Mittwoch, 17. Dezember 2014

schenk dir Gnade.

Letzten Sonntag habe ich eine ganze Gruppe Kinder enttäuscht.
Ich wollte den Kleinen im Kinderdienst das Geschenk von Weihnachten zeigen. Dazu hab ich ein großes, schön verpacktes Paket genommen und in die Mitte gelegt.  Alle waren neugierig und voller Vorfreude. Ein Geschenk, wie toll!
Erwartungsvoll wurde ausgepackt. Jeder durfte eine Lage Geschenkpapier abreißen. Das Geschenk wurde immer kleiner und kleiner. Ich sah die strahlenden Augen der Kinder und dachte plötzlich: "Mist, gleich werden sie total enttäuscht sein." Am liebsten hätte ich die Aktion abgebrochen oder schnell noch Schokolade reingeschmuggelt. Aber es war zu spät. Die letzte Packung wurde aufgerissen und heraus kam: eine ganz kleine Krippe mit dem Jesuskind. 



Ich  habe schnell versucht begeistert zu erklären, dass genau das, das größte Geschenk an Weihnachten ist und Grund zur Freude. Aber die enttäuschten Blicke der Kinder sagten mir, dass die Schokolade  ein viel größerer Grund zur Freude gewesen wäre.

Heute morgen sitze ich in meinem Lieblingssessel im Wohnzimmer, den Blick auf die schöne Uhr, die ich mir dieses Jahr schon selbst zu Weihnachten geschenkt hab.
 
auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt gefunden!
Ich öffne mein Tagebuch  und blättere ein wenig durch meine Aufschriebe vom vergangenen Jahr. Wie schnell die Zeit vergeht!
Ich lese viel über meine Schwachheit, müde Tage, inneren Kämpfe und über den Versuch Dinge loszulassen die ich mir an der nächsten Ecke wieder auflade.
Doch- es war auch SO VIEL Gutes dabei (und ich werde auch noch einen Blogeintrag darüber schreiben, versprochen!). Aber irgendwie geht es mir beim Durchblättern der Seiten ähnlich wie den Kindern am Sonntag. Wenn ich die Tage anschaue, die Schicht für Schicht ausgepackt und gelebt wurden, dann bleibt am Ende enttäuschend wenig. Ich bin enttäuscht über mich. Ich wäre schon so gerne weiter und kämpfe doch IMMER NOCH mit denselben Dingen wie im Januar.

Aber über ein paar Sätze von Martin Schleske stolpere ich, wie über eine versteckte Schatzkiste.  
Er schreibt über die Gnade und darüber, dass sie ein Geschenk ist, was nur der Glaube öffnen und unserem Herz schenken kann. Ein vertrauender Mensch, so Schleske, hört auf sich ständig den eigenen Puls zu fühlen nach seiner Stärke oder Schwäche.
"Er ist nicht länger bereit sich ohne Gott zu denken. Er vertraut, dass Gottes Gnade mit ihm ist."

Vielleicht geht es am Ende gar nicht so sehr darum, dass ich alles besser hinbekomme und alles größer und kraftvoller wird.  Vielleicht widersteht Gott deshalb der Versuchung  im entscheidenden Moment "Schokolade" in mein Leben einzubauen weil ich dann das besondere Geschenk übersehen würde, das so klein und unscheinbar aussieht. 
Es kommt eingewickelt in meine Schwachheit und ich finde es unter dem Staub der Alltäglichkeit und dem Schmutz meines Versagens. Es ist kostbar und unbezahlbar für uns Menschen. Es steht für uns bereit, dank Jesus. Und es ist das größte Geschenk, das ich mir selbst machen kann: ich kann  meinem Herzen Gnade schenken.

Vielleicht kann mich die neue Uhr daran erinnern: seit Weihnachten leben wir unter einer neuen Zeitrechnung: Zeit der Gnade. Ein kleines, fast unscheinbares Vorzeichen, das für unsere Tage aber den ganzen Unterschied macht. Ich muß mich nicht länger ohne Gott denken.

Eine gesegnte Vor-Weihnachtszeit euch allen!!!  
Und wenn die Plätzchen anbrennen, wenn es Streit gibt statt trauter Familienharmonie, wenn euch die Enttäuschung packt über das Leben, wie es gerade ist, oder ihr entmutigt seid über euch selbst -  dann macht euch selbst das größte Geschenk: 
schenkt eurem Herzen Gnade.

Bild gestaltet von Melanie Klein

Kommentare:

  1. Ein schöner Beitrag, Christina! Den und den angekündigten "so viel Gutes"-Beitrag ;) würde ich gern bei mir verlinken.
    Liebe Grüße!

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  2. hallo Mathilda!
    Kannst den Beitrag gerne verlinken, wenn es auch nicht wirklich ein Jahresrückblick ist...aber ein bisschen wohl doch.Vielleicht der weihnachtlich melancholische Vorspann zum "so viel Gutes" Beitrag :-). Allerliebste Grüße zurück!!!!

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  3. Ja, ich finde, es passt gut zu den Jahresrückblicken. Vermutlich kennt jeder die Situation, auf ein Jahr zurückzublicken und die Dinge zu sehen, die man eben nicht geschafft hat, obwohl man es gern hätte. Dein Beitrag nimmt dieses Gefühl irgendwie gut auf und macht mal wieder so ein gutes Versöhnungsangebot... Das gelingt dir immer wieder. Liebe Grüße!

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