Dienstag, 19. April 2016

froh dabei zu sein!

Ein turbulentes Wochenende liegt hinter uns. Wir waren auf Gemeindefreizeit. Neben vielen kleinen Erlebnissen und Begegnungen habe ich auch eine Mandelentzündung mit nach Hause gebracht. Und morgen muß ich hier einen Kindergeburtstag schmeißen. Hilfe! Eine Mama-Freundin hat mich am Samstag mit ihrer Frage was für eine Mottoparty wir denn vorbereiten schon in leichte Panik versetzt. Wir haben kein Motto! Ich dachte an einen einfachen Old-School-Geburtstag mit Topfschlagen, Schatzsuche, im Garten rennen und süßes Zeug essen. Und jetzt sieht es ganz nach einem Krankenhaus-Motto aus. Ich inhaliere, mache Meerrettich- und Zwiebelwickel und hoffe GANZ SCHNELL gesund zu werden. Samuel betet heute morgen inbrünstig: "Lieber Gott, bitte mach die Mama gesund" Pause. Ich bin gerührt. "damit sie mir Kuchen backen kann!" Aha. Hab mit Heio beschlossen, dass wir die Pläne ein bisschen ändern: Aus Schneckennudeln und Rhabarberkuchen werden Backmischung für Schokokuchen und Brezeln. Vom Ideal zur Wirklichkeit :-). 


In Gedanken bin ich noch bei den vergangenen Tagen. Und ich muß an den Satz von Bonhoeffer denken, dass christliche Gemeinschaft kein Ideal ist das wir schaffen müssen, sondern vielmehr eine Wirklichkeit an der wir teilhaben können. Ich finde das trifft es so gut. Diese Wirklichkeit von Gemeinschaft kann manchmal ziemlich anstrengend sein. Aber sie gehört für mich auch zu den größten Geschenken die ich in meinem Leben habe.  Deshalb muß ich ab und zu davon schwärmen. Auch wenn ich weiß, dass sich manche vielleicht damit schwer tun. Weil sie es eben nicht als Geschenk erlebt haben (auch nicht bei uns). Und das macht mich traurig. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir nicht dazu geschaffen sind alleine hinter Jesus herzustolpern. Auch wenn unsere Gesellschaft den Individualismus hochhält als wäre es die beste Art zu leben. Ich glaube das nicht. Ich glaube wir brauchen einander. Und meine Weggefährten haben mir schon so viel Mut gemacht. Am liebsten würde ich euch hier ein paar Leute vorstellen und ihre Geschichten erzählen. Mit manchen von ihnen bin ich ja schon über 20 Jahre unterwegs. Da erlebt man so einiges miteinander. Wir haben zusammen gefeiert und wir haben Kämpfe ausgetragen - wie man das in jeder guten Familie halt so macht. Wir haben versagt, miteinander geweint, zusammen Sturm gebetet und unser Glück miteinander geteilt. Auch wenn unser Glück manchmal an dem größte Schmerz des anderen rührt. Unsere Geschichten verbinden uns, aber vor allem verbindet uns, dass wir irgendwie noch immer zusammen Jesus nachfolgen wollen.
Am Sonntagmorgen stehe ich müde und mit Halsschmerzen im Abschlussgottesdienst. Ich versuche mich auf Gott zu konzentrieren und ihn anzubeten. Plötzlich zieht jemand an meinem Rock: "Mama, ich muß Stinker." Ich seufze. Wir eilen davon. Das Geschäft wird sauber erledigt und ich stelle ich mich wieder in meine Reihe um weiterzusingen. Und wieder zerrt es an meinem Bein. Dieses Mal ist es die kleine Johanna. Ich hab hier schon mal über sie berichtet. Das kleine Mädchen kam mit einem Herzfehler auf die Welt und hat über Monate mit dem Leben gekämpft. Ich weiß nicht wann ich zuletzt mit so einer Verzweiflung gebetet habe wie in dieser Zeit. Das ist jetzt über zwei Jahre her. Der energiegeladene kleine Blondschopf wackelt heute fröhlich zwischen uns hin und her. Johanna streckt mit ihre Hände entgegen und will hochgehoben werden. Wir tanzen ein bisschen zusammen, sie strahlt mich an und dann zieht sie wieder davon. Zum nächsten Hosenbein.
Und ich denke mir - Mensch, genau das ist es: Wir loben Gott zusammen, oft ziemlich müde, und dazwischen wechseln wir Windeln, helfen uns gegenseitig mit den Dingen wo wir alleine nicht klarkommen, halten den Gestank miteinander aus und versuchen uns zu lieben. Und ehrlich: alles das ist ganz weit weg vom Ideal einer Traumgemeinde. Und dann zupft immer wieder ein kleines Wunder an unserem Hosenbein und erinnert uns daran, dass Gottes Wirklichkeit mitten unter uns aufwächst. Und ich bin unendlich dankbar, dass ich dabei sein darf.
















Kleiner Nachtrag:  Gerade hier gelesen .So schön. Männer brauchen sowas auch:-). Weggefährten...

Kommentare:

  1. <3

    Tröste dich, bei mir ist es eine virusinfektion. Trotzdem, es war sooo schön! Danke!

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    1. oh nein! Dann mal gute Besserung. Hoffe ihr seid am SOnntag wieder fit. So schön, dass ihr dabei wart (muß immer noch lächeln, wenn ich an die Abendrunde mit den Kindern denke. Es war toll!)

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  2. Danke für den Blog-Link. Der ist Hammer! Hab gerade schon einige Tränen verdrückt.....

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    1. Ja, nicht wahr? Immer mal wieder findet man Juwelen in der BloggerWelt...

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  3. So true. :) Im Hauskreis haben wir gestern darüber geredet, was uns so ausmachen soll. Oft wird das Wort "abschweifen" verwendet, aber wir haben gemerkt, dass unsere Gemeinschaft ein Ort sein soll, wo wir gemeinsam abschweifen dürfen, zu Themen, die uns ausmachen und beschäftigen. Es ist leicht, sich hinter Bibelversen zu verstecken, wenn man sie nur theoretisch bespricht und dabei das eigene Leben davon zu trennen. Dadurch ändert sich nicht viel. Und selbst, wenn wir merken, was die anderen beschäftigt und dass sie dabei vielleicht manchmal einen Knick in der Optik haben, dann können wir für diese Punkte beten und schauen, wie Gott an ihnen und uns etwas tut. Danke für den Post! lg, Anne

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    1. Wie wahr, liebe Anne, "abschweifen" zu dem was uns bewegt ist immer was gutes! Und am Ende sind alle unsere Gedanken wie "Flugtauben zu Gott hin" ( weiß nicht mehr wer das gesagt hat, aber es gefällt mir:-)). Das Leben landet immer bei dem, der das Leben ist, nicht wahr? Viel Segen für euren Hauskreis und für dich!!!

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  4. Schön! Das Bild von Achim und Samu ist der Hammer!

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    1. JA, das gefällt mit auch ganz besonders. Samu wurde dabei erwischt, dass er seine Parkgebühr nicht bezahlt hat ;-).Unser toller Achim....GRUß und Umarmung zu Dir!!!

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