Donnerstag, 28. November 2013

Was bleibt, was kommt?

Die letzten Tage bin ich mit Samu und meiner Nichte nach Hause gefahren, 
zu meiner Mutter in den Schwarzwald.
Ich sage immer noch: „nach Hause“, auch wenn ich seit ganz langer Zeit nicht mehr dort wohne. Aber es ist der Ort an dem ich aufgewachsen bin, wo mir jede Straßenecke vertraut ist und überall Erinnerungen und Geschichten stecken.
Und doch - das Leben geht weiter, auch bei diesem langsamen Rhythmus auf dem Land.
Meine Schulkameraden haben zum großen Teil hier ihre Häuser gebaut und Kinder großgezogen. Aldi und Co sind auf dem Vormarsch und die kleinen Läden verschwinden, einer nach dem anderen. Das gefällt mir nicht. Am liebsten hätte ich, dass alles so bleibt wie es früher war. 
Ich hätte es so gerne, dass mein Papa noch die Treppen heruntereilt, um mir die schwere Taschen abzunehmen um dann meinen Geschichten von der „großen weiten Welt“ zu lauschen. So gerne sind wir dann bei stürmischem, kaltem Wetter in den Bergen spazieren gegangen. Ich habe es geliebt - seine starken, weit ausholenden Schritte neben mir.
Aber die Schritte wurden schwächer und langsamer, bis sie zum Schluss nicht mehr gehen konnten. Jetzt trage ich das Gepäck selbst nach oben und vermisse ihn.

Auch meine Mutter befasst sich mit ihrem irdischen Lebensende. Es fällt mir schwer, aber ich bewundere es auch an ihr. 
Manche Menschen können sich nicht mit ihrer Sterblichkeit befassen, wenn sie auch noch so alt sind.  Meine Mutter hat sich vorbereitet:
den Ablauf ihrer Beerdigung festgelegt, uns ihr Vermächtnis aufgeschrieben und die Wohnung von allem überflüssigem freigemacht. So genießt sie jetzt noch ihre Enkel und die schönen Erinnerungen, um dann im stillen Vertrauen dem entgegenzugehen, dem sie ihr Leben lang nachgefolgt ist.

Aber wenn ich Zuhause bin, nehme ich auch das wahr, was an Neuem nachkommt.
Ich sehe Samu, wie er voller Energie auf die Klaviertasten einhämmert, die auch unter den Händen von mir und meiner Schwester so gequält wurden. Er platzt fast vor Lebenslust und Neugier auf alles was kommt. Alles ist neu, unberührt und um jede Ecke warten Überraschungen. Er ist gestern zum ersten Mal Bob gefahren - was war das für ein Staunen! Wie herrlich seine Freudenschreie bei der rasanten Fahrt zu hören.

Dann sehe ich meine Nichte, voller Träume und Pläne
Ihre Zukunft liegt offen vor ihr - in diesem Alter ist alles noch möglich (zumindest scheint es so).
War ich nicht erst gestern selbst in diesem verheissungsvollen Lebensabschnitt?
So kommt es mir vor...

Und dann schaue ich mich an und denke: 
Gott, was kommt noch? 
Hast du noch etwas vor mit mir? 
Ich meine, ich bin gerne Mama (!), aber ich merke ja jetzt schon, dass Samu sich langsam loslöst und ich wieder kleine Freiräume bekomme. Wie soll ich sie füllen (nachdem ich wieder zu Kräften gekommen bin - wird mein Mann jetzt sagen!)?
Zurück in den stressigen Sozialjob oder kann ich auch noch träumen von unbegangenen, neuen Wegen? 
Alles in allem lässt mich der Besuch Zuhause immer etwas melancholisch werden (wie man an diesem Post deutlich merkt).
Aber es fordert mich auch neu heraus zu vertrauen, dem meine Hand hinzustrecken, der alle Zeit in seinen Händen hält. 
Er bleibt bei uns, in allen Lebensphasen und er wird es gut machen:
- für meine Mutter,  wenn sie die letzte Steigung hier bewältigen muss (alt werden ist wirklich nichts für Feiglinge!)
- für den kleinen Sohn, dessen Seele noch formbar ist wie Wachs, der viel Gutes und Schönes aufnehmen wird und leider auch manches Schwere 
- für meine Nichte, die erleben wird wie Träume wahr werden und manche Träume auch zerplatzen
- für mich, wenn ich meine Grenzen gnädig annehmen kann und vielleicht auch darüber staunen werde, wo sich noch ganz ungeahnte, spannende Wege auftun.

In jedem Fall glaube ich eines:
Die Zukunft liegt für uns alle noch vor uns.
Oder -  wie es mal ein Mann Gottes gesagt hat:
Das Beste kommt noch!!!





Kommentare:

  1. Mehr als tausend Worte...
    Gefühlvoll, lebendige Erinnerung, Melancholie!
    Ich bin sehr berührt.
    Sei lieb gegrüßt, Steffi

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  2. Danke Steffi. Liebe Grüße an Dich zurück!

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