Mittwoch, 20. Juni 2018

Die wilden Dinge

Letzte Nacht, ein Uhr, war ich plötzlich hellwach. Irgendein ungewohntes Geräusch hat mich geweckt. Ein hohes Surren und leises Klicken. Sägen nicht Einbrecher genau so ein rundes Stück Glas aus dem Fenster? Oder klingt das nicht so wenn das Vorhängeschloss am Fahrrad aufgesägt wird? (Warum habe ich auch das neue E-Bike draußen stehen lassen und nur an einer Gießkanne festgemacht?) Oder war es das Durchladen einer Waffe? Ein Tier? Ich lausche ins Dunkel. Höre Heios regelmässige Atemzüge neben mir. Er atmet. Gut. Dann muß ich ihn nicht wecken (um zu schauen ob er atmet). Mein Herz klopft weiter wie wild. Ich habe Angst, dass das die kurze Stille vor dem Sturm ist. Wird gleich die Scheibe zersplittern? Ein Einsatzkommando das Haus stürmen? Eine Wasserfontäne aus dem Klo schießen? Das Telefon klingeln? Ich laufe durch den dunklen Gang. Schaue nach ob Samu noch im Bett liegt. Tatsächlich, er ist noch da und - atmet! Gut. Ich mache einmal kurz alle Lichter an und wieder aus. Dass die Einbrecher gewarnt sind. Dann versuche ich  mich wieder zu beruhigen. An Jesus zu denken. Der auch hier im Dunkel ist. Ganz bestimmt. Mein Herzschlag wird langsamer. Mir fallen die Zeilen aus einem Gedicht von Wendell Berry ein:
When the despair for the world grows in me
and I wake in the night at the least sound,
I come into the peace of the wild things. 
(Wenn die Verzagheit für die Welt in mir wächst und ich beim kleinsten Geräusch in der Nacht aufschrecke, dann betrete ich den Frieden der wilden Dinge)

Ich liebe diesen Ausdruck: Der Friede der wilden Dinge. Unsere Welt ist tatsächlich voller wilder Dinge. Dinge, die da draußen im Dunkel liegen und die wir überhaupt nicht im Griff haben! So wenig wie unser eigener Herzschlag und der Atmen der Menschen die wir lieben.
Neulich haben wir eine Tramperin mitgenommen. Ein junges Mädchen, das ein Jahr lang auf Weltreise war und nun war sie auf den letzten Kilometern, kurz vor Zuhause. Ihre Mutter wartete bereits, mit Sauerkraut auf dem Herd. Wir hatten eine spannende Fahrt, sie sprudelte nur so über von den wilden und wunderbaren Dingen, die sie in den letzten Monaten erlebt hatte. "Und in einer Nacht wäre ich fast gestorben!", erzählt sie uns. Wir hängen an ihren Lippen während sie uns die Nacht in den Bergen Argentiniens beschreibt. Alleine im Zelt, friedliche Wildnis, und draußen plötzlich  merkwürdige Kratzgeräusche. Naher Atem. Sie späht durch ein kleines Loch in die Nacht und ist Auge in Auge mit einem Puma! Aufgeregt versucht sie ihn mit der Kamera einzufangen und wartet, bange Minuten, bis der seine Neugier befriedigt hat und wieder im Dunkel verschwindet. Sie erzählt es mit Ehrfurcht, zittern in der Stimme. Sie hat dem wilden Leben mutig ins Gesicht geschaut. 
Ich hingegen würde NIEMALS alleine in den argentinischen Bergen campen. Soviel ist sicher. Aber ich sehe auch Nachts manchmal wilde Dinge vor mir. Ängste schleichen sich ins Herz wie bedrohliche Raubtiere, die mir das Liebste nehmen wollen. Ich spüre die Zerbrechlichkeit unseres Lebens. Die Begrenzung meiner Menschlichkeit. Wie wenig ich die Dinge im Griff habe. Die kleinen nicht, und die großen schon gar nicht. Und ich taste nach dem,  der einen Sturm anschnauzen kann wie einen Hund. Und Wellen mit einer Handbewegung zur Ruhe zwingt.(H.P. Wolfsberger). Er kann auch mein Herz still machen. Voller Friede. Mitten im Dunkel. Umgeben von wilden Dingen. Und das tut er, wie in vielen Nächten zuvor, auch in dieser Nacht. Und irgendwann schlafe ich weiter.

ER ist da. Tag und Nacht.

Er weiß, besser als wir selbst, wie viel uns in dieser Welt überfordert.

Er kennt unsere Begrenztheit.

Er weiß was uns Angst macht.

Er weiß worüber wir besorgt sind.

Der Schöpfer und Herr über die wilden Dinge ist unser Hirte.


Und diese Karte kam passenderweise heute bei uns an , nachdem ich den Text geschrieben haben :


Wie gut, dass wir nicht alleine unterwegs sind!
 

Und hier noch ein paar Fotos aus unserem "wilden Leben" in Stuttgart:





ruhige Momente drinnen....

... und die wilden Tiere draußen, die auf die Fütterung warten.


Warnschilder beachten!
Blumen und Früchte aus dem wilden Garten, im Überfluß!
auf dem Heimweg....

Mittwoch, 13. Juni 2018

Nach dem Sturm

So. Nun war die Vesperpause doch ein bisschen länger als gedacht. Und wie so oft, fällt es mir schwer die letzten Wochen und Monate in Worte zu fassen. Vieleicht zeigt es dieses Bild von letzter Woche ganz gut:


Am Abend vorher hatten wir ein richtig heftiges Gewitter. Unser Keller stand unter Wasser. Ich stand mit einem Fuß in der Toilette (aus der eine Wasserfontäne kam) und der Rest der Hausbewohner hat im Akkord Wasser nach draußen geschöpft. Zuerst bei uns, dann auch noch in der Nachbarschaft. Es war ein ziemliches Abenteuer. Am Morgen danach haben wir die Schäden betrachtet. Heio hat die  durchweichten Kisten aus dem Keller geholt und meine Tagebücher -die ich einfach weggeschmissen hätte - zum Trocknen in die Sonne gelegt  Dann hat er schweren Herzens auch ein paar Dinge entsorgt.(YESSS!!!)
Im Garten waren seine liebevoll hochgezogenen Pflanzen abgeknickt oder sogar aus dem Beet geschwemmt. Unser neuer Pavillion, unter dem wir die WM-Spiele mit den Nachbarn verfolgen wollten, war völllig in sich zusammengebrochen. Woraufhin unser Nachbar mit Samu sofort losgefahren ist um es durch ein neues Gartenzelt zu ersetzen. Was sein muß, muß sein. Heio widmete sich wieder geduldig der Gartenarbeit und pflanzte manches nochmal neu ein. Und ich war einfach nur müde von der vorausgegangenen Nacht.
Die letzte Zeit hat sich ein wenig so angefühlt wie dieser Morgen nach dem Sturm. Ich sortiere durch die Dinge. Ziemlich müde. Immer wieder fahre ich mit meiner Schwester in den Schwarzwald um unser  Zuhause auszuräumen. Das meiste kann weg (meine Schwester ist Weltmeister im Ausräumen!) Manches fällt mir schwer loszulassen. Und doch weiß ich, dass es besser ist. Es wird einfach nicht mehr gebraucht. Ein paar Dinge bewahre ich auch auf. Kleine Erinnerungen. In den Augen anderer einfach nur Gegenstände. Für mich erzählen sie wunderbare Geschichten.


Und neben dem praktischen Aufräumen sind da auch die Dinge in mir. Trauerarbeit nennt man das wohl. Mit so viel Arbeit habe ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet. Meine Mutter wurde ja nicht urplötzlich aus dem Leben gerissen. Und man kann durchaus sagen: Sie starb alt und lebenssatt. Sollte man sich da nicht einfach freuen und dankbar sein, dass man sie so lange hatte? Ja. Und trotzdem. Sie fehlt. Und da war diese nahe Begegnung mit dem Tod. Und da werden plötzlich alte Geschichten wieder ganz lebendig. Es hat mehr erschüttert als ich dachte. Manche Wahrheiten sind nur deshalb nicht weggeschwemmt, weil ich die dunklen Gedanken zurückgedrängt habe, als würde ich mit einem Fuß in der Toilette stehen. Aber manches wurde beschädigt. Einiges davon ist plötzlich nicht mehr so wichtig und kann beruhigt aussortiert werden. Manche alte Last kann ich endlich loswerden. Anderes lege ich nochmal in die Sonne und warte ein wenig ab. Manche Überzeugungen haben Schaden genommen, angeknackst, wie die Stangen unseres Pavillions. Wie praktisch wäre es, wenn man einfach im himmlischen Ersatzteillager alles neu besorgen könnte! Stattdessen geht es ans mühsame Reparieren. Stück für Stück. Sorgfältig wird nachgeschaut wo der Schaden liegt. Ich lese nochmal durch die "Gebrauchsanweisung". Manche Worte muss ich wieder direkt von dem Jesus der Evangelien hören. Das mit dem ewigen Leben, das hast du doch gesagt, oder? Das meinst du doch auch genauso, oder? Das Herz wird mit Gnade "geklebt" und liebevoll gehalten bis es wieder fest wird. Das kann dauern. So wie Pflanzen wieder Zeit brauchen um sich erneut in den Boden zu graben. Noch ein wenig tiefer als vorher.

Der wunderbare Floyd McCLung sagte einmal: If you can`t grieve well, you can`t grow well. Trauern und Wachstum hängt zusammen. Das sind heftige Worte in unserer Kultur, in der wir Leid und Schmerz wo es nur geht umgehen, abkürzen oder wenigstens betäuben wollen. Im jüdischen Glauben nimmt man sich Zeit zum Trauern. Es ist wie eine Disziplin auf die man sich ganz bewusst einlassen soll. Da gib es so etwas wie eine geistliche Choreographie für ein ganzes Trauerjahr. Und dann jährliche Gedenkfeste. Das fehlt uns in der christliche Kultur. Wir geben uns ein paar Wochen nach dem Sturm und dann sollte man aber auch drüber weg sein. Sonst stimmt was nicht. Aber das ist nicht wahr. Unsere Seele braucht Zeit. Manchmal länger als uns lieb ist. Wir dürfen das  "in die Sonne legen" nicht abkürzen. Unsere müde Seele nicht einfach ingorieren. Wir sollten das Aussortieren nicht umgehen. Und auch nicht das repariert werden (oder das "Papariert" werden wie Samu das immer nannte, wenn er seinem Papa etwas zum reparieren hinhielt). Heil werden. Am schwersten ist es vielleicht das Stillhalten zu lernen, bis wir wieder liebevoll neu eingepflanzt werden.

Take courage my heart,

learn to grieve well. 

And  you will grow well.

Montag, 9. April 2018

Vesperpause.

Der erste Schultag nach den Osterferien. Endlich wieder ein bisschen Normalität im Leben, denke ich, während ich das Brot für die Vesperpause in den Ranzen packe und dem etwas ängstlichen Erstklässler hinterherwinke. Heute mittag werde ich ihn abholen. Und, wie fast jedes Mal, wird  meine Frage sein: "Wie war die Schule? Und was hast du in den Pausen gemacht?" Keine Ahnung warum das bei mir so ist. Aber irgendwie interessieren mich die Pausezeiten bei ihm mehr als die Unterrichtsstunden. Vielleicht weil sich da am besten zeigt was er gelernt hat; was er liebt und wen er mag. Aber bis zu der Frage sind es noch ein paar Stunden. Ich sammle die Wäsche ein und lasse mich kurz aufs Sofa fallen. Mit schwerem Herzen. Und ich merke, dass die Normalität wohl noch ein bisschen auf sich warten lässt. Ich lege Kamillenbeutel auf die verquollenen Augen. Gestern Abend hat mich wieder eine Welle der Traurigkeit überrollt beim Gedanken: Es ist Sonntagabend, da will ich noch schnell die Mama anrufen und fragen wie ihr Tag war. Aber sie ist nicht mehr da. Was würde ich für ein kurzes Telefongespräch geben! Nur kurz hören wie`s ihr geht. Ob sie gut Zuhause angekommen ist. Aber ich hab die Nummer nicht. Also weine ich ein bisschen. Und weiß, dass das erst der Anfang vom Vermissen ist. Wie ich es hier über den Verlust von meinem Vater aufgeschrieben habe, hat Mark Twain so passende Worte dafür gefunden:
Das Haus eines Menschen brennt ab. Rauchende Überreste zeugen von einem Haus das er jahrelang geliebt hat und mit dem er so viele kostbare Erinnerungen verbindet. Nach und nach, mit den Tagen und Wochen die verstreichen, fängt er an Dinge zu vermissen. Und eins ums andere Mal geht ihm auf, dass dieser Gegenstand in seinem Haus war. Immer ist es etwas wesentliches, ein Einzelstück, das sich nicht einfach ersetzen lässt... Er hat nicht bemerkt wie wesentlich und wie bedeutend es für ihn war solange es einfach da war. Nach und nach fängt er an den Verlust zu begreifen.
Nach und nach begreifen wir. Die Seele läuft barfuß. Man kann ihr keine Siebenmeilenstiefel verpassen. Man kann nicht schnell zur Normalität übergehen (auch wenn der gewöhnliche Alltag ein unglaublich großes Geschenk ist!). Ich lese in dem wunderbar langsam geschriebenen Buch von Hanspeter Wolfsberger: Es gibt Wegstrecken in denen Gott auf uns wartet. Er bleibt bei uns stehen. Während alle anderen weitergehen. 
Wir beide bleiben also ein bisschen zurück. Ich reibe mir die müden Beine und geschwollenen Augenlider und wir setzen uns an den Wegrand.  Vesperpause. Ich LIEBE Vesperpausen! Aber ein bisschen fürchte ich auch den Anschluß zu verlieren. Wäre ein Coffee To Go nicht besser? Und man kann sich ja auch prima während dem Laufen unterhalten, oder nicht? Wenigstens in Blickkontakt mit den anderen sollten wir doch bleiben, was meinst du? Aber manche Pausen sind bei Gott nicht verhandelbar.  Sie sind ein wichtiger Teil der Reise.  Deshalb bleibt er vor mir stehen. Zwingt mich fast ein bisschen zum Anhalten. Er wartet er mit mir. Und ich warte mich ihm. Und vielleicht ist die Frage am Ende des Weges gar nicht so unwichtig: "Und was hast du in den Pausen gemacht?" Weil sie uns vielleicht etwas darüber verraten was wir auf der Strecke gelernt haben. Was wir lieben. Und wen wir mögen.

Also mache ich Pause. Ich melde mich wenn es wieder weitergeht. Seid gesegnet und umarmt, wo auch immer ihr unterwegs seid!!! Gott geht mit uns. Und er wartet mit uns. Was für ein wunderbarer Wegbegleiter!!!






Freitag, 23. März 2018

geschafft.

Vor genau einer Woche hat es meine Mutter  geschafft. Ich durfte sie im Arm halten während sie schwer atmend die letzten Meter über die Ziellinie gemacht hat.  Meine Mama. Sie ist bei ihrem Jesus. Die Schmerzen, die Verwirrtheit der letzten Wochen liegen hinter ihr. Sie hat ihren Lauf vollendet. 
Der letzte Anstieg war steil. Düster. Sterben ist nicht einfach. Es braucht viel Mut dem Tod ins Auge zu blicken. Doch. Auch für uns Christen. Wochenlang hat meine Mutter nicht  nur die Schmerzen gequält sondern auch die Angst. Unruhe. Verwirrtheit. Und dann - war plötzlich Friede. Als wäre ein Kampf vorüber. Als wäre ihr Jesus das letzte Stück entgegengelaufen, um sie den Rest der Strecke zu tragen. So kam es mir zumindest vor. Ihre Gesichtszüge waren völlig entspannt. Sie strahlte und redete - phasenweise völlig klar - vom Himmel und vom Fest, das schon angefangen hat. "Ich durfte schon ein bisschen reinschauen!", sagte sie uns. Und: "Ihr könnt es euch nicht vorstellen! Er liebt uns so. Wir sind alle, alle so geliebt!" Tagelang konnte sie nicht aufhören von dieser Liebe zu schwärmen. Es hat mich an die Tage vor Weihnachten, in meiner Kindheit, erinnert. Wenn das Warten fast nicht mehr auszuhalten war, hat meine Mutter für meine Schwester und mich einen Türspalt zum Weihnachtszimmer aufgemacht und wir durften einen kurzen Moment reinspickeln (keine Ahnung wie das auf hochdeutsch heisst:-)). Und wir konnten schon ein bisschen von der Herrlichkeit ahnen, die da auf uns wartet. Ich glaube meine Mama durfte schon ein bisschen reinspickeln; in den Himmel. Dieser kurze Blick hat gereicht um ihr alle Angst zu nehmen. Und die Liebe von Jesus hat sie einfach umgehauen. Anders kann man es nicht sagen. 

Zu dieser großen Liebe ist zu nun heimgegangen. Was für ein Trost. Daran will ich mich halten. Auch wenn sich der Tod so aufbläht als könnte man meinen, dass er am Ende eben doch der Sieger ist. (und da kann ich auch schonmal ganz verzweifelt beten und Jesus sagen, dass ich echt mal so richtig sauer wäre wenn das mit dem ewigen Leben am Ende alles nicht stimmen würde!) Am Tag ihrer Beerdigung stand morgens dieser Vers in meiner Bibellese:
Doch eins weiß ich: Mein Erlöser lebt! Auf diese todgeweihte Erde spricht ER das letzte Wort! (Hiob 19,25.26). 
Wow. Was für ein Satz. Wie ein Hammerschlag. Daran will ich mich erinnern, immer wieder: Das letzte Wort spricht ER!  


Nach der Beerdigung habe ich die Wohnung meiner Mutter ein bisschen aufgeräumt. Ihre Notizen und vertraute Gegenstände so an ihren Platz gelegt als würde sie wiederkommen. Immer wieder flossen dabei die Tränen. Meine Mama. Ich werde sie vermissen. Aber ich freue mich auch, dass sie es jetzt geschafft hat. Immer mal wieder hat sie, die so gerne mit uns gefeiert hat, gegen Ende den Satz gesagt: "Wenn das alles vorbei ist, dann feiern wir!" Ich fürchte fast die Party fängt schon mal ohne uns an (hoffentlich bleibt genug zu essen übrig :-)). 
Die treuen Gebete meiner Mutter, ihr dranbleiben an Jesus, auch in schweren Zeiten, ihr Blick auf das Gute das uns geschenkt ist - alles das ist mir ein Vorbild. Und, auch wenn es harte Wochen waren, ihren Abschied hat sie uns auch noch zum Geschenk gemacht. So eine Zeit, wenn es um die letzten Dinge geht, macht etwas in uns. Ich habe gemerkt: Der Griff auf all die Dinge, die mir sonst so wichtig vorkommen, wurde plötzlich ziemlich locker. Ich glaube nicht, dass es etwas ist was lange anhält. Dafür kenne ich mich zu gut. Vielleicht ist es deshalb jetzt eine richtig gute Zeit alles was ich habe vor Jesus hinzulegen. Nochmal ganz neu. Ihn die Dinge in mir ordnen lassen. Ganz locker lassen. Und zur Ruhe kommen nach dieser stürmischen Zeit. Und über seine Güte staunen. Wir sind durch! Es ist geschafft! 
Wie es im Psalm 23 heisst:  
Und ob ich schon wanderte durchs finstere Tal, fürchte ich mich nicht!  
 Wir wandern durch das dunkle Tal! Es ist nicht der Ort an dem wir uns niederlassen, um hier zu wohnen. Gott führt uns durch. Auch wenn uns manche dunkle Strecken unglaublich lang vorkommen: Irgendwann wird jedes finstere Tal hinter uns liegen! 
Und dann feiern wir!!!!

Meine Mama hat es geschafft. 

Gott hat es gut gemacht. 







(Das habe ich besonders für euch geschrieben, die ihr in dieser Zeit an uns gedacht habt. Eure Gebete waren wie Fackeln am Wegrand. DANKE!!!!)

Mittwoch, 28. Februar 2018

Atemübungen

Meine Güte, ist das eine Kälte in Deutschland!!! Habe eben erfolglos versucht, den Trinknapf der Hasen vom Boden loszueisen. Keine Ahnung wie die in diesen Tagen zu Trinken kommen. (aber ich kann ja schlecht Frostschutz ins Waser geben, oder ;-)). Ich fürchte nicht nur um unsere Vierbeiner sondern auch um meine eingepflanzten Tulpenzwiebeln, ob die ersten grünen Triebe, die sich zu meiner Freude schon zeigen, nun jämmerlich erfrieren. Ich hoffe auf die wärmeren Tage!!! In vieler Hinsicht. Jetzt heisst es noch: warm einpacken und durch! Durch eine Zeit die viel Kraft kostet. Und gleichzeitig auch immer etwas freilegt von unserer tiefsten Hoffnung. Der Pastor Bill Johnson hat mal folgendes gesagt (nach seiner schweren Erkrankung): 
Möge Gott uns den Reichtum des Augenblicks zeigen, in dem wir gerade sind. In dieser Situation können wir Gott etwas geben, was wir ihm in aller Ewigkeit niemals geben können!
Und er erklärt weiter, dass die Probleme die uns niederdrücken wollen, unserem Lob für Gott ein ganz besonderes wertvolles "Aroma" geben können, wenn wir ihn mitten in den schwierigen Zeiten preisen und ihm danken.
Das klingt erstmal irgendwie anstrengend. Vielleicht sogar heuchlerisch. Ich will doch Gott ehrlich sagen was in meinem Herz ist! Der ganze Frust darüber warum warum ein geliebter Mensch so leiden muss, warum alles so schwierig und und warum es genau so schlimm - und sogar noch schlimmer- kommen musste, wie ich befürchtet hatte.  Und: JA!!! Ich glaube Gott will genau das hören! Unsere Not, die Verzweiflung und der Frust, von den dunkelsten Ecken unseres Herzens. Es ist Ausdruck einer vertrauensvollen Beziehung wenn wir Momente mit Gott haben in denen wir ihm, wie ein kleines Kind, mit den Fäusten gegen die Brust trommeln und wütend fragen warum er denn jetzt nichts TUT??? Oder wenigstens IRGENDETWAS SAGT? Und wenn wir uns ausgetobt haben lassen wir uns widerstrebend in seine Arme fallen. So erlebe ich das. Immer wieder. Es ist wie ein Ausatmen meines Glaubens.
Aber das andere erlebe ich auch: Dass es etwas ganz Großes ist wenn ich anfange Gott zu loben - nicht erst wenn ich durch die Sache durch bin. Nicht erst im Rückblick.  Sondern mittendrin. Nachdem ich erstmal tief ausgeatmet habe. Ich versuche meine Seele daran zu erinnern wie gut Gott ist! Er ein guter Vater und so voller Güte. Immer. Auch jetzt.  Auch wenn die Umstände mit was anderes einreden wollen. Was wäre das für ein Vertrauen, wenn ich das nur in meinen guten Zeiten glauben würde?  Also atme ich tief ein. Kalte Luft in meine Lungen. Lebensatem Gottes.

Ausatmen. 

Einatmen.

Weiteratmen. 

Das ist alles. 

Die Kälte wird sich bald verziehen. Der Reichtum dieses Augenblicks wird hinter mir liegen. Und wenn die ersten Blüten aufgehen will ich jubeln: "Ich wusste es!" SO will ich glauben! Und JETZT - jetzt ist Zeit zum Üben. Atem fließen lassen. Kleine Wolkensäulen in die kalte Luft setzen. Bis der Frühling kommt.


And when the oceans rage
I don`t have to be afraid
there may be pain in the night
but joy comes with the morning!

YOUR LOVE NEVER FAILS!!!!

(Jesus culture)



Donnerstag, 22. Februar 2018

mehr als wir erbitten.

Müde komme ich vom Krankenhaus zurück und stürze fast über das große Paket das Heio ins Schlafzimmer gelegt hat. Gespannt mache ich es auf und finde: die zweite Auflage von meinem ersten Buch!



Ein Grund zum Feiern! (in diesen Tagen nutzen wir jeden kleinen Grund um zu feiern und Gott zu danken). Das Buch sieht genau gleich aus wie das Erste, allerdings ist auf der letzten Seite noch ein bisschen mehr Text. Weil Gott manchmal ein bisschen mehr tut als wir uns vorstellen können. NIEMALS hätte ich gedacht, dass meine Geschichte auch Menschen anspricht die mit dem Glauben nicht viel zu tun haben. Es ist ja schließlich kein evangelistisches Buch. Einfach nur mein Leben. So wie es ist. Aber vielleicht ist es gerade das was ein Brückenschlag in manche Leben sein kann, die mit Jesus noch nicht so viel anfangen können. Die aber das Stolpern kennen. Der Wunsch geliebt sein zu wollen für das was wir sind, wenn niemand hinschaut. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall bekam und bekomme ich immer mal wieder so eine Rückmeldung: "Ich wünschte ich könnte auch so glauben." Und immer öfters werde ich eingeladen vor einem Publikum zu lesen das so gar nichts mit Jesus zu tun hat. Und erlebe dabei so erstaunliche Momente wie die innige Umarmung einer muslimischen Oma die mir mit Tränen in den Augen für meine "Jesusgeschichte" dankt. Gott ist so viel größer als wir uns vorstellen können!
Ich muß an die Worte von F. Buechner denken, die ich hier auch schon zitiert habe:
 Meine Geschichte ist wichtig, nicht etwa deshalb weil es meine Geschichte ist - weiß Gott nicht! - sondern weil die Chancen groß sind, dass andere darin ihre Geschichten erkennen können, wenn es mir gelingt die meinige richtig zu erzählen.

Es ist wie auf den Blogs in denen ich so gerne lese. Oder wenn wir mit Menschen zusammensitzen und plötzlich teilen wir ganz ehrlich etwas von unserem Leben mit: Wir haken uns mit unserem Erleben unter, machen einander Mut und erklären dass wir geliebt sind und erwartet werden. Gott macht aus unseren, meist so ganz gewöhnlichen Leben, einen Segen. Und - das lerne ich gerade - wir sollten ihn nicht auf eine bestimmte Personengruppe begrenzen! Oder auf unsere Comfort-Zone. Er kann so viel mehr tun als wir uns vorstellen und von ihm erbitten können! 

Deshalb ist also der folgende Text auf der letzten Seite der der neuen Auflage. Und vielleicht habt ihr ja beim Lesen jemand im Kopf, dem ihr eine Begegnung mit Jesus wünscht. Der vielleicht durch mein Stolpern ein wenig Mut fassen könnte für seine eigene Geschichte. Oder vielleicht könnte das Buch ein Einstieg für ein Gespräch über Jesus sein; für deine Geschichte mit ihm:
Dies ist meine Geschichte. EINE Geschichte von den vielen die sich entschieden haben Jesus hinterher zu gehen (bzw. hinterher zu stolpern). Und wenn der eine oder andere vielleicht wehmütig denkt: So würde ich auch gerne glauben können!“, dann möchte ich noch hinzufügen: Glaube ist nicht etwas, was nur ein paar frommen Menschen vorbehalten ist. Es ist ein Geschenk, um das wir Gott bitten dürfen, auch wenn wir vielleicht noch nicht einmal davon überzeugt sind, ob es ihn überhaupt gibt. Dann bitten wir ihn damit eben auch, sich bemerkbar zu machen. Und dann können wir Ausschau nach ihm halten, auch wenn wir vielleicht das Gefühl haben, als würden wir eine riesige Menschenmenge nach einem Fremden absuchen. Aber wenn unser Blick auf ihn fällt, dann wissen wir, dass er der Freund ist, auf den wir gewartet haben. Gott findet uns. Mitten in unseren Geschichten...Er hat tausend, nein sieben Milliarden Wege, sich bemerkbar zu machen. Durch einen Kloß im Hals, ein Vermissen, durch Frieden, Trost, eine tiefe Umarmung. Er taucht auf zwischen den knisternden Seiten der Jesusgeschichten in der Bibel, durch eine hellen Gedanken, ein Herzklopfen, ein Erkennen: Er ist da. Er war schon immer da. Keine Geschichte ist ohne ihn. Dieses Buch könnte ein kleines Räuspern von ihm sein, oder sogar eine leise Liebeserklärung. In jedem Fall sind wir alle wohl gerade erst in den Anfangskapiteln dieser ewigen Liebesgeschichte. Gott segne dich. Er segne uns alle, auf unserem Heimweg.

Im Gedenken an Billy Graham. Dem großen Evangelisten, der gestern gestorben ist. Er gibt die Staffel weiter von der besten Botschaft der Welt zu erzählen. Nicht an ein paar so außergewöhnlich begabte Evangelisten. Sondern an uns alle. Wir dürfen mit dabei sein, wenn das Evangelium seinen Siegeslauf antritt!

Dienstag, 13. Februar 2018

Kletterhaken

Ihr Lieben! Ein kurzer Gruß zwischendurch. Zwischen den Fahrten ins Krankenhaus. Zwischen unruhigen Nächten in denen die Sorgen zu aufblasbare Monsterballons in meinem Kopf werden und ich mit Luft rauslassen kaum nachkomme. Zwischen Artzgesprächen und neuen, noch schlechteren, Nachrichten (was meine Mutter angeht). Zwischen Bauernhof spielen,  Lehrergespräch und Faschingsküchle essen - gesegneter normaler Alltag!!! Warum schätze ich ihn meistens erst dann, wenn ich nur noch ein Zipfel von ihm zu fassen kriege?




Etwas gutes haben solche extreme Zeiten: Wie ein gehöriger Windstoß fegen sie den Stapel von Dingen vom Tisch, die nicht so wichtig sind. Zurück bleibt nicht viel. Ein kindlicher, sich wiederholender, Wortschatz. Stoßgebete.  Erbarm dich Herr. Zeig den Weg. Hilf uns heute. Danke. Erbarm dich. Zeig den Weg. Hilf uns heute. Danke.....
Ich lese bei Tine, dass sie in der Fastenzeit, die morgen beginnt, Worte fasten will. Ich weiß nicht genau was sie vorhat, aber es klingt spannend und ich werde es auf jeden Fall verfolgen. Und irgendwie passt es gerade zu dem was ich erlebe. Weniger Worte. Dafür aber umso inniger gesprochen. Worte wie Kletterhaken, in einen Felsen gehämmert. Und wenn die eigenen Worte ganz ausbleiben, dann bete ich mit denen, die Jesus uns gegeben hat. Und ich stelle fest: Das Vaterunser lässt sich am besten auf den Knien beten. Ganz langsam. (und JEDER SATZ EIN KARABINER!) Wenn ich danach wieder aufstehe, spüre ich es: wenn der Boden unter uns wankt und die oberen Schichten freigelegt werden,  stoßen wir auf den Fels. Das ist keine Antwort auf unsere Fragen. Aber es gibt genügend Halt für den nächsten Schritt. 


Donnerstag, 1. Februar 2018

genug Licht

Lange habe ich den Moment gefürchtet, jetzt scheint es soweit zu sein: Meine Mutter ist gestürzt und die wacklige Selbstversorgung die bisher - Gott sei Dank! - noch funktioniert hat, ist am zusammenbrechen. Meine Schwester und ich düsen abwechselnd Richtung Schwarzwald und wieder zurück und versuchen zu organisieren was geht. Dann nimmt man mit schlechtem Gefühl von der Mutter Abschied die wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa sitzt und verspricht: "Morgen oder übermorgen bin ich wieder da!" und überlegt hektisch wie man das alles hinbekommt, organisatorisch und kräftemässig, was nun alles liegenbleibt (sch... drauf!) und fürchtet den nächsten Anruf, der eine noch schlimmere Katastrophe bedeuten könnte. 
Der Spiegel berichtet diese Woche passenderweise über den Pflegenotstand in Altenheimen und von Kinder, die mit der Fürsorge ihrer Angehörige völlig überfordert sind. Die Sorgen um die hinfälligen Eltern bestimmen die Tage. Es ist der letzte Abschied von der Kindheit, lese ich. So ist es. Nun kümmern wir uns also um die Mutter, die sich früher so hingebungsvoll um uns gekümmert hat. Leider mit viel weniger Geduld, was mich angeht.

Ich fühle mich von den Anforderungen der nächsten Tage und Wochen überwältigt. Und denke an das Wort von Hudson Taylor: Trage keine Sorge allein. Nur eine Sorge ist schon zuviel für dich!  Also versuche ich die Sorgen immer wieder loszulassen (ich konnte ja hier schon ein bisschen im kleinen üben). Und wenn mir alles zuviel wird sage ich mir: Dafür habe ich Jesus! Alles das buchstabiere ich jetzt durch. Manchmal stündlich. 

Am Montag war der bisher schlimmste Tag. Während meine Schwester sich vor Ort durchgekämpft hat, saß ich voller Sorge zu Hause. Ich versuchte zu beten. Und da kam mir diese Liedzeile: 
There`s enough light for the next step! 
 Es war wie eine liebevolle Anweisung Gottes; direkt in mein Herz. Ich gebe dir immer genug Licht für den nächsten Schritt. Das genügt. Plötzlich fühlte ich mich leichter. Ich rief meine Schwester an um ihr diesen Gedanken weiterzugeben. Sie erwiderte, dass sie ungefähr zur gleichen Zeit, in der Notaufnahmen, plötzlich diesen Satz aus den Psalmen im Kopf hatte: Dein Wort ist meinen Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Und ihr wurde klar, dass es genau darum geht: Er erhellt immer genau das Stück Weg das vor uns liegt. Wir staunen. Merken, dass Gott dabei ist und uns führt.

Also versuchen wir das in den nächsten Tage und Wochen zu beherzigen. Immer wieder: Einen Tag nach dem anderen. Heute tun was möglich ist. Wir brauchen keine Scheinwerfer wie es nächste Woche weitergeht. Schon der nächste Tag überfordert uns. Jeden Morgen will ich mir sagen: Heute! Heute ist genug Licht für den nächsten Schritt.

Vergangene Nacht kroch Samu zu mir ins Bett, mit fiebrigen Kopf. Oh nein, auch das noch! Ich bekämpfe die aufsteigende Panik. Gottes Wort gilt auch für heute. Jesus ist mit uns. Das ist genug Licht. Und der nächste Schritt ist Spinatkochen, Autospielen und Mama anrufen. Danach sehen wir weiter.  


Mittwoch, 24. Januar 2018

Entmutigung und Tauwetter

Heute ist ein Tag an dem mir das Schreiben schwerfällt. Ich surfe erstmal auf sämtlichen anderen Seiten, schaue mir andere Blogeinträge an und mit jedem Klick sinkt meine Zuversicht, dass ich ein paar sinnvolle Worte zustande bringe.
Also am Samstag, da hätte ich mal so richtig ermutigend hier schreiben können! Da saß ich mit Heio auf dem Sofa und wir haben festgestellt, dass wir uns beide so hoffnungvoll fühlen wie selten zuvor im Leben. Heio meinte, dass es ihm so vorkommt wie das Tauwetter in Narnia. Das ist diese wunderbar Geschichte von C.S. Lewis in der eine böse Hexe die Welt im Griff hat und es seit über 100 Jahren immer nur eisiger Winter ist. Und plötzlich fängt das Tauwetter an. Die Geschöpfe von Narnia werden voller Hoffnung weil sie wissen: Wenn es taut muß Aslan auf dem Weg nach Narnia sein! Der Löwe kommt um das Land von der Macht der Hexe zu befreien. Und ein bisschen so fühlt es sich gerade bei uns an. Also zumindest am Samstag :-).
Wir dachten an die Christen, die bei der MEHR-Konferenz auf der Bühen zusammenstanden - führende Leute von den verschiedensten Kirchen und Konfessionen. Sie hielten sich an den Händen und beteten miteinander und füreinander. WOW! Da wächst eine Einheit unter Christen die sich in der Generation meiner Eltern teilweise noch übelst bekämpft haben! Und nicht nur auf der MEHR-Koferenz. Wir erleben etwas von dieser Einheit an allen Ecken und Enden. Jesus scheint seine Braut bereit zu machen. Tauwetter.
Und Heio sagte mir wie hoffnungsvoll ihn unser Mini-Alphakurs macht,  der seit drei Wochen in unserem Wohnzimmer stattfindet. Jeden Montag bin ich total aufgeregt und denke es wird bestimmt ein totaler Reinfall. Und dann tauchen diese tollen Frauen auf und ich höre staunend, dass sie sich auf den Abend freuen und erlebe mit wie Jesus wirkt. Still und liebevoll. Herzen neigen sich in seine Richtung wie die Blumen zur Sonne. Zur Zeit finden über 1000 Alphakurse in Deutschland statt. Soviel wie nie zuvor. Es scheint, dass plötzlich eine Freude aufbricht über die gute Nachricht die wir weitersagen dürfen. Nicht unter Druck. Nicht pflichterfüllend oder drohend. Sondern wie ein Lachen, das man nicht mehr zurückhalten kann. Tauwetter
Und wir dachten beide an unsere Gemeinde. Wie aus dem Nichts ist da plötzlich ein strahlender Streifen am Horizont. Er kann auch wieder verschwinden, wie Nordlichter am Himmel. Oder aber es sind die ersten Anzeichen von einem Tagesanbruch. Einer Hoffnung, dass Gott unseren kleinen Haufen ansieht und wir Teil von einer großen, wunderbaren Geschichte werden dürfen. Tauwetter. 
So hoffnungsvoll saßen wir also am Samstag auf dem Sofa. 

Und dann kam die Entmutigung.

Die schaut leider öfters bei mir vorbei. Manchmal sind es kleine Auslöser: Ich melde mich auf dem Konferenztag am Wochenende um Gebet zu bekommen, sehne mich nach einem Wort der Ermutigung, aber da ist kein Beter frei. Ich stehe eine Weile blöd da und entscheide mich dann einfach für denjenigen neben mir zu beten, der gerade auch blöd dasteht. Und innerlich wird es mir ganz schwer und ich denke: Jesus, siehst du mich überhaupt?  
Und dann stehe ich am Sonntag in meiner Gemeinde, also die, die vielleicht gerade ein großes Geschenk vor die Tür gelegt bekommt, und dann bin ich plötzlich total frustriert darüber, dass wieder mal kaum Leute da sind (alle Kranken sind entschuldigt! :-)). Ich denke: Nichtmal jetzt kommen sie vorbei! Wann denn dann??? Und ich fürchte mich davor, dass der Kreislauf von: "Erwartung- enttäuschte Erwartung" im Bezug auf die Gemeinde nie unterbrochen wird. 
Aber es geht auch ganz ohne diese kleinen Auslöser! Ich kann Entmutigung einfach so. Wäre es eine Sportdisziplin, hätte ich die besten Chancen auf eine Medallie! Manchmal wird mir plötzlich, aus völlig unerfindlichen Gründen, das Herz ganz schwer. Es fühlt sich dann an als wäre ich in einem dieser rasanten Fahrstühle in denen man in sekundenschnelle vom 10. Stock in den Keller saust. Kennt ihr das? 

Nun kann man sagen: Das ist ein Angriff. Entmutigungsstrategie von dem, der das Tauwetter fürchtet. Also bin ich kampfbereit. Bete. Mache Lobpreis. Und manchal braucht es genau das. Und dann ist es wieder gut. Manchmal aber auch nicht. Manchmal geht die Lösung eher Richtung mehr Schlaf. Ein Spaziergang. Ein entspanntes Treffen mit Freunden. Und manchmal ist es einfach etwas wo ich weiß: Da musst du halt durch. Fühlt sich Scheiße an. Ist aber so.  Ein bisschen wie die guten Tipps vor der Geburt: Durch den Schmerz atmen bis er wieder weg geht (leider beherrschte ich diese Atemtechnik nicht, weil ich ausgerechnet an diesem einen Abend bei meinen Geburtsvorbereitungskurs krank war!). Aber das ist doch auch ein hoffnungsvoller Gedanke: Wenn etwas neues auf dem Weg ist, dann gibt es auch manchmal Geburtsschmerzen. Verzweifelte Schreie. Der Gedanke, dass man völlig überfordert ist und NIEMALS NIE dieses neue Geschöpf in die Hände gelegt bekommt. Und irgendwann ist es draußen. Blutverschmiert. Tränen, Schweiß, Glückseligkeit. 

Also ganz ehrlich: Im Moment habe ich keine Ahnung wo die Entmutigung herkommt. Ich werde folgendes tun: Gott loben. Weil ich sehe, dass er auf dem Weg zu uns ist. Das ist so offensichtlich, das erkenne ich sogar mit entmutigtem Herz. Und ich werde spazieren gehen und mich heute Abend mit ein paar Freundinnen in der Stadt treffen. Und ich werde versuchen durch den Schmerz zu atmen. Mit der Hoffnung, dass neues Leben auf dem Weg ist.
Und jetzt gehe ich in den Garten und suche nach meinen Tulpenzwiebeln, die ich kurz vor Weihnachten noch eingepflanzt habe. Letztes Jahr ist KEINE EINZIGE Blume gewachsen, von all den vielen Samen die ich über mein Beet verstreut habe! Dieses Jahr habe ich Hoffnung. Und wenn es nur eine Tulpe ist die sich zeigt! Bitte Jesus! Gib mir dieses Zeichen, dass Wunder geschehen können!

Das Tauwetter kommt. Der Frühling wird sich nicht aufhalten lassen. Ganz egal wie ich mich fühle!  Darauf will ich vertrauen. Aslan ist auf dem Weg ...

unsere kleine Truppe auf dem Weg um unser "Jericho"...



Leben außerhalb der Kirchenmauern....

.... da wächst doch was, oder??!!!!

Mittwoch, 17. Januar 2018

Winterzeit

Heute morgen klingelt der Wecker unbarmherzig früh. Ich wanke aus dem Bett, balanciere die Leiter zu Samuels Hochbett hinauf  und versuche das kleine warme Knäuel  zum Aufstehen zu bewegen. Ein tiefer Seufzer unter der Bettdecke ist die Antwort. Ich ziehe den Rolladen hoch, eigentlich total unsinnig, weil es draußen noch stockdunkel ist. Wieso beginnen in Deutschland die Schulen so früh??? Ich gebe einen zusätzlichen Löffel mit Kaffeepulver in die Kaffeemaschine und werfe ein Blick in den Garten Richtung Hasengehege. Wie gut, dass Samu sich einen leuchtend weißen Hasen ausgesucht hat. Er ist im Dunkel gut zu erkennen und wartet morgens meistens schon geduldig am Türchen vom Stall, um endlich ins Gehege zu können. Heute ist er noch nicht zu sehen. Er wird noch gemütlich im Heu liegen und schlafen. Recht hat er. 
Wir starten müde in den Tag und nachdem Samu in der Schule ist und es draußen langsam hell wird, beginnt es ganz leicht zu schneien. Stimmt - es ist ja noch Winter! Der Wind zerzaust die Baumwipfel und ich entscheide mich alles noch ein bisschen liegen zu lassen und gehe eine Runde nach draußen. Vorbei am morgendlichen Autostau Richtung Stadtmitte bis zum kleinen Hügel wo die Äcker anfangen. Dunkle, frostige Erde. Der Boden ruht. 


Ich habe das Gefühl ich bin viel zu schnell in das Jahr gestartet. Will zuviel auf einmal und habe vergessen, dass eigentlich noch Winterzeit ist. Die Zeit, in der die Nächte einladend lang sind, manche Tiere ihren Winterschlaf halten (und wenn sie den nicht bekommen, dann sterben sie!) und auch der Boden gönnt sich eine Ruhephase.
In einem Ratgeber für Rasenpflege habe ich gelesen:  
 Im Winter braucht der Rasen seine Ruhe. Belastungen sind zu vermeiden. Brechen die Halme, weil man sie in der Frostzeit belastet hat, wird man im Frühjahr eine deutlich längere Regenerationsphase erleben. 
Kluge Landwirte wissen sowas. Manche, die das ganze Jahr Profit machen wollen, gehen darüber hinweg und versuchen den Boden zu jeder Jahreszeit zu nutzen. Irgendwann erschöpft sich dann diese Erde und wird für lange Zeit nicht nutzbar, weil sie sich regenerieren muss.
Ich weiß, im modernen Zeitalter können wir uns nicht mehr dem im Rythmus der Natur anpassen wie das vielleicht unsere Großeltern noch getan haben. Vieles ist vorgegeben und für die meisten sind die Spielräume sich die Zeit nach dem Jahresablauf einzuteilen doch recht begrenzt. Und trotzdem brauchen wir vielleicht ab und zu die Erinnerung, dass auch wir einfach zu den Geschöpfe dieser Welt gehören. Auch wir sind für den Rythmus von Tag und Nacht geschaffen. Sommer und Winter. Ruhe und Arbeit. Und wenn wir uns in manchen Zeiten keine Ruhe gönnen, dann brauchen wir eine längere Regenerationsphase in der nächsten Jahreszeit. So sind wir einfach gemacht. Ich glaube es würde uns so gut tun, wenn wir ein bisschen mehr auf den Rythmus der Natur  achten würden.
WIr könnten im Winter die dunklen Abende als Einladung nehmen ein bisschen früher ins Bett zu gehen. Wir könnten barmherziger mit uns, und den Menschen neben uns, sein: Das ist keine Zeit für wilde Putzaktionen (meinetwegen Heio, den Keller musst du JETZT nicht aufräumen! :-)). Es ist ok wenn sich die Freunde weniger melden und andersrum. Wir machen ein bisschen Winterruhe. Und wenn die Seele bei manchen traurig ist und sich das Leben frostig anfühlt, dann gehen wir uns doch die Erlaubnis ein bisschen langsamer durch die Tage zu gehen. Wir müssen doch nicht immer so effektiv sein! 

Heute morgen, nach dem kurzen Spaziergang, stelle ich eine kleine Liste von Dingen auf, zu denen ich gerade JA sagen kann, einfach weil es die Zeit dafür ist. Es sind erstaunlich wenig Dinge. Und da ist eine größere Listen mit Dingen zu denen ich gerade NEIN sagen muß. Manches fällt mir schwer. Wie gerne würde ich JETZT mit dem neuen Buchprojekt durchstarten. Aber später passt es ja auch noch. Wahrscheinlich sogar viel besser. Also: Projekt verschieben. Zusammen mit ein paar anderen Terminen und Treffen mit Freunden und Bekannten. Wenn der Apfelbaum im Garten blüht können wir ja wieder in unseren Garten einladen... 

In der Bibel gibt es diesen Vers von Paulus: Kauft die Zeit aus! (Eph.5,16) Falsch verstanden, hat er mich lange Zeit total in Stress versetzt. Ich dachte es ist der Aufruf in JEDER Zeit ALLES zu tun, weil die Zeit ja so kostbar ist und wir nur wenig davon haben. Richtig verstanden bringt dieser Vers aber Gelassenheit ins Leben. Was da nämlich eigentlich steht ist folgendes: Kauft die richtige Zeit aus! Erkennt was für ein Zeitraum gerade  im Leben ist und was dafür günstig ist (und was nicht). 
In der Winterzeit kann das heissen: 

Schafft euch Ruhe. 

Gebt eurer Seele Raum zum Atmen. 

Lasst die Arbeit möglichst liegen wenn es dunkel wird. 

Geht eine Runde nach draußen wenn der Wind an der Tür rüttelt.

Werft Ballast ab.

Es ist in Ordnung wenn DInge jetzt liegenbleiben.

Das meiste wächst doch sowieso erst in der nächsten Jahreszeit.

Es ist ok einiges zu verschieben.

Es ist gut langsam anzufangen. 


Es ist ja noch Winterzeit.




Donnerstag, 11. Januar 2018

Neues Jahr - neues Land !?

Mit einiger Verspätung und ein wenig außer Atem wünsche ich euch allen von Herzen ein gesegnetes neues Jahr, gefüllt mit vielen guten Begegnungen und Erlebnissen, mit Menschen die uns an den dunkleren Tagen beistehen und in den guten Momenten staunend neben uns auf die Knie gehen. 

Wie immer, wenn eine längere Pause zwischen meinen Blogeinträgen liegt, fällt es mir schwer einen Anfang zu finden und einfach drauflos zu schreiben. Die Finger, die sonst über die Tasten fliegen, sind ein bisschen eingerostet (die Tastatur auch: das Kommazeichen klemmt! Wahrscheinlich wehrt es sich endlich gegen jahrelange Fehleinsätze!), da kam es mir ganz gelegen, dass unser Internet seit Tagen nicht funktioniert. Außerdem hat das neuen Jahr nicht so ruhig angefangen wie erhofft - tatsächlich saß ich schon am 1.Januar mit Samu in der Notaufnahme! Es war zwar nur eine Fingerverletzung die genäht werden musste, trotzdem war es ganz schön turbulent, kann ich euch sagen. Dann hat mich leider an den Feiertagen und an vielen Tagen danach die Migräne wieder eingeholt. Mein erster frustrierter Gedanken war: Da habe ich dich wohl zu früh gelobt, Jesus! So ist es manchmal im Leben, oder? Da denkt man eine Sache ist überwunden und um die nächste Ecke, stellt sie einem wieder hämisch grinsend das Bein. Aber ich bin trotzdem dankbar für die lange schmerzfreie Strecke davor die längste an die ich mich erinnern kann! Und ich will die Hoffnung nicht sinken lassen, auch wenn ich gerade wieder in der Phase bin in der ich eher zurückschrecke wenn mir jemand Gebet in der Sache anbietet. (jeder der chronisch erkrankt ist, weiß wovon ich rede).

Aber es sind auch viele gute Dinge am Start, so vieles was mich richtig zuversichtlich ins neue Jahr blicken lässt. Die MEHR-Konferenz in Augsburg, bei der wir für einen Tag vorbeigeschaut haben hat mich total ermutigt. Besonders die Berichte von einem Pastor aus dem mittleren Osten. Die Geschichten die er uns erzählt hat, wie Gott den Menschen begegnet und sich haufenweise in Träumen und Visionen zeigt, waren unglaublich!  Ich saß nur staunend da, konnte die Tränen nicht zurückhalten und wollte mich einfach nur auf den Boden knien und anbeten und ich dachte ständig: Wow Jesus,was du alles kannst! Es gibt dich also echt! Also, ich glaub das ja sonst auch, fast immer, aber zu hören was für krasse Dinge Gott tut, gibt mir soviel Zuversicht und Glaube – auch für mein eigenes Leben, in dem ich oft humpelnd unterwegs bin. Und ich merke: Ich will Jesus mehr zutrauen! Ich will meine Grenzen von dem was er tun kann (besonders von dem was er durch mich, in unserer Gemeinde, in unserem Land tun kann) weiten lassen. Es gibt einfach so ein paar Dinge in meinem Kopf von denen denke ich: Das kann ich einfach nicht glauben, dass Gott DAS tun kann. Und die Heilung der Migräne steht da nur als kleiner Wunsch am Ende der Schlange.
Da ist diese Liedzeile aus einem Lobpreislied die mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht: Alles ist möglich, wenn du hier bist. Ich glaube das ist mein Satz für´s neue Jahr (ich weiß, eigentlich geht es um ein Wort, aber dieses Jahr braucht einen ganzen Satz, das spüre ich :-)). Ich will diese Worte durchbuchstabieren, in allen Situationen. Ganz besonders dann wenn ich mich überfordert oder machtlos fühle. Das ist eigentlich das ideale Vorzeichen für diesen Satz. Weil ich genau da lernen kann, dass es nicht auf meine Möglichkeiten ankommt. Es kommt auf Jesus an. 
In diesen Tagen ist viel los, manches ist sehr herausfordernd und schwierig, einiges ist einfach total verheissungsvoll (ich werde berichten!) Es hängt eine Vorfreude, eine erwartungsvolle Ahnung, in der Luft. Auf das was Gott vorhat. Was er unter uns tun wird. Wie er uns alle zum Staunen bringen wird. Und zum Anbeten.

Manchmal ist es einfach soweit

dass sich der, der unser Leben lenkt in unsere Richtung beugt 
 
und mit funkelnden Augen flüstert: BEREIT?

Und wir lachen zurück und sagen: „Bereit!“ 
 
(und wir haben ja keine Ahnung was wir da sagen !) 
 
Und mit zitternden Knien gehen wir los 
 
an seiner Hand

weiter als wir je zu hoffen wagten

und knien auf neuer Erde 
 
setzen zarte Pflänzchen in den Boden

in ein Land das uns unerreichbar schien.


Betberg. Immer wieder: weites Land!


Während ich weg war waren die Männer fleissig: Samus neues Hochbett!

Silvester mit Freunden im schönen Waldachtal, zum letzten Mal:-(

Versteckspiel im Wald

alles Königskinder
Tschüß Weihnachstdeko, bis nächstes Jahr!
gute Reise gute Reise...