Mittwoch, 4. Februar 2015

Die lieben Nachbarn und der fiese Typ in meinem Herz

Auf manche Begegnungen könnte ich gerne verzichten. So wie diese, vor ein paar Tagen: Ich bringe Samu zur Kita und meine ältere Nachbarin ruft mir zu:
 
Ach wie schee, geht dr Bub in dr Kindergarda? Dann kennet se jetzt endlich wieder was schaffa ganga!“ 

 Übersetzung für Nichtschwaben:
Wie gut, ihr Sohn geht in den Kindergarten, dann können sie endlich wieder arbeiten gehen.“ 
 
Übersetzung in meinem Kopf:
Jetzt wo ihr einziges Kind morgens nicht mehr zuhause ist, werden sie doch hoffentlich wieder ein nützlicher Teil der Gesellschaft werden und mehr arbeiten gehen und nicht weiterhin faul zuhause rumhängen!“

Mag sein, dass das ein bisschen zu frei übersetzt ist, aber ich kenne die Schwaben. Und weil ich selbst dazugehöre antworte ich lächelnd: „Ja, ja“ und sage nicht das, was ich eigentlich sagen sollte:
Nein. Mein Sohn schläft nachts noch sehr schlecht, ich bin oft so müde, dass ich wie ein Zombie durch die Gegend laufe und bete, dass meine Kraft bis abends reicht und ich nicht schon am frühen Nachmittag hysterisch weinend zusammenbreche. Danke für ihre freundliche Nachfrage aber, NEIN. Ich werde vorerst nicht noch mehr arbeiten gehen. Einen schönen Tag noch!“

Aber ich sage es nicht. Vielleicht deshalb, weil ihre Worte nur eine Wiederholung dessen sind, was mein eigener innerer Antreiber, dieser fiese Typ, mir oft genug sagt: 
"Du solltest wirklich mehr auf die Reihe bekommen. Von was bist du denn so fertig, ich meine -hallo: du hast ja nur ein Kind! ...." Und dann zeigt er mir die anderen Mütter.  Natürlich nicht diejenigen denen es so ähnlich geht wie mir, sondern die "Supermamis" die ihre 5 Kinder gut gestylt schnell in der Kita abgeben und dann voller Elan und Leichtigkeit (so bilde ich mir das zumindest ein)  zur Arbeit gehen. Ich habe mir angewöhnt Samu auch schnell abzugeben und zurück zum Auto zu spurten. So sehe ich wenigstens so aus als wäre ich auf dem Weg zu einer wichtigen Geschäftsbesprechung, haha. Aber ich gehe nur schnell nach Hause (und ich schließe leise das Gartentor hinter mir zu und hoffe die Nachbarn stehen nicht hinter dem Fenster und sehen, dass ich schon wieder da bin).


ob die Nachbarin auch diese Treppenstufen besprüht hat?!

Ach, habe ich schon erwähnt, dass ich die Mitarbeit beim Asylantenheim jetzt vorerst auf`s Eis gelegt habe? Ich habe es wirklich versucht, bin immer wieder hingegangen um dann doch festzustellen: meine Kraft reicht auf längere Sicht leider dafür im Moment nicht aus.
So sieht`s aus Freunde. Es reicht nicht mal zum ehrenamtlichen Dienst.

Wenn die ganzen anklagenden Stimmen mir mal wieder das Leben schwer machen wollen, dann hilft es, wenn ich über mich selbst so nachdenke als wäre ich eine gute Freundin von mir und jemand um den ich mich sorge und dem ich gutes will (klingt ein bisschen schizophren, ich hoffe ihr wisst was ich meine).
Dann würde ich mir das alles anhören und mir würde so vieles einfallen was ich gerne dazu sagen würde: „Mach dir doch keinen Stress. Sag dem fiesen Typ in dir, er soll gefälligst die Klappe halten. Hör auf dich zu vergleichen. Ist doch scheissegal was andere über dich denken (wenn sie überhaupt über dich nachdenken!). Schau mal wo du herkommst, wie du jahrelang über deine Grenzen gelebt hast, du brauchst Erholung und das nicht nur zwei Tage um dich dann wieder kaputt zu machen...“ Und alles das wäre richtig und wahr. Und ich muss es immer wieder hören.

Aber ich glaube was ich am meisten hören müsste wäre:
Christina, was sagt denn Jesus zu dir? Ist das nicht wichtiger was die Leute sagen und was du selber über dich denkst? Kannst du ihm vertrauen?

Und wenn ich die sanfte Stimme in mir, von der ich hoffe dass es Jesus ist, richtig verstehe, dann sagt sie mir etwas ganz anderes als meine Nachbarin und mein unruhiges, angetriebenes Herz. Sie sagt mir, dass ich zur Ruhe kommen soll, dass ich nichts beweisen muss, dass ich Zeit brauche um heil zu werden, ein wenig öfters in die Sonne zu sitzen, meine Lieblingsbücher zu lesen, zu schreiben und durchzuatmen. 

Diese Worte klingen nach einer guten Nachricht. Sie klingen aber auch nach einer guten Ausrede. Aber eigentlich denke ich nicht, dass es das ist. Eigentlich glaube ich tatsächlich, dass Jesus das zu mir sagt.
Und darum geht es doch bei der ganzen Sache mit Gott und dem Glauben, oder? Dass ich mich entscheide auf die richtige Stimme zu hören und ihr zu vertrauen. Egal was die andern sagen. Das will ich wirklich lernen.

"Know that you`re loved and live like it`s true." E.Freeman

Und noch eine gute Nachricht die ich in diesen Tagen bekommen habe: ich habe nun tatsächlich den Auftrag ein Buch zu schreiben. Bis August soll das Manuskript fertig sein. Deshalb werden vielleicht in den nächsten Wochen die Blogbeiträge etwas kürzer, aber ich werde auf jeden Fall versuchen weiterhin jede Woche ein kleines „Lebenszeichen“ schicken.

Und für meine Nachbarin kann ich ja ein Schild basteln: 
Ich arbeite von Zuhause aus. Bin jetzt Schriftstellerin.
(Aber bei den Schwaben ist so ein Geschreibsel über sich selbst ja auch „nix gscheites.“, von daher lasse ich es wohl lieber).

Kommentare:

  1. Liebe Christina, wir können es nie richtig machen. Denn ich habe mich, nicht aus Langeweile oder wegen der Karriereleiter, sondern schlichter Notwendigkeit, nach beiden Kindern als sie ein Jahr alt waren, wieder zur Arbeit geschleppt. Vom Nachbar musste ich mir sagen lassen: Meine Frau hat sich damals um die Kinder gekümmert. Da wollten die Frauen nicht alle Arbeiten gehen.
    Und in meinen Ohren klang es nur vorwurfsvoll...
    Hab es auch nicht geschafft,einfach auf Durchzug zu schalten!
    Wünsch Dir viele gute Gedanken beim Buch schreiben, und home office hört sich ja auch immer gut an!
    LG Angela

    AntwortenLöschen
  2. Ja, liebe Angela, da sagst du was wahres: egal wie man`s macht,man kann es den Leuten nie recht machen und hey, home office ist gut! Danke für den Tipp:-)

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Christina,

    ich kann das gut verstehen. Ich habe auch diese Stimme, die sagt "nicht genug geleistet"
    (vermutlich hat die jeder)
    Die Stimme vom Heiland in Deinem Kopf ist der in meinem Kopf seeeehhhr ähnlich. Ich denke er ist wirklich so nett.
    Bin gespannt wie das Schreiben und die bewältigung der Selbstzweifel wird.
    You go girl!!!

    mesii

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Christina, ich glaube diese Stimme kennen wir alle, und ich hab so das Gefühl, dass sie uns unser ganzes Leben begleiten wir,ziemlich hartnäckig, dieses blöde Stück, und bei mir merke ich, dass ich den Menschen oft böse Absichten unterstelle, manchmal mir aber mein Gehirn falsche Dinge suggeriert, weil die Stimme das so haben will. Es ist so tröstlich, dass Jesu uns damit nicht alleine lässt sonder wir lernen dürfen damit umzugehen (wenn uns das Tempo manchmal auch etwas zu langsam scheint....) jedenfalls freu ich mich schon heute seeeeehr auf dein Buch! lg Stefanie

    AntwortenLöschen
  5. Wie schön - ich kam auf deinen Blog durch den Blog von Vroni.
    Es ist voll schön du sprichst mir aus dem Herzen (bin auch Mutter von "nur einem" Sohn - der aber ziemlich lebendig - fast schon hyperaktiv ist). Vielen Dank für diesen schönen Beitrag.

    LG Sonja

    AntwortenLöschen
  6. Danke Mesii und Stefanie für euer Kommentar! Gerade wenn ich so über meine Schwächen schreibe, tut es so gut zu merken, dass es nicht nur mir so geht. Danke für eure Ermutigung.
    Und wie schön, liebe Sonja, dass du hier gelandet bist! liebste Grüße von wilder-Jungs-Mama zu wilder-Jungs-Mama...viel Kraft und Segen dir!!!

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Christina

    ja, so geht es mir auch. Ich habe auch jahrelang über meine Grenzen hinweg zuviel gegeben. Und wie schon an anderer Stelle erwähnt, habe ich auch ein Schlafmonster von 3 1/2 Jahren. Und noch ein frisches Schulkind. ich gehe auch nicht arbeiten! Ich schaffe das auch nicht. Und das ist okay! Das muss ich mir auch ständig selbst sagen. Heute habe ich mit eienr Bekannten telefoniert, sie hatte den Mut, sich eine Haushälterin für 10 Stunden / Woche zu nehmen mit zwei kleinen Kindern. Sie ist auch nicht berufstätig. Das hat mir wirklich imponiert, dass sie sich das eingesteht, egal WAS die Leute denken. Sie sehen ja nicht in unser Herz/ unsere Kräfte ect. Wir leisten genug im Hintergrund! Und ohne meinen Glauben, der mich immer wieder druchträgt, ginge schon lange gar nix mehr. Wie heute, das Telefonat und jetzt dein Beitrag, den ich hier entdeckt habe, das ist ein GEschenk Gottes, damit ich heute mich nicht verrückt mache mit allen Aufgaben, die noch vor mir liegen. Herzlichen Dank! Ich fühle mich sehr verbunden mit Dir! Christine

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Christine! Vielen, vielen Dank. wenn ich deine Worte lese fühle ich mich auch sehr mit dir verbunden. Ganz liebe Grüße zurück, viel Kraft dir-und mir- für die Nächte, die zu kurz sind und die Tage die manchmal zu lang sind (und das mit deiner Bekannten und der Haushälterin finde ich auch toll!).

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Christina,
    lass dich nicht von diesen Bemerkungen deiner Nachbarn unterkriegen. Als Mutter schafft man so iuel nur leider ist die Anerkennung dafür nicht all zu hoch. Und dann schreibst du noch. Was für eine großartige Sache! Ich wünsche dir viel Spaß und Kraft bei dieser Herausforderung- ich bin schon auf das Buch gespannt!
    Glg Lena

    AntwortenLöschen
  10. danke Lena! Liebe Grüße auch zurück zu dir (und du schreibst auch sehr schön! Leider konnte ich kein Kommentar auf deinem blog hinterlassen, deshalb auf diesem Weg:-)).

    AntwortenLöschen