Mittwoch, 19. Juli 2017

Ein Fest zum Letzten und eins zum Ersten!

Am Samstag haben wir das letzte Kita-Sommer-Fest mitgefeiert. Ein bisschen mit Wehmut im Herz. Aber vor allem mit Dankbarkeit. Dankbar für den Reichtum, den Samu aus dieser Zeit seines Lebens mitnehmen wird.

Kinder aus so vielen Ländern (sein bester Freund kommt aus Äthiopien)..


...und eine Festtafel an der man den Reichtum der Nationen schmeckt!

Und dann laden wir  zum ersten Mal alle unsere Nachbarn zu einem kleinen Fest unter dem Apfelbaum in unserem Garten ein. Ausgerechnet wir!!! Wir sind nicht wirklich die Partyleute! (Heio fallen meistens schon gegen 10 Uhr die Augen zu und ich kann mich nach einer Stunde von intensivem Reden auf kein Gespräch mehr konzentrieren!). 
Ich frage mich schon sorgenvoll ob wir uns nicht etwas übernommen haben. Eigentlich haben wir doch schon genug Termine. Und überhaupt: Es sind doch die anderen die in ihren Gärten abends lachen und feiern. Die griechischen Nachbarn zum Beispiel. Oder die italienische Familie, deren Kinder draußen noch toben und spielen, während wir schon lange im Bett liegen. Oder die junge Frau, die mit ihrem Freund bei einer Flasche Wein bis spät in die Nacht lange Gespräche führt, an deren Balkon wir uns leise vorbeischleichen um nicht zu stören.  Eine Party - das könnten die alle doch viel besser!!!! 
Das sage ich auch zu Jesus. Und dann meine ich zu hören wie er mir sagt: "Christina, du kannst doch schöne Einladungen schreiben. Mach das mal. Und dann lade die Frau ein, die sonst nie jemand einlädt. Und geh auch zu den türkischen Nachbarn mit dem Hund, über die sich die anderen so oft aufregen. Geh zu der polnischen Haushilfe und zu der alten Frau. Lade sie ALLE ein! Und dann schmücke den Garten (das machst du doch auch gerne) und heißt ihr einfach diejenigen willkommen, die sich zu euch setzen. Mehr müsst ihr nicht tun." 
Also nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und lade die Leute ein. Und ich bete. Ein bisschen verzweifelt. Und dann schauen wir mal was passiert...


Wer noch mehr über besondere Feste lesen will: hier ist ein toller link! (leider auf englisch)

Und nächste Woche gibt`s hier noch einen ganz besonderen Link, ICH FREU MICH SCHON!!!!!

Montag, 10. Juli 2017

Sommergruß: Zwei Bücher

Zum Sommer gehören für mich auch immer gute Bücher. Diese Zwei liegen gerade ganz oben auf dem chaotischen Bücherstapel neben meinem Bett:


Da ist diese wunderbare Gott hat dich lieb Bibel, die wir entdeckt haben (danke Iris!). Ich lese Samu abends die Geschichten und muss mich zwingen das Buch aus der Hand zu legen und nicht alles gleich am Stück durchzulesen. So geht es mir (leider!) nicht oft mit der Bibel. Aber diese Texte sind so wunderbar geschrieben und deuten in jeder Geschichte auf Jesus hin.

hier zum Beispiel das Ende vom Riesen Goliath
 DIe Bibel ist die Wiege in der Jesus liegt! Ich glaube den Satz habe ich mal bei Nadja Bolz Weber gehört. Und genau das zeigt mir diese tolle Kinderbibel (und ich finde sie durchaus auch für uns Erwachsene geeignet!!!).

Und dann ist da noch das Buch, das ich aus der Bücherei ausgeliehen haben; schnell noch kurz ins Regal der "empfohlenen Bücher" gegriffen und ab und zu lande ich damit einen Glücksgriff. In der gute Psychologe wird man sozusagen Beisasse in seinen Therapie- und Unterrichtsstunden und den Zeiten dazwischen, in denen er seine eigenen Probleme bewältigen muss. Zwei Gedanken fand ich schon total hilfreich. Da ist das wunderbare Beispiel mit den Gedanken ein bisschen so umzugehen wie bei einem Schuhkauf: Das erste paar Schuhe das man in die Hand nimmt muß man nicht gleich kaufen. Wenn ich also eine bestimmten Situation etwas in mir hochkommt, was ich darüber denke und empfinde, dann ist es einfach nur der erste Gedanke und nicht unbedingt der Richtige. Ich kann noch ein bisschen weiterschauen was man über die Situation noch denken könnte....so wie man eben durch ein Schuhgeschäft schlendert. Und dann schaut man was am besten passt,  ohne dass es Druckstellen auf der Seele gibt. (und Jesus scheint mir ein ziemlich guter "Schuberater" zu sein!).

blöder Schuh, leider schon ziemlich ausgetreten ;-)
Und dann fand ich den Gedanken noch sehr hilfreich, dass ich lerne meine Gefühle zu begrenzen, d.h.: Wenn ich sage "Ich bin traurig" dann ist das nur ein Teil der Wahrheit. Es ist besser wenn ich lerne es so für mich auszudrücken: "Ein Teil von mir ist traurig. Aber da gibt es auch einen Teil in mir der Hoffnung hat. Der sich an etwas freut...." (die Grenzen des Gebiets abstecken, nennt es der Psychologe).  Auch wenn sie das für manche nach einem Psychotrick anhören kann - für jemand wie mich, die sich von einem Gefühl manchmal ganz bestimmen lässt, ist es total hilfreich über solche Dinge nachzudenken. Ich will nämlich emotional ein bisschen reifer werden :-). (Heios Augen werden an dieser Stelle hoffnungsvoll aufleuchten)  Freue mich jedenfalls auf den Rest des Buches....

Und was lest ihr gerade schönes?

Mittwoch, 5. Juli 2017

Ich weiß was ich diesen Sommer tun werde (so Gott will und wir leben!)


In der ersten Bundesländern haben die Sommerferien angefangen. Wir im Süden sind ja immer erst ganz zum Schluß dran und die Sommerzeit liegt noch so unberührt vor uns wie ein glatter See. Aber es gibt einiges worauf ich mich schon richtig freue: 

Der runde Geburtstag meiner Schwester, den wir auf den Kniebis-Hütte im Schwarzwald feiern werden (und ich muß dafür noch unseren Jazztanz proben den wir mit Stirnband und Dauerwelle vor Jahren zusammen eingeübt haben! Mach dich auf was gefasst liebe Schwester, haha!)



Und wir bleiben in Feierstimmung: Es warten noch Segnungen von wunderbaren Kinder, eine Taufe am See und mindestens ein Gartenfest!



der Garten ist "feierbereit" :-)


Und im Garten werden wir auch wieder leckere Früchte und Gemüse ernten; dank Heio und den Generationen vor uns die den Sauerkirsch- und Apfelbaum gepflanzt haben. (was macht man nur mit so vielen Sauerkirschen???)



Dann hoffe ich auf einen kleinen Freundinnenausflug an den Bodensee...



...und vielleicht klappt ja ein Wochenende ganz alleine mit Heio (egal wohin - Hauptsache wir haben Zeit zu Zweit!)


Und dann - mitten im Sommer - feiern wir das neue Buch!  Wer möchte kann es schon vorbestellen, dann landet es Ende August druckfrisch in eurem Briefkasten und wird hoffentlich eine ermutigende Spätsommerlektüre! Und zeitgleich gibt es auch noch ein wunderschönes Postkartenheft mit Zitaten von diesem Blog.  Alles weitere findet ihr hier. 
Ach, was freue ich mich darauf das Buch endlich in Händen zu halten!!!




Beispiel aus dem Postkartenheft

Ende August planen wir für einige Tage nach Holland zu fahren!!!! DAS MEER! Dieses tolle Land! Mein Lieblingscafe! Die Sandstrände! Was für ein Geschenk, dass wir dort Urlaub machen dürfen!!! 



Und Samu genießt gerade die letzten Tage in seiner Kita.  Ich bin schon richtig wehmütig, wenn ich dran denke, dass wir uns bald zum letzten Mal aufs Rad schwingen werden um dorthin zu fahren. Was für ein Segen ist diese Kita für uns gewesen! Ein Ort wo die Kinder mit so viel Liebe, Klarheit und Wertschätzung  begleitet werden. Ach, ihr tollen Erzieher, ihr seid einfach der Hammer!!! Wir werden euch vermissen (und auch das "Resteessen" das so oft unseren Kühlschrank gefüllt hat). 


Am Ende des Sommers wartet dann der neue Lebensabschnitt für den Sohn: Die Schule beginnt! Ja, die wilde, große Schule um die Ecke (falls ihr euch an meine Überlegungen hier erinnert) Ein bisschen fühlt es sich so an als würden wir Samu von einem kleinen idyllischen Teich mitten in den stürmischen Ozean werfen. Aber er wird das "Schwimmen" lernen. Und wir werden danebenstehen, ihn anfeuern und ihm Mut machen. Das Leben braucht viel Mut, finde ich. Da fällt mir das schöne Zitat ein: Mut ist Angst, die gebetet hat.  Also beten wir. Und dann übe ich mich im Loslassen. Jeden Morgen neu.


So, das sind unsere Pläne für die nächsten Wochen. Und ich weiß, dass oft alles so ganz anders kommen kann als gedacht und wir letztlich so wenig in der Hand haben. Aber derjenige, der die Zukunft kennt wird da sein - an jedem Tag. Und DAS ist das Größte!!!

Ich werde hier bis Anfang September ein bisschen in Sommermodus schalten: d.h. ich plane wöchentlich mal vorbeizuschlendern und einen kleinen Urlaubsgruß zu hinterlassen  (mit ein bisschen weniger Worte, vielleicht ein Bild, ein Link, ein Zitat..mal schauen)

Ihr Lieben, habt einen guten Sommer !!!!! 💖💖💖

Dienstag, 27. Juni 2017

Platz für ein Wunder

"Samuel hol mal schnell deinen Papa!", ruft unser Vermieter. Ich denke schon es ist schlimmeres passiert, da sehe ich, dass er einen kleinen verletzten Vogel vorsichtig vom Asphalt pflückt und an Heio übergibt. Es hat sich in der Nachbarschaft schon rumgesprochen, dass Heio derjenige ist, der verletzte Tiere und halbkaputte Pflanzen durchbringt. Apropos Pflanzen: In der gesamten Nachbarschaft wurden dieses Jahr die Buchsbaumhecken von einer gemeinen Raupenart befallen. Und wenn diese Viecher mal anfangen zu essen, hören sie nicht mehr so schnell auf. Kahlfraß wohin man blickt. Die Nachbarn versuchen es mit irgendeinem Pflanzengift. Dann fällt eine Hecke nach der anderen. Nur in unserem Garten nicht! Stundenlang ist der Mann draußen, pflückt die Raupen vom Baum und gießt die dürren Planzen mit Wasser ab. Samu unterstützt ihn tatkräftig dabei. (Heio schätzt, dass sie ungefähr 900 Kriechtiere abgepflückt haben!)



Die Nachbarn legen uns Fachartikel vor die Tür, dass man solche Hecken nicht mehr retten kann. Und sie beobachten weiter kopfschüttelnd was in unserem Garten geschieht. Ich auch. Das wird doch nichts mehr! Was für eine vergebliche Liebesmüh! Ich bin dafür, die Hecke abzusägen. Am besten sofort. Heio schlägt noch sechs Wochen raus. Eigentlich würde er gerne noch viel länger abwarten, aber er kommt nicht gegen mich und die geballte Ladung der Raupen-Experten in der Nachbarschaft an.
Kurz vor der vereinbarten Frist entdecke ich zu meinem allergrößten Erstaunen plötzlich grüne Zweige in der Hecke. Ich reibe mir die Augen. Das gibt`s doch nicht! Der totgesagte Strauch wird wieder grün! Auferstehungsluft in unserem Garten. Die Säge, die ich schon von unserer Nachbarin ausleihen wollte, bleibt unbenutzt. Die Experten sind verstummt.  Und Heio ist der stille Held der geduldigen Gärtner.


Und jetzt also der Vogel! Ich werfe einen kurzen Blick auf das arme kleine Wesen mit den eingeklappten Flügeln, das noch kaum die Augen aufbekommt und sage: "Den kriegen wir nicht durch. Das können wir vergessen." Heio uns Samu hören gar nicht zu. Sie sind schon im Garten unterwegs und kommen kurz darauf mit einem glibbrigen Wurm wieder. Aber der Vogel ignoriert den Leckerbissen. 


Und auch der größte Teil der Wassertropfen, die ihm mit einer kleinen Wasserspritze eingeflößt werden, verfehlen den zaghaft geöffneten Schnabel.  "Das wird nichts!", sage ich und überlege schon ob wir das arme Tier am Ende verbuddeln oder einfach in die Mülltonne werfen sollen. Wir stellen ihn in der Transportbox auf den Balkon und widmen uns wieder anderen Dingen. Nur Samu harrt neben dem Vogel aus. Und plötzlich ruft er triumphierend: "Mama, er ist weggeflogen!" Ungläubig laufe ich dazu. Tatsächlich, die Box ist verlassen und Samu zeigt auf den hohen Baum im Garten. "Da oben sitzt er. Er kann wieder fliegen!" Ich kann es kaum glauben, während Heio weniger überrascht ist. Er rechnet einfach viel mehr damit, dass sich das Leben durchsetzt. 

Und an dieser Stelle bin ich mal wieder froh, dass Gott ganz anders ist als ich! Er pflückt geduldig immer wieder die schrägen Gedanken aus meinem Kopf, sagt mir dass er mich lieb hat und gießt noch ein bisschen Segen hinterher. Und vielleicht hat er ja ab und zu einen etwas nachdenklichen Engel neben sich stehen, der einwendet: "Aber das wird doch nichts mehr, oder? Das lernt sie doch nie! Ist das nicht vergebliche Liebesmüh? Sollen wir nicht lieber den blühenden Bäumen ein bisschen Platz schaffen?" Ok. Ich glaube nicht dass ein Engel ernsthaft etwas einwenden würde. Weil er weiß: Unter Gottes Händen können Tote wieder lebendig werden und die Wüste wieder aufblühen. Gott ist wie der Gärtner in dem Gleichnis das Jesus erzählt, der auch nach drei Jahren in denen der Feigenbaum keine Frucht gebracht hat sagt: "Ach, lassen wir ihm noch ein Jahr!" (Lukas 13,6ff).  Gib ihr noch ein bisschen Zeit. Lassen wir die Wunden langsam heilen. Geben wir noch eine große Gießkanne Liebe dazu. Und dann warten wir. Und dann sprechen wir ihr immer wieder ein paar Wahrheiten ins Herz, solange bis sie es wirklich glauben kann... Oh Mann, Gott ist sooo geduldig!!!
Anne Lamott schreibt, dass Geduld die Gegenwart etwas geräumiger macht. Das finde ich ein schönes Bild!  Geduld schafft ein bisschen mehr Platz, ein bisschen mehr Zeit, wenn andere sagen: "Komm, vergiss es." Geduld wartet noch ein wenig ab und öffnet damit einen Raum in dem noch etwas passieren könnte. Geduld schafft Platz für ein Wunder.

Ich hoffe, dass Samuel die Geduld von seinem Papa lernt, dass es sich lohnt den Dingen ein bisschen Zeit zu lassen und nicht gleich aufzugeben: Keine Pflanze. Keine kleinen Vögel. Keinen einzigen Menschen. Und sich selbst schon gar nicht!   
Und vielleicht lernt er ja auch, dass man den "Experten" nicht so viel Raum geben mit ihren Sätzen: Das bringt doch nichts! So ist es halt. Du kannst aufhören zu beten, das wird nichts mehr! Das wirst du nie hinbekommen! Vergebliche Liebesmüh...
Und während er einfach hoffnungsvoll Raupen von Sträuchern pflückt und neben verletzten Vögeln ausharrt, lernt er vielleicht auch die Demut und die Ehrfurcht vor dem einen, der allein Leben wecken kann.

Gesegnet all diejenigen, die sich weigern aufzugeben  - und damit Platz für ein Wunder schaffen.

  Und plötzlich ist da ein grüner Zweig. Ein Flügelschlag. Ein Lächeln. Eine Versöhnung. Eine Heilung. Ein Baby. Ein weiches Herz. Eine Umkehr. Ein neuer Blick. Ein guter Gedanke. Neues Leben.



(Postkarte von rowohlt)


Donnerstag, 22. Juni 2017

Ein bisschen Erfrischung

Temperaturmessung auf unserem Balkon (in der Sonne)
Oh Mann, was ist das für eine Hitze im Süden der Republik!!!  Und im Radio höre ich, dass sich die extremen Hitzetage in einigen  Jahren in Stuttgart noch verdoppeln werden! Seitdem hänge ich Heio in den Ohren, dass wir doch bitte an die Nordsee oder nach Skandinavien ziehen sollten. (Achtung ihr lieben Norddeutschen: bald kommen die Klimaflüchtlinge aus Baden-Württemberg!) Der Mann argumentiert natürlich ganz pragmatisch, dass sein Arbeitsplatz hier ist und alle unsere Weggefährten. Aber wenn das Haus groß genug wäre? Dann könnten doch alle mit? (Ihr kommt doch mit, oder?) Und wenn wir bis dahin wenigstens eine Klimaanlage im Schlafzimmer hätten? Ok, ich bin schon ruhig. Und versuche dankbar zu sein, dass ich keinen Arbeitsplatz in einer heißen Backstube habe, zum Beispiel. Und dass ich nicht im Straßenbau arbeiten muss. Und dass ich morgens nicht, mit den vielen Berufstätigen, im Stau stehe. Und dass die Halsentzündung, die mich gestern so geplagt hat, heute schon viel besser ist. Und dass es so viele erfrischende Momente in meinem Leben gibt:

Die kostenlose Abkühlung vor der Stadtbücherei


Wasserspiele im Garten. (da kommen sogar die Häschen aus der Ecke gekrochen)



Dazwischen feiern wir Heios Geburtstag. Und ich bin einfach so dankbar für diesen Mann, der mein Leben so unglaublich reich macht!  


Geschenk von Samu, wir wohnen im Blumenhaus!

Geburtstagsausflug


Was für ein hilfreiches Schild! Da hätte ich doch sonst tatsächlich den Finger reingesteckt, haha. Und hier seht ihr das absolut Äußerste was Familie Schöffler an wilden Fahrten ertragen kann (müsst nur in Heios Gesicht schauen, dann wisst ihr Bescheid!). Es war so erfrischend, dass wir immer nochmal ne Runde drangehängt haben:


Auf dem Rückweg treffen wir spontan Heios Mama am See, mit dem besten Erdbeerkuchen der Welt und schmeissen uns ins Kühle nass (obwohl wir keine Badeklamotten dabei hatten. Fragt nicht)



Erfrischend sind auch die Kirschen, die wir von unserem italienischen Nachbarn gerade haufenweise in die Hand gedrückt bekommen. "Für die Kinder!" Alle drei Kinder freuen sich!:-)


Und beim letzten Entwicklungsgespräch in der Kita erfahren wir viele wunderbare Dinge über Samu. Ich befürchte ja immer die Erzieher trauen sich den Eltern nicht wirklich die Wahrheit zu sagen. Aber ich höre natürlich auch gerne, dass mein Sohn toll ist. Dass er zum Beispiel bei kleinen Aufgaben gut mithilft, super malen und am schnellsten von allen rennen kann. Dann zeigt uns die Erzieherin ein Interview, das sie vor einigen Tagen mit ihm gemacht hat:


Was für ein toller Wunsch (ohne Geld). Und die Antwort unter Nr.11 kam wie aus der Pistole geschossen, und mit tiefster Überzeugung, so erzählt uns seine Erzieherin. Wie schön!!! Wie sehr hoffe und bete ich, dass er in diese Antwort hineinwächst, dass er sie der Welt fröhlich und trotzig entgegenhält, dass es seine tiefste Überzeugung wird: Wir sind toll - nicht weil wir so schnell rennen können oder besser malen als anderen - sondern einfach deshalb weil Gott uns liebt! Genau das ist es!!!
Und dann hat mich noch die Antwort berührt auf die Frage was er am liebsten Zuhause spielt:


Am liebsten spielt er mit der Mama Stau. Wie schön.  Und wie bald kann sich das ändern! Er entwickelt sich gerade mit Riesenschritten Richtung Schulkind. Und die Jungshormone schießen so dermassen ein, dass er oft gar nicht weiß wohin mit seiner Energie. Er rennt dabei schon mal das eine oder andere Kind, und sämtliche Grenzen, über den Haufen. Das ist manchmal ziemlich anstrengend. Und die Mama, mit der man so schön spielen kann, rastet dann auch ab und zu total aus. Aber selbst wenn wir miteinander streiten, ich überreagiere und unfair bin und ich dann gleichermaßen genervt und beschämt in ein anderes Zimmer abziehe, dauert es nicht lange, bis leise die Tür aufgeht und ein Autostau langsam in meine Richtung rollt. Und nach einer Weile kommt die vorsichtige Frage: "Mama, welches Auto willst du sein?" Es ist seine Einladung wieder gut miteinander zu sein. Und dann knie ich mich neben ihn auf den Boden und wir freuen uns wieder daran, dass wir einander haben.
Ich muss dabei an das wunderbare Psalmwort denken:
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang. (Psalm23,6)
Was für eine tolle "Verfolgungsjagd" verheisst uns Gott! Egal wie unser Tag verläuft, egal wie enttäuscht wir manchmal von uns selbst sind, Gottes Barmherzigkeit ist immer auf dem Weg zu uns. Sie lädt uns ein auf die Knie zu gehen, gnädig mit mir und dem anderen zu sein, und sich an dem Guten zu freuen, was sie mitbringt: Wir sind toll, weil Gott uns lieb hat!!! Wer sich von dieser Wahrheit immer mal wieder ganz fest (und möglichst lange) umarmen lässt, der erlebt eine Freude, die man sich für kein Geld der Welt kaufen kann.

Die Gnade ist auf dem Weg !!! :-)
Während ich das schreibe merke ich, wie durstig ich nach dieser Wahrheit bin. 

Ich will das glauben. Immer wieder. Verschwitzt und genervt wie ich heute bin

Ich bin toll. Weil Gott mich lieb hat.
  
Und du bist das auch. 

Und der, der uns gerade nervt auch. 

So ist es. 

Wenn wir von der Barmherzigkeit trinken, dann fängt sie an überzulaufen, in alle Richtungen. 

Was für eine Erfrischung!

Dienstag, 13. Juni 2017

This is where I heal my hurts.

Montagmorgen. Noch nicht ganz ausgepackte Taschen. Mein Herz quillt über wie der Wäschekorb - voller Eindrücke und Gedanken über die vergangenen Tage. Dankbarkeit. Vor allem Dankbarkeit. Ich setzte mich an den Computer, beantworte dringende Mails und sortiere die ersten Bilder der Gemeindefreizeit. Im Hintergrund läuft das beruhigende Summen der Waschmaschine. Die Fotos bringen mich zum Lächeln.   What good is a good life if I can’t see it? , das habe ich vor ein paar Tagen in diesem wunderbaren Artikel von Megan Gahan gelesen. Wie wahr ist das! Was nützt das Gute, wenn wir es nicht wahrnehmen? Also schaue ich es an. Ich freue mich an dem was Gott unter uns tut. Dass ich Teil einer Auferstehungsgeschichte sein darf, die mir für den Rest meines Lebens Mut machen wird. Dass seine Geschichten manchmal erst dann so richtig anfangen, wenn wir denken das letzte Kapitel wird gerade geschrieben. Plötzlich pulsiert wieder sanftes, junges Leben in uns. DANKE JESUS!!!!

















 
Egal wo ich hinschaue: ich sehe Gottes Fingerabdrücke. Leben bricht auf. Ich kann einfach nur staunen. Zeuge sein. 
Und natürlich gab es auch andere Momente dazwischen: Tränen. Schreiende Babys. Erschöpfte Mamas. Schlaflose Nächte. "Phantomschmerz" in manchen Herzen  über die Lücke von Menschen, die nicht dabei waren, oder über das Glück der anderen, das sich im eigenen Leben einfach nicht einstellen will.   Mir selbst ging es phasenweise auch nicht so gut. Ein übler Migräneschmerz hatte sich gleich am ersten Abend in meinem Kopf festgekrallt und wollte einfach nicht mehr loslassen. Ich lag also öfters mal alleine im abgedunkelten Zimmer. Diese Momente sind ein bisschen wie der "Negativ-Film", dieser kleine Schwarz-weiß-Streifen der, im analogen Zeitalter,  meistens zuerst aus der Papiertüte fiel. (manche erinnern sich) Darauf erkannte man die Bilder immer kaum, weil sie die umgekehrte Beleuchtung hatten. Ich glaube machmal erleben wir das auch in der Gemeinschaft:  Die hellen Momente der anderen, legen sich als Dunkel über unsere Seele:

Das lachende Baby. 
Das ermutigende Wort für den Nebensitzer. 
Der innige Kuss eines Liebespaares.
Die Gotteserlebnisse anderer. 
Die Geräusche von aneinanderklirrenden Bierflaschen und von fröhlichen Gesprächen, die ins abgedunkelte Zimmer dringen. 

Am letzten Abend, ein Lobpreisabend, lief meine Migräne nochmal richtig zu Hochform auf. Während die meisten um mich herum fröhlich Gott lobten wäre ich am liebsten zur nahen Bahnschiene gelaufen und hätte meinen schmerzenden Kopf auf die kühle Schienen gelegt und auf den nächsten Zug gewartet. Nicht dass ich es wirklich getan hätte. Aber ehrlich: so düster sah es in mir aus. Ich gab Heio zu verstehen, dass ich aufs Zimmer gehen würde und dass ich dankbar wäre, wenn vielleicht noch jemand kurz Zeit hätte für mich zu beten. Ein Hilferuf den ich nur dann absetze, wenn ich merke: Jetzt geht gar nichts mehr. Also saß ich auf meiner Bettkante in der verzweifelten Hoffnung, dass um diese nachschlafende Zeit sich noch jemand erbarmen und kurz, zusammen mit Heio, für mich beten würde. 
Nach einer Weile ging vorsichtig die Tür auf. Da stand einer meiner Lieblingsbrüder, lächelte vorsichtig und meinte: "Ich habe noch ein paar Leute mitgebracht." Und dann kam einer nach dem anderen ins Zimmer. Meine Weggefährten. Selbst müde nach einem langen Tag. Ich musste nicht viel erklären. Sie setzten sich einfach neben mir ins Dunkel und beteten für mich. Und es war unglaublich: schon nach den ersten Sätzen kam es mir so vor, als würde mich eine tiefe Welle von Frieden erfassen, die alle Verzweiflung mit sich nimmt. Nicht den Schmerz. (zumindest erstmal nicht ganz)  Aber der Friede war so gewaltig, dass die Schmerzen ganz beleidigt in die Ecke abzogen, weil sie plötzlich keine Beachtung mehr fanden. Sie waren einfach nicht mehr so wichtig. Gott war da.  Auch wenn das ziemlich große Worte sind - ich kann es nicht anders sagen. Und wenn ich jetzt an das Wochenende zurückdenke, dann ist dieser dunkle Moment auf der Bettkante, mein hellster und schönster Moment geworden. 

"Der große Vorteil von Negativfilmen ist, dass sie einen großen Belichtungsspielraum haben", lese ich bei Wikipedia. Kann man es besser sagen? Im Dunkel gibt es einen großen "Belichtungsspielraum" für Gottes Gegenwart. Und in manchen Momenten nützt er diesen Spielraum voll aus und schenkt seinen tiefsten Frieden. Leuchtende Gegenwart.  So gewaltig, dass ich sie heute morgen, während ich das aufschreibe, immer noch spüren kann.

Ganz oft, wenn ich an die kleine Gemeinschaft denke, mit denen ich nun schon über 20 Jahre unterwegs bin, kommen mir die Worte aus dem Lied von faithless in den Sinn: 
This is my church! This is where I heal my hurts.
Doch, wir leiden immer wieder auch aneinander. Aber es ist auch der Ort an dem ich Heilung finde. Und Frieden. Und Jesus. 

Und vielleicht ist es tatsächlich das Größte und einer der wichtigsten Aufgaben die wir als Kirche haben : Wir freuen uns an dem Guten was er unter uns tut! Wir schauen genau hin. Staunen. Sind Zeugen von kleinen Samen die aus trockenem Boden aufbrechen und neues Leben hervorbringen. Ich glaube das ist ein heiliger Auftrag. Sehend werden. Für Gottes Fingerabdrücke unter uns.  Wir lernen DA zu sein. Hier und jetzt. Miteinander. Und immer wieder auch füreinander -  wenn Gott uns einlädt mit einem vorsichtigen Lächeln die  Tür zum Dunkel des anderen zu öffnen, mit den wunderbaren Worten: "Ich hab noch ein paar Leute mitgebracht!" Und dann nehmen wir mit unseren Gebeten die Ecken der Matraze in die Hände und tragen einander zu Jesus. 



Und übrigens: Falls der eine oder ander mit mit gebangt hat: Als wir nach Hause kamen waren alle Hasen noch am Leben! Putzmunter. Gott versorgt auch diejenigen, um die wir uns gerade mal nicht kümmern können :-)