Freitag, 10. Januar 2014

an deiner Seite.







Wir waren ein paar Tage im Allgäu und hatten die Vorstellung uns ein wenig zu erholen, Schönes zu erleben und Kraft zu tanken für den Alltag.
Leider hat es nicht ganz so gut geklappt. Irgendwie habe ich vergessen, dass wir einen kleinen Sohn haben der sehr nachtaktiv ist – zuhause, und nochmal mehr in einer fremden Umgebung. 
Nach unserer ersten (sehr kurzen!) Urlaubsnacht bin ich deshalb total gerädert und frustriert aufgewacht. Mein müder Blick hat die Schönheit der Berge vor dem Fenster kaum wahrgenommen und die Sonnenstrahlen verursachten Kopfschmerzen. So hatte ich mir unseren Urlaub nicht vorgestellt. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt, am liebsten wäre ich gleich wieder nach Hause gefahren (armer Mann, der sich meine Klagen anhören musste!).
Im Frühstücksraum ließ ich mich vor der Kaffeekanne in den Stuhl fallen und beobachtete die langsam eintrudelnden Gäste, die auch in unserer Pension waren. Es schien mir so als wären alle anderen Familien ausgeschlafen und voller Elan, schon in passender Skiausrüstung um schnell auf die Piste zu kommen. Ich suchte nach müden Mütteraugen, nach einer Leidensgenossin, einem verständisvollen Blick über die Tische hinweg. Leider vergebens.

Neulich habe ich mich mit einer Bekannten getroffen, die seit kurzem auch ein Baby hat. Es schlief anfangs richtig gut durch (grummel) und erst seit ein paar Wochen wacht es Nachts öfters mal auf. Wir waren beide müde und ich habe angefangen etwas von meiner Erschöpfung zu erzählen. Sie unterbrach mich aber ziemlich schnell und meinte lachend: „Na ja, wir haben es ja nicht anders gewollt.“ Ich stimmte ihr zu und wir wechselten zu einem anderen Thema, aber innerlich rief ich: „Doch, ich habe es anders gewollt! Ich wollte, dass mein Kind mit fast 3 Jahren nachts schläft! Ich bin dankbar, SOOOO dankbar für meinen Sohn, aber NEIN: so habe ich die Nächte nicht gewollt!“

Mit der Zeit kommen nun auch Schuldgefühle dazu, das blöde Gefühl, dass das Problem „hausgemacht“ ist. Hätten wir nur besser auf die Erziehungsratgeber gehört! Wir haben einiges ausprobiert (habe seitenweise Ratschläge kopiert und versucht umzusetzen) aber es hatte nicht den gewünschten Erfolg. Wahrscheinlich war ich nicht konsequent genug, wir haben zu schnell aufgegeben, wir hätten ihn noch ein paar Nächte schreien lassen sollen...keine Ahnung.
Heio drängt darauf, dass wir noch einmal eine Beratungsstelle aufsuchen. Ich bin zu müde dazu. Mir reicht es ehrlich gesagt mit den guten Vorschlägen.
Alles was ich suche ist jemand, der an meiner Seite ist, dem ich ab und zu mein Leid klagen kann, der mich nicht verurteilt sondern versteht und mir versichert, dass es irgendwann besser werden wird. Auch wenn ich es heute kaum glauben kann: sagt mir einfach, dass ich irgendwann aufwache und nicht mehr so müde sein werde!

Ich glaube das ist etwas, was wir alle brauchen können: jemand der unseren suchenden Blick erwidert und wir spüren, da ist jemand an meiner Seite der mich versteht.
Das gilt für müde Muttis genauso wie für Singles, die seit Jahren mit ihrer Einsamkeit kämpfen. Es gilt für Menschen die unter chronischen Schmerzen leiden, für solche die Probleme haben zu glauben, für homosexuell empfindende, für Alleinerziehende und für Kinderlose die so gerne Kinder hätten. Es gilt für Arbeitslose, für Gestresste, für Reiche und für Arme.

Wir sehnen uns nach jemand, der bereit ist, einfach zuzuhören. Mal kurz die Klappe zu halten. Gute Ratschläge können zur richtigen Zeit absolut hilfreich sein. Aber sie können auch manchmal erschlagen und Schuldgefühle auslösen.  Wir haben als Menschen eine tolle Fähigkeit bekommen mitzufühlen. Es geht nicht darum, dass wir genau dieselbe Situation erlebt haben, aber es gibt immer etwas wo wir mitfühlen können (z.B. muss man kein kleines Kind haben um zu wissen wie sich Erschöpfung anfühlt, obwohl- es hilft sicher ungemein dabei;-)). Ich glaube, das Problem ist, dass wir zwar vieles von uns selbst kennen, aber wir vergessen so schnell.

Vor einigen Jahren war ich in Mexiko auf einem Einsatz. Wir haben in einem armen Viertel in Wellblechhütten gewohnt und versucht die Menschen ein wenig zu unterstützen. Ich habe mir damals vorgenommen, die Armen nicht zu vergessen, dankbar zu sein bei jedem Mal, wenn ich eine warme Dusche habe oder eine Toilette spüle. Ich habe es schnell vergessen.
Ich war lange Jahre Single, sehr lange Jahre!!! So lange, dass ich denke, ich werde das Gefühl nicht vergessen wie es sich anfühlt abends in eine dunkle Wohnung zu kommen, alleine unter Pärchen zu sitzen bei denen sich alles nur um die Kinder dreht....und langsam merke ich, dass ich anfange zu vergessen und die Blicke der Alleinstehenden nicht mehr so gut auffangen kann.
Ich vergesse viel zu schnell und lasse mich von meiner eigenen Lebensrealität völlig einnehmen.

 Aber ich will lernen zuzuhören, nachzufragen: wie fühlt sich dein Leben an? Erzähl es mir bitte, ich versuche mich zu erinnern.... Und ich will nicht mit gutgemeinten Ratschlägen kommen aber vielleicht mit dem, was mich selbst auch tröstet: dass das Leiden vorübergehend ist.
Das Leben ist für die meisten Menschen auf diesem Planeten verdammt schwer (und ich rede hier nicht von meinen kleinen Schlafproblemen). Wir sollten nicht vergessen, dass wir Leidensgenossen sind, mitfühlen können und einander Mut machen können!

Gestern las ich in einem Buch von C.S. Lewis. Er berichtet darin über seine schwere Schulzeit in einem strengen Internat und schreibt dann über seine Schulfreunde:
"Wir kannten einander, hatten viel gemeinsam gelitten und das machte uns zu Kameraden."
 
Ich weiß nicht an was du gerade leidest, aber ich will dir ein bisschen Mut machen als Leidensgefährtin: unsere Not wird vorübergehen, ganz bestimmt.

Und unsere Welt hat auch viel schönes zu bieten, das will ich auch im Blick behalten - hier ein paar Bilder von unseren müden, schönen Tagen im Allgäu:







so lacht Samu wenn er seinen Papa vom Schlitten fallen sieht!:-)

Kommentare:

  1. Liebe Christina,
    Danke, ich sitze im gleichen Boot. Wir haben auch Schlafmonster und ich kenne auch nur ganz wenige, bei denen es so schlimm ist. Du scheinst dazu zu gehören! Beim ersten Kind habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht, beim zweiten kann ich es innerlich besser aktzeptieren. Und ich denke, ihr habt nichts falsch gemacht und es lässt sich nicht wirklich etwas verzwingen. Leider ist das eine sehr lange und sehr harte Zeit, wir werden definitiv kein 3. Kind bekommen (können)!!! Ich kann das soooo gut verstehen, ich habe auch überhaupt keine Kraft mehr für irgendeine Veränderung (neues Konzept/ Idee/ Beratung). In diesem Sinne wünsche ich Dir und mir:) gutes Durchhalten, ruhige Nächte und Zuversicht, Kraft und hin und wieder einen Mittagsschlaf!
    Herzliche Grüße, Christine

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  2. Liebe Christine! Danke für deine Worte! Auch wenn ich es jedem wünsche, dass sein Kind gut schläft- es tut doch sehr gut zu hören, dass es uns nicht alleine so geht (und du hast es ja gleich im Doppelpack- meinen größten Respekt!).
    Wünsche dir auch viel Kraft und möge es bald besser werden für uns!!! LG!

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  3. Liebe Christina, großartige Bilder hast du da gemacht! Danke für deinen ehrlichen Beitrag. Mathilda

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  4. Danke Mathilda! Schön, dass Du hier immer wieder vorbeischaust.
    Übrigens- deine Liste für`s neue Jahr gefällt mir sehr gut!:-) Liebste grüße!

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