Montag, 6. März 2017

Hungrig im Keller

Es gibt so Momente im Leben, da würde ich am liebsten vor lauter Frust den Kopf rhythmisch auf die Tischkante hauen! Kennt ihr das? So ging es mir jedenfalls letzten Sonntag:
Anstatt in meine kleine, wunderbare Gemeinde zu gehen, habe ich mich, mit Samu im Schlepptau, auf den Weg zur Kirche meiner Schwester gemacht. Sie hatten einen interessanten Gastprediger, den ich so gerne mal hören wollte. Und außerdem ist dort eine tolle Kinderbetreuung mit vielen Spielsachen, direkt neben dem Gottesdienstraum. Ich war mir sicher: Samu würde da gerne mit den anderen Kindern bleiben. Bevor ich losfuhr sagte ich zu Heio ganz glücklich: "Ach, ich freu ich. Einfach mal wieder wo reinsitzen und auftanken. Ich brauche das jetzt so sehr!" Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: genau an diesem Sonntag fand zum ersten Mal eine Kinderbetreuung für die "Großen" (ab 5 Jahre) statt - in einem Kellerraum!  Und während ich mit Samu den Weg dorthin durch ein dunkles Labyrinth von Gängen lief, wurde mir klar: hier unten bleib er niemals alleine! Hier unten würde ICH niemals alleine bleiben!  Hier erwartete uns auch keine wilde fröhliche Kindergruppe, stattdessen saß da noch ein einsamer Vater, von seiner ängstlichen Tocher fesgeklammert, auf dem Sofa. Ein Leidensgefährte. Wir sahen uns in die Augen uns wussten: hier kommen wir nicht wieder raus, ohne unsere Kinder. Und während oben die Predigt gehalten wurde, auf die ich mich so gefreut hatte, saßen wir im Keller und spielten die Geschichte vom verlorenen Schaf nach. Mäaaah. Ich hätte heulen können, so frustriert war ich. Und so hungrig.

Wahrscheinlich war das dann der Grund, dass ich mich ein paar Tage später, trotz absoluter Müdigkeit, auf den Weg zu einem Abendgottesdienst gemacht habe. Meine Schwester hatte mich begeistert informiert, dass dort ein wunderbarer Gastprediger aus Amerika sein würde, der auch immer wieder direkte Worte von Gott für die Zuhörer bekommt.  Eigentlich stehe ich gerade nicht so auf amerikanische Gastredner. Aber ich war hungrig! Und sowas von bereit. Jesus, wenn du mir was sagen willst - hier bin ich! Bring it on!!!  Die Gruppe war auch nicht so groß, also rechnete ich mir gute Chancen aus mit einer Prophetie in der Tasche nach Hause zu gehen. Allerdings saß ich direkt hinter einem Pfosten, so dass ich den Prediger nicht sehen konnte - und der sah mich natürlich auch nicht! Mein Schwager, der zwei Plätze neben mir saß, NICHT hinter einem Pfosten, bekam eine ermutigende Botschaft. Ich gönne es ihm. Ehrlich. Aber ich bin schon ein bisschen deprimiert nach Hause gefahren (und tröstete mich mit dem Gedanken: wenn das ein echter Prophet gewesen wäre, hätte er mich durch den Balken hindurch gesehen! Haha.)

Und dann war ich am Samstag bei meiner Mutter im Schwarzwald. Was ich nicht wusste: in meiner Heimatkirche, direkt neben meinem Elternhaus, war an diesem Samstag ein Tagesseminar mit Johannes Hartl. Einer meiner Lieblingsprediger! Die Kirche stand offen, jeder konnte dazukommen. Aber ich wusste: mit Samu zusammen macht das keinen Sinn (und meine Mutter ist leider nicht mehr so fit, dass sie ihn alleine beschäftigen könnte) Also ging ich mit meinem Sohn auf den Spielplatz, mit der Bibel in der Tasche, und war dort mit Sicherheit die frustierteste Mutter der Welt!!! 
Ich weiß, alles nicht so dramatisch. Und - dass ihr keinen falschen Eindruck bekommt: ich renne normalerweise nicht ständig irgendwelchen "wichtigen" Christen hinterher. Überhaupt nicht. Aber manchmal staut sich in mir so ein Hunger nach Gott an und ich habe das Gefühl ich finde ihn einfach nicht.  Oder ich sitze hinter einem bescheuerten Pfosten und er sieht mich nicht!

Gestern habe ich dann in unserer Gemeinde gepredigt. Seit langem mal wieder. Über die Geschichte wie Maria und Joseph ihren 12-jährigen Jesus verloren hatten und drei Tage lang (!!!) nach  ihm suchen mussten, bis sie ihn wiederfanden. Ich predigte darüber wie wir Jesus "verlieren" können und ihn manchmal einfach nicht finden und uns fragen wann und wo wir ihn zum letzten Mal gesehen haben. Und während ich gepredigt habe, hat mich so eine unglaubliche Sehnsucht nach Jesus erfasst! Es war, als hätte GOtt die ganzen Tage zuvor trockenes Holz in meinem Herz aufgeschichtet um jetzt einmal kurz reinzupusten und das Ganze zum Brennen zu bringen. Alles in mir war Sehnsucht. Alles was ich sagte war so voller Hunger. Nach der Predigt war ich naßgeschwitzt, wie nach einem 1000-m Lauf!
 Und dann feierten wir gemeinsam das Abendmahl. Ich nahm den Traubensaft und das Brot aus den Händen meiner Weggefährten und es hat so wunderbar geschmeckt, als hätte ich seit drei Wochen nichts gegessen. An dieser kleinen Tafel hat Gott mich leise lächelnd wieder satt gemacht.

Ich glaube manchmal braucht Gott uns hungrig. Manchmal nimmt er unsere ganze Verzweiflung. Unser Warten. Unsere Sehnsucht. Unseren Frust. Manchmal lässt er es zu, dass wir hungrig von seinem Tisch aufstehen, dass wir hinter Balken sitzen und in einem Kellerloch feststecken und nur noch "Mähhh" rufen können. Und dann wird unsere Sehnsucht irgenwann zu Feuer, weil er mit seinem Geist in unser Herz bläst.  Und dann findet er uns wieder. Und macht uns satt. Alle zusammen. Mit nur einem kleinen Schluck Saft und einem Brocken Brot.(und dass ICH von so etwas satt werde ist wirklich ein Wunder!)

An alle Mamas, die hungrig auf den Spielplätzen der Welt sitzen: Das ist besonders für euch!!!!  Gott vergisst uns nicht. Am Ende ist er IMMER der Gott der uns sieht. Und der uns, manchmal nach langem Warten, wieder satt macht. Und dazwischen segnet er uns mit Sehnsucht....


Kommentare:

  1. Kerstin von der Ostsee7. März 2017 um 11:31

    Danke, Christina - fürs Erinnern! Das brauche ich gerade!
    Liebe Grüße von der Ostsee
    Kerstin

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  2. Danke! Tut sehr gut, das zu lesen.

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  3. Danach war mir in letzter Zeit auch:den Kopf rhythmisch auf die Tischplatte schlagen, oder sich wild trommeld auf den Boden werfen...keines von beiden hab ich dann wirklich gemacht, obwohl ich nahe dran war...ungerecht behandelt zu werden tut weh und macht wütend!
    Jesus hat mich auch mit diesen Worten getröstet, dass er mich sieht, mit allem in mir und drumherum, auch seine Einladung mich ihm zu überlassen, dass ER sich um die Dinge kümmert, die ich nicht beeinflussen kann, hab ich gerne angenommen und bin dabei es immer mehr zu lernen.

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    1. Hallo Tina! Schön, dass du hier kommentierst ! Ja, der Gedanke, dass Gott es sieht, ist echt ein Trost! Weil er am Ende auch gerecht ist und Dinge aufdecken und ans Licht bringen wird....das glaube ich. Segen zu Dir!!! (hab den Rest gelöscht :-)).

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    2. Dankeee��!!

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