Dienstag, 14. August 2018

Hilfe. Danke. Wow.

Nun sind wir also mittendrin in unseren Ferien. Ich habe geschrieben, dass ich versuchen will, mich diesen Sommer einfach ein wenig treiben zu lassen und ich muß gestehen: bisher gelingt mir das eher suboptimal. Es gibt einige stürmische Wellen mit denen ich in dieser Jahreszeit überhaupt nicht gerechnet habe. Ich versuche mich an Jesus festzuklammern, aber es fällt mir schwer. Zu Beginn der Ferien habe ich auf dem Sommerfest unserer Gemeinde gepredigt und dabei folgendes gesagt:
Das Leben im Glauben findet nicht am Strand statt, wo wir gemütlich rumstehen, die Frisur nicht beschädigt wird und wir uns über die Wassertemperatur unterhalten. Das Leben im Glauben findet da statt, wo wir den Boden unter den Füßen nicht mehr spüren, wo dunkle Schatten an den Füßen vorbeigleiten und Wellen uns von hinten überraschen und wir nach Luft japsen. Und unsere Gebete schwanken hin und her zwischen "Hilfe" und "Danke!" und "Wow". (die drei Worte die, laut Anne Lamott, zum Beten völlig aureichen ). 

Jetzt versuche ich das zu leben was ich gepredigt habe. Das (Wenige) umzusetzen was ich bisher verstanden habe. Damit bin ich völlig ausgelastet. Feinde segnen. Vergeben und um Vergebung bitten. Blick auf Jesus und weg von den Umständen. Dankbarkeit. Und dann alles wieder von vorne. Und ab und zu erlebe ich tatsächlich die unbeschwerten Momente in denen ich spüre, dass das Wasser trägt.

Wasser  - das war auch das Sehnsuchtswort auf dem Freakstock. Ich bin tatsächlich hingefahren und habe es (fast) nicht bereut. Es tat gut  unter Menschen zu sein die Dreck abkönnen, in ganz vieler Hinsicht, zusammen abhängen und zu feiern. Da waren überlaufenden Plumpsklos und volle Abwassertanks (HILFE!). Und mein toller Mann der meine Verzweiflung gesehen hat und mich zum Duschen ins Schwimmbad gefahren hat (DANKE!). Und neben wunderbarer Kunst, ohrenbetäubender Musik und tollen Mitarbeitern war da der unglaubliche Moment in dem ich das Gefühl hatte Jesus steht plötzlich strahlend vor mir und sagt: "Hey, wie schön, dass DU da bist!" (WOW!). Ich konnte vor Freude nur noch weinen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier ständig wiederhole: Wir sind so geliebt!!!!  Wir haben ja keine Ahnung!










Und Samuel hat das Freakstock GELIEBT! Ich fürchte er wird die nächsten Jahre darauf bestehen hinzufahren! Hilfe!  Ansonsten hat er gerade leider ziemlich of eine ziemlich genervte Mama. Aber da sind auch die Momente in denen wir  uns entschuldigen (meistens ich zuerst, dann er - Vorbild und so) und miteinander toben und lachen. Danke! Und ab und zu, oft gerade an den schwierigen Tagen, stolpern wir in eine Umarmung von Jesus. Wow!  Dann setzten wir uns hin und malen zusammen.





Für uns alle, die wir in diesen Tagen vielleicht  ein bisschen viel wildes Meer abbekommen:

Ich wünsche uns, dass wir erleben wie Jesus uns stärkt und satt macht - im Angesicht unserer Feinde - und dass ER uns eine Ausweg zeigt, wo wir seine Hilfe brauchen.


the wind and waves still know his name!

Und vielleicht sind es gerade unsere dunklen Tagen, an denen wir nach Luft japsen und nicht genau wissen ob wir es überhaupt bis zu Abend schaffen, an denen wir am ehesten in seine Umarmung stolpern können; dreckig und geliebt wie wir sind.



In diesem Sinne: Habt einen guten Sommer!!!  (Hier gibt es eine kleine Pause und es geht Mitte September wieder weiter)

Montag, 30. Juli 2018

Blutmond

Habt ihr ihn auch gesehen, am letzten Freitag? Wir sind extra zu den Weinbergen, am Rand von Stuttgart, gefahren um dieses Naturschauspiel nicht zu verpassen. Und wir waren nicht die Einzigen die auf diese Idee kamen.



Die meisten Leute schauten allerdings noch in die völlig falsche Richtung - auf den roten Abendhimmel an dem eben die Sonne untergegangen war. Zum Glück hatte ich Heio dabei. Er zeigte auf das Dunkel, in der entgegengesetzten Himmelsrichtung: Dort müsste er aufgehen, der Blutmond. Und tatsächlich: Irgendwann rief ein Kind: "Ich sehe ihn, da ist er!" In dem Moment fiel mir auf, dass ich mal besser meine Brille mitgenommen hätte. In der Ferne konnte ich gerade mal so einen leicht rötlichen Kreis am Nachthimmel entdecken. Meine Kamera konnte ihn auch nicht viel besser einfangen.


Die Kinder riefen enttäuscht: "So klein ist der!" Und ich konnte sie gut verstehen. Ich hatte auch einen etwas beeindruckenderen Mond erwartet. Wir starrten noch eine Weile an den Himmel und fuhren dann wieder den Berg hinunter, vorbei an vielen Leuten die immer noch in der falschen Himmelsrichtung nach dem Mond suchten. 
Zuhause angekommen habe ich ihn dann wieder entdeckt. Da hat er doch tatsächlich vor der Haustüre auf uns gewartet. Obwohl ich schon todmüde war setzte ich mich  nochmal im Schlafanzug vors Haus und hab beobachtet wie der Schatten der Erde langsam am Mond vorbeizog.


Es fühlte sich merkwürdig an. Irgendwie zu groß um es richtig zu fassen. Als würde man seinen Schatten beobachten, der über den Mond läuft. UNSEREN Schatten. Unsere Erde. WIR alle Menschen zusammen. Im weiten Universum werfen wir einen kleinen Schatten. Unser kleiner Heimatplanet, den wir so schlecht behandeln. Auf dem wir uns so groß fühlen können und auch so unendlich klein und verloren. Ich flüstere ein Gebet an den Schöpfer des Universums. Und staune, dass er mich kleinen Mensch im Schlafanzug vor der Haustüre sieht; und lieb hat. So wie er auch die anderen sieben Milliarden Menschen wahrnimmt. Mein müdes Gehirn holt von irgendwo den Satzfetzen her: Brüder, überm Sternenzelt, muß ein guter Vater wohnen. Sehnsuchtsworte.
Und weil ich noch nicht einschlafen konnte, dachte ich über den roten Mond nach; darüber dass gebrochenes Licht im Dunkel leuchtet. Physikalisch sicher gut erklärbar. Aber Physik war nie mein Lieblingsfach. Deshalb ist es für mich wunderbar geheimnisvoll: Dunkel leuchtet. 

Ich lese gerade ein Buch, das ich beim Ausräumen im Regal meiner Eltern gefunden habe. Es sind kurze Biographien durch die Jahrhunderte, von Menschen, die sich mitten in Leid und Schmerz an Gott festgehalten haben. Und deren Leben eine tiefe, stille Strahlkraft hatte. Teilweise bis heute. Bodelschwingh, der am Grab seiner vier Kinder stand. Die Diphtherie nahm eins nach dem anderen. Unvorstellbar! Und dann gründete er das Liebeswerk Bethel, für Arme und Leidende. Sein Leitspruch war: Weil uns Barmherzigkeit widerfahren ist, darum werden wir nicht müde.
Ludwig Hofacker. Gerade mal 30 Jahre alt war er als er starb. Eine Nervenkrankheit plagte ihn und zeitlebens litt er an furchtbaren Kopfschmerzen. Aber wenn dieser Pfarrer mit schwacher Stimme predigte, dann drängten die Leute zu seinen Gottesdiensten. Warum? Er predigte trocken und ganz einfach das Evangelium. Und er berichtete ehrlich von seinen Schwächen und seinem Scheitern. Sein Vermächtnis liegt in dem Satz: Der Heiland ist`s, der alles macht.  
Solche Geschichten klingen heute merkwürdig fremd. Wir haben meist andere Helden. Begabte Menschen, Lichtgestalten. Erfolgreich. Kraftvoll. Und ja, so kann Gott auch wirken. Und Leid alleine macht uns nicht zu Heiligen. Trotzdem berühren mich diese Lebensberichte sehr. Sie erzählen etwas davon, dass auch in Schwäche, durch leidvollen Momente, Gottes Licht scheint, dass gerade auch unser Dunkel zum Segen werden kann. Nicht alle nehmen dieses Licht wahr. Manche sehen nur einen dunklen Himmel. Viele schauen in die andere Richtung. Aber Menschen die das Dunkel kennen, das Scheitern, das Zerbrochensein, erkennen dieses Leuchten. Eva -Maria Admiral schreibt in ihrem bewegenden Buch, angesichts viel erlebter Not: Ich kann Predigten, bei denen ich vermute, dass der Prediger nie Leid erfahren hat, nicht ernst nehmen.  Und ich glaube hier ist das Geheimnis von Bodelschwingh und Hofacker und vielen anderen: Gebrochenes Licht. Trost den man nur geben kann, wenn man finstere Nächte durchlebt hat. Eva-Maria schreibt den wunderbar trostvollen Satz:  
Gott kann aus dem Falschen etwas noch viel Richtigeres machen, als das Richtige je gewesen wäre.
Bild von Pixabay
Hofackers letzte geflüsterte Worte waren: Heiland, Heiland, Heiland! Am Ende steht die Zuversicht, dass das Dunkel wie ein Schatten vorüberzieht. Und Tränen abgewischt werden; von dem guten Vater. Auch deine und meine.   

Mittwoch, 25. Juli 2018

Sommerzeit

Wie immer sind wir im Süden ganz zum Schluß dran. Während einige von euch die Sommerferien schon (fast) hinter sich haben, beginnen sie bei uns mit dem heutigen Tag.
Einerseits habe ich mich sehr auf die Ferienzeit gefreut. Keine Hektik mehr am Frühstückstisch, verbunden mit der ständigen Panik des Erstklässlers, dass er zu spät zur Schule kommen könnte. Ich freue mich auf die langsameren Tage. Den Garten genießen, Eis schlotzen, Freunde einladen oder besuchen gehen und abends gemütlich mit Heio draußen sitzen. Der widmet sich gerade mit großer Hingabe seinem Hühnerprojekt. Nach vielen Einwänden meinerseits habe ich nun doch zugestimmt. Ich weiß, dass es ein langehegter Herzenswunsch von ihm ist. Und inzwischen freue ich mich sogar ein wenig darauf, dass wir bald das freundliche Gegacker von vier Zwerghühnern im Garten hören werden, die uns hoffentlich genügend Eier legen werden, dass wir sie auch noch an die Nachbarn verteilen können (die freuen sich nämlich schon auf das Federvieh!).

er baut gerade intensiv an dem Model des Hühnestalls :-)
Doch bevor wir die neuen Mitbewohner begrüßen können werden wir Mitte August noch ins Allgäu fahren. Darauf freue ich mich sehr! Und vielleicht schaffe ich es davor  meine zwei Jungs aufs Freakstock zu begleiten. Mal schauen. Einerseits würde ich gerne mal wieder dorthin gehen, und sei es nur um die alten Zeiten ein bisschen aufleben zu lassen. Aber allein schon der Gedanke an harte Isomatten, Menschenmassen und wummernde Bässe bis früh morgens macht mich unsäglich müde. Und da komme ich zum andererseits was meine Gefühle gegenüber der Sommerzeit angeht. So sehr wie man sich als Mama ja freuen sollte, dass man jetzt GANZ VIEL Zeit mit dem Kind verbringen kann - wir wissen ja: die Zeit muss man genießen und festhalten und all das - ich weiß jetzt schon, dass es nicht lange dauert bis ich eine genervte Mutter bin und meine Seele nach Ruhe verlangt, und das mit einer Intensität, als würde sie nach Luft japsen. So ist das bei mir. Und dieses Jahr kommt noch hinzu, dass selbst die größte Sommerhitze meine melancholische Grundstimmung nicht zum Schmelzen bringen kann. Meine Seelenlage passt einfach nicht in diese Jahreszeit! Wie gerne würde ich mich an einen stürmisch einsamen Nordseestrand setzen, in eine warme Decke gehüllt, und stundenlang auf das aufgewühlte Meer  starren. Stattdessen werde ich wohl, bei den über 30 Grad die wir heute erwarten, im Stuttgarter Vereinsbädle sitzen und gemeinsam mit ALLEN Müttern und Kinder unserer Umgebung nach einem Stehplatz im Wasser Ausschau halten und stundenlang auf die Uhr starren bis 5 Minuten vorbeigegangen sind. Na ja, vielleicht wird es nicht ganz so schlimm. Aber die Befürchtungen sind da; am Anfang dieser Sommerzeit.

Das alles habe ich Jesus heute morgen auch so gesagt. Und ich hatte den Eindruck er versteht das. Er sagt nicht: Du verwöhntes Mittelschichtkind, nun reiß dich zusammen und freu dich an dem was du hast (und mit was für schlimmen Verlusten müssen sich andere in diesen Tagen befassen, aufgrund der furchtbaren Waldbrände!). Aber Jesus weist mich nicht ungeduldig zurecht. Er kennt meine Seele. Und er liebt mich. Und ich habe aus meinem geseufzten Sofagebet einen Gedanken mitgenommen, eine Erinnerung die ich wie eine innerliche Postkarte in den Ferien aufstellen will: Vor einigen Jahren habe ich meine Freunde in Bern besucht und wir sind in der Aare geschwommen. Es war ein fantastisches Erlebnis! Man steigt in dieses geschmolzene, klare Gletscherwasser und lässt sich einfach mit der Strömung treiben (und man verdrängt dabei den Gedanken dass man den ganzen Weg wieder zurücklaufen muss; im Badeanzug!). Und genau das will ich in den nächsten Wochen versuchen: mich einfach ein wenig treiben lassen. Ich will nicht gegen den Strom anrudern.  Dazu fehlt mir auch einfach die Kraft. Ich will die Wärme dieser Jahreszeit aufnehmen, mit allem was dazugehört. Bring it on, summer! Wenn Du schon mal da bist dann werden wir Spiele für den schattigen Hof entdecken, Kinderbücher vorlesen und nochmal lesen, Im Garten sitzen und den Hühnerhausaufbau verfolgen, Gäste willkommen heißen, schwitzen was das Zeug hält, den Rasensprenkler anstellen, die Küche streichen, Brombeeren und Zuchinis aus dem Garten verwerten, dazwischen streiten und uns versöhnen  - alles bei offenem Fenster. Und wenn sich ein kleines Zeitfenster öffnet in dem ich vielleicht ein wenig schreiben oder lesen oder einfach nur vor mich hinstarren kann - hey, dann werde ich nicht gegen den Strom anrudern!

Ich muß Schluß machen. Gleich kommt zum letzten Mal ein Erstklässler aus der Schule zurück. Ein Jahr lang nicht zu spät gekommen - DAS muß gefeiert werden! Und dann cremen wir uns von Kopf bis Fuß ein, schnallen die Badetaschen auf den Gepäckträger und radeln los(und ich werde versuche das piepsende Geräusch im Ohr zu ignorieren das wie ein hohes, jammerndes, sich endlos wiederholendes: "Wann sind wir denn endlich da?" klingt). Wir werden uns in die Schlange vor der Kasse einreihen und dann nach dem Schwimmbad zwischen all den Menschen suchen. Manchmal ist der einzige Weg: Mittenrein. Und dann einfach treiben lassen. 




Lieblingsrezept für die Zuchiniverwertung aus Veronikas tollem Buch

Kleiner Nachtrag: Samu kam weinend aus der Schule. (eine halbe Stunde zu spät, weil er immer sämtliche Freunde ein Stück nach Hause begleitet) "Du hast doch Ferien, was ist denn los?" frage ich. "Ich werde die Viertklässler nie wieder sehen", schluchzt der Sohn. Da hat er wohl etwas von den melancholischen Genen der Mutter geerbt ;-)

Donnerstag, 19. Juli 2018

Das Leben ist zu kurz.

Wieder einmal habe ich leere Taschen ins Auto gepackt um sie dann im Schwarzwald mit ein paar Schätzen aus meinem Elternhaus zu füllen. Dieses Mal haben meine Schwester  die vielen, vielen Fotoalben aussortiert (die Freude am Fotografieren habe ich wohl von meinem Vater geerbt). Wir verteilen die Bilder die besondere Momente für uns eingefangen haben oder Geschichten erzählen, die wir nicht vergessen wollen.


Abends betrachte ich nochmal in Ruhe "meine" Bilder. Ab und zu wische ich mir dabei die Tränen aus dem Gesicht. Ganz oft muß ich einfach nur lächeln. Ich betrachte meine Eltern in ihren besten Jahren auf dieser Erde. So viel Lebendigkeit leuchtet mir entgegen. Und es kommt mir vor als wäre das alles erst gestern gewesen...

Unsere Famile
schönstes Abendessen: Joghurt und Butterbrot auf dem Balkon
Urlaub im Allgäu; meine Mutter genießt es, mein Papa hält das Gute schriftlich fest
Wie kostbar sind unsere Tage. Und wie schnell gehen sie vorbei. Es scheint so als würden sie mit jedem Jahr ein bisschen mehr Geschwindigkeit aufnehmen. (nächstes Jahr werde ich tatsächlich schon 50! Wie konnte das denn nur passieren??!!). 
Manchmal schaue ich uns an, mein Leben auf dieser Erde, wie es jetzt gerade ist, so als würde ich ein Foto in die Hand nehmen. Und ich sage zu Heio: "Schau uns an, hier sind wir, mitten in unseren besten Jahren!" (grade noch, würde ich mal sagen, in meinem Fall :-)).  Die schweren Tage werden auch kommen, das weiß ich. So wie sie im Leben meiner Eltern kamen. Umso mehr will ich mein Hier und Heute bewusst und dankbar wahrnehmen.
Neulich habe ich einen kleinen Text in mein Tagebuch geschrieben; ein paar spontan aufgeschriebene Gedanken, wie ich gerne leben will und was mir heute wichtig ist. Ich weiß: Worte sind geduldig. Ich kann schöne Sätze formulieren und dann aufstehen und genau das Gegenteil von dem tun, was ich gerade aufgeschrieben haben. Aber die Worte sind für mich ein bisschen so wie ein Kompass. Sie zeigen mir die Richtung in die ich gehen will, in diesem einen, kostbaren Leben, das ich habe:

Das Leben ist zu kurz

Das Leben ist zu kurz um die Dinge die man so gerne mal tun oder sagen würde ständig zu verschieben, bis man vergessen hat was man denn gerne mal tun oder sagen würde.
Das Leben ist zu kostbar um es mit Sorgen zu füllen, die zu 99 Prozent nie eintreffen werden (und gegen die paar Prozent die eintreffen nützt alles Sorgen nichts!)
Das Leben ist zu wertvoll um Leute beeindrucken zu wollen die man gar nicht mag (und diejenigen die man mag, braucht man nicht zu beeindrucken).
Das Leben ist zu kurz um sich von dem bestimmen zu lassen was MAN tun sollte, nur um am Ende Dinge zu tun, die man eigentlich gar nicht tun wollte.
Das Leben ist zu kostbar um beschäftigt sein mit lebendig sein zu verwechseln.
Das Leben ist zu wertvoll um sich unablässig über die Unordnung in der Wohnung aufzuregen und ständig an den Menschen die wir lieb haben herumzunörgeln.
Das Leben ist zu kurz um sich vor Menschen zu fürchten und sich komische Dinge einzureden und deshalb gute, wunderbarste Nachrichten für sich zu behalten.
Das Leben ist viel zu kurz für wütende Blicke in den Spiegel und für verächtliche Gedanken über den Körper, der uns so tapfer durchs Leben trägt.
Das Leben ist zu kostbar um nicht innezuhalten, zu staunen und zu danken für alles was IST, was so großzügig und verschwenderisch da ist für uns. Licht, Wärme, Wind, Bäume und Glitzern wo man nur hinschaut.
Das Leben ist viel zu wertvoll um nicht ab und zu über das Geheimnis nachzudenken wer wir wirklich und wahrhaftig sind. (Wir könnten die Version die wir nach außen zeigen für die echte halten) Und es ist zu wertvoll um nicht über das Geheimnis nachzudenken, wer unser Nächster wirklich und wahrhaftig ist.
Das Leben ist zu kurz um die Menschen die wir mögen nicht ab und zu richtig anzuschauen und ihnen genau das zu sagen: dass wir sie mögen.
Das Leben ist zu wertvoll um nicht die Augen vom Display zu nehmen, für die echten Begegnungen, hier und jetzt, direkt vor unserer Nase.  
Das Leben ist zu kurz um auch nur einen Tag NICHT daran zu glauben dass wir in Gottes Augen vollkommen liebenswert sind, und dass ER aus unserer kostbaren Zeit auf dieser Erde (aus ALLEN Tagen!) etwas wunderbares und schönes machen kann, das wir am Ende voller Freude nach Hause tragen dürfen. 









Montag, 9. Juli 2018

Was mein Leben reicher macht

Jetzt ist es schon wieder ein bisschen her seit ihr hier geschrieben habe. Wir hatten Besuch vom Magen-Darm-Virus, zuerst Samu und danach ich. Echt ein penetranter Gast! Ich hatte ja schon befürchtet, dass wir ihn zur Hochzeit meiner Schwägerin nicht los werden und ich keinen Kuchen essen könnte - das wäre mal ne Katastrophe!  Aber am Samstag war ich dann wieder aufnahmebereit. Gott sei Dank! Und das Festkleid saß nicht ganz so eng.  Auch ne prima Sache. Und auf der schönen Hochzeit konnte ich auch ein kleinen Plausch mit der tollen Fotografin halten. Manche von euch werden sie erkennen:-))


Neben Hühner-Wunsch-Gesprächen mit Heio (Armin, falls du das liest, wir müssen zusammenhalten - sonst putzen wir bald das Kackbrett im Geflügelstall!) haben wir uns natürlich auch übers Schreiben ausgetauscht. Ich habe festgestellt, dass ich einen Schreib-Stau habe, nicht im Sinne von: "Hilfe, ich weiß nicht was ich schreiben soll!" sondern: "Es gibt so vieles was ich gerne schreiben würde!"  Und damit sich der Stau mal etwas auflöst möchte ich euch diese Woche einfach mal über die Dinge schreiben, die gerade mein Leben bereichern. Es könnte ein bisschen länger werden. Vielleicht gießt ihr euch einfach eine Tasse Kaffee ein, oder eisgekühltes Zitronenwasser, und macht es euch gemütlich. Ich hoffe es wird eine erholsame kleine Pause. Und danach packen wir den Rest des Tages wieder an. Apropos Pause, da bin ich schon bei dem was gerade meine Tage bereichert: 

Die Ausruhzeit

Ich bin dankbar, dass es Samu tatsächlich schafft, nach dem Mittagessen und vor den Hausaufgaben, eine Ausruhzeit zu machen. Er legt sich ein Hörspiel ein und ich kann mich in der Zeit nochmal kurz aufs Ohr legen. VIVA LA SIESTA! Freunde aus Südamerika, ihr habt uns so vieles voraus!  Wie gut tut uns eine kleine Pause in der Hitze des Tages! Und die neu entdeckten Hörspiele in unserer Bücherei vom Franz (gelesen von Christine Nöstlinger in ihrem wunderbar, leicht schleppenden bayrisch- oder österreicher? -Dialekt) sind so toll, dass ich sie am liebsten auch immer mithören will. Und sind Büchereien nicht auch eine einfach wunderbare Sache die das Leben reich machen?!



Liebesbezeugungen von einem 7-jährigen

Zwischen Streit und Wutanfällen: Eine verschwitzte Kinderhand die sich unerwartet in meine Hand schiebt, eine stürmische Umarmung, ein Luftkuss über den Schulhof in meine Richtung geschickt - all diese wunderbaren, kleinen Dinge, für die er sich vielleicht schon ganz bald "zu groß" oder zu cool fühlen wird (zumindest was die unbekümmerten Liebesbezeugungen in der Öffentlichkeit angehen). Bis dahin will ich es noch richtig genießen! 

meine diesjährige Geburtstagskarte:-)
Au dem Weg zu den Pfadfindern, mit Übernachtung. Oh weh, bald wird er ausziehen!


Gebetsfreunde

Ich bin dankbar, dass ich Menschen in meinem Leben habe, denen ich früh am Morgen und auch noch spät in der Nacht ein Gebetsanliegen schicken kann und ich weiß, dass sie beten werden. Und andersrum gilt das auch. Was für ein Geschenk!  Glaube schreibt sich als großes WIR. Zusammen beten wir für die Bewahrung einer langersehnte Schwangerschaft; für eine positive Gewebeprobe; für die schwere Operation des kleinen Jungen von Freunden unserer Freunde. Und immer wieder erleben wir kleine und größere Wunder!
Manchmal überfordern mich die vielen Nöte und Anliegen auch ein wenig. Dann erinnert mich Jesus, dass nicht alles in meine Umarmung passt. Das ist in Ordnung. Ich bin Teil eines Teams. Und den Rest überlassen wir dem, der die ganze Welt umarmt.



Strahlende Kinderaugen

Ach ja, und das Bild erinnert mich an das Stadtteilfest auf dem ich vor einigen Tagen war, um Fotos zu machen. Meine Freundin Tanja hat dort mit geflüchteten und deutschen Kindern ein Tanz-Theater-Projekt aufgeführt. Ich bin Mitglied in diesem tollen Verein und immer wenn ich bei einer ihrer Aufführungen dabei bin und die strahlenden Kindergesichter nach dem Stück betrachte denke ich: Genau so; so kommt Gottes Reich! Unter Applaus und Umarmungen und dem freundlichen Zuspruch, dass wir Gottes geliebte Menschenkinder sind. 
(Und wer Lust hat mitzuhelfen: Mitarbeiter für Projekte sind immer herzlich willkommen!!!) 


 

Die Müllabfuhr

Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht nicht so spektakulär, aber ich bin jedes Mal so dankbar wenn ich morgens vom piependen Geräusch unserer Müllabführ geweckt werde. Da kommen doch tatsächlich wöchentlich Menschen bei uns vorbei um UNSEREN Müll zu beseitigen! Danach fühle ich mich immer ein bisschen leichter. OK, Müllvermeidung ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Aber hier mal ein hoch auf die Menschen die sich um den Müll kümmern, der sich, trotz allem guten Bemühen meinerseits, täglich ansammelt. DANKE ihr Helden. Ein wenig erinnert ihr mich an Jesus. Und das liegt nicht am orangenen Aufzug ;-)

 

Post aus der Uckermark

Unsere Küche muß DRINGEND gestrichen werden! Nein, wir haben keine gemusterte Tapete, das sind die Überreste der Motten, deren Abenspaziergang zwischen Apfelbaum und unserem Obst hier tödlich endet. Und dazwischen ist die Samuels Wandmalerei der letzten sieben Jahre. (sponsored by Nutella) Nachdem nun auch schwächere Glühbirnen nicht mehr wirklich helfen, planen wir in den Sommerferien zu streichen. Zur Motivation habe ich mir ein paar wunderbare Drucke von Silke Schmidt bestellt von ihrer Serie: #100daysoutofberlin (von der wilden Großstadt in die beschauliche Uckermark). Ich liebe ihre Kunst!!! Und die Drucke werden auf den frisch gestrichenen Wänden hervorragend aussehen!

Genau so einen Drache hatte ich auch als Kind!



Malprojekte

Und die Serie von Silke über die Dinge die sie liebt hat Samu und mich zu unserem eigenen Malprojekt inspiriert. Vielleicht nicht ganz so gekonnt, aber es kommt von Herzen (und das gemeinsame Malen gehört zu den Dingen die ich richtig gerne mit dem Sohn mache - im Gegensatz zu, na ja, Stau spielen)

was Samu mag
was ich mag

Unser Platz unterm Apfelbaum

Ich liebe diesen Ort in unserem Garten! Egal ob  spontanes Kaffeetrinken mit den Nachbarn, Feste die einfach gefeiert werden müssen oder auf ein kurzes Gespräch mit Heio: Der schattige Platz unterm Apfelbaum lädt uns ein, alles mal stehen und liegen zu lassen und sich Zeit zu nehmen um einfach DA zu sein und das was uns umgibt zu betrachten. Ich wünsche jedem von euch, dass er so einen Platz hat und ihr euch die Zeit nehmen könnt, ihn zu genießen (und wenn es die Fensterbank ist, auf der man sich in die Sonne setzen kann).



In der Erde wühlen

Auch wenn das merkwürdig klingt und ich mir das selbst nicht richtig erklären kann: es tut mir gut mit den Händen in der dunklen Erde zu stecken. Unkraut rupfen. Zweige zurückschneiden. Sogar den Hasenstall misten. Wenn ich traurig bin und meine Mutter vermisse, dann gehe ich  in den Garten und wühle im Boden. In den Händen die Erde aus der wir kommen. Auf der wir leben. Zu der wir zurückkehren. Wir sind Geschöpfe. Das alles hat etwas unerklärlich tröstliches für mich.(und einer muß ja schließlich das Dickicht im Garten bekämpfen, bevor sich große, wilde Tiere ansiedeln!)



Unsere super Supermarkt-Verkäuferin

Bis vor einigen Monaten war unser Supermarkt ein eher trostloser Ort. Oder sagen wir einfach: es war ein ganz gewöhnlicher, seelenloser Supermarkt. Einladen, zügig abgefertigt, man hat die Dinge die man braucht. Passt. Aber mit der Ankunft dieser Frau hat sich alles verändert! Sie sitzt an der Kasse und strahlt ihren Kunden entgegen. Sie verfällt nicht in ungeduldiges Drängeln wenn die Schlange wieder mal extrem lang ist. Sie gibt jedem die Zeit die er braucht. Auch der alten Frau, die dreimal ihr Kleingeld abzählen muss. Sie erkundigt sich wie es einem geht und erzählt ein wenig von sich. Alles während sie PIEP-PIEP effektiv die Waren übers Band zieht. Man spürt es: Sie liebt das, was sie tut. Und ich LIEBE sie. Und Samu liebt sie. Weil sie ihn sieht. Er jubelt immer schon beim Reinkommen: "Mama, unsere Lieblingsverkäuferin ist wieder da!" Ich staune wie EIN Mensch eine Atmosphäre verändern kann. Plötzlich wird der kleiner Laden zu einem strahlenden Ort. Man geht nicht nur mit vollen Taschen, sondern auch mit einem Lächeln. Ach, könnten unsere Kirchen nicht ein bisschen mehr wie mein Supermarkt sein!

 

Herzklopfen in der Gemeinde

Und wo wir schon bei der Kirche: In unserere Gemeinde geschieht auch einiges. Eine kleine Gruppe von Leuten macht ihr Herz ein bisschen weiter, lässt sich herausfordern mit klopfendem Herzen etwas zu tun, was man sich bisher noch nie getraut hat.  Und wenn ich eine Sache in meinem bisherigen Leben gelernt habe: Die Dinge die ich total aufgeregt und ängstlich tue, mit Herzklopfen bis zum Hals, sind meistens die allerbesten Dinge! Wenn wir neues erleben wollen, müssen wir neue Dinge tun. Wie wahr. Also trauen wir uns ein bisschen mehr. Erwarten ein bisschen mehr. Auch wenn wir die Netze noch fast leer aus dem Wasser ziehen. Wir machen weiter. Und sind gespannt wann Gott sie mit Leben füllen wird.




Geschichten, die eine wunderbare Wendung nehmen

Und da sind wir wieder bei der Hochzeit angelangt. Es passiert mir nicht oft, dass mir die Freudentränen übers Gesicht laufen, wenn das Brautpaar in die Kirche einläuft. Am Samstag war das so. Weil ich die Geschichte dahinter kenne.  Nicht immer läuft das Leben so wie wir uns das erträumen. Oft genug halten wir einander in den Armen und versuchen uns zu trösten, dass auch besser Zeiten kommen. Und manchmal sind sie dann einfach da. Die besseren Zeiten. Und man kann nur staunend daneben stehen und sich einfach nur mitfreuen.  

Freunde, die guten Tage werden kommen. Auch wenn sie manchmal ganz schön lange auf sich warten lassen!


nach wenigen Minuten im besten Anzug: Freimachen zum Mitfeiern:-)


Wo immer ihr gerade seid, lasst die Sonne ein wenig auf euch scheinen! 
Jesus sieht uns an.  Mit strahlenden Augen. Und wild klopfendem Herzen. 
Wir sind unendlich geliebt. 
Und: die besten Tage liegen noch vor uns! (alle irdischen Apfelbaumplätze und Hochzeitsfeste sind nur ein kleiner Vorgeschmack)