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Donnerstag, 23. Januar 2020

Was mein Leben reicher macht

Jetzt habe ich zwei Stunden an einem Vorwort für das neue Buch geschrieben und alles wieder gelöscht. Bis auf ein Zitat. Ich glaube das genügt. Manchmal können es andere einfach viel besser sagen; und viel kürzer. Dafür bin ich dankbar. Für Menschen die wunderbare Bücher schreiben und mich mit Worten beschenken, die ich auf Notitzzettel und an die Tafel im Wohnzimmer schreibe.


Und es gibt noch einiges mehr was mein Leben gerade reicher macht:  Wenn der Tag nicht  im Nebel anfängt - was für Januartage gerade erstaunlich häufig geschieht! - dann staune ich über den Sonnenaufgang vor unserem Fenster. Jeden Morgen anders.  Jeden Morgen ein Kunstwerk, das man am liebsten festhalten würde und das doch so schnell wieder verschwindet. Wer kann so einen Himmel betrachten und nicht glauben, dass es einen Schöpfer gibt? Ich kann es nicht. Ich liebe diesen Gott, der so großzügig und verschwenderisch mit seinen Kunstwerken umgeht


Und ein bisschen von seiner Wildheit kann man in den Greifvögeln ahnen! Dieser hier hat seinen Lieblingsplatz auf einem Baum vor unserem Haus.


Und diese Schneeglöckchen zeigen die filigrane Seite des Schöpfers,  ein zartes Kunstwerk, an dem ich mich seit Tagen freue!


Und ich liebe den Moment, wenn sich nach einem nebligen Vormittag die ersten Sonnenstrahlen erfolgreich durch die Wolken kämpfen. So wie gestern.


Und wie schön wenn dann vor dem Mittagessen noch ein bisschen Zeit bleibt um in einem Buch zu lesen,  weil das Kind auf dem Heimweg trödelt.



Und wenn wir dann einfach die ganze Arbeit liegen lassen und mit den Freunden eine Runde Schlittschuh laufen  und ich mich ganz jung fühle beim Dahingleiten und so lachen muss, wenn ich Samu bei seinen ersten Versuchen auf dem Eis beobachte (hinfallen aufstehen, hinfallen, aufstehen... kann man nicht früh genug lernen!). Und dann essen wir frische Waffeln am Kiosk und blinzeln verträumt in die Sonne bevor sie hinter den Bäumen wieder verschwindet, um sich auf den nächsten Auftritt vorzubereiten.



In einem Kinderlied,  das Samu so gerne mitgröhlt, heisst es:  
Was hat sich Gott dabei gedacht? Er hat die Welt so hübsch gemacht!
Ich muß immer lachen wenn ich das höre. Es klingt ein bisschen vorwurfsvoll und fast wütend! Also wirklich Gott, was hast du dir denn dabei gedacht? Wir müssen doch hier arbeiten und wichtige Dinge tun und ständig werden wir abgelenkt von Blumen und Vögeln und Sonnenaufgängen, von kleinen Menschen und schönen Worten und dem Duft von frisch gebackenen Waffeln!
Ich mag diesen Satz (der hier vor mir an der Wand hängt)  aus einem Gedicht  von Maggie Smith:

I am desperate for you to love the world, because I brought you here! 
 (frei übersetzt: Ich möchte so  unbedingt dass du diese Welt magst, weil ich dich hierher gebracht habe!)
Ob es Gott so ähnlich geht wie mir, wenn ich jemand zu einem Fest unserer Gemeinde einlade und ich dann ganz aufgeregt dasitze und hoffe, dass es dem anderen auch gefällt und er sieht was ich sehe und mag was ich mag? Ob dieser wunderbar großzügige Gott ähnlich empfindet wenn er uns auf seiner Erde sieht, auf die er uns eingeladen hat? Ich glaube fast es erfüllt ihn mit wilder Freude wenn wir die Schönheiten entdecken, die er am Wegrand für uns versteckt hat (und uns dabei ein bisschen mehr in den Künstler verlieben!).
Bei allem was uns manchmal zur Verzweiflung bringt,  bei allem kaputten und zerbrochenen das auch da ist: Unsere Welt glitzert und funkelt immer noch an so vielen Ecken und Enden!
Das Kinderlied, mit der vorwurfsvollen Frage an Gott, endet übrigens so:

Du hast die Welt für mich gemacht,
 in all ihrer Farbe all ihrer Pracht
Sie ist ein Liebesbrief an mich 
und trägt deinen Namen! 

Ab und zu muß man sich einfach die Zeit nehmen um in diesem Liebesbrief lesen  - und wenn es nur ein paar Worte sind! Ab und zu müssen wir unseren Heimweg vertrödeln!  IRGENDJEMAND muss einfach kurz stehen bleiben und die Kunstwerke bewundern, bevor sie sich wieder aufs Neue hübsch  machen.

Für Dich! In liebe, Gott. (foto: F.Blei)
 
( *aus der tollen CD: Du bist Gottes schönste Idee von: JesusBurger junior)

Mittwoch, 15. Januar 2020

Es lebe die Vielfalt !!!

 Blogpost enthält links und unbeauftragte Werbung


Der Januar ist in diesem Jahr für mich kein Anfangsmonat sondern ein Endspurt! Ich muss das Buchmanuskript Ende des Monats abgeben (und noch zwei Artikel für meine Lieblingszeitschrift Joyce schreiben). 
Gestern habe ich mir alle Kapitel für das zukünftige Buch ausgedruckt und nun liegt der Stapel neben mir und wartet auf die erste Korrekturlesung. Das ist der Moment in dem ich oft ganz mutlos werde und denke: Wieso denkst du denn, dass das jemand lesen will? Das müsste doch alles noch viel besser sein. Irgendwie gewaltiger und wortreicher und inhaltlich spannender. Passend dazu fiel mir diese Karte aus einem Buch entgegen:


Also ehrlich gesagt ist mein Buch weniger eine Axt sondern vielleicht ein kleiner Sonnenstrahl -  für das gefrorene Meer in uns:-). 
Also versuche ich noch zu feilen und zu verbessern und Dinge wegzustreichen und Neues einzufügen und überlege ob ich nicht am besten nochmal ganz neu anfangen soll. Ich könnte dem Rat von Astrid Lindgren folgen: Streich die Häflte und schreib die andere Hälfte neu. Aber die Zeit reicht dafür nicht mehr.  
Nachdem ich gestern viel zu lange gelöscht und korrigiert habe, bin ich mit Samuel einkaufen gegangen. Am Obststand haben wir dann etwas ganz wunderbares entdeckt: 


Obst und Gemüse, das üblicherweise aussortiert wird - nicht weil es schlecht ist, sondern, weil es nicht unter die EU-Norm (von Größe oder Aussehen) fällt! Was für ein Unsinn und was für eine Verschwendung! Und wie cool ist diese Aktion, oder? Keiner ist Perfekt! Amen dazu. Wir kaufen gleich zwei Beutel (Äpfel und Karotten) und bewundern Zuhause die verschiedenen Formen, bevor wir in die saftig leckeren Äpfel beissen.
Mir hat diese Sache wirklich Mut gemacht - was mein Schreiben und was mein ganzes Leben angeht! Weil sie mir vor Augen hält, dass eine perfekte Norm auf dieser Welt einfach totaler Unsinn ist! Und dass die Schönheit in der Vielfalt liegt!
Ich weiß von einer Frau die wunderbar schreiben kann. Sie will auch gerne ein Buch schreiben, hat sogar schon einen Titel. Aber sie verschiebt das immer wieder, weil sie denkt es ist einfach nicht gut genug. Und ich denke: HALLO? Das ist wunderbar! Es ist mindestens so gut wie das was ich schreibe! Und es grenzt an Lebensmittelverschwendung, das zurückzuhalten!
Aber wahrscheinlich gibt es nur zwei Arten von Schriftstellern: Die perfekten, und diejenigen die schreiben.
Und zwei Arten von Lehrer: Die perfekten, und diejenigen die unterrichten.
Und zwei Arten von Kinder: Die perfekten und diejenigen die die es im echten Leben gibt.
Und zwei Arten von Liebhaber: Die perfekten und diejenigen die versuchen lieb zu haben.

Das heisst nicht, dass ich keine Korrektur brauche! Wie dankbar bin ich für meine kluge Lektorin und für Heio, der sich gerade geduldig durch die Seiten liest. Seine Hauptaufgabe: Schau bitte, ob es ehrlich geschrieben ist. Denn eins will ich: Wahrhaftig sein (auch wenn unsere Erinnerung ja immer subjektiv sind!) und nichts anderes vortäuschen wollen als das was ist. Aus Äpfel und Karotten kein 12-Gänge-Menü machen wollen und einen Michelin-Stern erwarten! Keine Geschmacksverstärker hinzufügen oder das Ganze  mit Sägmehl strecken wollen, wenn es mengenmässig eben nur fünf Brote und zwei Fische sind. Das hört sich einfacher an als es ist. Aber letztlich geht es wahrscheinlich einfach um die Frage ob ich darauf vertraue, dass Jesus etwas daraus machen kann. Aus meinem schreiben und aus meinem ganzen Leben.  Dass er meine, manchmal sehr eigentümliche Form nimmt und andere damit stärkt und segnet.  
Wie gut, dass es bei Gott keine Normwerte gibt wie wir sein müssen! 
Es gibt keine himmlischen Normen wie schnell und wie gerade wir wachsen müssen! 
Er sortiert niemand aus!
Er legt unsere Leben nicht nebeneinander und vergleicht uns!  
Und es gibt ja so viele Geschmacksrichtungen!
Die Schöpfung ist eine einzige Erinnerung daran, die Vielfalt zu feiern!!! 


Beide Karotten: Toll gewachsen! Oder?


Dienstag, 7. Januar 2020

Kleine Zeichen feiern

Draußen ist es noch dunkel. Eben ist das Kind in die Schule geschlittert - weil Blitzeis auf der Straße - und ich habe ihm, wie ein kleiner runder Leuchtturm (Stichwort:Festtagsessen!), den Lichtkegel einer Taschenlampe vom Balkon aus hinterhergeschickt. Dann habe  ich erleichtert zu Heio gesagt: "Wie gut, dass jetzt der gesegnete Alltag wieder beginnt!" Unsere Ferienzeit war wirklich richtig schön, aber auch ganz schön anstrengend. Was auch mit dem aufgedrehten Entwicklungszustand eines 8-jährigen zu tun hat, der nicht weiß wohin mit all seiner Energie, der Freude und dem Frust. Ich habe meine Cousine gefragt, die ihre fünf Kinder schon fast großgezogen hat, wann denn wieder so ein sonniges Alter kommt. Sie meinte mit 23. Na dann.
Aber ich bin auch so voll mit Dankbarkeit! Vor einem Jahr habe ich meine Dankesliste angefangen und bin inzwischen fast bei Nr.1500 angekommen. (und ich habe mit Sicherheit so vieles übersehen - könnte schon bei 150 000 sein! :-)). Staunend blätterte ich am Ende des Jahres durch vollgeschriebene Seiten. Da war so viel Gutes! Auch in den vergangenen Ferien!

mein Lieblingsweihnachtsbild (Nichte und Neffe✮✮)

auch dafür gab es ein bisschen Zeit...
bevor wir uns nochmal auf den Weg gemacht haben

zu Freunden, ins schöne Vogtland!(bisschen Schweden, ganz nah)


kurze Momente zum Genießen!
Und dann wieder toben - so viel Weite!

(danke Franzi für das Foto!)

Happy new year!
5 Tage - eine Erkenntnis: Was für ein Segen sind Weggefährten!!!

Und nun zu meinem diesjährigen Experiment mit den Barbarazweigen:
Es gab ein paar kleinere Anfangsschwierigkeiten (z.B. wie man das Wasser wechseln soll, wenn es gefroren ist) aber ansonsten habe ich wohl fast alles richtig gemacht. Kurz vor Weihnachten tat sich trotzdem nichts! An Heilig Abend sahen die Zweige so aus:  



Heios Versuch mich zu ermutigen - hab gleich gemerkt, dass da was nicht stimmt!
War kurz davor die heilige Barbara übelst zu beschimpfen und die jämmerlichen Äste zu verbrennen. Aber, es gab ein ganz kleines Zeichen!

seht ihr das - ganz kleines Grün?
Also gab ich nochmal frisches Wasser in die Vase, bevor wir wegfuhren. Und als wir nach Silvester zurückkamen sah es so aus:



Da ist das Ding!!!
Gut, die Sache mit blühendem Zweig habe ich mir ein bisschen anders vorgestellt. Aber es war als würde Gott mir damit zuflüstern: Achte auf die kleinen Zeichen! Sei nicht betrübt über Äste die noch nicht aufblühen, sondern sei bereit eine kleine Blüte zu feiern. Und ein Blatt. (mit dem habe ich nun so gar nicht gerechnet)
Ich habe die Bilder auch immer wieder der Freundin geschickt, die sich so nach Gottes Eingreifen sehnt. Bisher ist noch keine krasse Heilung eingetreten. Aber plötzlich ist da Friede, anstelle von Panik. Plötzlich wird etwas an anderer Stelle heil (bisschen wie das unerwartete Blatt). Gott scheint etwas zu tun! Also beten wir weiter. 
Wie passend ist dazu, die Jahreslosung für 2020: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! (der Künstler Jens-Uwe Friedrich hat das hier auch so schön dargestellt). Vielleicht wird das MEIN Wort für dieses Jahr. Meine Erinnerung, ein bisschen ausdauernder und starrköpfiger zu vertrauen. Und  jede noch so kleine Sache zu feiern und als Zeichen nehmen, dass Gott uns sieht und nicht vergessen hat und unermüdlich Lichtstrahlen seiner Liebe in unser Dunkel sendet (und mein Danke-Buch ist dafür mein Vergrößerungsglas!)

In diesem Sinne wünsche ich uns allem ein erwartungsfrohes Herz für das kommende Jahr!

 Seid umarmt und gesegnet für die kommende Wegstrecken! 


Fürchtet Euch nicht! Es blüht hinter uns her.
Hilde Domin