Montag, 16. Januar 2017

Ein Sandwich, stehende Tiefe und ein klarer Verstand


Neulich habe ich einen tollen Artikel von Megan Gahan im shelovesmagazin gelesen. Sie berichtet von  den Grenzen ihrer Kraft,  (darn it, I`m a short cup!) und darüber dass sie besonders volle Tage in ein "sanity sandwich" packt - was soviel heisst wie: ein Sandwich, dass sie davor bewahrt den Verstand zu verlieren.  Praktisch sieht das so aus: besonders volle und anstrengende Tagen versucht sie zwischen zwei ruhigere Tage zu packen. Egal ob es ein toller Ausflug oder ein schwieriger Termin ist: sie hat festgestellt dass es ihr, und auch ihren Kindern, gut tut dieses "sanity sandwich" einzuplanen.  


Das ist ein total hilfreicher Gedanke für mich, um nicht ständig über meine (leider etwas kleine = short cup) Kraft zu planen. Ganz ehrlich: einfach mit Samu nach der Kita zu Hause rumhängen tut uns beiden zur Zeit richtig gut. Nicht nur wenn es im Anschluß von einem stressigen Tag ist, sondern auch um mein Herzrasen zu beschwichtigen, das immer dann auftaucht wenn ich versuche zu viele Wörter zu schreiben um mein Manuskript fertig zu bekommen. Ich muss dann dringend die Finger vom Computer lassen, das Handy zur Seite legen, sogar gute Bücher sind zu viel - am besten einsam über ein Feld gehen oder mit Samu Stau  spielen. Das ist sehr meditativ! Man bekommt nur ein Auto das sich alle 5 Min. ca einen halben Zentimeter vorwärtsbewegt. (Aber wehe man geht kurz weg oder ist unaufmerksam: tausend hupende Autos hinter einem!)


Außer schreiben und nach Samu schauen bekomme ich zur Zeit nicht wirklich viel hin. Ab und zu packt mich deshalb so richtig das schlechte Gewissen. Ich denke ich sollte mich öfters bei meinen Freunden melden, Dankesbriefe für die ganzen Weihnachtskarten schreiben, Schränke ausmisten, mir Samus zukünftige Grundschule anschauen, die Patchwork-Decke weiternähen (ich werde mein erstes und einziges Nähprojekt niemals fertig bekommen, das weiß ich!) oder wenigstens den Dreck unterm Schuhregal wegfegen.  Alles das schaffe ich gerade nicht. Stattdessen: "Sanity-sandwich- Tage". Manches wird verschoben, eine kurze SMS ersetzt einen Anruf, ein Fürbittegebet am Abend ein Treffen mit einer Freundin. Und ich brauche den "Sanity-Abend", ohne Internet und Ferseher und gutem Buch, um mein Herz bei Jesus zu beruhigen. 

Letzte Woche habe ich Heio auf seine Frage wie es mir geht geantwortet: "Ich bin irgendwie so unruhig, ich weiß gar nicht ob es mir gut geht oder nicht!"  Also dringend Zeit für einen "Sanity-Abend". Und in der Stille vor Jesus wurde mein Herz so dankbar. Ich dachte mir: Schau dich nur an, wieviel Gutes!!! Ich sehe uns zu wie wir beim Frühstück sitzen und sage zu Heio: "Schau uns an! In ein paar Jahren werden wir wehmütig auf diesen Moment zurückblicken und sagen: weißt du noch? In unserer kleinen, warmen chaotischen Wohnung? Mit Samu am Frühstück? Wie schön war das! Und jetzt sitzen wir hier veramt im Obdachlosenheim."  Ok, letzteres war natürlich nur Spaß (hoffentlich Gott!) aber den ersten Teil meine ich ernst.

Ich habe neulich den Begriff  stehende Tiefe gehört. Das ist anscheinend so ca. zwei Meter unter der Oberfläche des Meeres. Hier ist ruhiges Wasser, egal wie oben die Wellen toben. Die stehende Tiefe meines Lebens, zu der ich immer wieder gelangen will, ist die Dankbarkeit. Um in diesen tieferen Bereich zu kommen helfen mir langsame Nachmittage, ein stiller Abend, ein ruhiger Blick von außen. Es hilft mir mein Herz zu beruhigen, mich nicht angetrieben zwischen den Wellen hin und her zu kämpfen, unzufrieden mit mir und allem was mir begegnet. Es hilft mit einen klaren und gesunden Verstand ( = sanity) zu bekommen. Ich schaue wie durch ein Fenster auf mein Leben und sage: DANKE Jesus.






Kommentare:

  1. werde mein erstes "einziges" Nähprojekt "niemals" beenden -- bei allem Realismus, das ist ein bisschen viel Festlegung für einen Satz, meinst du nicht?

    Im Übrigen halte ich Stau spielen für eine großartige Sache. Genau wie Einparken. Oder Autohaus. So meditativ.
    Ich hätte die Autos dann sicher nach Farbe geordnet oder nach einem anderen Merkmal.

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    1. haha, du musst echt mal zum Spielen vorbeikommen Julia. Und das mit der Festlegung mag von außen betrachtet heftig sein, aber dahinter steckt der ganze Frust einer verschmähen Liebe. Ich hab ihr eine zweite Chance gegeben, aber die Nähmaschine mag mich einfach nicht.

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  2. Deine Worte tun mir so gut :)

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  3. Danke. So schöne, wohltuende Worte!

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  4. UND JETZT SITZEN WIR HIER VERARMT IM OBDACHLOSENHEIM!!
    Direkt mal einen Lachanfall bekommen. Christina, du bist echt der Brüller! xD

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  5. Liebe Christina
    Ich habe soeben deinen Löffel Bericht in YOYCE gelesen, ich bin nicht eher dazu gekommen. Danke für deine offene art. Nicht jeder Mensch ist gleich belastbar und das ist auch gut so.Du bist Du! Super!
    Ein freudig schöner Abend wünscht dir Bea
    www.tagesverlauf.blogspot.ch

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    1. Dank dir liebe Bea und herzlichste Grüße zurück zu dir!

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  6. Hallo Christina.
    Jetzt traue ich mich mal, dir einen Kommentar zu hinterlassen.
    Ich lese deinen Blog seit ca einem Jahr (ich bin durch Veronika Smoor auf dich gekommen) und freue mich immer wieder auf einen neuen Eintrag.
    Dein Buch habe ich gelesen, genossen, anderen vorgelesen und verschenkt.

    Dieser Eintrag hat mich so angesprochen, weil er gerade in meinen Alltag passt. Ich bin wohl das was man nach außen hin als "Powerfrau" (ich schäme mich eigentlich so was über mich zu schreiben, aber es wird immer wieder über mich gesagt). Ich habe drei Kinder 6/4/2, bin in einer kleinen Gemeinde engagiert und arbeite mit fast halber Stelle als Grundschullehrerin.
    Das, was du mit der geringen Kraft immer wieder schreibst, kenne ich von meinen Gefühlen auch. Nur "leider" funktioniere ich zu gut und übernehme mich zu schnell. Diese "sanity" Momente suche ich bei Jesus mittlerweile immer öfter, um ein gutes und gesundes Maß zu entwickeln.
    Deine Worte haben mich getroffen und ich danke dir dafür!

    Ganz liebe Grüße
    Juli

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    1. Liebe Juli!
      Wie schön, dass du dich getraut hast! :-) Vielen Dank für deine lieben Worte. Das ist so ermutigend. Und ich denke mir wenn man drei Kinder zwischen 2 und 6 Jahren hat, in der Gemeinde mitarbeitet und noch eine halbe Stelle als Grundschulllehrerin hat kann man wohl mit fug und recht von sich sagen, dass man eine Powerfrau ist! :-) Und wie gut wenn du dir immer wieder auch mal zugestehst nicht weiter zu "funktionieren", um in die Arme von Jesus zu sinken. Er sei dir spürbar Nahe, an den Sanityabenden und mitten im stürmischen Alltag. Segen und herzlichst Grüße zu Dir!!!

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  8. Hallo,
    Danke, du bist ein Segen. Aber das weisst du ja. Nach dieser Woche verstehe ich wohl noch besser als sonst was dich umtreibt und auch wie wichtig es ist sich nach Jesus auszustrecken. Nachdem ich heute noch lange auf der Arbeit auf das letzte automatisiert-ablaufende Update meines Laptops warten musste (ab Montag in Kanada), hab ich mich in meinem Büro auf den Boden gekniet und Gottes Gegenward war da. Wow, was würde alles fehlen ohne Ihn.
    Dein Blog ist für mich "stehende Tiefe"! Danke dafür.
    Bis hoffentlich Sonntag, Franz

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    1. Ach Franz, du bist ein Vorbild! Danke,dass du mich so hungrig nach mehr von Jesus machst! Segen nach Canada!!!

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