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Dienstag, 18. März 2014

Ich brauche dich.

An manchen Tagen hängt eine trübe Stimmung über mir, wie eine kleine dunkle Gewitterwolke, die sich vor die Sonne schiebt und ich schaffe es einfach nicht sie loszuwerden. Gestern war so ein Tag.
Am Wochenende war bei Heio viel los und ich war die meiste Zeit mit dem kränklich, anhänglichen Sohn alleine unterwegs. Also war mit ausruhen nicht viel und ich bin erschöpft in die Woche gestartet. Es kam wie es kommen musste: das Gewitter hat sich auf den armen Mann entladen. Nun gibt es ja kleine Streitereien über den Tag, die man einfach so wegsteckt und dann zusammen weitermacht. Aber es gibt auch die Art von Streitigkeiten bei denen ein ganzer Sturm an Gefühlen losbricht und die Worte wie Blitze einschlagen und eine Schneisse der Verwüstung hinterlassen. Es war einer dieser Streits.

Ich habe wutentbrannt die Wohnung verlassen und bin mit dem Auto durch die Gegend gefahren. Eigentlich wollte ich einen ruhigen Ort finden um zu weinen und mit Gott zu reden, aber das ist nicht so einfach, wenn man mitten in der Stadt wohnt. An irgendeiner Müllhalde habe ich dann geparkt (wie passend). Ich habe die ganze Wut in mir gespürt und Gott angefleht mir zu helfen, mir zu vergeben, mich heil zu machen... Immer noch aufgewühlt bin ich dann zurückgefahren.
Am Nachmittag sollten wir Besuch von Freunden aus der Gemeinde bekommen. Vielleicht kennen das manche von euch: man hat Leute eingeladen und ist jetzt blöderweise total zerstritten. Die Frage ist dann: Leute wieder ausladen oder aber einfach so tun als ob alles in Ordnung wäre, oder einer verschwindet während der Zeit, oder man schafft es vorher den Streit zu bereinigen. Das letztere schien unmöglich und ich wollte schon alles absagen.
Aber da fiel mir noch eine Möglichkeit ein: ehrlich sein. Hmmm. Nicht so einfach für mich. Ich will andere so ungern mit meinen Problemen belasten. Der Gedanke: "anderen geht`s doch viel schlechter", hält mich oft davon ab den Menschen in meinem Umfeld mein Herz auszuschütten. Nach Rücksprache mit Heio (wir haben tatsächlich kurz miteinander geredet!) waren wir uns einig: der Besuch soll kommen, wir wollen ehrlich sein.

Also saßen wir kurz darauf am gedeckten Tisch im Garten. Fast hätte ich gekniffen, es schien so unpassend über unsere Schwächen zu reden, aber dann habe ich mir einen Ruck gegeben und gesagt: "uns geht es gerade nicht so gut."
Die Antwort war: "Ihr seht so fertig aus, wir dachten schon, dass es euch nicht gut geht." Aha. Und dann haben wir ein wenig darüber geredet was uns gerade bedrückt, wie wir im Alltag damit kämpfen die neue Arbeitssituation von Heio gut hinzubekommen, über meine Erschöpfung, meine - oft so ungerechten - Vorwürfe, wir haben einfach die Karten auf den Tisch gelegt. Die Freunde haben voller Anteilnahme zugehört, uns vorsichtig ein paar Tipps gegeben und dann noch für uns gebetet.

Eigentlich keine außergewöhnliche Geschichte. Wir versuchen eine gute Ehe hinzubekommen, wir kämpfen und es ist nicht immer einfach. Und doch fällt es mir manchmal schwer darüber zu reden. Und zwar dann, wenn wir die Situation noch nicht gelassen im Rückblick sehen können. Kein: "Ach ja, wir streiten auch manchmal" und man schaut sich dabei verliebt in die Augen. Nein, wenn wir mittendrin sind in unserem Sturm und nicht genau wissen wie wir es schaffen da heil rauszukonnen, dann fällt es mir schwer darüber zu reden. Dann fühle ich mich so schwach und verletzlich.
Aber der ehrliche Moment in unserem Garten war der Wendepunkt. Und er hat uns nicht nur wieder näher zueinander gebracht, sondern auch näher zu den Freunden, die da waren.

Bei "the work of the people"(einer wunderbaren Website) habe ich neulich einen kleinen Film von Jean Vanier gesehen. Er ist der Gründer der "ARCHE",das sind Gemeinschaften in denen Behinderte und Nicht-Behinderte Menschen zusammenleben. Er redet über "schwach und verletzlich sein" und mich haben seine Worte sehr berührt:

"Leben kommt aus der Erkenntnis, dass wir es nicht alleine schaffen, wenn wir merken: wir brauchen einen Erlöser. Kein Erlöser der mir in erster Linie Kraft gibt, sondern der mir offenbart was meine wahre Identität ist: Ich bin von Gott geliebt.
Wenn wir sagen können: ich bin schwach, ich brauche dich, das ist nichts schlimmes, sondern es kann der Ort werden wo wir einander begegnen und Gemeinschaft haben...
Die Schönheit unserer Menschlichkeit ist, dass wir wunderbare DInge schaffen können aber auch, dass wir erkennen können: wir brauchen HIlfe."

Schwäche als Chance zur Gemeinschaft.
Meine Schwäche zieht mich näher zu Gott und ich flehe ihn an mir zu helfen. Und, wenn ich mutig genug bin, kann sie mich in Gemeinschaft mit anderen ziehen, so wie gestern in unserem Garten.
Es ist nicht schlimm wenn wir am kämpfen sind. VIel schlimmer ist es, wenn wir so tun als wäre alles in Ordnung und wir irgendwann mutlos aufgeben, weil wir es dann doch nicht alleine schaffen.
Deshalb will ich lernen zu Gott und dann auch vor zu Menschen zu sagen:
Ich bin schwach. Ich brauche einen Erlöser. Und ich brauche Gemeinschaft. Ich brauche dich.

 

 

Gottes zu bedürfen, ist des Menschen höchste Vollkommenheit.
Sören Kierkegaard

 

2 Kommentare:

  1. Liebe Christina,
    ach - ich kenne die Momente so gut, mein Mann versteht mich nicht, ich bin randvoll mit allem Mist und lade es bei ihm ab und er gibt mir nicht das, was ich gerade so dringend benötigt. Wie oft bin ich ins Auto gestiegen und losgefahren, wenn ich meine Kids in guten Händen wußte. Wieviel Tränen und Gefühle habe ich am Waldrand vor Gott gebracht und dann wieder nach hause gefahren und immer noch wütend auf ihn und auf mich. Das ist nun schon etliche Jahre her - unsere Kinder erzählen heute noch davon, wenn´s Streß gab, ist Mama mit dem Auto fort und Papa ist in den Stall und abends bevor sie ins Bett sind, haben sie miteinander geredet und es kam wieder in Ordnung. Sie - unsere Kids- haben dabei gelernt, jeder sucht seinen Ort, um klar zuwerden und später wird darüber geredet und dann geht es weiter. Gebt nicht auf, es gehört zur Ehe dazu, wir sind zu unterschiedlich und wir müssen immer wieder an unseren Beziehungen arbeiten. Es ist ein Segen, wenn es dann Freunde gibt, die man daran teilhaben lassen kann und da mitdurchgehen. Fühl Dich gedrückt und umarmt und verstanden von mir, Ulla

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  2. Liebe Ulla! Danke für deine Worte! es tut gut zu hören, dass andere durch solche Zeiten gut durchgegangen sind und es macht Mut, dass es besser wird.
    Interessant, dass du auch mit dem Auto losgefahren bist...hab das noch nicht oft gemacht, aber es hat irgendwie gutgetan:-).
    Ganz liebe Grüße und Segen Dir!!!
    Christina

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