Dienstag, 5. Februar 2019

Jesus ist nicht in der Steckdose.

Heute morgen ruft Samuel: "Mama, ich glaub ich hab grade Jesus im Garten gesehen!" Wow. Wie cool! Ich schaue raus, sehe aber nur kahle Äste und schlammigen Boden. Kurze Zeit später öffne ich die Balkontür, um frische Luft ins Wohnzimmer zu lassen. "Lässt du jetzt Jesus rein?", fragt ein neugieriges Stimmchen hinter mir. "Klar, komm rein Jesus, herzlich willkommen!" Wir machen das "Spiel" ein bisschen weiter. Samu fragt mich was Jesus antwortet und in welchem Zimmer er jetzt ist. Ich versuche dem Kind die Allgegenwart Gottes zu erklären. Morgens um Sieben! (was mein Gehirn in ähnlichen Stress wie am Ende vom Campingurlaub wenn man ein Riesenzelt in die dafür vorgesehene Tasche packen soll, die plötzlich auf eine lächerliche Größe zusammengeschrumpft ist und es VÖLLIG UNMÖGLICH alles darin unterzubringen!). Samu versucht zu helfen: "Ich weiß, Gott ist überall, auch in der kleinen Steckdose hier!" Sein Finger fasst gefährlich tief in die Buchse. "Also, nicht wirklich in der Steckdose!" sage ich schwach, ziehe seinen FInger aus  diesem kleinen gottlosen Ort in der Wohnung. "Aber sonst überall." Hmm. Samu schaut sich interessiert um. Dann sagt er seufzend: "Wie gut, dass Gott nicht fest ist, sonst könnten wir hier gar nicht laufen." Ähh. Ja. Wir einigen uns darauf, dass Jesus jetzt mit ihm in die Schule geht (und dort auch schon auf ihn wartet) und das Kind zieht ausnahmsweise ganz zuversichtlich davon. Ich nehme erstmal eine Kopfwehtablette. Und dann denke ich noch ein bisschen über die Dinge nach, die viel zu groß für mich sind. Das tue ich gerade ziemlich oft (kein Wunder hab ich Kopfschmerzen!)
Vor genau einem Jahr wurde meine Mutter schwer krank und ein paar Wochen später starb sie, in meinen Armen. Das hat mich sehr erschüttert. Die kindliche Zuversicht die ich bis dahin hatte, dass das Beste noch vor uns liegt und dass SEINE Auferstehung unsere Auferstehung nach sich zieht, schien sich plötzlich erdrutschartig zu verabschieden. Ehrlich gesagt bin ich immer noch dabei festen Halt zu suchen. Ich lese viele Bücher über den Tod und was danach kommt. Ich lese was Jesus dazu gesagt hat. Satz für Satz. Ganz langsam. Ich kämpfe darum, dass die Hoffnung der Herrlichkeit mich wieder erfüllt. So wie vorher. Oder ganz neu. Wie gelassen könnte man leben. Wie wenig würde man die Welt überfordern. Was für eine Vorfreude wäre das... 
Wenn ich Samuel anschaue, dann staune ich wie sicher er in seinem Glauben ist. Oma ist im Himmel bei Jesus. Super. Dann ist alles gut. Jesus ist im Garten. Nicht in der Steckdose. Aber in der Schule. Cool. Und Tschüß. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder. Der Zusammenhang zwischen Verstehen und Vertrauen scheint viel geringer zu sein, als wir Erwachsene das so denken. Ich lese in einem meiner "Trostbücher" von Adrian Plass :
Manche Dinge lassen sich viel müheloser Glauben wenn man noch klein ist. Habe ich immer noch dieses feste Vertrauen, auf dieselbe naiv optimistische Art? Nein. Ja. Manchmal. Absolut, ohne jede Frage. Nicht im mindesten. Nur Donnerstags. Ich arbeite daran, Kind zu sein, wie Jesus es möchte, und er hilft mir dabei.
Ach, ich liebe es einfach wie mich manche Sätze zum Lächeln und aufatmen bringen. Wie eine beruhigende Umarmung von Jesus. Wir kriegen das schon zusammen hin( und bis Donnerstag sind ja auch noch zwei Tage :-)).
Eigentlich wollte ich hier noch so vieles schreiben. Davon, dass wir gerade auf Wohnungssuchen sind und ich mich ständig bei Immowelt verlaufe und denke mein Glück hängt von einem neuen Zuhause ab. Wie ich immer wieder mein Herz beruhigen muss, HIER und JETZT zu sein. Tulpen pflanzen, und dankbar sein für das was HEUTE ist. Und ich wollte euch erzählen, dass ich seit einigen Wochen wieder an einem neuen Buchprojekt arbeite und mich total darüber freue und gleichzeitig überlegen wie ich das ganze Schreiben an den kurzen Vormittagen unterbringen soll (Stichwort: Zelttasche). Und das kreative Projekt, das ich euch vorstellen wollte. Und. Und. Und. Es geht mir wie beim Kaffetrinken mit der Freundin wo man noch so viel reden wollte, aber man muss leider los. Ihr müsst los. Ich muss los. Aber eigentlich ist das Allerwichtigste schon gesagt, was mich gerade (und vielleicht auch noch die restliche Jahre, die vor mir liegen) beschäftigt: 
Ich arbeite daran, Kind zu sein, wie Jesus es möchte, und er hilft mir dabei.


Kommentare:

  1. Liebe Christina,

    vielen Dank für deinen schönen Post. Er landete gerade zur richtigen Zeit in meinem Briefkasten - jetzt, wo ich endlich verstanden habe, wie man ihn abonniert :-)
    Eine Freundin/frühere Klassenkameradin hat mir quasi zeitgleich eine enthusiastische E-Mail geschrieben. Ich habe schon am (eigentlich nichtssagenden) Betreff "gerochen", dass sie wieder schwanger ist. Ist auch so. Mit Kind No.3. Und wir warten, hoffen, bangen, sehnen uns schon so lange nach Baby No.2. Ich kämpfe mit Gedanken, wie ungerecht das ist ... So gar nicht Kind. Hilf mir vertrauen, Jesus!

    Danke für die Erinnerung, dass wir alle auf dem Weg sind.

    Ganz liebe Grüße,
    Esther

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    1. Liebe Esther! Danke für diesen ehrlichen EInblick in deine Kämpfe, wo es dir schwerfällt vertrauensvoll kindlich Gott die Hand hinzuhalten, weil ER es ja gut für uns machen wird.Ich wünsche Dir Segen! Trost. Frieden für heute. Für das was ist. Und was noch nicht ist...Ich bin zuversichlich: Jesus, wird uns beim Vertrauen helfen. Sei umarmt!!!!

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  2. mutterherzblog.wordpress.com6. Februar 2019 um 01:47

    Liebe Christina, dein post ist mal wieder ein wunderschönes Kunstwerk aus (kindlicher ;-)) Theologie, nachdenklicher Ehrlichkeit, Humor und Ermutigung geworden. Wunderschön. Danke.
    Viel Segen Dir, Inspiration und eine XXL-Zelttasche für Dein neues Buch ;-), Barbara

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    1. Dank Dir liebe Barbara!Wie schön von Dir zu "hören". Und ja - eine xxl-Tasche wäre klasse :-). Schick Dir herzlichste Segensgrüße zurück!!!

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  3. Liebe Christina, gerade beschäftigt mich auch ziemlich das Leben nach dem Tod. Ein lieber Mensch ist verstorben, dieser war nun offensichtlich kein gläubiger Mensch an Jesus, soweit ich das beurteilen kann. Die Frage wo er denn nun ist hat mich anfangs sehr belastet. Bis ich eingesehen habe, dass ich diese Last nicht tragen kann und will. Ich habe sie abgegeben. Die Fragen sind geblieben. Ist es so einfach und auch echt hart: kein Christ, also ab in die Hölle??? Jesus hat so ein großes Opfer gebracht, sollte das nicht umfassender sein? Sollten wir kleinen Menschen nun urteilen können, wer in den Himmel kommt und wer nicht? Es gibt Christen die immer so gut Bescheid wissen über alles, denn es steht ja in der Schrift...was kann man dem noch entgegen halten?!? Bei mir strebt sich was im Inneren, das alles so hinzunehmen, obwohl ich mich auch freue auf den Himmel aber auch damit "Leben" könnte, wenn nach dem Tod alles aus ist. Deine Meinung interessiert mich.LG,Elke

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    1. Liebe Elke! Danke für deine wertvollen Gedanken! Und du hast recht Es ist ja noch schwieriger sich von jemand zu verabschieden, bei dem man sich nicht mit dem Gedanken trösten kann, dass er nun "das sehen darf, was er geglaubt hat." Und ich gehöre (leider?!) nicht zu den Christen, die immer so gut Bescheid wissen. Was ich von Herzen glaube, und gegen jeden Zweifel glauben will, ist dass das Vertrauen auf Jesus, mich hineinnimmt in seine Auferstehung, also in das ewige Leben. Ich glaube auch, dass Gott unseren Willen so weit respektiert, dass er einen Menschen, der sich hier bewusst gegen ihn entschieden hat, am Ende auch Gott -los sein lässt (ich meine es war C.S. Lewis der geschrieben hat, dass die Türen der Hölle von innen verriegelt sind). Die Bibel scheint mir klar darüber zu sein, dass es diese Möglichkeit für uns Menschen gibt. Allerdings glaube ich auch, dass Gottes Arme weiter greifen werden wie wird uns das vorstellen können! Dass er verworrene Geschichten auflösen wird, Unrecht wieder gut machen wird, Gnade fließt und Jubel sein wird, wo hier Schmerz und Tränen waren. Ich glaube er wird es gut machen! Weil er gut ist. Und weil er die Herzen kennt... GOTT SEI DANK sind es nicht wir Menschen die urteilen werden!!!(ich bin einfach nur dankbar wenn ich mich an Jesus festklammern kann). Ich habe neulich dieses Zitat von Siegfried Kettling (aus "Du gibst mich dem Tode nicht Preis") gelesen, das es für mich gut ausdrückt:
      "Wir hören die Wore, die ernsthaft auf eine ewige Verdammnis weisen, wir haben sie nicht umzudeuten, sondern ernst zu nehmen. Wir hören auch auf die Worte, die von einer universalen Heilsabsicht Gottes künden, wir verdrängen sie nicht...Mitten darin,, zwischen beiden Worten- stehen wir demütig, wachend, betend, kämpfend."
      Liebste Grüße zu Dir Elke und Trost in unsere Herzen mit der Zuversicht, dass Gott es am Ende gut machen wird (für uns, und für die Menschen die wir lieb haben und für die ganze Welt).

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    2. Ich danke dir sehr für diese kostbaren Gedanken und dass du dir die Mühe gemacht hast mir zu antworten

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    3. Die Türe der Hölle ist von innen geschlossen und Gnade wird fliessen und Jubel wird sein, darüber sinne ich noch eine Weile

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  4. Vielen Dank liebe Christina für deinen schönen Post! Es ist immer so schön, von dir zu hören...Toll auch der Plass Text! Ich möchte dir einen Auszug von dem Buch:In deiner Weite lass mich Atem holen von Giannina Wedde schreiben:
    Tod ist nur ein Wort für die, die ahnen, dass Leben nicht endet, nicht an erkaltender Haut, nicht an schwarzer Erde über Leibern, auch hier nicht, an der Wölbung einer Träne, am Dunkel aufrichtiger Trauer. Denn wir sind gesegnet mit einem Versprechen Gottes,mit Leben, das alles überdauert.

    Wir sind nicht mehr die, die wir waren, bevor uns die Trauer traf. Zerteilt sind die inneren Landschaften von Klüften der Schwermut, müde kommt jeder Gedanke erst auf Umwegen ans Ziel.Immer wieder fehlt der Grund unter unseren Füßen, alles Vertraute fiel auch einem Tod anheim......

    Wir sind nicht mehr die, die wir waren. Wir sind die, die wir werden, immer, wenn einer geht, den wir liebten, und dessen Leuchten wir hüten in unserer reisenden Gestalt.

    Ich wünsche dir sehr, dass ER dich wieder auf festen Grund stellt oder schweben läßt.... ER selbst, der feste Grund, wenn nichts mehr sicher scheint, du dich im innersten Kern sicher und geborgen fühlen kannst....
    uuuuund auch das Wunder einer schönen bezahlbaren Wohnung!!!
    ganz liebe Grüße Tina

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    1. VIELEN DANK liebe Tina für deine Worte und diesen wunderschönen Text von Giannina Wedde. Was für tröstende und wahre Worte!!! (ich werde sie mir noch ausdrucken...)Ganz liebe Grüße zurück (und JAAA zu dem Wunder :-)).

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  5. Liebe Christina,

    liebe Freunde von uns sind mit dem 5. Kind schwanger und bekamen vor einer Woche die Diagnose, dass das Baby so schwere Fehlbildungen hat, dass es nach der Geburt nicht lebensfähig sein wird. Da kommen so viele Zweifel und Fragen auf und trotzdem glaube ich ganz fest, dass es ein Kind ist, gehalten in Gottes Hand. Tod ist für uns anderen, für die Eltern, die ein Kind zu Grabe tragen müssen, so furchtbar. Bitte betet alle mit für diese Familie!

    Fast bin ich beschämt, ein gesundes Baby im Arm halten zu dürfen - ein Wunder!

    Einfache Antworten gibt es nicht. Aber Hoffnung.

    RuthRoyal

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    1. Liebe Ruth! Oh, das ist ja ganz schlimm. Wie heftig muss diese Zeit für deine Freunde sein - zwischen Hoffen und Bangen und tiefster Verzweiflung...ich bete mit. Für Trost. Mitten im Dunkel. (und du hast ja so recht: wie vieles halten wir in den Händen ohne zu merken was für ein Wunder es ist!) Ich drück Dich und schick Dir ganz liebe Grüße!!!

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