Mittwoch, 25. Juli 2018

Sommerzeit

Wie immer sind wir im Süden ganz zum Schluß dran. Während einige von euch die Sommerferien schon (fast) hinter sich haben, beginnen sie bei uns mit dem heutigen Tag.
Einerseits habe ich mich sehr auf die Ferienzeit gefreut. Keine Hektik mehr am Frühstückstisch, verbunden mit der ständigen Panik des Erstklässlers, dass er zu spät zur Schule kommen könnte. Ich freue mich auf die langsameren Tage. Den Garten genießen, Eis schlotzen, Freunde einladen oder besuchen gehen und abends gemütlich mit Heio draußen sitzen. Der widmet sich gerade mit großer Hingabe seinem Hühnerprojekt. Nach vielen Einwänden meinerseits habe ich nun doch zugestimmt. Ich weiß, dass es ein langehegter Herzenswunsch von ihm ist. Und inzwischen freue ich mich sogar ein wenig darauf, dass wir bald das freundliche Gegacker von vier Zwerghühnern im Garten hören werden, die uns hoffentlich genügend Eier legen werden, dass wir sie auch noch an die Nachbarn verteilen können (die freuen sich nämlich schon auf das Federvieh!).

er baut gerade intensiv an dem Model des Hühnestalls :-)
Doch bevor wir die neuen Mitbewohner begrüßen können werden wir Mitte August noch ins Allgäu fahren. Darauf freue ich mich sehr! Und vielleicht schaffe ich es davor  meine zwei Jungs aufs Freakstock zu begleiten. Mal schauen. Einerseits würde ich gerne mal wieder dorthin gehen, und sei es nur um die alten Zeiten ein bisschen aufleben zu lassen. Aber allein schon der Gedanke an harte Isomatten, Menschenmassen und wummernde Bässe bis früh morgens macht mich unsäglich müde. Und da komme ich zum andererseits was meine Gefühle gegenüber der Sommerzeit angeht. So sehr wie man sich als Mama ja freuen sollte, dass man jetzt GANZ VIEL Zeit mit dem Kind verbringen kann - wir wissen ja: die Zeit muss man genießen und festhalten und all das - ich weiß jetzt schon, dass es nicht lange dauert bis ich eine genervte Mutter bin und meine Seele nach Ruhe verlangt, und das mit einer Intensität, als würde sie nach Luft japsen. So ist das bei mir. Und dieses Jahr kommt noch hinzu, dass selbst die größte Sommerhitze meine melancholische Grundstimmung nicht zum Schmelzen bringen kann. Meine Seelenlage passt einfach nicht in diese Jahreszeit! Wie gerne würde ich mich an einen stürmisch einsamen Nordseestrand setzen, in eine warme Decke gehüllt, und stundenlang auf das aufgewühlte Meer  starren. Stattdessen werde ich wohl, bei den über 30 Grad die wir heute erwarten, im Stuttgarter Vereinsbädle sitzen und gemeinsam mit ALLEN Müttern und Kinder unserer Umgebung nach einem Stehplatz im Wasser Ausschau halten und stundenlang auf die Uhr starren bis 5 Minuten vorbeigegangen sind. Na ja, vielleicht wird es nicht ganz so schlimm. Aber die Befürchtungen sind da; am Anfang dieser Sommerzeit.

Das alles habe ich Jesus heute morgen auch so gesagt. Und ich hatte den Eindruck er versteht das. Er sagt nicht: Du verwöhntes Mittelschichtkind, nun reiß dich zusammen und freu dich an dem was du hast (und mit was für schlimmen Verlusten müssen sich andere in diesen Tagen befassen, aufgrund der furchtbaren Waldbrände!). Aber Jesus weist mich nicht ungeduldig zurecht. Er kennt meine Seele. Und er liebt mich. Und ich habe aus meinem geseufzten Sofagebet einen Gedanken mitgenommen, eine Erinnerung die ich wie eine innerliche Postkarte in den Ferien aufstellen will: Vor einigen Jahren habe ich meine Freunde in Bern besucht und wir sind in der Aare geschwommen. Es war ein fantastisches Erlebnis! Man steigt in dieses geschmolzene, klare Gletscherwasser und lässt sich einfach mit der Strömung treiben (und man verdrängt dabei den Gedanken dass man den ganzen Weg wieder zurücklaufen muss; im Badeanzug!). Und genau das will ich in den nächsten Wochen versuchen: mich einfach ein wenig treiben lassen. Ich will nicht gegen den Strom anrudern.  Dazu fehlt mir auch einfach die Kraft. Ich will die Wärme dieser Jahreszeit aufnehmen, mit allem was dazugehört. Bring it on, summer! Wenn Du schon mal da bist dann werden wir Spiele für den schattigen Hof entdecken, Kinderbücher vorlesen und nochmal lesen, Im Garten sitzen und den Hühnerhausaufbau verfolgen, Gäste willkommen heißen, schwitzen was das Zeug hält, den Rasensprenkler anstellen, die Küche streichen, Brombeeren und Zuchinis aus dem Garten verwerten, dazwischen streiten und uns versöhnen  - alles bei offenem Fenster. Und wenn sich ein kleines Zeitfenster öffnet in dem ich vielleicht ein wenig schreiben oder lesen oder einfach nur vor mich hinstarren kann - hey, dann werde ich nicht gegen den Strom anrudern!

Ich muß Schluß machen. Gleich kommt zum letzten Mal ein Erstklässler aus der Schule zurück. Ein Jahr lang nicht zu spät gekommen - DAS muß gefeiert werden! Und dann cremen wir uns von Kopf bis Fuß ein, schnallen die Badetaschen auf den Gepäckträger und radeln los(und ich werde versuche das piepsende Geräusch im Ohr zu ignorieren das wie ein hohes, jammerndes, sich endlos wiederholendes: "Wann sind wir denn endlich da?" klingt). Wir werden uns in die Schlange vor der Kasse einreihen und dann nach dem Schwimmbad zwischen all den Menschen suchen. Manchmal ist der einzige Weg: Mittenrein. Und dann einfach treiben lassen. 




Lieblingsrezept für die Zuchiniverwertung aus Veronikas tollem Buch

Kleiner Nachtrag: Samu kam weinend aus der Schule. (eine halbe Stunde zu spät, weil er immer sämtliche Freunde ein Stück nach Hause begleitet) "Du hast doch Ferien, was ist denn los?" frage ich. "Ich werde die Viertklässler nie wieder sehen", schluchzt der Sohn. Da hat er wohl etwas von den melancholischen Genen der Mutter geerbt ;-)

Kommentare:

  1. Liebe Christina!

    Vielen Dank für diesen Post! Ich habe ähnliche Gefühle und Ängste... und warte gerade noch auf meinen Erstklässler! Und da wir direkt neben dem Freibad wohnen, wir quasi vom Wohnzimmer ins Becken gucken können, wird es mir heute Nachmittag wie Euch gehen! Noch kann man etwas Wasser sehen :-)!
    Ich werde mir Deine Zeilen zu Herzen nehmen und sie in den kommenden Tagen und Wochen öfter lesen... versuchen dem Sommer was Gutes abzugewinnen und mich treiben zu lassen... nicht gegen den Strom anrudern!

    In diesem Sinne wünsche ich Dir und Deiner Familie tolle und erholsame Sommerferien!

    A liebs Grüßle ganz aus der Nähe, Dagmar

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    1. Danke liebe Dagmar, für Deinen lieben Gruß! Das ist ja nicht schlecht wenn man vom Wohnzimmer aus ins Becken gucken kann- da könntest Du doch mit dem Fernglas auf dem Balkon bleiben, na ja, bei dem Erstklässler vielleicht doch nicht ;-)Wünsche Dir SEGEN für die Sommerzeit und dass wir Zeit finden um, mitten im Getümmel, die Seele baumeln zu lassen und die Tage so nehmen wie sie kommen.... Liebste Grüße zu Dir!!!

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  2. Wie ich mich einfach wiederfinde in deinem Post, liebe Christina! :)
    Ich begebe mich erst morgen auf die Suche nach dem Schwimmbecken zwischen all den Menschen... Einen schönen Sommer dir - be blessed.
    Fredi

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    1. Danke liebe Fredi! Wünsche Dir auch einen guten Sommer (den Satz habe ich jetzt schon dreimal angefangen, weil Samu mich ständig unterbricht , oh Herr gib mir Geduld, und zwar ganz schnell;-)). Liebste Grüße zu Dir zurück und viele frohe Momente in den kommenden Wochen!!!

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  3. Danke für den tollen Beitrag! Ich finde mich darin wieder...
    Mir fällt dazu Pippi Langstrumpf ein: "Und dann müssen wir ja auch noch Zeit haben, einfach nur dazusitzen und vor uns hinzuschauen."

    :)

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    1. Das ist ja ein super Spruch von Pippi Langsstrumpf!!! :-) Danke Melanie! Den muß ich mir unbedingt merken. Ganz liebe Grüße und hab einen guten Sommer (und heute Abend werden einfach nur dasitzen und den Himmel anschauen und hoffentlich einen roten Mond sehen!)

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