Donnerstag, 23. Januar 2020

Was mein Leben reicher macht

Jetzt habe ich zwei Stunden an einem Vorwort für das neue Buch geschrieben und alles wieder gelöscht. Bis auf ein Zitat. Ich glaube das genügt. Manchmal können es andere einfach viel besser sagen; und viel kürzer. Dafür bin ich dankbar. Für Menschen die wunderbare Bücher schreiben und mich mit Worten beschenken, die ich auf Notitzzettel und an die Tafel im Wohnzimmer schreibe.


Und es gibt noch einiges mehr was mein Leben gerade reicher macht:  Wenn der Tag nicht  im Nebel anfängt - was für Januartage gerade erstaunlich häufig geschieht! - dann staune ich über den Sonnenaufgang vor unserem Fenster. Jeden Morgen anders.  Jeden Morgen ein Kunstwerk, das man am liebsten festhalten würde und das doch so schnell wieder verschwindet. Wer kann so einen Himmel betrachten und nicht glauben, dass es einen Schöpfer gibt? Ich kann es nicht. Ich liebe diesen Gott, der so großzügig und verschwenderisch mit seinen Kunstwerken umgeht


Und ein bisschen von seiner Wildheit kann man in den Greifvögeln ahnen! Dieser hier hat seinen Lieblingsplatz auf einem Baum vor unserem Haus.


Und diese Schneeglöckchen zeigen die filigrane Seite des Schöpfers,  ein zartes Kunstwerk, an dem ich mich seit Tagen freue!


Und ich liebe den Moment, wenn sich nach einem nebligen Vormittag die ersten Sonnenstrahlen erfolgreich durch die Wolken kämpfen. So wie gestern.


Und wie schön wenn dann vor dem Mittagessen noch ein bisschen Zeit bleibt um in einem Buch zu lesen,  weil das Kind auf dem Heimweg trödelt.



Und wenn wir dann einfach die ganze Arbeit liegen lassen und mit den Freunden eine Runde Schlittschuh laufen  und ich mich ganz jung fühle beim Dahingleiten und so lachen muss, wenn ich Samu bei seinen ersten Versuchen auf dem Eis beobachte (hinfallen aufstehen, hinfallen, aufstehen... kann man nicht früh genug lernen!). Und dann essen wir frische Waffeln am Kiosk und blinzeln verträumt in die Sonne bevor sie hinter den Bäumen wieder verschwindet, um sich auf den nächsten Auftritt vorzubereiten.



In einem Kinderlied,  das Samu so gerne mitgröhlt, heisst es:  
Was hat sich Gott dabei gedacht? Er hat die Welt so hübsch gemacht?
Ich muß immer lachen wenn ich das höre. Es klingt ein bisschen vorwurfsvoll und fast wütend! Also wirklich Gott, was hast du dir denn dabei gedacht? Wir müssen doch hier arbeiten und wichtige Dinge tun und ständig werden wir abgelenkt von Blumen und Vögeln und Sonnenaufgängen, von kleinen Menschen und schönen Worten und dem Duft von frisch gebackenen Waffeln!
Ich mag diesen Satz (der hier vor mir an der Wand hängt)  aus einem Gedicht  von Maggie Smith:

I am desperate for you to love the world, because I brought you here! 
 (frei übersetzt: Ich möchte so  unbedingt dass du diese Welt magst, weil ich dich hierher gebracht habe!)
Ob es Gott so ähnlich geht wie mir, wenn ich jemand zu einem Fest unserer Gemeinde einlade und ich dann ganz aufgeregt dasitze und hoffe, dass es dem anderen auch gefällt und er sieht was ich sehe und mag was ich mag? Ob dieser wunderbar großzügige Gott ähnlich empfindet wenn er uns auf seiner Erde sieht, auf die er uns eingeladen hat? Ich glaube fast es erfüllt ihn mit wilder Freude wenn wir die Schönheiten entdecken, die er am Wegrand für uns versteckt hat (und uns dabei ein bisschen mehr in den Künstler verlieben!).
Bei allem was uns manchmal zur Verzweiflung bringt,  bei allem kaputten und zerbrochenen das auch da ist: Unsere Welt glitzert und funkelt immer noch an so vielen Ecken und Enden!
Das Kinderlied, mit der vorwurfsvollen Frage an Gott, endet übrigens so:

Du hast die Welt für mich gemacht,
 in all ihrer Farbe all ihrer Pracht
Sie ist ein Liebesbrief an mich 
und trägt deinen Namen! 

Ab und zu muß man sich einfach die Zeit nehmen um in diesem Liebesbrief lesen  - und wenn es nur ein paar Worte sind! Ab und zu müssen wir unseren Heimweg vertrödeln!  IRGENDJEMAND muss einfach kurz stehen bleiben und die Kunstwerke bewundern, bevor sie sich wieder aufs Neue hübsch  machen.

Für Dich! In liebe, Gott. (foto: F.Blei)
 
( *aus der tollen CD: Du bist Gottes schönste Idee von: JesusBurger junior)

Mittwoch, 15. Januar 2020

Es lebe die Vielfalt !!!

 Blogpost enthält links und unbeauftragte Werbung


Der Januar ist in diesem Jahr für mich kein Anfangsmonat sondern ein Endspurt! Ich muss das Buchmanuskript Ende des Monats abgeben (und noch zwei Artikel für meine Lieblingszeitschrift Joyce schreiben). 
Gestern habe ich mir alle Kapitel für das zukünftige Buch ausgedruckt und nun liegt der Stapel neben mir und wartet auf die erste Korrekturlesung. Das ist der Moment in dem ich oft ganz mutlos werde und denke: Wieso denkst du denn, dass das jemand lesen will? Das müsste doch alles noch viel besser sein. Irgendwie gewaltiger und wortreicher und inhaltlich spannender. Passend dazu fiel mir diese Karte aus einem Buch entgegen:


Also ehrlich gesagt ist mein Buch weniger eine Axt sondern vielleicht ein kleiner Sonnenstrahl -  für das gefrorene Meer in uns:-). 
Also versuche ich noch zu feilen und zu verbessern und Dinge wegzustreichen und Neues einzufügen und überlege ob ich nicht am besten nochmal ganz neu anfangen soll. Ich könnte dem Rat von Astrid Lindgren folgen: Streich die Häflte und schreib die andere Hälfte neu. Aber die Zeit reicht dafür nicht mehr.  
Nachdem ich gestern viel zu lange gelöscht und korrigiert habe, bin ich mit Samuel einkaufen gegangen. Am Obststand haben wir dann etwas ganz wunderbares entdeckt: 


Obst und Gemüse, das üblicherweise aussortiert wird - nicht weil es schlecht ist, sondern, weil es nicht unter die EU-Norm (von Größe oder Aussehen) fällt! Was für ein Unsinn und was für eine Verschwendung! Und wie cool ist diese Aktion, oder? Keiner ist Perfekt! Amen dazu. Wir kaufen gleich zwei Beutel (Äpfel und Karotten) und bewundern Zuhause die verschiedenen Formen, bevor wir in die saftig leckeren Äpfel beissen.
Mir hat diese Sache wirklich Mut gemacht - was mein Schreiben und was mein ganzes Leben angeht! Weil sie mir vor Augen hält, dass eine perfekte Norm auf dieser Welt einfach totaler Unsinn ist! Und dass die Schönheit in der Vielfalt liegt!
Ich weiß von einer Frau die wunderbar schreiben kann. Sie will auch gerne ein Buch schreiben, hat sogar schon einen Titel. Aber sie verschiebt das immer wieder, weil sie denkt es ist einfach nicht gut genug. Und ich denke: HALLO? Das ist wunderbar! Es ist mindestens so gut wie das was ich schreibe! Und es grenzt an Lebensmittelverschwendung, das zurückzuhalten!
Aber wahrscheinlich gibt es nur zwei Arten von Schriftstellern: Die perfekten, und diejenigen die schreiben.
Und zwei Arten von Lehrer: Die perfekten, und diejenigen die unterrichten.
Und zwei Arten von Kinder: Die perfekten und diejenigen die die es im echten Leben gibt.
Und zwei Arten von Liebhaber: Die perfekten und diejenigen die versuchen lieb zu haben.

Das heisst nicht, dass ich keine Korrektur brauche! Wie dankbar bin ich für meine kluge Lektorin und für Heio, der sich gerade geduldig durch die Seiten liest. Seine Hauptaufgabe: Schau bitte, ob es ehrlich geschrieben ist. Denn eins will ich: Wahrhaftig sein (auch wenn unsere Erinnerung ja immer subjektiv sind!) und nichts anderes vortäuschen wollen als das was ist. Aus Äpfel und Karotten kein 12-Gänge-Menü machen wollen und einen Michelin-Stern erwarten! Keine Geschmacksverstärker hinzufügen oder das Ganze  mit Sägmehl strecken wollen, wenn es mengenmässig eben nur fünf Brote und zwei Fische sind. Das hört sich einfacher an als es ist. Aber letztlich geht es wahrscheinlich einfach um die Frage ob ich darauf vertraue, dass Jesus etwas daraus machen kann. Aus meinem schreiben und aus meinem ganzen Leben.  Dass er meine, manchmal sehr eigentümliche Form nimmt und andere damit stärkt und segnet.  
Wie gut, dass es bei Gott keine Normwerte gibt wie wir sein müssen! 
Es gibt keine himmlischen Normen wie schnell und wie gerade wir wachsen müssen! 
Er sortiert niemand aus!
Er legt unsere Leben nicht nebeneinander und vergleicht uns!  
Und es gibt ja so viele Geschmacksrichtungen!
Die Schöpfung ist eine einzige Erinnerung daran, die Vielfalt zu feiern!!! 


Beide Karotten: Toll gewachsen! Oder?

Und dieser Verein, bei dem ich Mitglied bin, hat sich auch vorgenommen die Vielfalt hochleben zu lassen. Kinder und Jugendliche zu ermutigen, besonders diejenigen die oft nicht in die "Norm" passen. Wie überall braucht es Menschen die hingehen und so etwas tun - so wie meine Freundin Tanja - und andere die sie dabei unterstützen. (und viele kleine Spenden könnten das Projekt am Laufen halten!). Vielleicht habt ihr ja Lust mitzuhelfen? ⭐

Dienstag, 7. Januar 2020

Kleine Zeichen feiern

Draußen ist es noch dunkel. Eben ist das Kind in die Schule geschlittert - weil Blitzeis auf der Straße - und ich habe ihm, wie ein kleiner runder Leuchtturm (Stichwort:Festtagsessen!), den Lichtkegel einer Taschenlampe vom Balkon aus hinterhergeschickt. Dann habe  ich erleichtert zu Heio gesagt: "Wie gut, dass jetzt der gesegnete Alltag wieder beginnt!" Unsere Ferienzeit war wirklich richtig schön, aber auch ganz schön anstrengend. Was auch mit dem aufgedrehten Entwicklungszustand eines 8-jährigen zu tun hat, der nicht weiß wohin mit all seiner Energie, der Freude und dem Frust. Ich habe meine Cousine gefragt, die ihre fünf Kinder schon fast großgezogen hat, wann denn wieder so ein sonniges Alter kommt. Sie meinte mit 23. Na dann.
Aber ich bin auch so voll mit Dankbarkeit! Vor einem Jahr habe ich meine Dankesliste angefangen und bin inzwischen fast bei Nr.1500 angekommen. (und ich habe mit Sicherheit so vieles übersehen - könnte schon bei 150 000 sein! :-)). Staunend blätterte ich am Ende des Jahres durch vollgeschriebene Seiten. Da war so viel Gutes! Auch in den vergangenen Ferien!

mein Lieblingsweihnachtsbild (Nichte und Neffe✮✮)

auch dafür gab es ein bisschen Zeit...
bevor wir uns nochmal auf den Weg gemacht haben

zu Freunden, ins schöne Vogtland!(bisschen Schweden, ganz nah)


kurze Momente zum Genießen!
Und dann wieder toben - so viel Weite!

(danke Franzi für das Foto!)

Happy new year!
5 Tage - eine Erkenntnis: Was für ein Segen sind Weggefährten!!!

Und nun zu meinem diesjährigen Experiment mit den Barbarazweigen:
Es gab ein paar kleinere Anfangsschwierigkeiten (z.B. wie man das Wasser wechseln soll, wenn es gefroren ist) aber ansonsten habe ich wohl fast alles richtig gemacht. Kurz vor Weihnachten tat sich trotzdem nichts! An Heilig Abend sahen die Zweige so aus:  



Heios Versuch mich zu ermutigen - hab gleich gemerkt, dass da was nicht stimmt!
War kurz davor die heilige Barbara übelst zu beschimpfen und die jämmerlichen Äste zu verbrennen. Aber, es gab ein ganz kleines Zeichen!

seht ihr das - ganz kleines Grün?
Also gab ich nochmal frisches Wasser in die Vase, bevor wir wegfuhren. Und als wir nach Silvester zurückkamen sah es so aus:



Da ist das Ding!!!
Gut, die Sache mit blühendem Zweig habe ich mir ein bisschen anders vorgestellt. Aber es war als würde Gott mir damit zuflüstern: Achte auf die kleinen Zeichen! Sei nicht betrübt über Äste die noch nicht aufblühen, sondern sei bereit eine kleine Blüte zu feiern. Und ein Blatt. (mit dem habe ich nun so gar nicht gerechnet)
Ich habe die Bilder auch immer wieder der Freundin geschickt, die sich so nach Gottes Eingreifen sehnt. Bisher ist noch keine krasse Heilung eingetreten. Aber plötzlich ist da Friede, anstelle von Panik. Plötzlich wird etwas an anderer Stelle heil (bisschen wie das unerwartete Blatt). Gott scheint etwas zu tun! Also beten wir weiter. 
Wie passend ist dazu, die Jahreslosung für 2020: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! (der Künstler Jens-Uwe Friedrich hat das hier auch so schön dargestellt). Vielleicht wird das MEIN Wort für dieses Jahr. Meine Erinnerung, ein bisschen ausdauernder und starrköpfiger zu vertrauen. Und  jede noch so kleine Sache zu feiern und als Zeichen nehmen, dass Gott uns sieht und nicht vergessen hat und unermüdlich Lichtstrahlen seiner Liebe in unser Dunkel sendet (und mein Danke-Buch ist dafür mein Vergrößerungsglas!)

In diesem Sinne wünsche ich uns allem ein erwartungsfrohes Herz für das kommende Jahr!

 Seid umarmt und gesegnet für die kommende Wegstrecken! 


Fürchtet Euch nicht! Es blüht hinter uns her.
Hilde Domin

Dienstag, 24. Dezember 2019

Happy Birthday!

Heute ist Heilig Abend - und bestimmt sind die meisten von euch nicht besinnlich vor dem Computer. Ich fühle mich gerade auch nicht so besinnlich. Verschwitzt und müde vom Putzen, Packen, Kind zurechtweisen und Geburtstagskuchen backen (Backmischung versteht sich). Es kam mir fast ein bisschen albern vor, diesen Kuchen für Jesus zu backen. Aber während ich so mit rühren und Sahne schlagen beschäftigt war  überkam mich das Staunen: Gott hat tatsächlich Geburtstag! Der Schöpfer der Welt nahm den menschlichsten aller Wege! Es gibt ein Datum  an dem Gott unter Schmerzen und Schreie einer jungen Mutter zur Welt kam.  Was ist das nur für eine unfassbare Geschichte?
Wahrscheinlich war es nicht der 24. Dezember. Ich glaube ja, dass es die Nacht vom 20. auf den 21. Dezember. Einfach weil das die längste Nacht im Jahr ist. Das scheint mir passend für die Ankunft eines Retters. Vom letzten Buch der Bibel bis zur Geburt Jesu vergingen ungefähr 400 Jahre. Ich habe gelesen, dass sie auch als die "400 stummen Jahre" gelten. 400 Jahre in denen Gott geschwiegen hat. Was für ein langer Zeitraum! Fast 14 Generationen ohne ein Wort von Gott! Kein Prophetenwort. Keine Zeichen. Kein Einziger der mit dem Geist Gottes erfüllt wurde. Da war nur schweigen. 400 Jahre lang. Das ist eine wirklich lange Nacht. Wenn meine Mutter, als ich Kind war, einen Nachmittag lang geschwiegen hat (was sie ab und zu getan hat, wenn sie richtig Grund dazu hatte sauer auf mich zu sein!) dann war das richtig schlimm für mich! Ich habe alles mögliche versucht um sie wieder zum Reden zu bringen. Und wie erleichtert war ich dann, wenn sie am Abend ihr Schweigen gebrochen hat und ich wusste: sie hat mich noch lieb! Und ich frage mich wie man 400 Jahre Schweigen aushält? Was man sich in der Zeit für düstere Gedanken macht.  Da könnte man schon verzweifeln. Da könnte man schon denken, dass Gott sich von uns Menschen abgewandt hat. 
Aber dann: ENDLICH! EIN WORT!!!! Kein Machtwort. Kein Schlusswort. Ein Baby!
Das Wort wurde Fleisch und Blut, und zog in unsere Nachbarschaft. Wir sahen die Herrlichkeit mit eigenen Augen - wie der Vater so der Sohn. (Johannes 1,14, the message)
Gott hat seine Menschen nicht vergessen! Er hat nur seine große Rettungsaktion vorbereitet! Damit wir wieder richtig gut miteinander sein können!  Mit der Geburt Jesu sind die Nächte nicht verschwunden. Wahrlich nicht. Aber die längste Nacht hat die Welt hinter sich. Das große Schweigen ist vorbei. Fürchtet euch nicht - Ihr Menschen seines Wohlgefallens!   Das ist tatsächlich ein richtig guter Grund um heute die Kerzen anzuzünden,  Jubellieder zu singen, einander erleichtert in die Arme zu fallen und jedem der es noch nicht gehört hat diese gute Nachricht zuzurufen: Christ der Retter ist da! Gott sei Dank für Jesus!  (und wirklich: Er ist ganz der Vater!)

Happy Birthday, Jesus! 
Happy Birthday to you! 
and Happy Birthday to me!  



Frohe und gesegnete Weihnachten euch allen!
Und DANKE für euer Mitlesen in diesem Jahr❢❣❣

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Kurz mal staunen

Wir sind tatsächlich schon in der letzten Adventswoche! Ach, da ist so vieles was ich vor Weihnachten eigentlich noch erledigen wollte.  Aber die Tage reichen nicht (wieso ist denn am Freitag schon Schulfrei, frage ich mich???). Und dann hat mich auch noch die Migräne flachgelegt. Ich kapituliere. Auch in diesem Jahr gibt es keine Weihnachtskarten  - entschuldigt, liebe Freunde! - und die Lichter schaffen es auch nicht mehr an unseren kleinen Tannenbaum. Die geplante gründliche Reinigung der Wohnung erledige ich beim Frühjahrsputz.  Weniger Schokolade esse ich dann auch erst im neuen Jahr.
Heute morgen saß ich mit meiner Bibel auf dem Sofa und es fiel mir so schwer innerlich zur Ruhe zu kommen. Ich musste an den Gebetssatz denken, den ich aus  meinen stillen Tagen mitgebracht  habe: Ich bin da, Gott und du bist auch da. Gegen die Unruhe ankämpfend, habe ich das gebetet. Eine Minute lang.  DU bist da. Ich bin auch da. Kurze Umarmung am Morgen. Beim Augen aufmachen fiel mein Blick auf das Bild, das an unserer Wand hängt. Ein Foto, auf dem Samuel staunend einen riesigen Baum betrachtet. Nur dass heute morgen sich in dem Baum auch noch unser schöner Herrnhuter Stern spiegelt. (den ich mir schon lange gewünscht habe und den Heio mir dieses Jahr zur Adventszeit geschenkt hat). 




Ich staune und freue mich über den Anblick. Und ich denke mir: Vielleicht ist das Adventszeit. Vielleicht reicht das. Ab und zu ein kurzer Moment zum Staunen finden. Eine Spiegelung am Fenster sehen. Ein staunender Kinderblick auffangen. Ein leuchtender Hagebuttezweig am Wegrand wahrnehmen. Der Stern im Nachbarfenster bewundern.  Sich über die Wärme der Teetasse freuen. Den Geschmack von Mandarinen und Zimtsternen genießen. Beim altvertraute Klang der Weihnachtsgeschichte plötzlich etwas ganz neu hören. Beim Heimkommen dankbar die Hand auf eine warme Heizung legen. Flackerndes Kerzenlicht am Abend betrachten.  Ein kleiner Moment: Du bist da. Und ich bin auch da.   
Das wünsche ich uns. In diesen gleichermassen dunklen und leuchtenden Tagen.


Und ich bin noch so erfüllt von unserer kleinen Lesereise am Wochenende. Wir wurden so unglaublich beschenkt, dass wir uns immer noch die Augen reiben: Ja, ist denn heute schon Weihnachten?! (DANKE euch allen!!!). Und am Wegrand so viele Momente zum Staunen:

Schnee! Und diese wunderbare Landschaf!

Ein tolles Cafe. So viel Zeit muß sein!

Wind !!!! Ich liebe Wind!!!!

..diese Jungs auch!
Offene Wohnzimmer. Bereichernde Begegnungen.
Ein bisschen lesen und so beschenkt werden.
Vertraute Orte . Fast vorbeigefahren!

...und alte Bilder entdecken (Dauerwelle war damals wirklich angesagt!)
Ein Baum vor dem man einfach stehen bleiben muß!
Morgenlicht über dem Friedhof
Wieder Zuhause. Kurzer friedlicher Moment.

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Im Dunkel winken

Es wird jeden Morgen dunkler. Samuel war heute, beim Blick aus dem Fenster, ganz aufgelöst. Neben seiner besorgten Frage ob ich auch bestimmt wieder da bin wenn er von der Schule kommt, gibt es nämlich noch eine andere wichtige Sache für ihn: Ich muß ihm hinterher winken! Zuerst vom Küchenfenster aus, wenn er über den Hof läuft. Dann vom Balkon aus, wenn er den Berg zur Schule hinauf geht. Die neuste Anweisung lautet: "Wenn ich Freunde treffe, dann bitte nicht mehr winken, aber auf jeden Fall da stehen und mir nachschauen." Bei der Nachfrage ob ich ihm denn vor den Freunden peinlich bin meinte er nur: "Nein, aber sie wundern sich halt, wem ich winke, weil sie niemand sehen. Und ich will das nicht erklären." Haha.
Aber zurück zum Problem heute morgen: Es war so dunkel, dass das Kind dachte, ich sehe ihn dann nicht. Und wie soll man jemand winken, den man nicht sieht? Aber während wir gefrühstückt haben ging langsam die Sonne auf.  Wir standen am Fenster und haben über den schönen Himmel gestaunt.


Und bis er so weit war, dass er in die Schule musste, war es hell genug, dass ich ihn sehen konnte. Winken durfte ich auch. Er lief alleine. 
Nachdem ich die Balkontüre wieder geschlossen hatte, las ich aus Psalm 1, dass Gott über den Wegen derer wacht die nach ihm fragen. In den Erklärungen dazu steht, dass `wachen` hebräisch `jadah` heisst, was soviel bedeutet wie:  Jemand mit innerer Anteilnahme begleiten. Ihm nahe sein. Für ihn sorgen.
Ich muß an Samuel denken. Aber auch an die Freundin im Krankenhaus. Und daran wie wichtig es für uns alle ist zu wissen, dass jemand über unsere Wege wacht.
Heute als Trost für uns alle, die sich vor dunklen Strecken fürchten (und zwei Adventskerzen geben auch noch nicht so viel Licht!): Der Herr wacht über den Wegen derer die nach ihm fragen! Er begleitet sie, mit innerer Anteilnahme, er ist ihnen nahe und sorgt für sie. Besser wie eine Mutter die ihrem Kind vom Balkon aus nachwinkt.

Er sieht uns.

Auch im Dunkel. 

Fürchte dich nicht.

(und Er versteht es auch wenn wir nicht wild zurückwinken, weil die anderen da ja niemand sehen würden ;-)).

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Hoffen und Warten

Seid ihr gut in die Adventszeit gestartet? Wir haben schon einiges abgehakt:  Einen Weihnachtsmarkt besucht. Unser Bäumchen geschmückt und Sterne gebastelt.
Ausstecherle wurden auch schon gebacken und mir ist dabei nicht - wie sonst immer - der Geduldsfaden gerissen! Das sagt nun weniger über die zunehmende Reife und Gelassenheit der Mutter als über die zunehmende Fähigkeit des Kindes, den Teig ohne Wutanfälle auszuwellen und die Plätzchen auf das vorbereitete Blech zu setzen und nicht in die ungefähre Richtung zu schmeissen. Ach ja, manches wird besser mit den Jahren! (Und manches bleibt gleich: beim Teig ausrollen macht er immer noch laute Autogeräusche und fragt mich, was ich denke, wie viel PS seine Planierraupe hat. Jungs die backen :-))




Samuel hat dieses Jahr einen Adventskrimi von seiner Tante bekommen. Das ist eine Geschichte mit 24 Kapiteln, die wir nun, ein Tag nach dem anderen, lesen. Gar nicht so einfach, nach einem Kapitel aufzuhören, wenn die Spannung langsam steigt und man wissen will, wie es weitergeht! Aber wir üben uns im Warten. Darum geht es ja schließlich, im Advent. Eine Türchen nach dem anderen. Eine Kerze nach der anderen. Als ich vor ein paar Tagen im Einwohnermeldeamt war, brannten doch tatsächlich hinter der freundlichen Sachbearbeiterin schon alle vier Kerzen am Adventskranz! Mit LED- Leuchten! Das war irgendwie so - unadventlich. Und doch: mir fällt es auch so schwer zu warten. In diesen Tagen bedrückt mich die große Not von Freunden. Meine Gebete sind ein ständiges Seufzen und ein verzweifeltes: Gott, bitte, bitte, mach was! Wir brauchen dich so sehr! Bis jetzt ist noch  kein Wunder eingetreten. Ich lese heute morgen die Worte aus Jesaja:
Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesaja 9,1
Ich mag den Klang dieser Worte die, wie eine wärmende Kerze, zur Adventszeit gehören. Aber heute fällt mir zum ersten Mal auf, dass die Grammatik irgendwie komisch ist (Ich und Grammatik- ich weiß! ;-)). Also entweder wandelte (Vergangenheit) man im Finstern und sieht nun aber ein großes Licht. Und man wohnte im finstern Land und nun scheint es hell. Aber beides in der Gegenwartform, scheint irgendwie nicht zu passen. Und doch: vielleicht ist es die Grammatik des Königreich Gottes? Dass beides real ist: Das finstere Land in dem wir noch wohnen und das Licht das über uns leuchtet!  Auch wenn es meinem Verstand nicht so wirklich einleuchten will. Vielleicht ist es die Grammatik des Wartens und Hoffens? Bonhoeffer schreibt über das Warten:
Advent heißt warten können; Warten ist eine Kunst die unsere unruhige Zeit vergessen hat. Sie will die reife Frucht brechen, wenn sie kaum den Sprössling setzte...Aber auf die größten, tiefsten, und zartesten Dinge in der Welt müssen wir warten, da geht`s nicht im Sturm, sondern nach dem göttlichen Gesetz des Keimens und Wachsens und Werdens.
Ich möchte so gerne die Dinge schnell haben. Will, dass das Kind am besten schon mit der Fähigkeit auf die Welt kommt, der Mutter zu folgen. Ich will die Kapitel der spannende Geschichte schnell durchblättern um zur Auflösung zu kommen. Und ich will (oh so sehr und vor allem!), dass die große Not der Freunde sich in Freude auflöst!  Ich will dass Gottes Reich anbricht wie ein Scheinwerfer, der das Dunkel ein für allemal vertreibt. Stattdessen kommt es tief und zart, in einem kleinen Baby.  Als Morgenstern, über denen die im Dunkel wohnen. Wachsend. Werdend. Reifend. Dem Tag entgegen. 
Passenderweise ist heute Barbaratag. Ich kenne diese Tradition erst seit letztem Jahr: Einen Obstzweig abbrechen und in eine Vase stellen. Und wenn alles richtig läuft, sollten sich die kleinen Knospen bis Weihnachten geöffnet haben.  Ein Blütenwunder mitten im Winter! Letztes Jahr hat das nicht geklappt. Irgendwann nach Silvester habe ich die trockenen Äste entsorgt. Mit ein paar trübseligen Gedanken. Dieses Jahr habe ich mir ein paar Tipps angelesen (schräg anschneiden, eine Woche noch draußen lassen. Für frisches Wasser sorgen...). Ich bin gespannt. Auch wenn meine Erfahrung mir sagen will: Das klappt nicht. Ich hoffe. Und warte. Und während ich diese Zweige die nächsten vier Wochen mit frischen Wasser versorge, will ich weiter beten. Für alle, die im finstern Land wohnen. Für eine gute Wendung der Geschichte. Für hellere Tage. Für ein Weihnachtswunder.  Ich will glauben, dass Gott auf dem Weg zu uns ist



Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seinen Schultern; und er heisst Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. 
Jesaja9, 5