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Mittwoch, 6. November 2013

Unterwegs...

Vergangenes Wochenende war ich mit dem Zug unterwegs, nach Holland, zur Hochzeit einer Freundin.

Mein immer positiv denkender Mann (wenn es um öffentliche Verkehrsmittel geht!) meinte: „Na, freust du dich schon auf die entspannte Fahrt?“
„Mal schauen“, war meine eher skeptische Antwort. Meine bisherigen Bahnfahrten sind mir in keiner guter Erinnerung.

Bereits auf der Hinfahrt wurde klar, dass meine Sitzplatzreservierungen falsch ausgestellt waren (auf 1. Klasse) und ich somit erst mal auf Platzsuche gehen musste. Aber das war OK, sonst lief alles ganz gut.
Am fremden, dunklen Bahnhof wurde ich tatsächlich von Freunden der Braut abgeholt. Ich hatte sie vorher noch nie gesehen, als Erkennungszeichen hielten sie die Hochzeitseinladung hoch.

Die Trauung war dann sehr bewegend:
Meine Freundin gab ein „Bekenntnis“ ab, über ihre Beziehung. Sie sprach unter Tränen von ihrem Wunsch ihr Mann würde Jesus kennenlernen und von ihrer große Freude darüber, dass sie sich nun heute gemeinsam mit ihren zwei Kindern unter den Segen Gottes stellen wollen.
Dann folgte ein fröhliches Fest mit Bergen von Essen, Musik und Tanz.

Nach einer kurzen Nacht lag nun die Rückfahrt vor mir.
In Arnheim konnte ich mit größter Mühe noch einen kleinen Stehplatz im Gang ergattern.
Die Luft war stickig, mir wurde immer schlechter und ich hatte Angst die 2 Jungs, die mir gegenüberstanden, vollzukotzen.
Kurz vor Duisburg wurde ich von dem Gedanken etwas abgelenkt, weil die ältere Frau neben mir kollabierte.
Wieder bei Bewusstsein zeigte sie Herzinfarktsymptome.
Das Durchkommen zum Schaffner war unmöglich- ich war kurz davor, die Notbremse zu ziehen.Nach 1. Hilfe Maßnahmen meinerseits, dem endlich heran eilenden Schaffner und der Suche nach einem Arzt im Abteil, wurde der Notarzt gerufen.
Mit einiger Verspätung ging es nun weiter.
In Köln mussten dann alle Fahrgäste den Zug verlassen - aus technischen Gründen.
Endlich die Weiterfahrt nach Frankfurt und dann - wieder mit Verspätung die letzte Strecke nach Hause.
Meine Verzweiflungs-SMS an Heio wurde mit „WIR WARTEN AUF DICH AM BAHNHOF! FREUEN UNS SEHR!“ beantwortet. Was für ein Hoffnungsstrahl!!!
Die letzten Kilometer konnte ich dann sogar problemlos im Gang auf meiner Tasche sitzen (ein Luxus!), und zwar direkt vor dem Abteil „Kids on tour“(kein Luxus!).
Eigentlich wollte ich auf der Rückfahrt ein Buch weiterlesen.
Aber passend zu allem gab es nur eins: die Tote Hosen, GANZ LAUT.

Mit dröhnendem Kopf stieg ich am hell erleuchteten Heimatbahnhof aus.
Da standen meine zwei Männer und umarmten mich. Samu hat bei meinem Anblick: „GRÜN!GRÜN!GRÜN!“ geschrien.
Denke mal weil es seine Lieblingsfarbe ist (und hoffentlich nicht meine Gesichtsfarbe war) und er seiner Wiedersehensfreude damit Ausdruck geben konnte.

Die letzten Tage habe ich mich in Gedanken mit einer bevorstehenden Predigt befasst.
Ich dachte darüber nach, wie toll es ist zu wissen, dass am Ende unseres Lebens jemand auf uns wartet. 
Kein Fremder am dunklen Bahnhof, der die Hochzeitseinladung hochhält, damit wir ihn erkennen, sondern unser geliebter Freund und König wird mit offenen Armen auf uns warten.
Wahrscheinlich werde ich so etwas sinnloses wie „GRÜN!GRÜN! RÜN!“ rufen, wenn ich ihn sehe, aber das ist dann nicht wichtig.
Die Beschwerlichkeit der Reise wird im Rückblick kaum in`s Gewicht fallen, auch nicht für das schwerste Leben.
Ja, es werden noch liebevoll Tränen abgewischt - und dann werden segnende Hände auf uns gelegt, es wird ein Hochzeitsfest geben, Berge von Essen (hoffe ich), Musik und Tanz.

Helmut Thielecke schreibt:
Das ist das Wunder des Evangeliums: Nicht nur wir sind auf dem Weg.
Es kommt uns auch einer entgegen, der uns kennt.
Das letzte Geheimnis der Geschichte heißt:
Es gibt für uns alle eine Heimkehr, weil es eine Heimat gibt.




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