Montag, 20. Oktober 2014

Das vergesse ich dir nie!

Ich schreibe Listen. Täglich. Vor allem to-do-Listen und Einkaufslisten. Seit einiger Zeit liegt noch eine andere Liste neben meinem Bett. Überschrift: 
Dinge, die Heio tut, die mein Herz berühren:
  • Das Championsleague-Spiel auf dem livestream anschauen (der nicht wirklich funktioniert), damit ich die Schnulze im Fernseher anschauen kann, auf die ich mich schon seit Tagen freue.
  • Isst erst Chips NACHDEM ich in`s Bett gegeangen bin, weil er weißt, dass ich abends nicht mehr so viel essen will.
  • Betet jeden Tag für meine Mama.
  • Versucht (!) aufzuräumen.
  • Macht Bilder von Blumen und fragt mich welche mir gefallen, damit er mir einen Strauß schenken kann, der mir wirklich gefällt (und nicht nach "Tanke" aussieht)
  • Lässt mich seine Klamotten aussuchen.
  • Macht das Feuer an, wenn es mir kalt wird - auch wenn es noch Sommer ist.
Das ist nur ein kleiner Auszug. Die Liste füllt sich erstaunlich schnell. Letzte Woche hatten wir Hochzeitstag und ich habe sie ihm überreicht. Er hat sich sehr darüber gefreut.
5 Jahre verheiratet

...und ein Strauß, der überhaupt nicht nach Tanke aussieht

Aber eigentlich mache ich diese Liste vor allem für mich. Es macht mich dankbar und glücklich, wenn ich sie lese. Und es hilft auch, wenn mich der Mann mal wieder fast in den Wahnsinn treibt, mich zu erinnern, dass nicht alles an ihm schlecht ist (was ich leider in solchen Momenten dann manchmal denke!). 
Mein Problem ist nämlich, dass ich sehr gut darin bin Negativ -Listen im Kopf zu erstellen.
Sie haben so wunderbare Überschriften wie:

"Was du eigentlich tun solltest und nie tust."

"Was ich von dir erwarte." 

"Wo du mich enttäuscht hast." 
 
Und ich erinnere Heio dann bei jeder Gelegenheit:
"NIE räumst du auf, das hast du SCHON WIEDER vergessen. IMMER kommst du so spät nach dem Golfen nach Hause..."
Neulich habe ich den Satz gelesen: "Frauen vergessen nicht, sie archivieren." 
Ich musste schmunzeln und doch ist das auch ein wenig traurig und bestimmt der Grund für viel Unzufriedenheit. 

Es geht mir nicht darum, dass ich alles mit rosaroter Brille betrachten will und das negative ausklammern. Das Problem ist nur, dass die Negativ-Listen viel lauter und präsenter in meinem Kopf sind. Sie drängen sich dermassen unverschämt in den Vordergrund, dass die "Liste- die-mein Herz berührt" unter dem ganzen Stapel begraben wird. Deshalb lege ich diese Liste gut sichtbar auf meinen Nachttisch, damit sich das ändert. Es hilft mir einfach das Gute besser wahrzunehmen.  Und es ist erstaunlicherweise auch ansteckend auf andere Bereiche in meinem Leben. Mir kommt plötzlich so vieles in den Sinn, was andere schon für mich getan haben, was mein Herz berührt:
  • Der Freund der nächtelang vor unserer Hochzeit mit uns über den Listen und Sitzplänen und "wo kann das Buffet hin?"-Fragen gebrütet hat. 
  • Die Freunde die geholfen haben, die farbigen Wände meine alte Wohnung weiß zu überstreichen (und die Wände waren SEHR farbig und die weisse Farbe SEHR wenig weiss).
  • Die Freundin, die mit mir nach Amsterdam und England gereist ist, weil ich mich jeweils in einen Typen vor Ort verliebt hatte (ist aus keinem was geworden...Gott sei Dank-  für sie und für mich:-)). Sie war es auch die sofort da war, als ich blutend in der Schwangerschaft dalag und Heio nicht erreichen konnte
  • Diejenigen, die uns unterstützt haben während der Krankheit unserer Väter und als, mitten in diesem Schmerz, Samu auf die Welt kam. 
  • Sie haben für uns gebetet, Pizza oder Lasagne vorbeigebracht, auf Samu aufgepasst während ich mich kurz hingelegt habe, eine Putzkolone hat sich durch unsere Wohnung gearbeitet hat, während ich auf der Kur war (Heio hat mir nicht verraten wer es war...falls du hier liest:DANKE.DANKE).
  • Die Freundin (auf Rädern) die jeden Monat 10 Euro auf das Konto von Samu überweist, damit er in 18 Jahren davon seinen Führerschein machen kann!
Die Liste könnte endlos weitergehen:
  • Einen Buggy geschenkt bekommen (während wir uns Gedanken um das Geld gemacht haben)
  • ermutigende E-mails und Postkarten
  •  mitfreuen, mitleiden, nettes über Samu sagen... 
  • Und ganz aktuell meine Lieblingsnichte die gestern, trotz durchwachter Nacht  - wegen Samu - morgens lachend den kleinen Sohn in den Arm genommen hat.
Ach, ihr Lieben: DAS VERGESSE ICH EUCH NIE!!!!

Und wenn sich die "das enttäuscht mich aber jetzt" -Liste vordrängt, dann werde ich diese Liste hochhalten und sagen: " Moment mal, liebes Herz- hast du das vergessen?"

Auch hier gilt: Ich will mutig das anschauen was mich verletzt und wo wir einander enttäuschen (das passiert halt leider, solange wir Menschen auf dieser Erde sind). Aber dann will ich auch das Gute anschauen,es hochhalten und ehren und nicht vergessen.
Ich hoffe, dass ihr das nicht falsch versteht. Ich führe keine Listen wer mir Gutes tut und wer nicht! Aber mir hilft es dankbarer zu sein -  für JEDEN Menschen. Und ich merke, dass diese Dankbarkeit etwas heilendes in meine Beziehungen bringt. Ich sehe den anderen dann nicht mehr als den, der vor allem meine Bedürfnisse erfüllen muss (trifft vor allem auf meine Ehe zu) oder als den, dessen Bedürfnisse ich erfüllen muss(trifft auf den Rest der Menschheit zu :-)).  Der dankbare Blick sieht so viel mehr. Er hilft mir nicht nur die Aufgabe sondern vor allem das Geschenk zu sehen. 

Wie froh bin ich,dass wir einander haben.

Und das will ich ganz vorne in meinem Kopf archivieren.

ja, meine Aufgabe (!!!)... aber vor allem mein Geschenk!:-)

Kommentare:

  1. hallo Chrisch,

    wundervoll! Das sollte ich auch mal machen.
    Ich bin auch Meisterin im „du sollst“ und “du machst nie“, dabei gibt es so viele Dinge, die gemacht werden und ich sehe sie schon gar nicht mehr.
    Gute Blogidee.

    Alles Gute zum H-Tag!

    Unser Heio;)! Ich kenne ihn noch ganz anders, hahaha!
    >> Sehr sehr gut, dass du die Bekleidungsmanagerin geworden bist!

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  2. Hallo Christina,

    wie immer, wenn was Neues von Dir zu lesen ist, habe ich es mir mit einer Café latte in meinem Lieblings-Ikea-Sessel gemuetlich gemacht und mich an Deinen Gedanken gefreut. Das mit der Dankbarkeit uebe ich ja auch gerade ein... Und ich bin ueberzeugt davon, dass Dankbarkeit eine enorme Kraft hat, unser Leben zu veraendern. Positiv. Und nicht nur deshalb, sondern weil ich es so meine, sage ich Dir jetzt "danke" fuer Deine Offenheit und die Impulse, die Du weiter gibst. Liebe Gruesse & God bless, Barbara

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  3. Danke, liebe Barbara! Freut mich sehr, dass ich meine Gedanken in einem gemütlichen Kaffee-Moment mit dir teilen kann (IKEA gibt es also auch in Kanada!).Und du weißt ja: bin auch sehr dankbar für deinen blog!
    Liebste Grüße über`s Meer...

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