Donnerstag, 23. Januar 2014

Versteckspiel

Die Lieblingsbeschäftigung von Samu ist seit einiger Zeit das Versteckspiel. Fast jeden Abend tönt es fröhlich durch unsere Wohnung: "Mama, stecken!!!" Und dann geht es los. Zuerst "stecke" ich, dann er: "7 - 8 - 9 - komme!" (wer hat gesagt, dass man bei Eins anfangen muss wenn man bis 10 zählt?).
Ich stürze mich in eine Ecke um dann von ihm gefunden zu werden. Da so wenig Zeit bleibt, um in mein Versteck zu flüchten,  ist dieser Teil meist schnell erledigt.
"Jetzt ich", ruft er freudig und rennt vor meinen Augen in sein Versteck. Ich zähle langsam und fange an zu suchen. Ich versuche ihn zu ignorieren, weil ich weiß wie sehr er es liebt wenn ich überall nach ihm suche. Es ist gar nicht so einfach dabei nicht über ihn zu stolpern. Hier seht ihr sein derzeitiges Lieblingsversteck:


Vielleicht hat er ja etwas von meiner alten Angst geerbt, beim Verstecken nicht gefunden zu werden?
Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir früher, auf dem Land, mit den Nachbarskindern  Verstecken gespielt haben. Das Gelände war riesig und ich saß nicht selten lange Zeit mit klopfendem Herzen hinter einem Busch, oder in einem alten Schuppen, in der wilden Hoffnung gefunden zu werden. Immer war in mir die leise Angst, dass die Anderen ohne mich nach Hause gehen und niemand mehr nach mir sucht. Ich glaube nicht, dass diese Befürchtung jemals eintraf, aber sie war immer da.

Dann kommt der beste Moment in unserem abendlichen Versteckspiel: Nach längere Suche entdecke ich tatsächlich (erstaunlicherweise!) meinen Sohn.  Er schmeisst sich in meine Arme - oder reiße ich ihn an mich?! - und wir genießen diese Umarmung. Und dann geht das Suchen und Finden wieder von vorne los...

Ich spiele dieses Spiel gerne mit Samu, das Problem ist nur, dass ich auch die Erwachsenenversion davon beherrsche (die Fortgeschrittene Version - mindestens!).
Mit der Zeit habe ich die besten Verstecke gefunden:
Da gibt es ein freundliches Lächeln hinter dem ich meine Erschöpfung verstecken kann und da ist die Geschäftigkeit, hinter der ich meine innere Armut verstecke. Dann kann es mein Redeschwall sein, hinter dem sich meine Unsicherheit verbergen lässt, und ich verberge durch eine Decke aus Süßigkeiten oder Chips für eine sehr kurze Zeit ganz prima vor mir selbst, dass ich mich schlecht fühle. Sogar hinter meinem "Mama-sein" kann ich mich manchmal verstecken um Menschen auszuweichen oder Dinge nicht anzugehen, die wichtig wären.  Mist, ich verrate euch hier meine besten Verstecke!:-)

Aber eigentlich habe ich keine Lust mehr auf diese Spielchen, und deshalb verrate ich immer mehr davon meinem Mann und auch manchen Freunden. Denn mir geht es ja nicht anders wie Samu: Ich will gefunden werden!

Gestern habe ich eine neue Freundin besucht. Ich war ein bisschen aufgeregt weil wir uns vor allem von unsere Blogs kannten und von einem Fotoshooting. Ihr Bericht über unseren Besuch ist ein tolles Beispiel dafür, wie mutig und bereichernd es sein kann, kein Versteckspiel zu machen sondern ehrlich mit den eigenen Unsicherheiten zu sein.

Und für uns alle, die hoffen gefunden zu werden gibt es eine gute Nachricht:
Jemand ist auf der Suche.
Jemand sagt: die Party geht erst los, wenn du dabei bist. 
Jemand kann es kaum abwarten uns in die Arme zu schließen.
Jemand ruft:  " Ich komme!" 
Und er stolpert nicht eher über uns, bis wir bereit sind, von ihm gefunden zu werden!

So lasse ich mich von ihm finden, immer wieder - wahrscheinlich so lange bis er mich an der Hand nimmt und wir zusammen nach Hause gehen.

Gefunden!




Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Christina,
    Ich wollte dir mal sagen, dass ich deinen Blog sehr mag ! Du hast so eine wunderbare ehrliche Art zu schreiben. Ich bin auf deine Blog gestoßen durch euer Fotoshooting bei "Smoobear". Veronica hat auch so eine tolle ehrliche Art über ihr Leben zu schreiben.
    Es war für mich igendwie lustig zu lesen, dass ihr beide mit ähnlich laut klopfenden Herzen auf euer Treffen zugesteuert seid..... Ich konnte mir garnicht vorstellen, dass ihr euch beide nicht verstehen könntet...weil ihr für mich in euren Blogs so viel Ähnlichkeiten habt....
    Ich komme leider sehr wenig zum Blog schreiben, bin wohl auch nicht sooo der tolle Schreiber. Manchmla fühle ich mich etwas wie ein Spanner, weil ich einige Blogs habe in denen ich so gerne lese, weil sie mir so gut tun. Aber selber wenig von mir schreibe....
    Ach so, christina kann das sien, dass du aus Zuffenhausen kommst? Ich habe einige Verwandte in Stuttgart, Hemmingen , Schöckingen , die tw in Zuffenhausen zur Babitsten Gemeinde gehören. Ich selber wohne in der Nähe von Wittenberg(Lutherstadt), bin aber zo alle 2 Jahre -seit dem Mauerfall mal bei miener Cousine und dann meist auch mit im GODI

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  2. Hallo, liebe Ute!
    Danke für dein Kommentar. Es freut mich immer sehr zu hören wenn jemand gerne hier liest, das ist kein spannen - sondern so gewollt:-). Du hast sehr schöne Bilder auf deinem Blog und sicher auch wunderbare Geschichten...aber zu manchen Zeiten fehlt halt vielleicht die nötige Ruhe dazu - oder das drängende Gefühl: das muss jetzt unbedingt raus:-). Ja, ich komme aus Zuff., kenne die Baptistengem. hier aber nicht.
    Vielleicht sieht man sich ja mal, Begegnungen im "echten Leben" sind ja immer das Beste . Liebste Grüße zu dir nach Wittenberg!!!

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