Seiten

Dienstag, 1. März 2016

am Boden

Der kleine Sohn war krank. Vier LAANGE Tage (und Nächte) hing er an mir und verfolgte mich auf Schritt und Tritt. Eigentlich wollten wir ein paar Tage wegfahren. Ich hatte mich so darauf gefreut. Jetzt hieß es alle Pläne loslassen, Buchungen absagen und - anstatt in Österreich im Schnee zu toben - Autos spielen, Parkhäuser bauen, trösten, Rotznase putzen, vorlesen. Mama sein. Und dazwischen den kurzen Moment ausnutzen wenn Heio da ist und eine Runde über`s Feld radeln. Anstatt einem Kurzurlaub - eine "Mini-Ruhe-Insel" um nicht durchzudrehen;-).

für einen kurzen Moment war er tatsächlich ein müdes "Sofakind"
aber der Spieltrieb war stärker..

wir basteln und bauen...
und zur Not gibt es noch "Feuerwehrmann Sam"

meine "Mini-Ruhe-Insel" vor der Stadt
Mein Geduldsfaden wurde jeden Tag ein bisschen kürzer und brüchiger. Am sehnlichst erwarteten Montagmorgen kommen wir dann nochmal so richtig in`s Stolpern. Wutanfall, Geschrei, an Mama klammern, Tränen und noch mehr Geschrei. Und das alles kurz nach dem Aufstehen. Der Geduldsfaden reißt endgültig. Wütend radle ich Richtung Kita, ein trotzig, weinendes Kind auf dem Rücksitz. Ich drücke ihn den Erzieherin in den Arm, die ihn mir mit den Worten abnimmt: "So, jetzt lassen wir mal die Mama in Ruhe." Ich glaube sie spürt, dass ich ziemlich am Ende bin. Die Woche hat gerade begonnen und ich fühle mich kräftemässig schon am Boden. Am liebsten würde ich mich einfach ins Auto setzen und für eine Woche abhauen. An`s Meer. Oder in ein Wellness-Hotel. Hach. Das wäre schön.
Stattdessen beseitige ich oberflächlich das Chaos in der Wohnung und blättere anschließend müde durch meine Bibel. Und mein Blick fällt auf die einleitenden Worte, die Eugene Peterson zum Buch Josua in der Message schreibt. Er erklärt ein wenig von der damaligen Kultur, der Herausforderung, den (brutalen) Kämpfen und die große Aufgabe der Josua sich stellen musste ein Volk, dass immer noch Sklavenmentalität mitbrachte zu Kämpfern und Landbesitzern zu machen. Und er schreibt:

"Der biblische Glaube hat wenig Toleranz für "Große Ideen", "grandiose Wahrheiten" oder "inspiriernde Gedanken" abgetrennt von den Menschen und Orten an denen sie sich zutragen. Gottes große Liebe und seine Absichten mit uns uns werden hineingearbeitet in das Durcheinander, die Stürme, die Sünde, den blauen Himmel, den Alltag, in die Sehnsüchte unseres gewöhnlichen Lebens."

Und er erklärt, dass es bei Gott um MEHR REALITÄT geht, nicht um eine Flucht aus unserem Leben. Es geht darum ganz bewusst die Erdklumpen unter den Füßen zu spüren, die Hände im Dreck, die täglichen Kämpfe vor Augen haben und darauf vertrauen, dass genau hier der Boden ist, in dem Gott mein Leben mit ihm wachsen lässt.

"Joshua lays a firm foundation for a life that is grounded." 

Dieser Satz spricht mich an. Ein "geerdetes Leben". Ein Glaube der mitten in der Realität meines Lebens wachsen kann. Zwischen Rotznase abputzen, Kuschelattacken, Wutanfällen, Kloputzen, mails schreiben, Freunde bekochen und müden Abendgeten nach dem Ehekrach.  Ein Glaube der darauf vertraut, dass wir "am Boden" auf Augenhöhe mit unserem Erlöser sind. 

Manchmal brauche ich mehr als nur ein paar schöne Gedanken vor dem Computer. Ich muß die Dinge anfassen und spüren. Also suche ich einen Acker, der unserem Haus am nächsten ist (nicht so einfach wenn man in der Stadt wohnt:-)). Ich schaue mir den Boden an. Fühlt sich gerade trocken und hart an. Unspektakulär. Sieht nach Arbeit aus. Aber es könnte etwas darin wachsen.
 

Ich lasse die Erde durch meine FInger rinnen und denke mir: Das ist also der Boden auf dem ich gerade - für wer weiß wie lange - lebe. Ein bisschen trocken, hart und unspektakuär. Einiges an Arbeit. Aber es ist MEIN BODEN. Hier will Gott seine Liebe und seine Absichten mit meinem Leben hineinwachsen lassen.
Ich will dieses Stück Land in Besitz nehmen. JA dazu sagen. Und ich will nicht in alter Sklavenmenatalität jammern und wie ein Opfer den Kopf einziehen und Lasten schleppen bis ich zusammenbreche. Ich will die Grenzen abstecken. Will das Stück Freiheit nehmen, das mir mein Land heute zugesteht (und wenn es nur eine "Mini-Ruhe-Insel" ist). Ich will Saat auf die Erde streuen. Auch wenn manches danebenfällt.   Einen guten Rhythmus von Ruhe und Arbeit finden. Und dem verborgenen Wachstum vertrauen. In steiniger, dreckiger Erde.

Give me a life that is grounded.
 

Und noch eine aktuelle Info: Hier könnt ihr an einer Verlosung zu meinem Buch teilnehmen (läuft allerdings morgen ab). Und es gibt eine Leserunde dazu.

3 Kommentare:

  1. Danke für diesen tollen Text!
    "Aber es ist MEIN BODEN. Hier will Gott seine Liebe und seine Absichten mit meinem Leben hineinwachsen lassen.
    Ich will dieses Stück Land in Besitz nehmen. JA dazu sagen."
    Wie oft sind wir unzufrieden mit unserem Alltag und schauen auf das Leben der anderen, das immer besser ist und deren Alltag auch immer nur von Sonnenschein geprägt ist ; ) Aber wie Sie so treffend schreiben, es ist mein Boden, der für Gott genau richtig ist, mit all seinem Unkraut und Steinen.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach ja, der Nachbarboden schaut immer ein wenig müheloser aus :-)... Danke, liebe Anna für diese gute Ergänzung!

      Löschen