Mittwoch, 4. Dezember 2019

Hoffen und Warten

Seid ihr gut in die Adventszeit gestartet? Wir haben schon einiges abgehakt:  Einen Weihnachtsmarkt besucht. Unser Bäumchen geschmückt und Sterne gebastelt.
Ausstecherle wurden auch schon gebacken und mir ist dabei nicht - wie sonst immer - der Geduldsfaden gerissen! Das sagt nun weniger über die zunehmende Reife und Gelassenheit der Mutter als über die zunehmende Fähigkeit des Kindes, den Teig ohne Wutanfälle auszuwellen und die Plätzchen auf das vorbereitete Blech zu setzen und nicht in die ungefähre Richtung zu schmeissen. Ach ja, manches wird besser mit den Jahren! (Und manches bleibt gleich: beim Teig ausrollen macht er immer noch laute Autogeräusche und fragt mich, was ich denke, wie viel PS seine Planierraupe hat. Jungs die backen :-))




Samuel hat dieses Jahr einen Adventskrimi von seiner Tante bekommen. Das ist eine Geschichte mit 24 Kapiteln, die wir nun, ein Tag nach dem anderen, lesen. Gar nicht so einfach, nach einem Kapitel aufzuhören, wenn die Spannung langsam steigt und man wissen will, wie es weitergeht! Aber wir üben uns im Warten. Darum geht es ja schließlich, im Advent. Eine Türchen nach dem anderen. Eine Kerze nach der anderen. Als ich vor ein paar Tagen im Einwohnermeldeamt war, brannten doch tatsächlich hinter der freundlichen Sachbearbeiterin schon alle vier Kerzen am Adventskranz! Mit LED- Leuchten! Das war irgendwie so - unadventlich. Und doch: mir fällt es auch so schwer zu warten. In diesen Tagen bedrückt mich die große Not von Freunden. Meine Gebete sind ein ständiges Seufzen und ein verzweifeltes: Gott, bitte, bitte, mach was! Wir brauchen dich so sehr! Bis jetzt ist noch  kein Wunder eingetreten. Ich lese heute morgen die Worte aus Jesaja:
Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesaja 9,1
Ich mag den Klang dieser Worte die, wie eine wärmende Kerze, zur Adventszeit gehören. Aber heute fällt mir zum ersten Mal auf, dass die Grammatik irgendwie komisch ist (Ich und Grammatik- ich weiß! ;-)). Also entweder wandelte (Vergangenheit) man im Finstern und sieht nun aber ein großes Licht. Und man wohnte im finstern Land und nun scheint es hell. Aber beides in der Gegenwartform, scheint irgendwie nicht zu passen. Und doch: vielleicht ist es die Grammatik des Königreich Gottes? Dass beides real ist: Das finstere Land in dem wir noch wohnen und das Licht das über uns leuchtet!  Auch wenn es meinem Verstand nicht so wirklich einleuchten will. Vielleicht ist es die Grammatik des Wartens und Hoffens? Bonhoeffer schreibt über das Warten:
Advent heißt warten können; Warten ist eine Kunst die unsere unruhige Zeit vergessen hat. Sie will die reife Frucht brechen, wenn sie kaum den Sprössling setzte...Aber auf die größten, tiefsten, und zartesten Dinge in der Welt müssen wir warten, da geht`s nicht im Sturm, sondern nach dem göttlichen Gesetz des Keimens und Wachsens und Werdens.
Ich möchte so gerne die Dinge schnell haben. Will, dass das Kind am besten schon mit der Fähigkeit auf die Welt kommt, der Mutter zu folgen. Ich will die Kapitel der spannende Geschichte schnell durchblättern um zur Auflösung zu kommen. Und ich will (oh so sehr und vor allem!), dass die große Not der Freunde sich in Freude auflöst!  Ich will dass Gottes Reich anbricht wie ein Scheinwerfer, der das Dunkel ein für allemal vertreibt. Stattdessen kommt es tief und zart, in einem kleinen Baby.  Als Morgenstern, über denen die im Dunkel wohnen. Wachsend. Werdend. Reifend. Dem Tag entgegen. 
Passenderweise ist heute Barbaratag. Ich kenne diese Tradition erst seit letztem Jahr: Einen Obstzweig abbrechen und in eine Vase stellen. Und wenn alles richtig läuft, sollten sich die kleinen Knospen bis Weihnachten geöffnet haben.  Ein Blütenwunder mitten im Winter! Letztes Jahr hat das nicht geklappt. Irgendwann nach Silvester habe ich die trockenen Äste entsorgt. Mit ein paar trübseligen Gedanken. Dieses Jahr habe ich mir ein paar Tipps angelesen (schräg anschneiden, eine Woche noch draußen lassen. Für frisches Wasser sorgen...). Ich bin gespannt. Auch wenn meine Erfahrung mir sagen will: Das klappt nicht. Ich hoffe. Und warte. Und während ich diese Zweige die nächsten vier Wochen mit frischen Wasser versorge, will ich weiter beten. Für alle, die im finstern Land wohnen. Für eine gute Wendung der Geschichte. Für hellere Tage. Für ein Weihnachtswunder.  Ich will glauben, dass Gott auf dem Weg zu uns ist



Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seinen Schultern; und er heisst Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. 
Jesaja9, 5 




Kommentare:

  1. Wieder so ein Beitrag, der voll in mein Leben spricht. Ich nehme mir heute mit: Auch wenn meine Erfahrung mir sagen will, das klappt nicht, will ich weiter warten und weiter hoffen. Und natürlich beten. Danke dafür
    Und schön, dass vermutlich die meisten Mütter beim Plätzchen backen auch mal die Geduld verlieren. Ich hoffe da immer auf die Fähigkeit des kindlichen Gehirns, nur das Gute zu behalten, sodass sie Plätzchen backen trotzdem als das mega Event erinnern werden und die ungeduldige Mutter und ihre Schimpfereien verdrängen. :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Haha, liebe Daniela, das hoffe ich auch! - dass für Samuel das Plätzchen backen im Rückblick einfach nur harmonisch war und es immer gut geschmeckt hat!(dieses Mal waren sie so schlecht, dass wir sie auf dem Adventsmarkt in unserer Gemeinde heimlich unter das gute Gebäck gemischt haben. Mit großer Erleichterung haben wir danach festgestellt, dass alle waren! Ein Wunder :-)). Ganz liebe Grüße zu Dir! Gesegnete Adventszeit und danke für deine lieben Worte!!!

      Löschen