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Mittwoch, 17. März 2021

"Bänkle" am Weg

Diesen Morgen habe ich ganz für mich alleine. Was für ein Luxus! Und ich gönne mir: Zeit!  Ich blättere durch die Tageszeitung und genieße meinen Kaffee. Während ich sinnend auf unseren Garten schaue, bekomme ich eine Nachricht vom Spielkamerad meiner Kindheit. Er schreibt, dass er heute an mich denkt und meine Mutter vermisst, die genau vor drei Jahren gestorben ist. Es berührt mich, dass dieser vielbeschäftigter Mann mitten in seinem vollen Leben in Berlin innehält, um mich daran zu erinnern was heute für ein Tag ist. Ich ziehe meine "Erinnerungskiste" aus der Schublade, setze mich auf den Sofa und nehme kleine Schätze und alte Bilder in die Hand. Ich lese die letzte Geburtstagkarte, die mir meine Mutter noch geschrieben hat. Darauf hat sie den Satz aus einem Lied von Gerhard Teerstegen geschrieben:
Ein Tag der sagt`s dem andern,
mein Leben sei ein wandern,
zur großen Ewigkeit!
Passend daneben liegt ein Familienfoto, bei einer Wanderung aufgenommen. Eingekeilt sitze ich zwischen meiner Schwester und meinem Vater, unter dem fürsorglichen Blick meiner Mutter, auf einer Bank am Wegrand. Glücklich und zufrieden. Mein Vater liebte diese "Bänkle" am Weg, mindestens so sehr wie wir Kinder! Wir rannten immer schon ein Stück voraus, um dann freudig zu rufen: "Papa, ein Bänkle!" Strahlend ließ er sich mit uns darauf nieder, um dann die Schokolade aus der Hosentasche zu holen, die er heimlich eingesteckt hatte, die wir dann alle zusammen "Ripple für Ripple" genüßlich schlotzen konnten, bevor wir gestärkt weiter gingen.
 

Am Montag hat eine Freundin ihr neues Cafe eröffnet. Ganz mutig. Mitten in der Coronazeit. Erstmal wird sie ihre leckeren Kuchen, Waffeln, Salat und Suppe "to go" verkaufen, aber hoffentlich schon ganz bald können die Leute sich an die hübschen Tische setzen und auf den roten Sofas niederlassen. Schönste "Bänkle" am Wegrand!  Ich freue mich, dass ich am ersten Tag dabei sein konnte und mithelfen darf, im Cafe Wundervoll! Mit herrlich frisch gebackenem Kuchen und einem großen Strauß Tulpen (Mamas Lieblingsblumen!) kam ich nachmittags wieder Zuhause an. Ich deckte schnell denTisch bevor Samu Richtung Bolzplatz verschwand und wir machen uns über den leckeren Schokokuchen mit Sahne her, der dem Namen des Cafes alle Ehre machte!

Heute morgen, während ich hier schreibend meine Gedanken wandern lasse, ist es mir als würde Gott am Wegrand sitzen, auf einem schönen Bänkle und einladend auf den freien Platz neben sich zeigen. Und er genießt diese Momente mindestens genauso wie wir: 

Ein gemeinsamer freier Vormittag. 

Dankbar in Erinnerungen stöbern.

Tulpen auf dem Tisch. 

Weiches Sofa und warme Suppe.

Kaffee und Kuchen mit Sahne.  

Papa, ein Bänkle!  

Momente, wie kleine Schokoladeecken, die er aus seiner Hosentasche kramt, die wir friedlich schlotzend zusammen genießen. 

Um dann gestärkt weiterzuwandern.  

 Zur großen Ewigkeit....


 

 





2 Kommentare:

  1. Ach Christina, wie wundervoll! Du bist also auch so gerne zu den Bänkle vorausgelaufen! (o; Und bisher hat mich hier auch niemand verstanden, wenn ich ein Ripple Schoklad angeboten habe! (Die meisten nehmen sich dann die ganze Reihe - sei´s drum...)
    Aber der Gedanke, dass uns unser Vater auch solche Bänkle am Rand des Lebensweges anbietet und uns mit kleinen Köstlichkeiten versorgt, ist einfach so wohltuend und schön! Ich kenne zwar auch keinen Ort, der so reich mit Bänkle gesegnet ist wie unsere Heimat, aber ich will mich bei jedem der sehr raren Bänkle hier in Hessen an diesen tröstlichen Gedanken erinnern. Danke dafür!

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    1. Liebe Sigi! Wie schön!!!Du hast recht: unser Heimatort ist mit Bänkle gesegnet! Und im ernst: Ripple mit einer Reihe verwechseln?! Das ist ja schon eine Herausforderung für uns sparsame Schwaben:-). Schick Dir liebste grüße nach Hessen und hoffe auf ein Treffen auf einem Bänkle in unserer Heimat..

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