Samstag, 1. Februar 2014

Nicht genug !?

Heute morgen habe ich, anstatt liegengebliebenes zu erledigen, im Internet gesurft. Ich habe auf verschiedenen Blogs gelesen und wie ich den Computer ausgeschaltet habe war ich völlig niedergeschlagen. Manchmal frustiert es mich andere Blogs zu lesen, weil ich innerlich mein Leben damit vergleichen und ich mich danach klein und unbedeutend und "nicht genug" fühle:
Ich lese auf einem meiner Lieblingsblogs wie eine Mutter ihren Alltag mit ihren zwei autistischen Jungs bewältigt und ich denke: das würde ich nie so schaffen - was für eine Heldin! Oft begeistert und ermutigt mich ihr Leben einfach, aber heute beneide ich sie um ihre Leichtigkeit zu schreiben und um ihre zwei Jungs und ein kleiner Schmerz drängt nach oben, dass Samu aller Wahrscheinlichkeit nach ein Einzelkind bleibt und unsere Familie mir deshalb manchmal so unkomplett erscheint.

Auf einem anderen Blog sehe ich die wunderbaren Bilder einer Mutter mit ihren 3 Kindern (eines davon behindert). Anstatt mich, wie sonst, einfach an den tollen Fotos zu freuen frage ich mich wie sie es nur schafft, dass ihre drei Kinder immer wie kleine Models aussehen, ohne Rotznase oder Flecken auf der Hose (ich bin schon froh wenn ich morgens für Samu eine Hose finde die kein zu großes Loch hat). 

Dann lese ich auf einem anderen Blog eine wunderschöne Geschichte. Anstatt mein Herz davon berühren zu lassen denke ich nur: so gut kann ich einfach nicht schreiben und so tolle Geschichten habe ich auch nicht zu erzählen.

Mist. Ich verlasse die virtuelle Welt und sitze in meinem (noch unaufgeräumten!) Wohnzimmer. Innerlich versuche ich zur Ruhe zu kommen und bitte Gott um Hilfe. Ich schreibe in mein Tagebuch für was ich alles dankbar bin, was mein Leben so reich und wunderbar macht - die Liste wird lang! Count your blessings...
Trotzdem ist das Gefühl der Unzufriedenheit nicht ganz verschwunden. Es gibt solche Tage.

"Zufriedenheit bedeutet, das zu wollen, was man hat." 
Das habe ich irgendwann einmal gelesen. Heute ist das meine Herausforderung: Ja  zu meinem Leben zu sagen, so wie es jetzt gerade ist. Ich will mich nicht vergleichen mit dem Leben oder den Gaben der Anderen.  Wir sehen ja nur auf das was glänzt und vergleichen uns immer "nach oben". Ich sehe dann nicht auf die, die viel mehr zu kämpfen haben als ich: Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch, ohne Lebenspartner, mit gesundheitlichen Einschränkungen und anderen Nöten.

Mir ist mit meinem Leben etwas kostbares anvertraut, was nur ich leben kann. 
Mag sein, dass andere gerade tolle Geschichten leben, aber ich kann nur meine kleine Geschichte erzählen, auch wenn sie sich gerade oft etwas armselig und unfertig anfühlt. Aber das ist es worüber ich schreiben kann und ich hoffe es macht jemand Mut, der heute diesen Blog liest und denkt: bei den anderen ist alles ganz toll - bei mir ist vieles so dermassen unfertig: Hallo, willkommen in meinem Leben, ich hinke neben dir her :-).

Wir sind heute vielleicht weit von unserer Vorstellung vom perfekten Leben entfernt, aber es ist unser Leben, heute- und es will gelebt werden! Wir haben vielleicht heute nicht die besten Geschichten zu erzählen, aber es sind die unseren. Erzähl deine Geschichte, ich bin mir sicher sie ist unendlich wertvoll! Und wenn wir unsere paar Brotkrümmel teilen, wer weiß ob sie uns nicht satt und zufrieden machen können. 

Das sind meine Krümmel für heute, es ist alles was ich zu geben habe, also ist es genug. 
Seid gesegnet und umarmt!
Eure hinkende Weggefährtin, Christina

P.s.: und dann sind es die kleinen Dinge, die mich am Ende des Tages wieder freundlich daran erinnern, dass ich umgeben sind von so viel Gutem und dass das Leben selbst Gnade ist. 







Kommentare:

  1. Liebe Christina, genau deswegen, wegen der kleinen unscheinbaren(?) Geschichten, lese ich deinen Blog soooo gern!!! Zum Glück hast du heute geschrieben...deine Unzufriedenheit (heute), deine Kraftlosigkeit (manchmal), deine ehrlichen Fragen an Gott und deine Mitmenschen...da fühle ich Vertrautheit, das kenne ich, genau die vermeintlichen Stachel machen dich liebenswert, Wie du kämpfst, lachst, leidest, wieder aufstehst, gewinnst...ich weiss, hier findet das wirkliche Leben statt. Ich kenne das mit den Blogs, vor allem den amerikanischen...alles gestylt, Gott erhört jedes Gebet, alles ist voller Liebe und die Sonne scheint...meistens lasse ich mich nicht mehr so leicht täuschen....mehr Dreck bitte, mehr Leiden-schaft, mehr Unzufriedenheit, mehr Gottessuche ...In Gedanken bin ich da sehr bei dir...voll analog, eben. Grüsse von Herzen, Heike.

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  2. Liebe Christina,
    ich lese Deinen Blog auch total gern und bin immer wieder ermutigt weil ich mich in Vielem wiederfinden kann. Danke für Deine Offenheit und Ehrlichkeit!
    Ich komme übrigens auch aus dem schönen Schwabenländle... wir wohnen in einem kleinen Dorf zwischen Leonberg und Pforzheim. Meine Jungs sind 3 Jahre und 10 Monate alt und ich bin momentan mehr am Überleben als am Leben... :-)!
    Alles Gute für Dich und Deine Familie! Grüßle Dagmar

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  3. Danke Heike für deine freundlichen Worte! Das macht mir Mut weiter so ehrlich zu schreiben. So toll was du geschrieben hast: mehr Dreck, mehr Leiden-schaft, mehr Gottessuche...das mag ich auch:-).
    (Allerdings muß ich sagen, die 2 amerikanischen Blogs die ich immer wieder mal lese, sind total ehrlich: momastery.com, und lifewithgreyson. Würde dir sicher auch gefallen!). liebste Grüße!!!

    Danke auch dir, liebe Dagmar für dein Kommentar. Es freut mich total wenn du ab und zu hier etwas Ermutigung findest in deinem harten Mütteralltag. 2 so kleine Kinder- da ist sicher immer viel los...whow- mein Respekt!!! Wünsche Dir ganz viel Kraft und Segen- liebste Grüße zu dir auf`s schwäbische Dorf!:-).

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  4. Ach Christina, es ist so schön von Dir zu lesen: Du bist so ehrlich und autenthisch!

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