Dienstag, 7. Juni 2016

ein Fest, eine Krone und eine Einladung

Am Wochenende waren wir auf dem Fest ohne Kohle. Die Jesusfreaks hatten einen Waffelstand und einen Maltisch für die Kinder organisiert. Ich habe nicht mitgeholfen. Ich  saß einfach nur dabei, habe Waffeln und Kuchen verdrückt, Schorle getrunken und lecker indisch gegessen. Alles umsonst! Es war ungewohnt das Essen ohne zu bezahlen in Empfang zu nehmen. Ich merke wie schwer mir das fällt. Und wie heilend es für mich ist. Einfach mal nichts tun. Nur empfangen. Satt werden. Ich sah in viele freudige Gesichter die mir zeigten, dass unsere Bedürftigkeit kein Grund ist sich zu schähmen.
Und das Ganze war keine schnelle Abfertigung mit Schöpfkelle - nein es war ein Fest! Mit Musik und Tanz und zusammensitzen, reden und lachen. Ein bisschen spürte ich hier etwas von Gottes Reich. Von einem Fest an dem wir alle eingeladen sind, alle die Hunger und Durst haben. We are all in Gods breadline...






Am nächsten Tag s ich dann in unserem Gottesdienst. Ich freute mich über die tolle Predigt und versuchte den Lärm zu ignorieren der zeitweise von den Kinderräumen zu uns herüberdrang. Danach redete ich mit der wunderbaren und ziemlich erledigten Kindermitarbeiterin. Ich hörte, dass die Jungs wild und anstrengend waren. Sie versicherte  mir, dass es ok ist, aber ich fühlte mich trotzdem schlecht. Der Gedanke, dass Samuel für andere anstrengend ist stresst mich genauso wie der Gedanke dass ICH für andere eine Last sein könnte. "Bitte mach dir wegen uns keine Mühe!", diesen Satz sage ich öfters mal. Wäre ja schlimm wenn wir Mühe machen. Wenn die Leute nach unserem Besuch erschöpft zusammensinken und denken: Gott sei Dank sind die Schöfflers weg! (falls es so ist will ich es lieber nicht wissen:-))

Letzte Woche hat mich meine Seelsorgerin gefragt: "Christina, kannst du die Tatsache akzeptieren, dass du an Menschen auch schuldig wirst? Das passiert. Egal wie sehr wir das vermeiden wollen." Ich mußte schlucken. Ich versuche grade mal darüber gelassen zu werden dass ich Menschen enttäusche. Schuldig werden - das ist schon eine andere Hausnummer. So ähnlich wie Mühe machen...

Am Sonntag feierten wir zusammen das Abendmahl. Ich nahm das Brot und den Wein und ohne groß darüber nachzudenken nahm ich damit die Tatsache an, dass ich Gott Mühe gemacht habe. Dass ich schuldig werde.  Mir hast du Arbeit gemacht mit seinen Sünden, du hast mich ermüdet mit deiner Schuld. (Jesaja 53).  

Er macht sich und mir nichts vor: Menschen machen auch Mühe. 

Und ja, wir werden auch schuldig. So sind wir einfach. Egal ob Kinder oder Erwachsene. 

Ich schmecke und trinke Vergebung. Ganz umsonst.

Ich liebe den Namen den Nadja Bolz ihrer lutherischen Kirche gegeben hat: House of all sinners and saints. Wer ihre Bücher liest versteht auch ein wenig warum sie sich so nennen. Es ist die Erinnerung, dass wir immer Beides sind: Sünder und Heilige. Wir können ein Segen sein und wir können Mühe machen (manchmal sogar beides gleichzeitig:-)).
 
Nach dem Abendmahl stellten wir die Tische zusammen um gemeinsam Abend zu essen. Die Reste vom Abendmahl stehen noch vor uns. Samuel bricht sich etwas von dem Brot ab. Willkommen im Haus der Sünder und Heiligen.


Heute morgen, kurz vor dem Start in die Kita, setzt sich Samu seine selbstgebastelte Krone auf. Er wirft mir zum Abschied noch eine Kußhand zu und ruft: "Du bist die beste Mama!" Mein Segen.

Danach setze ich mich auf den Sofa und versuche zu beten. Ich denke an die kommende Woche, an die Lesung am Freitag - kämpfe mit dem Gedanken ob es gut wird, was ich denn zu geben habe... da lese ich den Satz: der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.  Ich denke an Samuel mit seiner Krone und muß lächeln. Gott erinnert mich daran: 

Es ist nicht unsere tolle Leistung. Nicht unser Tun.  
Wir sind vor allem Empfangende. 
Wir sind geliebt. Wir brauchen alle Vergebung.  
Wir sind gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit. 
An jedem Tag unseres Lebens (egal wieviel Mühe wir machen!)
 

Am Freitag werde ich versuchen gut zu lesen, lustig und tiefsinnig zu sein. Dazwischen wird Chris wunderbare Lieder spielen. Ich werde meine neue rote Strickjacke anziehen und die Krone der Gnade und Barmherzigkeit tragen - willkommen im Haus der Sünder und Heiligen! Und ich hoffe und bete, dass wir alle etwas von Gott empfangen.
 
Und ihr seid ganz herzlich dazu eingeladen: 
Kommenden Freitag, 10.Juni, 19h, Plus-Buchhandlung und Cafe (CVJM) Kiesstr.3-5 in Esslingen. Ich freu mich Euch zu sehen!!!!

Kommentare:

  1. Liebe Christina,
    vielen Dank für deine Worte! Gerade durch deine Schwächen bist du so ein Segen! Immer wenn ich hier beim Stillen sitze und deinen Blog lese, ist mir das eine Ermutigung in meinem Glauben. Am Freitag kann ich leider nicht kommen, aber ich wünsch dir viel Freude und Gottes Segen dafür!
    Liebe Grüße,
    Judith

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    1. VIelen Dank Judith! Das ist so ein schönes Bild- wie du meinen Blog beim Stillen liest und ermutigt wirst. Trotz allem oder gerade wegen allem womit ich immer wieder kämpfe...Das freut mich so sehr. Viel Segen für dich, liebe Mama!

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  2. Liebe Christina, es ist immer wieder unglaublich für mich, was für tolle Gedanken Dich bewegen bei den Erlebnissen, die wir schönerweise auch öfters teilen. Ich gehe heim und denke - war ein schöner Tag! Und in Dir wachsen daraus Gedanken & Worte, die die Tage für mich nochmal in einem ganz neuen Licht zeigen und dem Erlebten noch eine neue Tiefe und Gottesbezug geben. Das ist riesig bereichernd und eine tolle Gabe!!! Danke dass Du das machst. i love it!
    :)
    Becky

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    1. Danke Becky! Ja, wie schön dass wir manches zusammen erleben! Und mir kommen die Gedanken auch erst danach, hab halt Zeit zum Nachdenken:). Segen zu dir, zu Euch! Hab dich lieb.

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