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Dienstag, 13. Oktober 2015

Von Tränen, Tischgesprächen und den Dingen die wir nicht lösen können.

In der Kita gab es einen Personalwechsel. Samus Lieblingserzieherin hat gekündigt und seine allerliebste Bezugserzieherin hat die Gruppe gewechselt. Jetzt weint der kleine Sohn, oft mitten in der Nacht und jeden Morgens ganz herzerweichend. Er klammert sich an mich und ruft: "WILL BEI DIR BLEIBEN!!!" und "WILL KEINE AUSRUHZEIT MACHEN!". Ausruhzeit ist das Böseste und Schlimmste das es in seinem kleinen Universum gibt. Ruhig daliegen und klassische Musik anhören geht gar nicht (gut, das mit der Musik kann ich nachvollziehen). Heute morgen sucht er Leidensgefährten: "Mama, ist Papier auch traurig? Nein? Aber Wölfe sind traurig, oder?" "Klar, Wölfe heulen. So wie du." Er hat seine Seelenverwandten gefunden. 
Ich versuche ihm zu helfen. Frage ob er ein Stofftier mitnehmen will (leider haben wir keinen Wolf). Er will nicht. Ich stecke ihm ein Hustenbonbon in die Tasche, damit er es in der Ausruhzeit lutschen kann. Eigentlich eine gute Idee, denke ich. Aber da fällt mir ein, dass er manchmal auch einschläft und dann an dem Bonbon ersticken könnte. Mist. Jetzt überlege ich ob ich in der Kita anrufen soll, damit sie es ihm wieder wegnehmen. Aber dann hab ich endgültig meinen Ruf als Übermutter weg. 
Ich lasse es. Stattdessen bitte ich Jesus auf den kleinen Sohn aufzupassen. Und ihn während der Ausruhzeit ganz fest in den Arm zu nehmen, dass seine Angst davor nachlässt. Das ist das, was ich für ihn tun kann. Beten.
Es ist so eine kleine Sache. Eine Geschichte eigentlich zu banal um sie hier aufzuschreiben. Aber es sind diese Alltagsmomente die mir zeigen, dass es Dinge gibt, die ich nicht lösen kann. Aber ich kann sie dem Erlöser anvertrauen. (und anschließend versuchen mir nicht mehr vorzustellen, wie Samu an dem Bonbon erstickt!)

Am Wochenende waren wir für einen Tag im Schwarzwald bei meiner Mutter. Es war so schön durch den Wald zu spazieren und gemütlich zusammen Kaffee zu trinken. 



Meine Schwester mit Familie war dabei, auch mein Onkel war da und spontan kam noch unser ehemaliger Spielkamerad und Freund aus der Nachbarschaft dazu. Er lebt zur Zeit in München und war auch gerade zu Besuch bei seiner Familie.
Es dauert nicht lange und wir sind bei DEM Gesprächsthema dieser Wochen: die Flüchtlingssituation in unserem Land. Der Freund erzählt von seinen Nachtschichten an der "Verteilstelle für Flüchtlinge" am Münchner Hauptbahnhof. Mein Onkel, der bei der Feuerwehr ist, berichtet, dass sie auf die Ankunft von drei Bussen mit Flüchtlingen warten, die in den nächsten Tagen auf die kleinen Schwarzwalddörfer verteilt werden. Während wir am Tisch sitzen und reden, setzt sich leise die Sorge dazu. Auch die Angst fordert ihren Platz. Und die Schuld erhebt am Tischende ihr Haupt. Wir haben zu lange auf Kosten anderer unseren Kaffee getrunken. Aber auch die Hoffnung ist da. Mit der Frage was Gott wohl daraus machen wird? Ob unser Land ein Ort der Barmherzigkeit wird, an dem Menschen ihre Wunden heilen können und an dem sie am Ende für uns auch ein Segen sein können? Vielleicht lernen wir wieder zu beten. Für die Aufgaben die uns und unser Land fordern und - ja, auch ÜBERfordern. Für das was wir nicht mal eben schnell lösen können. Wir können uns dem Erlöser anvertrauen. Beten. Und vertrauend leben.
Auch wenn ich gerade nicht viel tun kann (darüber habe ich hier schon berichtet) -das kann ich tun: Ich will für unsere Regierung beten, für alle Helfer und für die Fremden die Zuflucht bei uns suchen. Deren Nächte noch voller Angst sind. Ich will beten, dass Jesus sie in den Arm nimmt. So wie ich es auch für meinen kleinen Sohn bete. 

In meinem Tagebuch habe ich zwei Gedanken aus den letzten Wochen dick unterstrichen:
 "Jesus, angesichts der Not dieser Welt will ich beten lernen. Und dich sehen. Voller Hoffnung. Trotz allem. Vertrauend. Dein Licht leuchtet im Dunkel."

 Und ein Satz von Henri Noeven:
 "But now it`s more important than ever to be faithful to my vocation (=Berufung), to do well the few things I am called to do and to hold on to the joy they bring me."

Also will ich beten (und mein Herz beruhigen, nicht denken dass ich doch DRINGEND IRGENDETWAS tun MUSS). Und treu sein in dem, was Jesus mir gerade anvertraut. Auch wenn es gerade nur etwas ganz kleines ist. Und ich will die Hoffnung und die Freude hochhalten. Auch wenn wir heute nicht die Lösungen haben. Jesus kann alles erlösen.

wir genießen die Sonne im Garten

und wir spielen Stau....

das anstregendste Wort für eine Mutter:-)
 was mich zum Lachen bringt...
und was mich zum Staunen bringt... hold on to the joy ...

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