

I am desperate for you to love the world, because I brought you here! 
 (frei übersetzt: Ich möchte so  unbedingt dass du diese Welt magst, weil ich dich hierher gebracht habe!)
Ob es Gott so ähnlich geht wie mir, wenn ich jemand zu einem Fest unserer Gemeinde einlade und ich dann ganz aufgeregt dasitze und hoffe, dass es dem anderen auch gefällt und er sieht was ich sehe und mag was ich mag? Ob dieser wunderbar großzügige Gott ähnlich empfindet wenn er uns auf seiner Erde sieht, auf die er uns eingeladen hat? Ich glaube fast es erfüllt ihn mit wilder Freude wenn wir die Schönheiten entdecken, die er am Wegrand für uns versteckt hat (und uns dabei ein bisschen mehr in den Künstler verlieben!).
Bei allem was uns manchmal zur Verzweiflung bringt,  bei allem kaputten und zerbrochenen das auch da ist: Unsere Welt glitzert und funkelt immer noch an so vielen Ecken und Enden!
Das Kinderlied, mit der vorwurfsvollen Frage an Gott, endet übrigens so:

Du hast die Welt für mich gemacht,
 in all ihrer Farbe all ihrer Pracht
Sie ist ein Liebesbrief an mich 
und trägt deinen Namen! 

Ab und zu muß man sich einfach die Zeit nehmen um in diesem Liebesbrief lesen  - und wenn es nur ein paar Worte sind! Ab und zu müssen wir unseren Heimweg vertrödeln!  IRGENDJEMAND muss einfach kurz stehen bleiben und die Kunstwerke bewundern, bevor sie sich wieder aufs Neue hübsch  machen.

Für Dich! In liebe, Gott. (foto: F.Blei)
 
( *aus der tollen CD: Du bist Gottes schönste Idee von: JesusBurger junior)

Mittwoch, 15. Januar 2020

Es lebe die Vielfalt !!!

 Blogpost enthält links und unbeauftragte Werbung


Der Januar ist in diesem Jahr für mich kein Anfangsmonat sondern ein Endspurt! Ich muss das Buchmanuskript Ende des Monats abgeben (und noch zwei Artikel für meine Lieblingszeitschrift Joyce schreiben). 
Gestern habe ich mir alle Kapitel für das zukünftige Buch ausgedruckt und nun liegt der Stapel neben mir und wartet auf die erste Korrekturlesung. Das ist der Moment in dem ich oft ganz mutlos werde und denke: Wieso denkst du denn, dass das jemand lesen will? Das müsste doch alles noch viel besser sein. Irgendwie gewaltiger und wortreicher und inhaltlich spannender. Passend dazu fiel mir diese Karte aus einem Buch entgegen:


Also ehrlich gesagt ist mein Buch weniger eine Axt sondern vielleicht ein kleiner Sonnenstrahl -  für das gefrorene Meer in uns:-). 
Also versuche ich noch zu feilen und zu verbessern und Dinge wegzustreichen und Neues einzufügen und überlege ob ich nicht am besten nochmal ganz neu anfangen soll. Ich könnte dem Rat von Astrid Lindgren folgen: Streich die Häflte und schreib die andere Hälfte neu. Aber die Zeit reicht dafür nicht mehr.  
Nachdem ich gestern viel zu lange gelöscht und korrigiert habe, bin ich mit Samuel einkaufen gegangen. Am Obststand haben wir dann etwas ganz wunderbares entdeckt: 


Obst und Gemüse, das üblicherweise aussortiert wird - nicht weil es schlecht ist, sondern, weil es nicht unter die EU-Norm (von Größe oder Aussehen) fällt! Was für ein Unsinn und was für eine Verschwendung! Und wie cool ist diese Aktion, oder? Keiner ist Perfekt! Amen dazu. Wir kaufen gleich zwei Beutel (Äpfel und Karotten) und bewundern Zuhause die verschiedenen Formen, bevor wir in die saftig leckeren Äpfel beissen.
Mir hat diese Sache wirklich Mut gemacht - was mein Schreiben und was mein ganzes Leben angeht! Weil sie mir vor Augen hält, dass eine perfekte Norm auf dieser Welt einfach totaler Unsinn ist! Und dass die Schönheit in der Vielfalt liegt!
Ich weiß von einer Frau die wunderbar schreiben kann. Sie will auch gerne ein Buch schreiben, hat sogar schon einen Titel. Aber sie verschiebt das immer wieder, weil sie denkt es ist einfach nicht gut genug. Und ich denke: HALLO? Das ist wunderbar! Es ist mindestens so gut wie das was ich schreibe! Und es grenzt an Lebensmittelverschwendung, das zurückzuhalten!
Aber wahrscheinlich gibt es nur zwei Arten von Schriftstellern: Die perfekten, und diejenigen die schreiben.
Und zwei Arten von Lehrer: Die perfekten, und diejenigen die unterrichten.
Und zwei Arten von Kinder: Die perfekten und diejenigen die die es im echten Leben gibt.
Und zwei Arten von Liebhaber: Die perfekten und diejenigen die versuchen lieb zu haben.

Das heisst nicht, dass ich keine Korrektur brauche! Wie dankbar bin ich für meine kluge Lektorin und für Heio, der sich gerade geduldig durch die Seiten liest. Seine Hauptaufgabe: Schau bitte, ob es ehrlich geschrieben ist. Denn eins will ich: Wahrhaftig sein (auch wenn unsere Erinnerung ja immer subjektiv sind!) und nichts anderes vortäuschen wollen als das was ist. Aus Äpfel und Karotten kein 12-Gänge-Menü machen wollen und einen Michelin-Stern erwarten! Keine Geschmacksverstärker hinzufügen oder das Ganze  mit Sägmehl strecken wollen, wenn es mengenmässig eben nur fünf Brote und zwei Fische sind. Das hört sich einfacher an als es ist. Aber letztlich geht es wahrscheinlich einfach um die Frage ob ich darauf vertraue, dass Jesus etwas daraus machen kann. Aus meinem schreiben und aus meinem ganzen Leben.  Dass er meine, manchmal sehr eigentümliche Form nimmt und andere damit stärkt und segnet.  
Wie gut, dass es bei Gott keine Normwerte gibt wie wir sein müssen! 
Es gibt keine himmlischen Normen wie schnell und wie gerade wir wachsen müssen! 
Er sortiert niemand aus!
Er legt unsere Leben nicht nebeneinander und vergleicht uns!  
Und es gibt ja so viele Geschmacksrichtungen!
Die Schöpfung ist eine einzige Erinnerung daran, die Vielfalt zu feiern!!! 


Beide Karotten: Toll gewachsen! Oder?

Und dieser Verein, bei dem ich Mitglied bin, hat sich auch vorgenommen die Vielfalt hochleben zu lassen. Kinder und Jugendliche zu ermutigen, besonders diejenigen die oft nicht in die "Norm" passen. Wie überall braucht es Menschen die hingehen und so etwas tun - so wie meine Freundin Tanja - und andere die sie dabei unterstützen. (und viele kleine Spenden könnten das Projekt am Laufen halten!). Vielleicht habt ihr ja Lust mitzuhelfen? ⭐