Donnerstag, 19. Mai 2016

Verdrängungsweltmeisterin

Letzte Nacht habe ich nicht gut geschlafen. Nicht etwa weil mein Kind mich wachgehalten hat sondern weil mein Knie bei jeder kleinen Bewegung weh tat und ich davon ständig aufgewacht bin. Dementsprechend war ich der falsche Ansprechpartner für die vielen Fragen eines Fünfjährigen am Frühstückstisch: "Welches Auto ist dein Lieblingsauto? Wie schnell fliegt das Flugzeug? Und wenn es ganz hoch fliegt trifft man dann Gott oder Jesus?" Eine prima Gelegenheit mit meinem Sohn über die Anwesenheit Gottes, den Himmel und die Dreieinigkeit zu reden.  "Frag doch einfach den Papa", war stattdessen meine genervte Antwort. Ok, vor der ersten Tasse Kaffee sind solche Fragen wirklich nicht zu beantworten (finde ich). Aber heute bin ich einfach genervt von meinem Schmerz im Knie und meine Umwelt bekommt das zu spüren.
 
schwierig das eigene Knie zu fotografieren :-)

Nun ist es nicht so, dass es erst seit ein paar Tagen weh tut. Nein. Seit einigen Wochen (!) spüre ich zunehmend Schmerzen. Begonnen hat das Ganze mit einem Krachen im hinteren Kniegelenk wie ich abends die Beine auf den Wohnzimmertisch gelegt habe (also nicht mal eine coole Sportverletzung!). Kreuzband, dachte ich sofort. Diesen Schmerz kenne ich. Aber statt wie jeder normale Mensch zum Arzt zu gehen, warte ich einfach ab und hoffe, dass es von alleine besser wird. Ich lasse dafür beten, hoffe auf eine Spontanheilung. Hat ja Gott schon mal bei mir gemacht. Aber es wird schlimmer. Es schränkt mich zunehmend in meinem Alltag ein. Ich schaffe es nicht mehr lange mit Samu auf dem Boden zu knien und Auto zu spielen und seit heute kann ich ihn nicht mehr mit dem Rad zur Kita fahren (ein E-Bike!). Ich weiß - ich sollte zum Arzt gehen. Warum tue ich es nicht einfach? Ja, warum eigentlich nicht?

Es ist als würde mir ein Baustein in meiner Persönlichkeit fehlen manche Dinge einfach wie normale Menschen anzugehen: 
Ein Schmerz der nicht besser wird? Ich gehe zum Arzt. 
Ein Telefon das klingelt? Ich hebe ab. 
Eine Situation die schwierig in einer Beziehung ist? Ich spreche es an. 
Nein. Stattdessen hoffe ich darauf, dass es sich von selbst erledigt. Oder ich hoffe dass Gott eingreift und die Sache sich damit erledigt. Aber er lässt mir das nicht oft durchgehen.(und er nimmt auch ganz selten den Hörer für mich ab;-)). Anstatt mir die Dinge aus dem Weg zu räumen ist er bereit  mir den Mut zu schenken die Situationen anzugehen. Das finde ich ein bisschen unfair und sehr psychologisch von ihm. Aber was will man machen? Er tut nicht immer das was ich will.

Samu versteckt sich auch gerne wenn`s Streß gibt. Hat er wohl von mir:-)
  
Und meistens wird der Berg der vor mir liegt noch ein bisschen größer und unbezwingbarer umso länger ich versuche ihn zu umgehen. (und manche verdrängte Verletzungen können sich auf sämtliche Bereiche in unserem Leben auswirken und uns am Ende völlig lahmlegen). Trotzdem hoffe ich immer wieder darauf, dass es sich von alleine erledigt. Wahrscheinlich weil ich Konflikte nicht mag oder weil ich einfach Schiss habe und dem Schmerz ausweichen will (wenn der wuchtige osteuropäische Orthopäde mein Knie in seine Hand nimmt und nach allen Seiten dreht zum Beispiel). 

Aber ich will auch hier lernen barmherzig mit mir sein. Schritt für Schritt ein wenig mutiger werden. (und so ängstliche Menschen wie ich brauchen sehr viel Mut!)
Also habe ich beim Orthopäden angerufen um einen Termin auszumachen. Erster Schritt. Ich höre dass er diese Woche noch Urlaub hat. Yesss. Gnädige Aufschiebung! Vielleicht wird es ja bis nächste Woche doch von alleine besser oder Gott heilt mich? Falls nicht werde ich mir einen Termin geben lassen. Zweiter Schritt. Ich werde es angehen. Humpelnd. Auch wenn es erstmal richtig weh tun wird. Manchmal ist eben genau das der Weg um heil zu werden.

Beten wir um Heilung und beten wir um Mut füreinander wenn wir den schweren Weg der kleinen Schritte gehen müssen um gesünder zu werden. Eins ist sicher: Gott ist an unserer Seite! 



Kommentare:

  1. Du schreibst über mich. Ich kann mich in den Zeilen total wieder finden. Wenn mein Mann nicht die bürokratischen Dinge für uns erledigen würde, hätte ich ein Problem. Aber ich will da ja auch dazu lernen.
    Danke dir für die Ermutigung!

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    1. oh ja, die bürokratischen Dinge - noch so ein Thema (ich lasse manche Briefe einfach im Breifkasten liegen in der Hoffnung, dass Heio sie dann rausnimmt:-).
      Immerhin war ich jetzt beim Orthopäde und es war gar nicht so schlimm. bekomme tolle Schmerzmittel und eine Schiene. Hah. warum binich nicht früher gegangen?!...

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