Dienstag, 16. Februar 2016

Der Weg, der uns mutig macht





Diese Woche gibt es hier etwas besonderes:  einen "Guestpost" von Jolene, Amerikanerin, wunderbare Mama von drei Kindern, die unseren Bookclub mit ihrem Humor, ihrer Ehrlichkeit und den spannenden Geschichten aus ihrem Familienalltag bereichert (und einfach weil sie so ist wie sie ist!). Letzte Woche hat sie uns eine berührende Geschichte von ihrem Sohn erzählt und ich habe sie gebeten sie hier für uns aufzuschreiben. Und sie hat sich tatsächlich die Zeit dafür genommen. Danke, Jolene!!!
 
 
 Ich wartete ich auf meinem 8-jährigen Sohn. Nach einem Vorfall einer Mitschülerin auf dem Schulweg, hat er in den letzten Monaten zunehmend eine Angst entwickelt entführt zu werden. Er weigert sich alleine oder in Begleitung eines anderen Kindes durch unser kleines Dorf nach Hause zu laufen. Wir versuchen auf unterschiedlicher Weise, ihn zu stärken und seinen Mut aufzubauen (z.B. ein Buch aus der Bücherei "Mut tut gut" und ein auswendig gelernter Bibelvers ). Bis jetzt leider ohne spürbaren Erfolg.
Nun hatte ich mit mein Sohn vereinbart, dass wir uns vor dem Kelterhaus treffen sobald seine Fußball-AG oben in der Sporthalle aus war. Er machte sich sorgen, dass ich nicht da sein würde. Ich versicherte ihm, dass ich aber hundert pro da sein würde. Er musste nur die kurze Strecke bergab zu mir laufen. 
Also war ich rechtzeitig da. Und ich wartete. Ich wusste, dass seine AG zu Ende war und, wenn ich zur Halle laufen würde, würde er da sein, lachend, und wir könnten gemütlich zusammen nach Hause laufen. Aber ich tat es nicht. Ich wusste, dass er sich nichts sehnlicher wünschte. Was ich aber auch wusste, war, dass er seinen Mut aufbauen muss. Er würde ein paar Schritte alleine gehen müssen—im Vertrauen, dass ich da sein werde und auf ihn warte—und dann würde er mich auch schon sehen können. Schließlich hatten wir ja diesen Treffpunkt fest vereinbart. Darum blieb ich sitzen und wartete. Er tauchte nicht auf.
Ich überlegte mir, was er womöglich dort oben machen würde: Vielleicht hatte er erstmal das Heimlaufen aufgeschoben und beobachtete die größeren Kinder, die jetzt ihre Sport -AG hatten. Er würde aber schon irgendwann kommen. Vielleicht in großer Panik. Vielleicht um sein Leben rennend. Aber er würde kommen. Und dann würde er mich sehen und begreifen, dass ich die ganze Zeit auf ihn gewartet hatte. Ich wusste: er muss wachsen. Er musste selber den ersten Schritt machen.
Beim Warten werde ich aber ziemlich schnell stinksauer. Ich war wütend, dass er mir nicht vertraute, trotz meines Versprechens da zu sein. Und ich bin ungeduldig. Ich hasse es, irgendwo einfach nur dazusitzen und nichts zu tun. Und obendrauf hatte ich den ganzen langen Tag keine Minute für mich gehabt und ich fühlte mich beraubt. Hier saß ich also nochmal an diesem Tag und erlaubte, dass mir jemand meine Zeit wegnahm. Nach 20 Minuten Wartezeit entschied ich mich, mit Gott darüber zu reden. Auch wenn ich, dank meiner Wut, kein Bock darauf hatte. Als ich dann beten wollte, kam aus meinem Mund ein Lied: „Oh….oh….Du wartest auf mich.“ Die Wörter und die Musik flossen heraus. Im Endeffekt sang ich mir selbst eine Andacht darüber, dass wir alle Angst haben, uns im Glauben und Vertrauen auf den Weg zu machen, obwohl wir schon wissen, dass Gott versprochen hat: er wird da sein. Und er wartet auf uns. TOTAL. LANGE. Oft jahrelang. Er könnte kommen und uns abholen, aber er weiß, dass wir unsere Ängste überwinden und im Glauben laufen müssen. Vielleicht nicht sehr weit, aber ein bisschen vertrauen, um ein bisschen weiter zu wachsen. Sonst werden wir nie stärker. Mutiger.
Der Unterschied zu mir? Er wartet auf uns mit vollkommenen Frieden.
Und was geschah mit meinem Sohn? Kam er irgendwann von alleine? Na ja, mit Hilfe schon. Der ältere Bruder vom Freund meines Sohnes lief an mir vorbei. Ich bat ihn meinem Sohn auszurichten, dass seine Mutter auf ihn wartete. Bald darauf hörte ich eilige Schritte und mein Sohn lief mir entgegen. Er lief nicht aus Angst, sondern aus Freude, weil er begriffen hatte, dass ich da war. Er hatte gehört: Deine Mama wartet da unten auf dich!
Auch das brauchen wir manchmal—dass ein Bruder (oder eine Schwester) uns sagt, dass er schon mal auf dieser Strecke war und dort den Vater gesehen hat. Wir brauchen jemanden, der uns vergewissern kann: Gott wird da sein.Er wartet nur auf dich. Am Ende waren wir Beide stolz und froh, dass er diese Strecke geschafft hat. Mein mutiger kleiner Sohn.
  
(Wichtiges Update: Diese Woche hat er es geschafft, selber an mein Versprechen zu denken. Er vertraute mir und kam schon von alleine zum Treffpunkt! Der Mut wächst….)

Ich glaube manchmal gibt es diese Zeiten in unserem Leben in denen Gott unseren Mut aufbauen will. Wo wir ein bisschen mehr Vertrauen brauchen als bisher. Wo das Leben uns herausfordert weiter zu wachsen. Was ist dein Weg für den du heute Mut brauchst? 

Was immer um die nächste Ecke liegt: Gott wird da sein. Er wird uns umarmen und anstrahlen uns zuflüstern: ich wusste, du schaffst das! Ich hab auf dich gewartet. Mein mutiges Kind.


 

Kommentare:

  1. Danke für diese Geschichte, Jolene. Hat mir heute Mut gemacht.

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  2. Danke für diese Geschichte!

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