"Oh,
ich vermisse einen guten Roman!" Den Satz hört Heio gerade immer wieder,
wenn ich mich unruhig im Bett neben ihm hin und her werfe, weil ich
nicht einschlafen kann. Und weil ich mir dann so sehr wünsche, in eine
gute Geschichte abzutauchen. Aber weil ich (wie schon geschrieben)
Youtube, Podcasts und Romane bis Ostern faste, liege ich so ganz ohne
Ablenkung im Bett und warte darauf, dass sich die unruhigen Gedanken
legen. Das ist überhaupt eine Sache, die mir auffällt: Anstatt dass ich
diese Passionszeit nun in großer Ruhe erlebe, hat mich die Unruhe
gepackt. Ich greife viel zu oft nach meinem Handy und schaue nach, ob
ich irgendwelche lebenswichtige Nachrichten bekommen habe.(Antwort:
Nein. Wüsste nicht woher auch;-). Aber vielleicht beim nächsten
Draufschauen!). Ich lese mich am neusten Skandal fest, google sämtliche
Details und welche Promis sich dazu schon geäußert haben. Ich klicke wie
hypnotisiert auf den Insta-Account einer Person, die ich nicht kenne
und die mir nicht sehr sympatisch ist und ich ärgere mich so lange über
alles was sie schreibt, bis mir der Meta-Konzern die Tür zuschlägt, weil
ich kein eigenes Konto habe. Ehrlich: Diese Fastenzeit habe ich mir
anders vorgestellt. Freudiger. Klarer. Ich frage Jesus, was eigentlich
mein Problem ist. Er schweigt lange dazu. Ich fürchte, das Problem kann
man nicht in ein paar Sätze packen. Und dann leuchtet ein Wort in
meinen Gedanken auf - nein es blinkt mich förmlich an:
Assent.
Dieses alte englische Wort ist mir in dem Buch von Sarah Clarkson begegnet Reclaiming quiet. Es bedeutet Zustimmen. Oder: Einwilligen. Sie schreibt dazu:
Bei dieser Art von Einwilligung geht es darum, mein Ja zu dem zu geben, was mir geschieht. Meine
Zustimmung wird die Umstände nicht verändern, sie wird nur mich selbst
verändern. ...Es ist etwas was wir aus freien Stücken geben, eine
Einwilligung zu einer Geschichte, die wir vielleicht nicht selbt gewählt
hätten und die wir nicht vollständig begreifen können.
Ich kann nicht anders als bei ihren Worten an die Passionsgeschichte zu denken, die ich gerade wieder ganz langsam lese.
Mir fällt auf wie sehr Jesus genau diese Zustimmung immer wieder ganz
bewusst zum Ausdruck gebracht hat. Er hat sich nicht abgelenkt mit dem
neusten Jerusalem-Krimi oder mit Diskussionen über das Versagen der
frommen Elite. Er hat sich auch nicht in der Wüste versteckt und
gehofft, dass ihn niemand finden würde. Jesus ging in vollen
Bewusstsein, Schritt für Schritt, Richtung Jerusalem. Richtung Golgatha.
Immer wieder hat er seinem kommenden Leiden zugestimmt. Er hat den
Schmerz nicht verdrängt. Er war tief erschüttert darüber, dass Judas
ihn verraten würde und hat ihm dann gesagt: Was du tun willst, das tue bald. (Joh.13,27). In Gethsemane hat er Blut und Tränen geschwitzt, um zu seiner Zustimmung zu kommen. Er sagte Ja zu seinem Weg. Auch in dem Bewusstsein welche Freude am Ende auf ihn wartet! (Hebr.12,2).
Jetzt
bin ich (Gott sei Dank!) nicht auf so einem schweren Weg. Aber ich
merke, dass Jesus mich nach meiner Zustimmung fragt. Immer wieder. Und
vielleicht in dieser Passionszeit, in der ich alle Ablenkung aus der
Hand gelegt habe, ganz besonders. Er sucht nach meiner Einwilligung, zu
dem Leben, das mir geschieht. Nicht in der Art wie ich das mit den AGBs
oft tue, bevor ich mir online etwas bestelle. Ich klicke "Ich stimme
zu", ohne gelesen zu haben, wozu ich eigentlich zustimme (macht ihr das
auch so, oder bin ich die Einzige, die so naiv ist?). In diesen Wochen
schaue ich mir nun ganz genau das Kleingedruckte meiner Geschichte an.
Ich stimme zu. Zu der ganzen Unruhe, die mich oft überfällt. Zu der
Leere, die sich in manchen Momenten in mir ausbreitet. Zu dem Gefühl
ungenügend und überfordert zu sein. Zu dem Seelenschmerz und der
Unzufriedenheit. Zu allen ungelösten Dingen und dem was ich gerade nicht
begreifen kann. Zu meinen Umständen die ich nicht verändern kann. Zu
meinem Mann. Zu meinem Kind. Zu meinen Nachbarn. Zu mir selbst - dieser
müden, immer faltiger werdenden Frau, die ich im Spiegel sehe (und die
schon kahle Stellen auf ihrem Kopf bekommt!). Assent in your smallness, ermutigt mich meine Schwester Sarah Clarkson. Stimme
den kleinen Dingen deines Lebens zu. Und dann erlebe, wie Gott in
seiner Gnade diese kleinen Momente berührt...und sie lebenslang in
Freude verwandelt.
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