Dienstag, 10. Februar 2015

Geschichten an den Wänden

Wenn ich zum ersten Mal bei Freunden zu Besuch bin, dann interessiert es mich vor allem wie die Wände gestaltet sind. Egal wie groß oder klein die Wohnung ist, wie schäbig oder elegant die Einrichtung... was an Bildern, Sprüchen und Fotos an den Wänden hängt, sind oft wie kleine Geschichten die davon erzählen was uns bewegt, was wir schön finden und was wir lieben.

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine kleine Schreibecke in unserem Wohnzimmer eingerichtet. Und dabei habe ich gleich ein paar neue Bilder, Sprüche und Fotos an den "Baum" gehängt. 


Und weil  das Bloglesen ja wie ein kurzer Besuch im Leben des Anderen ist, dachte ich mir,  ich zeige euch einfach mal was meine Wände so erzählen. Schön, dass ihr da seid, schaut euch um, willkommen in meiner kleinen Ecke!



STILLE.
Dieses Schild hat eine Freundin für mich gemacht und erinnert mich an daran, wie dringend meine Seele es nötig hat still zu werden (ich weiß nicht warum ich das ständig vergesse!). Ruhig werden. In Jesus versinken. Wie in einen See mit glatter Oberfläche kann ich dann besser auf den Grund schauen von dem was mich bewegt, was ich brauche und wo ich hingehöre.

JESUS REDEEMS EVERYTHING.
Dieser Satz habe ich von Maggie Barakintze gehört. Sie war Zeugin einer Hinrichtung im schrecklichen Bürgerkrieg zwischen Tutsis und Hutus in Burundi. Sie hatte zu dem Zeitpunkt 7 Kinder adoptiert und weigerte sich den Rebellen zu sagen welche von ihnen zu welcher Völkergruppe gehörten. Nur knapp entgingen sie dem Tod. Später gründete sie das Waisenhaus "Masion Schalom" und hat in vielen Jahren über 10 000 Waisenkinder aufgenommen, Hutus und Tutsis. Sie sagt: " Ich weiß, ich kann keinen Krieg beenden, aber ich kann den Krieg in meinem Herzen und in dem Herzen der Kinder beenden. Liebe siegt. Jesus kann alles erlösen." 
Deshalb bedeutet mir der Satz sehr viel und er strahlt Hoffnung auf alle leidvollen, dunklen Geschichten dieser Erde.

Und ich liebe dieses Bild, von dem kleinen Sohn in unserem Urlaub vor fast 2 Jahren:


So wild er auch ist - manchmal steht er einfach nur eine ganze Zeit lang da und schaut und schaut und nimmt alles in sich auf.
Wenn wir  die guten Geschichten erfassen wollen, dann hilft es einfach still da zu sein, wach für das Alltägliche, interessiert an den Kleinigkeiten und dem Besonderen. Das will ich von Samu lernen.


In die Ecke habe ich diese Postkarte gehängt. Wir legen unsere Wünsche in Gottes Hände.
Ich habe diesen Satz in einer Endlosschleife in mir wiederholt, als ich blutend in einem Krankenwagen lag und dachte ich verliere meinen größten Herzenswunsch. Er war wie ein Anker den ich in Richtung Gott geworfen habe.
Die Karte erinnert mich daran, dass so vieles im Leben außerhalb meiner Kontrolle liegt, dass es keine Garantien gibt, dass ich immer wieder alles in Gottes Hände legen will. 

Darüber ist ein Geschenk von Samu. "Ein Stück Himmel für dich, Mama!", hat er gesagt. Ich muß jedes Mal lächeln, wenn ich es anschaue. Es macht mich dankbar für alles Gutes was heute da ist.


Auf dem Schreibtisch liegt ein Zettel mit diesem Satz, den ich vor ein paar Tagen von Vicky Beeching gehört habe. Die christliche Musikerin berichtet über ihr comeing out und die langen inneren Kämpfe in den Jahren davor. An ihrem 35. Geburtstag hat Vicky sich entschieden ihr Schweigen zu brechen und ihre Geschichte zu erzählen. Damit hat sie ein Fenster aufgestoßen, für sich, heraus aus Scham und Isolation, und anderen Mut gemacht und gezeigt, dass sie nicht alleine sind. Ehrliche Geschichten können so etwas.

Apropos Mut: dieses Zitat von Emily Freeman habe ich auch an die Wand gehängt:


Das will ich: Mich selbst anschauen, wie ich bin (nicht wie ich gerne wäre) und gleichzeitig Vertrauen, dass Jesus durch meine Schwachheit durchleuchtet wie Sonnenstrahlen durch ein zerbrochenes Gefäß. durch mein Mensch-sein,  auch durch mein Dunkel und meine Kämpfe, durch die Worte, die von meinen faltigwerdenden Händen auf den Bildschirm gebracht werden.

Unsere Geschichten sind größer als wir.
 
Wenn wir genau hinhören und sie miteinander teilen, können sie uns ermutigen, können wir erfahren, dass wir nicht alleine sind. 
Manche Passagen können wir frei schreiben, manches wird vorgegeben, ist außerhalb unserer Kontrolle, aber die Art wie wir darauf reagieren, wie wir die Dinge sehen, wem wir uns anvertrauen...das alles gibt der Geschichte die entscheidende Richtung.

Einige Geschichten liegen noch im Dunkeln, andere lassen schon das gute Ende ahnen.

JESUS REDEEMS EVERYTHING.

Das macht mir Mut mich in meine kleine Ecke zu setzen und zu schreiben.

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