Dienstag, 5. November 2019

Heute bin ich klüger.

Heute fühle ich mich unglaublich müde und erschöpft. Und das nach einer ganzen Woche Herbstferien! Darin war ein schöner Ausflug mit Heio. Und ein paar Tage Schwarzwald mit Samu. Und eine Geburtstagsfeier. Und dazwischen eine große Aufräumaktion im neuen Zuhause. Ach, ich glaube ich habe in die arme kleine Woche so viel reingepackt, dass ihre Nähte geplatzt sind und sich alles polternd über mich ergossen hat. Und dann habe ich gestern Abend, so fertig wie ich war, den besten Ehemann beschimpft, warum er mich nicht besser unterstützt hat. Danach bin ich stinksauer ins Bett gegangen. Nachdem ich mich die halbe Nacht unruhig hin und her gedreht habe, habe ich mich beim Frühstück  entschuldigt und der müde Mann hat mir freundlich vergeben (und noch einen Blumenstrauß gepflückt - Gnade über Gnade!). In seiner ruhigen, direkten Art hat er mir den Satz gesagt: "Christina, Du musst Verantwortung für Dich übernehmen! Das kannst du an niemand delegieren". Ich seufze und weiß: Er hat recht. Und ich bin frustriert, dass mir das auch nach so vielen Jahren Seelsorge und Therapie oft so schlecht gelingt: Gut für meine Seele zu sorgen. Meine Grenzen wahrzunehmen und dazu zu stehen. Mir geht es wie der Freundin, die zu mir sagte: "Ich weiß meistens erst hinterher, ob es zu viel war!"  Hinterher ist man klüger. Das stimmt. Aber vorher wäre noch klüger. Und heute ist vorher! (Oder wie es der Mann sagen würde: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!).  Also lasse den Wäschekorb erstmal stehen und gehe eine Runde spazieren. Ich jammere Jesus ein bisschen damit zu wie fertig ich bin und dass ich manches wohl  nie besser hinbekommen werde und dann frage ich ihn, ziemlich verzweifelt, was ich denn das nächste Mal denn besser machen könnte? Es ist als würde Jesus mich an der Hand nehmen und wir spazieren noch einmal zusammen durch die letzten Woche. Und da fällt mir so einiges auf. Dass ich zum Beispiel den eingeplanten Sandwich-Tag ausgelassen habe, weil ich noch ganz euphorisch von den letzten Lesungen war und dachte: Den brauch ich doch jetzt nicht.  Dass ich Heio großzügig einen freien Vormittag gewährt habe während ich die Zeit damit verbracht habe  im Turbogang alles liegengebliebene zu erledigen. Dass ich einen 3-Löffel-Tag so verbracht habe, als hätte ich einen ganzen Besteckkasten zur Auswahl. Dass ich in alter Umgebung in alte Muster verfallen bin, denen ich eigentlich schon längst nicht mehr folgen muss. Dass ich den Verpflichtungen mehr Raum gegeben habe als der Freude. Ach, es war ein langer Spaziergang. Es war eine sanfte Erinnerung Gottes, dass es auch zu unserer Würde als Menschen gehört, dass wir unser Leben gestalten dürfen. Und dass es dazu immer einen Spielraum gibt. Der ist in manchen Zeiten ganz klein, (seid gesegnet, ihr jungen Mamas!) und manchmal auch größer. Ich will meinen "Spiel-Raum" für diese Woche wieder bewusst wahrnehmen und schauen was möglich ist. Ein kurzer Mittagschlaf. Ein Kaffee zwischendurch auf dem Balkon. In die Lieblings-CD reinhören.  Ein bisschen Laub im Garten fegen und noch einmal die Hollwoodschaukel genießen, bevor sie winterfest verpackt wird. Die Vögel beobachten. Einen kleinen Abenspaziergang mit Samu anstatt den Küchenboden nochmal zu fegen. Dankbar das Gute anschauen, das mich umgibt. Gnade über Gnade. Und meine inneren Antreiber können diese Woche einfach in den Urlaub fahren. Das tut denen auch mal gut. Vielleicht kommen sie entspannter wieder. Als kleine rosa Merkzettel.  Als zaghafte Fragen ob sie heute in meinem Tag einen Platz finden können. Denn morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Und heute bin ich klüger. (hoffentlich!!!)

Und deshalb freue ich mich jetzt noch ein bisschen an den schönen Bildern von unserem Kurzurlaub:
Bamberg ist einfach wunderschön!



















meine Bildschirm- Erinnerungshilfe für kommende Woche.

Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele!!! Ich kenne das auch! Hab mir vorhin auch einen Herbstspaziergang gegönnt.... auch wenn die Arbeit daheim schreit... sie hat brav gewartet ��
    Danke für deine ehrlichen Worte!!! Ich freue mich auf Samstag, wenn Du zu unserem Frauenfrühstück kommst!!! Bis dahin wünsche ich Dir viele Möglichkeiten Deinem Alltag eine Krone aufzusetzen... glg

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    1. Oh schön!!! Und JA, absolut die richtige Zeit für Herbstspaziergänge! (und die Arbeit wartet brav, haha). Ich freu mich auch auf Euch!!! Bis Samstag!

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  2. Hey, du warst im Fundevogel!!! Und du bist fündig geworden!
    Sei umarmt und lass es langsam angehen (sagt die Frau, die sich auch immer mehr aufpackt, als sie tragen kann, haha)

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    1. JAA- deine Tipps waren spitzenklasse! Wir sind jetzt bisschen verliebt in Franken:-). Umarmung zurück, Du tolle Frau!

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  3. Liebste Christina - danke für diesen Blogeintrag. Den habe ich so sehr gebraucht!! Es geht mir immer wieder genau so, und ich habe noch immer die Hoffnung, eines Tages vorher klüger zu sein. Danke für deine Ehrlichkeit und deine Worte! Alles Liebe!!!

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